irak:krieg l

Dieses Jahr möchte ich versuchen die Tagebucheintragungen wöchentlich zu schreiben. Zeitweise denke ich daran, wie miserabel es mir gesundheitlich vor einem Jahr gegangen ist. Dankbar bin ich dafür, um wie vieles besser es mir heute geht. Glücklich diese Beschwerden überwunden zu haben, mit Willensstärke und sportlichen Aktivitäten. Im Mai bei einem Kuraufenthalt in Baden bei Wien, das Radfahren über den Sommer und die Wanderwoche  in Brixen. In den Herbstmonaten die Möglichkeiten zum Schwimmen in der Therme in Villach genützt. Jetzt hoffe ich auf die Zeit zum Langlaufen. Das Weihnachts- und Silvestergeschäft war zufriedenstellend. Beim Raketenverkauf gab es diesmal im Ort Mitbewerber. Ich habe ihnen gegenüber einen Vorsprung, durch meine Direktwerbung in Friaul. Für dieses Jahr habe ich bereits geschäftliche Pläne und private Vorhaben. Für das Arnoldsteiner Porträt möchte ich Personen zum Thema Widerstand, Behinderte und Künstler interviewen. Es verspricht ein interessantes Jahr zu werden……  2. Jänner 1991 

„Heute ist kein schöner Morgen, am Golf wird gekämpft, der Krieg am Persischen Golf hat begonnen“. Mit dieser Radiomeldung begann um sechs Uhr morgens mein Tag. Die westlichen Streitkräfte haben den Irak mit einem Luftangriff erfolgreich überrascht. Der Beginn des Golfkrieges ist für mich eine Entlastung. Die Ungewissheit, wann und wie dies passieren wird, hat mich belastet. Viele Auswirkungen, seit Monaten von den Medien hochgespielt, sind nicht zu erwarten. In dieser Situation wäre ein Satellitenfernsehen von Vorteil, ich könnte dem Einheitsbrei der ORF Nachrichten entkommen. Diese Woche wurde mir ein Zahn entfernt, es werden immer weniger. Bald wird im Unterkiefer ein Zahnersatz notwendig sein. Mein Tai Chi Kurs ist zu Ende, ich halte Ausschau nach einer aktiven Sportart. Montagabend habe ich geholfen den Flugzettel, zur Unterstützung der Wiederwahl des amtierenden  Bürgermeisters S., fertig zu stellen. Viele Menschen haben Angst ihre politische Meinung frei zu äußern. Die politischen Parteien haben uns fest im Griff. Bei der Bürgermeisterwahl kandidiert eine neue Liste: „FLA“. Beschließe den Tag nicht mit den Nachrichten, schreibe in meinem Tagebuch weiter…..17. Jänner 1991

fata:morgana

An einem warmen Nachmittag, Anfangs September, sitze ich in der Loggia und vertiefe mich in die Wochenendausgabe der  Presse. Die ersten Seiten mit den Berichten über die Kriegsschauplätze im Nahen Osten und in der Ukraine, die neuerliche Diskussion über die Steuerreform und wie viel Milliarden braucht das Bundesheer, habe ich nur überflogen. Ich vertiefe mich in die Beiträge der Beilage Spectrum, da unterbricht die Feuerwehrsirene meine Gedanken, sie macht einen Schnitt in das Gehirn, wie ich es vom Sezieren kenne. Aus den Reagenzgläsern wird die gefaltete schwabbelige Masse herausgenommen und in Scheiben geschnitten. Die heutigen und gestrigen Akademiker schneiden mit derselben Absicht die Gehirnmasse in Stücke und sind verblüfft, wenn sie die Schnittfläche betrachten. Werden aus dieser Schnittfläche die Gedanken auf den Tisch tropfen, oder sieht man in einen menschlichen Abgrund? Die Teile werden gewendet unter das Mikroskop gelegt und ähneln dem Verhalten der Katze Undine. Bei der Fernsehsendung Universum,  über das Tierleben in den Wäldern Polens, hat sie gebannt auf den Bildschirm geblickt. Jedes Mal, wenn eine Wildkatze oder ein Fuchs aus dem  Bild verschwindet, blickt sie rechts oder links hinter den Fernseher. Irgendwo hinter dem Fernsehgerät, müsste die Wildkatze oder der Fuchs wieder auftauchen. So ähnlich blicken die Wissenschaftler auf die Hirnhälften, irgendwo müssten die Gedanken, das Bewusstsein zu sehen sein.

Ein paar Minuten vergehen und von der Bundesstraße ertönen die Signalhörner des Feuerwehrautos, gefolgt vom Notarzt- und dem Rettungswagen. Die Sirenen rasen in Richtung Autobahn. Auf der Alpen Adria Autobahn gehören die ersten Septembertage zu den starken Reisezeiten. Scharenweise fahren Familien mit schulpflichtigen Kindern aus dem Mittelmeerraum zurück in den Norden, für die Kinder steht der Schulbeginn unmittelbar bevor. In die andere Richtung fahren Späturlauber, welche die jetzt etwas ruhigeren Strände an der oberen Adria genießen. Noch einmal rast ein Rettungswagen durch das Kurgebiet. Ich befürchte einen Megaunfall auf der Autobahn, möglicherweise in einem Tunnel, wo es immer wieder zu Auffahrunfällen kommt. Viele sind zu schnell unterwegs oder auch von der langen, eintönigen Fahrt auf der Autobahn übermüdet. Inzwischen habe ich die Arme gesenkt und die Wochenendausgabe der Presse liegt auf den Oberschenkeln. Die üblichen Straßengeräusche setzen ein, ein leises Rauschen vom fließenden Verkehr. Nur die Geräusche der Motorrader sind als solche einzeln zu erkennen. Ich hebe meine Arme und nehme die Lektüre wieder auf, vertiefe mich in die Buchbesprechung von Alexandra Millner, Aus dem Kopf klopfen.  Der neue Roman von Josef Winkler.

Am nächsten und am übernächsten Tag studiere ich die lokalen Meldungen in der Zeitung genau, es gibt keinen Bericht, der einen Zusammenhang zu den Rettungsfahrten herstellt. Möglicherweise bin ich einer spätsommerlichen Fata Morgana aufgesessen.

Aus dem Kopf klopfen.

ebola:virus ll

Wie weit die Gesundheitsvorsorge geht und wohl mit der täglichen Praxis im Krankenhaus zu tun hat, beweist eine Chefärztin. Aus ihrer kleinen Handtasche entnimmt sie nicht einen Lippenstift oder ein Parfum sondern desinfiziert vor dem Essen ihre Hände mit Octenisept. Dies ist einer Lösung zur Wund- und Schleimhautdesinfektion, die sie auch an die Tischnachbarn weiterreicht. Gerade erst wurde in ihrem Krankenhaus bei einem Patienten, der von einem Mittelmeerurlaub zurückgekehrt ist, beim Ultraschall Würmer in den Venen festgestellt. Die Ansteckungsorte  sind auf einige Flüsse  im Mittelmeerraum beschränkt.

Einen hygienischen Fortschritt bedeuten in den Kaufhäusern und den Einkaufszentren die sich automatisch öffnen und schließenden Türen. Auch in den Fernverkehrszügen gehören die automatischen Waggontüren zum Standard. Diese moderne Form von Sesam öffne dich  ist hier sehr praktisch, weil man meistens Koffer bei sich hat. Diese Automatiktüren gibt es dann auch beim Hoteleingang. Kurze Zeit später wird man mit vielen Brutstätten für Viren und Bakterien konfrontiert. Mit der Türschnalle des Hotelzimmers, verschiedenen Handgriffen im Bad und WC und zu guter Letzt mit der Fernbedienung des Fernsehers. Gerade auf den Fernbedienungen sollen sich, den Berichten aus Gesundheitsfibeln zufolge, die meisten  Viren und Bakterien befinden. Dagegen sorgt die gesundheitsbewusste Frau vor und besprüht bei Bezug eines Hotelzimmers alle Einrichtungsgegenstände, von denen eine Gesundheitsgefahr  ausgehen könnte mit einem Desinfektionsspray.

Keimfrei.

ebola:virus l

Vor fast vierzig Jahre ist erstmals in einem Missionskrankenhaus am Fluss Ebola, einem Nebenfluss des Kongo, das Ebolafieber diagnostiziert worden. Heute tritt diese Seuche wieder verstärkt auf. So ist Westafrika in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit geraten, betroffen sind vor allem Frauen. Wohl deshalb, weil die Pflege von erkrankten Angehörigen zu hause und die Reinigungsarbeiten in den Spitäler vor allem Frauensache ist.

Es ist unbestritten, dass viele Krankheiten,Viren und Infektionen über die Hände übertragen werden. Gerade dort wo sich, im wahrsten Sinne des Wortes, die Menschen die Türklinke in die Hand geben. Wenn man daran denkt, wie oft zum Beispiel in einem Mehrparteienhaus täglich die Türschnalle vom Eingang herunterdrückt wird. Es ist auszuschließen, dass die Türschnallen, die von den unterschiedlichsten Menschen in die Hand genommen wurden, regelmäßig gereinigt werden. Dabei kann man annehmen, dass die Türgriffe auch von infizierten Menschen angegriffen wurden, selbst nicht ausgenommen. Man ist ja auch das eine und andere Mal von einem Grippevirus befallen. In der Gesundheitsbeilage der Kleinen Zeitung kann man in regelmäßigen Abständen lesen, dass Türschnallen, Stiegengeländer und Toiletten in öffentlichen Gebäuden ein Paradies für die Übertragung von Viren und Bakterien sind. Auch in unserer Zivilisationsgesellschaft ist es nicht bei allen üblich, dass sie nach ihrem Geschäft sorgfältig die Hände waschen. Oft geschieht der Gang auf das Häusl vor dem Essen und es geschieht dann direkt,  dass man mit dem Mittagessen die Krankheitserreger mitisst. Bei weitläufig bekannten Personen geht die Reinlichkeit und damit verbunden die Angst vor einer Ansteckung soweit, dass sie sich weigern, auch im Rahmen eines familiären Treffen, auswärts zu essen. Ich habe schon erlebt, mussten Bekannte vor dem Essen auf die Toilette, dass sie danach das Essen unter einem Vorwand abbestellt haben. Sich mit einem Essen aus der Konserve begnügten. Es stimmt, dass die Toilettenanlagen in manchen Gastwirtschaften zu wünschen übrig lassen und das Letzte sind, was renoviert wird.

Katastrophale Zustände herrschen manches Mal in den WC-Anlagen auf den Autobahnraststätten in den Balkanländern. Ich bin gerne bereit für die Benützung einer WC-Anlage etwas zu bezahlen, wenn dafür gesorgt wird, dass ein Mindestmaß an Reinlichkeit und Sauberkeit herrscht. Wobei man sich vor Augen halten muss, nicht das Personal und die Angestellten verschmutzen die Toiletten, sondern dies sind wir, die Benützer, die einen Saustall hinterlassen. Wohl mit der Einstellung, der Nachkommende ist mir egal. Ich würde sagen, Nächstenliebe ist auch, dem Nächsten ein sauberes WC zu hinterlassen. Der Satz aus der Bibel, Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ist in unseren Gebieten den Meisten bekannt. Dann kommt die Frage an Jesus, Herr, wer ist mein Nächster? Jesus erweist denjenigen eine Absage, die im Nächsten nur eine Person aus der Verwandtschaft sehen. Er erzählt den Zuhörern das Gleichnis vom Samariter der unter die Räuber gefallen ist.

Besenrein.

schul:zeit ll

Aus alter Gewohnheit stelle ich bei den philosophischen LVS an der Uni Fragen, nicht um vom Lehrinhalt abzulenken, sondern um einen besseren Praxisbezug herzustellen. Von der Philosophie und von der Religion erwarte ich eine ähnliche Wirkung. Es ergibt für mich keinen Sinn, sich in die Lehre der Bibel oder in die Philosophie zu vertiefen und diese Gesinnung nicht beim Umgang mit dem Nächsten spürbar werden zu lassen.

Aus meiner Schulzeit in Tanzenberg plagt mich immer noch die Angst, dass ich vergesse von den Schulutensilien etwas einzupacken. Manches Mal aus einem Traum aufwache, dass ich den Stundenplan verloren habe und mit den falschen Heften im Unterricht sitze. So  packe ich auch heute meine Unterlagen, einen Collegblock, Fachliteratur, Schreibzeug und Ersatzschreibzeug, am Abend vor der Lehrveranstaltung in meine Aktenmappe. Man möchte annehmen, dass das wirkliche Arbeitsgerät bei den Vorlesungen der Laptop ist und dafür habe ich mir ein extra leichtes Notebook zugelegt. Es überrascht mich immer wieder wie viele mit Kuli und Notizblock die Ausführungen festhalten. Wohl auch, weil die Professoren die Lehrfolien nach der Vorlesung im Moodle hochladen. Es kommt mir so vor, dass das Mitschreiben die Aufnahme vom Lehrinhalt fördert. Ich habe einen drei Stufenplan zum Lernen entwickelt. Von der Mitschrift der Vorlesung zuhause eine Reinschrift verfassen, dann von der Reinschrift eine Zusammenfassung und zu guter Letzt ein Stichwortblatt. So kann ich mir die wesentlichen Dinge gut einprägen. Es wird gerne behauptet, dass man sich Daten und Fakten im Alter nicht mehr so gut merken kann, dass dies in der Jugend leichter sei. Es soll das Kurzzeitgedächtnis nachlassen, das Langzeitgedächtnis ist beständiger. Dieser Beitrag könnte als Beispiel für das Langzeitgedächtnis stehen.

Gedächtnistraining

schul:zeit l

In diesem Monat beginnt in vielen EU- Ländern ein neues Schuljahr. Dabei werden in mir fröhliche und zähe Vorkommnisse geweckt. Gerne wird behauptet oder ist dies eine Schutzbehauptung, dass die Schulzeit zu den schönsten Jahren im Leben eines Erwachsenen gehört. Es gibt wohl niemanden, der sich nicht an quälende Schulstunden, besonders in den Hauptfächern Mathematik und Deutsch, bei mir war es Latein, erinnert. Wobei man für jede Abwechslung, welche die Schulstunde verkürzt oder unterbrochen hat, dankbar war. Es gab verschiedene Möglichkeiten, man beschäftigte sich mit etwas anderem, wie belanglose Strichmännchen zu zeichnen und dazu lustige Texte zu erfinden oder, dies war mit gewissen Risiken verbunden eine Karikatur vom Professor zu skizzieren und diese an einen Mitschüler, der vor einem saß, weiterzureichen. Die Schüler in den ersten Bankreihen konnten wenig oder gar nicht vom Unterricht abschweifen, da waren diejenigen, welche  in den mittleren oder hinteren Reihen saßen, besser dran. Bei allen Aktivitäten musste man zwischendurch einen Blick auf den Professor am Lehrerpult werfen um zu sehen, in welche Richtung er gerade schaute. Nebenbei war es leicht möglich, dass man aus der Reihe aufgerufen wurde, um einen  bzw. den nächsten Satz in das Lateinische zu übersetzen. Unser Lateinprofessor war ein Mensch mit einer gutmütigen Art und frisch im Lehramt. Er war frisch verheiratet und hatte sich in Klagenfurt sesshaft gemacht. Ein Mitschüler, mit Talent zum Bildhauer, hat ihm eine Madonna geschnitzt. Dieser lebt heute als freischaffender Künstler in Kärnten.

Der Professor war vor seinem Lehramt als Archäologe in Ägypten und Griechenland beschäftigt. Er war, neben seinem Sprachwissen, in  der lateinischen, griechischen und ägyptischen Geschichte bestens bewandert. Als Schüler hatten wir den Eindruck, dass er bildhafter, weil er vieles aus eigenem Erleben gekannt hat, über römische und griechische Geschichte erzählen konnte, als der Geschichtsprofessor. Zu unseren Tricks, die Lateinstunde zu unterbrechen gehörte es, lasen wir einen lateinischen Text mit geschichtlichem Hintergrund, eine dazu passende geschichtliche Frage zu stellen. Meistens ist er auf die Frage eingegangen und hat zum Erzählen begonnen, dass seine Wangen geglüht haben. Uns war wichtig, dass wir vom Lateinunterricht eine Auszeit hatten. Bis er sich selbst unterbrach und sagte, jetzt müssen wir aber beim Lehrstoff weitermachen. Im dritten Schuljahr wurde es schwieriger, eine Auszeit einzuleiten, er wusste bereits dass wir ihn auf das Glatteis führen wollten.

Schlittschuhfahren

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