sinn:voll II

Manche sehen in der Verlängerung der Arbeitszeit eine Ähnlichkeit zur Verlängerung der Spielzeit bei einem Fußballspiel. Die eine Mannschaft sieht in der Verlängerung eine Chance an Toren aufzuholen und das Ergebniss zu verbessern, die andere Mannschaft kann die Verlängerung als Bedrohung sehen. Dabei könnten die errungenen Punkte wieder verloren gehen. Egal welche Position man einnimmt, man geht mit gemischten Gefühlen in eine Verlängerung. Wem die Verlängerung der Spielzeit genützt und wem sie geschadet hat, weiß man erst nach dem Spielende. Oft wissen es auch Patienten erst nach einer Operation, ob diese für sie sinnvoll war oder nicht. Abhängig davon, wie lange die Wiederherstellung der gewohnten Beweglichkeit dauert, wie belastbar das Gelenk ist und wird das Knie in Zukunft beschwerdefrei bleiben. Schon diese Operation ist mit vielen Überlegungen und Risiken verbunden. Bei Spitzen- und bei Hobbysportlern sieht man die Kniebeschwerden als hausgemacht. Dafür gibt es von den Bekannten wenig Mitgefühl.

Heikler wird die Situation, geht es um eine lebenserhaltende Operation, einen Herzschrittmacher bei Herzrhythmusstörungen. Dabei gibt es auch die Frage, zahlt sich bei einem über achtzigjährigen Menschen eine solche aufwendige Operation noch aus? Genauso wenn es darum geht, Herzklappen zu erneuern. Unter den Altersgenossen kann man dabei auf unterschiedliche Auffassungen treffen. Eine Meinung, eine solche Operation rentiert sich wirtschaftlich nicht mehr, derjenige erbringt keine Leistung, mit welcher die Kosten der Operation wieder wettgemacht werden können. Bei einem Berufstätigen ist zu erwarten, dass die Kosten durch sein Steueraufkommen bezahlt werden. Bei einem über Achtzigjährigen könnte es sein, dass er mit der neuen Herzklappe gerade noch einmal ein oder zwei Jahre lebt. Hat sich diese Operation ausgezahlt und hatte er sein Leben nicht schon gelebt? Es gibt Initiativen gewisse medizinische Eingriffe ab einem bestimmten Lebensalter aus Kostengründen abzulehnen? In den Köpfen einiger ist es noch nicht angekommen, dass wir in den nächsten Jahrzehnten mit einer älteren Gesellschaft zu tun haben werden. Sollte eine willkürliche Entscheidung gemacht werden, ein Lebensschnitt?

Entscheidungshilfe

2 Gedanken zu „sinn:voll II

  1. Wer hat sein Leben schon gelebt?
    Für mich kann das nicht gelten.
    Es gibt nachweislich Leute, die in sehr fortgeschrittenem Leben noch einen Weisheitsschub erleben.

  2. Hallo Gerhard!

    Die Überlegung, eine Person hat das Leben schon gelebt, wird zumeist von „Dritten“ gestellt. Vor allem da, wo man der Meinung ist, das weitere Leben einer Person wird nur Kosten verursachen, keinen Nutzen mehr für die Allgemeinheit haben.

    Selbst glaubt man, bis auf Ausnahmefälle, an den Wert des eigenen Leben. Ein Sprichwort sagt: Alter schützt vor Weisheit/Torheit nicht.

    Gruss schlagloch.

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