03.05.2004   SPIEL . HOFFNUNG

Wer selbst ein Spielcasino nicht um des Spielens willen besucht, sondern um mit Freunden ein wenig zu Feiern und dabei Zeit hat die Leute zu beobachten, wird  erleben können, mit welcher Leidenschaft manche Spieler den Verlauf der Roulettkugel verfolgen und mit wie viel Hof-fnung sie auf ein neues Spiel setzen. Diese Hoffnung ist meistens in wenigen Minuten verspielt, eine kürzere Hof-fnung gibt es nicht. Um an das Geld der breiten Masse zu kommen, des sogenannten kleinen Mannes, gibt es die Lottospiele und Sportwetten. In Niederösterreich ist eine Trabrennbahn mit Wettterminals für Fußball, Formel I und anderen Spielmöglichkeiten eröffnet worden unter dem Slogan: „ Hier gewinne ich, wetten das …“ 

Wetten das, dies nicht stimmt.

 

Kommentare:    
W. am 3. Mai 2004 um 18:26
 – genau!

 

 

07.05.2004   BLOG . LESER 

Wer einige Zeit ein Weblog führt stellt sich die Frage, werden meine Einträge gelesen? Über die ersten Kom-mentare freute ich mich, als Zeichen, dass ich wahrge-nommen wurde. Ich probierte in meinem Weblog verschiedenes aus und versuchte für mich eine Linie zu finden. Nach der Installation von einem Zugriffszähler auf meine Site war ich erstaunt wie viele Besucher meine Website aufweist. Interessant ist auch, mit welchen Stichwörtern Besucher aus dem Internet auf meiner Seite landen. Wenn man bei Google den Suchbegriff „Schlagloch“ eingibt, findet die Suchmaschine achtzehn-tausend Stichwörter in 0.21 Sekunden und „Schlagloch – Neueste Einträge„  auf der ersten Seite. Bestimmt waren die meisten Benützer auf der Suche nach Straßen-Schlaglöcher. Vorsicht Schlagloch.

12.05.2004   ROTE . KLÖTZE  

Zur Kindheit in Europa  gehören die Legobausteine  dazu. Schon die Kleinkinder spielen damit. Jedes Kind hat für die Legobausteine, je nach Alter, einen eigenen Namen. Heute, mit zwei Jahren, heißen die Lego-bausteine „Klötze“. Bald werden es die grünen, blauen, roten und gelben Klötze sein. Mit zwei Jahren gibt es nur ein vorwärts, da gibt es noch keine Vergangenheit . Alles ist lecker und Autofahren super.

Morgen rote Klötze.

 

 

14.05.2004   LANGE . WEILE 

Unser Alltag ist nicht  frei von Konflikten, Beschwerden und Unannehmlichkeiten. Oftmals gibt es im Beruf Schwierigkeiten und Rückschläge. Wir sind manchmal völlig deprimiert. Auch in einer Beziehung kann es Streit und Meinungsverschiedenheiten geben. Es können vom Partner falsche Vorwürfe kommen oder man wird missverstanden. Man fühlt sich gekränkt und wünscht sich an einen Ort auf Erden, wo es keine Auseinander -setzungen gibt. Es gibt im Menschen eine große Sehnsucht nach Harmonie. Wenn unsere Sehnsucht nach Harmonie erfüllt wird, dann ist uns langweilig.  

Ist es im Himmel langweilig?

 

 

17.05.2004   WIEVIEL . ZEIT 

Nach einem Jahr als Blogger merke ich, wie die Zeit vergeht, in diesem Fall ein Jahr. Mein Zeitgefühl ist ganz verschieden. Manches mal kommt mir die Zeit endlos vor. Dazu genügt es, wenn ich beim Einkaufen an der Kassa länger warten muss, besonders dann, wenn ich es eilig habe. Ein arbeitsfreier Sonntag kann viel zu kurz sein. Ich glaube, dass mit dem Alter die Zeit immer schneller abläuft weil die Vorhaben, welche man noch ausführen will, mit der zu erwartenden Lebenszeit in keinem Verhältnis stehen, von einem plötzlichen Tod ganz abgesehen. Alle Jahre erleben wir bei der Um-stellung auf die Sommerzeit wie beliebig mit der Zeit umgegangen wird. Auf Knopfdruck kann man den Tag um eine Stunde verlängern. Sind wir die Herren über die Zeit oder werden wir von der Zeit beherrscht? Wie viel Zeit braucht ein Weblog und dies eine nützliche Zeit? 

Wer hat Zeit.

 

Kommentare:
E. am 17. Mai 2004 um 23:41
Hallo Schlagloch! Gratulation zum Einjährigen. Hoffe  sehr, dass auch weiterhin mit gewohnten Elan hier gebloggt wird. Wie viel Zeit ein Weblog braucht, das ist von vielen Faktoren abhängig.  Von der Priorität die ein Weblog beim Besitzer hat. Auch Jahreszeit, Stimmung, Emotionen, evtl. Gesundheit sind ausschlaggebend  wie viel Zeit man für das Weblog aufwendet. Oft genug bleibt es nicht bei einem Weblog. Es folgen weitere, es werden welche gelöscht, an andern Orten neu begonnen. Mancher benötigt zwischenzeitlich Urlaub, Ferien oder Erholung vom Weblog. Viele Weblogger möchten ihr Weblog  nicht mehr missen. Es eröffnet viele neue Möglichkeiten sich einerseits öffentlich zu äußern, andererseits jedoch noch im Verborgenen zu bleiben. Für manche mag es eine Verbesser-ung der Ausdruckskraft, eine Erweiterung des Wortschatzes bedeuten. Wieder anderen ist der Kontakt mit anderen Menschen wichtiger und interessanter. Auch wird der Mensch vielleicht mutiger, couragierter der ein Weblog führt. Es ließen sich bestimmt noch weitere Gründe, Indikationen, Wirkungen zum Thema Weblog hier anführen. Doch soll das keine Doktorarbeit zum Thema Weblog werden. Entweder gibt es die eines Tages noch oder es gibt sie bereits? Also weiterhin viel Spaß, Freude, die nötige Zeit und Muse und viele gute Einfälle für dein Weblog.
B. am 18. Mai 2004 um 23:16
Ich selbst merke immer mehr, dass mich das Bloggen verändert. Ganz kleine Veränderungen nur, aber fühlbare. Und somit ist  für mich  die Frage nach der Nützlichkeit bean-twortet. Man könnte die Zeit für etwas sinnvolleres nützen, wobei man sich dann wieder fragt, ob man die Zeit nicht für etwas noch sinnvolleres nützen könnte. Die Frage bleibt, wann man beim Sinnvollen angekommen ist. Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass das Bloggen gut und wichtig ist. Für jeden einzelnen aus einem anderen Grund.

 

 

19.05.2004   TIER . MENSCH 

Der Umgang der Menschen mit den Tieren ist oft erschreckend. Wir kennen die Bilder von den Massen-tierhaltungen der Schweine oder Hühner. Ähnliches gibt es bei den Tiertransporten. Vom Grenzbahnhof hört man das Brüllen der hungrigen und durstigen Rinder im ganzen Ort. Die Rinder, welche von Europa unterwegs in den vorderen Orient sind, werden hier mit Wasser versorgt, bevor der Zug zu einem Adriahafen weiterfährt. Es ist, als will der Mensch seine Verwandtschaft mit den Tieren verdrängen. Er zeigt den Tieren auf grausame Weise wer hier der Herr auf der Erde ist. Vor kurzem habe ich in einem Fischmarkt gesehen, wie über das Wochenende den Krebsen die Zangen zusammen-gebunden wurden und die Fische in einem engen Netz gefangengehalten wurden. Von den Künstlern, wie dem Maler Klaus Stephan werden wir daran erinnert, wie schmal der Grad zwischen Menschen und Tieren verläuft. Klaus Stephan siedelt seine Bilder im tierisch, mensch-lichen Bereich an, zwischen Stall und Küche. 

Das Tier in uns.

 

 

21.05.2004   MENSCHEN . FOLTER 

Wenn heute vom Krieg gesprochen wird, dann ist meistens der Krieg im Irak gemeint. Aus dem Irak kommen jetzt  Meldungen von Folterungen durch Soldaten der US Armee.  Als Unbeteiligte fragen wir uns, wie können Menschen zu anderen Menschen so grausam sein ?  Ein Kriegsreporter, welcher vom Zypernkonflikt und vom Vietnamkrieg berichtet hat, hat mir folgendes erzählt : „Er selbst hatte vor seinem Einsatz im Kriegs-Gebiet große Furcht vor dem Anblick der Kriegstoten und Verwundeten. Aber nach den ersten Toten habe er sich an diesen Anblick schnell gewöhnt. Ähnlich verhalte es sich bei den Soldaten im Kriegseinsatz. Wenn sie die ersten Feinde erschossen haben, sind die Nächsten „kein Problem“. Die menschliche Hemmschwelle zum Töten liegt sehr hoch, aber wer diese einmal übersprungen hat, hat oft keine Hemmungen mehr.“ Ähnliches wissen wir von der Folter. Schon ein Beispiel aus dem Alltag zeigt, dass ein Mann, der seine Frau geschlagen hat, sie immer wieder schlägt. Dies gilt bei den Kindesmisshandlungen. Im Krieg wird die eigene Verantwortung auf den Befehlsgeber abgeschoben und der Befehlsgeber meidet die direkte Konfrontation mit den Kriegsfolgen. Wenn der Krieg erst ausgebrochen ist, dann zieht er eine Fülle von schrecklichen Auswirkungen nach sich. 

Krieg vermeiden.

 

 

30.05.2004   POST . PHYSIK 

Ein Brief, den ich an das hiesige Gemeindeamt gesandt habe, wurde vom Briefträger nicht zugestellt, weil ich die alte Straßenbezeichnung verwendet habe. Der Briefträger begründete die Unzustellbarkeit damit, dass, wenn es die Straßenbezeichnung nicht mehr gibt, so existiert auch  das Gemeindeamt nicht. Das Gemeindeamt und das Postamt befinden sich im selben Gebäude. Dies ist die neue Postlogik in Anlehnung an die moderne Physik. Wo niemand hinsieht, dort existiert  auch nichts, kein Baum, kein Haus und kein Berg.  

Der Briefträger als Quantenphysiker.

 

01.04.2004   GUTEN . MORGEN . ÖSTERREICH 

Als ich am Mittwoch um neun Uhr Vormittag in Spittal an der Drau in das Stadtcafe  komme sitzen an der Theke zwei unrasierte und ungepflegte Männer  mit Zahnlücken. Sie bestellen sich gerade jeder ein weiteres großes Bier und rauchen eine Zigarette nach der anderen. Die Gesichter sind verzerrt und die Wangen eingefallen. Beide tragen abgewetzte  blaue Jeanshosen,  einer dazu einen grünen Pullover, der Zweite einen blauen Pullover. Sie sitzen sprachlos nebeneinander, verfolgen jede Handbewegung der Bedienung und jeden Gast der das Cafe betritt. Man sieht ihnen das unterstandslose Leben an. Ein Kumpel von ihnen kommt, mit einem weiß-schwarzem Hund an der Leine zur Tür herein und setzt sich zu ihnen. Der Hund legt sich auf den Boden und schaut die Gäste mit seinem treuem Blick an. Vor der Tortenvitrine bleiben die feinen Spittaler Damen stehen und suchen sich zum Capuccino ein Stück Torte aus. Der Kumpel bestellt sich ein großes Bier und einen Schnaps. Er hebt sein Glas und sagt : 

„Guten Morgen Österreich, Prost.“

 

Kommentare:    
S. am 1. April 2004 um 07:55
Ja, guten Morgen Österreich, guten Morgen Kärnten, guten Morgen Welt! Solche oder ähnliche Szenen kann man wohl an vielen Orten der Welt beobachten, besonders häufig allerdings in Österreich und dann gibt es nicht mal ein „Knoppers“ dazu. Schön beobachtet, schön aufgeschrieben. Guten Morgen.

 

W. am 1. April 2004 um 10:42
Guten Morgen Österreich. Schöne Geschichte.

 

schlagloch am 3. April 2004 um 07:51
Bitte was sind Knoppers? Ich habe zuerst in meinen Wörterbüchern und dann im Lexikon nachgeschaut, um dann bei Yahoo Suchmaschine zu erfahren, dies sei das bekannteste „Frühstückchen“ Deutschlands.

 

 

05.04.2004   BLAU . ROTE . OSTERN 

Die  Osterwoche gehörte in meiner Kindheit zu den schönsten Wochen des Jahres. Es war schulfrei und es wurde endlich Frühling. Es war warm und wir Kinder konnten wieder im Freien spielen. Die Wiesen wurden grün, der ganze Obstgarten war voll von Schnee-Glöckchen. Rund um das Haus und den Stall wurde aufgeräumt, die Bäume beschnitten, das Laub zusammen-gerochen und alles bei einem kleinen Feuer verbrannt. Die Schafe waren die ersten Tiere welchen den Stall nach dem  langem Winter verlassen konnten. Das Palmbesen-Tragen  am Palmsonntag war der erste Höhepunkt der Osterwoche. Der Palmbesen war ein Buschen aus Palmkätzchen und Kranewitzweigen, darin vier Holz-Spieße an denen Äpfel und Orangen aufgespießt wurden. Zusammengehalten wurde der Buschen von roten, weißen, grünen und blauen Stoffbänder. Auf die Bänder aufgefädelt waren Schokolade- und Salzbrezeln. Wir nahmen den Palmbuschen, der an einem Stil befestigt war über die Schulter und marschierten etwa vier Kilometer von Politzen nach St. Paul in die Kirche zur Palmweihe. Wir waren immer darauf bedacht, dass keine Köstlich-keiten verloren gingen.

Auf dem Heimweg von der Kirche war es mit unserer Geduld zu Ende. Der Eine und der Andere brach vom Palmbesen einen Brezel ab und aß ihn auf. Zu Hause angekommen mussten wir zuerst das Haus und den Stall mit dem geweihtem Palmbesen dreimal umrunden. Dadurch sollte der Hof vor Unwetter und Unglück verschont werden. Erst danach durften wir die Süßigkeiten des Palmbesen essen. Dieses Jahr konnte ich am Palmsonntag beobachten, dass man bei vielen Palmbesen  blaue und rote Bänder zum Zusammen-binden verwendet hat.  

Es wird umgefärbt. Blau. Rot.

 

 

13.04.2004   EMAUS . GANG 

Von der Ortschaft Sonnwiesen blickt man auf das breit geöffnete Drautal wo jetzt, im April, die Felder grün werden. In der Mitte des Tales fließt die blaugrüne Drau. Die Berggipfel entlang des Drautales sind frisch verschneit. Aus allen Sträuchern und Bäumen treiben hier, auf der Sonnseite, die Knospen. Man geht vorbei an frisch erbauten Einfamilienhäusern ohne Außenputz, in den Fenstern hängen schon die Vorhänge. Im Garten vor den Häusern stecken die Palmbesen und es blüht bereits kräftig. Auf den Feldern weiden weiße und schwarze Schafe. Rund um die Bauernhäuser wird Holz gemacht. Das fertige Holz wird mit schwarzen und grünen Plastikbahnen oder mit verrostetem Blechstreifen abgedeckt. Auf einer schmalen Zufahrt zu einem Gehöft kriecht der blau-weiße Milchwagen hoch. Von den Bäumen blicken die Nistkästen  auf die Emauswanderer herab, keine Überwachungskameras, wie auf dem Hauptplatz in der Bezirksstadt. In den Stauden neben der Strasse liegen, jetzt wo der Schnee geschmolzen ist, die leeren Cola Pappbecher, die Verpackungen von den Bic Mäc und die leeren Tragtaschen von den Juniortüten. Auch die Landjugend isst bei Mc Donald. Den Emaus-gang beschließt eine hl. Messe in St. Jakob.

Die Sonne verdecken Wolken.

 

Kommentare:  
B. am 15. April 2004 um 02:34
Erst kam ich ins Träumen, dann wurde ich jäh herausgerissen, McDonalds allgegenwärtig. Dennoch ein gewohnt schöner Eintrag.

 

 

17.04.2004   BODEN . PROBEN 

Im Leben werden wir immer wieder auf die Probe gestellt. Die erste Probe gibt es in der Schule. Der Lehrer stellt uns auf die Probe, ob wir zu hause etwas gelernt haben. Beim Eintritt in das Berufsleben gibt es die Probezeit. Nach der Führerscheinprüfung bekommt man den Probeführerschein. Vor der Hochzeit gibt es die Ehe auf Probe. Viele Fabrikanlagen erhalten erst nach dem Probebetrieb die Betriebsgenehmigung. Bei neuen Theater- und Konzertaufführungen gibt es lange Probe-Zeiten und zum Schluss eine Generalprobe. Heute  gibt es keine Sicherheiten mehr, alles ist  eine Probe für das nächste Leben. Was findet man in einer Gailtaler Bodenprobe? Beim Autobahnbau die Festigkeit des Untergrundes, bei der Flussregulierung den Grund-Wasserspiegel und bei einer  Fabrik die Umweltbelastung. Geistige Proben aus den Gailtaler Köpfen hat Engelbert Obernosterer in seinem Buch „Bodenproben“ gezogen. Eine Probe :

„Frau N. lässt es keine Ruhe, dass das fremde Auto schon den ganzen Tag so komisch dastehe, so schlampig, wie bei uns keiner sein Auto hinstelle, nach Balkan sehe das aus oder nach Türkei. Aber auch so katholisch stehe es da, so freiheitlich, ergänzt ihr Mann, der Zyniker“.

 

 

19.04.2004   BLOG . GEDANKEN 

Seit  einem Jahr veröffentliche ich in meinem Weblog  unter der Rubrik „TAG . GEDANKEN„  Erlebnisse und Beobachtungen aus dem Alltag. In dieser Zeit habe ich mir Gedanken über das Bloggen gemacht. Ich habe bei den Einträgen nicht die Menge zum Ziel.  Wie viele Zeichen verträgt der Mensch, Leser? Als Richtlinie für einen Eintrag nehme ich cirka tausend Zeichen. Für eine Nachricht im Fernsehen stehen cirka fünfzehn Sekunden zur Verfügung. Ich möchte nicht nur Nachrichten in meinem Weblog weiterverbreiten. Mit Nachrichten werden wir heute im Minutentakt überfahren. Die aktuellste Schlagzeile ist auch immer die, welche am schnellstem im Schlagloch der Zeit verschwindet. Ich versuche kurze Geschichten zu erzählen. Das moderne Leben hat einen Mangel an Geschichtenerzähler.  

Geschichten braucht das www.

 

 

22.04.2004   UR . NATUR 

Die große Kälte ist vorbei und der meiste Schnee geschmolzen. Wir sind dabei den Baumschnitt durch-zuführen. Im Garten und rund um das Haus dulden wir keinen Wildwuchs. Alles wird zugeschnitten, die Bäume, die Hecken und im Sommer der Rasen. Alles was nach Natürlichkeit aussieht  ist gegen die Art der meisten Gartenliebhaber. Es soll alles seine Ordnung haben, am besten in Reih und Glied. Den meisten Menschen fällt es schwer sich in der urwüchsigen Natur wohl zufühlen. Kaum haben sie im Garten sauber gemacht, bricht das Unkraut über den Zaun herein. Um die Natur vor dem totalem Zubetonieren und Verbauen zu bewahren verordnet der Mensch Naturschutzgebiete und feiert sich als Schöpfer dieser Naturparks. Zuerst wird Landschaft vernichtet und dann werden die Retter der Natur gefeiert. 

Schütt ist urwüchsig.

 

 

 

24.04.2004   FAMILIE . ÖSTERREICH 

Wenn man eine Familie mit dem österreichischen Staat vergleicht, dann ist der Vater der Bundeskanzler und die Mutter der Bundespräsident. Wir Staatsbürger sind die Kinder. Der Vater, sprich Bundeskanzler kümmert sich um das Geschäft und das Geld. Die Mutter, sprich der Bundespräsident kümmert  sich um das Zusammenleben und die Sorgen in der Familie, sprich Staatsbürger. Heute ist die Rollenverteilung in der Familie nicht mehr so eindeutig, für meinen Vergleich bleibe ich dabei.  

Wenn am Sonntag bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich zwei Kandidaten, sprich Mütter zu Wahl stehen, dann ist mir die Mutter, sprich der Kandidat lieber, welcher von sich sagt, er wird 90% seiner Amtszeit in Österreich verbringen, das heißt zu Hause bei der Familie sein. Eine Mutter, sprich Präsidentschafts-Kandidatin die 70% ihrer Amtszeit im Ausland verbringen will ist für ein Kind, sprich Staatsbürger keine schöne Vorstellung. 

Kevin allein zu Hause.

 

Kommentare:  
E. am 24. April 2004 um 08:58
Toller Vergleich! Stimmt wirklich was du da sagst!

 

K. am 27. April 2004 um 12:37
Sehr originell, aber einleuchtend. So habe ich es noch nie gesehen. Obwohl,  wäre ich  Österreicher, wohl doch die reisefreudigere Mutter gewählt hätte. Unsere nächste deutsche Mutter macht ja auch auf weltläufig und redet außerdem zuviel.

 

schlagloch am 27. April 2004 um 20:08
Die Österreicher haben für die Mutter am Herd entschieden. Man kann gespannt sein, was von den Wahlversprechen übrig bleibt.

 

 

28.04.2004   GRIASS DI . ZIVJO . MANDI

Anlässlich des Beitrittes von Slowenien zur EU finden in Kärnten mit den Nachbarn viele gemeinsame Veranstaltungen statt. Eine Veranstaltung wird versuchen vom Faaker See  eine Menschenkette über die Karawanken nach Kranjska Gora  zu bilden. Diese Veranstaltung hat großen Symbolwert. Die Karawanken sollen nur als geografischer Begriff weiter existieren. Die nächste Aufgabe ist die geistigen Grenzen in den Köpfen der Bevölkerung zu überwinden. Auch im Länderdreieck von Slowenien, Friaul und Kärnten, wo die Völkerver-ständigung wie eine Litanei in allen öffentlichen Ansprachen heruntergebetet wird, kann es vorkommen, dass die Errichtung eines Kebab Imbissstandes im Ort von den Anrainern abgelehnt wird. So nahe will man die neuen EU Nachbarn nicht haben. 

Die Karawanken wanken.

03.03.2004 JAGD . GESELLSCHAFT
Wir sind stolz auf unsere Umgangsformen gegenüber den Mitmenschen, auf unsere Anstandsregeln und Höflich-keitsformeln. Wir benützen die Grußformeln „Guten Morgen oder Guten Tag“, die Wörter „Bitte und Danke“, und beenden einen Brief „mit freundlichen Grüßen“. Wir sprechen unsere Mitmenschen mit „Liebe Kollegen oder Liebe Mitbewerber“ an, wir sind die „Lieben Bürger“. Diese Höflichkeitsformeln dienen dazu unsere Absichten vor den anderen zu verschleiern, unsere wirklichen Wünsche zu verheimlichen. In Wirklichkeit sind wir eine Jagdgesellschaft, ist jeder von uns ein Jäger, wo der Eine dem Anderen auflauert um ihm die Beute zu entreißen. Unsere Gesellschaft ist ein menschliches Tierreich. Wo bei einer Schwäche des Mitbewerbers ihm die Beute, sprich das Geschäft, der Arbeitsplatz oder die Geliebte aus dem Mund gezerrt wird.
Wenn ein Handelsgeschäft oder ein Handwerksbetrieb zusperren muss vergehen nur ein paar Tage und schon bietet ein sogenannter lieber Kollege den Kunden in diesem Gebiet seine Dienstleistungen an. Die neuen Geschäftsmöglichkeiten sichern ihm für einige Zeit sein geschäftliches Überleben bis ein Stärkerer kommt und ihm die Beute , das Geschäft, aus dem Mund reißt.
Jagen bedeutet leben.

Kommentare:
B. am 4. März 2004 um 04:57
Einmal mehr sprichst du mir aus der Seele.

 

05.03.2004 SCHLARAFFEN . LAND
Zwei Tage vor den Kärntner Landtagswahlen ver-sprechen die Parteien uns Wählern das Schlaraffenland:
Aufholjagd für Kärnten
Keine Pensionskürzungen
Mietensenkung für alle
Der Jugend alle Chancen
Familienfreundlichstes Bundesland
Arbeitsplätze und Gesundheit für alle
Aufschwung für Kärnten
Das Märchen vom Schlaraffenland.
Kommentare:
W. am 6. März 2004 um 22:13
Ach was sag ich groß, glückliches Österreich. Bei uns versprechen einem die Politiker schon lange nichts mehr und halten tun sie noch weniger. Wenigstens drohen sie euch nicht mit schrecklichen Steuererhöhungen, höheren Arbeitslosen-zahlen und dergleichen. Das machen die bei uns ungeniert und der Witz dabei ist, dass unsere Politiker auch noch dafür sorgen, dass genau das Wirklichkeit wird! Armes Deutschland!

schlagloch am 10. März 2004 um 08:28
Wie es mit den Wahlversprechen weitergeht kannst du in meinem heutigen Eintrag lesen. Ich versuche immer ein kleine Geschichte zu erzählen.

 

08.03.2004 WEB . LOG
Auch wenn die Fußgängerampel grün war habe ich es schon erlebt, dass Autofahrer nicht stehen geblieben sind. Das Rot für den Autoverkehr wurde missachtet oder übersehen. Der sicherste Ort für die Fußgänger im öffentlichen Verkehr sind die Fußgängerzonen in den Städten. Einen Vergleich dazu gibt es mit unserem täglichem Leben. Im öffentlichen Leben kann man sich Niederlagen, Verletzungen oder Ablehnungen holen. Im Weblog erschaffen wir uns eine Welt ohne Schmerzen und Neid, wo sich der/die Blogger ohne Gefahren bewegen können.
Das Weblog ist die Fußgängerzone des Leben.

Kommentare:
Z. am 8. März 2004 um 10:14
Das hat was. Aus jahrzehntelanger Fahrraderfahrung kann ich nur eines sagen: Sei schneller als die Autos und du hast eine Überlebenschance!

schlagloch am 8. März 2004 um 15:46
Morgen erschaffen wir den beschleunigten Fußgänger.

Z. am 8. März 2004 um 22:56
Ja genau, das nenne ich innovativen Geist! Ich werd mich gleich an die Entwicklung von entsprechenden Schuhen machen. Mein Slogan: Dem Auto einen Schritt voraus.

 

10.03.2004 WAHL .VERSPRECHEN
Nach dem Wahlsonntag ist die persönliche Post wieder frei von Wahlbroschüren. Beim Lesen der „Kleinen Zeitung“ werde ich nicht mehr auf jeder zweiten Seite in Anzeigen aufgefordert diese oder jene Partei zu wählen. Auch die Fotos der Politiker werden weniger und es ist mehr Platz für die Fotos zum Tagesgeschehen. Genauso wie vor der Wahl wird auch nach der Wahl das Wesentliche von den Kärntner Bürger geleistet, nicht von den Politikern. Heute früh wartete ich mit einer aufgespannten Schürze im Freien: Es regnete, nicht wie vor der Wahl versprochen Sterntaler vom Himmel sondern die Schürze füllte sich mit Schnee. Der starke Schneefall deckte die Plakatständer der Wahlsieger und der Wahlverlierer mit einer weißen Decke zu.
Wahlversprechen sind Schnee von gestern.

Kommentare:
4X am 10. März 2004 um 07:29
Das ist sicher ein Vorteil des Schnees.

 

14.03.2004 TOD . HOFFNUNG
Nach den schrecklichen kriegerischen Auseinander-setzungen im 20. Jahrhundert, welche man im Rückblick als den Ersten und den Zweiten Weltkrieg bezeichnet, hatte ich am Ende des 20. Jahrhunderts die Hoffnung, dass das 21. Jahrhundert friedlich und gewaltfrei sein wird. Mit jedem Krieg und mit jedem Terroranschlag wird diese Hoffnung mitgetötet.
Gewalt erzeugt Gegengewalt.

 

17.03.2004 RUHE . SANFT
Beim Langlaufen mache ich eine Pause und setzte mich auf eine Bank am Gaildamm gegenüber der Ortschaft Emmersdorf. In der Luft höre ich das Rauschen der Flügel von den Vögeln. Von der Geschwätzigkeit des Vormittags in die Stille der Gailauen. Hier braucht es keine künstlichen Atemübungen, keinen starren Blick auf eine brennende Kerze oder konzentrierte Aufmerk-samkeit auf das Sonnengeflecht. Beim Langlaufen kommt die Entspannung von selbst, ohne Schwere- und Wärmeübungen für die Arme und Beine. Nach einer halben Stunde Langlaufen reguliert sich der Atem, die Wadenmuskeln entspannen sich und die Daflontabletten können in das Schlagloch der Vergangenheit fallen. Eine Fliege, schmal und zart, läuft über den Schnee und aus dem braunem Schilf erhebt sich ein orangenfarbener Schmetterling zu seinem erstem Flug. Ein Vogel ruft mir aus dem blauem Himmel etwas zu und fliegt weiter gegen die Schattseite.
Stress ruhe sanft.

 

19.03.2004 WA(H)RE . HELDEN
Nach dem Ende der Weltcupsaison werden die besten Skirennläufer mit dem Weltcouppokal geehrt. Sind sie die wahren Helden des Skisport? Heute sind die Skisportler eine Ware der Werbewirtschaft. Die Skianzüge sind vollgeklebt mit Reklameaufschriften von Carrera über Iglo bis zu Salomon. Wenn die Skisportler als Botschafter von Österreich in aller Welt auftreten, dann geschieht dies nicht nur aus Liebe zu Österreich, sondern aus Liebe zum Geld. Der Name ist die Marke und eine Markenware hat ihren Preis.
Ich lernte während meiner Schulzeit in Tanzenberg Skifahren. Der Skikurs unter der Leitung von Prof. Sch. fand auf der Flattnitz statt. In der Jugendherberge hatten wir Zöglinge Freiheiten, die wir im Internat nicht hatten. Beim Abschlussrennen schaffte ich im Stemmpflug ein fehlerfreies Rennen. Die Zeit spielte bei mir keine Rolle. Bei der Siegerehrung gab es für die drei Schnellsten und für mich eine Tafel Schokolade.
Wa(h)re oder Schokolade.

Kommentare:
A. am 20. März 2004 um 11:00
Zuviel Schokolade schadet den Milchzähnen.

W. am 21. März 2004 um 16:54
Aber Hauptsache sie hat geschmeckt.

 

22.03.2004 ROT . WEISS . TOT
Die rot- weiß – rote Spitze des Sendemasten löst sich aus dem Nebel. Die Dobratschspitze ist schneeweiß. Im März fällt die Nachmittagssonne in einem schrägen Winkel auf die schneebedeckten Felder der Gailauen. Die Schatten der Äste von den Bäumen wirken auf dem Schnee wie ein Holzschnitt. Über dem Länderdreieck Slowenien, Friaul und Kärnten kreist ein Hubschrauber. Das Motorenge-räusch wird von den Felswänden zurückgeworfen. Ist jemand im Länderdreieck an der grünen Grenze auf der Flucht? In den Gailauen treten zwei Rehe aus dem Wald auf das offene Feld und stecken bis zum Bauch im Schnee. Das Hubschrauberdröhnen treibt sie in die Flucht. Eine rote Markierungssäule der Ölpipeline mit der Nummer einundfünfzig ragt aus dem Schnee. Es fällt ein Schuss. Vor den Augen färbt sich der Schnee rot. Ist wer tot ?
Rot, weiß, tot.
24.03.2004 VENEN . KNOTEN
Beim internationalem Radiologenkongress Anfang März 2004 in Wien wurde berichtet, dass es heute in zwölf Minuten möglich ist vom ganzem Menschen eine MRT – Untersuchung zu machen. Mit dieser Methode kann man auch noch nicht akute und versteckte Erkrankungen erfassen. An eine flächendeckende Untersuchung ist nicht gedacht, weil es würden sich dadurch verschiedene Probleme ergeben. Die bestehenden Krankenhäuser wären nicht in der Lage die vielen Menschen, bei denen durch diese Reihenuntersuchung eine Erkrankung festgestellt würde, aufzunehmen. Die Krankenkassen könnten die Kosten für die notwendigen Behandlungen in diesem Ausmaß nicht bezahlen. Das stärkste Argument gegen eine Reihenuntersuchung aller Bürger ist die Tatsache, dass nicht jeder Krankheitsherd oder versteckte Erkrankung auch wirklich akut wird und zu Beschwerden führt. Bei mir verursachte das Kontrastmittel für eine MRT- Untersuchung Knoten in den Venen.
Heute sind die Knoten in den Schlaglöchern des Körpers verschwunden

 

26.03.2004 MARCO . PANTANI (+2004)
In ein paar Wochen beginnt die neue Fahrradsaison und ich werfe schon ab und zu einen Blick auf mein Fahrrad in der Garage. Dabei mache ich mir Gedanken über den einsamen Tod des Radprofi Marco Pantani. Das Fahrrad-fahren erlebe ich als einen Ausgleich zu meinem Berufs-Alltag. Beim Radfahren erkunde ich meine nähere Umgebung. Ich kann vieles entdecken, was beim Blick durch das Autofenster verborgen bleibt. Mit jedem Kilometer lasse ich den Alltag hinter mir und im Kopf wird Platz für kreative Gedanken. Es kommt der Zustand, wo ich nicht in der Natur Rad fahre, sondern wo ich zu einem Teil der Natur werde. Ich fahre nicht bei Sonnenschein Rad, sondern ich bin Teil der Sonne.
Marco Pantani ist an der Sonne zerschellt.

Kommentare:
F.B. am 26. März 2004 um 18:28
Denke nicht über die anderen nach! Vielleicht dachte Pantani anders. Du bist du, du bist nicht Pantani, nur weil du auch gern Fahrrad fährst. Du bist du.

Z. am 28. März 2004 um 06:28
Ja, die Radsaison steht wieder vor der Tür . Sag mal, was gibt es über das Buch „Elementarteilchen“ zu berichten?

schlagloch am 8. April 2004 um 22:16
In „Elementarteilchen“ ziehen zwei Halbbrüder eine Spur der Verwüstung durch ihr Leben und das Leben anderer. Von der Studentenrevolution bis zur Genreevolution. Zitat: „Wenn es um die Vergangenheit geht haben wir überhaupt keinen Zweifel, dass sich alles so abgespielt hat“.

 

29.03.2004 MONTAG . DEPRESSION
„Manchmal schließen wir die Augen, weil uns die Wirklichkeit nicht gefällt“. Dieser Satz stand auf der Homepage von Marco Pantani. Probleme mit der Wirklichkeit haben viele, weil es die Wirklichkeit die nur angenehm ist nicht gibt. Die einen mögen den Montag nicht, weil sie wieder zur Arbeit gehen müssen, die anderen fürchten das Wochenende, weil sie nicht in die Firma können und sich zu Hause langweilen. Wir wünschen uns Harmonie in der Partnerschaft und dann kommt es zum Streit darüber, wer mit dem Hund spazieren geht. So schließen wir die Augen vor der Wirklichkeit und ziehen uns in unsere Tagträume zurück. Wir ziehen die TV-Welt von „Big Brother“ und von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ dem realem Leben vor. Marco Pantani hat sich in die Depression zurückgezogen und verloren.
Schutzmantel Depression.

 

02.02.2004 BIENEN . SCHLAGLOCH
Die Eröffnung einer Autobahnraststätte ist ein gastronomisches Ereignis. Es kommen Autofahrer aus ganz Kärnten an den Wörthersee. Die Häuser auf der anderen Uferseite sind durch den dunkelgrauen Nebel nur undeutlich zu erkennen. Die Sonne sieht am Winterhimmel aus wie der Vollmond. Am Himmel öffnen sich die Wolken und ein paar Sonnenstrahlen spiegeln sich auf der Wasseroberfläche, wie auf einer Eisfläche. Das Auge Gottes blickt auf den Wörthersee. In der Raststätte schwirren die Besucher herum wie in einem Bienenschlagloch, vom Salatbüfett zur Kuchenvitrine, von den Beilagen zur Garküche und wo gibt es das kleine Bier? Vielen älteren Besuchern sieht man die Mühen eines SB-Restaurantbesuches an. Auf einem kleinen Teller häufen sie exotische Salate um € 3.70, mehr als Platz hat. Nach dem Essen geht man nach vorne zur Glaswand und stellt fest, das es im Sommer hier schön sein wird, wenn kein Nebel ist. Man sucht den Ausblick wie er im Fernsehen in „Kärnten heute“ gezeigt wurde, blauer Himmel und blauer See.
Wir suchen immer .

 

05.02.2004 ÖSTERREICH . PINGUIN
Soviel ich in den vergangenen Tagen beim Autofahren oder beim Gehen die Umgebung beobachtet habe, ich konnte in Österreich keine Pinguine entdecken. In der österreichischen Fauna gibt es keine Pinguine. Auf dem Wiener Opernball sehen manche Herrn im Frack aus wie importierte Pinguine. Es könnte sein, dass die Werbe-Profis für die österreichische Tourismusbranche beim letztem Opernball hier fündig geworden sind und jetzt mit den Pinguinen für den Urlaub in Österreich werben.
Jedem seinen Pinguin.
04.02.2004 RAUCHER . TOD
Seitdem auf den Zigarettenpackungen Warnhinweise für die Raucher aufgedruckt werden, wie: „ Rauchen kann tödlich sein oder Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen“, sind Zigarettenetuis mit lustigen Sprüchen in der Tabaktrafik ein Verkaufs-schlager. Viele Raucher wollen sich den Genuss einer Zigarette durch solche Mahnungen nicht verderben lassen. Wir neigen alle zum Genießen und denken, wenn überhaupt erst später und manchmal zu spät an die Folgen. Dies ist schon bei alltäglichen Bedürfnissen wie Essen und Trinken so. Der Alkohol sorgt für gute Stimmung in der Gesellschaft, er birgt aber auch die Gefahr der Alkoholsucht. Den meisten Menschen schmecken in Fett zubereitete Fleischspeisen am besten, dazu als Nachspeise eine Torte. Wer denkt dabei an die Cholesterinwerte und an das Übergewicht. Gebräunte Frauen oder Männer stehen in unserer Werteskala ganz oben. Sie gelten als erfolgreich, gesund und erotisch. Die Gefahren der Sonnenstrahlen sind die Schlaglöcher des vergangenen Sommers.
Aufstehen kann tödlich sein.

 

06.02.2004 LAUF . HASE . LAUF
Beim Langlaufen auf dem Gaildamm von Nötsch nach Vorderberg läuft man gegen die Flussströmung. Man läuft mit den Langlaufskiern gegen den Fluss des Lebens. Ich stemme mich mit beiden Füssen und Armen gegen die Leichtigkeit des Seins. Langlaufen ist ein Laufen gegen die Lebenszeit, gegen die Sorgen und die Zweifel. Man läuft aus dem Lärm der Autobahn in die Stille der zugeschneiten Flussauen. Das einzige Geräusch welches mich erreicht sind die monotonen Achsgeräusche des Gailtalzuges, ein grauer Wurm mit zwei roten Enden. Aus einem Schneefeld ragen Maishalme und fünfzehn Rehe fressen daran. Ober den Gipfeln der Gailtaler Alpen lichten sich ein wenig die Wolken und blaue Streifen entstehen am Himmel. Weißer Schnee und blaue Streifen. Entlang des Flussdammes stehen in unregelmäßigen Abständen Hochsitze der Jäger. Lauf, Hase lauf. Es ist ein Langlaufen im Visier der Jäger.
Beim Rückweg von Vorderberg nach Nötsch läuft man mit der Strömung der Gail. Es geht leicht abwärts, ich komme in Fahrt. Vor mir bauen sich die Felswände des Dobratsch auf. Die Felswände sind bei bewölktem Himmel aschgrau. In den Felsschluchten liegt noch Schnee, der Wald am Bergfuß ist schwarz. Schon viele, die aus dem Gailtal fliehen wollten, sind mit dem Kopf gegen diese Felswände gerannt. Sie haben sich die Köpfe blutig geschlagen. Der Berg lässt niemanden vorbei.
Mit dem Kopf gegen die Felswand.

 

07.02.2004 KOPF . LICHT
Im Museum für Moderne Kunst in Klagenfurt werden zur Zeit die Neuerwerbungen aus den Jahren 00, 01, 02 gezeigt. Eine Wandplastik von Thomas Hoke geht mir nicht aus dem Kopf. Es ist eine Stahlplatte in der ein Halbkreis ausgeschnitten ist und heruntergeklappt wurde. Es entsteht der Eindruck, als hätte man bei einem Menschen ein Stück der Schädeldecke zu-rückgeklappt. In dieser Öffnung ist eine farbige Computertomografie des Gehirn zu sehen. Blaue und rote Felder mit Strukturen und mit einem blauen Neonbogen beleuchtet. In diesem Jahrtausend wird man unser Gehirn öffnen und wie bei einem PC einen kaputten Chip austauschen. Beim Öffnen der Kopfklappe wird automatisch im Gehirn ein Licht angehen, wie wenn wir heute einen Kühlschrank öffnen.
Es werde Licht
11.02.2004 TIER . MASKE
Im Türkenturm in Ptuj zeigt der Maler Joze Foltin in einer Ausstellung eine Anzahl von Bildern mit dem Titel »Kurent«. In Ostslowenien sind die Kurenti ein fester Bestandteil der Faschingsumzüge. Es sind dies Schiach-perchten, angezogen mit einem Schaffell, Kuhglocken um die Körpermitte und einer geschnitzten Holzmaske. In der Mitte der Maske ist eine rüsselartige lange Nase und die Haare sind Pfauenfedern. Aus dem Mund hängt eine lange rote Zunge. In Joze Foltin Bildern sind die Masken aufgelöst und aus den Bildern blicken tierische Augen und Köpfe hervor.
Hinter jedem Menschen versteckt sich ein Tier.

Kommentare:
W. am 12. Februar 2004 um 09:54
Hinter dem Menschen versteckt sich mir viel zu oft ein Tier, vor allem wenn ich an die gegenwärtige Politik denke.

schlagloch am 13. Februar 2004 um 16:59
Wie viel Tier verträgt ein Mensch.

 

18.02.2004 EURO . PARK
Zu den angenehmen und zeitgemäßen Einrichtungen in den Städten gehören die Fußgängerzonen. Wenn man in Maribor über die neue Draubrücke geht und die Autos auf vier Fahrstreifen an einem vorbeirasen, dann erlebt man die Fußgängerzone im Zentrum als eine Wohltat. Die neue Draubrücke führt vom neuem Einkaufszentrum „Europark“ in die Altstadt. Bei der Namensgebung für dieses Einkaufszentrum hat man dem Kind gleich den Namen gegeben worum es im Einkaufszentrum geht, um den Euro. Man hat die Osterweiterung der EU nicht in schöne Worte verpackt, wie zum Beispiel „Europapark“, sondern es auf den Punkt gebracht, es geht um den Euro, das heißt um das Geld. Der Interspar-Supermarkt wirbt dort mit den selben „Euro-Preisfressern“ wie bei der Euroeinführung in Österreich.
Erholung im Europark.

Kommentare:
W. am 18. Februar 2004 um 09:46
Ich mag gar keine Einkaufscenter fühle mich da immer mega unwohl. Außerdem sind das wahre Eurofresstempel, zuviel Konsum allerorten und für unsere Wirtschaft anscheinend immer noch zu wenig!

J. am 19. Februar 2004 um 13:55
Wog, in Maribor war ich schon ein Leben lang nicht mehr. Das du gerade ein Einkaufszentrum für am erwähnenswert hältst lässt mich erschaudern. In meiner Erinnerung war das mal eine ganz nette Stadt. Aber ist ja auch schon ewig her.

B. am 19. Februar 2004 um 15:34
Europark, wirklich sehr treffend.
20.02.2004 VILLACH . FASCHING
Nach meiner Arbeit sitze ich zu Mittag für eine halbe Stunde zur Erholung im Parkcafe in Villach. Ich lese ein wenig in der Zeitung und lasse mich bedienen. Am Hauptplatz hat es heute minus drei Grad und viele Kinder sind am Rathausplatz beim Eislaufen. Die Vitrine der Arbeiterkammer ist mit Papierschlangen und einer roten Augenmaske dekoriert. Im Schaufenster des dritten Welt Laden stehen Masken aus allen Erdteilen. Der ganze Hauptplatz ist mit Girlanden geschmückt. Jetzt ist Fasching in Villach. Eine Schulklasse sitzt hier im Parkcafe bei Limonade und Faschingskrapfen. Eine Frau kommt mit ihrem Hund in das Cafe und sofort wird der Hund von den Kindern umringt. Jedes Kind möchte den Hund anfassen und streicheln. Der Hund wird von einen Tisch zum nächsten Tisch weitergereicht. Er wird zum Mittelpunkt der Schüler. Ein Hund macht keinen Unterschied zwischen guten oder schlechten Schülern, zwischen Kindern die Markenkleider tragen und solchen, deren Kleider nicht viel kosten dürfen. Wir urteilen schnell und verlangen viel. Ein paar Minuten vorher war ein Fotohandy der Anziehungspunkt unter den Schülern. Gegenüber dem Hund ist das Handy tot.
Tausche Handy gegen Hund.

Kommentare:
D. am 20. Februar 2004 um 12:31
Wie wahr diese Beobachtung doch ist! Es ist immer wieder spannend im Cafe zu sitzen, einen leckeren Kaffee vor sich zu haben, andere Leute zu beobachten, Situationen zu beobach-ten und seine Gedanken einfach schweifen zu lassen. Vielleicht gehe ich nach Feierabend einfach mal wieder einen Kaffee trinken

 
23.02.2004 BÄREN . BRÜCKE
Über die Alpen-Adria Autobahn ist im Autobahn-Abschnitt zwischen Villach und Arnoldstein im Naturpark Schütt eine Brücke errichtet worden. Der Zweck der Brücke ist, den Braunbären die von den Julischen Alpen in das Gebiet der Gailtaler Alpen wandern das gefahrlose Überqueren der Autobahn zu ermöglichen. Sollte ihnen bei der nächsten Fahrt zur oberen Adria von einer Autobahnüberführung ein Bär zuwinken so ist dies kein verkleideter Faschingsnarr, sondern ein freundlicher Braunbär.
Bär sucht Mitfahrgelegenheit.

Kommentare:
G. am 24. Februar 2004 um 10:56
Gut zu wissen. Wieder etwas dazu gelernt.

 
25.02.2004 KAPRUN . KITZSTEINHORN
Viele von uns haben im Berufsleben Verantwortung für die Sicherheit und das Leben von anderen Menschen zu tragen. Ich nehme als Beispiel den Automechaniker. Er trägt viel Verantwortung bei einer Reparatur im Bereich der Lenkung oder der Bremsanlagen. Eine kleine Fahrlässigkeit bei seiner Arbeit und es kann im Straßenverkehr tödliche Folgen haben. Jeder Autofahrer weiß, dass es einer ständigen Wachsamkeit bedarf um nicht einen Unfall zu verursachen. Es genügen beim Autofahren zehn Sekunden Unachtsamkeit und man kann auf die andere Fahrbahn geraten und mit einem entgegenkommendem Auto zusammenprallen oder einen Fußgeher niederstoßen. In jedem Fall wird der Auto-Lenker vom Gericht angeklagt werden, seine Schuld am Unfall klären und eine Strafe verhängen. Für die 155 Toten bei der Brandkatastrophe in der Standseilbahn auf das Kitzsteinhorn am 11. 11. 2000 gibt es nach dem Richterspruch niemanden, der fahrlässig gehandelt hat oder dafür verantwortlich ist.
Schicksal heißt Kaprun.

Kommentare:
B. am 28. Februar 2004 um 09:17
Erst machte es mich wütend. Wut über soviel Ungerechtigkeit. Inzwischen bin ich nur noch traurig. Traurig über soviel Leid, das nun noch gesteigert wurde.