HEIMAT . GEFÜHLE

Das Wort Heimat geht viele Verbindungen ein, wie Heimatort, Heimaterde, Heimathaus, Heimatschutz, Heimatfilm oder Heimatliebe. Die Liste lässt sich noch fortsetzen. Das Wort Heimat wurde und wird auch missbraucht, es wurde und wird dazu verwendet, Menschen anderer Nationen oder Rassen aus dem Land zu vertreiben. Man war und ist nicht bereit die Heimat mit verschiedenen Menschen zu teilen. Man anerkennt nur eine Rasse von Menschen.
 
Heimatgefühle habe ich, wenn ich bei der Wehr in der Schütt sitze, wo die Gail gestaut wird und dann in einem Kanal zum Kraftwerk fließt. Auch an heißen Tagen ist es hier angenehm kühl. Vor mir erheben sich die Felswände des Dobratsch, mit ihren Schluchten und Abbrüchen. Zwischen den hellgrauen und dunkelgrauen Felsen gibt es offene orange Stellen. Die Wunden wachsen weiter zu. Die Felsen lassen sich nicht vermarkten wie die Gladiolenwiese und die Bärenbrücken, die Hornviper und die Smaragdeidechse.  Das Gestein hat keinen Liebreiz, es bietet sich nicht als Klettergarten an. Sie erheben sich mit scharfen Kanten und glatten Flächen, am Fuße steht ein unsichtbares Schild „Zutritt verboten“. Herabstürzende Felsen haben Teile von zerschellten Flugzeugen, Menschenknochen und Tierköpfe unter sich begraben. Zwischen den Felsblöcken hat die Hornviper ihre Brutnester. Im leergepumpten Flussbett zeigen sich die blankgespülten Absturzsteine in seltenem weiß. Sie sind vom Wasser freigespült und gereinigt worden. Eine Aussicht auf die Dobratschwände und auf bekannte Gesichter.
 
Der Südwind.     
 

Kommentar(e)     

schlafmuetze / Website (22.8.07 23:03)
Hallo Schlagloch 🙂
Das Wort Heimat verhindert auch oft genug, in der neuen Heimat wirklich anzukommen. Weil in der alten Heimat alles schöner war ? Man verstanden wurde oder dort geboren und aufgewachsen war?
Bei uns gibt es immer noch den Bund der Vertriebenen, die Schlesiertreffen und ähnliches. Menschen, die nach dem Krieg die Heimat in Schlesien, Ostpreußen etc. verlassen mußten. Die vertriebene Generation ist bald verstorben, aber den Bund und die Treffen gibt es weiter… !
Gerade vorhin habe ich auf Spiegel online noch zu dem Thema „Ankommen“ einen Artikel gelesen. Von einer türkischen Familie, die nie angekommen ist. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,500637,00.html
Wir sollten beginnen, die Welt als Heimat anzusehen. Dann wäre es nicht so schwierig.
Lieben Gruß 🙂

schlagloch


Hallo Schlafmütze!
Es wird noch einige Generationen dauern, wenn nicht länger, bis wir die Welt als eine Heimat sehen. Bis dahin gibt es „Heimweh“.
Gruss schlagloch.

01.03.05 KATZEN . STEUER
Heute, am 1. März, konnte ich in der Tageszeitung lesen, dass die österreichische Bundesregierung die Einführung einer Luxussteuer für die Haltung einer Hauskatze beabsichtigt. Jeder Katzenhalter wird in Zukunft eine Katzensteuer entrichten müssen, die etwa die Hälfte der Hundesteuer betragen wird. Als Begründung für die Einführung der Steuer wird angegeben, dass Katzenhaare bei vielen Menschen eine Allergie auslösen und die Behandlung von Allergien große Kosten verursachen. Die hohe Besteuerung von Zigaretten und Alkohol wird schon mit dem Argument, das Zigaretten und Alkohol zu gesundheitlichen Schäden führen, begründet. Sollte das Prinzip der Verursacherbesteuerung auf weitere alltägliche Dinge ausgedehnt werden, dann wird es in Österreich zu einer Welle von neuen Steuern kom-men. Wie wäre es mit einer Spitzensteuer auf Rasier-klingen? Beim Rasieren kommt es immer wieder zu schweren Schnittverletzungen. Oder mit einer Steuer auf Wasserkocher ? Das heiße Wasser kann Verbrennungen verursachen und Brandverletzungen sind nur mit großem medizinischem Aufwand zu heilen. Man könnte auch die Einführung einer Extrasteuer beim Kauf eines Hammers ab einer Größe von fünf cm erwägen, jeder weitere cm erhöht die Steuer um einen Prozent. Beim Hantieren mit dem Hammer passieren immer wieder Verletzungen im Handbereich, aber auch Kopfverletzungen sind möglich. Das Finanzministerium ersucht die Steuerzahler weitere Vorschläge zu machen.
„Om erstn März schick ma an Esl um a Schissale Sterz“.

Kommentare:
H. am 1. März 2005 um 15:57
Du solltest deine Ideen bei unserer Regierung einreichen, gegen Bezahlung versteht sich, ich glaube die wären dir dankbar. Ich bin so eine Hundesteuer Zahlerin und ich bin froh das ich seit gestern keine Mieze mehr habe, für die ich evt. auch noch Steuern zahlen sollte. Wobei meine Mieze nicht rausging, also keine Gefahr für Allergiker darstellte.

T. am 1. März 2005 um 22:55
Was ich mich eigentlich generell frage: Wie will die Regierung kontrollieren ob ich einen Hund oder eine Katze in meinem Haus habe. Ich meine, die kommen ja nicht zu mir nach hause und fragen: „Hast du irgendwelche steuerpflichtigen Haustiere zuhause?“ Die Hundesteuer sehe ich irgendwie ein, da ein Hund ins Freie geht, dort auch sein Geschäft erledigt und das macht auch Dreck usw. Aber bei einer Hauskatze die nie ins Freie geht kann ich das überhaupt nicht verstehen. Wie du schon sagst Schlagloch, wenn sie schon mit der Katzensteuer anfangen, dann können sie wirklich auch Steuern für Messer, Hämmer usw. verlangen, da alles Gefahren in sich birgt. Na ja, ich denk mir immer die machen so und so was sie wollen, da nützt kein Ärgern und kein Toben. In diesem Sinne mach so weiter mit deinem Blog, Schlagloch. Deine Tag-Gedanken sind echt interessant zum Lesen.

H. am 2. März 2005 um 00:22
Wenn man zum Beispiel so Doof ist wie ich, auch ehrlich genant und seinen Hund bei der Stadt anmeldet, was eigentlich auch Vorschrift ist. Sicher geht man mit seinem Hund raus aber ich und alle Hundebesitzer die ich kenne machen die Haufen weg, Tüte bei jedem Gassigang dabei. Wer kann das schon von freilaufenden Katzen sagen, die nebenbei in die Sandkisten machen.

D am 2. März 2005 um 12:32
Am meisten bedauere ich, dass ich am gestrigen 1. März niemanden geschickt habe. Auch bei meinem Chef war ich zu feig, da hat mich wohl sein akademischer Titel abgeschreckt. „Ran an die alten Bräuche, koste es was es wolle, nur nicht den Job“

schlagloch am 2. März 2005 um 19:42
Eure Kommentare bestätigen mir, dass wir österreichischen Staatsbürger schon auf das Schlimmste gefasst sind und mit allen möglichen neuen Steuern rechnen. Der letzte Satz von meinem Eintrag lautet: „Am ersten März schickt man den Esel um eine Schüssel Sterz“ , das bedeutet, einen Scherz machen.

schlagloch am 1. März 2017

Die Einhebung der „Katzensteuer“ war ein Gag von mir. Heute, zwölf Jahre später denkt die Bundesregierung diese einzuführen. Alles braucht seine Zeit…

03.03.2005 AUF . LADEN
Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass der Akku eines Rasierapparates, eines Notebook oder die Autobatterie von Zeit zu Zeit aufgeladen werden. Wo Energie ver-braucht wird, muss nachgeladen werden. Mit zunehmen-dem Alter der Akkus verringert sich die Ladefähigkeit und es werden nicht mehr 100% erreicht. In gleicher Weise verhält es sich mit der Erholung der Menschen. Wenn Energie im Alltag verbraucht wird, dann muss nachgeladen werden. Täglich passiert dies in den Arbeitspausen, im Schlaf oder im Urlaub. Oft wird man nach dem Urlaub gefragt, ob man sich erholt hat. Ich gehöre nicht zu denen, die um des Optimismus wegen eine Antwort geben. Meine Antwort ist, dass es mit zunehmendem Alter unmöglich ist, sich ganz zu erholen. Es ist nur mehr eine Teilerholung möglich, es bleibt ein Rest von Müdigkeit. Wenn man noch 70% Erholung schafft, dann erreicht man einen guten Wert. Bei 30% Erholung ist der kritische Punkt erreicht. Manche Schmerzen und Beschwerden richten sich ein zum Bleiben. Die Wahrheit wollen die wenigsten hören. Der Umgang mit den Nächsten besteht aus Halbwahrheiten.
Ein halbes Leben.

Kommentare:
D. am 3. März 2005 um 17:09
Jene Leute, welche die von Dir beschriebenen Halbwahrheit von sich geben und sei es nur höflichkeitshalber sind mir seit jeher ein Dorn im Auge und doch ist ein Großteil der Leute so. Ich persönlich schließe mich da nicht an. Selten gebe ich bei der Frage „wie geht es Dir“ ein gut zur Antwort. Oft ein „solala“ oder „es muss gehen“. Ich versuche auch auf alltägliche Fragen ehrlich zu antworten, auch wenn es der Gegenüber nicht hören will. Lobet diejenigen, die ehrlich sind.

07.03.2005 VER . SPANNUNG
Vielen von uns ist der Reflex zur natürlichen Entspan-nung verloren gegangen und immer mehr Menschen leiden unter Verspannungen, vor allem im Nacken- und Schulterbereich. Es ist in unserer Gesellschaft nicht mehr möglich diese Spannungen bei körperlichen Arbeiten abzubauen. Es kommt besonders dann oft zu Verspannungen im Nackenbereich, wenn wir etwas einstecken müssen. Dies heißt auch zurückstehen müssen, aus Höflichkeit nicht impulsiv reagieren können. Selbst dann, wenn wir von anderen Menschen zu Unrecht angegriffen werden erlaubt es oft der Arbeitsbereich nicht, dass wir uns wehren. Heute sind wir eine Gesellschaft der Einstecker, weil wir um den Arbeitsplatz fürchten müssen oder Umsatz verlieren könnten. Die meisten von uns befinden sich in Geiselhaft von Drohnen. Einmal wird die Spannung unter uns Geiseln so groß sein, dass wir uns mit einem Erdstoß aus der Haft befreien werden.
Körperbeben entspannt.

10.03.2005 KRAMPF . ZEHEN
Um den Kreislauf der körperlichen Verspannungen zu durchbrechen ist es manchmal notwendig fremde Hilfe anzunehmen. Die meisten Menschen leiden unter Verspannungen im Schulterbereich, aber auch in den Füssen. Andere berichten von Verspannungen bei den Zehen, weil sie bei Problemen oder bei schwierigen Aufgaben sich mit den Zehen in den Schuhsohlen festkrallen. Dies führt zu Krampfzehen. Infolge einer Blutabnahme kam es bei mir zu einer Entzündung und Verhärtung der linken Armvene. Ich konnte den linken Arm nicht mehr durchstrecken und die verhärtete Vene verursachte bei jeder Armbewegung Schmerzen. Bei einem Gespräch mit einem Venenspezialisten und Chirurgen schlug dieser eine Durchtrennung der verhärteten Armvene vor. Sein Trost war, die Funktion der durchtrennten Vene würden andere Venen über-nehmen. Der Radiologe empfahl mir abzuwarten und es mit Salben, Bewegung und Massagen zu versuchen. Die Befolgung dieser Ratschläge und eine gute Masseurin vollbrachten das Wunder der Heilung. Nicht wundervoll war es bei einer Sihatsu Massage. Dabei hatte ich das Gefühl, dass der Masseur seine Finger mit Metallkappen bestückt hat, so schmerzte es mir, als er die Wirbelsäule und die Schulterblätter entlang massierte. Zum Abschluss stellte er sich mit seinen Füßen auf meinen Rücken und bewegte sich vor und zurück. Die nächsten drei Tage schmerzte der Rücken so, dass ich nur auf dem Bauch schlafen konnte.
Glück und Elend der Massage.

13.03.2005 KÄLTE . KAMMER
Eine neue Therapieform gegen Rheumaschmerzen ist die Ganzkörperkältetherapie, sie wird in sogenannten Kälte-Kammern durchgeführt. Dabei ist man nackt und befindet sich für wenige Minuten in einem Raum bei minus 110 Grad. Eine andere Therapieform gegen Schmerzen ist das Schreiben. Das Schreiben viel mit Kälte zu tun hat habe ich selbst erlebt. Die Kindheits- und Jugendjahre verbrachte ich auf einem Bauernhof. Während der Schulzeit und während der Lehrzeit war es selbst-verständlich bei den täglichen Arbeiten in der Landwirtschaft mitzuhelfen. Besonders anstrengend war es an den Sommerwochenenden bei der Heuernte. In den Herbst- und Wintermonaten gab es für uns Jugendliche andere Arbeiten. Eine Aufgabe war das Weiden der Kühe, oft bei Regen und kaltem Wind. Den einzigen Schutz fanden wir in einer selbstgebauten Laubhütte. Bekleidet mit einer dünnen, geflickten Hose, einem Hemd und einem alten Rock und die Füße umhüllt mit Fußfetzen in kalten Gummistiefel saßen wir in unserer Laubhütte und gaben auf die Kühe acht. Das Schöne daran war die Ruhe und dass man Zeit hatte ein Buch zu lesen oder den Tagträumen nachzugehen. Der einzige beheizte Raum auf dem Bauernhof war im Winter die Küche. Die Stube wurde nur zu den Festtagen beheizt, unsere Schlafzimmer waren nicht beheizt. Als Bettwärmer diente bei großer Kälte ein Dachziegel, der im Backofen aufgewärmt und mit einem alten Hemd umwickelt wurde. An den Sonntagen im Winter, die arbeitsfrei waren, zog ich mich in das Schlafzimmer zurück und begann an meinen ersten Geschichten und Gedichten zu schreiben. Zwischendurch wärmte ich mich in der Küche auf. Ein Buch zu lesen und Gedichte zu schreiben stieß auf Unverständnis, weil es diente keinem Zweck, man konnte damit kein Geld verdienen, noch war es notwendig.
Während der Lehrjahre in Spittal an der Drau konnte ich die Mittagspausen im Winter mit Erlaubnis des Präsens im Speisesaal des Kolpinghauses verbringen. Wenn in der Küche vom Mittagessen etwas übrig blieb, erhielt ich gratis einen Teller Suppe, manchmal sogar eine Haupt-Speise. An den Wintertagen, wo der Aufenthalt im Kolpinghaus nicht möglich war, ging ich in der Stadt spazieren und wärmte mir von Zeit zu Zeit über einem Kanalgitter meine Füße und Hände auf. Auch heute noch ist das Schreibzimmer der kälteste Raum in der Wohnung. Schreiben als Therapie gegen äußere und innere Kälte.
In der Kältekammer.

Kommentare:
D. am 16. März 2005 um 15:16
Deine Kindheitserinnerungen werden, wie ich vermute, schon längere Zeit zurückliegen. Aber ich glaube, dass noch heute ähnliche Bedingungen in Österreich herrschen. Als ich im Jahre 1997 meine Freundin kennen lernte staunte ich nicht schlecht, als sie mich das erste Mal mit nach Hause nahm. Ich selbst wuchs in einer niedrigen Einkommensschicht auf, aber bei ihr war es noch um einiges kärger. Eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kinder, von mehreren Operationen, bei denen sie des öfteren von der „Schaufel“ gesprungen ist, gezeichnet. Der Vater, schon lange nach fortgeschrittener Leberzierrose verstorben.. In dieser verlassenen Landwirtschaft wurde nur die Küche mit einem alten Holzofen geheizt. Die Schlafzim-merfenster waren im Winter zentimeterdick vereist, sowie Teile der Bettdecke steifgefroren. Kein Bad und keine Dusche im Haus und der kleine Fernseher in der Küche flimmerte, dass einem nach fünf Minuten die Augen schmerzten. Nie hatte dort jemand eine Beihilfe oder dergleichen beantragt noch bekommen. Zu diesem Zeitpunkt waren bis auf meine Lebensgefährtin alle anderen Kinder ausgezogen. Die Mutter konnte jederzeit wieder ins Krankenhaus eingeliefert werden und zeitweise war sie auch sehr launenhaft. Ich war damals arbeitslos und von höherer Schulbildung, ich spürte beinahe von allen dort Misstrauen und indirekte Ablehnung. Kein leichter Start für die Zukunft. Heute lebt die Mutter bei einer der Töchter und der Bruder renoviert das ihm überschriebene Haus. Jeder geht seine eigenen Wege. „Leben Leute zurückgezogen, weiß davon schon der dritte Nachbar nichts mehr“

schlagloch am 18. März 2005 um 19:23
Es stimmt, dass meine Kindheit schon einige Jahre zurückliegt. Aber vieles hat sich, wie deine Erfahrungen zeigen, nicht verändert. Wenn man abseits der Ballungsräume in Kärnten unterwegs ist, so in den Seitentälern des Rosen- oder Gailtales oder im Maltatal, dann trifft man überall auf Keuschen und dort hat sich das Leben und die Wohnsituation nicht viel verändert. Es ist oft so, dass Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht den Weg zum Sozialamt finden oder sich auch schämen fremde Hilfe anzunehmen. Wer bestimmt, in welche Familie man hineingeboren wird, bleibt für immer ein Rätsel.

S. am 16. März 2005 um 17:19
Mich friert schon beim Lesen deiner Zeilen, bei der Erwähnung der kalten Schreibstuben. Gottseindank immer mit Zentralheizung aufgewachsen.

schlagloch am 23. März 2005 um 08:51
Manchmal ist das Leben eingefroren, es kommen wärmere Zeiten.

16.03.2005 ES . OSTERT
Es schneit, es regnet, es scheint die Sonne, es ostert in Villach. Damit es richtig ostert gibt es eine Lämmer-Schau, ein Ponyreiten, einen Streichelzoo und die Ostertbahn. Wem es zu wenig geweihnachtet hat, der Fasching zu kurz war und die Fastenzeit verschlafen hat, der findet jetzt beim Ostern das Passende. Der heutige Mensch weis oft nicht mehr was er sucht , er sucht immer nach etwas Neuem. Die erste Frage bei einem Treffen mit einem Bekanntem ist, „Was gibt es Neues“? Viele betreten ein Geschäft mit dem Gruß, „Haben sie etwas Neues“? Das Stadtmarketing versucht es mit neuen Schlagwörtern. Wer interessiert sich heute noch für Ostern ? , es muss ostern. Ostern feiern kann man später.
Lauf Hase, lauf.

21.03.2005 NAH . VERSORGER
Darüber, dass wir in einer Informationsgesellschaft leben, wird viel diskutiert. Das wir eine Autogesellschaft sind ist für uns schon selbstverständlich. Ein Teil unseres Leben spielt sich auf den Strassen, den Tankstellen und den Parkplätzen ab. Es ist naheliegend einmal die Menschen eine Halbestunde lang an einem Samstagnachmittag auf einem Supermarkt Parkplatz zu beobachten. Der Supermarkt liegt neben einer Autobahnabfahrt und hat am Samstag bis siebzehn Uhr geöffnet. Ein Auto hält auf dem Parkplatz, die Frau steigt zum Einkaufen aus, der Mann mit Anzug und Krawatte lockert seine Krawatte, klappt den Fahrersitz zurück und macht seinen Mittagsschlaf. Drei Auto weiter ist die Heckklappe geöffnet und im Kofferraum wird das Baby gewickelt. Die nassen Windeln werden im Abfallkübel vor dem Supermarkteingang entsorgt. In einem anderem Auto liest die Tante auf dem Rücksitz einem Kleinkind aus einem Bilderbuch vor. Ein Mann kommt mit zwei Bierkästen aus dem Markt, die Frau hat im Auto die Sonnenblende heruntergeklappt, frisiert und schminkt sich neu. Zwei Männer benützen die Wartezeit auf dem Parkplatz für eine Rauchpause und marschieren in der Sonne auf und ab. Im Führerhaus eines LKW verzehrt der Fahrer seine Jause und blättert in der Tageszeitung. Unter einem Lieferwagen liegt ein junger Mann mit einem Werkzeug und rüttelt an den Autorädern, um dann noch weiter unter das Auto zu kriechen. Plötzlich verwandelt sich der Parkplatz in eine Openair Veranstaltung. Aus den offenen Autofenster eines VW Golf dröhnt die Musik Die Kassiererinnen stehen hinter der Glasfassade im Blickfeld der Autofahrer. Der Supermarkt ist nur mit dem Auto zu erreichen. Die nächsten Häuser liegen zwei Kilometer entfernt.
Dein Nahversorger.

Kommentare:
W. am 22. März 2005 um 16:43
Bei mir passieren nie so spannende Sachen auf dem Parkplatz vorm Supermarkt. Das einzig Aufregende ist da das alltägliche Verkehrschaos, da der Supermarkt ziemlich stark frequentiert wird, es aber relativ wenig Parkplätze gibt. Das Chaos ist also vorprogrammiert und es kracht auch regelmäßig beim Ausparken, oh ja! Dann ist es höchstens spannend, wenn deswegen die Polizei gerufen wird.

schlagloch am 23. März 2005 um 08:47
Vom Verkehrschaos sind wir am Land noch weit entfernt, ausgenommen die Autobahnen. Wohl auch deshalb, weil noch genug unbebautes Land zur Verfügung steht und noch fleißig am Straßennetz gebaut wird. Es könnte ja dreimal im Jahr ein größeres Verkehrsaufkommen geben. Da die Ortszentren immer mehr an Anziehungskraft verlieren, werden die Parkplätze und Tankstellen zur zweiten Heimat.

24.03.2005 MAHL . ZEIT
Neben der Bestattung von den Verstorbenen, dem Totenkult, zählen die gemeinsamen Mahlzeiten zu den ältesten Ritualen der Menschen. In vielen Kulturen ist es üblich, an den Sonntagen und am Tag des Toten-Gedenken auf dem Friedhof, am Grab der Verstorbenen, ein Picknick zu machen. Dabei trifft sich die ganze Verwandtschaft um mit dem Verstorbenen eine gemeinsame Mahlzeit einzunehmen. Es gibt ein Sprich-wort: „Sie leben getrennt von Tisch und Bett“. Meistens erfolgt zuerst die Trennung bei Tisch. Dies bedeutet, dass es unter den Ehepartnern keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr gibt. Bald darauf kommt es zur Trennung im Bett. Nicht ohne Grund betonen Politiker oder Manager, dass sie versuchen wenigsten einmal am Tag gemeinsam mit der übrigen Familie zu essen. In der Marienkirche „Maria, Heil der Kranken“ in Bad Schönau hängt im Altarraum das Bild vom „Letztem Abendmahl“, in einer Größe von ca. zehn Meter mal drei Meter. Auch Jesus versammelte seine Jünger zu den Mahlzeiten um sich. Aus heutiger Sicht sprechen wir vom „Letztem Abendmahl“, weil es dabei zu der Begebenheit kommt, dass Jesus zu seinen Aposteln sagt: „Wem ich dieses Brot reiche, der wird mich für dreißig Silberlinge verraten“. Dies war der Beginn von der Leidens-Geschichte Jesus und seiner Auferstehung.
Selig wer sein Brot mit anderen teilt.

26.03.2005 AUF . ERSTEHUNG
Zum Osterfest, wo die verschiedenen Rituale im Christentum Hochsaison haben und viele Menschen an den kirchlichen Feiern teilnehmen, denke ich über folgendes nach: Was nützt es manchen Menschen, wenn sie an den Ritualen der Kirche teilnehmen, wenn sie aber im Alltag mit den Mitmenschen böse umgehen. Schon bei kleinen Unklarheiten ungehalten sind oder bei kleinen Fehlern auf die Mitmenschen zornig reagieren. Begegne ich solchen Christen im Alltag, dann will ich mich nicht zu den Christen zählen. Von meiner Seite versuche ich es mit Nachsicht und Verständnis, wenn es bei anderen Menschen zu Fehlern kommt. Ein zentraler Punkt in der Bibel und in der Heilslehre der christlichen Kirchen ist die Lehre von der leiblichen Auferstehung Jesus nach der Kreuzigung am Karfreitag. In einem vorösterlichem Seminar sagte der Theologe Dr. Konrad K. es ist für den Glauben nachrangig, ob Christus körperlich auf-erstanden ist oder ob es sich um eine geistige, eine gedachte Auferstehung und Wiedergeburt handelt. Entscheidend sind die Worte und Taten Jesu. Ähnlich verhält es sich bei der Beschäftigung mit Künstlern. Manche bleiben beim Leben des Künstlers hängen, bei seinen Affären, seinem Äußerem. Die wirkliche Aus-einandersetzung muss mit dem Werk des Künstlers, mit seinen Texten, Kompositionen oder Bildern, stattfinden.
An ihren Taten werdet ihr sie erkennen.

Kommentare:
D. am 29. März 2005 um 14:07
Gut gesprochen, geschrieben. Es verhält sich heute so wie in den letzten Jahrhunderten. Die künstlerische Schaffenskraft kann oft nur nebenberuflich ausgeübt werden, man ist ein Gefangener der Gesellschaft.

 06.06.2003   DRAU . ZEITEN

Mitte der sechziger Jahre gab es im Winter Schnee bis zur Hüfte und die Temperatur sank auf – 25 Grad. Wenn im Januar die Kälte wochenlang anhielt, dann knirschte die Drau mit ihren Zähnen, den Eisschollen, wie eine alte Frau. Im Frühjahr funkelten die Sonnenstrahlen auf der Oberfläche des türkisfarbenen Gletscherwasser wie die Edelsteine bei einem Brautkleid. Die Drau feierte Hochzeit mit den Wiesen und Äckern des Drautal. Die Hitze des Sommers drückte die Drau immer weiter zurück in ihr Flussbett. Ihre Tümpel und Nebenarme trockneten aus, die Kühe brüllten in der Augusthitze vor den leeren Pfützen. Die Drau war eine magere Frau, welche die Menschen auf den Feldern zur Arbeit antrieb. Im Herbst bedeckte die Drau den Talboden mit einer Nebeldecke. Sie nahm die Menschen, Tiere und Häuser in Geiselhaft. Es war die Umarmung einer leiden-schaftlichen Frau, aus der es kein Entkommen gab.

Es kommt der Tod.                                             

23.06.2003   HOCH . WASSER

Es war in den sechziger Jahren  ein regenreiches Frühjahr. Die Drau schwoll in ihrem Flussbett immer mehr an, wie eine schwangere Frau. Öfters als in den vergangenen Jahren standen die Felder und Äcker diesseits und jenseits der Drau unter Wasser. Dann regnete es eine Woche ununterbrochen, das Rauschen des Wassers wurde immer lauter. In den braunen Fluten sah man Baumstämme, Möbel, Fahrräder und Tiere daherschwimmen. Von der Sonnseite konnte man das Anschwellen der Drau genau beobachten. Die Talbewohner fuhren abwechselnd mit ihren Fahrrädern zum Ufer der Drau um nach dem Pegelstand des Wassers zu sehen. Es wurde Abend und der Ruf: „Die Drau kommt“, breitete sich vom oberen in das mittlere Drautal fort. Über die ganze Breite des Drautal ergossen sich die Wassermassen. In den Häusern brannten die Lichter bis der Strom ausfiel. Die ebenerdigen Wohnräume mussten geräumt werden, die Bewohner flüchteten in die oberen Stockwerke. Die Tiere brüllten und zerrten an ihren Ketten, man trieb sie aus den Stallungen auf die Tenneböden. In den Morgen-Stunden war das Drautal ein riesiger See und ein reisender Fluss zugleich. Die Häuser standen wie schwimmende Boote in den braunen Fluten, es gab keine Äcker, keine Wiesen und keine Strassen mehr. Nach einigen Tagen sank der Wasserstand und die Drau kehrte in ihr Flussbett zurück. Sie hatte ihre Schwangerschaft ausgetragen. Im nächsten Jahrzehnt wurde die Drau begradigt und aufgestaut.

Sie wurde nie mehr schwanger.

28.06.2003   SONN . SEITE

Von der Sonnseite fällt mein Blick auf die Drau und das Drautal. Wenn man  die steilen Hänge am Berg bewir-tschaften muss, beneidet man die Talbewohner um die ebenen Felder und Äcker. Andererseits blickt man auf die Talbewohner von oben herab und glaubt sich am besseren Ort, was die Aussicht und die Sonnentage betrifft. Noch mehr bedauert man die Bewohner auf der Schattseite, wo die Sonne im Winter ausbleibt und der Schnee um Wochen später schmilzt. Im Herbst liegt über den Talboden der Nebel und die Bewohner von Politzen wohnen darüber.

Für den Neujahrstag gilt die Bauernregel, dass man an der Höhe des Nebels ablesen kann, aus welcher Einkom-mensschicht der Bevölkerung im kommendem Jahr die meisten Leute sterben werden. Liegt der Nebel dicht über dem Talboden, so werden die ärmeren Leute sterben, dehnt sich der Nebel in der mittleren Hanglage aus, so ist die Mittelschicht betroffen und gibt es Hochnebel so sind die reichen Leute am meisten vom Sterben betroffen. Es gibt kaum einen Neujahrstag wo der Nebel sich in der mittleren Höhenlage ausbreitet, weil zur Mittelschicht zählen sich die Bewohner von Politzen.

Im Nebel.

29.06.2003    WUNDER . GLAUBEN

„Wer glaubt wird selig“, heißt es in der Bibel. Dies war auch der Titel einer Ausstellung zum Jahr der Bibel, welche von mir besucht wurde. Sind die Wunder in der Bibel Gleichnisse, Beispiele oder Tatsachen? Sie sind für uns eine Anleitung zur eigenen Persönlichkeitsentfaltung. So auch das Wunder als Jesus über den See ging und dabei nicht in den Fluten versank. Als einige Jünger es ihm nachahmten versanken sie im Wasser. Dies ist eine Aufforderung an unser Selbstvertrauen. Wenn jemand genug Selbstvertrauen hat, kann er auch Dinge gegen die Naturgesetze vollbringen. In der Ausstellung gab es einen Test für das Selbstvertrauen. Man konnte sich auf eine Glasplatte stellen, die über einen aufgelassenen Tief-Brunnen, welcher zirka dreißig Meter in die Tiefe ging, gelegt war. Wie muss heute ein Wunder aussehen, dass wir an ein Wunder glauben würden. Würde dies auch bedeuten an Gott zu glauben? Man spricht oft bei Verkehrsunfällen von einem Wunder, wenn aus einem zertrümmertem Auto Menschen noch lebend geborgen werden. Ebenso bei Erdbeben, wenn nach Tagen noch Lebende gefunden werden. Jeder hat schon sein persön-liches Wunder erlebt. Gehören die Ärzte zu den heutigen Wunderheiler? Oftmals passieren Heilungen gegen alle medizinischen Vorhersagen. Ist ein wundergläubiger Mensch ein leichtgläubiger Mensch oder haben wir  vernunftbegabten Menschen verlernt an Wunder zu glauben?

Gibt es noch Wunder? 

Kommentare:
B. am 6. Juli 2003 um 17:33
Vielleicht gibt es Dinge, die wir noch nicht in ihrem Vorgang, sondern lediglich in ihrem Ergebnis wahr genommen haben. So z.B. die „Spontanheilungen“. Gut möglich, dass verschieden Prozesse einfach noch nicht bekannt sind, unbeobachtet ablaufen und uns dann hinterher wie Wunder vorkommen.

S. am 18. Juli 2003 um 18:31
Nicht an Wunder zu glauben, ist kein Zug der heutigen Zeit, wir haben da gegenüber früher nichts verlernt. Wunder kamen auch früher nicht vor, weil sonst wären sie ja keine. Wunder sind Behauptungen, um jemanden oder etwas mit Wunder-barkeit zu umgeben, mit welchem Sinn auch immer. Auch früher glaubten die Menschen nicht so sehr an Wunder, sonst müsste die Kirche nicht soviel auf „Glauben“ beharren und Ungläubige verfolgt haben. Ich denke, die meisten Menschen zu allen Zeiten glaubten nicht recht an Wunder. Das hat nichts mit Rationalität, sondern mit Realitätssinn zu tun und der kam schon immer gehäuft vor, sonst wären wir ausgestorben.