Artikel mit ‘Menschennorm’ getagged

KO:piert

Montag, 23. Juni 2008

Es ist einige Jahre her, dass vergoldete Kugelschreiber, Fotoalben oder Dokumentenmappen aus Leder als Geschenk zum Geburtstag oder für den Vatertag gekauft wurden. Zu diesem Sortiment gehörten auch die Brieftasche und das Führerscheinetui in Lederausführung. Beim Schreibzeug wird heute kaum auf die äußere Form Wert gelegt, es geht darum ob der Kugelschreiber „flüssig” schreibt, hier setzen sich die Gelschreiber durch. Das Schriftliche wird heute per SMS am Handy oder per Email am PC  geschrieben und versendet. Zum Studienabschluss werden noch schöne Kugelschreiber mit eingraviertem Namen verschenkt. Meistens werden damit Akten, Protokolle und Befunde unterzeichnet. Den „rosa Schein”, so wird der Führerschein wegen seiner rosa Farbe in Österreich genannt, hat eine Plastikkarte abgelöst. Bezahlt wird heute mit einer Kreditkarte, die Menschen haben immer weniger Bargeld in der Brieftasche. 

Die Dokumentenmappe wurde schon seit einiger Zeit von einem gewöhnlichen Plastikordner und einer Packung Klarsichthüllen abgelöst. Weit verbreitet ist heute das Kopieren von Dokumenten, Verträgen und Befunden mit allen Risiken. Veränderungen am Original sind auf der Kopie nicht zu erkennen. Kann man sich damit  eine zweite Identität schaffen. Früher brauchte es eine händisch ausgefertigte Zweitschrift mit Stempel. Bei der Vielzahl von Beihilfen und Förderungen die man in Anspruch nehmen kann, ist es unmöglich überall Originaldokumente beizulegen. Verliert man die Geburtsurkunde, dann verliert man seine Existenz.  

Der kopierte Mensch.

JA:sagen

Montag, 19. Mai 2008

In den Burschen steckt der Drang den Mädchen zu imponieren, dies ist nach den Möglichkeiten verschieden. Die einen wagen einen Sprung auf den abfahrenden Zug, verausgaben sich bei einem Fußballspiel, springen von der höchsten Plattform im Freibad, oder raufen mit dem besten Freund um zu siegen. Zu den Möglichkeiten zählen eine rasante Fahrt mit dem Moped durch die Kurven und eine gewagte Fahrt mit dem Snowboard über einen Steilhang. Manche Mutproben grenzen an  Fahrlässigkeit. Standen die Nachbarmädchen vor dem Haus, fuhr der Bursche mit dem Auto so rasant durch die neunzig Grad Kurve, dass nur mehr zwei Räder am Boden waren. War er zu schnell unterwegs, dann endete die Fahrt in der Wiese. Die Schäden an der Karosserie waren für den Mechanikerlehrling eine Nebensächlichkeit. Für den Führerschein war er noch zu jung, das Auto stammte vom Autofriedhof, ohne Zulassung und Kennzeichen. 

Die Liebeserklärungen sind so verschieden wie die Menschen. Die einen machen sie in einer Eisdiele, auf der Draupromenade  bei den Schwänen, bei einer Radtour am Silbersee, beim Tanzen in der Dorfdiele oder im Schulhof in der Pause.  Es passiert auch auf einem mit Herzen verziertem Briefbogen mit eigenen Liebesgedichten. Von der Möglichkeit über das Handy ein SMS „ich finde dich cool” zu senden, ahnte damals niemand. Partnerforen im Internet waren in den siebziger Jahren unbekannt. Heute kommt es vor, dass man im  Blog den Auserwählten mit der Frage überrascht, „willst du mit mir gehen” und er antwortet mit ja. Für Amulette und Liebesgetränke wurde viel Geld ausgegeben, heute reicht die Gebühr für den Internetanschluss. 

Liebestrank im Internet.

LETZTER:wille

Donnerstag, 08. Mai 2008

Beim Eingang zur Napoleonwiese liegt am Boden ein verfaulter und verwitterter Baumstamm, er beherbergt ein Ameisennest. Ein Teil des Nestes ist für alle Spaziergänger sichtbar und wird auch übersehen. Manche kommen im Laufschritt vorbei, andere mit zwei Nordic Walking Stöcken, andere ziehen an der Leine vom Hund, neigen ihr Ohr dem Handy zu und nehmen etwas anderes wahr. Kaum jemand beachtet die Veilchen, die Windbuschröschen, die Vergissmeinnicht und das frische Gras. Der  Ameisenhaufen ist schwarz, er quillt von den frisch geschlüpften Ameisen über. Sie müssen ihren Platz im Ameisenstaat erst finden. Wer ist der Platzanweiser für tausende neue Einwohner. Dazwischen kommen Ameisen mit einem zehn bis fünfzehn Zentimeter langem Stück dürrem Holz daher und bringen es auf dem Ameisenhaufen in Stellung. Stossen sie mit dem Holzstück irgendwo an, dann drehen sie dieses so lange bis es weiter geht. Niemand kommt zu Hilfe, das Gegenteil ist der Fall, viele Ameisen klettern über das Hindernis hinweg. Warum sind es nur ein einzelne Ameisen, die mit einem Holzstück kommen? Für einen Außenstehenden Beobachter laufen die Anderen nur kreuz und quer umher. Von wem haben sie die Befehle, dies oder jenes zu tun, wer steuert die „Holzsammler” unter den Ameisen. Hat eine Ameise einen freien Willen oder ist es der Wille des Ameisenstaates, den es schon länger gibt als die Menschen. 

Bei uns wird darüber geforscht und spekuliert, dass es den freien Willen des Menschen gar nicht gibt. Unsere Handlungen werden im Gehirn in einem chemischen Prozess festgelegt, bevor wir sie als solche erkennen. Im Nachhinein werden die Handlungen von uns, als unser freier Wille bestätigt. Wessen Wille war es, dass ich diesen Text geschrieben habe? 

Mein Wille.  

HEXEN:haus

Dienstag, 29. April 2008

Im Park von Warmbad sind am Nachmittag viele Kurgäste unterwegs. Nach den Kuranwendungen, zwischen Mittag- und Abendbüfett machen sie einen Spaziergang rund um das Hotel. So verbringen sie einen Teil vom Tag in der frischen Luft um alle Heilmöglichkeiten auszuschöpfen. Die Frage, „Wo die Quelle vom Maibachl liegt” bekommt man von den Kurgästen häufig gestellt.  Das Maibachl ist ein mythischer Bach,  dessen Wasser von sagenhafter Heilkraft sein soll. Die Quelle sprudelt für wenige Tage mehrmals im Jahr und versiegt dann wieder. 

Spaziert man über die Napoleonwiese kommen einem joggende Menschen entgegen, Einzelkämpfer und Paarläufer. Beim Joggen will man sich selbst spüren, den Körper und die Psyche. Den Platz erlaufen, der einem im Leben zusteht, das Leben ausfüllt. Im Wald sind viele Bäume und Steine von einem saftig grünen Moos überzogen.  Zwei Kleinkinder laufen der Mutter voraus und verstecken sich in einer Hütte aus Tannenästen. Sie fordern die Mutter auf, die böse Hexe zu spielen und an die Tür vom Baumhaus zu klopfen. 

Die Nobelpreisträgerin Doris Lessing sagt in ihrer Rede, der schreibende Mensch braucht ein Zimmer ohne Geräusche, wo er sich zurückziehen kann zum Schreiben, mit der Zeit zum Schreiben.  

Im Hexenhaus.   

BE:kannt

Mittwoch, 26. März 2008

Zu den Herausforderungen für den Menschen zählt das Kennen lernen von anderen Menschen. Es hält den Geist flexibel und geschmeidig. Andere Menschen kennen lernen kann man in verschiedenen Situationen. Viele Möglichkeiten gibt es im Dienstleistungsbereich, also geschäftlicher Natur. Auch hier gibt es verschiedene Intensität beim Kennen lernen. Bei bestimmten Berufen, gehört dies zum Arbeitsalltag, ein oberflächliches kennen lernen für einen Servier- oder Kassiervorgang. Intensiver wird das Bekanntschaftsverhältnis, bei einer schulischen oder beruflichen Ausbildung. In einem Betrieb bei der Zusammenarbeit mit KollegInnen, mit Auftragebern oder Lieferanten.
 
Die angenehme Art andere Menschen kennen zu lernen besteht bei einem Sportverein, einer Dorfgemeinschaft. Hier ist das Verbindende das gemeinsame Hobby. Auch bei einer Kulturreise oder Studienwoche kann man sich für eine kurze Zeit mit anderen Menschen einlassen. Man  muss Zuhören können, Interesse zeigen, sich mit der Gedankenwelt des Gegenüber vertraut machen.  Es ist unmöglich jemand anderen kennen zu lernen, wenn man nicht bereit ist, auch von sich etwas zu erzählen.
 
Der Internetsurfer. 

KRANJSKA:gora

Donnerstag, 24. Januar 2008
Wie wir mit Wahrheit umgehen ist ganz unterschiedlich. In vielen Lebensbereichen werden die Gefahren des Alltages weggeleugnet. Wer spricht über die Gefahren des Straßenverkehrs. Die Unfälle sind etwas Selbstverständliches und niemand glaubt, dass er davon betroffen sein könnte. Wer denkt beim Rauchen daran, dass er ein erhöhtes Gesundheitsrisiko eingeht. Krank werden die Anderen.
 
Von den Sportlern werden die Gefahren ausgeblendet, mit mentalem Training und positiven Denken in Luft auflöst, im besten Fall in das Gegenteil gekehrt. Man zieht aus einer Gefahr einen Gewinn. Wie ist es möglich, dass Skispringer, die größten Weiten erreicht man beim Skifliegen, sich von den Sprungschanzen in die Tiefe stürzen. Dabei kommt man dem Traum des Menschen vom Fliegen nahe. Wenn man das Schifliegen auf der Planica  bei Kranjska Gora  in Slowenien erlebt hat, dann fragt man sich, welche Tricks sind notwendig, dass diese jungen Menschen in die Tiefe springen. Die Steilheit des Anlaufes macht einem Menschen Angst und dann der Absprung in das Nichts. Alle Sinne eines Menschen sind dagegen, die Füße würden ihren Dienst verweigern und die Finger würden sich in den Schnee krallen um die Fahrt zu stoppen. Bei den Skifliegern passiert das Gegenteil, die Sinne konzentrieren sich auf den Absprung, die Füße gehen in die Hocke und die Arme ziehen den Körper mit in den Sprung in das Ungewisse.     
 
Die mentale Dopingfalle. 
24.1.08 12:28
 
 

10 Kommentar(e)     

weichensteller / Website

Todessprung und
Todeszelle.

Eine Assoziation zu Wahrheit.
Vom Weichensteller

 

Gerhard


Hallo Schlagloch,

Im Grunde kann alles Angst machen oder nichts. Es gibt Leute, denen selbst die kleinste Verrichtung oder der harmloseste Gedanke Angst macht- da ist es das Gehirn, das Gefahr meldet.
Ob das Gehirn nun Gefahr meldet oder nicht, ist m.E. relativ unabhängig von der “objektiven” Größe der Gefährdung.
Autofahren lässt unser Gehirn für die meisten unproblematisch erscheinen. Es stellt so die Möglichkeit her, daß wir uns überhaupt bewegen können.

 

Schlafmütze / Website
Hallo Schlagloch ..
Ich habe mich auch schon oft grfragt, wie diese Springer .. oder die Bungie-jumper .. oder diese Extrem-Kletterer .. Fallschirmspringer … ihre Angst überwinden.
Ich könnte nix dergleichen tun.
Ich fahre nicht mal Auto ..!
Trotzdem halte ich mich nicht füe überängstlich, sondern eher für vorsichtig und vernünftig.
Ich sehe auch nicht den Kick und brauch den auch nicht
Lieben Gruß

 

schlagloch
Hallo Schlafmütze!
Wären nicht ein Großteil der Autofahrer vorsichtig und vernünftig, würde es im Strassenverkehr schlimm ausschauen. Für Klettern und Fallschirmspringen habe ich auch nichts übrig.
Gruss schlagloch.
schlagloch 
Hallo Gerhard!
Den Alltag ohne Sorge und Angst zu bewältigen genügt. Niemand muß Schifliegen, wenn er nicht will. Ich glaube, dass dabei die Angst mental unterdrückt wird, weil unser Körper und Psyche ist auf die Bewegung auf der Erde eingestellt.
Gruss schlagloch.

 

Isabella / Website
Hallo Schlagloch,
… vorigen Sommer war ich auf der Planica – ganz oben! Alleine das ist schon ein gewaltiges Gefühl, im Winter würde ich mit Schiern niemals den “Balken” loslassen. Meine leichte ;-) Höhenangst machte sich auch so bemerkbar – für den Abstieg ging ich deshalb durch den Wald. Im Wald fühle ich mich sicher und geborgen. Manche Menschen haben Angst im Wald …
LG Isabella.

 

schlagloch
Hallo Isabella,
haben nicht die “ersten” Menschen Schutz und Zuflucht im Wald gefunden? Auf jeden Fall kann man sich im Wald sehr gut erholen.
Gruss schlagloch.

 

jary / Website
ist doch schön, das der mensch mit seiner angst spielen kann. wir sind nicht ausschließlich sklaven irgendwelcher gehirnströme, triebe, usw. wenn ich der angst immer nachgeben würde, würde ich doch so einiges nicht tun, selbst das, was eben nicht gefährlich ist. und wenn ich alles nicht tue, nur weil es gefährlich ist, bleibt ebenfalls nicht viel übrig.
tja, aber vielleicht sollte man doping einfach erlauben, dann ist es ein spannender wettkampf, ob der sportler mit dem besten chemiker, der mit dem besten psychologen oder der mit dem besten trainer gewinnt…

 

schlagloch / Website
Hallo Jary,
wie du schreibst, eine neue Art von Wettkämpfen: Gewinnt der Sportler mit dem besten Chemiker, der mit dem besten Psychologen oder der mit dem besten Trainer .

Der Spitzsportler als lebendes Puzzle.

Gruss schlagloch.


schlagloch
Hallo Weichensteller,

ist der Weg zur Wahrheit und die Erkenntnis der Wahrheit mit dem Tod verbunden?

OTTO WILL EINE NORMALE GEBURT/NIE WIEDER EINE ZAHNARZTGEBURT/ALS LACHER IN DIE WELT KOMMEN

Gruss schlagloch.

Seite: zurück 1 2 3 4 weiter