JA:sagen

In den Burschen steckt der Drang den Mädchen zu imponieren, dies ist nach den Möglichkeiten verschieden. Die einen wagen einen Sprung auf den abfahrenden Zug, verausgaben sich bei einem Fußballspiel, springen von der höchsten Plattform im Freibad, oder raufen mit dem besten Freund um zu siegen. Zu den Möglichkeiten zählen eine rasante Fahrt mit dem Moped durch die Kurven und eine gewagte Fahrt mit dem Snowboard über einen Steilhang. Manche Mutproben grenzen an  Fahrlässigkeit. Standen die Nachbarmädchen vor dem Haus, fuhr der Bursche mit dem Auto so rasant durch die neunzig Grad Kurve, dass nur mehr zwei Räder am Boden waren. War er zu schnell unterwegs, dann endete die Fahrt in der Wiese. Die Schäden an der Karosserie waren für den Mechanikerlehrling eine Nebensächlichkeit. Für den Führerschein war er noch zu jung, das Auto stammte vom Autofriedhof, ohne Zulassung und Kennzeichen. 

Die Liebeserklärungen sind so verschieden wie die Menschen. Die einen machen sie in einer Eisdiele, auf der Draupromenade  bei den Schwänen, bei einer Radtour am Silbersee, beim Tanzen in der Dorfdiele oder im Schulhof in der Pause.  Es passiert auch auf einem mit Herzen verziertem Briefbogen mit eigenen Liebesgedichten. Von der Möglichkeit über das Handy ein SMS „ich finde dich cool“ zu senden, ahnte damals niemand. Partnerforen im Internet waren in den siebziger Jahren unbekannt. Heute kommt es vor, dass man im  Blog den Auserwählten mit der Frage überrascht, „willst du mit mir gehen“ und er antwortet mit ja. Für Amulette und Liebesgetränke wurde viel Geld ausgegeben, heute reicht die Gebühr für den Internetanschluss. 

Liebestrank im Internet.

LETZTER:wille

Beim Eingang zur Napoleonwiese liegt am Boden ein verfaulter und verwitterter Baumstamm, er beherbergt ein Ameisennest. Ein Teil des Nestes ist für alle Spaziergänger sichtbar und wird auch übersehen. Manche kommen im Laufschritt vorbei, andere mit zwei Nordic Walking Stöcken, andere ziehen an der Leine vom Hund, neigen ihr Ohr dem Handy zu und nehmen etwas anderes wahr. Kaum jemand beachtet die Veilchen, die Windbuschröschen, die Vergissmeinnicht und das frische Gras. Der  Ameisenhaufen ist schwarz, er quillt von den frisch geschlüpften Ameisen über. Sie müssen ihren Platz im Ameisenstaat erst finden. Wer ist der Platzanweiser für tausende neue Einwohner. Dazwischen kommen Ameisen mit einem zehn bis fünfzehn Zentimeter langem Stück dürrem Holz daher und bringen es auf dem Ameisenhaufen in Stellung. Stossen sie mit dem Holzstück irgendwo an, dann drehen sie dieses so lange bis es weiter geht. Niemand kommt zu Hilfe, das Gegenteil ist der Fall, viele Ameisen klettern über das Hindernis hinweg. Warum sind es nur ein einzelne Ameisen, die mit einem Holzstück kommen? Für einen Außenstehenden Beobachter laufen die Anderen nur kreuz und quer umher. Von wem haben sie die Befehle, dies oder jenes zu tun, wer steuert die „Holzsammler“ unter den Ameisen. Hat eine Ameise einen freien Willen oder ist es der Wille des Ameisenstaates, den es schon länger gibt als die Menschen. 

Bei uns wird darüber geforscht und spekuliert, dass es den freien Willen des Menschen gar nicht gibt. Unsere Handlungen werden im Gehirn in einem chemischen Prozess festgelegt, bevor wir sie als solche erkennen. Im Nachhinein werden die Handlungen von uns, als unser freier Wille bestätigt. Wessen Wille war es, dass ich diesen Text geschrieben habe? 

Mein Wille.  

HEXEN:haus

Im Park von Warmbad sind am Nachmittag viele Kurgäste unterwegs. Nach den Kuranwendungen, zwischen Mittag- und Abendbüfett machen sie einen Spaziergang rund um das Hotel. So verbringen sie einen Teil vom Tag in der frischen Luft um alle Heilmöglichkeiten auszuschöpfen. Die Frage, „Wo die Quelle vom Maibachl liegt“ bekommt man von den Kurgästen häufig gestellt.  Das Maibachl ist ein mythischer Bach,  dessen Wasser von sagenhafter Heilkraft sein soll. Die Quelle sprudelt für wenige Tage mehrmals im Jahr und versiegt dann wieder. 

Spaziert man über die Napoleonwiese kommen einem joggende Menschen entgegen, Einzelkämpfer und Paarläufer. Beim Joggen will man sich selbst spüren, den Körper und die Psyche. Den Platz erlaufen, der einem im Leben zusteht, das Leben ausfüllt. Im Wald sind viele Bäume und Steine von einem saftig grünen Moos überzogen.  Zwei Kleinkinder laufen der Mutter voraus und verstecken sich in einer Hütte aus Tannenästen. Sie fordern die Mutter auf, die böse Hexe zu spielen und an die Tür vom Baumhaus zu klopfen. 

Die Nobelpreisträgerin Doris Lessing sagt in ihrer Rede, der schreibende Mensch braucht ein Zimmer ohne Geräusche, wo er sich zurückziehen kann zum Schreiben, mit der Zeit zum Schreiben.  

Im Hexenhaus.   

BE:kannt

Zu den Herausforderungen für den Menschen zählt das Kennen lernen von anderen Menschen. Es hält den Geist flexibel und geschmeidig. Andere Menschen kennen lernen kann man in verschiedenen Situationen. Viele Möglichkeiten gibt es im Dienstleistungsbereich, also geschäftlicher Natur. Auch hier gibt es verschiedene Intensität beim Kennen lernen. Bei bestimmten Berufen, gehört dies zum Arbeitsalltag, ein oberflächliches kennen lernen für einen Servier- oder Kassiervorgang. Intensiver wird das Bekanntschaftsverhältnis, bei einer schulischen oder beruflichen Ausbildung. In einem Betrieb bei der Zusammenarbeit mit KollegInnen, mit Auftragebern oder Lieferanten.
 
Die angenehme Art andere Menschen kennen zu lernen besteht bei einem Sportverein, einer Dorfgemeinschaft. Hier ist das Verbindende das gemeinsame Hobby. Auch bei einer Kulturreise oder Studienwoche kann man sich für eine kurze Zeit mit anderen Menschen einlassen. Man  muss Zuhören können, Interesse zeigen, sich mit der Gedankenwelt des Gegenüber vertraut machen.  Es ist unmöglich jemand anderen kennen zu lernen, wenn man nicht bereit ist, auch von sich etwas zu erzählen.
 
Der Internetsurfer.