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	<title>Schlagloch &#187; Weinitzen</title>
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		<title>urban:VIII</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Nov 2010 06:28:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schlagloch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er hatte bestimmt auch heute nach dem Wachwerden auf die Stra&#223;e gehorcht, um zu h&#246;ren, welcher Tag heute war, ein Wochentag, ein Samstag oder ein Sonntag? Urban braucht dazu keinen Kalender, er horcht auf die Ger&#228;usche der vorbei-fahrenden Autos. An Wochentagen ist in der Fr&#252;h sehr starker Berufsverkehr. An Samstagen sind es bedeutend weniger Autos, an Sonntagen ist es in der Fr&#252;h auf der am Haus vorbeif&#252;hrenden Stra&#223;e fast autoleer. Urban orientiert sich an seinem Autoverkehrskalender, womit sich gut Wochentage, Samstage und Sonntage von-einander unterscheiden lassen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Er hatte auch heute nach dem Wachwerden auf die Stra&#223;e gehorcht, um zu h&#246;ren, welcher Tag ist, ein Wochentag, ein Samstag oder ein Sonntag? Urban braucht dazu keinen Kalender, er horcht auf die Ger&#228;usche der vorbeifahrenden Autos. An Wochentagen ist in der Fr&#252;h  starker Berufsverkehr, an Samstagen sind es bedeutend weniger, an Sonntagen ist es in der Fr&#252;h auf der am Haus vorbeif&#252;hrenden Stra&#223;e fast autoleer. Urban orientiert sich an seinem Autoverkehrskalender, womit sich gut Wochentage, Samstage und Sonntage unterscheiden lassen. In seinen R&#252;ckblicken st&#246;&#223;t Urban auf eine Begebenheit, die verursacht hatte, dass beim zweiten Spaziergang die Erfahrungen des ersten Spazierganges ihn zu einer Folgereaktion veranlassten. Beim ersten Spaziergang hatte er sich vor einem St&#252;ck Schlauch,  welches am Schotterweg lag, gef&#252;rchtet. Er hatte sp&#228;ter gesehen, dass dies ein Schlauch war und keine Schlange, aber einer Schlange sehr &#228;hnlich war. Seine Furcht war Schlangenbezogen. Beim zweiten Spaziergang war Urban auf den Schlauch, vor dem er noch immer eine schlangenbezogene Angst versp&#252;rt hatte getreten, um dar&#252;ber hinwegzukommen. Es war in ihm eine vom Gef&#252;hl her berechtigte Angst, die aber gegen sein Wissen stand.</p>
<p style="text-align: left;">Er vermutet jetzt, dass er nach &#220;berwindung der Gef&#252;hlsangst den Wind gesp&#252;rt hat, der w&#228;hrend der  Zeit des Gehens vorhanden gewesen sein wird, weil in der Sch&#252;tt immer der Wind weht. Dies war einer der Gr&#252;nde, weshalb er hier spazieren ging. Anstatt der Zuneigung f&#252;r den Wind, begann er den Wind abzulehnen. Zuerst die Vorliebe und jetzt der Hass. Ihm war  zu viel, dass der Wind andauernd wehte, er w&#252;nschte sich ihn nur zeitweise.  Er sieht in der Zuneigung die Abh&#228;ngigkeit, Hass ist Zuneigung.</p>
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		<title>urban:VI</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Sep 2010 06:23:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schlagloch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Gef&#252;hl, an welches sich Urban erinnerte, als er am n&#228;chsten Tag wieder den Staudamm entlang ging, war angenehm. In dieses angenehme Gef&#252;hl fiel ein Schuss von der gegen&#252;berliegenden Bergseite. Er konnte r&#228;umlich nicht an den Ausl&#246;ser des Schusses herankommen. Urban lie&#223; seine Vorstellung von einem J&#228;ger in sich breit werden. In einer auf Holzpfosten errichteten Bretterh&#252;tte d&#228;mmerte ein unausgeschlafener J&#228;ger dem Mittag entgegen. Er hatte die B&#252;chse auf seinen F&#252;&#223;en liegen. Unaufmerksam beobachtete er das Bild des Waldes, wie es ihm seine Augen vermittelten. So gesehen war aus der Sicht eines J&#228;gers nichts bemerkenswertes zu beobachten. Seine Anwesenheit wurde durch nichts gerechtfertigt. Ungewollt l&#246;ste sich ein Schuss aus seinem Gewehr. Der J&#228;ger versp&#252;rte in sich Genugtuung, da durch den Schuss seine Anwesenheit gerechtfertigt wurde. 

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Vor Urban liegt auf dem Tisch das Formular einer Beh&#246;rde. Urban hat das Formular mit seinem Namen versehen. Der Name umfasst seine Person. F&#252;r die Beh&#246;rde ist Urban ein Name, der sich in Buchstaben ausdr&#252;cken l&#228;sst. Urban f&#252;hlt sich als eine aneinandergereihte Anzahl verschiedener Buchstaben. Er k&#246;nnte den Idealzustand seiner Gef&#252;hle in der Aneinanderreihung von Buchstaben sehen. Urban ist bem&#252;ht, bei Niederschrift seiner Wahrnehmungen vom Spaziergang die Wahrnehmungen des ersten Spazierganges vom ersten Mai und die Wahrnehmungen des Spazierganges vom darauffolgenden Tag zu trennen. Der Spaziergang des darauffolgenden Tages f&#252;hrte denselben Weg entlang. Nachdem er die tiefere Schicht seiner Erinnerungen freigelegt hat, wendet er sich den dar&#252;ber geschichteten Erinnerungen zu. &#196;hnlich wie bei Bildern nur alle Farbschichten gemeinsam ein Bild ergeben, sind es in seinem Fall beide Erinnerungen, zusammengefasst zu einer Erinnerung. </p>
<p style="text-align: left;">Das Gef&#252;hl, an welches sich Urban erinnerte, als er am n&#228;chsten Tag wieder den Staudamm entlang ging, war angenehm. In dieses angenehme Gef&#252;hl fiel ein Schuss von der gegen&#252;berliegenden Bergseite. Er konnte r&#228;umlich nicht an den Ausl&#246;ser des Schusses herankommen. Urban lie&#223; seine Vorstellung von einem J&#228;ger in sich breit werden. In einer auf Holzpfosten errichteten Bretterh&#252;tte d&#228;mmerte ein unausgeschlafener J&#228;ger dem Mittag entgegen. Er hatte die B&#252;chse auf seinen F&#252;&#223;en liegen. Unaufmerksam beobachtete er das Bild des Waldes, wie es ihm seine Augen vermittelten. So gesehen war aus der Sicht eines J&#228;gers nichts bemerkenswertes zu beobachten. Seine Anwesenheit wurde durch nichts gerechtfertigt. Ungewollt l&#246;ste sich ein Schuss aus seinem Gewehr. Der J&#228;ger versp&#252;rte in sich Genugtuung, da durch den Schuss seine Anwesenheit gerechtfertigt wurde. </p>
<p style="text-align: left;">Eine weitere Wirklichkeit kam aus Urbans Geh&#246;r, ein Surren und Metallklirren. Diese beiden Ger&#228;usche wurden von Urban einem Radfahrer zugeordnet. Das Ger&#228;usch, welches von r&#252;ckw&#228;rts in sein Geh&#246;r und weiter in sein Bewusstsein drang, erlaubte es ihm noch nicht, den Radfahrer als Mann, Frau oder Kind zu bezeichnen. Diese Wahrnehmung von Einzelger&#228;uschen war vorherrschend. Urban vernimmt in der Erinnerung nicht die Summe von Vogelgesang, sondern die Stimme eines Vogels. Nach dem Metallklirren der Radfahrerin, die in der Senke verschwunden war, wurde Urban zum Beobachter eines Vorganges, der einen Teil seiner Person betraf, aber jetzt mit ihm nichts mehr zu tun hat. Verz&#252;ckt folgte Urban entlang des Staudammes einem metallischem Klicken und sah sich pl&#246;tzlich vor dem Kraftwerk stehen. Das Wasser wurde vom Kraftwerk hineingezogen und dabei ert&#246;nte in kurzen Abst&#228;nden das Klicken. Jetzt glaubt Urban, dass das metallische Klicken davon herr&#252;hrt, dass kleine Steine oder Gegenst&#228;nde, welche das Wasser mitf&#252;hrte , irgendwo an Metall schlugen. Urban konnte beobachten, wie dieses Ger&#228;usch auf ihn eine mit seinen Erfahrungswerten nicht mehr auszudr&#252;ckende Anziehungskraft aus&#252;bte. Als von der Flussseite Kinderstimmen h&#246;rbar wurden, war es ihm unm&#246;glich, sich selbst weiter zu beobachten. Durch die Kinderstimmen erlangte er den Zugang zur Realit&#228;t, die er zu &#252;berschreiten versucht hatte, und das metallische Klicken verlor seine Anziehungskraft. Urban ging den Staudamm entlang. </p>
<p style="text-align: left;">Beim Bet&#228;tigen des Gaspedals versp&#252;rte er den ganzen Motor, in empfindsamen Momenten das fahrende Auto als Ganzes, so wie ein Schmerz, hervorgerufen durch einen zu eng geschn&#252;rten Schuh, ihn zur Wahrnehmung seines Fu&#223;es f&#252;hrt. Sein Fu&#223; ist nur im Schmerz sp&#252;rbar.  </p>
<p style="text-align: left;">Das Ger&#228;usch kam den Staudamm entlang und brauste &#252;ber ihn hinweg. Aus seiner Erinnerung erkannte Urban das Ger&#228;usch als Bahnger&#228;usch. Urban hatte bei Beginn des Spazierganges daran gedacht, nach dem Spaziergang das Mittagessen einzunehmen. Sonntags gab es im Gasthaus, wo er seine Mahlzeit einnahm Wienerschnitzel. Der Sonntag wurde f&#252;r Urban zu einem guten oder schlechten Sonntag, je nach der Gr&#246;&#223;e des Wienerschnitzels. War es ein gro&#223;es Wienerschnitzel, so war es ein sch&#246;ner Sonntag, war das Wienerschnitzel weniger gro&#223;, so war es trotzdem noch ein Sonntag und kein gew&#246;hnlicher Wochentag. An einem Wochentag musste Urban arbeiten, es gab aber trotzdem kein Wienerschnitzel. Waren fr&#252;her der Kirchgang, nach dem Kirchgang der Gasthausbesuch, nach dem Gasthausbesuch das gute Mittagessen und nach dem guten Mittagessen der arbeitsfreie Nachmittag die Merkmale die einen Sonntag als Sonntag kennzeichneten, so war bei Vielen von all diesen Merkmalen nur mehr das gute Mittagessen geblieben. F&#252;r Urban zus&#228;tzlich entscheidend die Gr&#246;&#223;e  des Wienerschnitzel. So bedeutete ein gro&#223;es Wienerschnitzel einen zufriedenen Sonntag. Ein gro&#223;es Wienerschnitzel war die Garantie f&#252;r einen guten Sonntag.</p>
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		<title>urban:V</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Sep 2010 12:50:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schlagloch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine weitere Wirklichkeit kam aus Urbans Geh&#246;r, ein Surren und Metallklirren. Diese beiden Ger&#228;usche wurden von Urban einem Radfahrer zugeordnet. Das Ger&#228;usch, welches von r&#252;ckw&#228;rts in sein Geh&#246;r und weiter in sein Bewusstsein drang, erlaubte es ihm noch nicht, den Radfahrer als Mann, Frau oder Kind zu bezeichnen. Diese Wahrnehmung von Einzelger&#228;uschen war vorherrschend. Urban vernimmt in der Erinnerung nicht die Summe von Vogelgesang, sondern die Stimme eines Vogels.
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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Vor Urban liegt auf dem Tisch das Formular einer Beh&#246;rde. Urban hat das Formular mit seinem Namen versehen. Der Name umfasst seine Person. F&#252;r die Beh&#246;rde ist Urban ein Name, der sich in Buchstaben ausdr&#252;cken l&#228;sst. Urban f&#252;hlt sich als eine aneinandergereihte Anzahl verschiedener Buchstaben. Er k&#246;nnte den Idealzustand seiner Gef&#252;hle in der Aneinanderreihung von Buchstaben sehen. Urban ist bem&#252;ht, bei Niederschrift seiner Wahrnehmungen vom Spaziergang die Wahrnehmungen des ersten Spazierganges vom ersten Mai und die Wahrnehmungen des Spazierganges vom darauffolgenden Tag zu trennen. Der Spaziergang des darauffolgenden Tages f&#252;hrte denselben Weg entlang. Nachdem er die tiefere Schicht seiner Erinnerungen freigelegt hat, wendet er sich den dar&#252;ber geschichteten Erinnerungen zu. &#196;hnlich wie bei Bildern nur alle Farbschichten gemeinsam ein Bild ergeben, sind es in seinem Fall beide Erinnerungen, zusammengefasst zu einer Erinnerung. </p>
<p style="text-align: left;">Das Gef&#252;hl, an welches sich Urban erinnerte, als er am n&#228;chsten Tag wieder den Staudamm entlang ging, war angenehm. In dieses angenehme Gef&#252;hl fiel ein Schuss von der gegen&#252;berliegenden Bergseite. Er konnte r&#228;umlich nicht an den Ausl&#246;ser des Schusses herankommen. Urban lie&#223; seine Vorstellung von einem J&#228;ger in sich breit werden. In einer auf Holzpfosten errichteten Bretterh&#252;tte d&#228;mmerte ein unausgeschlafener J&#228;ger dem Mittag entgegen. Er hatte die B&#252;chse auf seinen F&#252;&#223;en liegen. Unaufmerksam beobachtete er das Bild des Waldes, wie es ihm seine Augen vermittelten. So gesehen war aus der Sicht eines J&#228;gers nichts bemerkenswertes zu beobachten. Seine Anwesenheit wurde durch nichts gerechtfertigt. Ungewollt l&#246;ste sich ein Schuss aus seinem Gewehr. Der J&#228;ger versp&#252;rte in sich Genugtuung, da durch den Schuss seine Anwesenheit gerechtfertigt wurde. </p>
<p style="text-align: left;">Eine weitere Wirklichkeit kam aus Urbans Geh&#246;r, ein Surren und Metallklirren. Diese beiden Ger&#228;usche wurden von Urban einem Radfahrer zugeordnet. Das Ger&#228;usch, welches von r&#252;ckw&#228;rts in sein Geh&#246;r und weiter in sein Bewusstsein drang, erlaubte es ihm noch nicht, den Radfahrer als Mann, Frau oder Kind zu bezeichnen. Diese Wahrnehmung von Einzelger&#228;uschen war vorherrschend. Urban vernimmt in der Erinnerung nicht die Summe von Vogelgesang, sondern die Stimme eines Vogels.</p>
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		<title>urban:IIII</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 05:05:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schlagloch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Weinitzen]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal nahm er Teile seines K&#246;rpers bewusst wahr. Am Morgen hatte er nach dem Z&#228;hneputzen sein Zahnfleisch kontrolliert, ob es fest geworden war. Seit einigen Monaten nahm er t&#228;glich einen L&#246;ffel Levolac zur Festigung seines Zahnfleisches. Er fragte sich, ob sein Zahnfleisch die H&#228;rte einer Betonmauer, die eines Baumes erreichen k&#246;nne oder ob dieser Vorgang mit einem Zahnfleischfest enden werde: ein Fest wie es der erste Mai gewesen ist, an dem er diesen Spaziergang gemacht hatte. Der erste Mai, da m&#252;ssten doch die H&#228;user beflaggt gewesen sein. Er f&#228;hrt in Gedanken den weg zur&#252;ck. Beim gedanklichen Vor&#252;berfahren an den H&#228;usern, die l&#228;ngs des Weges in die Sch&#252;tt standen, ist es ihm unm&#246;glich, eines der H&#228;user als beflaggt zu erkennen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Er war  den Staudamm entlang gegangen, kann sich nicht erinnern, dass er das Rauschen des flie&#223;enden Wassers geh&#246;rt h&#228;tte.  Das Rauschen des Windes ist in seinen Erinnerungen vorhanden. Der Wind ist sehr kr&#228;ftig gewesen. Auch an anderen Tagen war der Wind sehr kr&#228;ftig, und Urban hatte das Rauschen des Wassers geh&#246;rt. Jedes mal, wenn er stehen geblieben war, hat er auf das ruhig dahinflie&#223;ende Wasser geblickt. Urban beginnt seine Bewusstseinsbilder  zu analysieren. Es war ein optisch ruhig flie&#223;endes Wasser, dass ist es also, er hatte nur dann die Ger&#228;usche des flie&#223;enden Wassers geh&#246;rt, wenn, wie bei seinen fr&#252;heren Spazierg&#228;ngen war,  sich im flie&#223;enden Wasser Wirbel und Strudel gebildet hatten. Das Bild des optisch ruhig flie&#223;enden Wassers hatte in seinem Geh&#246;r keine Ger&#228;usche ausgel&#246;st. Beim Einsteigen in das Auto hatte er sich gefragt, woher er kommt: aus sich selbst, oder ist er das Produkt seiner Umwelt? </p>
<p style="text-align: left;">Manchmal nahm er Teile seines K&#246;rpers bewusst wahr. Am Morgen hatte er nach dem Z&#228;hneputzen sein Zahnfleisch kontrolliert, ob es fest geworden war. Seit einigen Monaten nahm er t&#228;glich einen L&#246;ffel Levolac zur Festigung seines Zahnfleisches. Er fragte sich, ob sein Zahnfleisch die H&#228;rte einer Betonmauer, die eines Baumes erreichen k&#246;nne oder ob dieser Vorgang mit einem Zahnfleischfest enden werde: ein Fest wie es der erste Mai gewesen ist, an dem er diesen Spaziergang gemacht hatte. Der erste Mai, da m&#252;ssten doch die H&#228;user beflaggt gewesen sein. Er f&#228;hrt in Gedanken den weg zur&#252;ck. Beim gedanklichen Vor&#252;berfahren an den H&#228;usern, die l&#228;ngs des Weges in die Sch&#252;tt standen, ist es ihm unm&#246;glich, eines der H&#228;user als beflaggt zu erkennen. In Gedanken f&#228;hrt urban in das Waldst&#252;ck, da erinnert er sich an die rot-wei&#223;-rote Fahne an dem Kraftwerk. Obwohl Urban den Zeitpunkt, an dem er heute morgen wach wurde, nicht genau wei&#223;, kann er diesen Zeitpunkt als sicher annehmen, er kann ihn sogar zeitlich einreihen, es muss vor dem Z&#228;hneputzen gewesen sein. Urban w&#252;sste gerne, &#252;ber welche frage er w&#228;hrend der vergangenen Nacht beim Schlafen nachdachte. Denken ist f&#252;r ihn nicht nur w&#228;hrend des Wachzustand m&#246;glich. Wenn Denken w&#228;hrend des Schlafens m&#246;glich war, so hatte er bestimmt auch Bilder gesehen. Er m&#246;chte seine Traumbilder n&#228;her beschreiben k&#246;nnen.</p>
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		<title>urban:III</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Aug 2010 08:21:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schlagloch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Weinitzen]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine f&#252;r ihn neue Variante seiner Wahrnehmung beim Spaziergang war der Hase. Auf dem etwas erh&#246;htem, asphaltierten Weg entlang des Staudammes sah er w&#228;hrend des Gehen einen Hasen. Es war f&#252;r ihn unm&#246;glich daran zu glauben, dass es ein lebender Hase war, weil er von den Erz&#228;hlungen der Spazierg&#228;nger wusste, dass durch den Bau einer Pipeline  und den Bau einer Autobahn der gesamte Hasenbestand aus diesem Gebiet vertrieben worden war. Dieses Vorwissen veranlasste Urban, seinen  Erinnerungen an den Hasen zu misstrauen. Nach dem friedlichen, aber unwahren Bild des Hasen taucht aus dem Bewusstsein der Erinnerungen ein grelles Bild auf, die Schreie des jungen M&#228;dchens auf dem Gep&#228;ckstr&#228;ger des einsitzigen Mopeds. Waren es die Schreie der in einem Nachbarort von ihrem Vater gesch&#228;ndeten M&#228;dchen, die durch dieses M&#228;dchen in die &#214;ffentlichkeit gelangten? Woran erkennt man gesch&#228;ndete M&#228;dchen? War das Sitzen auf dem Gep&#228;ckstr&#228;ger eines einsitzigen Mopeds ein Zeichen von Schande? Die Schreie bringt Urban in Zusammenhang mit den Schlagl&#246;chern in der Schotterstrasse, welche in den letzten Tage vom Regen ausgewaschen worden waren.

 In Urban sind pl&#246;tzlich Gedanken an das Bundesheer, Erinnerungen an gr&#246;&#223;ere M&#228;rsche. Diesen Vergleich findet er absonderlich.  Ein Marsch beim Bundesheer hat keine &#196;hnlichkeit mit einem Spaziergang. Urban bricht diese Erinnerungen ab. Dies ist ein Aufstand  seiner eigenen Gedanken, der sich gegen ihn richtet.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Urban muss seine Schlussfolgerungen unterbrechen, ihn ihm entsteht das Bed&#252;rfnis, die Tageszeitung anzusehen.  Da ist wieder die Angst, durch diese Ablenkung seine Erinnerungen zu verlieren, deshalb bl&#228;ttert er nicht in der Tageszeitung und sieht nicht zum Fenster hinaus. Er richtet seinen blick nach Innen. Den Blick seiner Augen l&#228;sst er in das Zimmer zur&#252;ckgleiten, dabei verf&#228;ngt er sich auf dem Bildschirm seines Fernsehapparates. Darin sieht er sich jetzt selbst. Urban betrachtet dies als eine M&#246;glichkeit, sich n&#228;her zu kommen. Auf dem Bildschirm, wo er ansonsten andere, ihm fremde Dinge miterleben konnte, kann er sich selbst beobachten und stellt fest, dass er sich fremd ist, wie ihm auch anderes  im Fernsehen fremd war. Obwohl Urban diesen Gedanken verdr&#228;ngen m&#246;chte, denkt er daran, in Zukunft anstatt den Fernseher einzuschalten und das Fernsehprogramm anzusehen, sich selbst im Bildschirm beobachten zu k&#246;nnen. Vielleicht l&#228;ge f&#252;r ihn darin eine M&#246;glichkeit, seiner Person n&#228;her zukommen. </p>
<p style="text-align: left;">Eine f&#252;r ihn neue Variante seiner Wahrnehmung beim Spaziergang war der Hase. Auf dem etwas erh&#246;htem, asphaltierten Weg entlang des Staudammes sah er w&#228;hrend des Gehen einen Hasen. Es war f&#252;r ihn unm&#246;glich daran zu glauben, dass es ein lebender Hase war, weil er von den Erz&#228;hlungen der Spazierg&#228;nger wusste, dass durch den Bau einer Pipeline  und den Bau einer Autobahn der gesamte Hasenbestand aus diesem Gebiet vertrieben worden war. Dieses Vorwissen veranlasste Urban, seinen  Erinnerungen an den Hasen zu misstrauen. Nach dem friedlichen, aber unwahren Bild des Hasen taucht aus dem Bewusstsein der Erinnerungen ein grelles Bild auf, die Schreie des jungen M&#228;dchens auf dem Gep&#228;ckstr&#228;ger des einsitzigen Mopeds. Waren es die Schreie der in einem Nachbarort von ihrem Vater gesch&#228;ndeten M&#228;dchen, die durch dieses M&#228;dchen in die &#214;ffentlichkeit gelangten? Woran erkennt man gesch&#228;ndete M&#228;dchen? War das Sitzen auf dem Gep&#228;ckstr&#228;ger eines einsitzigen Mopeds ein Zeichen von Schande? Die Schreie bringt Urban in Zusammenhang mit den Schlagl&#246;chern in der Schotterstrasse, welche in den letzten Tage vom Regen ausgewaschen worden waren.</p>
<p style="text-align: left;"> In Urban sind pl&#246;tzlich Gedanken an das Bundesheer, Erinnerungen an gr&#246;&#223;ere M&#228;rsche. Diesen Vergleich findet er absonderlich.  Ein Marsch beim Bundesheer hat keine &#196;hnlichkeit mit einem Spaziergang. Urban bricht diese Erinnerungen ab. Dies ist ein Aufstand  seiner eigenen Gedanken, der sich gegen ihn richtet.</p>
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		<title>urban:II</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 06:29:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schlagloch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Weinitzen]]></category>

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		<description><![CDATA[Um zu dem Gegenstand vorzusto&#223;en und den Gegenstand mit einem Namen zu benennen, l&#228;sst Urban im Geiste Gegenst&#228;nde vor seinen Augen vorbeiziehen, zu denen rot passen w&#252;rde und die andererseits mit gro&#223;er Wahrscheinlichkeit in der Sch&#252;tt vorkommen k&#246;nnten. Ein roter Ball, ein rotes Papier, ein roter Hut, ein rotes Kleid, ein rotes Auto ? Urban ist jetzt &#252;berzeugt, dass es ein rotes Auto gewesen ist. Wenn er diesen roten Fleck gesehen hat, so ist dies ein rotes Auto gewesen. Dieses Erholungsgebiet ist daf&#252;r bekannt, dass am Sonntag viele Familien mit dem Auto dort hinfahren und einen l&#228;ngeren Spaziergang unternehmen. Dies w&#228;re eine ordentliche und b&#252;rgerliche Erkl&#228;rung f&#252;r den roten Fleck.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Urban sieht, dass die gegen&#252;berliegende Fensterscheibe leer ist, so wird auch der Platz vor seinem Fenster leer sein. Er ist weiter auf der Suche nach fr&#252;hen Anhaltspunkten f&#252;r das bewusste Einsetzen seiner Beobachtungen w&#228;hrend des Spazierganges. Ihm wurde beim Anhalten mit dem Auto in der Sch&#252;tt bewusst, dass er mit dem Auto gefahren war. Beim Wegfahren hatte er im R&#252;ckspiegel seines Autos den alten Mann das Holz zerkleinern gesehen. Urban fragt sich, ob diese Begebenheiten Erinnerungen an seinen Spaziergang sind oder neue Wahrnehmungen, die er bei Beginn des Spazierganges nicht wahrgenommen hat, die ihm aber jetzt bewusst werden, da er zur&#252;ckdenkt. Von jetzt an verzichtet er, seine Gedanken als Erinnerungen zu betrachten. Ohne, dass er beim Spaziergang etwas gemerkt h&#228;tte, ist er jetzt davon &#252;berzeugt, dass er im Mischwald einen roten Fleck gesehen hat, ein Teil eines ihm jetzt noch unbekannten Gegenstandes.</p>
<p style="text-align: left;">Um zu dem Gegenstand vorzusto&#223;en und den Gegenstand mit einem Namen zu benennen, l&#228;sst Urban im Geiste Gegenst&#228;nde vor seinen Augen vorbeiziehen, zu denen rot passen w&#252;rde und die andererseits mit gro&#223;er Wahrscheinlichkeit in der Sch&#252;tt vorkommen k&#246;nnten. Ein roter Ball, ein rotes Papier, ein roter Hut, ein rotes Kleid, ein rotes Auto ? Urban ist jetzt &#252;berzeugt, dass es ein rotes Auto gewesen ist. Wenn er diesen roten Fleck gesehen hat, so ist dies ein rotes Auto gewesen. Dieses Erholungsgebiet ist daf&#252;r bekannt, dass am Sonntag viele Familien mit dem Auto dort hinfahren und einen l&#228;ngeren Spaziergang unternehmen. Dies w&#228;re eine ordentliche und b&#252;rgerliche Erkl&#228;rung f&#252;r den roten Fleck. Urban geht es aber darum, nachdem er das Rot als Auto definiert hat, weitere Schlussfolgerungen, die sich aus rot und Auto in ihm aufdr&#228;ngen, zu fassen. Rot und Auto f&#252;hren Urban zum f&#252;r ihn n&#228;chstliegenden Reizwort, Liebe. Liebe identifiziert er mit rot, aber Liebe ist f&#252;r sich allein isoliert, so nimmt er als Folge von Rot, Auto, von Rot und Auto , Liebe. Von Rot, Auto und Liebe als Bezugsperson M&#228;dchen. Aus diesem wahrscheinlich nur gedachten Fleck hat sich f&#252;r Urban eine ganz konkrete Situation entwickelt, Auto, Liebe und M&#228;dchen.</p>
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		<title>urban:I &#8211; X</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 03:13:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schlagloch</dc:creator>
				<category><![CDATA[KURZ.SCHRIFT]]></category>
		<category><![CDATA[Weinitzen]]></category>

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		<description><![CDATA[Urban versucht in seiner Erinnerung jenen Moment w&#228;hrend des Spazierganges zu ermitteln, in dem er das Bed&#252;rfnis versp&#252;rt hatte, seine Beobachtungen in seinem Ged&#228;chtnis festzuhalten, um sie nach Beendigung des Spazierganges niederzuschreiben. Das Bed&#252;rfnis seine Beobachtungen festzuhalten hatte er in jenem Moment, als er daran dachte, schneller zu gehen. Obwohl er sich zu jenem Zeitpunkt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Urban versucht in seiner Erinnerung jenen Moment w&#228;hrend des Spazierganges zu ermitteln, in dem er das Bed&#252;rfnis versp&#252;rt hatte, seine Beobachtungen in seinem Ged&#228;chtnis festzuhalten, um sie nach Beendigung des Spazierganges niederzuschreiben. Das Bed&#252;rfnis seine Beobachtungen festzuhalten hatte er in jenem Moment, als er daran dachte, schneller zu gehen. Obwohl er sich zu jenem Zeitpunkt vorgenommen hatte schneller zu gehen, ging er langsam weiter. War dies  die Folge der nat&#252;rlichen Angst, etwas neues zu beginnen?</p>
<p style="text-align: left;"> Zuerst ist die Angst, die Angst, irgendetwas zu vers&#228;umen, etwas zu verlieren, die Angst, irgendetwas nicht zu wissen. Ein Spaziergang ist die Angst, die Angst bei Beginn eines Spazierganges, die Angst vor dem Ende eines Spazierganges. Zwischen dem Anfang und dem Ende ist die Zwischenangst.</p>
<p style="text-align: left;">So findet  er in jenem Moment seines Spazierganges zwei widerspr&#252;chliche Gef&#252;hle in sich, das eine mal das Verlangen seine Gedanken aufzuschreiben und um dieses Verlangen zu verwirklichen, das Bed&#252;rfnis, schneller zu gehen und das Andere mal das Gef&#252;hl der Angst, etwas neues zu beginnen. Urban fragt sich, welches Ereignis er als Ausgangspunkt f&#252;r den Anfang seiner  Beobachtung nehmen k&#246;nnte?  Da g&#228;be es eine M&#246;glichkeit als Anhaltspunkt den Mopedfahrer zu w&#228;hlen, der an ihm vor&#252;bergefahren war. Er h&#228;tte den Mopedfahrer nicht bewusst wahrgenommen, wenn nicht auf dem Gep&#228;ckstr&#228;ger des einsitzigen Mopeds ein junges M&#228;dchen gesessen w&#228;re, was ja verboten ist. Verbote sind das erste was in sein Bewusstsein dringt. Dann hatte er den Futterplatz f&#252;r die Wildf&#252;tterung gesehen, obwohl er schon einmal an dieser Stelle vor&#252;bergegangen war, ohne jedoch den  Futterplatz  gesehen zu haben. Dieses eine mal  hatte er vom Futterplatz keine Kenntnis genommen, da er den Futterplatz nicht zur Kenntnis nehmen wollte. </p>
<p style="text-align: left;">Jetzt ist Urban daran, Beobachtungen zu sammeln, die er als Stufen f&#252;r seine Erinnerungen ben&#252;tzen kann. Urban sieht w&#228;hrend der Niederschrift seiner Erinnerungen aus dem Zimmerfenster und  bemerkt im Fenster des gegen&#252;berliegenden Geb&#228;udes zwei Autos, die vor seinem Fenster parkten. Eines der Autos erkennt er im gegen&#252;berliegendem Fenster als ein neues Auto. Das Auto, welches die Besucher des Wohnungsnachbarn ansonsten immer ben&#252;tzt hatten, ist ein gr&#252;nes Auto, heute ist es orange. Das es ein neues Auto ist kann  er aus den vielen um das orange Auto herumstehenden  Leuten, die sich im Fenster spiegeln, schlie&#223;en. Nur ein neues Auto erf&#228;hrt soviel  Bewunderung. Urbans Schlussfolgerungen st&#252;tzen sich auf die Erinnerungen seiner Erfahrungen. Durch die dicke Steinmauer und die doppelten Fenstern vernimmt er in seinem Zimmer die Ger&#228;usche eines wegfahrenden Autos. Er glaubt deshalb die Ger&#228;usche eines wegfahrenden Autos zu h&#246;ren, weil er im Fenster des gegen&#252;berliegenden Geb&#228;udes beobachten kann, wie die Besucher mit dem orange Auto abreisen. Er ist der Meinung, dass die Ger&#228;usche die Ger&#228;usche eines wegfahrenden Autos gewesen sind. Urban sieht, dass die gegen&#252;berliegende Fensterscheibe leer ist, so wird auch der Platz vor seinem Fenster leer sein. Er ist weiter auf der Suche nach fr&#252;hen Anhaltspunkten f&#252;r das bewusste Einsetzen seiner Beobachtungen w&#228;hrend des Spazierganges. Ihm wurde beim Anhalten mit dem Auto in der Sch&#252;tt bewusst, dass er mit dem Auto gefahren war. Beim Wegfahren hatte er im R&#252;ckspiegel seines Autos den alten Mann das Holz zerkleinern gesehen. Urban fragt sich, ob diese Begebenheiten Erinnerungen an seinen Spaziergang sind oder neue  Wahrnehmungen, die er bei  Beginn des  Spazierganges nicht wahrgenommen hat, die ihm aber jetzt bewusst werden, da er zur&#252;ckdenkt. Von jetzt an verzichtet er, seine Gedanken als Erinnerungen zu betrachten. Ohne, dass er beim Spaziergang etwas gemerkt h&#228;tte, ist er jetzt davon &#252;berzeugt, dass er im Mischwald einen roten Fleck gesehen hat, ein Teil eines ihm jetzt noch unbekannten Gegenstandes. Um zu dem Gegenstand vorzusto&#223;en und den Gegenstand mit einem Namen zu benennen, l&#228;sst Urban im Geiste Gegenst&#228;nde vor seinen Augen vorbeiziehen, zu denen rot passen w&#252;rde und die andererseits mit gro&#223;er Wahrscheinlichkeit in der Sch&#252;tt vorkommen k&#246;nnten. Ein roter Ball, ein rotes Papier, ein roter Hut, ein rotes Kleid, ein rotes Auto ? Urban ist jetzt &#252;berzeugt, dass es ein rotes Auto gewesen ist. Wenn er diesen roten Fleck gesehen hat, so ist dies ein rotes Auto gewesen. Dieses Erholungsgebiet ist daf&#252;r bekannt, dass am Sonntag viele Familien mit dem Auto dort hinfahren und  einen l&#228;ngeren Spaziergang unternehmen. Dies w&#228;re eine ordentliche und b&#252;rgerliche Erkl&#228;rung f&#252;r den roten Fleck. Urban geht es aber darum, nachdem er das Rot als Auto definiert hat, weitere Schlussfolgerungen, die sich aus rot und Auto in ihm aufdr&#228;ngen, zu fassen. Rot und Auto f&#252;hren Urban zum f&#252;r ihn n&#228;chstliegenden Reizwort, Liebe. Liebe identifiziert er mit rot, aber Liebe ist f&#252;r sich allein isoliert, so nimmt er als Folge von Rot,  Auto, von Rot und Auto , Liebe. Von Rot, Auto und Liebe als Bezugsperson M&#228;dchen. Aus diesem wahrscheinlich nur gedachten Fleck hat sich f&#252;r Urban eine ganz konkrete Situation entwickelt, Auto, Liebe und M&#228;dchen. </p>
<p style="text-align: left;"> Urban muss seine Schlussfolgerungen unterbrechen, ihn ihm entsteht das Bed&#252;rfnis, die Tageszeitung anzusehen.  Da ist wieder die Angst, durch diese Ablenkung seine Erinnerungen zu verlieren, deshalb bl&#228;ttert er nicht in der Tageszeitung und sieht nicht zum Fenster hinaus. Er richtet seinen blick nach Innen. Den Blick seiner Augen l&#228;sst er in das Zimmer zur&#252;ckgleiten, dabei verf&#228;ngt er sich auf dem Bildschirm seines Fernsehapparates. Darin sieht er sich jetzt selbst. Urban betrachtet dies als eine M&#246;glichkeit, sich n&#228;her zu kommen. Auf dem Bildschirm, wo er ansonsten andere, ihm fremde Dinge miterleben konnte, kann er sich selbst beobachten und stellt fest, dass er sich fremd ist, wie ihm auch anderes  im Fernsehen fremd war. Obwohl Urban diesen Gedanken verdr&#228;ngen m&#246;chte, denkt er daran, in Zukunft anstatt den Fernseher einzuschalten und das Fernsehprogramm anzusehen, sich selbst im Bildschirm beobachten zu k&#246;nnen. Vielleicht l&#228;ge f&#252;r ihn darin eine M&#246;glichkeit, seiner Person n&#228;her zukommen. </p>
<p style="text-align: left;">Eine f&#252;r ihn neue Variante seiner Wahrnehmung beim Spaziergang war der Hase. Auf dem etwas erh&#246;htem, asphaltierten Weg entlang des Staudammes sah er w&#228;hrend des Gehen einen Hasen. Es war f&#252;r ihn unm&#246;glich daran zu glauben, dass es ein lebender Hase war, weil er von den Erz&#228;hlungen der Spazierg&#228;nger wusste, dass durch den Bau einer Pipeline  und den Bau einer Autobahn der gesamte Hasenbestand aus diesem Gebiet vertrieben worden war. Dieses Vorwissen veranlasste Urban, seinen  Erinnerungen an den Hasen zu misstrauen. Nach dem friedlichen, aber unwahren Bild des Hasen taucht aus dem Bewusstsein der Erinnerungen ein grelles Bild auf, die Schreie des jungen M&#228;dchens auf dem Gep&#228;ckstr&#228;ger des einsitzigen Mopeds. Waren es die Schreie der in einem Nachbarort von ihrem Vater gesch&#228;ndeten M&#228;dchen, die durch dieses M&#228;dchen in die &#214;ffentlichkeit gelangten? Woran erkennt man gesch&#228;ndete M&#228;dchen? War das Sitzen auf dem Gep&#228;ckstr&#228;ger eines einsitzigen Mopeds ein Zeichen von Schande? Die Schreie bringt Urban in Zusammenhang mit den Schlagl&#246;chern in der Schotterstrasse, welche in den letzten Tage vom Regen ausgewaschen worden waren.</p>
<p style="text-align: left;"> In Urban sind pl&#246;tzlich Gedanken an das Bundesheer, Erinnerungen an gr&#246;&#223;ere M&#228;rsche. Diesen Vergleich findet er absonderlich.  Ein Marsch beim Bundesheer hat keine &#196;hnlichkeit mit einem Spaziergang. Urban bricht diese Erinnerungen ab. Dies ist ein Aufstand  seiner eigenen Gedanken, der sich gegen ihn richtet.  Er war  den Staudamm entlang gegangen, kann sich nicht erinnern, dass er das Rauschen des flie&#223;enden Wassers geh&#246;rt h&#228;tte.  Das Rauschen des Windes ist in seinen Erinnerungen vorhanden. Der Wind ist sehr kr&#228;ftig gewesen. Auch an anderen Tagen war der Wind sehr kr&#228;ftig, und Urban hatte das Rauschen des Wassers geh&#246;rt. Jedes mal, wenn er stehen geblieben war, hat er auf das ruhig dahinflie&#223;ende Wasser geblickt. Urban beginnt seine Bewusstseinsbilder  zu analysieren. Es war ein optisch ruhig flie&#223;endes Wasser, dass ist es also, er hatte nur dann die Ger&#228;usche des flie&#223;enden Wassers geh&#246;rt, wenn, wie bei seinen fr&#252;heren Spazierg&#228;ngen war,  sich im flie&#223;enden Wasser Wirbel und Strudel gebildet hatten. Das Bild des optisch ruhig flie&#223;enden Wassers hatte in seinem Geh&#246;r keine Ger&#228;usche ausgel&#246;st. Beim Einsteigen in das Auto hatte er sich gefragt, woher er kommt: aus sich selbst, oder ist er das Produkt seiner Umwelt? </p>
<p style="text-align: left;">Manchmal nahm er Teile seines K&#246;rpers bewusst wahr. Am Morgen hatte er nach dem Z&#228;hneputzen sein Zahnfleisch kontrolliert, ob es fest geworden war. Seit einigen Monaten nahm er t&#228;glich einen L&#246;ffel Levolac zur Festigung seines Zahnfleisches. Er fragte sich, ob sein Zahnfleisch die H&#228;rte einer Betonmauer, die eines Baumes erreichen k&#246;nne oder ob dieser Vorgang mit einem Zahnfleischfest enden werde: ein Fest wie es der erste Mai gewesen ist, an dem er diesen Spaziergang gemacht hatte. Der erste Mai, da m&#252;ssten doch die H&#228;user beflaggt gewesen sein. Er f&#228;hrt in Gedanken den weg zur&#252;ck. Beim gedanklichen Vor&#252;berfahren an den H&#228;usern, die l&#228;ngs des Weges in die Sch&#252;tt standen, ist es ihm unm&#246;glich, eines der H&#228;user als beflaggt zu erkennen. In Gedanken f&#228;hrt urban in das Waldst&#252;ck, da erinnert er sich an die rot-wei&#223;-rote Fahne an dem Kraftwerk. Obwohl Urban den Zeitpunkt, an dem er heute morgen wach wurde, nicht genau wei&#223;, kann er diesen Zeitpunkt als sicher annehmen, er kann ihn sogar zeitlich einreihen, es muss vor dem Z&#228;hneputzen gewesen sein. Urban w&#252;sste gerne, &#252;ber welche frage er w&#228;hrend der vergangenen Nacht beim Schlafen nachdachte. Denken ist f&#252;r ihn nicht nur w&#228;hrend des Wachzustand m&#246;glich. Wenn Denken w&#228;hrend des Schlafens m&#246;glich war, so hatte er bestimmt auch Bilder gesehen. Er m&#246;chte seine Traumbilder n&#228;her beschreiben k&#246;nnen. </p>
<p style="text-align: left;">Vor Urban liegt auf dem Tisch das Formular einer Beh&#246;rde. Urban hat das Formular mit seinem Namen versehen. Der Name umfasst seine Person. F&#252;r die Beh&#246;rde ist Urban ein Name, der sich in Buchstaben ausdr&#252;cken l&#228;sst. Urban f&#252;hlt sich als eine aneinandergereihte Anzahl verschiedener Buchstaben. Er k&#246;nnte den Idealzustand seiner Gef&#252;hle in der Aneinanderreihung von Buchstaben sehen. Urban ist bem&#252;ht, bei Niederschrift seiner Wahrnehmungen vom Spaziergang die Wahrnehmungen des ersten Spazierganges vom ersten Mai und die Wahrnehmungen des Spazierganges vom darauffolgenden Tag zu trennen. Der Spaziergang des darauffolgenden Tages f&#252;hrte denselben Weg entlang. Nachdem er die tiefere Schicht seiner Erinnerungen freigelegt hat, wendet er sich den dar&#252;ber geschichteten Erinnerungen zu. &#196;hnlich wie bei Bildern nur alle Farbschichten gemeinsam ein Bild ergeben, sind es in seinem Fall beide Erinnerungen, zusammengefasst zu einer Erinnerung.</p>
<p style="text-align: left;">Das Gef&#252;hl, an welches sich Urban erinnerte, als er am n&#228;chsten Tag wieder den Staudamm entlang ging, war angenehm. In dieses angenehme Gef&#252;hl fiel ein Schuss von der gegen&#252;berliegenden Bergseite. Er konnte r&#228;umlich nicht an den Ausl&#246;ser des Schusses herankommen. Urban lie&#223; seine Vorstellung von einem J&#228;ger in sich breit werden. In einer auf Holzpfosten errichteten Bretterh&#252;tte d&#228;mmerte ein unausgeschlafener J&#228;ger dem Mittag entgegen. Er hatte die B&#252;chse auf seinen F&#252;&#223;en liegen. Unaufmerksam beobachtete er das Bild des Waldes, wie es ihm seine Augen vermittelten. So gesehen war aus der Sicht eines J&#228;gers nichts bemerkenswertes zu beobachten. Seine Anwesenheit wurde durch nichts gerechtfertigt. Ungewollt l&#246;ste sich ein Schuss aus seinem Gewehr. Der J&#228;ger versp&#252;rte in sich Genugtuung, da durch den Schuss seine Anwesenheit gerechtfertigt wurde. </p>
<p style="text-align: left;">Eine weitere Wirklichkeit kam aus Urbans Geh&#246;r, ein Surren und Metallklirren. Diese beiden Ger&#228;usche wurden von Urban einem Radfahrer zugeordnet. Das Ger&#228;usch, welches von r&#252;ckw&#228;rts in sein Geh&#246;r und weiter in sein Bewusstsein drang, erlaubte es ihm noch nicht, den Radfahrer als Mann, Frau oder Kind zu bezeichnen. Diese Wahrnehmung von Einzelger&#228;uschen war vorherrschend. Urban vernimmt in der Erinnerung nicht die Summe von Vogelgesang, sondern die Stimme eines Vogels. </p>
<p style="text-align: left;">Nach dem Metallklirren der Radfahrerin, die in der Senke verschwunden war, wurde Urban zum Beobachter eines Vorganges, der einen Teil seiner Person betraf, aber jetzt mit ihm nichts mehr zu tun hat. Verz&#252;ckt folgte Urban entlang des Staudammes einem metallischem Klicken und sah sich pl&#246;tzlich vor dem Kraftwerk stehen. Das Wasser wurde vom Kraftwerk hineingezogen und dabei ert&#246;nte in kurzen Abst&#228;nden das Klicken. Jetzt glaubt Urban, dass das metallische Klicken davon herr&#252;hrt, dass kleine Steine oder Gegenst&#228;nde, welche das Wasser mitf&#252;hrte , irgendwo an Metall schlugen. Urban konnte beobachten, wie dieses Ger&#228;usch auf ihn eine mit seinen Erfahrungswerten nicht mehr auszudr&#252;ckende Anziehungskraft aus&#252;bte. </p>
<p style="text-align: left;">Als von der Flussseite Kinderstimmen h&#246;rbar wurden, war es ihm unm&#246;glich, sich selbst weiter zu beobachten. Durch die Kinderstimmen erlangte er den Zugang zur Realit&#228;t, die er zu &#252;berschreiten versucht hatte, und das metallische Klicken verlor seine Anziehungskraft. Urban ging den Staudamm entlang. Beim Bet&#228;tigen des Gaspedals versp&#252;rte er den ganzen Motor, in empfindsamen Momenten das fahrende Auto als Ganzes, so wie ein Schmerz, hervorgerufen durch einen zu eng geschn&#252;rten Schuh, ihn zur Wahrnehmung seines Fu&#223;es f&#252;hrt. Sein Fu&#223; ist nur im Schmerz sp&#252;rbar.  </p>
<p style="text-align: left;">Das Ger&#228;usch kam den Staudamm entlang und brauste &#252;ber ihn hinweg. Aus seiner Erinnerung erkannte Urban das Ger&#228;usch als Bahnger&#228;usch. Urban hatte bei Beginn des Spazierganges daran gedacht, nach dem Spaziergang das Mittagessen einzunehmen. Sonntags gab es im Gasthaus, wo er seine Mahlzeit einnahm Wienerschnitzel. Der Sonntag wurde f&#252;r Urban zu einem guten oder schlechten Sonntag, je nach der Gr&#246;&#223;e des Wienerschnitzels. War es ein gro&#223;es Wienerschnitzel, so war es ein sch&#246;ner Sonntag, war das Wienerschnitzel weniger gro&#223;, so war es trotzdem noch ein Sonntag und kein gew&#246;hnlicher Wochentag. An einem Wochentag musste Urban arbeiten, es gab aber trotzdem kein Wienerschnitzel. Waren fr&#252;her der Kirchgang, nach dem Kirchgang der Gasthausbesuch, nach dem Gasthausbesuch das gute Mittagessen und nach dem guten Mittagessen der arbeitsfreie Nachmittag die Merkmale die einen Sonntag als Sonntag kennzeichneten, so war bei Vielen von all diesen Merkmalen nur mehr das gute Mittagessen geblieben. F&#252;r Urban zus&#228;tzlich entscheidend die Gr&#246;&#223;e  des Wienerschnitzel. So bedeutete ein gro&#223;es Wienerschnitzel einen zufriedenen Sonntag. Ein gro&#223;es Wienerschnitzel war die Garantie f&#252;r einen guten Sonntag. </p>
<p style="text-align: left;">Urban sieht in seiner Erinnerung das Gesicht eines J&#228;gers in einer der Jagdh&#252;tten, nicht identisch mit dem vermeintlichem J&#228;ger, welchen er den Schuss von der gegen&#252;berliegenden Bergseite zugeordnet hat. Dieser gesehene J&#252;nger w&#252;rde Urban vielleicht folgenderma&#223;en beobachtet haben: Ein junger Mann schlendert ohne Eile den Staudamm entlang. Er richtet seinen Blick in den Wald, auf das Wasser oder gegen den sich j&#228;h emporrichtenden Berg. Sein Blick ist einmal nach au&#223;en gerichtet, das andere mal nach innen. Seine Bewegungen haben etwas nachdenkliches an sich, man kann nicht erkennen was er denkt und wie er denkt, es l&#228;sst sich nur mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass er denkt. W&#228;hrend des Dahinschlendern macht er sich Notizen, obwohl f&#252;r ihn, den J&#228;ger, sich in der Umgebung nichts ver&#228;ndert. Der junge Mann macht sich wohl Notizen &#252;ber die Ruhe, oder ist doch nicht alles so ruhig ?, k&#246;nnte sich der J&#228;ger gefragt haben. </p>
<p style="text-align: left;">Urban versuchte, sich &#252;ber sein &#196;u&#223;eres in dem Gesicht einer Frau, die in einem ihm entgegenkommenden Auto sa&#223;, ein Bild &#252;ber sich selbst zu machen. Die Frau hatte ihn gegr&#252;&#223;t, also hatte sie ihn erkannt, so hatte er sich in seinem &#196;u&#223;erem und seinem verhalten w&#228;hrend des Spazierganges nicht ver&#228;ndert. Er war &#228;u&#223;erlich derselbe geblieben. Ergebnislos verliefen seine Versuche vor dem Spiegel, durch Grimassen, aufbl&#228;hen der Backen, verziehen des Mundes oder rollen mit den Augen jemand anderer zu werden. Er blieb er selbst, soviel M&#252;he er sich auch gab. Er hatte schon kurzandauernde Ver&#228;nderungen seiner Person erreicht, aber er fiel immer wieder in sich selbst zur&#252;ck. </p>
<p style="text-align: left;">Zugleich wenn er sein Zimmer in Ordnung brachte, brachte er auch seine Person in Ordnung. Er erkennt einen Zusammenhang zwischen der Ordnung in seinem Zimmer, die des &#246;fteren in Unordnung ausartet, von ihm aber mit allen Kr&#228;ften wiederhergestellt wird und seinem in Unordnung geratenen pers&#246;nlichen Gleichgewicht. Das Eine st&#252;tzt das Andere und bewahrt ihn vor Haltlosigkeit. </p>
<p style="text-align: left;">Er hatte bestimmt auch heute nach dem Wachwerden auf die Strasse gehorcht, um zu h&#246;ren, welcher Tag heute war, ein Wochentag, ein Samstag oder ein Sonntag? Urban braucht dazu keinen Kalender, er horcht auf die Ger&#228;usche der vorbeifahrenden Autos. An Wochentagen ist in der Fr&#252;h sehr starker Berufsverkehr. An Samstagen sind es bedeutend weniger Autos, an Sonntagen ist es in der Fr&#252;h auf der am Haus vorbeif&#252;hrenden Strasse fast autoleer. Urban orientiert sich an seinem Autoverkehrskalender, womit sich gut Wochentage, Samstage und Sonntage voneinander unterscheiden lassen. </p>
<p style="text-align: left;">In seinen R&#252;ckblicken st&#246;&#223;t Urban auf eine Begebenheit, die verursacht hatte, dass beim zweiten Spaziergang die Erfahrungen des ersten Spazierganges ihn zu einer Folgereaktion veranlassten. Beim ersten Spaziergang hatte er sich vor einem St&#252;ck Schlauch, welches am Schotterweg lag, gef&#252;rchtet. Er hatte gesehen, dass dieser Schlauch ein Schlauch war und keine Schlange, einer Schlange aber sehr &#228;hnlich sah. Seine Furcht vor dem Schlauch war Schlangenbezogen. Beim zweiten Spaziergang war Urban auf den Schlauch, vor dem er noch immer eine schlangenbezogene Angst versp&#252;rt hatte, getreten, um &#252;ber die &#252;berzogene angst hinwegzukommen. Es war in ihm eine angst, die vom Gef&#252;hl her berechtigt war, aber gegen sein wissen stand. </p>
<p style="text-align: left;">Er vermutet jetzt, dass er nach &#220;berwindung der Gef&#252;hlsangst den Wind gesp&#252;rt hatte, der w&#228;hrend der ganzen Zeit des Gehens vorhanden gewesen sein musste, weil in der Sch&#252;tt immer der Wind weht. Dies war einer der Gr&#252;nde, weshalb er hier spazieren ging. Anstatt seiner Vorliebe f&#252;r den wind, begann er den Wind zu hassen. Zuerst die Vorliebe f&#252;r den wind, und jetzt der Hass. Es war ihm zuviel, dass der Wind dauernd wehte, er w&#252;nschte sich den wind nur zeitweise. Urban erkennt, dass er das, was er liebt, auch hasst. Er sieht in der Zuneigung die Abh&#228;ngigkeit. Zuneigung ist f&#252;r ihn etwas unfreies, Hass ist gleichbedeutend mit Zuneigung. </p>
<p style="text-align: left;">Beim zweitem Spaziergang hatte er die M&#246;glichkeit, eine Wahrnehmung aus dem ersten Spaziergang zu &#252;berpr&#252;fen, ob sie mit der Wirklichkeit &#252;bereinstimmte und nicht nur seinem Bewusstsein entsprungen war. Er konnte es nicht erwarten, an der Futterh&#252;tte vorbeizugehen, um zu &#252;berpr&#252;fen, ob seine Erinnerung an die Futterh&#252;tte nur ein Phantasiegebilde gewesen war, Schlussfolgerungen von Wahrnehmungen, die sich in vielen Jahren im Gehirn gesammelt und nichts mit seinem Spaziergang gemeinsam hatten. Urban freute sich, weil er erkannte, wie nahe er der Beantwortung, ob seine Beschreibungen der Wirklichkeit im w&#246;rtlichen sinne entsprachen, anhand der Futterh&#252;tte kam. In diese Erwartungen mischten sich die Windger&#228;usche eines Laubbaumes. Die Beantwortung der Frage, ob die Bilder aus dem Bewusstsein die Wirklichkeit waren, wurde immer verschwommener, bis keine Hoffnung mehr bestand, die Frage zu beantworten. Dies bedeutete den Anfang der urbanischen Hoffnungslosigkeit. </p>
<p style="text-align: left;">Aus den Windger&#228;uschen war es ihm m&#246;glich, das Ger&#228;usch eines einzelnen Laubbaumes herauszuh&#246;ren. Er hatte sich auf diesen einen Laubbaum konzentriert, der noch das Laub vom Herbst getragen hatte. Der belaubte Laubbaum war ein Au&#223;enseiter unter den anderen kahlen Laubb&#228;umen. Der Laubbaum hatte an diesem Umstand selbst keine Schuld. Urban kann sich mit diesem Laubbaum identifizieren. Das Klicken beim Kraftwerk hat auch heute nichts von seiner Faszination auf ihn verloren. Er versucht &#252;ber den Spaziergang hinaus in seinen Erinnerungen zur&#252;ckzugehen, ob er diesem Ger&#228;usch schon einmal begegnet ist. Aus der starken Beziehung zu dem metallischen Klicken schlie&#223;t Urban, dass es in ihm aufgrund eines angenehmen Erlebnisses in seinem Unterbewusstsein bereits vorhanden ist. Urban h&#246;rt ein Wort und kann sofort sagen: Dies ist die Brieftr&#228;gerin, das sind die Wohnungsnachbar, das ist die Drogistin, ohne die bereffende Person mit den Augen gesehen zu haben. Eine Stimme sagt einem alles &#252;ber eine Person. Jedes Ger&#228;usch wird jemandem zugeordnet, zu ganz bestimmten Bewusstseinsbildern. F&#252;r das Klicken findet Urban keinen Gegenstand, dem er es h&#228;tte zuordnen k&#246;nnen. </p>
<p style="text-align: left;">Nach dem Klicken erinnerte er sich an andere Empfindungen. Unmittelbar erkannte er in der Weite des Naturschutzgebietes die Weite Sibiriens. Er wusste nicht, wie es in Sibirien aussah. Es war ihm nur aus Gespr&#228;chen bekannt, in denen von der Weite Sibiriens, der Unber&#252;hrtheit und dem Wind, der &#252;ber die Landschaft fegt, die Rede war. Diese Unendlichkeit hatte er auch in seiner Landschaft gesp&#252;rt, mit ihren halbw&#252;chsigen Str&#228;uchern, der Pipeline, in der urbanischen Fantasie errichtet von Strafgefangenen. Der Stacheldrahtzaun entlang des Staudammes war zum Stacheldrahtzaun eines Gefangenenlagers geworden. Die Jagdh&#252;tten wurden zu Wacht&#252;rmen, dazu der Wind, der &#252;ber die Str&#228;ucher fegte. </p>
<p style="text-align: left;">Hier vermutet Urban jetzt, dass er zu warten angefangen hatte auf die immer wieder zu h&#246;renden Motorenger&#228;usche, die von den Ortschaften in diese Stille vordrangen. Er konnte keine h&#246;ren, es war Mittagszeit und die Leute sa&#223;en am Mittagstisch. In diesem Moment erkannte Urban, dass er allein war. Es waren das Kraftwerk, der Staudamm, die Autobahn und die Pipeline, die Leben verk&#246;rperten, aber nicht in menschlicher Art und Weise. Je tiefer die Erkenntnis vom Alleinsein in ihm eingedrungen war, umso heftiger hatte er sich dagegen gestr&#228;ubt. Er neigt zum kontrollierten Alleinsein, wenn er dazu das Bed&#252;rfnis hat, dann will er allein sein. Zu anderen Zeiten dr&#228;ngt es ihn in die Gegenwart von Menschen und dann zieht er sich wieder zur&#252;ck. Er nennt es die urbanischen Gezeiten. In jenem Moment des Spazierganges hatte er das Bed&#252;rfnis nach der Gegenwart von Menschen, sei es auch nur in der Form von Motorenger&#228;uschen. Es gab keine Hinweise auf Menschen, die Ger&#228;usche seiner Schritte waren die Best&#228;tigung f&#252;r die alleinige Anwesenheit seiner Person. Von seinen Beobachtungen w&#228;hrend des Spazierganges war nichts geblieben als die Ger&#228;usche seiner Schritte. Urban zeigt keine Entschlossenheit, weder zum Alleinsein, noch zum Leben in der Gemeinschaft. Das Pendeln zwischen den beiden Zust&#228;nden ist f&#252;r ihn die einzige M&#246;glichkeit zu leben. </p>
<p style="text-align: left;">In den Erinnerungen lassen sich jetzt die Zeiten des Alleinseins und die Zeiten in der Gemeinschaft &#252;bereinanderschieben, sodass es ein harmonisches Bild ergibt. Er erinnert sich an das Vorw&#228;rtstasten mit dem Auto w&#228;hrend der R&#252;ckfahrt. Er hatte sich gefreut, als er an den ersten Spazierg&#228;ngern vorbeifuhr, es war Nachmittag. Zur selben Zeit, als Urban von seinem Spaziergang zum Mittagessen zur&#252;ckfuhr, machten die anderen Menschen ihren Spaziergang. Es gibt verschiedene Zeiten, die urbanische Zeit und die Zeit der Anderen.</p>
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		<title>BRAND:herd</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 04:35:35 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ich spaziere &#252;ber den Kogel und sehe &#252;berall kleine Flammen, die sich von einem Grasb&#252;schel zum N&#228;chsten ausbreiten. Rauchschwaden liegen &#252;ber dem Gestr&#252;pp, verkohlte Gr&#228;ser und Farne. Die Flammen n&#228;hern sich der Bergsiedlung, den ersten   H&#228;usern. Ich laufe in die nahe Fabrik um  die Feuerwehr zu alarmieren. In der  Werkst&#228;tte darf ich das Telefon nicht ben&#252;tzen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich spaziere &#252;ber den Kogel und sehe &#252;berall kleine Flammen, die sich von einem Grasb&#252;schel zum N&#228;chsten ausbreiten. Rauchschwaden liegen &#252;ber dem Gestr&#252;pp, verkohlte Gr&#228;ser und Farne. Die Flammen n&#228;hern sich der Bergsiedlung, den ersten   H&#228;usern. Ich laufe in die nahe Fabrik um  die Feuerwehr zu alarmieren. In der  Werkst&#228;tte darf ich das Telefon nicht ben&#252;tzen. Der Meister versucht es selbst, es funktioniert nicht. Die Rauchschwaden ziehen an der Werkstatt vorbei, einmal st&#228;rker, einmal schw&#228;cher. Im n&#228;chsten Geb&#228;ude auf dem Fabrikgel&#228;nde treffe ich Bekannte in ihrer Betriebswohnung. Man begr&#252;&#223;t mich und unterh&#228;lt sich &#252;ber belangloses. Immer mehr Bekannte treffen in der Wohnung ein. Der Feuerschein vom Wiesenbrand leuchtet in das Zimmer. Es klappt mit der Alarmierung der Feuerwehr. Wir gehen vor das Geb&#228;ude und sehen, wie entlang den Felsw&#228;nden, ein L&#246;schflugzeug auftaucht. Endlich kommt Hilfe. Das L&#246;schflugzeug steuert nicht auf den Brandherd zu, es nimmt uns ins Visier. Es droht das L&#246;schwasser &#252;ber uns zu entleeren. Wir laufen auf die Werkstatt zu, das L&#246;schflugzeug folgt uns. Wir versuchen zur&#252;ck in das Haus zu fl&#252;chten, das Flugzeug macht eine Wendung und steht wieder &#252;ber uns. Bereit uns mit dem Wasser zu  &#252;bersch&#252;tten.</p>
<p>Tagwache.</p>
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		<title>EBER:eschen</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Aug 2008 07:29:42 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Dieses Jahr kann man beobachten, dass durch die langen Sch&#246;nwetterperioden und die hohen Temperaturen das Obst um etwa vierzehn Tage fr&#252;her reif ist als sonst. In der Sch&#252;tt haben sich die Fr&#252;chte der Ebereschen schon Ende Juli rot verf&#228;rbt, in anderen Jahren verf&#228;rbten sie sich Ende August. Dieses Jahr ist es um einen Monat fr&#252;her. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: small; font-family: Times New Roman;"></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Verdana;">Dieses Jahr kann man beobachten, dass durch die langen Sch&#246;nwetterperioden und die hohen Temperaturen das Obst um etwa vierzehn Tage fr&#252;her reif ist als sonst. In der Sch&#252;tt haben sich die Fr&#252;chte der Ebereschen schon Ende Juli rot verf&#228;rbt, in anderen Jahren verf&#228;rbten sie sich Ende August. Dieses Jahr ist es um einen Monat fr&#252;her. Dies gilt als erstes Zeichen f&#252;r den nahenden Herbst. Es herbstet, ist ein oft geh&#246;rter Ausdruck, wenn eine Gewitterfront im Sp&#228;tsommer die Bl&#228;tter von den B&#228;umen weht und sie sich am Boden verf&#228;rben. Nicht jedes Jahr in der Natur verl&#228;uft gleich, dies gilt auch f&#252;r die Lebensjahre. Es ist m&#246;glich, dass durch Hitzeperioden der K&#246;rper austrocknet, dass mehr Energie verbrannt wird als in anderen Jahren. Da kann es im Leben fr&#252;her zu herbsten beginnen als in anderen Jahren. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Verdana;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Verdana;">Herbstbeginn. </span></p>
<p></span></p>
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		<title>AUS:spannen</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Aug 2008 05:59:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[F&#252;r die Art wie man am besten ausspannen kann gibt es unterschiedliche Vorschl&#228;ge und Ansichten, es spielt eine Rolle von wem die Vorschl&#228;ge kommen. F&#252;r den Bienenz&#252;chter ist der Aufenthalt bei den Bienen auf der Hochebene oberhalb von M&#246;selstein der ideale Zeitvertrieb, f&#252;r einen Fischer das Angeln in der Gail. Entspannung bringt eine Wanderung durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r die Art wie man am besten ausspannen kann gibt es unterschiedliche Vorschl&#228;ge und Ansichten, es spielt eine Rolle von wem die Vorschl&#228;ge kommen. F&#252;r den Bienenz&#252;chter ist der Aufenthalt bei den Bienen auf der Hochebene oberhalb von M&#246;selstein der ideale Zeitvertrieb, f&#252;r einen Fischer das Angeln in der Gail. Entspannung bringt eine Wanderung durch die Sch&#252;tt oder eine Radtour am Drauradweg. Ein Bauer findet Erholung  beim Aufstieg zur Alm oder bei einem Sonntagsspaziergang durch die eigenen Felder. Der gl&#228;ubige Mensch wird sich bei einem Kirchenbesuch entspannen. Manchmal gen&#252;gt es eine Stunde am Balkon in einem Buch zu lesen und die Katze schnurrt daneben. Diese Aufz&#228;hlung ist sehr herk&#246;mmlich, die Beispiele klammern das hypermoderne Leben aus. Ob ein Openairkonzert,  ein Sommerevent oder Internetsurfen zum Ausspannen geeignet sind?</p>
<p>Auf einem grauen, kantigen Stein zwischen den dunkelgr&#252;nen Str&#228;uchern am Flussufer Platz nehmen. Mit der Hand kann man das vorbeiflie&#223;end Wasser der Gail ber&#252;hren. Sich auf dem Felsbrocken bequem machen und das Gesicht den Karawanken zuwenden. Das kr&#228;ftige Rauschen des Wassers h&#246;ren, es st&#252;rzt &#252;ber eine kleine Flussschwelle. Der Fluss macht einen Bogen, die Spitzen von den Wellen glitzern in der Sonne. Der Uferwald ist blickdicht, die n&#228;chste Siedlung kann hundert Meter oder einen Kilometer entfernt sein. Zwischen zwei Ufersteinen sprudelt eine Quelle hervor. </p>
<p>Eine Notiz  schreiben. </p>
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