handy:manie II

An der Festtafel bleiben die gesetzteren Jahrgänge zurück, welche ein Gesprächsthema mehr haben, die Handymanie der Enkelgeneration und wo dies hinführen wird? So verläuft die Unterhaltung nicht beim üblichen Austausch der Familienneuigkeiten, über Geburten und Todesfälle. Es wird spannend, geht es um Nachrichten von weit entfernten Verwandten. Hierbei gibt es manches Mal nur Vermutungen, man hat von diesen schon lange nichts mehr gehört, er oder sie wird doch nicht verstorben sein?

Viele Jugendliche träumen davon, nach dem Abschluss einer Fachhochschule einen Job in der Internetbranche zu finden. Bevorzugte Arbeitgeber wären Microsoft und Google. In der Maturaklasse einer HTL programmierten Schüler eine Handyapp, mit der automatisch, in unregelmäßigen Abständen, an die Großeltern nette Grüße verschickt werden: „Einen schönen Sonntag, einen lustigen Fernsehabend oder wir haben Euch lieb“. Im Stundentakt wird man vom Smartphone aufgefordert die bestehenden Apps zu aktualisieren und neue zu installieren. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Immer mehr Jungunternehmer glauben, dass gerade ihre App der Menschheit gefehlt hat. Neue Appsvorschläge für Kärnten:  Eine Wetterapp mit nur Schönwetter, erstellt vom Tourismusverband. Eine Apps für Wanderungen, erstellt vom Club der Motorradfahrer. Eine Apps für das Privatradio Antenne Kärnten, erstellt vom Staatsrundfunk ORF. Neuerdings wird das Smartphone zum Fitnesscoach und Taschendoktor. Die Zeitschrift Computerbild veröffentlicht im Web täglich neue Apps für Handys mit Google oder Android Software.

Die Orte, wo das Handy verwendet wird, kennen keine Grenzen mehr. In Konzert- und Kinosälen wird noch darauf hingewiesen, die Handys auszuschalten. Diese Aufforderung bräuchte es auch bei der Sonntagsmesse. In der Stiftskirche Ossiach hat eine Dame mittleren Alters während der Festmesse mehrere SMS beantwortet, gerade so, als würde sie sich das Haar aus der Stirne streichen. Wohl kaum eine Nachricht Gottes, wahrscheinlich war es eine Freundin. Was den Jogger mit dem Handy am Ohr aus der St. Georgskirche am Faakersee hat stürmen lassen, weiß ich nicht. War es ein Anruf Gottes, wahrscheinlicher ist, es war ein Laufkollege. Wie wäre es mit dem Programmieren einer Gottesapp .

Fortschritt

handy:manie I

Von Zukunftsforschern und Kommunikationswissenschaftler wird in den Medien darüber spekuliert, wie das Smartphone unseren Alltag prägt und unser Leben in Zukunft weiter verändern wird. Dabei steht nicht die Handynutzung der Generation Fünfzig + zur Debatte, sondern die der Kinder Fünf +. Wohl aber gibt es darüber bei der Generation Fünfzig + die meisten Diskussionen, aus Sorge um ihre Enkeln und Urenkeln. In welche Handywelt werden die Enkel hineingeboren? Die Befürchtungen sind verwunderlich, wenn man sieht wie viel Spaß die 2 bis 22-jährigen bei der Benützung des Handys haben. Welche Hilfe es ihnen im Alltag bietet: Bei der Suche nach Informationen für das nächste Event, einem Kinofilm oder eine Vorausorder bei McDonalds. Die Großelterngeneration erregt sich lautstark darüber, dass die ständige Präsenz des Smartphone bei den Enkeln gesundheitsschädliche Folgen haben wird. Man sieht die ganze Enkelgeneration als Handy-süchtige in einer Spezialklinik auf Entzug. Ob sie recht behalten werden? Sie müssen feststellen, dass sich der Nachwuchs bei einer Familienfeier, sei es Geburtstag, Taufe oder Hochzeit, wo sich der Großteil der Familie versammelt, kaum mehr mit ihnen unterhalten. Schnell reichen sie den Omas die Hand zur Begrüßung, dabei wird die Frage, was macht die Schule oder wie geht es in der Berufsausbildung, abwesend beantwortet.

Zumeist steigen sie schon mit dem Smartphone in der Hand aus dem Auto und verschicken ein Selfie an die WhatsApp Community vom uncoolen Geburtstagsfest. Findet diese am Ufer vom  Millstättersee statt, sollte auf dieses Bild idealerweise die blühenden  Rosensträucher, welche jetzt im Herbst im Rosarium ein zweites mal blühen. Die aufgeblühten Knospen sind kitschig genug, um einen fotografischen Verriss zu posten. Anders als die Generation Fünf schwärmen die über Fünfzigjährigen für dieses Gartenparadies. Die  Familienfeier verläuft, so wie immer in den letzten Jahren. Die jugendlichen Teilnehmer sondern sich ab und kommunizieren über das Handy miteinander. Die neuesten Links und Apps werden getauscht oder ein Video auf YouTube angeschaut. Dank Smartphon können sie die Zeit vor und während des Essens gut damit überbrücken, um nach dem Servieren der Nachspeise  sehr eilig die Gesellschaft zu verlassen.

Handyfrei

inte:gration II

Von den Hilfsorganisationen wird die moralische Hilfe eingemahnt, wenn ein Teil der Menschheit um das nackte Überleben kämpft. Die regelmäßigen Bettelbriefe von den NGOs werden zur emotionalen Belastung. Vielen von den Senioren fehlt die notwendige Distanz. Die Kleinspender  gestehen sich ein, dass sie bei der Linderung des Elends nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Ihnen ist nicht bewusst, dass viele Tropfen den heißen Stein kühlen können. Genießen sie ihren bescheidenen Wohlstand, müssen sie dafür kein schlechtes Gewissen haben.

Den Umtrieb mit dem schlechten Gewissen verstehen besonders die christlichen Gemeinschaften. Die Texte, Gebete und Gesänge während einer Messfeier sind eine Aneinanderreihung von Schuldeingeständnisse: „Ich bekenne vor Gott und den Mitbrüdern, dass ich böses getan und gutes unterlassen habe….“  Eine Zugabe gibt es zumeist in der Predigt. Darin wird vor Trug und Lug gewarnt und doch ist manches bei den handelnden Personen äußerer Schein. Nach der Lehre der katholischen Kirche sind wir allesamt als sündige Menschen geboren und ständig auf die Vergebung unserer Sünden angewiesen. Wir machen Fehler, bewusste und unbewusste, absichtliche und unabsichtliche, große und kleine. Aber sich dafür zu grämen sehe ich zu weit gegriffen. Grobe Verfehlungen gegen die Mitmenschen werden von Gesetzes wegen verfolgt.

Es mag paradox klingen, nicht nur die Hilfsbedürftigen, sondern auch gewisse Schichten bei den Hilfsbereiten haben Unterstützung nötig. Es ist nicht jedermanns Sache, nicht von sensiblen Menschen, mit dem Ungleichgewicht in der Welt zu Rande zu kommen.

Mea culpa

inte:gration I

Ich kann bei einer Suppenverkostung zugunsten eines Flüchtlingszentrum beobachten, wie distanziert und affektiert es bei manchen Zufallstischgesellschaften zugeht. Wie wenig einladend die Blicke der Menschen untereinander ausfallen. Wie sieht es, von dieser Beobachtung ausgehend, dann um eine Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen aus? Kann dies gelingen? Oft wiederholt sich, dass jene, welche von anderen Hilfsbereitschaft einfordern, sich daran nicht beteiligen. Die Mitbürger werden zum Teilen aufgefordert, sie behalten den besseren Teil für sich. Sie wollen bei den Hilfsbedürftigen, den uns zumeist fremden Menschen, nicht anstreifen. Es sagt sich leicht, wir leben alle auf derselben Erde, es gibt nur diese eine Welt. Wir sind alles Menschen und haben dasselbe Blut. Trotzdem empfinden wir bei einer anderen Hautfarbe etwas Trennendes. Vielfach geht es auch um eine mögliche Verständigung. Bei der Jugend ist es die Regel, dass sie sich global auf Englisch verständigen können. Bei der älteren Generation trifft man noch auf viele Personen, welche nur die Landessprache sprechen. Wird man darauf aufmerksam gemacht, dass man nur deutsch spricht, empfindet man dies als Makel.

Wer sind die Spender für Nachbar in Not, für Ärzte ohne Grenzen oder für die Caritas? Von Greenpeace oder Amnesty International weiß ich, dass sie viele Kleinspender haben. Menschen mit geringem Einkommen, einer Mindestpension. Diese spenden zumeist da und dort, in Relation zu ihrem Einkommen  viel. Die stündlichen Meldungen von den Naturkatastrophen, den Kriegen und Hungersnöten aus allen Teilen der Welt stellen eine menschliche Belastung dar. Ältere Menschen fühlen sich von den Verletzten, den Hungernden und den Flüchtlingen direkt angesprochen. Sie verfolgen ohnmächtig die Fernsehbilder, obwohl sie zu den Hilfsbereiten in der Bevölkerung gehören. Reicht es auch für sie selbst nur zu einem bescheidenden Dasein, so fühlen sie sich mitschuldig am Elend der Welt. Sie können die Bilder von notleidenden Menschen nicht ausblenden. Solche Berichte verfolgen die Senioren, die teilweise soundso unter Schlafstörungen leiden, bis in ihre Träume. Die Jahre, wo man sich auf die Nachtruhe gefreut hat, haben die meisten hinter sich.

Schlaftrunken

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