handke:handschrift III

Von der Obsession Peter Handke zu seinen Notizbüchern habe ich erst in den letzten Jahren erfahren. Dessen ungeachtet gibt es von mir Tagebücher in unterschiedlichen Formaten seit dem Jahre 1975. Seit den 1990er Jahren verwende ich die flexiblen Moleskinnotizhefte in A6, wo ich die ansehnliche Zahl von Zweihundert erreicht habe. Dabei handelt es sich um handschriftliche Einträge. Seit zehn Jahren versehe ich manche Eintragungen mit einem Hinweis „W“, wenn ich eine Beobachtung, einen Gedanken für einen Anstoß zu einem  Blogbeitrag nütze. Dies macht das Wiederauffinden leichter und bietet einen Anreiz zum Schreiben. Hätte Peter Handke eine Affinität zum Internet könnte ich mir vorstellen, dass er ein Weblog führen würde. Seit kurzem gibt es Handke online. Es gibt das Paradoxon, dass die Germanisten mit viel Trara die Digitalisierung von Handkes Bücher und seiner Tagebücher betreiben, er aber das Digitale ablehnt.

Meine Handschrift war schwer zu lesen und dies führte zu Beanstandungen von Seiten der Professoren. Zuweilen könnte es  zu einer schlechteren Note geführt haben, weil etwas in der Hausaufgabe nicht lesbar war. Im Zweifelsfall gab es die schlechtere Note. Der Rettungsanker war, dass den Professoren in Aussicht gestellt wurde, ich bekomme eine Schreibmaschine. Das Maschingeschriebene ist für jedermann leicht lesbar und musste nicht mühsam entziffert werden. Meine erste Schreibmaschine bekam ich Mitte der sechziger Jahre, eine gebrauchte Underwood. Es war ein richtiges Ungetüm von einer Schreibmaschine. Im Magazin bewahre ich eine funktionsfähige mechanische Kofferschreibmaschine der Marke Triumph auf. Für den Tag O, wenn die Stromversorgung und alle Telekommunikationsmittel zusammenbrechen.

Heute wehrt man sich dagegen in den ersten Schuljahren die Kinder zu benoten, diese könnten an der Psyche des Kindes Schaden anrichten. Eine solche Grausamkeit wie ein Nichtgenügend ist dem heutigen Nachwuchs nicht zumutbar.

Unkontrolliert

10 Gedanken zu „handke:handschrift III

  1. Handke lehnt das Digitale nicht ab. Er hat nur keinen Bezug dazu und hat für sich die Entscheidung getroffen, sich nicht damit zu beschäftigen.

  2. Hallo „Gregor“!

    Du hast das Spannungsfeld zwischen Peter Handke und der Digitalisierung präzis dargestellt. Ist Dir etwas bekannt, wie Handke zur Digitalisierung der Literatur steht, z. B. Handke online ?

    Gruss schlagloch.

  3. Hallo Schlagloch!
    An die 200 Moleskin Notizhefte A6 hast du. Boah! Soviele sinds bei mir nicht. Ich frage mich, was mal meine Nachfahren mit meinem Geschriebenen machen werden, bei der Anzahl von Tagebüchern, die über 20 Jahre entstanden sind. Wer weiß, wieviele da noch dazu kommen bis an mein Lebensende. Ob das mal meine Enkelkinder interessieren wird, was Oma gedacht hat, als sie dreißig war oder mit fünfzig über irgendwelche Schrifststeller raunzte?

  4. Hallo Monika!

    … was mal meine Nachfahren mit meinem Geschriebenen machen werden,dies frage ich mich aus des öfteren. Ich habe keine Antwort. Vielleicht bringe ich meine Moleskin noch in einem Archiv unter.
    Eine Vision von mir ist, dass einmal in ferner Zukunft alles Handgeschriebene, aber auch Gedrucktes, einen neuen „Höhenflug“ erleben wird.
    Ganz sicher bin ich mir dabei nicht.

    Gruss schlagloch.

  5. Hallo Schlagloch!
    Möglicherweise interessiert sich jemand von deinen Nachfahren und gibt ein oder mehrere Bücher heraus. Wer weiß. Was mich beim Schreiben beflügelt, ist eine alte Sehnsucht. Ich hätte gerne Tagebücher von meinen Großeltern (und) Eltern gelesen. Was sie gedacht, gelebt, gefürchtet, gewusst, gemacht, gewunschen, geträumt haben. Doch in meiner Herkunfstfamilie wurde nichts geschrieben – außer Weihnachts- und Osterkarten an die Verwandtschaft.
    Vielleicht ist mein Interesse an meinen Großeltern mit ihrer Geschichte verbunden. Mein Großvater hatte von einer Kinderlähmungserkrankung mit 7 Jahren ein gelähmtes Bein zurückbehalten. Später als Bauer einen kleinen Hof geführt. Und ich frage mich, wie hat er mit seinem humpelnden Gang beispielsweise ein Pferd führen können oder wie mit der Sense mähen, oder auf einen Traktor steigen? Nun hat mir meine Mutter erzählt, solcherlei Arbeiten hat die Großmutter gemacht. Neulich erzählte mir ein Onkel davon, die Urgroßeltern haben meinen Großvater mit seinem gelähmten Bein jeden Tag in die Schule getragen mit dem Buckelkorb. Was für ein Aufwand, um meinem Großvater einen Schulbesuch zu ermöglichen!

  6. … auf einen Höhenflug des Handgeschrieben warte ich auch. Meine Tochter (30) allerdings meint, künftige Generationen würden möglicherweise gar nicht imstande sein, Handschrift überhaupt entziffern und lesen zu können. Ähnlich wie ich mir schwer tue, Kurrent zu lesen.

  7. Hallo Monika!
    Bestimmt weißt du aus eigener Erfahrung, dass das Schreiben von regelmäßigen Tagebucheintragungen, Notizen usw. sehr viel „Pflichtbewusstsein“ verlangt. Nicht immer hat man dazu Lust, Zeit oder es ödet einen an. Es gibt bequemere Dinge im Leben.

    Ich denke, dass die Großelterngeneration, vor allem Bauern oder Handwerker usw., abends einfach zu müde waren, um Aufzeichnungen zu machen. Es gibt natürlich Ausnahmen.

    Wahrscheinlich wird in den nächsten zehn Jahren entschieden, ob die Schüler in der Grundschule noch die Schreibschrift lernen müssen….Vielleicht gibt es dann das Erlernen der Schreibschrift als „Freifach“…..-:)

    Gruss schlagloch.

  8. Lieber Schlagloch!
    Ja stimmt, regelmäßig Tagebuch zu schreiben kann sich wie „Pflichtbewusstsein“ anfühlen oder zu einem selbstgewählten „Muss“ ausarten. Es kann aber auch wie in meinem Fall, als freiwillig selbstgewählte Disziplin genutzt werden. Ich habe einmal ein Jahr lang konsequent eine A5-Seite in Tagebuchform geschrieben. Jeden Tag 1 solche Seite; nicht mehr und nicht weniger. In den ersten Tagen fand ich es teilweise nervig, nach zwei Wochen bereits hatte ich dieses konzentrierte Schreiben liebgewonnen und ein Jahr lang durchgehalten. Und dann gleich ein zweites Jahr drangehängt, aus Begeisterung.

    Mit lieben Grüßen nach Kärnten,
    Monika

  9. am besten überarbeitet man noch zu lebzeiten seine handgeschriebenen sachen und digitalisiert sie. das interessiert dann zwar auch kein schwein, aber es gibt ein gutes gefühl.

  10. Hallo Margot!
    Ich möchte sagen, das Wichtigste im Leben ist ein gutes Gefühl zu haben. Wie die Zukunft sein wird, weis kein Mensch, bzw. kein Schwein.
    Gruss schlagloch.

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