B. Brecht war…

… ein ausgeprägter Macho.

Hilfreich war die KI bei der Vorbereitung zur Reise nach Augsburg. Mit einem Mausklick präsentierte sie mir Informationen über die zwölf wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Als Buchhändler in Muse habe ich dann, als der Besuch unmittelbar bevorstand, einen handlichen Reiseführer vom Verlag cityreisen besorgt.  Wahrscheinlich ist es Nostalgie, dass ich lieber mit einem Stadtplan in der Hand, als mit dem Smartphon durch die Innenstadt flaniere. In den ersten Tagen braucht es die Hilfe von einem Einheimischen, um sich trotz Stadtplan zu orientieren. Die Himmelrichtung richtig einzuordnen, wo ist Osten. Der Hilferuf führt meistens zum Griff nach dem Smartphone bei der angesprochenen Person und dann wird die nachgefragte Sehenswürdigkeit eingegeben. Mitleidig wird auf meinen Stadtplan gesehen, welchen ich in Händen halte. In meiner Handtasche steckt auch ein Smartphon. Das Engagement der Stadtführer entscheidet darüber, wie unterhaltsam eine Stadtführung verläuft. Zwecks einer schnelleren Orientierung nehme ich eine solche gerne in Anspruch. Die Handelsfamilie Fugger und das Augsburger Wassermanagement war ein Bestandteil der Stadtführung. Zu den Highlights zählen drei Monumentalbrunnen in der Innenstadt, das Rathaus mit dem Goldenen Saal, der Mariendom und die Fuggerau, um ein paar zu nennen. Mein Besuch des „Welterbe Infozentrum“ am Rathausplatz führte zu einem tieferen Gespräch über das Wasser System Augsburg, zusätzlich zur Stadtführung. Die Dame war selbst ersatzweise als Stadtführerin tätig, daher habe ich ihr berichtet, dass zu meiner Überraschung beim Vorbeigehen am „Berthold Brechthaus“ nichts über Brecht gesagt wurde. Auf dem Weg in die Fuggerei sind wir am Geburtshaus von Brecht vorbeigeschlendert, aber meine Tour guide hat zur Person kein Wort erwähnt.

Die Dame hat im Wasserinfozentrum auf meine Frage etwas ausgeholt, von ihrer Seite wird das Wirken und die literarische Bedeutung von Berthold Brecht auf jeden Fall erwähnt. Die Bevölkerung von Augsburg hatte lange ein Zwiespältiges Verhältnis zu Berthold Brecht, er ist in der Stadt geboren und aufgewachsen, feierte aber seine Theatererfolge in der DDR. Er war für viele ein „Fahnenflüchtling“, der in Ostberlin sein Theaterensemble zu Ruhm verhalf. Heute gibt es von Frauenseite ein distanziertes Verhältnis zu seiner Person, Brecht war ein ausgeprägter Macho. Die Kleinarbeit bei der Ausarbeitung der Theatertexte, der Probenarbeit übergab er den Frauen. Auf keinem Theaterzettel wurden sie erwähnt. Neben seiner Ehefrau hatte er beständig seine Nebenfrauen. Einige Städte Tipps wurden, dadurch ich mit Einheimischen in das Gespräch gekommen bin, aufgewertet. Diese Begegnungen sind es, die mir wichtiger sind und stärker in der Erinnerung bleiben, als manche Glasfenster im Hohen Dom zu Augsburg.

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