Archiv für die Kategorie ‘TAG.GEDANKEN’

FINANZ:markt III

Freitag, 20. Januar 2012

Ich habe keine Erfahrung wie weit religiöse Praktiken, Meditation- und Klosterregeln, im Alltag umsetzbar sind. Wir leiden unter unserer Abhängigkeit vom Arbeitsplatz, vom Verdienst, von anderen Menschen, wir sind nicht wirklich frei. Freiheit würde bedeuten nicht anhaften, eine der wichtigen Regeln des Buddhismus. Die Umsetzung dieser Regel würde uns wirklich frei machen, von Besitz, Beruf und Beziehung, dies würde uns Autonomie verschaffen. Yoga- und Zenmeister bieten immer öfter Seminare zur Erlangung von Gelassenheit und für ein neues Denken in Wirtschaftsfragen an.

Exerzitienmeister und Äbte sind heute gefragte Vortragende bei Seminaren für Manager oder die Manager ziehen sich für Besinnungstage in das Kloster zurück. Die Klöster müssen sich wirtschaftlich selbst erhalten und können nicht mehr mit Zuschüssen vom Orden oder vom Bistum rechnen. Die Äbte appellieren für eine Wirtschaft die dem Menschen keinen Schaden zufügt. Ich selbst habe keinen Einblick in die Wirtschaftlichkeit der Klöster. Meine Kontakte beziehen sich darauf, dass ich bei einem Seminarbesuch im Klosterladen eine Flasche Wein oder ein Glas Marmelade aus dem klostereigenen Anbau kaufe. Dabei hatte ich schon den Eindruck, dass der oder die Verkäufer geruhsam und in ausreichender Zahl zur Verfügung standen.

Anders im Verkaufsraum von einem Lebensmittelsupermarkt, dort herrscht in den ersten Vormittagstunden bei den Verkäuferinnen rege Betriebsamkeit, an allen Enden und Ecken werden Waren nachgefüllt. Überall stehen Container mit Ware, welche in die Regale geschlichtet werden. Die Leerkartons und die Plastikverpackungen füllen die Mittelgänge. Die Supermarktangestellten gehören zu den minderbezahlten Arbeitskräften, meistens haben sie nur einen Teilzeitjob. Anders die Patres in den Klöstern, sie arbeiten für Gottes Lohn und für ein kleines Taschengeld. Sie bekommen Unterkunft und Verpflegung gratis. Manche von ihnen betreuen eine Pfarrei in der Umgebung und unterrichten in einer öffentlichen Schule. So bringen sie von auswärts Geld in die Klosterkasse.

Den Bonus der Freiwilligkeit gibt es in der realen Wirtschaft nicht, daher ist das Tempo und das Klima, egal ob Mittel- oder Großbetrieb ein anderes. Etwas vom klösterlichen Miteinander könnten die Betriebe übernehmen. Oft ist es die Konkurrenzsituation unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, welche das Betriebsklima verschärfen.

Gewaltfreiheit

FINANZ:markt II

Dienstag, 17. Januar 2012

Auf den Wirtschaftsseiten von Zeitungen liest man, wie Staaten zahlungsunfähig werden, wie selbst ernannte Ratingagenturen über die Zukunft, die Zinsen, eines Staates entscheiden. Dazu muss man anmerken, dass von einzelnen Staaten, im Einverständnis mit den Staatsbürgern, enorme Schulden angehäuft wurden. Das Schuldenmachen ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, selbst hat man auch vieles auf Kredit gekauft. Der Staat hat einen Freibrief ausgestellt, alle Wünsche sofort. Den Wohlstand wollen alle sofort haben, warten und sparen, zwei Worte aus dem vorigen Jahrhundert. Hört man sich in der Bekanntschaft und in der Verwandtschaft um, dann leben solche die Schulden haben, fröhlicher und besser als solche, die in alter Tradition sparen. Diese sind aussterbende Artgenossen.

Das Sparen war dafür gedacht, dass man sich eine größere Anschaffung ohne einen Kredit erfüllen kann und bei einem unvorhergesehenem Schicksalschlag, diesen finanziell abfangen kann. Heute bangen die Sparbuchbesitzer um ihr Ruhekissen, obwohl der Staat für die Einlagen haftet. Fröhlicher leben jene, die darauf hoffen, dass durch eine Inflation oder ähnliche finanzielle Ereignisse ein Teil ihrer Schulden abgedeckt wird. Ihnen geht es um den Spass, hier und jetzt.

Fun alle Tage.

LEHR:jahre

Donnerstag, 12. Januar 2012

Allgemein herrscht die Meinung, dass durch die Verwendung des Computer für persönliche Dinge mehr Freizeit zur Verfügung steht. Der Hausverstand müsste einem nahelegen, dass die Erledigung von Behördenwegen „online“ eine gewisse Übung voraussetzt und Zeit kostet. Früher wurde durch einen Beamten, welcher schon längere Zeit in der Behörde gearbeitet und für die verschiedenen Geschäftsfälle eingeschult wurde, das Ansuchen entgegengenommen und bearbeitet. Nicht jedem, der einen PC benützt, ist es möglich die Behördenweg in kurzer Zeit online zu erledigen.

Ein anderes Beispiel ist die Herstellung von Geburtsanzeigen, welche oft am eigenen PC gemacht werden. Legte man früher auf eine ansprechende Form Wert, so hat man die Geburtsanzeigen bei einer Druckerei in Auftrag gegeben. Das Drucken von Geburts- und Vermählungsanzeigen, von Traueranzeigen gehörte für eine Druckerei zum Tagesgeschäft. Heute betätigen sich viele am PC als ihr eigener Grafiker, Schriftsetzer und Drucker. Das Erlernen dieser Berufe erfordert eine gute Schulausbildung und hat eine lange Ausbildungszeit. So darf man sich nicht wundern, wenn die eigene Herstellung von der Geburtsanzeige einige Tage dauert.

Ein weiteres Beispiel ist die Erledigung der Bankgeschäfte mit dem Computer. Wer sich für eine Arbeit in einer Bank bewirbt von dem wird erwartet, dass er eine höhere kaufmännische Schule besucht hat und dann beginnt eine dreijährige Einschulung in die verschiedenen Arten von Bankgeschäften. Erst wenn man eine Zeit lang im Hintergrund die wesentlichen Aufgaben und Abläufe einer Bank kennengelernt hat, wird man am Kundenschalter eingesetzt. Ein PC Kurs kann diese Ausbildungszeiten nicht ersetzen, so mühen sich viele nächtelang ab, ihre Onlinebankgeschäfte zu erledigen und ernten von der Umgebung nur Unverständnis.

Lehrzeit am PC.

LEBEN:zeit

Montag, 09. Januar 2012

Wer zurückdenkt, weil sie/er schon einige Jahrzehnte hinter sich hat erkennt, weil früher denkt man darüber nicht nach, wie viel Sorgen und Leid die Zeit verursachen kann. Im ersten Drittel des Lebens, in den ersten dreißig Jahren, gibt es kein Zeitproblem, dort ist man agil. Im Vergleich mit älteren Mitmenschen kann man vieles in der halben Zeit erledigen. Man orientiert sich an Dingen die einem Spass machen, dafür ist keine Zeit zu schade oder zu kostbar, es gibt auch keinen ungünstigen Zeitpunkt. Geht es um Unterhaltung und Abwechslung, dann ist jede Tages- oder Nachtzeit recht. Dringende Vorhaben verlagert man in die nahe Zukunft, jetzt will man leben.
Den größten Ärger bereitet die Zeit im zweiten Drittel des Leben. Dort klammert man sich an den Erwerb von verschiedenen Konsumartikeln, man befürchtet den anderen hinterherzuhinken. Man hört von Dingen, welche man selbst noch nicht erlebt hat, die man aber auf keinen Fall versäumen will. Es kommt zu einem Zeitproblem, weil man das Berufliche und das Alltägliche nicht mehr in seiner Tageszeit unterbringen kann. Für manche Aktivitäten gibt es eine biologische Zeit, manche Unternehmungen lassen sich im Alter rein körperlich nicht mehr ausführen. Kommt in diesem Lebensabschnitt ein gesundheitliches Problem dazu, dann kann man zuschauen wie die Zeit den Berg hinab rinnt. Dabei vergeht dem Empfinden nach manchmal ein Jahrzent so schnell wie drei Jahre.

Es kommt der Zeitpunkt wo man sagt, ich schließe Friede mit der Zeit. Vieles, was man sich vorgenommen hat, hat man erreicht, über manches ist man erstaunt, dass man es erreicht hat. Man betrachtet jeden Tag als Geschenk, den man nicht ungenützt verstreichen lassen will, aber stellt auch keine Forderungen an ihn. Man freut sich, dass zu dem Erlebten das Eine und das Andere dazukommt. Man hat jetzt Zeit manches zu vertiefen, noch einmal nachzulesen und zu besuchen.

Plötzlich ändert man seine Einstellung zur Zeit. Die Zeit wird selbst verschiedene Handlungen und Entscheidungen verlangen. Man stellt sich nicht die Frage, was muss ich bis zu diesem Zeitpunkt machen, sondern denkt, mit der Zeit werden sich verschiedene Dinge selbst erledigen. Kein Kampf mehr mit der Zeit, kein hadern, weil einmal wird die Zeit ein Ende haben.

Leben auf Zeit.

HERZ.kammer II

Freitag, 06. Januar 2012

Stellt ein Betrieb seine öffentliche Arbeit ein, dies kann eine Kleiderreinigung, ein Elektroinstallationsunternehmen oder der Verkauf von Textilien sein, so bedeutet dies für den Inhaber oder bei einer Kleiderboutique für die Inhaberin, dass damit auch ein Teil vom Herzen geschlossen wird. Zu Recht sagt man bei den kleinen Handwerksbetrieben und Handelsbetrieben, dass die Inhaber mit Herz und Seele bei der Sache sind. Das zweite Herz hängt am Betrieb, man geht mit zwei Herzen durch die Welt und plötzlich wird eine Herzkammer geschlossen. Dabei muss man aufpassen, dass es in dieser Phase nicht zu Herzrhythmusstörungen kommt. Man wird aus dem Mittelpunkt der Bühne, aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit, in die Requisitenkammer abgeschoben. Dort findet man sich mit den Garderoben der vergangenen Jahre wieder. Jetzt hat man Zeit zum Archivieren und von den vergangene Zeiten zu träumen. Welche Rollen man einmal auf der Bühne gespielt hat, in welche Rollen man geschlüpft ist und wie viel Applaus man bekommen hat.

Auf der Straße gibt es noch die Momente wo man in seiner alten Rolle erkannt wird. Ein wenig kann man den Rollentext von früher noch auswendig, aber man hat nicht mehr diesen Elan, weil früher war das Publikum ein größeres, jetzt sind es einzelne Interessierte. Dazu kommen die Zurufe, dass der / die Neue die Rolle nicht so gut spielt, wie man selbst war. Es wird berichtet, was jetzt nicht passt, was früher besser war. So trägt man eine doppelte Bürde, die Last, dass man von der Bühne abgetreten ist und die Last, dass man mit den Schwächen der Nachfolger konfrontiert, zum Eingreifen aufgefordert wird. Dabei wird vergessen, dass man nicht mehr auf der Bühne auftritt, sondern in der Requisitenkammer die alten Kostüme hegt und pflegt.

Herzflimmern.

HERZ.kammer

Dienstag, 03. Januar 2012

In unseren Breiten ist es üblich, dass die Buchhaltung und das Finanzwesen einen wichtigen Bereich in der Führung eines Betriebes einnimmt. Wer in einem Büro arbeitet und ist es ein kleines Büro ist umgeben von Schriftstücken und Ordnern, deren Ablage über Jahre zurückreicht. Neben dem Verkaufslokal oder der Werkstatt ist dies das zweite Herz des Betriebes. Ist man im kaufmännischen Bereich tätig und hat man mit dem Rechnungswesen, der Buchhaltung zu tun, dann weiß man, dass dies Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit bei Erstellung der Konten und Buchungen erfordert. Die meisten Buchhaltungen werden heute mit der EDV erledigt, dies ändert nichts an der Sorgfalt mit der die einzelnen Buchungen durchgeführt werden müssen. Einige Kleinbetriebe führen die Grundaufzeichnungen, wie Wareneingangs- und Kassabuch noch händisch, um dann für den Jahresabschluss einen Steuerberater in Anspruch zu nehmen. Sonst ist es kaum möglich den Anforderungen der Abgabenbehörde zu entsprechen.

Da stellt sich die Frage wie fahrlässig darf ein Staat, wie Griechenland, Portugal oder Italien, wo Milliarden Euro im Staatshaushalt fehlen und an die EU- Finanzbehörde falsche Zahlen gemeldet wurden, sein? Das Budget, die Finanzsituation eines ganzen Landes wurde mit Tricks falsch dargestellt. Wie können es die Aufsichtsbehörden zulassen, dass Politiker in solchen Ausmaß manipulieren?

Machtzentrum.

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