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urban:IIII

Freitag, 13. August 2010

Er war  den Staudamm entlang gegangen, kann sich nicht erinnern, dass er das Rauschen des fließenden Wassers gehört hätte.  Das Rauschen des Windes ist in seinen Erinnerungen vorhanden. Der Wind ist sehr kräftig gewesen. Auch an anderen Tagen war der Wind sehr kräftig, und Urban hatte das Rauschen des Wassers gehört. Jedes mal, wenn er stehen geblieben war, hat er auf das ruhig dahinfließende Wasser geblickt. Urban beginnt seine Bewusstseinsbilder  zu analysieren. Es war ein optisch ruhig fließendes Wasser, dass ist es also, er hatte nur dann die Geräusche des fließenden Wassers gehört, wenn, wie bei seinen früheren Spaziergängen war,  sich im fließenden Wasser Wirbel und Strudel gebildet hatten. Das Bild des optisch ruhig fließenden Wassers hatte in seinem Gehör keine Geräusche ausgelöst. Beim Einsteigen in das Auto hatte er sich gefragt, woher er kommt: aus sich selbst, oder ist er das Produkt seiner Umwelt? 

Manchmal nahm er Teile seines Körpers bewusst wahr. Am Morgen hatte er nach dem Zähneputzen sein Zahnfleisch kontrolliert, ob es fest geworden war. Seit einigen Monaten nahm er täglich einen Löffel Levolac zur Festigung seines Zahnfleisches. Er fragte sich, ob sein Zahnfleisch die Härte einer Betonmauer, die eines Baumes erreichen könne oder ob dieser Vorgang mit einem Zahnfleischfest enden werde: ein Fest wie es der erste Mai gewesen ist, an dem er diesen Spaziergang gemacht hatte. Der erste Mai, da müssten doch die Häuser beflaggt gewesen sein. Er fährt in Gedanken den weg zurück. Beim gedanklichen Vorüberfahren an den Häusern, die längs des Weges in die Schütt standen, ist es ihm unmöglich, eines der Häuser als beflaggt zu erkennen. In Gedanken fährt urban in das Waldstück, da erinnert er sich an die rot-weiß-rote Fahne an dem Kraftwerk. Obwohl Urban den Zeitpunkt, an dem er heute morgen wach wurde, nicht genau weiß, kann er diesen Zeitpunkt als sicher annehmen, er kann ihn sogar zeitlich einreihen, es muss vor dem Zähneputzen gewesen sein. Urban wüsste gerne, über welche frage er während der vergangenen Nacht beim Schlafen nachdachte. Denken ist für ihn nicht nur während des Wachzustand möglich. Wenn Denken während des Schlafens möglich war, so hatte er bestimmt auch Bilder gesehen. Er möchte seine Traumbilder näher beschreiben können.

urban:III

Dienstag, 10. August 2010

Urban muss seine Schlussfolgerungen unterbrechen, ihn ihm entsteht das Bedürfnis, die Tageszeitung anzusehen.  Da ist wieder die Angst, durch diese Ablenkung seine Erinnerungen zu verlieren, deshalb blättert er nicht in der Tageszeitung und sieht nicht zum Fenster hinaus. Er richtet seinen blick nach Innen. Den Blick seiner Augen lässt er in das Zimmer zurückgleiten, dabei verfängt er sich auf dem Bildschirm seines Fernsehapparates. Darin sieht er sich jetzt selbst. Urban betrachtet dies als eine Möglichkeit, sich näher zu kommen. Auf dem Bildschirm, wo er ansonsten andere, ihm fremde Dinge miterleben konnte, kann er sich selbst beobachten und stellt fest, dass er sich fremd ist, wie ihm auch anderes  im Fernsehen fremd war. Obwohl Urban diesen Gedanken verdrängen möchte, denkt er daran, in Zukunft anstatt den Fernseher einzuschalten und das Fernsehprogramm anzusehen, sich selbst im Bildschirm beobachten zu können. Vielleicht läge für ihn darin eine Möglichkeit, seiner Person näher zukommen. 

Eine für ihn neue Variante seiner Wahrnehmung beim Spaziergang war der Hase. Auf dem etwas erhöhtem, asphaltierten Weg entlang des Staudammes sah er während des Gehen einen Hasen. Es war für ihn unmöglich daran zu glauben, dass es ein lebender Hase war, weil er von den Erzählungen der Spaziergänger wusste, dass durch den Bau einer Pipeline  und den Bau einer Autobahn der gesamte Hasenbestand aus diesem Gebiet vertrieben worden war. Dieses Vorwissen veranlasste Urban, seinen  Erinnerungen an den Hasen zu misstrauen. Nach dem friedlichen, aber unwahren Bild des Hasen taucht aus dem Bewusstsein der Erinnerungen ein grelles Bild auf, die Schreie des jungen Mädchens auf dem Gepäcksträger des einsitzigen Mopeds. Waren es die Schreie der in einem Nachbarort von ihrem Vater geschändeten Mädchen, die durch dieses Mädchen in die Öffentlichkeit gelangten? Woran erkennt man geschändete Mädchen? War das Sitzen auf dem Gepäcksträger eines einsitzigen Mopeds ein Zeichen von Schande? Die Schreie bringt Urban in Zusammenhang mit den Schlaglöchern in der Schotterstrasse, welche in den letzten Tage vom Regen ausgewaschen worden waren.

 In Urban sind plötzlich Gedanken an das Bundesheer, Erinnerungen an größere Märsche. Diesen Vergleich findet er absonderlich.  Ein Marsch beim Bundesheer hat keine Ähnlichkeit mit einem Spaziergang. Urban bricht diese Erinnerungen ab. Dies ist ein Aufstand  seiner eigenen Gedanken, der sich gegen ihn richtet.

urban:II

Donnerstag, 08. Juli 2010

Urban sieht, dass die gegenüberliegende Fensterscheibe leer ist, so wird auch der Platz vor seinem Fenster leer sein. Er ist weiter auf der Suche nach frühen Anhaltspunkten für das bewusste Einsetzen seiner Beobachtungen während des Spazierganges. Ihm wurde beim Anhalten mit dem Auto in der Schütt bewusst, dass er mit dem Auto gefahren war. Beim Wegfahren hatte er im Rückspiegel seines Autos den alten Mann das Holz zerkleinern gesehen. Urban fragt sich, ob diese Begebenheiten Erinnerungen an seinen Spaziergang sind oder neue Wahrnehmungen, die er bei Beginn des Spazierganges nicht wahrgenommen hat, die ihm aber jetzt bewusst werden, da er zurückdenkt. Von jetzt an verzichtet er, seine Gedanken als Erinnerungen zu betrachten. Ohne, dass er beim Spaziergang etwas gemerkt hätte, ist er jetzt davon überzeugt, dass er im Mischwald einen roten Fleck gesehen hat, ein Teil eines ihm jetzt noch unbekannten Gegenstandes.

Um zu dem Gegenstand vorzustoßen und den Gegenstand mit einem Namen zu benennen, lässt Urban im Geiste Gegenstände vor seinen Augen vorbeiziehen, zu denen rot passen würde und die andererseits mit großer Wahrscheinlichkeit in der Schütt vorkommen könnten. Ein roter Ball, ein rotes Papier, ein roter Hut, ein rotes Kleid, ein rotes Auto ? Urban ist jetzt überzeugt, dass es ein rotes Auto gewesen ist. Wenn er diesen roten Fleck gesehen hat, so ist dies ein rotes Auto gewesen. Dieses Erholungsgebiet ist dafür bekannt, dass am Sonntag viele Familien mit dem Auto dort hinfahren und einen längeren Spaziergang unternehmen. Dies wäre eine ordentliche und bürgerliche Erklärung für den roten Fleck. Urban geht es aber darum, nachdem er das Rot als Auto definiert hat, weitere Schlussfolgerungen, die sich aus rot und Auto in ihm aufdrängen, zu fassen. Rot und Auto führen Urban zum für ihn nächstliegenden Reizwort, Liebe. Liebe identifiziert er mit rot, aber Liebe ist für sich allein isoliert, so nimmt er als Folge von Rot, Auto, von Rot und Auto , Liebe. Von Rot, Auto und Liebe als Bezugsperson Mädchen. Aus diesem wahrscheinlich nur gedachten Fleck hat sich für Urban eine ganz konkrete Situation entwickelt, Auto, Liebe und Mädchen.

urban:I

Dienstag, 06. Juli 2010

Urban versucht in seiner Erinnerung jenen Moment während des Spazierganges zu ermitteln, in dem er das Bedürfnis verspürt hatte, seine Beobachtungen in seinem Gedächtnis festzuhalten, um sie nach Beendigung des Spazierganges niederzuschreiben. Das Bedürfnis seine Beobachtungen festzuhalten hatte er in jenem Moment, als er daran dachte, schneller zu gehen. Obwohl er sich zu jenem Zeitpunkt vorgenommen hatte schneller zu gehen, ging er langsam weiter. War dies die Folge der natürlichen Angst, etwas neues zu beginnen? Zuerst ist die Angst, die Angst, irgendetwas zu versäumen, etwas zu verlieren, die Angst, irgendetwas nicht zu wissen. Ein Spaziergang ist die Angst, die Angst bei Beginn eines Spazierganges, die Angst vor dem Ende eines Spazierganges. Zwischen dem Anfang und dem Ende ist die Zwischenangst. So findet er in jenem Moment seines Spazierganges zwei widersprüchliche Gefühle in sich, das eine mal das Verlangen seine Gedanken aufzuschreiben und um dieses Verlangen zu verwirklichen, das Bedürfnis, schneller zu gehen und das Andere mal das Gefühl der Angst, etwas neues zu beginnen.

Urban fragt sich, welches Ereignis er als Ausgangspunkt für den Anfang seiner Beobachtung nehmen könnte? Da gäbe es eine Möglichkeit als Anhaltspunkt den Mopedfahrer zu wählen, der an ihm vorübergefahren war. Er hätte den Mopedfahrer nicht bewusst wahrgenommen, wenn nicht auf dem Gepäcksträger des einsitzigen Mopeds ein junges Mädchen gesessen wäre, was ja verboten ist. Verbote sind das erste was in sein Bewusstsein dringt. Dann hatte er den Futterplatz für die Wildfütterung gesehen, obwohl er schon einmal an dieser Stelle vorübergegangen war, ohne jedoch den Futterplatz gesehen zu haben. Dieses eine mal hatte er vom Futterplatz keine Kenntnis genommen, da er den Futterplatz nicht zur Kenntnis nehmen wollte. Jetzt ist Urban daran, Beobachtungen zu sammeln, die er als Stufen für seine Erinnerungen benützen kann. Urban sieht während der Niederschrift seiner Erinnerungen aus dem Zimmerfenster und bemerkt im Fenster des gegenüberliegenden Gebäudes zwei Autos, die vor seinem Fenster parkten. Eines der Autos erkennt er im gegenüberliegendem Fenster als ein neues Auto. Das Auto, welches die Besucher des Wohnungsnachbarn ansonsten immer benützt hatten, ist ein grünes Auto, heute ist es orange. Das es ein neues Auto ist kann er aus den vielen um das orange Auto herumstehenden Leuten, die sich im Fenster spiegeln, schließen. Nur ein neues Auto erfährt soviel Bewunderung. Urbans Schlussfolgerungen stützen sich auf die Erinnerungen seiner Erfahrungen. Durch die dicke Steinmauer und die doppelten Fenstern vernimmt er in seinem Zimmer die Geräusche eines wegfahrenden Autos. Er glaubt deshalb die Geräusche eines wegfahrenden Autos zu hören, weil er im Fenster des gegenüberliegenden Gebäudes beobachten kann, wie die Besucher mit dem orange Auto abreisen. Er ist der Meinung, dass die Geräusche die Geräusche eines wegfahrenden Autos gewesen sind.

BRAND:herd

Freitag, 30. Oktober 2009

Ich spaziere über den Kogel und sehe überall kleine Flammen, die sich von einem Grasbüschel zum Nächsten ausbreiten. Rauchschwaden liegen über dem Gestrüpp, verkohlte Gräser und Farne. Die Flammen nähern sich der Bergsiedlung, den ersten   Häusern. Ich laufe in die nahe Fabrik um  die Feuerwehr zu alarmieren. In der  Werkstätte darf ich das Telefon nicht benützen. Der Meister versucht es selbst, es funktioniert nicht. Die Rauchschwaden ziehen an der Werkstatt vorbei, einmal stärker, einmal schwächer. Im nächsten Gebäude auf dem Fabrikgelände treffe ich Bekannte in ihrer Betriebswohnung. Man begrüßt mich und unterhält sich über belangloses. Immer mehr Bekannte treffen in der Wohnung ein. Der Feuerschein vom Wiesenbrand leuchtet in das Zimmer. Es klappt mit der Alarmierung der Feuerwehr. Wir gehen vor das Gebäude und sehen, wie entlang den Felswänden, ein Löschflugzeug auftaucht. Endlich kommt Hilfe. Das Löschflugzeug steuert nicht auf den Brandherd zu, es nimmt uns ins Visier. Es droht das Löschwasser über uns zu entleeren. Wir laufen auf die Werkstatt zu, das Löschflugzeug folgt uns. Wir versuchen zurück in das Haus zu flüchten, das Flugzeug macht eine Wendung und steht wieder über uns. Bereit uns mit dem Wasser zu  überschütten.

Tagwache.

EBER:eschen

Dienstag, 26. August 2008

Dieses Jahr kann man beobachten, dass durch die langen Schönwetterperioden und die hohen Temperaturen das Obst um etwa vierzehn Tage früher reif ist als sonst. In der Schütt haben sich die Früchte der Ebereschen schon Ende Juli rot verfärbt, in anderen Jahren verfärbten sie sich Ende August. Dieses Jahr ist es um einen Monat früher. Dies gilt als erstes Zeichen für den nahenden Herbst. Es herbstet, ist ein oft gehörter Ausdruck, wenn eine Gewitterfront im Spätsommer die Blätter von den Bäumen weht und sie sich am Boden verfärben. Nicht jedes Jahr in der Natur verläuft gleich, dies gilt auch für die Lebensjahre. Es ist möglich, dass durch Hitzeperioden der Körper austrocknet, dass mehr Energie verbrannt wird als in anderen Jahren. Da kann es im Leben früher zu herbsten beginnen als in anderen Jahren.

 

Herbstbeginn.

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