Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

e:mobilität

Meiner Absicht ein Fahrrad mit einem tiefen Einstieg ohne Batteriebetrieb anzuschaffen folgte eine Überraschung, die Auswahl bei den lagernden Fahrrädern besteht zu zwei Drittel aus E-Bike. Verschiedene Geschäfte beschränkten sich auf einige Mustermodelle und boten die Möglichkeit an im Katalog ein passendes Modell ohne E-Motor auszusuchen und dieses dann zu bestellen. Bei den E-Bikes beginnt der Irrtum der umweltfreundlichen E-Mobilität und wird zurzeit durch den Hype um Elektro Autos verstärkt. Bei der Herstellung der Batterien werden seltene Ressourcen an Rohstoffen und viel Energie verbraucht. In Europa gibt es keine nennenswerten Herstellerfirmen für Batterien. Wir sind auf Importe angewiesen und genießen auf Kosten von billigen Arbeitskräften und schlechten Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern unseren Fortschritt. Wir sehen uns als die Klimahelden und übersehen dabei, dass wir die europäische Kolonialisierung fortsetzen. Zudem ist unklar, wie diese übergroßen Batterien entsorgt werden können.

Einmal jährlich ist es um den Wörthersee autofrei, je nach Witterung entweder in der Vorsaison oder in der Nachsaison. Dieses Jahr wurde der autofreie Sonntag Coronabedingt abgesagt. Am autofreien Sonntag haben die Radfahrer das Sagen, auf den Straßen, den Plätzen und in den Restaurants. Im letzten Jahr waren es vor allem die E-Bike Fahrer, welche die Tour dominierten.  Nach einer zeitweise körperlich anstrengenden Rad Runde um den Wörthersee erreiche ich den Ausgangspunkt Velden. Am Ortsanfang, am Südufer, setze ich mich auf eine Bank. Unter einem Strauch, der die sitzenden wie ein Sonnenhut beschirmt. Jetzt verzehre ich meine restlichen Wurstbrote mit einem Schluck Coca-Cola.

Radlerwadln

haus:tier

Aus meiner Erfahrung vereisen jene sorgloser, welche kein Haustier haben. Sie drehen den Wohnungsschlüssel um und lassen nichts Lebendes zurück. Im herkömmlichen Alltag wird man von den Nachbarn um die Zuneigung von seinem Heimtier beneidet. Um die Katze, den Kanarienvogel oder das Meerschweinchen. Nicht so an dem Tag, wo man zu einer Reise aufbricht. Schwer fällt das Loslassen vom Haustier am Tag der Abreise. Das Meerschweinchen, die Katze oder den Kanarienvogel hat man in das Herz geschlossen. Ihn in die Familie aufgenommen und sich täglich mit ihm unterhalten. Man weis sein Heimtier in der Nähe und freut sich, wird man beim Eintreten in die Wohnung von ihm begrüßt. Jetzt kommt der Tag X, man muss das Heimtier für einen längeren Zeitraum zurücklassen. Es beruhigt, hat sich bei Abwesenheit bereits eine Betreuung bewährt, der man ohne Scheu die Pflege überlassen kann.

Beim Ersten Mal, lässt man sein Tier der Aufsicht eines Nachbarn oder Freundes über, geschieht dies mit Bauchweh. Bei dem Gedanken, dass man hunderte Kilometer vom tierischen Familienmitglied entfernt sein wird, stellt sich seelisches Unwohlsein ein. Richtig genießen kann man die Urlaubs- oder Kurtage, welche einem vom Burnout befreien sollen erst, sobald die Nachricht vom Wohlergehen der Katze via WhatsApp am Handy eintrifft. Danach ist ein ungestörter Schlaf möglich, ohne von Alpträumen gestört zu werden.

Werden Hauskatzen von Alpträumen geplagt? Unsere Wohnungskatze Sissi murrt in der Schlafphase des Öfteren und  bewegt sich. Hat sie dabei von dem missglückten Versuch, eine Maus zu fangen, geträumt?

Jagdtrieb

ampel:rot

Besucht man eine Behörde so bedeutet eine grüne Ampel, dass wir in das Büro des Sachbearbeiters eintreten können. Einerlei, ob es sich um eine Passverlängerung, einen Antrag um Heimhilfe oder um die Begleichung einer Parkstrafe handelt. Das farbliche Signal erleichtert den Akt des Eintretens. Die ältere Generation besucht zumeist mit Demutshaltung ein Amt. Die Tatsache, dass die wichtigen Ämter in der Bezirkshauptstadt angesiedelt sind, macht eine Anreise mit dem Auto oder mit dem Zug notwendig. Dies kann die Bezirkshauptmannschaft, das Finanzamt oder das Bezirksgericht sein. Über Jahrzehnte gab es beim Eingang eine Portierloge, wo man dem Portier vorsichtig sein Begehren vorgebracht hat. Danach irrte man durch die verwinkelten Gänge des Altstadtgebäude. Vorsichtig klopfte man an die Tür und horchte angestrengt auf ein Echo. Die Signallampen neben der Tür vereinfachten die Regelung des Parteienverkehrs. Inzwischen werden die Signallampen in einigen Behörden durch das Ziehen einer Nummer ersetzt. Erscheint die eigene Nummer am digitalen Bildschirm, steuert man den zuständigen Schalter an. Gut funktioniert dies bei den ÖBB Servicecenter in den großen Bahnhöfen Österreichs. Notwendig, da die ÖBB den Reisenden ab einer Stunde Zugsverspätung einen kleinen Teil vom Fahrpreis zurückbezahlt.

Veränderungen bringt auch der Einsatz der Künstlichen Intelligenz, wenn durch sie  Entscheidungengetroffen werden. Ein Grundsatzprogramm, weil die nächste Phase auf self learnig beruht. Dabei dürften in Zukunft die Handlungen zugunsten der Jüngeren ausschlagen. Die computeraffinen Köpfe befinden sich bei den Unterdreißigjährigen. Meine Generation behauptete einmal, traue niemanden über dreißig.

Mit 66 Jahren

auto:fahren II

Wer in einem der vielen Tälern von Österreich und nicht in einer der drei Metropolen von Österreich wohnt, für den bedeutet ein fahrbarer Untersatz ein plus an Lebensqualität. Nur in den Großstädten gibt es eine ausreichende Mobilitätsinfrastruktur und ist auch die notwendige Nahversorgung leicht erreichbar. Einerlei ob es um den Einkauf oder den Friseurbesuch geht, in den Landgemeinden verkürzt ein eigenes Auto den Ablauf um Stunden. Gleichzeitig fördert es das Lebensgefühl hier und jetzt zu entscheiden, wann ich von zu Hause wegfahren will und nicht wann es der Busfahrplan will oder nicht will. Auch bei den Autofahrer gibt es unterschiedliche Typen: die Sorglosen, die Rasanten, die Vorsichtigen, die Rücksichtslosen, die Aggressiven und die Ausgeglichenen. Für jeden ist etwas dabei. Werden sich mit dem autonomen Fahren die unterschiedlichen Ansätze nivellieren ?

Die Ansätze, dass die Jugend mehr in die Entscheidungen der Politik, im Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftswesen eingebunden wird, finde ich richtig. Ich wehre mich aber dagegen, dass die junge Generation mir vorschreibt wie ich zu leben habe. Wie mein Lebensumfeld aussehen soll. Die Erfahrung habe ich gemacht, viele Beschwernisse und Hindernisse die sich im Alter auftun, konnte ich mir als Dreißigjähriger nicht vorstellen. Mit Einfühlungsvermögen schafft man es auch im fortgeschrittenen Alter Bedürfnisse und Wünsche von jüngeren Menschen zu verstehen. Diese Nachzuvollziehen, weil man selbst einmal jung war und ähnliche Bedürfnisse hegte. Auch wenn andere materielle Bedingungen, gesellschaftliche Strukturen und technische Standards herrschten.  In den Schaltstellen der Macht sollte es eine Ausgewogenheit zwischen Alt und Jung geben.

Wird die Auswahl, welche Vergünstigungen und Bedürfnisse die einzelnen Lebensalter bekommen und brauchen, künftig der KI überlassen?

Traue keinem über dreißig

auto:fahren I

Die Einstellung darüber, wer wie lange ohne Nachprüfung mit dem Auto fahren darf, hängt wesentlich vom eigenen Alter ab. Es gibt Führerscheinneulinge, welche der Meinung sind, jeder über dreißig sollte einen Gesundheitstest machen, ob er keine Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer darstellt. Dabei verdrängen sie, dass die meisten Unfälle Fahranfänger verursachen, weil sie bewusst oder unbewusst ihr Fahrkönnen überschätzen. Verkehrserfahrung hat etwas mit Zeit zu tun. Da schneiden Fünfzigjährige besser ab. Für diese klingen die Vorbehalte der Dreißigjährigen so, als müsste man bei ihnen den Führerschein einziehen oder jedem einen Beifahrer beistellen. Je älter man wird, umso weiter schiebt man das Alter für einen neuerlichen Fahrsicherheitstest hinaus. Bist du sechzig, sagst du ab siebzig, bist du siebzig, sagst du ab achtzig. Ich kann sagen, dass ich versuche vorausschauend zu fahren. Eventuelle Missstände im Verkehr zu beobachten und rechtzeitig zu reagieren. Kommt es zu einer Verlangsamung des Fließverkehrs früh das Tempo zu reduzieren und nicht mit Vollgas auf die trödelnde Verkehrsschlange drauflosfahren.

Die Manie des kurzfristigen Reagieren, des abrupten Bremens befällt auch schon Autofahrer unter fünfzig und beschwört Gefahren für die Nachkommenden herauf. Liest man von einem Verkehrsunfall in den ein Siebzig- oder Achtzigjährige involviert ist, ist man schnell mit der Meinung bei der Hand, dass es besser gewesen wäre, dieser hätte kein Auto mehr gelenkt. Bei vorsichtiger Fahrweise gibt es in diesem Alter weniger Unfälle als bei Jüngeren.

Rot