04.10.2004 ICH . AG
Wo jetzt vieles in der Wirtschaft nicht mehr so gut funktioniert wie noch vor dreißig Jahren heißt das neue Schlagwort der Politiker zur Schaffung von Arbeits-Plätzen „Ich-AG„. Selbst dann werden in den großen Betrieben die Arbeitsplätze von sogenannten Sanierern gestrichen, wenn Aufträge und Gewinne für alle Arbeitsplätze reichen würden, wie dies bei der Semperit AG in Traiskirchen der Fall war. Die neuen Manager haben keinen Bezug zu den Menschen und den Orten wo die Betriebe angesiedelt sind. Ihr Druck-mittel ist die Drohung den Produktionsstandort in den nahen oder fernen Osten zu verlegen. Für Millionen arbeitslose Menschen soll die Ich-AG zum Allheilmittel werden. Schon das Wort Ich-AG steht im Gegensatz zum menschlichen Wesen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf die Reaktionen eines Gegenüber angelegt. Die menschliche Spannkraft geht verloren, wenn ich nur für mich alleine lebe. Dies kann man bei Einzelgängern, ebenso bei manchen Einzelkindern beobachten. Bei den Ichmenschen kommt es zu Wutausbrüchen, wenn sie nicht im Vordergrund stehen. Nur was der Ichmensch selbst getan hat ist gut, jeder andere ist blöd und schlecht. Dem Ichmenschen fehlt das menschliche Gegenüber.
Ich will gestreichelt und gelobt werden.

Kommentare:
W. am 4. Oktober 2004 um 21:20
Ich fürchte, da hast du recht. Ich-AG ist so ein typisches modernes Un-Wort und liegt voll im Trend der Zeit, blöder Trend auf jeden Fall. Für mich ist das auch nix, aber für viele wird’s wohl trotzdem so enden.

H. am 5. Oktober 2004 um 00:36
Du sagst die wahren Worte, wer immer du bist.

F. R. am 5. Oktober 2004 um 01:21
Der Begriff der Ich-AG ist trauriges Indiz der zunehmenden Individualisierung unserer Gesellschaft. Stirbt ein alter Mann einsam vor seinem Fernseher und wird erst Monate später aufgefunden, könnte man, bliebe man in der selben Begriffs-Welt meinen, seine Ich-AG habe Konkurs angemeldet. Er konnte sich als Individuum nicht am Markt des Lebens halten.

schlagloch am 6. Oktober 2004 um 18:51
Zuerst ist das Wort und dann die Tat. Wehret den Anfängen, das heißt den UN-Wörtern. Der Trend zur Ich – AG wird auch einmal Konkurs anmelden.

 
04.10.2004 ER . LEICHTERUNG
Ein sicheres Zeichen das der Herbst in die Stadt einzieht ist, dass die Stühle um den Springbrunnen vor dem Rathaus in Villach leer bleiben. Die Leute sitzen jetzt dort, wo noch ein wenig die Sonne scheint. Die jungen Mädchen widersetzen sich der Jahreszeit und spazieren bauchfrei über den Hauptplatz, die Haut schön gebräunt. Je trüber mancher Tag ist, umso kräftiger wirken die Modefarben in den Schaufenstern. Durch die Fußgänger-zone fährt ein Leichenwagen mit getönten Scheiben der Marke Mercedes mit Grazer Kennzeichen. Man denkt unwillkürlich an Allerheiligen und an den Tod. Der Leichenwagen bleibt beim Maroni Stand stehen und als die Heckklappe geöffnet wird, ist im Laderaum kein Sarg, sondern es sind Juttesäcke mit frischen Kastanien. Sie werden zum Maronistand getragen. Man ist erleichtert, dass der „Kelch“ noch einmal vorübergegangen ist und bestellt aus Erleichterung ein viertel Liter Maroni.
Der Maronibrater ist da.

 
08.10.2004 VER . FÜHRUNG
Im Oktober finden in den verschiedenen Tälern von Kärnten die letzten Kirchtage des Jahres statt. Dieses Jahr werden die Veranstaltungen in einem gemeinsamen Prospekt „Heimatherbst“ beworben. Bei schönem Wetter gehören diese Veranstaltungen, die oft gemeinsam mit dem Erntedankfest gefeiert werden, zu den schönsten Festen des Jahres. Wenn alles gut verlaufen ist und die meisten Früchte des Feldes in der Scheune sind, dann kann man ausgelassen feiern. Man genießt die Musik, das gute Essen und die Fröhlichkeit mit anderen Menschen. Eine Spezialität zum Kirchtag ist der Kärntner Reindling. Dies ist ein mit Rosinen, Nüssen und Zimt gefüllter Gugelhupf. Er kommt mit dem Nachmittagskaffee, einem echten Bohnenkaffee, auf den Tisch. Auf dem Tisch steht auch ein Teller mit einem Würfel Butter und rundherum Honig mit Rosinen. Auf den deftig gefüllten Reindling gibt es dann als Brotaufstrich den Butter, den Honig und die Rosinen. So süß kann das Leben auf einem Bergbauernhof sein.
Süße Verführung.

 
11.10.2004 RUHE . PAUSE
Beim Radfahren entlang der Bahnstrecke von Hermagor nach Villach zeigt sich der Herbst in den schönsten Farben. Die grünen Blätter verfärben sich, es gibt alle Farben, gelb, orange und kirschrot. Über den Moor- gebieten liegt eine besondere Beschaulichkeit. Die Farne und Gräser haben ihre Höhe erreicht, sie wachsen nicht mehr, sie verharren in einem meditativen Zustand. Dieser Zustand überträgt sich auch auf den stillen Beobachter. Bei uns Menschen ist dies anders. Wir wollen immer weiter wachsen, wir wollen immer mehr, viele auch noch in der Pension.
Ruhe ist dem Menschen fremd.

 
13.10.2004 KIRCH . TAGE
Die Kirchtage gehören in den Gemeinden des Gailtales zu den am besten besuchten Veranstaltungen. Die deftigste Stimmung gibt es bei den letzten Kirchtagen im Oktober. Man spürt, dass diese warmen Tage die Letzten in diesem Jahr sein können. Umso heftiger wird getanzt und gefeiert. Wenn es mit der Ernte im großen und ganzen gut gelaufen ist, dann gibt man sich gerne ausgelassen und ausgabefreudig. Die Kinder bekommen einen zehn Euroschein damit sie sich beim Krämerstand etwas kaufen können. Dort gibt es vor allem Spielzeug zum Schießen für die Buben und Puppen für die Mädchen. Heute fehlen auch die Yu-Gi-Oh Karten und die Artikel von der Diddl Maus nicht, nur zu einem viel höherem Preis als im Spielwarenladen. Aber wer schaut an so einem Festtag auf den Preis? Auch bei den Süßig-keiten gibt es eine große Auswahl, von der Schaumrolle bis zu den Kokosbusserln. Die Lebkuchenherzen mit den aufgeklebten Liebesschwüren finden einen raschen Absatz. Die jungen Burschen nützen die Gelegenheit mit dem Motorrad oder wenn es der Verdienst erlaubt mit dem Golf GTI kräftig Gas zu geben, vor allem dort, wo die Mädchen zuschauen. Jetzt gilt es, bevor der Winter kommt, die Mädchen noch einmal kräftig anzubaggern. Der Alkohol ist dabei eine willkommene Verstärkung. So manches Mädchen kann diesem Ansturm aus Motorlärm, jugendlicher Kraft und Alkohol nichts entgegensetzen. So kommt es zur Einwilligung, dass man den kommenden Winter zusammenbleibt.
Wärme für den Winter.

Kommentare:
D. am 15. Oktober 2004 um 14:04
Wie wahr, wie wahr. Jedoch sollte der Satz mit dem Golf GTI und dem Motorrad umgedreht werden, da heutzutage das Motorrad als Luxus gehalten wird und auch in der Erhaltung teurer kommt. Ein EX-GTI 16V und Ex-Yamaha FZR 1000 Besitzer.

 

15.10.2004 SUCHT . GIFT
Die Gefahr des übermäßigen Alkoholkonsum wird, wenn über Suchtgifte geredet wird, oft nicht erwähnt. Das am meisten besprochene Suchtproblem sind die Drogen. Am Stammtisch im Wirtshaus wird gerne über das Drogen-Problem gesprochen, den sogenannten „Giftlern“ und dies bei viel Alkoholkonsum. Wer spricht schon gerne über sich selbst und die Bösen sind immer die Anderen. Ein gesunder Rausch gehört am Land zum Wochenende einfach dazu. Da gibt es keine Ausnahme, wenn der Vater mit dem Sohne ausgeht. Oft können die Burschen mit den aufkommenden Kräften und Sehnsüchten nichts anfangen und man greift zum Alkohol. Der Vater braucht den Rausch, um aus dem Tief der Woche aufzutauchen.
Unsere Kultur wäre um viele Werke ärmer, würde man die Werke von denjenigen Künstlern entfernen, seien es Maler, Schriftsteller oder Musiker , die den Drogen oder Alkohol zugetan waren. Kann es einen schöpferischen Umgang mit Drogen und Alkohol geben? Die Kultur mit Drogen und Alkohol ist sehr alt. Überschreiten wir heute in unserer Gier nur die Dosis.
Der kreative Prozess.

 
18.10.2004 JELINEK . FREI
Der heutige Sonntag ist ein trüber Herbsttag und auf den Gipfeln rund um Villach liegt der erste Schnee dieses Jahres. Wir fahren nach Villach zum Gottesdienst und dann in das Thermalbad. Der Sonntag ist der Tag der inneren und äußeren Reinigung. Das katholische Reinig-ungsritual gibt es schon seit der Kindheit . Am Sonntag in der Früh wurden wir Kinder vor dem Kirchgang in der Küche gewaschen. Die Waschschüssel wurde durch das Küchenfenster in den Garten entleert. Beim Spaziergang durch Villach kommen wir an der zerstörten Gedenktafel für die Ermordeten des Naziregime vorbei. Die Gedenktafel wird restauriert und wiederhergestellt. In keinem Schaufenster von den Buchhandlungen im Stadt-Kern von Villach findet sich ein Hinweis oder ein Buch von der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Villach ist „Jelinek frei“. Die kritischen und schonungslosen Romane der Nobelpreisträgerin sind in der Fasching- und Kirchtagmetropole bei den Buch-Händlern scheinbar unbeliebt. Man möchte sich von Jelinek nicht den Hauptplatz aufgraben lassen, damit die Vergangenheit nicht an das Licht kommt.
Elfriede Jelinek über Heimat: „Das, was die Heimat in den Prospekten ausmacht, ist für mich das Unheimliche“

 
20.10.2004 INFO . MÜLL
Wir werden täglich mit sehr vielen neuen Informationen und Nachrichten konfrontiert. Sendete früher der ORF- Hörfunk jede Stunde Nachrichten, so gibt es jetzt im ORF-Hörfunk zusätzlich jede halbe Stunde Landes-Nachrichten und dazu noch mehrmals täglich Nach-Richtenssendungen von einer Sunde und dies alles vierundzwanzig Stunden am Tag. Ich erwähne das Radio als erstes, weil die meisten Menschen vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, vom Radio begleitet werden. Weitere Informationsquellen sind die Tageszeitungen, Fachzeit-schriften und natürlich die Informationen aus dem Fernsehen. Auch hier hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles gewandelt. Gab es früher nur eine Nachrichten-Sendung beim ORF, um 19.30 Uhr „Die Zeit im Bild“ , so gibt es jetzt zu mehreren Tageszeiten Nachrichten-Sendungen. Zusätzlich senden sogenannte Nachrichten-Sender rund um die Uhr und aus allen Teilen des Globus in jeder Minute des Tages Nachrichten mit den aktuellen Bildern dazu. Am schnellsten verbreiten sich die Nach-richten im Internet. Hier ist das Trennen zwischen den Nachrichten die für einen wichtig sind und solchen, die einfach nur Nachrichtenmüll sind, am schwierigstem. Was wird wirklich vom Einzelnen gebraucht ?
Es wundert mich nicht, dass viele Menschen von dieser Informationsflut überlastet sind und nicht mehr zu sich selbst finden. Das einzige Warnsignal dafür, dass unser Speicherplatz im Kopf voll ist, sind Krankheitssymp-tome und diese werden mit Tabletten bekämpft, anstatt die Ursache für die Krankheitssymptome zu beseitigen.
Der Speicher ist voll.

Kommentare:
M. am 25. Oktober 2004 um 10:20
Die westliche Welt ist voll von Waren und Infos, es fehlt oft der Sinn. Guten Tag.

 
25.10.2004 ENT . LEERUNG
Wer am PC arbeitet weis, dass von Zeit zu Zeit der Post-Eingang von den alten E-Mails und verschiedene Ordner im Speicher entleert werden müssen. Diese Entleerung gleicht der Entleerung des menschlichen Organismus, der sich auch von unverträglichen Stoffen trennt. Auch das Gehirn braucht diesen Vorgang, um sich von belastenden Vorstellungen und Gedanken zu entleeren. Wenn dieser Vorgang nicht funktioniert, führt dies zu Krankheit.
Entleerung entspannt.

 
29.10.2004 SAND . SCHRIFT
Während der österreichischen-ungarischen Monarchie wurde eine Eisenbahnverbindung von Wien nach Portoroz an der Adria gebaut. In Portoroz wurde ein künstlicher Sandstrand angelegt. Der Sand wurde mit der Eisenbahn aus Niederösterreich nach Portoroz befördert. Die Meeresküste von Istrien ist von Natur aus felsig. Noch heute wird der Ort vom alten Palace Hotel dominiert, welches jetzt unbenützt ist und dem Verfall preisgegeben wurde. Auch die Eisenbahnverbindung nach Portoroz wurde stillgelegt und abgetragen. Portoroz ist ein beliebter Bade- und Kurort für Italiener, Österreicher und Deutsche. Im Spätherbst schreiben Kinder und Verliebte ihren Namen in den Sand am Meeresstrand. Es ist ganz verschieden wie lange man die Namen lesen kann. Es hängt davon ab, ob Ebbe oder Flut herrscht, ob das Meer ruhig oder stürmisch ist. Manchmal dauert es Tage bis die Namen vom Wasser weggespült werden, dann wieder nur einen Nachmittag und es werden neue Namen in den Sand geschrieben. Es ist wie beim menschlichem Leben, manchmal hat ein Name lange Bestand, ein andermal verlischt ein Name bald.
Mein Name steht im Sand.

 
31.10.2004 SEELEN . ANGST
In meiner Rocktasche ist ein Papierstreifen mit dem Text des Psalm 27,1.:“Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte es mir grauen?“ Unter den Kirchbesuchern wurden Zettel mit kurzen Bibelzitaten verteilt und jeder konnte, wenn er dazu bereit war, seinen Text während der Andacht vorlesen. Diesen Text habe ich laut vorgelesen. Ich hatte dabei das Empfinden, je lauter und kräftiger meine Stimme klingt, umso wahr-scheinlicher wird dieser Zustand eintreffen.
Es erinnerte mich an meinen Heimweg während meiner Berufsausbildung. Mein Weg führte von der Bahnstation im Tal durch bewaldetes und unbesiedeltes Gebiet auf den Berg. Im Herbst war es beim Nachhausegehen schon finster und der Feldweg auf den Berg unbeleuchtet. Besonders unheimlich war ein Stück des Weges, ein sogenannter Hohlweg. Der Hohlweg liegt tief einge-schnitten im Gelände, der Blick nach oben war durch Haselnussstauden verwachsen, man hatte keinen Aus-Blick. Ich hörte nur meinen eigenen Atem und spürte mein Herz klopfen. Dieses Stück war stockdunkel und ich konnte die Hand nicht vor meinen Augen sehen. Bei jedem Geräusch blieb ich stehen und wartete ab. Meistens war es ein Vogel oder ein anderes Tier, dass ich mit meinen Schritten aus der Nachtruhe aufgeschreckt habe. Wenn die Angst zu groß wurde, dann fing ich an zu singen oder laut zu sprechen.
Angst essen Seele auf.

Kommentare:
D. am 2. November 2004 um 13:53
Bei meinem Bruder war es in den Lehrjahren gerade umgekehrt: Mit 16 Jahren kaufte er sich ein altes Klein-Motorrad, Puch-Monza, da er eine Lehrstelle als Maschinen-Schlosser bei der ehemaligen BBU in Arnoldstein bekam. Bei jeder Witterung, ob 30 Grad im Sommer oder -25 Grad im Winter fuhr er damit zur Arbeit und das waren 25 Kilometer. Oft sprang das Gerät im Winter nicht an und ich hörte, noch im Bett liegend, seine Dauerläufe mitsamt dem Moped um 05:30 Uhr in der Früh. Er versuchte alles, damit das Gefährt schneller fuhr und so demontierte er auch die Schalldämpfer aus dem Auspuff. Pünktlich in aller Frühe wurde das ganze Dorf entlang der Hauptstraße aus dem Bett gehoben, als mein Bruder vorbeifuhr. Moped ersetzt Hahn.

schlagloch am 19. November 2004 um 18:38
Wenn mein Bruder mit dem Puchmoped durch Rudersdorf fuhr, dann brachten die Anrainer die Kinder und die Hühner im Straßengraben in Sicherheit.

 

02.09.2004 WEGWEISER . EVENT
Die sommerliche Eventkultur treibt seltsame Blüten. Anlässlich eines Straßenfestes wurde in Möselstein als Festauftakt ein Wegweiser eingeweiht. Unter den Klängen einer Musikkapelle und im Beisein einer Abordnung von Mädchen und Burschen in Gailtaler Tracht wurde in feierlicher Form ein Wegweiser enthüllt und seiner Be-stimmung übergeben. Ein Pfeil zeigt die Richtung zum Steinbruch an und der andere Pfeil die Richtung zum Kreuzweg. Wenn es sich hier um ein Wegkreuz oder um einen Brunnen gehandelt hätte, dann wäre dieser Festakt angebracht gewesen. Bestimmt wird die nächste neu installierte Straßenampel auch feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Jedem Ort sein passendes Event.
Ampel frei.

 
08.09.2004 HARLEY . INVASION
Wer sich dieses Jahr beim Harley Davidson Treffen am Faakersee Anfang September 2004 nach der neuen Herbstmode kleidete, der trug einen schwarzen Leder-Anzug mit orange Streifen. Auch einige Motorräder hatten orange lackierte Teile. Die meisten Harleyfahrer trugen schwarze oder schwarzrote Motorradanzüge. Eine Woche lang dröhnte es auf- und abschwellend in Möselstein, als würde der Ort ständig von einer Flugzeugstaffel angegriffen werden, nur die Flieger-Bomben blieben aus. Es waren friedliche Motorrad-Staffeln welche durch den Ort düsten. Viele Motorrad-Fahrer trugen Helme in der Form von Wehrmacht-Helmen. Wer eine Harley Davidson besitzt will fahren und gesehen werden.
Alles fährt.

W. am 8. September 2004 um 17:03
Mir gefallen die Harley Davidsons auch wirklich supergut! Nur die Helme in Form von Wehrmachtshelmen finde ich eher verstörend. Motorradfahren finde ich immer noch toll, aber nicht in großen Städten wie München oder Wien oder Hamburg .

 
10.09.2004 STEIN . HAUS
Der Radweg R2 rund um den Ossiachersee ist ohne größere Anstrengungen zu befahren. Der Radweg verläuft immer in der Nähe des Seeufers . Selbst Anfang September wird noch im See gebadet. Die schönsten Blumen wachsen auf natürliche Weise entlang der Bahnstrecke in den Farben gelb, blau, violett und rosarot. Diese natürlich wachsenden Blumen übertreffen den künstlichen Blumenschmuck auf den öffentlichen Plätzen und auf den Balkonen der Hotels. Bei Steindorf fährt man am „Steinhaus“ vorbei, welches sich der Architekt Günther Domenig als Lebenskunstwerk errichtet. Das Haus liegt am Ufer des Ossiachersee, als hätte ein Riese vom Gipfel der Gerlitzen einige Steinblöcke und Stein-Quader zum See geschleudert und sie hier aufgetürmt. Heute sieht es danach aus, als sei das Gebilde aus Beton, Glas und Stahl unbewohnt. Eine ganz andere Atmosphäre erlebt man im Steinhaus, wenn darin ein Konzert stattfindet. Der Platz vor dem Eingang ist aufge-brochen und unter den hochgehobenen Steinblöcken quellen Seeschlangen in Chrom hervor. Ein Steg führt von den Wohnbunkern auf den Strand zu. Auf der Wiese neben dem Steinhaus hat eine Riesenspinne aus der Urzeit Rost angesetzt.
Gedanken in Stein.

 

13.09.2004 BERG . STURZ
Das letzte Erdbeben im Raum Villach am 12. Juli 2004 liegt jetzt zwei Monat zurück und ich denke noch oft an einen besonderen Zufall. Unter der Bevölkerung haben die Erdstösse viel Aufregung verursacht, da sich in vielen Wohnungen die Gläser und Lampenschirme bewegt haben. An den Gebäuden sind in Kärnten keine Schäden aufgetreten. Ein paar Tage später bemerkten wir im Wohnzimmer, dass eines der Bilder schief an der Wand hängt. Es ist dies ein Druck von Cornelius Kolig. Das Bild zeigt den Dobratsch mit seinem Absturzgebiet „Steinernes Meer„. Dieses Foto wurde von C. Kolig be-arbeitet und übermalt. Der Dobratsch wurde teilweise mit der Farbe orange übermalt und auf die Steine der Blockhalde wurden rosa Blüten gemalt. Ist es ein Zufall, dass sich gerade dieses Bild durch die Erdstösse ver-schoben hat, welches den Bergsturz des Dobratsch durch ein Erdbeben im Jahre 1348 als Motiv hat? Der Auslöser für den Bergsturz am 25. Jänner 1348 war ein schweres Erdbeben, mit der Stärke 7 bis 8 auf der 12-teiligen EMS-Skala, mit dem Epizentrum in Friaul.
Wurzel des Zufall.

 
15.09.2004 BUCH . ZUKUNFT
Was in anderen Handelssparten wie Eisenwaren, Farben-Handel oder Schuhhandel schon passiert ist, geschieht jetzt auch im Buchhandel. Die Fachgeschäfte ver-schwinden aus den Ortschaften und sind auch in den Städten kaum noch zu finden. Eine gutgeführte Buch-Handlung in Villach mit viel Atmosphäre hat in diesem Jahr, trotz schöner und feiner Buchauswahl, ihren Betrieb geschlossen. Die Buchhändlerin hat sich für die Lese-Förderung und die Verbreitung des Buches durch die Teilnahme an der Buchwoche und durch Lesungen an den Schulen stark eingesetzt. Die Konkurrenz durch die Buchkette A. war wohl zu groß. Das privat geführte Buchhandlungen unter dem Druck der Buchketten zusperren müssen bedeutet das Ende für das anspruchsvolle Buch und die Versorgung von Land-Gemeinden mit Büchern. Viele Verlage werden nur mehr solche Bücher drucken, die dem breitem Geschmack der Leser entsprechen und von denen sie annehmen können, dass diese Titel von Amazon oder Amadeus in ihr Sortiment aufgenommen werden. Viele interessante Bücher werden wegen zu kleiner Leserschaft nicht mehr gedruckt werden.
Wal Mart Verhältnisse im Buchhandel.

Kommentare:
W. am 15. September 2004 um 20:34
Lieber Schlagloch, es ist leider wahr, was du schreibst. Es herrscht Kampf im Buchmarkt und in Deutschland ist das nicht besser. Selbst sog. Großflächenbuchhandlungen haben Probleme und müssen Leute entlassen. Die Leute lesen weniger, diese Entwicklung zeichnet sich schon länger ab. Hinzu kommt, dass doch etliche Leute auf andere Freizeitaktivitäten umgestiegen sind, das sind z. B. Computer. Nicht zu vergessen die Konkurrenz von Amazon, dem Onlinebuchhandel. Das haben viele Buchhandlungen lange Zeit nicht ernst genommen. Statt selber ins Internet zu gehen haben sie sich konservativ wie sie nun einmal sind, ausschließlich auf den stationären Buchhandel verlassen, tja und jetzt sind sie verlassen. Vom Buchhandel ließ es sich immer schlecht leben, jetzt kann man überhaupt nicht mehr davon leben. In Zukunft wird es sicher noch mehr arbeitslose Buchhändlerinnen geben, die Verlage dürften sich auf Allerweltsprodukte beschränken. Da ist es ja nicht schwer den literarischen Niedergang zu prophezeien, traurig das Ganze!

schlagloch am 17. September 2004 um 19:55
Mit der Befürchtung „Wal Mart Verhältnisse“ im Buchhandel habe ich die „Allerweltsprodukte“ gemeint. Wal Mart ist eine große Handelskette in den USA und viele Fabriken erzeugen nur mehr solche Artikel, die eine Chance haben in das Sortiment von Wal Mart aufgenommen zu werden. Für mich ist auch schlimm, dass in den Landgemeinden die Vielfalt in der Handelsstruktur verloren geht. Man sieht nur noch Supermarktläden wie Spar, Billa oder Lidl und diese Läden sehen überall gleich aus.

 
17.09.2004 CHINA . WÄRME
Ein Bekannter feierte seinen 70. Geburtstag. Da es mir nicht möglich war bei seiner Feier in Ulm dabei zusein, weil es die Arbeit nicht erlaubte, wurde er von mir am frühen Morgen angerufen. Ich wünschte ihm zu seinem 70. Geburtstag alles Gute und Gesundheit. Gesundheit im Sinne von Dr. Manfred Lütz: „Gesund ist man, wenn man seine wesentlichen Aufgaben im Leben erledigen kann“. Ich erkundigte mich bei ihm ob er in China Bescheid gegeben hat, dass heute seine Geburtstagsfeier im Gemeinschaftsraum stattfindet. Es könnte ansonsten sein, dass der Raum nicht geheizt ist. Diese Frage hat ihn völlig überrascht. Ich habe vor kurzem in der Zeitschrift „Der Stern“ einen Artikel über die Wirtschaftsmacht China gelesen. Darin wurde berichtet, das die Heizung und die Klimaanlage von der Uni Ulm von einer chinesischen Firma errichtet worden ist und auch von China aus elektronisch gesteuert wird. Diese Fern-Steuerung kommt um vieles billiger, als würde dies eine deutsche Firma durchführen. Wenn er seine Geburtstags-Feier nicht nach China gemeldet hat, dann könnte es sein, dass der Gemeinschaftsraum nicht geheizt ist. Ich habe ihm empfohlen einfach beim „Chef“ in China anzurufen und seine Geburtstagsfeier anzumelden.
China heizt uns ein.

 
21.09.2004 GEIST . MATERIE
Nach dem ich mein Fahrrad im Kofferraum meines Autos transportiert hatte, funktionierte beim Fahrrad der Tacho nicht mehr. Sosehr ich mich auch bemühte, die Kontakte einmal in die Eine und dann in die andere Richtung verschob, es brachte alles keinen Erfolg. Dieser Vorfall liegt schon einige Wochen zurück. Ich hatte meine Bemühungen den Tacho in Gang zu bringen schon aufgegeben. Am Wochenende bin ich mit dem Fahrrad losgefahren, es gab keine Anzeige, wie auch sonst. Während des Fahrens kam mir der Gedanke, dass ein bekannter Elektriker sich einmal meinen Tachometer ansehen könnte. Kaum hatte ich dies gedacht sah ich, dass die Geschwindigkeitsmessung wieder funktionierte. Über einen Monat hatte der Tacho trotz meiner Bemühungen nicht funktioniert. Warum gerade jetzt, wo ich daran gedacht habe Hilfe in Anspruch zu nehmen? Habe ich mit meinen Gedanken und mit meinem Geist die Materie in Schwung bringen können?
Schwung in der Materie.

 
24.09.2004 FERN . WEH
Es ist fünf Minuten nach vierzehn Uhr, wenn der Euro City Zug EC31 von Villach kommend, größtenteils hinter Gebüsch und Stauden verborgen heranbraust und elegant die Kurve bei Neuhaus in leichter Schräglage durchfährt, um sich dann wieder aufzurichten, bis er in der nächsten Kurve vor Pöckau verschwindet. Mit dem Auftauchen der kirschroten Lock und den hellgrauen Waggons kommt auch mein Fernweh und meine Sehn-Sucht nach einer Zugreise in den Süden. Zwischen den grünen Blättern sieht man jetzt schon die gelben, braunen und orange Blätter hervorleuchten. Sie kündigen den Herbst in Kärnten an. Noch kann man sich an den bunten Farben der Pflanzen und Sträucher neben der Bahnstrecke und der milden Herbstsonne erfreuen, aber die warmen Tage sind gezählt. Meine Gedanken fahren mit nach Venedig wo jetzt Spätsommer ist. Humbert Fink hat in einem Roman sehr anschaulich die Sehnsucht zweier junger Burschen geschildert, die an jedem Samstag zu eben diesem Zug auf den Villacher Hauptbahnhof gegangen sind, um diesen Zug ankommen und abfahren zu sehen. Ihr sehnlichster Wunsch war mit diesem Zug Villach zu verlassen. Mir kommt vor, dass die Jugend und das Alter etwas gemeinsames haben, man hat Zeit zum Träumen und plötzlich gibt es eine Zukunft.
Zukunft Fernweh.

 
30.09.2004 CREATIV . MESSE
Auf der Creativmesse in Salzburg findet man eine große Ansammlung von Importen aus aller Welt für die Bereiche Wohnkultur, Bastel- und Floristenbedarf, Tischkultur, Trafikanten- und Esoterikartikel. Bei einem Spaziergang durch die Creativmesse hat man den Eindruck, dass die Kreativität darin besteht, wer eine Ware am billigsten aus dem Fernen Osten importiert. Die vielen Hallen übertreffen die Größe eines Einkaufs-zentrum. Der Stromverbrauch für einen einzelnen Messestand während der Messe wird höher sein, als einer Landfamilie im Fernen Osten für ein Jahr zur Verfügung steht. In den Hallen stehen die Verkäufer beim Eingang der Messestände und begrüßen die Kunden mit Euro-Freundlichkeit. Inmitten dieser vielen Import- und Konsumartikel konnte man die Scherenschnittkünstlerin Brigitte Prommegger bei ihrer Arbeit beobachten. Die Herstellung von Scherenschnitten ist eine Kunst aus der Biedermeierzeit und hat sich bis heute erhalten. Sie arbeitet an individuellen Billetts mit Scherenschnitt-Motive, die man zu den gleichen Preisen erwerben kann als die Fabrikware. Sie zeigte auch Papierobjekte in Verbindung mit Steinen. Die meiste Energie ist ihre Zeit, welche sie in die Herstellung der Papierstengel verwendet, die sie dann zu Objekten formte.
Papier und Stein.

02.08.2004 WASSER . WEIN
In diesem Sommer werden in Österreich von den Politikern laufend Ausstellungen, Veranstaltungen und Themenparks rund um das Wasser. reich eröffnet. Dabei wird auf die Bedeutung eines sauberen Wassers als Lebensmittel, als Heilmittel und als kostbares Gut hingewiesen. Jetzt kommt es in Österreich zu Kürzungen bei den Pensionen und zur Hinaufsetzung des Pensions-Antrittsalter. Dadurch werden Zusagen die vor zwanzig Jahren zur Pension gemacht wurden verändert. Da kann man nur sagen, traue keinem Politiker. Bei den Sonntags-Reden zum „Jahr des Wassers„ könnte man den Politikern zurufen, dass sie Wasser predigen, aber Wein trinken. Die Politikerbezüge und Politikerpensionen und ihre Privilegien bleiben von den meisten Kürzungen ver-schont. Die Politik bestimmt das Pensionsantrittsalter, ohne die Mühen des Arbeitsleben zu kennen. Ein Arbeiter in einer Kfz-Werkstätte, ein Akkordarbeiter in einer Schuhfabrik oder ein Kellner sind mit sechzig Jahren körperlich verbraucht und haben sich ihre Pension redlich verdient. Sie werden durch das Hinaufsetzen des Pensionsantrittsalter wie Sklaven zum Weiterarbeiten gezwungen.
Wasser predigen, Wein trinken.

 
04.08.2004 ROTE . MATTE
Vor dem Villacher Kirchtag hängen in den Strassen und am Hauptplatz von Villach die Girlanden mit vielen bunten Streifen in den Farben rot, gelb und weiß. Wenn man von der Terrasse des Parkcafe in die Postgasse blickt, dann sieht man, wie sich die bunten Streifen im Wind bewegen. Im Schein der Sonne sieht es so aus, als würde ein Konfettiregen über die Postgasse niedergehen. Ein total zerzauster und zerrupfter Spatz versucht am Boden ein paar Tortenbrösel zu ergattern. Er ist so stark zersaust, dass man ihm gerne etwas auf den Boden wirft. Vielleicht ist er in Revierkämpfe mit anderen Vögel verwickelt, die ihm den Futterplatz auf der Terrasse des Parkcafe streitig machen. Überall sieht man jetzt in den Schaufenstern der Innenstadt die Kirchtagsherzen, auch im Laden mit den fernöstlichen Lebensmittel. In einem Buchschaufenster fressen die Hühner ein letztes mal Getreidekörner bevor sie im Suppentopf für die „Saure Suppe „ landen werden.
Auf der Grünfläche vor dem Parkcafe stehen im Sommer gelbe und hellbraune Sofas. Hier kann man sich zum Reden und zum Cafetrinken hinsetzen. Bekannt ist in Österreich das „Rote Sofa“ von der Kika Werbung. Von der Terrasse des Parkcafe kann man jeden Donners-tagabend beobachten, wie nach achtzehn Uhr ein Mann mit einer großen roten Plastikmatte unter dem Arm vorbeigeht. Ist er mit der Matte unterwegs um irgendwo in der Stadt zu übernachten, ist es eine Matte für eine Gymnastikstunde oder ist der Mann auf den Weg zu einem Meditationsabend? Die rote Matte lässt viele Möglichkeiten zu. Die Person selbst verschwindet völlig hinter der Plastikmatte.
Blickpunkt rote Matte.

 
06.08.2004 WASSER . GEIST
In Österreich wird das „Jahr des Wassers“ vom Neusiedlersee bis zum Bodensee mit vielen Event gefeiert. Auch die katholische Kirche leistet dazu ihren Beitrag. In Gaschurn hat man unter der Kirche einen Platz unter dem Motto „Wasser u. Geist “ geschaffen. Am Fuße der Stützmauer wurde ein Platz mit mehreren Sitzbänken und zwei verschiedenen Brunnen angelegt. Der Wein, der entlang der Stützmauer angepflanzt wurde, wird in tausend Meter Seehöhe wohl ein saurer Wein werden. Die Königskerzen stehen jetzt in voller Blüte, ein starkes Gelb. Auf den Bänken und den Brunnentrögen sind Metallschilder mit Zitaten aus der Bibel angebracht, so wie dieses: „Wer von diesem Wasser trinkt wird wieder Durst bekommen. Wer von dem Wasser trinkt, dass ich ihm gebe, wird nie mehr Durst haben in Ewigkeit“. (Joh.4.13). Das hier nicht nur Wasser getrunken wird, sieht man an den leeren Schnaps- und Bierflaschen die hinter den Bänken am Boden liegen. Manchen Leuten genügt Wasser nicht, auch wenn dieses heiliges Wasser ist. Auf einem Brunnen steht der Spruch aus einem Klagelied: „Schütte aus dein Herz wie Wasser, vor dem Angesicht des Herrn „.
Das Herz fließt.

 
12.08.2004 CLOTH . HOSE
Der Radweg um den Millstätter See führt bei der Laggerbucht vorbei, wo wir als Kinder im Sommer gebadet haben. Wenn an Samstagen auf dem Bauernhof mit der Arbeit etwas früher Schluss gemacht wurde, sind wir zu Fuß von Politzen über Brodbrenten zum Millstätter See gegangen und haben dann in der Lagger-bucht gebadet. Der Fußmarsch dauerte etwa eine Stunde. Unsere Badehosen wurden in der Umgangssprache Clothhosen genannt, eine Art von schwarzen Turnhosen. Wir waren stolz darauf, dass jeder von uns seine eigene Clothhose hatte. Dieser Weg führte durch die Ort-schaften Großegg und Kleinegg. Diese Orte waren für uns Kinder schon die Fremde. Für uns waren es schöne Ortschaften, wohl auch deshalb, weil sie auf einer Hochebene liegen und daher die Felder im Gegensatz zu denen in Politzen eben sind. Dies bedeutet in der Landwirtschaft ein leichteres Arbeiten als auf den Steilhängen von Politzen. Heute kann man zur Bucht vom Laggerhof mit dem Auto zufahren und auf der Wiese liegen Sonnenanbeter in Badehosen.
Von der Clothhose zur Badehose.

 

15.08.2004 REFORM . SCHLUSS
Wird jetzt Schluss mit Schluß gemacht? Jetzt, wo die Sommerhitze nachlässt, erhitzen sich die Gemüter der Befürworter und der Gegner der Rechtschreibreform. Inzwischen sind Millionen von Formularen und Buch-Seiten in der neuen Rechtschreibung gedruckt worden und ebenso Millionen von Schulbüchern in der alten Rechtschreibung aus dem Verkehr gezogen worden. War es den Kulturministern einfach langweilig oder ist es einfach die Freude am Diktat. Ich vertrete die schleich-ende Rechtschreibveränderung. Dies heißt, dass sich bei manchen Wörtern einfach eine modernere Art der Schreibweise durchsetzt und dann diese Schreibweise im Duden Aufnahme findet. Mir scheint, dass die Weblogs ein rechtschreibfreier Raum sind, wo jeder schreibt wie er kann und will. Ein Freiraum der Sprache. Ein Freiraum ist für die Bürokratie immer ein Dorn im Auge und schreit nach Reglementierung. Der Staat denkt schon über eine Kontrolle des Internet nach.
Schluß mit Schluss.

 
20.08.2004 URLAUB . LUST
Es gibt viele Möglichkeiten den Urlaub zu verbringen. Die einen wollen etwas erleben, andere wollen sich erholen. Die einen wollen im Urlaub etwas lernen, andere Sehenswürdigkeiten besichtigen oder an einem Malkursen teilnehmen. Diese Liste lässt sich lange fortsetzen. Diese Vielfältigkeit schafft auch den Grundstein für viele Konflikte in den Familien bei der Urlaubsplanung. Wie der Charakter bei den Menschen verschieden ist, so sind auch die Urlaubsziele verschieden. Für die einen steht die Ausübung eines Hobbys im Vordergrund, andere suchen die sportliche Betätigung oder das sogenannte Nichtstun und das Vergessen des Alltages. Die einen wollen einen Badeurlaub am Meer, die anderen einen Wanderurlaub in den Bergen. Kommt es beim Urlaubsbeginn zu langen Autofahrten oder weiten Flugreisen, dann kann man diese Art von Urlaub als Arbeitsurlaub bezeichnen. Wirklicher Urlaub ist, wenn es zwischen den Urlaubs-Partnern zu keinen Auseinandersetzungen im Urlaub kommt.
Lust auf Urlaub.

 
21.08.2004 KÄRNTEN . LÄUFT
Am Ende einer Sommersaison startet Kärnten noch einmal durch. Morgen, am Sonntag, heißt es am Wörthersee, alles läuft. Beim Schlosshotel in Velden ist der Start für den Wörthersee Halbmarathon. Bevor der Herbst kommt laufen die Kärntner noch einmal zur Hochform auf. Im Regionalradio übertrifft die Berichter-stattung vom Wörtherseehalbmarathon die Berichter-stattung von den Olympischen Spielen in Athen. Ein Verwandter trainiert seit Wochen für den Marathonlauf entlang der Drau. Seine Essgewohnheiten hat er total geändert, der Speiseplan richtet sich jetzt für alle nach seinem Energiebedarf. Es ist egal über was man mit ihm spricht, es läuft alles auf den Marathon hinaus. Sein totaler Einsatz von Freizeit und Energie für die Vorbereitung auf den Halbmarathon wird von der Verwandtschaft unter dem Motto akzeptiert : „Besser er begeistert sich für den Laufsport, als er trinkt.“ In der Beilage von der Kleinen Zeitung „Kärnten läuft 04″ wirbt ein Institut für Sportchirurgie für Operationen, wenn es einmal nicht mehr „so läuft“.
Der Sportchirurg läuft mit.

 
24.08.2004 SPIEL . REGEL
Auf einer Lichtung in der Schütt, in der Nähe der Weinitzen, tummeln sich im Sommer bei Sonnenschein viele Schmetterlinge in leuchtendem orange. Es sind dies die Dukatenfalter. Sie spielen Fangen in Vollendung, manchmal zu zweit, zu dritt oder zu viert. In allen möglichen Flugvarianten, wie Parallelflug, Steigflug oder im Tiefflug. Manches mal setzen sie sich auf eine Blüte und halten einen Augenblick inne. Diese Leichtigkeit der Bewegungen erinnert an das Fangen spielen in der Kindheit. Für den Beobachter bleiben die Spielregeln unbekannt. Welchen Regeln folgen wir als Menschen, unseren Eigenen oder denen der Natur?
Regeln oder Freiheit für alle.

Kommentare:
L. A. am 25. August 2004 um 19:52
Du hast am Ende deines Eintrags die Frage gestellt: „Welchen Regeln folgen wir als Menschen, unseren Eigenen oder denen der Natur? Eine Antwort darauf zu finden, ist nicht einfach. Da die Menschen Teil der Natur sind, folgen sie teilweise den Gesetzen der Natur. Die Gesetze der Natur sind teilweise recht grausam. Es geht um‘ s Überleben. Nur Erziehung und die Übermittlung von humanistischen Werten kann uns vor Barbarei schützen. Während ich diese Sätze schreibe habe ich den Roman „Der Herr der Fliegen“ im Kopf: Eine Gruppe sechs- bis zwölfjähriger Schuljungen, die als einzige den Absturz eines Flugzeuges überlebt haben, sitzt auf einer unbewohnten Insel im Pazifik fest. Die Rahmenbedingungen erinnern an das Schicksal in Daniel Dafoes Robinson Crusoe. Zunächst sind die Jungen begeistert von dem erregenden Gefühl grenzenloser Freiheit und dem Erlebnis einer unberührten, exotischen Natur. Doch schon bald müssen sie ihr Überleben und ihr Zusammenleben organisieren. Man könnte annehmen, dass die eigentlich noch unschuldigen Jugendlichen nicht die Fehler der Erwachsenen wiederholen. Doch es kommt zu einem Konflikt zwischen Ralph und Jack. Während Ralph die Rettung von der Insel zum Hauptziel erklärt, rückt für Jack die Fleischbeschaffung in den Vordergrund. Statt das lebenswichtige Feuer zu hüten, gehen Jack und seine Sängerfreunde auf die Schweinejagd. Die Freude am Töten ergreift immer stärker Besitz von Jack, so dass er Ralphs vernünftigen Argumenten schließlich nicht mehr zugänglich ist. Die Jugendlichen unterwerfen sich immer mehr dem Herrenmenschentum. Sie sind am Ende keineswegs “ frei wie die Schmetterlinge“.

schlagloch am 27. August 2004 um 12:19
Der Mensch hat die Möglichkeit durch Religion und Philosophie die nackten Überlebensgesetze der Natur auszugleichen. Für mich sind Religion und Philosophie nichts jenseitiges, sondern in den Regeln der Natur enthalten. Ich habe das Buch „Herr der Fliegen“ gelesen.

 
30.08.2004 HILFE . SCHREI
Viele erleben im Traum die Situation, dass sie verfolgt werden oder sie drohen einen Abhang hinunterzustürzen. Sie schreien um Hilfe, aber sie bringen keinen Ton heraus, sie sind sprachlos. Auch im Alltag gibt es Situationen, dass man so erschrocken ist, dass man kein Wort sagen kann. Es gibt auch die Situation, dass man so bedrückt ist, dass man keinen Bissen mehr essen kann. Von diesen Situationen sind jene noch in der besseren Lage, die in Notsituationen um Hilfe schreien können.
Schrei, wenn du kannst.

 

03.07.2004 SOMMER . SCHNEE
Vor einem Jahr hat Österreich und ganz Mitteleuropa unter der Hitze gestöhnt. Dieses Jahr sind es die kalten Temperaturen und der viele Regen warum die Menschen mit dem Wetter unzufrieden sind. Egal ob Sonnenschein oder Regen, das Wetter ist auf jeden Fall ein Gesprächsthema. Es gibt kein Wetter, dass alle Wünsche zufrieden stellen könnte. Bei Regen, Blitz und Donner träumte ich in der vergangenen Nacht folgendes: Ich gehe noch zur Schule und liege an einem Nachmittag in den Sommerferien am Strand vom Millstäter See. Es fängt zu regnen an und dann beginnt es zu schneien. Ich hole meinen Fotoapparat um den Schneefall zu fotografieren, weil dies glaubt mir sonst niemand. Die ganze Landschaft um den See wird weiß. Als am Abend die Lichter angehen ist am Millstäter See eine Stimmung wie im Winter, am Weihnachtsabend.
Schneefall im Sommer.

 
07.07.2004 SOMMER . FEST
Vor dem Frühstück ziehe ich die Jalousien des Wohnzimmerfenster hoch. Mein Blick fällt auf die „Rote Wand“ am Dobratsch. Aus dem Bergmassiv sind beim Erdbeben 1348 große Teile abgerutscht. Manche Stellen sind bis heute nicht von der Vegetation überwachsen. Die Rote Wand klafft wie eine große Wunde im Berg. Im Frühjahr brechen immer wieder neue Stücke aus dem Berg und die Wunde heilt nicht. Der Felsen hat zu jeder Jahreszeit und Tageszeit eine andere Farbe. Im Sommer ist der Felsen leuchtend orange, blutrot oder ockergelb. Nach einem Regenfall ist er braun oder dunkelgelb. Im Winter sind die Felsen grau, nur schmale orange Streifen leuchten in das Tal. Nach einem Regen steigt im Sommer der Nebel vom Gailufer den Berg hoch und hüllt die „Rote Wand“ ein. An solchen Nebeltagen sieht man schemenhaft Gestalten an den Felswänden herum-klettern. Im Schutz des Nebels verlassen die Erdbeben-Toten ihre nassen und steinigen Gräber und feiern ein Sommerfest. Der Nebel schützt sie vor den Blicken der Gailtaler.
Sommerfest der Toten.

Kommentare:
D. am 8. Juli 2004 um 10:09
Auch ich sehe vom Wohnzimmer meines Elternhauses die Rote Wand, aber trotzdem muss ich anmerken, dass die Farben doch nicht so intensiv sind, wie sie immer geschildert werden. Ich habe schon verdammt oft hingesehen.
09.07.2004 SOMMER . DEPRESSION
Nichts ist schlechter zu ertragen als eine Reihe von verregneten Sommertagen. Wenn man sich seit einem halbem Jahr auf den Sommer gefreut hat, dann ist die Enttäuschung über das derzeitige instabile Wetter besonders groß. Schon im Februar hat man die Schnee-Fälle und die kalten Tage nur mit den Gedanken auf einen warmen Sommer ertragen. Im April hat man den Frühling kaum erwarten können und von Frühlings-Gefühlen geträumt. Diese Gefühle sind dann während der Eisheiligen erfroren. Daraufhin hat man keine neuen Frühlingskleider gekauft. Alle Hoffnungen waren auf einen schönen, warmen Sommer gerichtet. Jetzt fallen viele davon in das Wasser und werden vom Regen ertränkt. Aus dem Regen taucht die Sommerdepression auf, wie der Lindwurm aus dem Wörthersee.
Schlaglochwetter.

Kommentare:
P. am 9. Juli 2004 um 10:18
Ich habe noch Hoffnung. Hoffnung, dass der Sommer später kommt und dafür länger bleibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

W. am 9. Juli 2004 um 10:27
Hoffnung – na immer, aber es schaut ja wirklich nicht besonders gut aus! Aber so Ende Juli fängt es doch oft noch an schön warm zu werden , sogar in Österreich.

M. am 9. Juli 2004 um 20:58
Ich will auch hoffen.

schlagloch am 12. Juli 2004 um 17:05
Zusätzlich zu den starken Regenfällen hat es heute in Kärnten noch ein Erdbeben gegeben. Im Würgegriff der Natur.

 
11.07.2004 VORBEI . SCHAUEN
Es ist heute einerlei ob man zu einer Geburtstagsfeier, zu einem Grillabend oder einem Schulabschlussfest einlädt, man erhält keine konkrete Zusage mehr. Niemand verspricht verbindlich seinen Besuch. Im allgemeinen heißt es, man wird vorbeischauen. Schon das Wort „vorbeischauen“ verspricht nichts gutes, es enthält sehr viel Beiläufigkeit. Es bedeutet, dass der Besucher in Gedanken gar nicht anwesend sein wird, er wird an dem Fest vorbeischauen. Niemand will sich auf etwas verbindliches einlassen, alle Zusagen bleiben unver-bindlich. Dies trifft auch auf viele Beziehungen zu. Es muss heute möglich sein sich jederzeit zu trennen. Oft findet man keinen festen Halt im Leben oder in der Beziehung. Deshalb gleiten viele Menschen in Ängste und Depressionen ab. Man gibt sich unverbindlich, will überall dabei sein, ohne sich auf etwas konkretes einzulassen.
Vorbeischauen am Nächsten.

Kommentare:
[unbekannt] am 12. Juli 2004 um 15:55
Wie wahr wie wahr, da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen!

R. am 12. Juli 2004 um 22:41
Oha, noch jemand dem das unangenehm auffällt. Mir ist das in meinem Umfeld auch schon aufgefallen und ich ecke ziemlich an, wenn’s darum geht klare Verbindlichkeiten zu schaffen. Aber wieso?

 

12.07.2004 ERDBEBEN . TORRE
Jetzt, um 15.15 Uhr, starke Erdstösse in Kärnten. Der Boden schwankte unter den Füssen und die Gläser bewegten sich in den Vitrinen. Wir haben Mühe wieder zur Arbeit zurückzukehren. Die Kunden haben nur ein Thema, Erdbeben. Viele haben noch die Erinnerung an die schlimmen Folgen des Erdbeben von 1976 in Friaul. Diesmal liegt das Epizentrum in Slowenien, bei Kobarid. Dies wird für viele Menschen eine schlaflose Nacht.
Mutter Erde.
13.07.2004 ERDBEBEN . NACHLESE
Nichts überrascht einen so wie ein Erdbeben. Viele Ereignisse, auch Katastrophen und Unglücke bauen sich stufenweise auf. Manchmal erwartet man sogar ein Unglück. Ein Erdstoss kommt ganz plötzlich. Ich war gerade beim Beladen eines Kombiwagen als das Auto so stark zu schaukeln begann, als stünde das Auto auf einem Trampolin. Dann spürte ich die Wellenbewegungen des Boden in meinen Füssen. Als das Erdbeben vorüber war, schaukelte ich beim Gehen wie ein Schiff auf dem Wasser. Erst nach einiger Zeit beruhigte sich der Körper. Die nervlichen Anspannungen lösten sich beim Gespräch mit anderen Betroffenen. Das Zentrum des Erdbeben lag im Isonzotal in Nordostslowenien.
Die Erde trägt uns.

 
19.07.2004 GOTT . WO
Im Buch „Was der Seele gut tut“ schreibt Pater Pausch: Viele fragen, hat Gott den Menschen erschaffen oder ist es umgekehrt? Hat der Mensch aus Angst vor dem Tod Gott erschaffen, weil er ohne Jenseitsvorstellungen nicht leben kann? Es ist einerlei ob es so oder so ist. Gott kann man nicht besuchen wie die Stadt München oder sagen dort wo der Stephansdom steht wohnt Gott. Gott kann nur in sich selbst erfahren werden oder nirgendwo.
Gott wo bist du?
21.07.2004 KREMS . MÜNSTER
Das Stift Kremsmünster mit der siebenstöckigen Sternwarte thront auf einem Felsen über dem Ort Krems-münster. Im Ort, der sich an den Felsen anschmiegt und durch den die Krems fliest, kann niemand einen Schritt machen ohne nicht vom Kloster aus beobachtet zu werden. Das Dorfleben ist vom Blick auf das Kloster geprägt. Viele entziehen sich dem Blick auf das Kloster dadurch, dass sie mit gesenktem Haupt durch die Strassen gehen. So gehen viele Leute, mehr als in anderen Orten, mit gesenktem Kopf durch die Strassen. Andere fahren mit großer Geschwindigkeit durch den Ort, der fast in seiner Gesamtheit ein Strassen Knotenpunkt ist. Die meisten Häuser im Ort stehen zwischen zwei Einbahn-Straßen. Wenn am Abend im Ort die Lichter angehen, bleiben die meisten Fenster im Kloster finster. Der Hang des Klosterfelsen ist besiedelt und zwischen den Häusern verlaufen schmale Strassen, eine mit dem Namen „Tötenshengst“. Alle, die Sonntags zur Kirche gehen, müssen einen steilen Weg oder über die „Lange Stiege“ die vielen Stufen vom Ort zum Kloster zurücklegen.
Ein steiniger Weg zu Gott.

 
23.07.2004 FISCH . KALTER
Eine Attraktion im Kloster Kremsmünster sind die Fischbehälter auch Fischkalter genannt. Die Anlage wurde von Carlo Antonio Carlone in den Jahren 1690 bis 1692 erbaut und besteht aus mehreren Fischbehälter im Ausmaß von ca. je 50 m2. Die Fischbehälter umgibt ein Säulengang mit Jagdtrophäen aus mehreren Jahrhund-erten. In den Fischbecken stehen Steinfiguren aus denen frisches Wasser rinnt. Nähert sich ein Besucher dem Rand eines Fischbehälter, so drängen sich alle Fische zu dieser Stelle. Die Fische erwarten von den Besuchern Futter. Dies ist oft der Fall, da an dieser Stelle ein Automat für Fischfutter steht. Als Besucher wundert man sich über das Gedächtnis der Fische. Der Fischwart be-stätigt diese Beobachtung, wenn er erzählt, dass er in der Früh mit dem Fischfutter kommt und die Fische schon immer in der selben Ecke auf die Fütterung warten.
Schlau wie ein Fisch.