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Im Alltag einer Hausgemeinschaft gibt es immer Überraschungen, vor allem in den größeren Wohnanlagen, den sogenannten Wohnblocks. Die überdimensionierten Wohnsiedlungen kenne ich nur aus dem Fernsehen oder von einer Fahrt durch die Vorstädte von Wien und von Berlin, wo es riesige Wohntürme gibt. In diesen Hauptstädten strahlen die Wohnsiedlungen eine ordentliche Bauweise und gepflegte Instandhaltung aus. Anderes denke ich mir, beim Anblick der Wohnblöcke, nähere  ich mich der Stadt Laibach. Die Fassaden sind unansehnlich, die  Balkone verströmen den Eindruck als könnten sie jederzeit abbrechen. Die Siedlung ist in der kommunistischen Ära Jugoslawien gebaut worden und hat keine Sanierung erfahren. Als blockfreier Staat hatte Exjugoslawien einen eigenen Charakter unter den Ostblockstaaten. Den Besuchern, den Urlaubern, den Fremden ist man mit großem Misstrauen begegnet. Das Gesicht der Autofahrer ist bei der Zoll- und Passkontrolle in der Dämmerung von Neonröhren angeleuchtet worden. Die Zöllner haben die Pässe eingehend kontrolliert und seitdem es Computer gibt, diese zur Suche in der Fahndungsliste  benützt. Ohne Angabe von Gründen wurden das Gebäck, die Handtaschen und das Auto kontrolliert. Nach einer solchen Kontrolle, beim Grenzübertritt Görz, von Italien nach Jugoslawien, habe ich in der Stadt umgedreht. Von Neugörz bin ich zurück nach Italien gefahren und habe dort eine Urlaubswoche verbracht.

Personenkontrolle.

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Während der Sommermonate erlebe ich zumeist einige gefährliche Situationen im Straßenverkehr. Der Beginn der schönen Jahreszeit beflügelt viele Autofahrer dazu, viel zu schnell zu fahren und riskante  Überholvorgänge einzugehen. In der Mitte des Sommers kommt es in Südkärnten meistens zu einer lang anhaltenden Hitzeperiode, wochenlang Temperaturen zwischen dreiunddreißig und achtunddreißig Grad. Dies war auch für das südlichste Bundesland von Österreich keine Selbstverständlichkeit, seit dem Jahr 2000 passiert dies regelmäßig. Bei dieser brütenden Hitze herrschen auf den Straßen eigene Gesetze. Keine Gesetze kennen manche Autofahrer  im Straßenverkehr. Sie drängeln, am Bahnhofsvorplatz im Kreisverkehr, obwohl nur einspurig angelegt, ohne Rücksicht an einem vorbei. Ausgelöst dadurch, dass ich zuvorkommend einem Autofahrer den Vorrang eingeräumt habe. Schnell wird die Hupe betätigt geht es darum, blitzartig bei der Grünphase die  Kreuzung bei der Bahnunterführung zu passieren. Von der Hitze abgestraft rennen die Fußgeher blindlings über die Straße.

Freiraum.

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Beschränken sich die Hitzeauswirkungen bei den Jugendlichen auf das Autofahren, so zeigen die Erwachsenen oft ein unkontrolliertes Verhalten. Die Schwüle führt bei der Jugend  zu Leichtsinn und zur Schwerelosigkeit, bei den Erwachsenen fördert die Hitze die Aggressivität. Wie ist sonst die Reaktion zweier Insassen eines steirischen Automobils zu erklären, von denen einer nach zehn Sekunden Stillstand aus dem Auto gesprungen ist und mit beiden Fäusten an meine Autoscheibe geklopft hat. Die Vorgeschichte ist, dass wir den Besuch der Komödienspiele Porcia in Spittal/Dr. vorhatten. In Schlossnähe befindet sich eine Einbahnstraße, mit quergestellten Parkplätzen. Diese Parkplätze sind nur den Ortskundigen bekannt und es gibt zumeist freie Abstellplätze. Ein anderer Autofahrer ist gerade aus einer Parkfläche zurückgestoßen und wurde von mir abgewartet. Es sind keine fünf Sekunden vergangen und ein Herr ist neben der Fahrertür gestanden und hat mit beiden Fäusten auf die Fensterscheibe geklopft. Meine Mitfahrer waren kurz davor ausgestiegen, erschrocken habe ich die Scheibe heruntergelassen. Der Fahrerkollege hat eine wüste Schimpftirade, wie: “Sie haben es eilig und mit meinem Warten blockiere ich den ganzen Verkehr“, den es nicht gegeben hat usw. losgelassen. In dem Moment wo er erneut zu einem Schimpfkanonade ansetzen wollte habe ich erwidert, sie haben hier nichts zu sagen, und die Scheibe hochgefahren. Nachdem der Parkplatz frei war, dort eingeparkt. Mit einem wüsten Hupkonzert sind die steirischen Urlauber davongebraust.

Wenn im Herbst das Wetter umschlägt, es regnerisch, kühl und nebelig wird kommt die nächste heiße Phase im Straßenverkehr. Die Schule hat wieder begonnen, die Berufstätigen sind aus dem Urlaub zurück und die Straßen in der Stadt verstopft.  Zusätzlich beginnt die  Bausaison, es wird an vielen Stellen die Fahrbahnen erneuert und ausgebessert. Solche Stoßsituationen lassen die Autofahrer, kommen noch durchschlängelnde Radfahrer und unachtsame Fußgeher in das Verkehrsgeschehen, in Rage bringen.

Aufnimmerwiedersehen.

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Statistiken belegen, dass auf den Landstraßen, wo wenig Verkehr ist, man sich beim Autofahren der höchsten Gefahr aussetzt. Die Landjugend benützt die Nebenstraßen als geheime, nicht deklarierte Rennstrecken. Hier kann man richtig Gas geben, ohne dass man abgemahnt wird und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Das nicht gefährdet gilt so lange, solange es keinen Gegenverkehr gibt. Will ich dem starken Verkehr auf einer überlasteten Bundesstraße  ausweichen, wo  in den Sommermonaten die Urlauberströme weit in die Täler hineintreiben, so wähle ich eine dieser Landstraßen. Diese verbinden die einzelnen Ortschaften in den Tälern direkt, ohne Umfahrungsstraße. In den Kurven sollte man auf alle Fälle in Bremsbereitschaft sein und am äußersten rechten Rand fahren. Es passiert mir regelmäßig, benütze ich eine solche Gemeindestraße, dass ein cooler Führerscheinneuling mit überhöhter Geschwindigkeit in die Kurven reinfährt und sie schneidet. Die Kurve wird nicht ausgefahren, sondern abgeschnitten und damit das entgegenkommende Auto massiv gefährdet. Die Hitze treibt auch bei der Jugend den Blutdruck massiv in die Höhe und animiert zum leichtsinnigen Fahrverhalten.

Es liegt schon einige Jahrzehnte zurück, damals waren wir als Jugendliche auch keine frommen Autofahrer.  In diesem Alter haben wir auf den Gemeindestraßen manche Vorsicht und Rücksicht außer Acht gelassen. Die meisten Bergstraßen und Hofzufahrten waren nicht asphaltiert, sonder nur mit groben Schotter befestigt. Dieser Schotter erwies  sich in den Kurven, bei überhöhter Geschwindigkeit, als besonders gefährlich. Je nach Antriebsart rutschte das Auto vorne oder hinten weg. Einige von uns hatten noch keinen Führerschein und waren trotzdem mit dem Auto vom Freund unterwegs. Kam es bei einem Unfall zu einer Verletzung, dann war es ein Sturz mit dem Moped. Welche Konsequenzen das Rasen und das Schwarzfahren haben könnten, dachten wir Jugendliche nicht. Hörten die Anrainer der Bergstraße in Rudersdorf, Politzen und Nußdorf ein gewisses Motorengeräusch nahen, so versuchten sie noch schnell die Kinder, die Hühner und die Katzen in den Straßengraben zu verscheuchen, bevor mein Bruder mit seinem auffrisierten Mazda durchraste.

Salto

nach:hall

Viele PensionistInnen benehmen sich als sei es selbstverständlich, dass ihnen das Paradies auf Erden zusteht. Sie schauen nur auf ihren Vorteil, sie beanspruchen dies, verdient durch die hohe Beamtenpension ihres Mannes. Jetzt können sie das Fünfsterne Kurhotel genießen. Die Bedienung kann es ihnen nicht recht machen, das Frühstücksbuffet ist nicht gut genug, es sollte noch besser und reichhaltiger sein. Obwohl man sich darunter nichts Konkretes vorstellen kann, aber man wäre ein paar Tage weniger gelangweilt. Unter uns leben auch die Zufriedenen, die es zu schätzen wissen, dass sie einen gesicherten Lebensabend genießen können. Nach menschlichen Vorstellungen ein kleines Paradies.

Befindet man sich im Pensionsdrive, dann fließen an einem oftmals die Meldungen aus der Politik, der Wirtschaft oder der Gesellschaft achtlos vorbei, als gäbe es kein Außen. Da nimmt man auch vom politischen Sommergewitter, von den Streitereien über die Einführung einer Millionärssteuer und Erbschafssteuer oder wer blutet für die Schulden der Hypo Alpen Adria Bank, nichts wahr. Mehr Aufmerksamkeit gibt es, kommt ein Anruf, dass in der Nachbarschaft ein bekannter älterer Herr gestorben ist. Eine solche Nachricht zählt nicht zu den Alltäglichkeiten, der Tod  eines Bekannten bekommt eine neue Bedeutung, ist man selbst im Pensionsalter. Noch deutlicher stellt sich dann die Frage nach der Nachhaltigkeit der Pensionstage. Man sucht nach Alternativen zum Apfelmusessen, bevor man sich mit dem Istzustand abfindet. Der Widerstand kostet Kraft. Es ähnelt dem Aufbegehren in der Jugendzeit, damals war es ein Protest gegen die Strukturen der Erwachsenen, die uns ihre Welt vorgegeben haben. Heute wüsste ich gerne etwas über die  Denkinhalte der Jungen und bin doch weit entfernt. Ich suche in den Medien, manches Mal in den Filmen, nach Aussagen, wo ich an die eigene Jugend anknüpfen könnte. Dazwischen liegen vierzig Jahre Berufsalltag und ein gewisser Sehwinkel. Bei aller Offenheit der ich mich verpflichtet fühlte, ist es darum gegangen wirtschaftlich zu überleben.

Zielpunkt.

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