tisch:gespräch III

Ist man für einen längeren Aufenthalt in einem Hotel untergebracht, wird die Situation schwieriger. Tischnachbarn, welche alles von der missglückten Seite betrachten, können einem den Gang zum Abendessen trüben. Zumeist sind sie Meister der kurzen Sprache. Mit fünf Wörtern können sie einem Disput einen negativen Beigeschmack geben. Dabei bleibt es dann. Für sie gibt es keine Differenzierung, keinen Austausch auf mehreren Ebenen. Von einer Abendgesellschaft bleibt der schale Beigeschmack übrig, alle Politiker denken nur an ihren Vorteil, an ihren Beutel. Bald fällt das Wort, man müsste alle ausmerzen.

Altgedienten Ehepaaren bieten neue Tischnachbarn die Chance über ihren Tellerrand hinauszuschauen. Von ihren Ansichten und Auffassungen Abstand zu gewinnen. Für  eine Unterhaltung förderlich ist, gibt es im Lebensverlauf Gemeinsamkeiten, ähnliche Freizeitaktivitäten oder eine berufliche Nähe. Ein weiterer Anknüpfungspunkt sind gemeinsame Bekannte, so kann ein schöner Gedankenaustausch entstehen. Die gemeinsamen Bekannten erfüllen nicht den Zweck, dass man über sie schimpft und sie schlecht macht. Gewinnbringender ist, wenn man die Leistungen der Freunde her- vorstreicht und über lustige Erlebnisse plaudert. In solchen inspirierenden Runden stellt man erstaunt fest, wie klein die Welt ist. Wie sich die Region in den gemeinsamen Freunden abbildet, ohne eine Freundschaftsanfrage über Facebook zu versenden. Bei günstigen Umständen passt die Chemie.

Erfährt man nach Tagen durch die Bedienung, dass der Tischnachbar einen akademischen Grad hat, hegt man plötzliche eine gewisse Scheu. Bislang hat man sich ganz unscheniert mit ihm unterhalten, plötzlich wird das Gespräch etwas zwanghaft. Bei Allem was man sagt wird man vorsichtiger. Ein Gespräch muss nicht immer auf Wissen und Erfolg beruhen, es gibt eine Gesprächsbasis auf Herzensniveau. Es ist der Mühe wert, dass man sich in eine Tischrunde einbringt. Die überwiegende Zahl der Personen ist für mich interessant, ich kann von ihnen etwas lernen oder sie erzählen mir etwas neues. Es gibt Personen die haben jemanden gesucht, denen sie ihr Herz ausschütten können. Alles ist möglich, dies macht auch die Zufälligkeit der Tischnachbarn und die folgenden Unterhaltungen so interessant.

Tischlotto.

4 Gedanken zu “tisch:gespräch III

  1. Jesus sagt, wir sollen die L i l i e n des Feldes betrachten und vergleicht dann die L i l i e n mit dem Gras, das in den Ofen geworfen wird. Das Mähen mit der von uns nach einer Bestellung erstandenen Linkshändersichel legt mir die Frage nahe, ob eine Bäuerin oder ein Bauer bei uns nicht L i l i e n und G r a s unterscheiden würde. Wenn wir eine Tischnachbarin oder einen Tischnachbarn fänden, der nach Lesen des hier Getippten das Gemeinsame zwischen L i l i e n und G r a s für die Auslegung der WORTE JESU hervorheben könnte, würde ich mich gern wegen einer Tischreservierung erkundigen. Man würfe mir ja vor, ich könne mich nicht verständlich ausdrücken, reden. Uns sprach heute in der Früh ein Mann an, der nach der Körbler-Gasse 115 in Graz und einer Person mit einem akademischen Grad an der Adresse fragte. Ein Radfahrer, der zu der Stelle des Gesprächs kam, sagte, dort ende die Körbler-Gasse.

  2. Akademische Grade? Ja, es gibt Leute, die beindrucken können.
    Wie reagiert eigentlich ein Prominenter, wenn man ihn nicht mit der „gebührenden“ Achtung bedenkt, sich etwa nicht um ihn scharrt?

  3. Hallo Gerhard!

    „Wie reagiert ein Prominenter“ ? Ich ergänze, wie reagiert ein Politiker? Dafür ist Kärnten ein Studienobjekt. Es gab einen Landeshauptmann J.H., egal wo und wann und wie er auftauchte, er stand sofort im Mittelpunkt. Alles scharrte sich um ihn,er genoss es sichtlich. Mehrere Male konnte ich dies bei öffentlichen Veranstaltungen beobachten.
    Nur eine Begebenheit: Villacher Kirchtag, das Brauchtumsfest in Kärnten, der Höhepunkt am Samstag der Trachtenumzug. J. H. auf der Ehrentribüne, nur kurz, dann mischt er sich unter die Trachtengruppen und wird von allen Seiten bejubelt. Besucher aus Italien bestürmen ihn um ein Autogramm auf ihrem T-Shirt.
    Am Hauptplatz bei einem Imbissstand sitzt der Vize von einer anderen Partei, mit zwei, drei Parteigenossen, die Menge stürmt an ihm gruss- und achtlos vorüber.
    So ist das Leben, es gibt Gewinner und Verlierer.

    Gruss schlagloch.

  4. Jesus sagt über das Weltende, daß ich beten soll, daß ich nicht an einem Sabbat davon betroffen bin. Im Namen Luthers würde gesagt, der Mensch sei Herr über den Sabbat und könne ihn beliebig verschieben – zu Luther könnte Döllinger befraget werden. So wären JESU WORTE sinnlos. Bei uns bekennen sich „Amtliche Mitteilungen“ zu Luther. Vom Parlamentsklubobmann Haider, meinem Kollegen als Universitätsassistent, verfügen wir über einen Brief über „religiöse Bekenntnispflicht“. In welchem Zusammenhang spricht Döllinger – nicht unbedingt sie abwertend – in seinem Artikel über Luther im alten „KIRCHEN-LEXIKON“ von der „Schlauheit“ von Italieniern?

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