kur:hotel

Es gleicht einem Lotteriespiel kommt man sonntags im Kurhotel an und wird abends vom Saal Chef einem Tisch zugeteilt. Diesen Tisch benützt man beim Frühstück, Mittag- und Abendessen, es gibt keine freie Platzwahl. Bei einem Kuraufenthalt sind zwischen den Tischnachbarn die körperlichen Beschwerden ein beliebtes Gesprächsthema. Wie man sich mit den Tischgenossen verträgt, spielt auch für den Kurerfolg eine Rolle. Dabei findet beim ersten gemeinsamen Abendessen ein Machtkampf mit Wörtern statt, wer am Tisch den Ton angibt? Umgangssprachlich, wer am Tisch das Sagen hat, ist es der Besserwisser, die Temperamentvolle, die Gebildete oder dominiert der Unverschämte. In den Kurhotels hat man den Eindruck, dass die Sitzplätze, wie die Zimmer, nach dem Zeitpunkt des Eintreffen vergeben werden. Es wird kein Gedanke dafür verwendet, wie die Geschlechts und Altersmäßige Zusammensetzung am runden Tisch ist. Ehepaare, diese sind bei den Kassenkuren zumeist in der Minderzahl, erhalten vorweg einen Einzeltisch. Genauso wie die Lage und Ausstattung der Zimmer trägt die gute Tischnachbarschaft etwas zum Wohlbefinden bei. Von vornherein muss man annehmen, dass die Patienten der Gebietskrankenkasse nicht mit den besten Zimmern verwöhnt werden. Wirtschaftlich ist dies verständlich, da zwischen Versicherungsträgern und den Kurheimen Preisabsprachen herrschen. Wer vorbeugen will, kann sich drei bis vier Wochen vor Kurantritt mit Sonderwünschen an das Kurhotel wenden und wird auch gesondert zur Kasse gebeten.

Viel Platz nimmt bei der Garderobe der Bademantel und die Badetücher ein. Man freut sich darüber, wenn das Kurhotel für die Dauer des Aufenthaltes Bademantel, Badetuch und Badetasche kostenlos zur Verfügung stellt. Es ergibt ein schönes Bild im Therapiebereich, wenn die Patienten in einheitlichen Bademänteln und -taschen erscheinen. Es gibt ungenierte Leute, welche mit Plastiksackerln von verschiedenen Supermarktketten durch die Therapielandschaft ziehen.

Unterwassergymnastik

2 Gedanken zu „kur:hotel

  1. „Zeitvertreib“ Kartenspiel – meiner Mutter. Mein Sohn sagte, ich solle mit ihr im Betagten-Heim der „Caritas“ (in Graz, „Sankt Peter“) spielen, wie in meiner Kindheit auch „DKT“, selbst wenn mir unverständlich war, was ein „Zeitvertreib“ sein sollte. – Zu Mitternacht: mit meinem Altdeutschen Schäfer Alcor, einem Harzer Fuchs, unter Sommerdreieck und Polarstern. „Tu scendi dalle stelle“ – im „Café Siena“ (in Graz, „Geidorf“) Gegenstand des Gesprächs. Kein Weihnachtslied für Kinder – Albaner-See, Nemi-See, die Penaten von Lavinium, Antium.

  2. Sehr geehrter Herr Siegfried Paul Posch !

    Geht es nach Meinung einiger Reformer, dann ist eine Kur „Zeitvertreib“ auf Krankenkassenkosten. Die Spielecke ist ein Tisch, voll mit Elektronik und Tastscreen Bildschirm.

    Gruss schlagloch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.