warte:zimmer I

Alles kann schön geredet werden, solange man nicht unmittelbar mit dem Ende des irdischen Lebens konfrontiert wird. Obwohl man sich nach den Statistiken der Lebensversicherer oder der Pensionsarithmetiker der magischen Zahl, in ihrem Vokabular heißt es, der durchschnittlichen Lebenserwartung, nähert. Die menschliche Vernunft sagt, dass es kein ewiges Leben gibt, wenn wir über das Leben reden. Poetisch umschrieben sitzt man ab einem bestimmten Alter im Wartezimmer des Todes, kann dieses auch noch so luxuriös ausgestattet sein. Eine Vielzahl an Annehmlichkeiten bietet, vergleichbar einem Wellnesshotel, wo man rund um die Uhr bewirtet und sich die feinsten Ganzkörperbehandlungen angedeihen lassen kann. Wer sich fit fühlt, kann im Thermalbad selbst seine Schwimmrunden hinlegen. Durch irgendeine Spalte dringt der Geruch des Todes in den Wellnesstempel und vermengt sich mit dem Duft des Körperöls Jasmin. Da wir wissen, welche Fülle an Grabbeigaben chinesische Herrscher und ägyptische Pharaonen erhalten haben, gehen wir heute vergleichsweise nackt in das Jenseits.

Menschlich betrachtet oder braucht es menschlichen Mut, sitze ich seit der Pensionierung im Wartezimmer eines honorigen Herrn. Andere würden sagen im Vorraum des Knochenmannes. Angemeldet bin ich, ich weiß nur nicht wann ich aufgerufen werde. Jedes Mal wenn die Tür aufgeht, könnte ich gerufen werden. Im Wartezimmer möchte ich mich nicht mit den verschiedenen Krankheiten beschäftigen, welche zum Tod führen. Aus dem Alltag weiß man um das Gerede in den Vorzimmern, die sich nach Facharzt verschieden um eine spezielle Körperstelle oder Organ drehen. Beim Kardiologen um das Herz, beim Orthopäden um das Hüftgelenk, beim Internisten um die Leber. Zumeist wird von den Beschwerden gesprochen, selten fällt das Wort, das Organ ist genesen.

Bad Vigaun

kind:heit II

Das Bedürfnis nach Anleitungen für die Unterstützung beim Erziehen der Kinder schlägt heute in das Gegenteil um. Durch den leichten Zugang zum Internet wird bei jedem Konflikt mit dem Kind, bei jedem Furz des Sprösslings, im Internet gegoogelt. Kurz und bündig ausgedrückt, bei Problemen und Beschwerden mit Jugendlichen schlag nach bei Google. Googeln hilft immer, zumindest erhöht es die Zweifel. Nicht viel geändert hat sich an den Entwicklungsphasen der Jugendlichen, man könnte sagen Gott sei Dank.  Manche Abschnitte setzten um ein bis zwei Jahre früher ein.

Heute beklagt man, dass es zu wenige Psychologen, im speziellen Kinderpsychiater gibt, genauso wie Sozialhelferinnen. Vor fünfzig oder dreißig Jahren war die Ansage an das Kind, du kommst zu einem Psychiater, eine Drohung. Genauso wie man man den Kindern gedroht hat, wenn du nicht brav bist, dann holt dich der Krampus. In Kärnten gab es zwei Krampusgestalten als Psychiater, dies waren die Personen S&W.  Beide wurden sowohl für Kinder als auch für Erwachsene als Druckmittel eingesetzt. Ich glaube, diese Psychoruten an der Wand prägen bis heute das Verständnis und das Bild von Psychiatern und Psychologen bei der älteren Generation. Lieber am Operationstisch eines Chirurgen, als auf der Couch eines Psychiaters landen.

Krampuslauf

kind:heit I

Für mich überraschend ist, dass in manchen Gesprächen plötzlich Begebenheiten aus der Kindheit auftauchen. Zumeist erinnern wir uns an schöne Kindheitserlebnisse. Zumeist deshalb, außer es hat schlimme Vorkommnisse in der eigenen Kindheit gegeben. In späteren Jahren wird immer wieder versucht für manches persönliches Fehlverhalten die Ursachen in der Kindheit auszumachen. In einem Seminar Bewusst altern  wurde darüber gesprochen, wie viele Traumata es bei den einzelnen Teilnehmern gegeben hat und ob die Traumata der Jugend heute noch eine Rolle spielen. Dazu ist anzumerken, ist es sinnvoll, heutige Richtlinien für die Kindererziehung, auf die damalige Kindheit anzuwenden. Vor allem könnte man einwenden, es wird sich erst weisen, ob der heute gepflegte Umgang mit den Kindern fruchtbar sein wird. Fruchtbar in dem Sinne, dass die nächsten Generationen eine lebenswerte Gesellschaft schaffen werden. Es hat schon Tradition, dass die aktuell bestimmende Generation der Vorhergehenden vorwirft, in jenem und jenen Bereichen versagt zu haben.

Für jeden handwerklichen und kaufmännischen Beruf gibt es drei- bis fünfjährige Ausbildungszeiten. Da frage ich mich, ist das Talent für die Kindererziehung uns allen schon in die Wiege gelegt? Orientieren wir uns dabei daran, was wir als Kinder erlebt haben? Dies würde bedeuten, so ist es oft im Alltag, dass schlechte Erfahrungen nicht vergessen, sondern bei den eigenen Kindern erneut zur Anwendung kommen. Die Bereitschaft von jungen Eltern sich über verschiedene Erziehungsfragen in Elternzeitschriften zu informieren ist heute um einiges größer, als es noch vor fünfzig Jahren war. Damals war weder die Zeit noch das Bewusstsein dafür vorhanden. Breites Verständnis für Kinder hat es auch in früheren Jahren allemal gegeben. Was heute für ein Kind an Kleidung, Spielzeug und Unterhaltung  selbstverständlich ist, war damals nicht selbstverständlich. Es hat aber auch niemanden gefehlt.

Lego

Seite: zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...399 400 401 weiter