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ZIGAINA:rad

Dienstag, 13. Juli 2010

Die Radfahrer von heute können unter einer Vielfalt von Fahrrädern wählen. Die meisten haben einen Alu-Rahmen und sind mit allen technischen Raffinessen ausgestattet: Federgabeln, Nabendynamo, Scheibenbremsen, hydraulische Bremsen dazu ein Shimano Schaltwerk von 24 Gängen. Dem Verwendungszweck nach gibt es verschiedene Ausführungen, wie Mountainbike, Trekkingbike oder Citybike. Passend dazu eine funktionelle Radbekleidung, Schweiß absorbierend, in allen Farben. Die einen verwenden das Fahrrad für das sportliche Training, als Ausdauertraining für den Kreislauf, andere für einen gemeinsamen Familienausflug, zum Erleben der Gemeinschaft. Heute geht es beim Fahrradfahren um das Vergnügen oder um die körperliche Fitness. Aus Kostengründen und zur Verringerung der Umweltbelastung erledigt man Einkäufe im Nahbereich mit dem Fahrrad. Vereinzelt trifft man heute noch auf Landstraßen, sogenannten Feld- und Güterwegen ältere Frauen und Herrn mit einem Fahrrad der einfachsten Ausführung. Ein einfacher Antrieb mit Rücktritt und einer Vorderbremse, keine Federung. Hier ist das Fahrrad das Fortbewegungsmittel der Landbevölkerung. Man benützt es um am Sonntag die Verwandten zu besuchen oder vom Feld etwas heimzuführen. Die Fabriks- und Landarbeiter um am Sonntagnachmittag an einer politischen Versammlung teilzunehmen.

Die Radfahrer waren in den Fünfziger Jahren eine politische Macht. Die soziale Dimension der Fahrräder und ihrer Benützer bringt der Maler aus Friaul in seinen Bildern zum Ausdruck. In der Villa Manin, die Sommerresidenz der Dogen von Venedig, wurde sein Schaffen von 1942 – 2009, gezeigt. In den Fünfziger Jahren malte er Landschaften ohne Menschen, nur mit Fahrrädern in blau und grün Tönen. Bedrohlich wirken die Szenen wo zu den Fahrrädern die Sensen dazukommen. Das Fortbewegungsmittel und die Sensen als die Waffe der Landbevölkerung. Die Landarbeiter kommen in den späteren Bildern dazu, in Preußischblau. Am Rand der Bilder die Stumpen der abgeholzten Pappeln. Bei manchen Darstellungen verschmelzen der Fahrer und das Rad zu einer Kampfmaschine. Biciclette.

LERN:schwierigkeiten

Freitag, 02. April 2010

Wir können von den Haustieren lernen. In meinem Fall sind dies die Katzen Charly und Undine. Zu den Fähigkeiten von Undine gehört, dass sie  Zimmertüren öffnen kann. Zuerst kratzt sie, in zeitlichem Abstand, zwei- bis dreimal an einer Tür und schaut mich dabei fragend an, ob ich bereit bin die Tür zu öffnen. Zeige ich keine Reaktion, dann springt sie die Tür hoch, hält sich für einen kurzen Moment mit beiden Vorderpfoten bei der Türschnalle fest und die Tür ist offen. Charly liebt den Platz ganz oben auf der Garderobe, auf der sogenannten Hutablage. Um dort hinzugelangen mache ich ihm die „Brücke“. Auf den Befehl „hüpf halt“ hüpft er auf den gebückten Rücken, von dort auf den Schuhkasten und weiter auf die Hutablage. Lernen können wir von den Katzen auch,  jeden Tag ausgiebig zu schlafen und bei jedem Lärm in eine sichere Ecke zu verschwinden.

Nicht erst seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise ist das Schlagwort vom lebenslangen Lernen in aller Munde. Passiert es freiwillig, dass wir in späteren Jahren aufhören zu lernen oder machen wir aus der Not eine Tugend und behaupten, es ist unser freier Wille. In vielen Geistesströmungen wird das Loslassen als eine Tugend gesehen. Sollen wir dereinst von unserem Wissen loslassen, nicht wissend in den Tod gehen. Was bringt uns das Wissen, um am Ende zu sterben. Wir wissen um den Tod und wissen doch nicht, wann wir sterben. Das Wissen um unsere Sterblichkeit ist eine Strafe, Nichtwissen wäre besser.

Allwissend.

Ich wünsche  allen Leserinnen und Lesern erholsame Ostern.

FETT:fleck

Freitag, 05. März 2010

Heute, am ökumenischen Weltgebetstags der Frauen, habe ich nachgefragt ob dazu auch Männer eingeladen und willkommen sind. In einem Handygespräch hat mir die Organisatorin für eine Pfarre im Drautal den Ablauf der Aktion erklärt:  Das nur wenige Männer am Frauengebetstag teilnehmen habe nichts mit dem Motto zu tun, sondern es würden sich mehr Frauen als Männer für religiöse und spirituelle Themen engagieren. Im Mittelpunkt steht das Gebet und das Singen, auch afrikanischer Lieder. Danach gibt es einen Diavortrag und Informationen über die wirtschaftliche und politische Lage der Frauen in Kamerun, sowie eine typische Speise aus Kamerun. Den Abschluss des Frauengebetstages bildet, wie jedes Jahr, ein Kaffee und ein Butterbrot. Sie, als Hauptverantwortliche für die Butterbrote, legt Wert darauf, dass „Drautaler Butter“ verwendet wird. Einen Bezug zu den Installationen von Joseph Beuys, der ein bekennender Verwender von Butter war, konnte sie nicht herstellen. Butter, ein vergängliches Material, führte nach einiger Zeit zum sogenannten Beuysschen „Fettfleck“. Aus meiner Kindheit weis ich, dass man stundenlang rühren muss, bis aus der Milch die Butter wird.

Dass zu vielen religiösen Veranstaltungen nur Frauen kommen wurde mir bewusst, als ich in einem Gailtaler Pfarrhof an einem Referat von J. Atzmüller, der von  seiner persönlichen Sterbeerfahrung berichtete, teilnahm. Als einer der wenigen Männer wurde ich von ihm persönlich begrüßt. Als ich mich umschaute,  habe ich  nur Frauen erblickt.

Der Rührkübel.  

FAST:en

Dienstag, 02. März 2010

Jeder Autofahrer kennt die Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h. Es handelt sich um Straßen in einer Wohnsiedlung. Obwohl man für die Geschwindigkeitsbeschränkung ein Einsehen hat, fühlt man sich manchmal unwohl, weil es nur im Schritttempo vorwärts geht. Möglicherweise wird man dabei von einem Auswärtigen überholt, der auf der Durchfahrt ist. In der Fastenzeit kann die Frage auftauchen, ob man sich zum Geschwindigkeitsfasten entschließen soll. Dies würde bedeuten, dass man die Geschwindigkeiten in Ortsdurchfahrten und Wohnsiedlungen korrekt einhält. Zusätzlich noch einen Schritt weitergeht und in Ortsdurchfahrten statt fünfzig km/h nur dreißig und in Wohngebieten statt 30 km/h nur 10 km/h schnell fährt. Ein freiwilliger Verzicht auf Geschwindigkeit, im Heckfenster eine Tafel „Geschwindigkeitsfasten“. Es bleibt die Frage, wie dies von den anderen Autofahrern aufgenommen wird. Mit dieser Aktion könnte man auch solche zur Vernunft bringen, die mit weit überhöhter Geschwindigkeit durch den Ort fahren.

Ein wenig erinnert mich dies an die Situation, dass in vielen Sonntagspredigten die zumeist  recht schaffenden zur Buße aufgerufen werden. Die Menschen, welche total über die Stränge schlagen, werden nicht erreicht, weil sie nicht an der Sonntagsmesse teilnehmen. Opfer werden meistens von denen eingefordert, die schon Opfer bringen.

Opferstock.

KEIN:rasen

Freitag, 22. August 2008

In der Sommerzeit fahren viele schneller als sonst. Sind es die sommerlichen Temperaturen, das helle Sonnenlicht, die drückende Hitze oder die vielen Termine? Vieles lässt uns im Sommer schneller und stärker auf das Gaspedal steigen. Dazu kommt, dass manche Autofenster geöffnet sind und die Musik alle Häuser entlang der Ortsdurchfahrt in Möselstein beschallt. Es kann oft nicht schnell genug gehen und so wird der Vordermann auch bei einer Sperrlinie oder in einer Ortsdurchfahrt überholt. Viele nützen die Sommermonate dazu, wenn es die Distanz erlaubt, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, um den Rasern auf der Strasse zu entkommen. Dabei kann man abseits der Bundesstrasse auf dem Gailradweg erleben, wie ein Hase über eine Waldlichtung springt oder ein Reh inmitten eines Feldes seinen Kopf hebt. Die Vögel haben am Morgen die schönste Stimme und die Stimmen werden immer kräftiger, je heller der Tag wird. Auf der Wiese blühen die Blumen in den Farben weiß, gelb, violett, hellblau. Dagegen sind die Rasen rund um die Wohnanlagen eintönig grün. Dort versucht man mit tropischen Blumen und Pflanzen Farbe auf den Rasen zu bringen.

 

Die Blumenwiese.

ZU:fall

Freitag, 04. Juli 2008

Während eines Kuraufenthaltes in der Buckligen Welt kommt es zu  einigen Verknüpfungen nach Kärnten. Ein Benefizfest „Afrikanische Nacht” zugunsten des Jabulani Selbsthilfezentrums in Südafrika  wurde vom Vocalensemble mit einem Kärntner Lied eröffnet. Dort wird in einer Missionsstation, ohne nach dem Glauben zu fragen, etwa hundert Frauen aus den umliegenden Vorstadtsiedlungen verschiedene Arbeiten angeboten. Die Kinder der Frauen werden mit Essen versorgt und ihnen das Schulgeld bezahlt. Erlauben es die finanziellen Mittel wird für die Familien ein einfaches Haus gebaut, bestehend aus zwei Räumen. Das wichtigste dabei ist eine versperrbare Eingangstür. So sind die Bewohner vor Überfällen und im Besonderen die Frauen und Mädchen vor Vergewaltigungen geschützt. Die meisten Behausungen in den Vorstadtsiedlungen bestehen aus Spanplatten, Plastikfolien und Pappkarton. Die wenigsten haben eine Arbeit und ein regelmäßiges Einkommen. Sie wissen nicht, was sie am nächsten Tag essen werden. Viele Kurgäste haben Übergewicht und  werden zur Ernährungs- und Diätberatung geschickt. 

Die Sonnwendfeier im Kurort wurde vom Österreichischen Kameradschaftsbund am Kirchenplatz abgehalten. Neben dem Kirchenplatz ist auf einem Telegrafenmast ein Storchennest. Dieses Jahr gibt es drei Jungstörche. Die Segnung des Feuers erfolgt durch den Dorfpfarrer. Die Feier gestalten das „Dorfgsangl”, die Bläsergruppe und die Seniorenvolkstanzgruppe. Von einem Kameraden wird ein Gedicht von Ingeborg Bachmann vorgelesen. Das Storchenpaar ist auf Futtersuche. 

Bei der Sonntagsmesse predigte der Pfarrer vom Liebhaben, von der Umarmung eines Menschen, eines Tieres oder eines Baumes. Von der Aufgabe, dem Nächsten Liebe und Trost zu schenken. Dabei verweist er auf die Kärntner Schriftstellerin Christine Lavant und ihr Buch: „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus”. Darin beschreibt sie, dass es auch in der größten Verzweiflung, in dunklen Stunden, es noch Hoffnung geben kann. Christine Lavant hat geschrieben, was sie erlebt hat. Zum Schluss der Messe bedauert der Pfarrer, dass die Ministranten „verschollen” sind. Vielleicht kommen sie wieder, wenn er, der alte Pfarrer geht. 

Lichtpunkte.

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