fernseh:opa

Als in den sechziger und siebziger Jahren das Fernsehen in die Haushalte eingezogen ist, waren davon auch die Kinderzimmer betroffen. Rückblickend könnte ich sagen, dass die Kindersendungen im Fernsehen in die Erziehung des Nachwuchses mit eingebaut wurden. Später sind eigene Fernsehkanäle für Kinder dazu gekommen. Um Ruhe zu haben setzte man die Kinder vor den Fernseher. Anderseits, um die Kinder zu bestrafen, verbot man ihnen für ein paar Tage das Fernsehen. Bei den Kindern der 60er, 70er und 80er Jahre war das Fernsehen, ob Belohnung oder ob Bestrafung, ein Bestandteil der Erziehung. Im Internat war in den 60er und 70er Jahren das Fernsehen ein brauchbares Mittel um ganze Schulklassen zu bändigen. Herrschte im Studiersaal nicht die notwendige Ruhe, dann drohte der Präfekt damit, dass die TV Sendung Fury, um siebzehn Uhr, entfallen wird. So wurde auch hier das Fernsehen als leicht benützbares Erziehungsmittel eingesetzt. In Österreich versuchte man dazumal bei den Kindern die Fernsehabhängigkeit zu vermeiden.

Heute ist eine der ersten Fragen von Urlaubern an den Rezeptionisten, gibt es einen kostenlosen Internetzugang, ist in den Hotelzimmern ein Fachbildschirm und wie viele TV-Programme können wir empfangen. Für viele ist dies wichtiger als eine große Auswahl beim Buffet. Bei gleichzeitiger Benützung des Smartphone wird im Speisesaal das Essen zu sich genommen. Niemand wartet mit der Benützung des Handys bis nach dem Essen oder bis man in der Hotelhalle sitzt. Die Kommunikation mit dem Partner beim Abendessen besteht darin, dass man sich gegenseitig die neuesten Nachrichten oder SMS auf dem Handy zeigt. Für die Generation Web 3.0 ist dies ganz normal, die ältere Generation blickt deshalb verstohlen zum Nebentisch.

Silenzium

jausen:brot II

Der Meldeamtbeamte war dabei seine Stolle zu verzehren und ich platze in seine Kanzlei. Schnell verschwindet das Jausenbrot in der offenen Schublade im Schreibtisch. Ein unwirsches, was brauchen sie,  ist der erste Satz den er mir entgegen schleudert. „Eine Wohnungsänderung, haben sie das Anmeldeformular bereits ausgefüllt? Nein, es liegt am Gang auf. Zudem Mietvertag bzw. eine Bestätigung des Vermieters, dass sie unter dieser Adresse wohnen, dann sehen wir uns wieder. Auf Wiedersehen. Eigentumswohnung, dann müssen sie den Kaufvertrag mitbringen“.  Beim Satzende ist die Schublade endgültig geschlossen und ich stehe am Gang vor der Türe. Das Formular zur Anmeldung eines Hauptwohnsitzes liegt am Eingang auf.

Geschwind lese ich die einzelnen Punkte durch, vielleicht gibt es noch die eine oder andere offene Frage? Etwas ist mir am Formular unklar, soll ich zuerst den alten Hauptwohnsitz abmelden oder mich zuerst neu anmelden und dann abmelden. Noch einmal in dasselbe Bürozimmer, lieber nicht. Ich probiere es beim nächsten Zimmer. Am Schreibtisch sitzen zwei junge Burschen, einer davon im Rollstuhl. Ein freundliches was können wir für sie tun, welches Anliegen haben sie? Ich habe eine Frage zum Wechsel des Hauptwohnsitzes, wir können die Ummeldung gleich vornehmen, haben sie ein Ausweisdokument mit? „Ja, den Reisepass, aber keinen Kaufvertrag.“  „Der Reisepass genügt, den Kauf  können wir online im Grundbuchregister nachsehen“.  Die Verständigung bei der alten Wohngemeinde vom Hauptwohnsitzwechsel erledigen wir. Nach fünfzehn Minuten habe ich einen neuen Meldezettel. Einen schönen Tag noch.

Resttage.

jausen:brot I

Der erste Schritt, sich von der Gesellschaft zurückzuziehen beginnt damit, dass man die Normen, welche die Gesellschaft aufgestellt hat, die sie nach außen und innen zusammenhält, nicht akzeptiert. Manche Forderungen findet man skurril, wo und bei wem man sich anstellen muss, um verschiedene Formalitäten zu erledigen. Dabei erlebt man, wie unterschiedlich, um nicht zu sagen wie willkürlich bei den Behörden vorgegangen wird. Zur Veranschaulichung genügt ein alltäglicher Vorgang, die Anmeldung des Hauptwohnsitzes. Ausgestattet mit dem Ausweisdokument Reisepass begibt man sich zum Meldeamt auf das Magistrat. Dort gibt es mehrere Büros die für die Anmeldung zuständig sind. Bei zwei Türen leuchtet das grüne Licht, die Aufforderung zum Eintreten, auf. Das grüne Licht heißt einem willkommen, mit einem Klopfzeichen tritt man ein.

Der vorwurfsvolle Blick, den einem der Beamte zuwirft, spricht eine deutliche Sprache, irgendetwas hat man falsch gemacht. War es ihm unangenehm, da er gerade dabei ist sein Jausenbrot zu verzehren und hat man ihn dabei gestört? Er hat ein Jausenbrot, wie es sie früher gab, keines dieser modischen Sandwich, in seiner Hand. Wahrscheinlich hat ihm heute Früh seine Frau, die zwei Stück Schwarzbrotscheiben mit etwas Butter bestrichen, dann mit reichlich Tirolerwurstscheiben belegt und zur Geschmacksverstärkung zwei Blatt Emmentalerkäse daraufgelegt. Damit es keine trockene Angelegenheit wird, separat zwei Stück saure Essiggurken in Fettpapier eingewickelt. Die Wurstbrote fein säuberlich in der Mitte durchgeschnitten und alles in einer lebensmittelechten Frischehaltebox verstaut.

Schmackhaft.

k:therme II

Die günstigen Arrangements in den Hotels erstrecken sich zumeist über vier Tage, von Montag bis Donnerstag. Bei einem Tagesausflug, noch mehr bei einer Seniorenreise spielt das gute Essen eine wesentliche Rolle. Dabei muss man den Hotels in Oberitalien ein Kompliment machen. Auch im mittleren Sternebereich  ist das Essen vorzüglich und reichlich. So haben sie die meisten Gäste gleich auf ihrer Seite. Dies beginnt mit einem guten Cappuccino. Das Gegenteil kann man in Kroatien erleben, kein guter Start in den Tag. Als Senior verfällt man dem Laster, bei Halbpension, dass man in den ersten Tagen beim Abendbuffet zu viel isst. Das reichliche Essen stört die Nachtruhe.

Zum Schrecken der Partnerin lange ich in den ersten drei Tagen kräftig am Buffet zu. Dies könnte bei den anderen Hotelgästen den Eindruck erwecken, als hätten wir zu Hause nichts zu essen. Danach pendelt sich der Bedarf ein, um in den letzten zwei Tagen vor der Heimreise sprunghaft anzusteigen. Mit Schaudern wendet sich die Freundin ab und klärt mich darüber auf, dass wir nach der Heimkehr nicht hungern müssen.

Ich habe den Eindruck, dass unsere Wohnungskatze Undine einem ähnlichen Rhythmus folgt. Hole ich die Reisekoffer aus dem Keller, dann streift sie ständig um die Füße, miaut und geht mit erhobenem Schwanz voraus in die Küche.Vor der Tür in der Küchenzeile, wo sich das Katzenfutter befindet, bleibt sie stehen und kratzt mit der Pfote daran. Kommen wir wieder nach Hause, weicht sie die nächsten Tage nicht von unserer Seite und verlangt ständig etwas zum Fressen.

Mäuseburger.

k:therme I

Um bei den Besuchern attraktiv zu bleiben gibt es von der Kärnten Therme eine Reihe von speziellen Angeboten. Der größte Vorteil ist die Alleinstellung in Mittelkärnten, die leichte Erreichbarkeit für die Einheimischen. Auch für die Italiener aus dem oberitalienischem Raum. Denkt man an die Vielfalt von Thermen in der Steiermark, in Ungarn und Slowenien ist es eine erstaunliche Leistung, dass man in den Bemühungen eine neue Therme zu errichten, nicht nachgelassen hat. Wie in vielen täglichen Lebensbereichen bedarf es zum guten Leben nicht einer großmächtigen Zentralisierung, sondern einer Dezentralisierung. Dies  bedeutet für einen großen Teil der Bevölkerung ein mehr an Lebensgenuss statt Lebensverdruss. Wer das Weite sucht, kann dies mit den Reiseveranstaltern, welche regelmäßig in die Thermen von Slowenien, Ungarn oder nach Abano fahren, tun.

In der Kärnten Therme gibt es Angebote für Kindergeburtstage, günstige Eintrittspreise für Familien, Tickets für Kurzbadezeiten und einen eigenen Seniorentag. Das Erfreuliche ist, nicht eine junge barbusige Frau im Bikini macht dafür Reklame, sondern eine Frau, der man das Alter im Gesicht und am Körper ansieht. Am Seniorendonnerstag erhalten die Pensionisten mit dem Eintritt einen Gutschein für den Mittagsteller. Dies lockt doch eine spezielle Gruppe von Senioren an. Manche kommen bestimmt gerne wieder, weil der Mittagsteller reichlich ist. Wer keinen Einspruch erhebt, bekommt auf jeden Fall zwei Stück faschierte Laibchen oder zwei Stück Champion Schnitzel und dazu reichlich Beilagen. Die meisten Pensionisten stimmen, wenn sie gefragt werden ob sie zwei Stück auf den Teller wollen, zu. Gut und viel Essen gehört zu den letzten Genüssen des Alters. Oft isst dabei das schlechte Gewissen mit, weil das Übergewicht zunimmt, die Blutfettwerte weiter in die Höhe steigen. Schon mancher hat sich mit dem Gedanken getröstet, lieber jetzt ein deftiges Mittagessen, bevor es vom Arzt verboten wird. Gleich den Tieren lassen sich die Senioren beim Essen nicht stören.

Futterplatz.

fahrt:taxi II

Kommt es zu dramatischen Vorfällen bei einer Taxifahrt, dann dringt dies in die Öffentlichkeit. Zumeist erzählen dann die Betroffenen, was sie alles mit ihren Kunden erleben. Zumeist unter den Tisch fallen die Erfahrungen, welche die Kunden mit den Taxifahrern erleben. Mit zwei Koffern sind wir am Sonnabend aus Villach mit dem ICE am Bahnhof in Prag angekommen. Unser Hotel befand sich etwa geschätzte zehn Fahrminuten vom Bahnhof entfernt. Vom Bahnsteig folgten wir den Hinweisschildern zum Taxistand. Von der Eingangshalle führte links ein Ausgang zu den Taxis. Vor uns parkten etwa sechs bis acht Taxis älterer Bauart, alle in gelber Farbe. Sofort näherte sich uns eine Person, der wir die Hoteladresse zeigten. Deutsch, und eine andere Person eilte herbei. Kein Taxi besaß einen Gebührenzähler, bei der Frage nach dem Preis zückte der Fahrer aus der Hosentasche eine Preisliste, mit verschiedenen Preisen. Er zeigte auf € 25.–. Meinem Gefühl nach schätzte ich die Strecke für eine Gebühr von  zehn bis zwölf Euro ein. Ich machte ihm klar, dies wäre viel zu teuer. Er versuchte es noch einmal und zeigte auf € 20.–. Wieder lehnte ich ab und es kam ein dritter Herr. Dieser fragte, was ich bereit bin zu zahlen. Ich wollte nicht unverschämt sein und sagte € 15.–, für zwei Personen. Er sagte es ist ok und winkte einem Kollegen, der sich wutentbrannt  an das Steuer setzte. Mit dem klapprigen Opel raste er wie die Feuerwehr durch die Stadt. Das Rot der Verkehrsampeln ignorierte er und die Kurven wurden geschnitten. Der Umstand, dass die Straßen um diese Uhrzeit wenig befahren waren, verhinderte wohl das Schlimmste. Ich vertröstete mich damit, dass die Fahrt bald zu Ende sein wird, sie dauerte gerade mal fünf Minuten.

Bei der Abreise organisierte uns das Hotel ein Taxi, es kam ein neuer Mercedes Van, wo wir wie in einem Wohnzimmer auf zwei Couch gegenübersaßen. Der Fahrpreis vom Hotel zum Bahnhof betrug € 10.–.  Während der Zugfahrt blätterte ich noch einmal im Reiseführer, dort wurde vor den Wucherpreisen der Taxifahrer gewarnt.

Gebührenpflichtig .

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