reise:heute II

Die Zugfahrt von Villach nach Hamburg dauerte etwa zwölf Stunden, wobei ich die Zugfahrt keinesfalls missen möchte. Ein Zugabteil ist ein kleines menschliches Biotop auf  kleinem Raum. Die Wetterfolge im Norden hat sich wechselhaft und windig gezeigt. Tagsüber wechselten Sonnenschein und Wolken mit kurzen Regenschauern in schneller Folge. Eine Windjacke war bei den Ausflügen immer dabei. Die Tagestemperaturen ähnelten nicht unseren gewohnten Sommertemperaturen. Ein Badetag an der Ostsee stand für uns von vornherein nicht auf dem Speiseplan. Das die Geburtsstätte für den Strandkorb an der Nord- oder Ostsee liegt, wurde uns auf jeden Fall klar. Dazu eine passende  Episode von einer Reisebekanntschaft. Diese haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass auch die Badeseen in Kärnten keine warmen Lacken sind. Vor einigen Jahren haben sie einen Badeurlaub am Weißensee in Kärnten verbracht. Von einem deutschen Reisebüro wurde ihnen der Aufenthalt empfohlen, da der Weißensee der wärmste Badesee von Kärnten sei. Während ihres Urlaubs herrschte zeitweise Schlechtwetter, ein Badevergnügen war nicht in Sicht. So war ihrerseits der Vergleich mit der Ostsee naheliegend. In Wirklichkeit ist es umgekehrt, der Weißensee ist der höchstgelegene Badesee Österreichs und der kälteste See in Kärnten.

Steigt man aus dem Zug am Hauptbahnhof  in Villach, empfindet man die vielen Eindrücke von der Städtereise gerade so, als ob man am Ende von einem Film aus dem Kino hinausgeht. Noch eine Ähnlichkeit fällt mir mit dem Kino ein. Im Gedächtnis sind die dramatischen, spektakulären und die problematischen Vorfälle von der Tour besser haften geblieben, als die entspannenden Ereignisse.  Mein privates Glück sind die Notizbüchlein wo ich, soweit es bei einer geführten Stadttour die Zeit erlaubt, die markanten Eindrücke und Begebenheiten in beiderlei Richtungen festhalte. Dazu kommen neuerdings die Fotos mit dem Smartphone. Wobei das ziellose Streunen durch die Stadt mehr Wahrnehmungen erlaubt, als die Hopp off on Stadttour, wie sie heute überall angepriesen wird.

Doppeldecker

reise:heute I

Die Unterschiede zwischen den Sommervergnügen und Ferienerlebnisse von heute und von vorgestern sind unübersehbar. In der Rente habe ich alle gefühlte Zeit der Welt und auch etwas mehr Urlaubsbudget zur Verfügung, als anno dazumal. Von einer Reise an die Nordsee zurückgekehrt führt mich mein erster Radausflug, welchen ich schon sehnlichst erwartet habe, zum „Unterbergerbrunnen“ beim Draukraftwerk Villach. Diesen Rastplatz hat man als Oase der Ruhe angelegt, abgeschirmt durch einen Kranz aus Sträuchern. Ausgestattet mit Sitzbänken und als Wetterschutz mit Plexiglas überdacht. Dieser Marmorbrunnen, eine Säule mit vier Schlüssellöchern, verwandt mit den vier Jahreszeiten oder Himmelsrichtungen, wurde vom Hermagorer Bildhauer Herbert Unterberger geschaffen. Er ist schon einige Jahre lahmgelegt. Wahrscheinlich hat der Verfall vom Brunnen damit begonnen, dass sich der Abfluss verlegt hat. Entweder durch rastende Besucher die Verpackungspapiere achtlos entsorgt haben oder durch Laub von den umliegenden Bäumen und Sträuchern. Niemand fühlt sich für die Pflege des Brunnen und des Rastplatzes, welche anlässlich der Inbetriebnahme des Wasserkraftwerkes errichtet wurden, zuständig. Weder die Stadt noch die Betreiber des Kraftwerkes. Man hat den Brunnen seinem Schicksal überlassen, wie ein weggelegtes Kind. Inzwischen ist ein Großteil der Plexiglasüberdachung zerstört, an der Säule zeigen sich Risse und es rieselt schon lange kein Wasser mehr aus den „Schlüssellöchern“. Jetzt ist der Eingang zur Anlage und der unmittelbare Bereich um den Brunnen durch Baugitter abgesperrt. Obwohl der Drauradweg zu einem Publikumshit geworden ist, wurde hier ein Schritt rückwärts gemacht. Rückblickend auf die letzten vierzehn Tage bin ich froh, mich hier auszuruhen.

Bei der Ostseereise mit Ausgangspunkt Hamburg sowie Kiel, danach entlang der Ostsee standen täglich Stadt- und Museumsbesichtigungen auf dem Programm. Das nördliche Klima bedeutete eine Umstellung, es hat bei mir die Vorstellung von Meer verändert. Bislang waren meine Vorstellungen von Meer durch die Obere Adria geprägt, die für mich vor der Haustüre liegt. Von Kärnten aus sind die Städte an der Oberen Adria in zwei bis drei Autostunden erreichbar.

Autobahnstau

zünd:funke II

Nach den vielen Spekulationen rund um das Schreiben ist es angebracht vom eigenen Schreiben, vom Nachdenken, vom Prozess bis zur Verschriftlichung zu erzählen. Der Auslöser für meine Literaturminiaturen ist häufig ein Satz während einer Unterhaltung, von jemandem anderen oder von mir geäußert. Im weitesten Sinne auch eine Meinung oder eine Feststellung, welche in einem Gespräch getroffen wird. Ausgangspunkt für einen Text kann eine völlige Nebensächlichkeit sein, Begebenheiten die keines Blickes wert sind. Diese bilden die Grundlagen für meine Texte. Zumeist werden sie in einer kurzen, handschriftlichen Notiz in meinen Tageheften (A6 Notizheft) festgehalten. Diese Notizen werden durch Fantasie, Erinnerungen und die Möglichkeiten erweitert. In der Wohnung ist es immer derselbe Schreibplatz, das sogenannte Schreib-und Katzenzimmer. Tagsüber, zumeist am Nachmittag wird diese Kammer von mir zum Schreiben benützt, nachtsüber dient es der Wohnungskatze als Schlafraum. Das Geheimnis,wie ich zu diesem Text gekommen bin, soll gelüftet werden. Die Initialzündung liegt in einer kurzen Notiz in meinen Tageheften. Dort habe ich festgehalten, dass von Berufstätigen mir gegenüber der Wunsch geäußert wurde, im Ruhestand möchten sie auch Schreiben. Zumeist denken sie dabei an eine Autobiographie. Sie bewerten ihre Erlebnisse und Tätigkeiten für so interessant, dass es auch andere interessieren könnte. Sie  wissen nicht, dass erfundene Geschichten zumeist spannender klingen, als die Tatsächlichen. Von einigen, die über etwas Schreibtalent verfügen, ist es ein konkretes Vorhaben für den Ruhestand, zu schreiben und ein Buch zu veröffentlichen.

Noch etwas erweckt die Neugier von Bekannten, von Zuhörern und Lesern meiner Webseite und meiner Bücher, wie ich zum Namen Schlagloch für mein Blog gekommen bin. Da bin ich in der genüsslichen Lage auf den ersten Eintrag in meinem Blog zu verweisen. Heute würde ich es noch genauso definieren, vielleicht etwas phantasievoller formulieren.

Taggedanken

zünd:funke I

Wie kann man sich die Arbeit, den Arbeitstag eines Schriftstellers vorstellen, werde ich oftmals gefragt? Meistens vor oder nach einer öffentlichen Lesung, auch wenn ich von meinem Blog oder den veröffentlichten Büchern berichte. Ich erzähle wie meine Literaturminiaturen, die Texte, welche ich seit dreizehn Jahren auf  diesem Weblog veröffentliche, zustande kommen. Manche kennen die abenteuerlichsten Anekdoten von Schriftstellern, wie sie der Intuition nachgeholfen haben, wie sie in ihrem Gehirn den Schreibimpuls ausgelöst haben.So gibt es eine Anekdote von einem Autor, der in einer Schublade des Schreibtisches faule Äpfel liegen hatte und durch den Fäulnisgeruch zum Schreiben angeregt wurde. Ein Anderer braucht eine Dose gespitzter Bleistifte, damit seine einmal in Fluss gekommenen Gedanken nicht abreißen. Es gibt Literaten, welche nach einem Viertel Wein von der Muse geküsst werden oder sich genüsslich an den PC setzen und eine Pfeife anzünden. Wahrscheinlich kann jeder der Texte verfasst mit einem persönlichen Schreibimpuls aufwarten. Möglich, dass nach diesem Aufruf  einige ihren ganz persönlichen Schreibimpuls preisgeben? Die Kommentarfunktion ist für alle offen. Dazu gesellen sich die unterschiedlichen Tageszeiten, welche beim Schreiben eine Rolle spielen. Ähnlich wie für andere Tätigkeiten gibt es Morgen-, Abend- oder Nachtmenschen.

Die Ameisenschriftsteller, benützen täglich ihre Notizhefte, die Schreibmaschine oder den PC um ihre Gedanken, Phrasen, Erinnerungen und Spekulationen festzuhalten. Wieder andere warten auf den göttlichen Moment, auf eine spontane Eingebung um diese dann niederzuschreiben. Eine wichtige Rolle spielt auch der Platz zum Schreiben. Ist es immer derselbe Ort oder zieht man es in der Wohnung vor den Ort zu wechseln? Löst erst das Unterwegs sein, die Wartehalle von einem Bahnhof, die Zugfahrt oder ein fremder Ort den Schreibimpuls aus?  Ziehen am Zugfenster die Landschaften und Häuser vorbei trägt dies dazu bei, dass im Kopf die Gedanken zu fließen beginnen.

Explosion

eigen:heim

Mit den verlebten Jahren gehen die Bewohner eine innige Gemeinschaft mit ihren Häusern ein. Dies trifft bei einem Einfamilienhaus stärker zu, als bei einem Mietshaus. Durch die Schicksalsstunden welche man dort erlebt hat, verstärkt. Mit dem Älterwerden sieht man im Hausbesitz keinen Ruhepol mehr, sondern einen Unruhepool im Leben. Der Besitz hält einen ständig auf Trapp, ein Mühlrad welches immer in Bewegung ist. Man wünscht sich sehnlichst den Tag herbei nicht länger das Mühlrad zu sein. Die Funktion des Mühlrades abzugeben und das Haus zu vermieten. Danach gibt man sich mit weniger Wohnraum zufrieden, um die Ruhe  zu genießen. Monate später steht man bei einem Besuch vor einem neuen Gartentor und einem fremden Namen daran. Der Eingang hat sich total verändert. Die Skulpturen im Innenhof und die Dekorierung der Veranda zeugen von einem andersartigen Geschmack. Dem bodenständigen Empfinden entspricht die Ausstaffierung nicht, sie wird als nicht vertraut angesehen. Der Wind weht aus dem Südosten. Ab und zu verreist man mit Goethe in den Süden, besser noch mit Montaigne, dort wo die Zitronenbäume blühen.

Bei allem spielt die Sorge mit, das Haus könnte einen fremden Geruch annehmen. Obwohl man darin Jahrzehnte gewohnt hat, kommt es einem fremd vor. Es ist vernünftiger in einem kleineren Umfeld zu leben, als von der Erhaltung eines Hauses erdrückt zu werden.

Heimat ist nur geliehen 

auf:wiedersehen

Außer mit dem üblen Nachruf, Einen schönen Tag noch, wird man in manchen Geschäften noch mit dem traditionellen Auf Wiedersehen  verabschiedet. Üblicherweise wenn man sich zum Gehen wendet, auf die Ladentür zuschreitet. Das Gegenstück, wenn man beim Eintreten in das Geschäftslokal mit einem Grüß Gott begrüßt wird. Im ersten Moment war mir nicht klar, lag das Auf Wiedersehen der Backwarenverkäuferin sofort nach dem Bezahlen ihrer Absicht zu Grunde in die Mittagspause zu entschwinden? Ich war gerade dabei aus meiner Jacke eine kleine Plastiktragtasche zu ziehen, um die Backwaren zu verstauen. Ich ordnete den Gruß der Verkäuferin der Absicht zu, nach Hause zu gehen. Heutzutage arbeiten viele Frauen als Teilzeitkräfte, war für sie Dienstschluss? Dies war nicht der Fall. Zur Erklärung bekam ich die Bemerkung, stehe ich vor der Tür, wäre es für einen Abschiedsgruß zu spät. Meinem Empfinden nach war ich von der Absicht, die Bäckerei zu verlassen, weit entfernt. Es dürfte die Art der Verkäuferin sein, alles in einem Aufwaschen zu erledigen. Den Willkommensgruß, die Bedienung, das Kassieren und die Verabschiedung, alles non Stop. Ohne darauf zu achten in welchem Stadium sich der Kunde, die Kundin gerade befindet. Meinem Gefühl nach schlimmer als bei einem österreichischen Lebensmitteldiscounter, dort habe ich Gefühl, ich soll möglichst schnell aus dem Kassenbereich verschwinden.

Die Kassiererinnen und Kassierer bei manchen Nahversorgern sehen es als Rallysport die Lebensmittel so schnell als möglich am Scanner vorbei zu schleusen. Es ist ein sportlicher Wettbewerb, den Warenberg möglichst rasch von einer Seite auf die andere zu schaffen. Hier trifft in umgekehrter Reihenfolge das Sprichwort, wie man es manchmal in einer Werkstatt sieht, zu: Wir sind hier bei der Arbeit und nicht auf der Flucht. Hierzu könnte ich bemerken, wir sind hier Kunden und keine fliehenden Bankräuber.

Selbstbedienung

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