fahr:plan

Im Railjet 532 von Villach nach Wien beobachte ich über einen längeren Zeitraum einen Sitznachbar wie er sich abmühte, Zugsverbindungen aus mehreren Fahrplanheftln zu fixieren. Vor sich hatte er die von der ÖBB zur Verfügung gestellten, gesplitterten Fahrplanheftln. Diese zeigen die Verbindungen für jeweils einen Streckenabschnitt an, zum Beispiel Klagenfurt-Salzburg. Wer für die Planung seiner Zugreise diese Heftln benützt, um von Oberdrauburg nach Puchberg am Semmering zu reisen, braucht dazu mehrere. Es gibt keine Gesamtübersicht. Der Pensionist notierte die Umsteigeorte, Ankunfts- und Abfahrtszeiten, fein säuberlich auf einem kariertem Blatt Papier. Heute werden von vielen Zugreisenden, von der jüngeren Generation soundso, aus dem Internet die Fahrpläne ausgedruckt. Dort genügt es, den Abfahrtsbahnhof und den Zielbahnhof, so wie den Reisetag einzugeben. Umgehend erhält man mehrere Vorschläge zu den Zugsverbindungen. Es besteht die Möglichkeit die Fahrkarte auf das  herunterzuladen. Für die Smartphonegeneration ist dies der Alltag. Den Senioren werden Internetkurse angeboten, wo diese das Buchen von Fahrplänen oder das Buchen eines Urlaubszimmer lernen können. Erste Schritte im Web, welche den Alltag vereinfachen sollen.

Ich spreche den Sitznachbar auf seine mühevolle Arbeit an und verweise auf die Möglichkeit der Fahrplanauskunft im Internet. Er stellt sich als pensionierter Bahnhofsvorstand vor. In seiner Berufszeit musste er,  bei der Nachfrage nach Zugsverbindungen, diese aus den Kursbüchern zusammenzustellen. Beim Erwähnen der gedruckten Kursbüchern der ÖBB und der DB kommt er in das Schwärmen. In seiner Berufszeit gab es kein Web und keine online Fahrpläne. Die Zugsverbindungen mussten mit Umsicht aus dem Kursbuch herausgefiltert werden. Heute ist es ein Hobby von ihm, aus analogen Fahrplänen die Verbindungen zu eruieren. Dieses Hobby lässt er sich nicht durch das Internet verdrießen.

Internetabstinenz

3 Gedanken zu „fahr:plan

  1. Letzthin fuhren wir ja von Würzburg nach Frankfurt zur Gironcoli-Ausstellung. Es war weder im Netz noch am Automat zu erkennen, was das günstigste Angebot war.
    Keywort war schliesslich Regionalverkehr des „Main-Spessartverbundes“.

  2. Hallo Gerhard!
    Bei der ÖBB und bei der DB gibt es ja zumeist eine „Sparschiene“. Die Voraussetzung dafür ist, die Fahrkarte mindestens einen Monat vorher buchen und es gibt eine Zugbindung. Bereits erprobt.

    Gruss schlagloch

  3. Ein tolles Hobby hat der Mann, ich musste etwas schmunzeln.
    Unsereins wäre daran verzweifelt, das alles herauszusuchen.
    Aber manchmal verzweifeln die Fahrgäste auch am Internet, wenn sie da was raussuchen sollen. 😉
    Liebe Grüße 🙂

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