warte:zimmer

So sehr ich mir Mühe gebe es vergeht kein Jahr, wo ich nicht zwei bis dreimal den Hausarzt oder einen Facharzt aufsuchen muss. Mit dem Fortschreiten des Alters steigt die Zahl der Arztbesuche. Für manche kommt es soweit, dass sie mindestens einmal im Monat einen Arzt konsultieren. Wer ab Siebzig Plus nur einmal im Monat einen Doktor aufsucht, gilt als gesund. Bei praktischen Ärzten mit Krankenkassenverträgen habe ich es noch nicht erlebt, dass ich mich nicht in eine Warteschlange einreihen musste. Mit unseren Versicherungsbeiträgen bezahlen wir die Gesundheitsleistungen. Der erste Kontakt in der Ordination sind Ordinationshilfen, solche welche sich einem freundlich zuwenden oder sofort nach der E-card verlangen. In Coronazeiten ist die Anmeldung um eine Facette reicher, es kann auch ein gültiges Impfzeugniss oder ein PCR-Test verlangt werden. Durch die übliche FFP2-Maskenpflicht verschwindet viel von den Gesichtszügen der Ordinationshilfen.

Nach der Ansage man möchte zum Arzt kommt die Gegenfrage, welche Beschwerden gibt es? Es wird in den Raum gestellt, braucht es überhaupt den Doktor oder lässt sich dies durch die Ordinationshilfe oder die tätige Krankenschwester abklären. Infusionen, Blutabnahmen, Bestrahlungen und Ultraschallmassagen werden am Arzt vorbei behandelt. Die kurzweiligsten Patienten sind jene, welche nur ein Rezept wollen und diese Medikamente schon über Jahre einnehmen. In seltenen Fällen wird empfohlen sich wieder einmal beim Arzt blicken zu lassen um zu überprüfen, ob die verschriebenen Medikamente noch aktuell sind. Durch die jahrelange Medikamenteneinnahme stumpft man ab und hat sich an die Pillen gewöhnt, wie an das Glas Wasser zum Kaffee. Es macht Sinn, dass die verordneten Arzneimittel jährlich einmal überprüft werden. Dies zeigt sich zumeist nach einem Krankenhausaufenthalt, wo plötzlich die Medikamentenliste eine ganz andere ist oder haben die Kliniken eine andere Vertrauensbasis mit manchen Pharmafirmen?

würde:rechte

Die zweite Bibelstelle, welche nach meiner Intention auch gegen das Solidaritätsprinzip verstoßt: „Das Gleichnis von dem anvertrauten Silbergeld“.

Ein Kaufmann geht auf Reisen und vertraut seinen Dienern einen Teil seines Vermögens an. Dem Einen gibt er fünf Talente Silbergeld, dem Anderen zwei und dem Dritten einen. Der mit den fünf Talente Silbergeld erwirtschaftet noch fünf dazu, der mit den Zwei erwirtschaftet zwei dazu. Der mit einem Talent Silbergeld vergrub dieses in der Erde. Nach langer Zeit kehrte der Kaufmann zurück und verlangte Rechenschaft. Der mit den fünf Talente Silbergeld sagte: „Herr fünf hast du mir gegeben und weitere fünf habe ich dazugewonnen“. Der mit den zwei Talente Silbergeld sagte: „Herr zwei hast du mir gegeben und weitere zwei habe ich dazugewonnen“. Zu beiden sagte der Herr: „Über weniges wart ihr treu, über vieles werde ich euch setzen“. Dann kam der Diener welcher ein Talent erhalten hat und sagte: „Herr du bist ein strenger Mensch, aus Angst vor dir habe ich das eine Talent Silbergeld versteckt, hier hast du es wieder“. Der Herr sagte zu ihm: „Du bist ein fauler und schlechter Diener“. Er befahl nehmt ihm das eine Talent weg und gebt es dem, der zehn Talente hat. Denn wer hat dem wird gegeben und wer nichts hat, dem wird auch das genommen, was er hat.  […]

Es passt nicht zu den Leitsätzen der katholischen Soziallehre, dass denjenigen, welche fast nichts haben auch dieses noch weggenommen wird und denen gegeben wird, welche im Überfluss leben. Hinzufügen möchte ich, dass beide Gleichnisse mehrdeutiger sind, als hier dargestellt.

ÜBUNG zur LV: Menschenwürde und Menschenrechte


würde:rechte

Gibt es in den Evangelien Gleichnisse, welche mit den Vorstellungen der katholischen Soziallehre schwer vereinbar sind?

Ein wesentlicher Pfeiler der katholischen Soziallehre ist das Solidaritätsprinzip. Es gewinnt im neuen Jahrtausend immer mehr an Bedeutung, weil die Kluft zwischen den Ärmsten und den Wohlhabenden sich vergrößert, bekannt unter dem Schlagwort Nord-Süd-Gefälle. Ein Beispiel im Kleinen wäre den Pullover, die Schuhe oder das Fahrrad, Gebrauchsgegenstände die nicht mehr benützt werden an Notdürftige weiterzugeben. In der katholischen Soziallehre wird jede Person aufgefordert zum Gemeinwohl etwas beizutragen und in Not geratenen Personen zu helfen.

Bibelstellen, welche nach meiner Einschätzung dem Solidaritätsprinzip zuwiderlaufen finden sich bei Matthäus, Kapitel 25: „Das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen“.

Zehn Jungfrauen gehen mit ihren Lampen dem Bräutigam entgegen. Die Törichten nehmen nur ihre Lampen mit, die Klugen noch zusätzlich Öl.  Als der Bräutigam lange nicht kommt schlafen sie alle ein. Um Mitternacht erscholl der Ruf, der Bräutigam kommt. Da standen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die Törichten baten die Klugen gebt uns etwas von eurem Öl, sonst gehen uns die Lampen aus. Die Klugen erwiderten, dann reicht es für keinen von uns, geht zu den Händlern und kauft welches. Währenddessen kam der Bräutigam und die Klugen gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde verschlossen. Als die anderen zurückkamen riefen sie: Herr mach uns auf. Er aber rief: Ich kenne euch nicht […]

Nach meinem Verständnis der katholischen Soziallehre verhalten sich die klugen Jungfrauen gegenüber den törichten Jungfrauen unsolidarisch, da sie das Öl nicht mit ihnen teilten.

LVS: Menschenwürde und Menschenrechte, Prof. Clemens Sedmak, Uni Salzburg


kas:nudeln

Wer in der Landwirtschaft arbeitet erlebt das Werden und Vergehen im Jahreskreislauf.

Vor kurzem bin ich nach Gurk gefahren. Vor der Abfahrt in die Diakonie nach Waiern hatte ich morgens in der Zeitung gelesen, dass es eine Ausstellung in Straßburg gibt.  Anderseits brachte ich ein Familienmitglied zu einem Aufenthalt in die Klinik in Waiern. Es war ein Frühsommertag im Mai und sollte, im Nachhinein, für mehrere Wochen auch der einzige bleiben. Um die spontane Kurbewilligung mit einem Gebet zu unterstützen, bin ich von Waiern nach Gurk weitergefahren. Von Feldkirchen ist es wesentlich näher, als hätte ich diesen Besuch von Villach aus unternommen. Wie war es mit dem Satz im Gastzimmer des Kronenwirtes, wo ich vor dem Dombesuch als Mittagessen einen gemischten Nudelteller zu mir nahm.

Ein älterer Herr erzählte den Wirtsleuten, dass der eh bekannte Sepp mit fast fünfundachtzig Jahren vor vierzehn Tagen verstorben sei. Akkurat in der selben Woche haben zwei Enkellinnen jeweils ein Baby bekommen. So ist das Leben, die einen müssen die Welt verlassen, die anderen kommen auf die Welt und hat dabei seine rauen Hände auf den Stammtisch gelegt. Wer in der Landwirtschaft arbeitet erlebt das Werden und Vergehen im Jahreskreislauf, beim Sähen, Wachsen und Ernten. Zwangläufig wiederholt sich bei den Haustieren der Lebenszyklus öfter, wenn Nachwuchs bei den Hasen, den Kühen oder Pferden kommt. Umgekehrt erlebt man es am Bauernhof öfter, dass die Nutztiere geschlachtet oder an einen Fleischhauer zu Verwertung verkauft werden. Spricht ein untersetzter Bauer und sei er jetzt in der Rente den Satz, so ist das Leben, dann ist dies näher beim Alltag.

heilige:hemma II

So ist das Leben.

Ein stereotyper Satz, den ich in Gesprächen immer wieder höre. Aber wie ist das Leben und gilt dies für jederlei Leben? Für eine Zeit Soldatin, einen Kfz-Techniker, für eine Heimhilfe oder einen Steinmetz gleichermaßen? Wahrscheinlich sind damit, betrachte ich den Ausspruch genauer, Ähnlichkeiten in unserem Alltag als Mitteleuropäer gemeint. Die Umstände, so ist das Leben, in Nordafrika, im Vorderen Orient oder an der Südspitze von Südamerika kann ich nicht beurteilen. Diese kenne ich gerade einmal aus Fernsehdokumentationen oder aus Büchern mit Reiseberichten. So ist das Leben, hat auch zumeist einen drückenden Beigeschmack.                                                                                                                          

So ist das Leben, habe ich vor kurzem in der Gaststube des Kronenwirt am Domplatz in Gurk aus dem Mund eines älteren Gasthausbesucher gehört. Ich besuche den Gurker Dom nicht jährlich, es könnte sein, dass es Jahrzehnte zurückliegt, dass ich in Gurk gewesen bin. Beim Erfassen meiner Tagehehefte bin ich vor ein paar Tagen auf einen Eintrag gestoßen, dass ich vor dreiunddreißig Jahren in Gurk war. Geht es um eine krisenhafte Situation, passiert irgendwas Unvorhergesehenes in meinem Leben, drängt es mich in den Gurker Dom. Anders die Situation in der Jugend. Damals sind wir als Internatszöglinge zum Ende des Schuljahres, am Namenstag der Heiligen Hemma, den 27. Juni, von Tanzenberg nach Gurk gefahren. Dies war für uns ein schulfreier Tag und im Dom haben wir die Heilige Messe gefeiert. Der Ausflug hat uns viel Spaß gemacht, eine Unterbrechung des strengen Internatsalltag. Bestimmt habe ich zu diesem festlichen Anlass meinen Kärntner Anzug und ein weißes Hemd getragen. Wie auf dem Foto in der Geschichte, Der Schnee ist nicht weiß, zu sehen. Um zu Beten für eine gute Schulnote bei einer Schularbeit, dürfte es zu diesem Zeitpunkt zu spät gewesen sein. Eine Woche vor Schulschluss standen die Zeugnisnoten schon fest, der Klassenvorstand hatte ein Machtwort gesprochen, da kämen alle Fürbitten an Gott zu spät.