meer:busen

Bei einer Schiffsreise las ich in der Bordzeitung, in den Navigationsangaben vom Kapitän, erstmals das Wort Meerbusen. Im konkreten Fall war es der Finnische Meerbusen. Dabei bildeten sich verschiedene Vorstellungen in meinem Kopf. Meerbusen kann ich am ehesten mit einer Meeresgöttin in Verbindung  bringen. In der Antike waren dies Schönheiten und bekannt für ihre Verführungskünste. Dazu kam der Nimbus der Meerjungfrauen, in der Männerwelt der Seefahrer eine besondere Vorstellung, die Begierden weckten. Von alldem dürfte etwas in die Bezeichnung Finnischer Meerbusen eingeflossen sein. Die Form der Küste dürfte einem weiblichen Busen ähnlich sein. Es liegt nahe den Gedanken weiterzuspinnen, diesmal an der Küste der oberen Adria in Portoroz. Auch ein sinnlicher Name, der Name der Rose, welcher vielerorts mit dem Duft der Weiblichkeit und der Anmut einer Frauengestalt in Zusammenhang gebracht wird.

In der Lagune vom Histronhotel gibt es einige Cafés, in einem arbeitet eine junge Kellnerin mit einem fröhlichen Gesicht und stets zu einem Scherz aufgelegt. Bei ihr kostet der Cappuccino € 1.20, im in Sichtweite gelegenen Grand Café, € 2.40. Man muss festhalten, dass sich das Grand Café in einem fünf Sterne Hotel befindet und man von der Terrasse einen atemberaubenden Blick auf die Bucht von Portoroz und Piran hat. Durch die an den Felsen angelehnte Bauweise des Bernardinhotel entsteht in einem das Gefühl, egal in welchem Stockwerk man sich gerade befindet, dass einem das Meer zu Füßen liegt. An schönen Frühlingstagen kann man hier beobachten, wie sich die Nussschalen, Miniboote mit einem  weißen dreieckigen Segel, zu Dutzenden auf der Wasseroberfläche mit den Winden aus verschiedenen Richtungen auseinandersetzen. Wenn dazu die Sonnenstrahlen sich auf dem Meer spiegeln und von der Uferpromenade ferne Stimmen kommen, da lohnt es sich den doppelten Preis für einen Cappuccino zu bezahlen.

Anderseits stelle ich fest, dass im Café, in der Lagune vom Histronhotel, sich der Ausblick auch lohnt. Hier bekommt der Begriff Finnischer Meerbusen eine andere Bedeutung. Diesmal ist es der Blick auf einen prallen, straffen Busen einer jungen Kellnerin, der sich aus dem schwarzen Shirt wölbt. Dazu kommt das spontane und unverbrauchte Lachen. Ich kann es nicht objektiv beurteilen, aber mir scheint, der Cremoro Cafe, welcher hier serviert wird, ist schmackhafter als der Illy Cafe des Grandcafes. Diese körperliche Ansicht und jugendliche Frische findet man auf der Terrasse des Grands Café nicht. So gilt es beim Cappuccino trinken abzuwägen, zwischen der Terrasse im zehnten Stock des Grandhotels mit dem Meer zu Füßen und dem Blick auf den Finnischen Meerbusen.

Land in Sicht.

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