friaul:import

Wohin  man heute, am 25. November, in der Draustadt blickt, aus allen Schaufenstern gucken die Weihnachtsmänner und die Weihnachtsengel. In der Konditorei bei der  Stadtpfarrkirche machen der Nikolaus und der Krampus den Weihnachtsmännern den Platz in der Auslage streitig. Rund um die Kirche reiht sich ein weihnachtliches Häusle nach dem anderen. Ob Wollpatschen, Weihrauch, Krippenfiguren, Sandbilder, Speck und Hauswürstel,Selbstgestricktes oder Früchtetee, auf dem Adventmarkt findet man alles. Seine Pforten sind weit geöffnet. Der Kirchturm wurde mit einem Lichtervorhang umhüllt. Da die Temperaturen es zulassen gibt es am Rathausplatz einen künstlichen Eislaufplatz. Dort finden die Bambini ihren Spaß.Überdacht wird der Eislaufplatz von einem Lichterzelt mit tausenden Glühbirnen. Gleich in der Nähe fährt eine Kindereisenbahn durch die künstliche Schneelandschaft.  .

Erwähnt wird gerne das italienische Flair der Draustadt, dieses kommt auch davon, dass gerade zu den Festtagen viele Besucher aus Friaul kommen. In den nächsten Wochen gibt es zwei Höhepunkte, der Christkindlmarkt und die Silvesterparty. Zu diesen Events kommen viele Busgruppen aus Oberitalien. Ohne dieses fröhliche, redselige Stimmengewirr, untermalt von Kinderrufen, wäre das Image der Draustadt nicht so südlich. Am Hauptplatz gibt es einen Besucheransturm bei den Glühweinhütten und  dem Maronistandl. Der erste Becher Glühwein und die erste Tüte Maroni schmecken am besten.

Mode sein wird.

navi:frust II

Die Aussicht mit Hilfe des Navigationsgerät schneller am Ziel zu sein und welche Folgen dies hatte, habe ich in der Verwandtschaft von einer jungen Frau erfahren.Sie war mit dem Auto in Unterkärnten unterwegs,wo ihr die Orte und die Straßen nicht so geläufig sind. Nach einem Besuch bei Freunden im Rosental wollte sie rasch auf einen Parkplatz in der Nähe vom Landeskrankenhaus Villach kommen. Die junge Autofahrerin erhoffte sich vom Navi den kürzeren und sicheren Weg, als durch die Hinweisschildern am Straßenrand. Es wird noch einige Jahre dauern und man wird sich die Frage stellen, ob die Straßenschilder mit den Ortsangaben noch notwendig sind? Die neuen Autos werden alle mit Navigationssystem ausgerüstet sein. Nach Prognosen der Autoindustrie können wir annehmen, dass die Autos in Zukunft auch ohne uns Lenker auskommen werden. Wir werden nur noch Mitfahrer sein. Wird es dann obsolet sein eine Führerscheinprüfung zu machen? Die heutigen Führerscheine werden wertlos sein. Die Fahrschullehrer werden, wie dazumal die Pferdekutscher, zu einem aussterbenden Beruf, höchstens noch ein Nischenberuf. Womit sich die vielen Verkehrspolizisten ihr Brot verdienen werden, ungewiss.

Die frischgebackene  Autobesitzerin hat in ihr Navigationsgerät die Notaufnahme vom Krankenhaus als Zielort eigegeben, um rasch den Parkplatz zu erreichen. Ihre Fahrt endete nicht am nahe gelegenen Parkplatz vom LKH sondern in der Einbahnstraße zur Notaufnahme und mit einem vielsagenden Kopfschütteln der diensthabenden Krankenschwester.

Rettungsgasse.

navi:frust I

Bei den Navigationsgeräten, die heute viel im Einsatz sind, ist nicht immer alles paletti. Als ich das erste Mal in einem Auto mit Navi mitgefahren bin, welches als die Errungenschaft vorgeführt wurde, hat mich ekelige Ansagerstimme echt genervt. Inzwischen dürfte sich einiges bei der Sprachausgabe verbessert haben. In unserer Stadt hat sich in diesen Sommer ein holländischer Urlauber einen zweifelhaften Ruhm erworben. Seine Absicht war, ein Lokal auf dem Villacher Hauptlatz, Fußgängerzone, zu besuchen und hat sich dabei total auf sein Navi verlassen. Er wurde vom Kaiser-Franz-Joseph Platz in eine schmale Querverbindungsstraße zum Hauptplatz gelotst. Diese historischen Altstadtgassen waren für Fußgeher oder für ein Pferd mit einem Karren gebaut worden. Der Urlauber hat seinem Navigationsgerät voll vertraut und sich von der Enge nicht irritieren lassen. Solange, bis er schlussendlich mit seinem Auto zwischen den Hausermauern stecken geblieben ist. Er musste mitsamt seinem Auto von der Feuerwehr aus dem Altstadtgässchen befreit werden.

Regelmäßig kann ich zuschauen, wie stolze Navibesitzer ihr Fahrzeug zurückschieben, weil die Warmbader- Allee nur zum Teil mit Kfz befahrbar ist. Die Durchfahrt wird durch zwei Säulen gesperrt. Mit einem Verkehrsschild wird zu Beginn der Straße darauf ausdrücklich hingewiesen: Durchfahrt nur für Radfahrer. In den Navis scheint diese Information nicht angekommen zu sein. Das gesperrte Stück würde eine Abkürzung bedeuten, der Weg auf der Umfahrungsstraße ist wesentlich länger. Heute will jeder schnell am Ziel sein.

Planlos.

mein:pony ll

Die Schulanfänger warten mit den Eltern im Schulhof, sie werden von hier den Klassen  zugeteilt. In der Eingangshalle  versammeln sich die übrigen Schüler und die Lehrer versuchen Ordnung in das Durcheinander zu bringen. Sie schicken uns klassenweise in die Schulräume. Ich bin aufgeregt, meine Mitschüler und mich erwartet eine Überraschung, wir bekommen eine neue Klassenlehrerin. Unsere Lehrerin, der ersten und der zweiten Schulstufe, wird wieder die erste Klasse unterrichten. Sie war zu uns fürsorglich wie eine Tante. Mit viel Geduld hat sie uns das Lesen und das Rechnen beigebracht, sie war nie böse. Unser Schulzimmer befindet  sich im Obergeschoß. Im Klassenraum raufen mehrere Buben miteinander, andere rutschen mit den Hausschuhen die Fensterreihe entlang. Einige Kinder streiten darüber, wer bei wem sitzen darf. Die Meisten von uns wählen den Sitznachbarn, die Sitznachbarin,  aus der zweiten Klasse. Ich setze mich zu meiner Freundin Ingrid, sie lebt am Bauernhof über uns, vulgo „Kircher“. Vom Gang höre ich noch Gemurmel und die Stimme von einem Lehrer, der die Kinder auffordert nicht zu laufen und in die Unterrichtsräume zu gehen. Der Schulgong ertönt  und es wird ruhig auf dem Gang. In der Klasse hat jeder seinen Sitzplatz ausgewählt, vereinzelt wird noch getuschelt. Gespannt warte ich auf die Lehrerin, die jung sein soll und aus einem anderen Tal neu an unsere Schule kommt.

Nach einer kurzen Zeit öffnet sich die Klassentür und unsere neue Lehrerin kommt herein. Wir stehen auf und sagen laut: „Grüß Gott“. Erwartungsvoll blicke ich in ihr Gesicht, welches von blonden Haaren  umrahmt ist. Sie hat ein hellblaues Kostüm und eine weiße Bluse an und nickt uns freundlich zu. Jetzt steht auch der Herr Direktor in der Klasse und deutet mit einer Geste auf die Lehrerin: „Fräulein Clara, sie ist eure neue Lehrerin. Ich erwarte, dass ihr brav und folgsam seid“. Der Direktor wendet  sich der Tür zu, das Fräulein fordert uns mit ihrer hellen und klaren Stimme auf: „ Kinder wir grüßen,  Auf Wiedersehen Herr Direktor“.  „Auf Wiedersehen Herr Direktor“, schallt  es aus unserem Mund. „Ihr könnt euch setzen“, ihre Stimme klingt ganz sanft, so als würde ein Engel zu uns sprechen. Sie steht vor der Tafel und  fordert uns auf, unseren Vornamen zu nennen. Dies geschieht ganz unterschiedlich, einige schämen sich ein wenig, andere kichern dabei, manche sagen ihren Vornamen laut und deutlich. Alle Namen schreibt sie der Reihe nach auf die Tafel. Ich kann meinen Blick nicht von ihren blonden Haaren und den blauen Augen abwenden. Sie hat eine  Ähnlichkeit  mit der Ankleidepuppe, die im dicken Katalog abgebildet ist, den uns der Briefträger in den Ferien gebracht hat. Die Mutter hat aus diesem Katalog für meinen Bruder und mich Kleider bestellt. Die Lehrerin erzählt uns vom Großglockner und von Heiligenblut, wo sie geboren wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass am Großglockner immer Schnee und Eis liegt und auch im Sommer das Eis nicht schmilzt. In Heiligenblut wachsen auch keine Äpfel und Birnen, wie hier bei uns am Zollfeld. In den nächsten Wochen werden wir im Sachunterricht mehr von Heiligenblut und dem Großglockner lernen, sie wird uns auch einige Fotos zeigen. „Ich freue mich darauf, euch zu unterrichten“, sagt die Lehrerin. „Ich habe für jeden von euch ein kleines Geschenk.“ Einzeln gehen wir  zum Schreibpult hinaus und jeder bekommt einen bunten Notizblock. Ihre blauen Augen strahlen mich ganz vertrauensvoll an, als sie die roten Lippen öffnet, strahlen weiße Zähne hervor. In ihrer Nähe riecht es so gut, sie duftet nach Maiglöckchen.

mein:pony l

„Komm Lisa, komm, wo bleibst du so lange, schnell komm“, ruft meine Mama. Ich mache einen Blick durch das offene Küchenfenster und sehe auf der Wiese, in der Nähe vom Gatter, ein braunes Pony grasen. Schon lange habe ich mir ein Pony gewünscht und der Papa hat es mir für das gute Zeugnis versprochen. Im Hintergrund höre ich meinen Bruder lachen und plötzlich ist es weg. „Nein, nein“, rufe ich und beginne zu schluchzen. „Beruhige dich Lisa, es ist Zeit zum Aufstehen, du musst aufstehen, heute fängt wieder die Schule  an“. Plötzlich bin ich hellwach, die Mama steht im Zimmer, ich muss aufstehen. Bis zum letzten Ferientag habe ich auf das Pony gehofft, vielleicht hat es sich verlaufen? Ich wollte es pflegen, füttern und auf ihm reiten. Meine Freundinnen leben in größerer Entfernung von mir, am Bauernhof sind die Tiere meine besten Gefährten. Allen voran die schwarz-weiße Katze Dorli, sie hat ein weiches Fell, drei weiße und eine schwarze Pfote. Während ich die Hausaufgaben erledige schmiegt sie sich an meine Hüfte und beginnt zu schnurren. Andere Katzen pfauchen, wenn ich ihnen das Fell streicheln will. Der zottige Hofhund Benno folgt mir überallhin, in den Garten, auf das Feld und in den Stall. In das Haus darf er nur bis in das Vorgebäude, weil von ihm Stallgeruch ausströmt. Ist er beim Fressen oder döst er in der Nähe seines Futternapfes, dann mache ich einen weiten Bogen um ihn, wie die Hühner. Kommt eine unvorsichtige Henne in seine Nähe, so reagiert er unwirsch und mit einem Satz, den man ihm ob seines Alters nicht zutraut, verscheucht er sie. Manche Henne hat dabei schon einige Federn eingebüßt. Die Haustiere sind meine engsten Verbündeten und dann mein älterer Bruder. Habe ich ihn nicht im Traum schadenfroh lachen gehört? Er hat mich wegen meines Pferdewunsches immer gehänselt. Ein Pony für unsere „kleine feine  Dame“, wie ich vom älteren Bruder boshaft genannt werde. Die „kleine feine Dame“  ist ein Verweis auf seine Schulkameradinnen aus dem Dorf. Es sind Mädchen aus den Angestelltenfamilien, welche in hübschen Kleidern, schönen Schuhen und gepflegten Haaren mit ihm die Hauptschule besuchen. Meine  liebsten Freundinnen treffe ich in den Ferien nicht oft, deshalb  freue ich mich, dass die Schule beginnt, auch wenn sich der  Ponywunsch nicht erfüllt hat. Nach dem Waschen und Ankleiden kämmt mir die Mutter die Haare und flechtet zwei Zöpfe. Gemeinsam sitze ich mit dem Bruder am Küchentisch. Zum Frühstück bekommen wir Kakao und ein Honigbrot. Ich werde nicht mehr vor dem Bruder losgeschickt, im dritten Schuljahr kann ich genauso schnell gehen wie er. Mein Bruder schämt sich, wenn Buben aus seiner Klasse zu uns stoßen, für seine kleine Schwester. Von den Bubenstreichen bin ich ausgeschlossen, ich gelte als verweichlicht. Es verletzt ihren Bubenstolz, wenn sie sich mit einem Mädchen unterhalten. Vor dem Haus warten schon Kinder aus der Nachbarschaft, zu Fuß gehen wir eine halbe Stunde in die Schule.

Fortsetzung folgt…..

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