Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

erd:äpfel II

Das Anbauen der Erdäpfel erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. Den Anfang machte das Ausbringen des Mistes auf den Acker mit dem Pferd. Eine weitere Vorarbeit in Steillagen war, vom unteren Ackerrand schaufelbreit Erde auszuheben und die Erde am oberen Ackerrand abzulagern. So wurde verhindert, dass mit den Jahren der Ackerboden am oberen Ackerrand ausgedünnt wurde. Dem Pflug vorgespannt waren zwei Pferde, eines gehörte uns, das Zweite wurde von einem Nachbarn ausgeborgt. Die Pferde wurden von einem von uns Kindern mit viel Umsicht am Zügel geführt. Wir waren im Alter von etwa zwölf Jahren und ein Leichtgewicht zwischen den gestandenen Arbeitspferden. Viel Geschick erforderte am Ende einer Ackerzeile das Wenden der Pferde und wieder Einordnen in der vorhergehenden Spur. Der einscharige Pflug wurde vom Vater in der Spur gehalten. Um die Schwerarbeit des Vaters zu erleichtern, mussten die Pferde bei gleichmäßigem Tempo im Zug bleiben. Zum Eggen genügte ein Pferd, dabei führte der Vater das Pferd und ich hob in kurzen Abständen die Egge an, damit die Grasziegel ausgeschieden wurden. Aus den Beständen der vergangenen Kartoffelernte wurden die keimfähigsten Kartoffel ausgewählt und in der Mitte geteilt. Danach wurden die Zeilen gezogen und die Saatkartoffel händisch gesetzt. In gebückter Haltung, immer die Zeilen entlang. Bei der Erdäpfelernte im Herbst wurden die Erdäpfel mit einer Haue freigelegt und eingesammelt.

Im Knabenseminar Tanzenberg erlebte ich den Anbau und die Ernte der Kartoffel in großem Ausmaß durch die Meierei. Auf den weiten Ackerflächen erledigte der Traktor das Pflügen, Setzen und Ausbuddeln, der Erdäpfel. Zum Aufklauben brauchte es unsere fleißigen Zöglings Hände, mittags und abends aßen wir die eigenhändig geklaubten Erdäpfel als Beilage.

Krummer Rücken

erd:äpfel

Wir sind eine Gesellschaft mit  wendigen, wechselvollen Persönlichkeiten. Verknüpft mit unserem Alter und unserer Position beziehen wir zu einem und demselben Thema verschiedene Meinungen. Interessant ist, dass manche Menschen zwar ihre Meinung ein wenig verändern, eines bleibt gleich, sie haben zu allen Vorkommnissen eine schlechte Meinung. Sie suchen nicht nach dem Körnchen was lobenswert ist, sondern nach dem Körnchen, dass der guten Sache eine Prise Verderben beimischt. Dieses Körnchen an Verderben sehen sie auch in einer Haushaltspackung Erdäpfel aus Österreich. Ich meine ein natürliches Lebensmittel, schmackhaft und heimisch, es kommt ohne große Transportwege aus. Die Kartoffeln sind sättigend und vom Preis für jeden erschwinglich. Welchen Pferdefuß können Erdäpfel aus Österreich haben? Sie sollen geschwefelt sein, obwohl ich davon noch nichts gehört habe. Manche verdrehen die Meldungen. Mir geht es gut, obwohl ich viele Jahre ein Erdäpfel Vernichter war. Müssen wir uns um unser heimisches Gemüse Sorgen machen, was ist dann noch ohne schlechtes Gewissen genießbar?

Die Meinungslage ist so, wird jemanden etwas geschenkt, muss er dafür nichts bezahlen, dann treten mögliche Allergene und Gesundheitsrisiken in den Hintergrund. Persönlich habe einen starken Bezug zu Erdäpfel, am Bergbauernhof wurden sie  angebaut und im Keller eingelagert. Sie waren die Beilage bei vielen Fleischspeisen, dem grünen Salat wurden sie beigemischt und manchmal waren heiße Kartoffel, Butter und Buttermilch das Nachtmahl. Vom Setzen bis zum Ernten der Kartoffel und der Verwendung in der Küche brauchte es viel Fleiß.

Kartoffelpüree

baum:pate

Über das Baumbewusstsein, einfacher gefragt können Bäume fühlen und denken, sich untereinander verständigen, wird, seitdem der Wald als wichtiger Regulator für das Klima erkannt wurde, viel geforscht. Aus menschlicher Sicht ist das größte Handicap des Baumes seine Unbeweglichkeit, es ist ihm unmöglich seinen Standort zu verändern. Pflegt er einen Austausch mit anderen Bäumen?  Welche Möglichkeiten hat er dazu, am naheliegendsten durch seine Wurzeln. Als Mensch können wir uns ein solches statisches Leben nicht vorstellen.  Unsere Entwicklung und Bemühungen zielte  darauf ab, möglichst mobil zu sein. Ob uns dies glücklicher macht? Noch vor hundert Jahren haben einzelne Bewohner in den Alpentäler ihr Tal in ihrem Leben kein einziges Mal verlassen. Bei den Männern war es die Einberufung zum Militärdienst, die sie zwangsweise außer Tales gebracht hat.

Im Mittelpunkt der biblischen Menschwerdung steht ein Baum, der Baum der Erkenntnis. Unser Wunsch nach Erkenntnis wurde durch die Frucht von einem Baum, dem Apfel, gestillt. Im Alltag begegnen wir dem Baum als Symbol öfters, dem Wetterbaum, dem Grenzbaum, dem Lebensbaum. Die Wesensverwandtschaft zu einem Baum bezeugen unterschiedliche Menschen zu spüren. Nach dem Geburtsdatum wird einem symbolisch ein bestimmter Baum mit speziellen Eigenschaften zugeordnet. Mein Lebensbaum ist die Esche. Das Motto dafür lautet: Wechsel und Veränderungen sind das Salz in der Suppe.

In der Draustadt kann man eine Baumpatenschaft übernehmen, Baumpatin/Baumpate werden. Die Baumpatenschaft hat ihren Preis. Es gibt andere Initiativen, wo für eine Spende von hundert Euro hundert Nadelbäume gepflanzt werden. Bei der Festsetzung von Lebensräumen, von Tieren und Pflanzen, unterscheiden wir zwischen ein Leben ober- und unterhalb der Baumgrenze. Oberhalb der Baumgrenze wird es für den Menschen bei einem längeren Aufenthalt ungemütlich, weil stürmisch und kalt, Schnee und Eis.

Vogelfrei

baum:schale

Menschen, die sich mit der Aufzucht und Haltung von Bonsaibäumen befassen, pflegen ihre eigene Sichtweise. Ein Bonsaigärtner sagte: „Bonsai bedeutet nichts anderes als Baum in einer Schale. Das heißt, nehme ich den Baum aus der Schale, habe ich hier den Baum und dort die Schale. Der Baum unterscheidet sich durch nichts von einem anderen Baum und die Schale ist eine Schale, wie jede andere Schale auch. Die Minimierung der Baumgröße ist vom Menschen gewollt. Die Zähmung des Baumes gleicht der Zähmung eines Haustieres. Die Lebensdauer eines gepflegten Bonsai  überschreitet zumeist die eigene Lebenslänge. Es wird notwendig den Bonsai in den Nachlass zu geben, jemand soll die Pflege fortführen. Das Besondere an der Bonsaikultur ist, eine Geschichte weiterzugeben, jemand schreibt an meiner Geschichte weiter. Niemand weiß, wie lange die Geschichte fortgeschrieben wird und wann sie ihr Ende findet. Beobachten wir das Wachstum der Bäume, so wenden wir fälschlicherweise unsere menschliche Logik  an.

Vergleichsweise ein altes Foto, das Wesentliche daran ist die Erinnerung die damit weitergegeben wird. Auf dem Foto sitzt die Uroma mit einer Nachbarin unter dem Nussbaum. Was zählt sind die Fragen und das Nachdenken: Wie alt war die Uroma zu diesem Zeitpunkt, zu welcher Jahreszeit wurde das Foto aufgenommen und warum, welches Kleid hat sie getragen und war es Sonntag oder Werktag?

Ahnenforschung