FORMEL . PFERD

 05.09.2003   FORMEL . PFERD

Zu den Formeleinsrennen kommen zehntausend Menschen an die Rennstrecken und es sind Millionen Zuschauer bei den Fernsehübertragungen. Man verfolgt fasziniert wie sich die Rennfahrer mit Höchstge-schwindigkeit an die Kurven herantasten. Auf viele Menschen üben die PS starken Autos, die Geschwindig-keit und das Aussehen der Rennautos eine große Faszination aus. Wenn man selbst Tag für Tag den Autoverkehr vor der Haustüre erlebt, dann hat man zu Autorennen eine andere Einstellung. Wie angenehm ist es, wenn einmal zwischen den vielen Autos ein Pferd mit Kutsche vorbeifährt. Vom Körperbau des Pferdes, seinen Bewegungen und dem Zusammenspiel der Muskeln geht eine große Anziehungskraft aus, da bleibt von der Faszination sich schnell drehender Formeleinsräder nichts übrig. Bei meinem einzigem Besuch eines  Auto-Rennen auf dem Salzburgring habe ich mich in eine Geländemulde zurückgezogen, wo der Motorenlärm kaum hörbar war.

Ein Buch gelesen.

Kommentare:
K. am 5. September 2003 um 17:56
Für mich ist es unverständlich warum Formeleinsrennen als so faszinierend und spannend erlebt werden. Ich weiß es nicht. Mann und Frau, alle begeistert von Autorennen.

07.09.2003   MOTOR . RAD 

An den schönen Herbstwochenenden brechen die Motorradfahrer zu den letzten großen Touren vor dem Winter auf. Beliebte Ziele sind die Alpenpässe in Österreich und Südtirol. Ein internationales Harley Davidson Bikertreffen gibt es seit Jahren am Faakersee immer  Anfang September. Zum hundertjährigem Jubiläum der Harley Davidson trafen sich am Faakersee vierzigtausend Biker. Von Politzen blickt man auf die Schnellstrasse im Drautal. An einem sonnigem Samstag-Nachtmittag im Herbst gab es einen lauten Knall wie bei einer Explosion. Auf der Schnellstrasse waren zwei Motorräder frontal zusammen gestoßen und beide Vorderreifen sind geplatzt.  

In Politzen hat man den Unfall nicht gesehen, man hat den Unfall gehört.
12.09.2003   MACHT . SCHRIFT 

In den ehemaligen Ostblockstaaten wurde der Verkauf einer Schreibmaschine registriert. Von der Schreib-Maschine  wurde ein „Fingerabdruck“ gemacht, das heißt eine Schriftprobe genommen. So war es möglich, dass bei Auftauchen von kritischen Schmähschriften oder regime-feindlichen Flugblätter der Besitzer der Schreibmaschine aufgrund der Schriftprobe ausgeforscht werden konnte. Nichts fürchten Diktatoren mehr als das freie geschriebene Wort. In Demokratien gehört die Presse-Freiheit und die Meinungsfreiheit zu den wichtigen Grundrechten der Bürger. Ein Beispiel aus der Geschichte für die Macht der Schrift und die Angst des Diktator vor dem freien Wort sind die Flugblätter der Widerstandsgruppe „Die weiße Rose“ in München während der Nazizeit. Das Geschwisterpaar Sophie und Hans Scholl riefen ihre Landsleute in ihren Flugblättern zum geistigen Widerstand gegen das NS-Regime auf. Die Flugblätter hinterlegten sie und ihre Freunde auf öffentlichen Plätzen und in der Münchner Universität. Ihre Aufrufe endeten mit der Bitte, schreibt die Blätter ab, vervielfältigt und verteilt sie. Die Geschwister Scholl wurden beim Verteilen der Flugblätter in der Universität München verhaftet. Sie wurden wegen Hochverrat verurteilt und hingerichtet. Dies geschah vor sechzig Jahren im Frühjahr 1943. 

Die Weiße Rose ist kein Schlager.

13.09.2003   GRUND . WERT 

Auf dem Land, in  bäuerlichen Gegenden, bestimmt die Größe des Besitzes den Wert eines Menschen. Je mehr Grundvermögen jemand hat und je mehr Tiere im Stall stehen, umso größer ist auch sein menschlicher Wert. Ohne Wert ist jemand, der weder Felder noch Tiere besitzt, dies ist ein wertloser Mensch. Besitzt ein Arbeiter oder Angestellter ein Eigenheim mit Garten, so gehört er noch nicht zur bäuerlichen Wertegemeinschaft. Emanuel Kant hat gesagt, der Mensch kann nicht mit materiellen Werten gemessen werden.

Der Mensch besitzt Würde.

14.09.2003   11.SEPTEMBER . SCHLAGLOCH

Wenn ich an den 11.9. denke, dann stelle ich fest, dass die Welt an diesem Tag durch die Terroranschläge auf das World Trade Center in ein Schlagloch gestürzt wurde. Heute kennt fast jeder dieses Datum wie sein Geburtsdatum. Wird dieser Tag zum Geburtstag für eine neue Weltordnung? Meine Wahrnehmung der Außenwelt war am 11. 9. 2001 durch sehr viel  Arbeit eingeschränkt. Dies ist kein Film hat Fredericke zu mir gesagt, als im Fernsehen die Einschläge der von Terroristen entführten Flugzeuge in die Türme des World Trade Center immer wieder wiederholt wurden.

Es war wie im Kino.

18.09.2003   MENSCH . NORM 

Die heutige Warenwirtschaft ist in Ö-Normen einge-bettet. Es gibt die genormte Verpackung, das genormte Verkaufsregal und das genormte Produkt. Alles schmeckt gleich. In diesem genormten System braucht es den genormten Verkäufer und den genormten Konsumenten. Die Werbung schafft den genormten Konsumenten und die Medien die genormten Gedanken.

Im einundzwanzigstem Jahrhundert der genormte Mensch.

22.09.2003   ARBEITS . MARKT 

Die hohe Zahl an Arbeitslosen und die hohe Zahl an Verkehrstoten ist eine Tatsache. Beides gehört zur modernen Gesellschaft. Unser Wohlstand  ist errichtet auf einem Fundament von Toten, den Toten im Straßenverkehr und den gesellschaftlich toten  Arbeits-losen. Dadurch sinken die Produktkosten und wir können unseren Besitz vermehren, weil wir mehr kaufen können. Die Autoindustrie ist ein Wirtschaftsmotor. Der starke Motor in den Tod. Bevor man zu leben beginnt, muss man tot gewesen sein.

Vor dem Leben kommt der Tod.

Kommentare:
[unbekannt] am 22. September 2003 um 19:13 

Danke für deinen Kommentar, so bin ich auf interessante und intelligente Seiten aufmerksam geworden.

 

26.09.2003   WEIHNACHTS . HERBST

Die Herbstmesse in Salzburg war keine Herbstmesse sondern ein vorverlegter Weihnachtsmarkt. Bei Sonnen-Schein und Temperaturen von 25 Grad standen entlang der Strasse vor dem Messegelände neben den grünen Sträuchern eine Reihe von Goldengel aus Spannplatten. Vor dem Eingang in die Messehallen stand eine Gruppe von Weihnachtsmännern in rote Umhänge gehüllt, mit roter Mütze und weißem Bart. Sie verteilten an die Besucher Prospekte, mit der Aufforderung die Trendhalle zu besuchen. In den Hallen für Tischkultur dominiert der festlich gedeckte Weihnachtstisch und die weihnachtliche Raumdekoration. Die besonders geschäftstüchtigen Aus-Steller stellten dazu noch einen Tisch mit einer Vorschau auf Ostern. Die Weihnachtsmänner sangen bei ihrem Rundgang durch die Trendhalle Weihnachtslieder. Die Besucher in Kurzarmhemden eilten an ihnen vorbei. Auf der Bühne für die Wintermodeschau lag Kunstschnee, wahrscheinlich der einzige Schnee des kommenden Winter.

Vom Hitzesommer zum schneelosen Winter.

Kommentare:
E. am 26. September 2003 um 19:22
Der Euro muss rollen und das ganze fand wohl auch nicht in einem Tempel statt, so dass Jesus auch nicht zornig werden brauchte, nach dem Gleichnis von den Händlern und den Geldwechslern im Hause des Herrn.

29.09.2003   SCHUL . START 

Nach einem heißen Sommer beginnt die Schule. Die Kinder sind unter der heißen Sonne des Sommers kräftig gewachsen. Die größte Überraschung sind die Schulan-fänger, die Erstklassler. Die Aufregung der Eltern am erstem Schultag ist größer als die der Kinder. Ich erinnere mich, dass ich an meinem ersten Schultag früh aufstehen musste, etwas sauberes zum Anziehen bekam und zum Frühstück Sterz und Milch. Bis zur Schule ging ich eine Stunde zu Fuß. Die Schule war ein Neubau und am ersten Schultag war die feierliche Eröffnung. Die vielen Kinder im Schulhof waren für mich  ungewohnt. Dann wurden die Klassen eingeteilt, ich bekam eine Lehrerin. Nach einer Woche erkrankte ich an Keuchhusten. Ich musste drei Wochen zu hause bleiben. Jeden Tag in der Früh stand ich in Politzen am Güterweg und schaute den Kindern die zur Schule gingen nach. Nach drei Wochen begleitete mich der Vater in die Schule und sagte zur Lehrerin: „Ich bringe dir den Bub wieder“. Es wurde für mich ein normales Schuljahr.  

Nach drei Tagen den richtigen Hefteinband.

01.05.2003   RÜCK . KEHR

Bei Bahnreisen bin ich immer wieder über die Rückeroberung von stillgelegten Bahngeleisen durch Pflanzen und Sträucher, vornehmlich im Bahn-Hofsbereich, erfreut und erstaunt. Anlagen, welche wir Menschen zu groß gebaut haben oder nicht mehr erhalten können erobert sich die Natur zurück. Dieses Rückeroberung trifft auch auf andere öffentliche Gebäude, Strassen und Industrieanlagen zu.

Die Rückkehr der Pflanzen.

Kommentare:

T. am 1. Mai 2003 um 18:35
In Sarajewo steht ein fetter Baum bei einem alten Bahnhof, mitten in einem Haus, dem die Natur schon das Dach entfernt hat.

N. am 8. Mai 2003 um 00:29
Im Osten der Republik gibt es auch sehr viele Orte, welche von der Natur zurückerobert werden. Ist dennoch mit gemischten Gefühlen zu betrachten.

04.05.2003   STUMMER . FRÜHLING

Trotz einiger Schlaglöcher am Drauradweg war es heute ein schöner Radwandertag. Es ist jetzt eine herrliche Zeit in der Natur, alles blüht und es ist so saftig grün. Die optischen Eindrücke, der Sonnenschein und die sport-liche Betätigung aktivieren den Geist und den Körper. Es gibt für mich keinen Maianfang wo ich nicht an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl denke. Die ersten Meldungen vom Supergau hörte ich am 2.Mai 1986 in der Früh im Autoradio, auf der Fahrt zur Arbeit. Mein erster Gedanke war, hat es noch Sinn zur Arbeit zu fahren, mit welchen Folgen müssen wir in Österreich rechnen? Es war soviel Ungewissheit und Angst in mir. Die nächsten Wochen waren für mich die Zeit des stummen Frühlings. Anstatt sich an der Natur zu freuen und sich im Freien zu bewegen, war die Frage im Kopf, kann es mir schaden.

Der Maianfang hat einen besonderen Wert.

Kommentare:

Z. am 4. Mai 2003 um 20:06
Trotz allem, ein wunderschöner Frühling wünsch ich Dir und möge die Zukunft der Vernunft gehören! 
J. am 4. Mai 2003 um 20:25
Wusstest du, dass man in der USA ein Schlagloch adoptieren kann? Vielleicht eine Idee für eine Initiative in deiner Umgebung die dich unvergesslich macht .
(unbekannt) am 4. Mai 2003 um 20:34
Am 26. April 1986 explodierte Block 4 des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl. Von der Katastrophe besonders betroffen sind die Ukraine mit 15 Prozent und Weißrussland mit 70 Prozent der radioaktiven Niederschläge. Prof. Dr. Edmund Lengfelder, Otto Hug Strahleninstitut und Universität München, hält es für eine realistische Schätzung, dass bis heute insgesamt etwa 70 000 Menschen in der Folge von Tschernobyl gestorben sind.

05.05.2003   GRODDECK . SCHLAGLOCH

Während einer Zugfahrt lese ich das Buch „Verdrängen und Heilen“. Aufsätze zur Psychoanalyse von Georg Groddeck, seine Vorträge an der Lessinghochschule über das ES. Auf einer Bank neben mir sitzt eine ältere Frau mit ihrer Enkelin. Bei einer Haltestelle steigt eine junge Frau mit einer Reisetasche ein und setzt sich der Frau gegenüber. Wie ein Dampfkessel der unter Druck steht, redet die junge Frau sofort auf die ältere Frau ein und beginnt von ihrem Leid zu erzählen: „Sie sei so depressiv und habe viele Ängste, vor dem morgigem Tag, vor den nächsten Monaten und vor dem Leben überhaupt. Keiner könne ihr helfen, sie will sich noch heute vor ein Auto werfen. Ihr Freund habe sie verlassen, ein Freund sich aus dem dritten Stock in die Tiefe gestürzt und eine Freundin ist vor einem Monat an Brustkrebs gestorben. Diese Schicksalsschläge haben sie in die Depression gestürzt. Die Behandlung durch einen Neurologen ist nutzlos. Sie findet in dieser seelischen Verfassung auch keine Arbeit.“ Die ältere Frau versucht auf sie einzugehen und ihr den Selbstmordversuch mit dem Auto auszureden. Sie solle an die möglichen gesundheitlichen Folgen denken und an den Schock für den unschuldigen Autofahrer. Vielleicht können die Geschwister und ihre Eltern etwas für sie tun. In ein paar Wochen könnte sich ihre Situation ändern und sie könnte wieder an etwas Freude finden. Wer diese Schlaglöcher kennt weiß, wie schwer zugänglich Menschen in solchen Situationen für gute Ratschläge sind. Sie leben in einem abgeschlossenem Universum, wo sie nichts an sich heranlassen. Die junge Frau bittet uns für sie zu beten und steigt beim nächsten Bahnhof aus. Groddeck schreibt in seinem Buch: Wir verstehen noch immer nicht, dass das ES mit dem krank sein genauso tiefe Gedanken ausdrückt wie die Evangelien. In beiden Formen wird dasselbe verkündet, die Größe Gottes.

Das Wunder Mensch.

09.05.2003   CONTRA . GIER IST GEIL

Als aufmerksamer Zeitgenosse frage ich mich, was an dem Lebensgefühl „Gier ist Geil“ toll sein soll? Die Gier bringt  nichts gutes, sowohl im großem Weltgeschehen, wie auch bei kleinen alltäglichen Dingen. Ein Beispiel ist die Gier beim Essen. Dies kann man gut beim Büfett eines Firmenjubiläum, wo es zudem nichts kostet, be-obachten. Kaum ist der Satz :“Das Büfett ist eröffnet“ ausgesprochen, erstürmen die Leute das Büfett. Es entsteht ein Kampf um das Büfett, viele glauben das sie zu kurz kommen könnten. Die meisten nehmen sich zuviel auf den Teller und schlingen das Essen aus lauter Gier hastig hinunter. Wo bleibt da der Genuss am Essen, die Gesundheit. Aus dem Essen als Lebensmit-tel und Genussmittel wird ein Fressmittel. Ein anderes Beispiel ist die Gier nach Geld im Berufsleben. Diese Gier lässt alle Rücksichten auf Arbeitskollegen oder Mitbewerber fallen. Es zählt nur der eigene Vorteil, auch wenn es anderen schwere Nachteile bringt. Die Gier lässt auch keine Zeit das Geld zu genießen, weil der Drang nach immer mehr Geld lässt den Menschen nicht zur Ruhe kommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Ähnliches gilt auch von der Gier nach Macht. 

Die Gier gehört in das Tierreich.

11.05.2003   GIER . GEIL

Was bringt die Gier nach Macht zum Beispiel am Arbeitsplatz. Es ist eine Plage, wenn ein machthungriger Vorgesetzter oder Arbeitskollege die anderen Mitarbeiter spüren lässt, dass er Macht über sie hat. Macht wird oft dadurch erreicht, dass andere Mitmenschen gedemütigt werden. Der machtgierige Mensch wird kaum zur Zusammenarbeit bereit sein und Verständnis für seine Mitmenschen haben. Auch in der Partnerschaft kommt es zu Konflikten, wenn ein Partner machtgierig ist und versucht dem Anderem seinen Willen aufzuzwingen. Am schlimmsten ist es, wenn Macht mit Gewalt verbunden ist. In der Geschichte der Menschheit ist die Gier nach Rohstoffen, neuem Land und Macht immer mit Gewalt, Krieg und Elend verbunden.

Gier soll geil sein, nein.

Kommentare:

D.P. am 11. Mai 2003 um 15:02
100 Prozent Zustimmung vom D.

G. am 12. Mai 2003 um 11:00
Warum soll Gier immer gleich Machtgier sein? Warum soll die Gier nach Sex, Wissen, nach Neuentdeckungen etwas schlechtes sein? Ich will mich nicht dafür schämen müssen, gierig nach Schokolade oder Sahnetorte oder einem Bubble Chair oder einem tollen Trainingsanzug zu sein. Ich will dann nicht gepflegt sagen müssen, ich habe Appetit auf … Das Nicht-gierig-sein-dürfen ist mir viel zu preußisch. Warum beneiden wir denn lebenslustigere Kulturen? Weil die ganz offensichtlich keine Probleme damit haben, sich mal Honig in den Ausschnitt laufen zu lassen. „Gier ist geil“ ist doch in Zeiten, in denen der Geiz, das ist die echte Geißel wenn ihr mich fragt, an allen Ecken propagiert wird, durchaus ein Slogan, den man bringen kann.

19.05.2003      EM . PFINDUNGEN

Die blühenden Bäume, Sträucher und Blumen entlang der Fahrradwege sind eine Heilsalbe für die winterge-schädigte Seele. Für Menschen mit einer Pollenallergie sind die selben blühenden Pflanzen eine Bedrohung für ihre Gesundheit. Der gesundheitsbewusste Mensch betrachtet eine Tüte Pommes oder ein gebackenes Brat-Huhn mit Abscheu und denkt an seinen Cholesterin-Spiegel, ein unbeschwerter Mensch isst diese Speisen mit viel Genuss. Bei einer Stadtbesichtigung kommt es bei einigen Besuchern angesichts von historischen Bauwerken kaum zu Äußerungen, andere fangen zu schwärmen an.  Noch stärker trennen sich die Gemüter wenn es um moderne Kunst geht. Von vielen wird die moderne Kunst gänzlich abgelehnt, andere lassen sich auf eine Zwiesprache mit der modernen Kunst ein. Die verschiedensten Empfindungen kann ein- und derselbe Anlass auslösen.

Die Empfindungen sind in uns.

23.05.2003   WASSER . LEBENSMITTEL

Wann nehmen wir Wasser bewusst war? Meistens ist unser Umgang mit Wasser automatisiert. Bei den alltäglichen Handlungen wie bei der Körperpflege, beim Betätigen der WC-Spülung, beim Reinigen der Wohnung oder beim Autowaschen empfinden wir Wasser als Gebrauchsgegenstand. Bewusster nehmen wir das Wasser wahr, wenn es für uns zu einer Bedrohung wird, wenn starke Regenfälle die Bäche so anschwellen lassen, dass sie über das Bachbett treten, mit Schlamm und Geröll ganze Ortschaften verwüsten. Noch schlimmer ist es, wenn Flüsse über das Ufer treten und ganze Landstriche überschwemmen. Dabei werden Menschen und Tiere gefährdet, Gebäude und Verkehrsverbindungen zerstört. Als angenehm empfinden wir das Wasser, wenn wir uns bei einem Bad entspannen, sei es in einem See oder in einer Thermenlandschaft. Zum Träumen kommen wir, wenn wir an einem Bach sitzen und der Musik des Wassers lauschen. Zum Staunen kommen wir, wenn wir vor einem Wasserfall oder am Strand des Meeres stehen.

Dass das Wasser auch ein Geist- und Lebensmittel ist, ist uns viel zuwenig bewusst. Unser Körper, das Gehirn eingeschlossen besteht aus zwei drittel Wasser. Wasser ist auch der Botenstoff der Körperzellen, vielleicht auch der Träger unseres Bewusstsein. Wer nicht reichlich Wasser zu sich nimmt trocknet innerlich aus, körperlich und seelisch. Seine Bewegungen, Gedanken und Emotionen trocknen ein, er wird ein vertrockneter Mensch.

Wenn wir mit dem Wasser sorglos umgehen, dann gehen wir auch mit der Zukunft sorglos um.

25.05.2003       WASSER . GEISTMITTEL

In einem Vortrag in Villach „Die Spiritualität des Wassers“ zitierte Pater Pausch aus dem Schöpfungs-Bericht wo es heißt: „Im Anfang schwebte der Geist Gottes über dem Wasser“. Pater Pausch erweiterte diese Aussage und sagte, Gottes Geist war über und im Wasser. Ich folgere daraus, dass, wenn ich gutes Wasser trinke, trinke ich nicht nur etwas gutes für den Körper sondern auch für die Seele. Umgekehrt, wenn ich schlechtes Wasser trinke, vergifte ich nicht nur den Körper sondern auch die Seele. Das Wasser ist nicht nur Lebensmittel sondern auch Geistmittel. Das Wasser wird von uns vielseitig vergewaltigt. Wir zwängen es in Leitungen, beschleunigen es in den Pumpstationen, mischen in der Aufbereitung Chemikalien dazu und dies alles mit unserem Trinkwasser. In der Natur regulieren wir Bäche und Flüsse und verschmutzen diese mit unseren Abwässern. Der Lebenswert des Wassers wird täglich in Frage gestellt. Viele positive Redensarten im Alltag beziehen sich auf das Wassers: Eine Quelle der Lebens-Freude; Die Gedanken fließen lassen; Neue Eindrücke aufsaugen; Den Gefühlen freien Lauf lassen. Es gibt auch negative Redensarten vom Wasser: Ein vertrockneter Mensch oder eine eingefrorene Beziehung. Verbunden mit dem Wasser sind auch religiöse Rituale, die uns reinigen und befreien sollen von Altlasten und Schuld.

Lebendig wie frisches Wasser.

31.05.2003   AM . WASSER

Meine frühen Kindheitserinnerungen sind mit dem Wasser verknüpft. Am Wohnhaus führte eine steile, nicht befestigte Schotterstrasse vorbei. Bei starken Regenfällen bildeten sich auf der Strasse Bäche und diese flossen die Strasse entlang. Die Bewohner der Ortschaft Politzen versuchten das Wasser mit Haue und Pickel von der Strasse in die Felder abzuleiten. Ich stand irgendwo im Regen und versuchte ebenso das Wasser abzuleiten. Im Winter war die Strasse von Schnee und Eis bedeckt. Bei der Schneeschmelze im Frühjahr bildeten sich unter dem Eis kleine Rinnsale. Das Schmelzwasser vollführte unter dem Eis eigenartige Bewegungen von denen ich angezogen wurde. Ich hockte mich mit einem Messer auf die Strasse und versuchte hinter das Geheim-nis der Bewegungen zu kommen. Kaum hatte ich ein Rinnsal mit dem Messer freigelegt, waren die Beweg-ungen verschwunden. Dies wiederholte sich immer wieder. Es bleibt die Erfahrung, dass wenn man ein Geheimnis aufklären  will, dabei das Geheimnis zerstört wird.

Die Kindheit ist ein Geheimnis.