Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

tropentage:turbohitze III

Manche Verhaltensweisen sind den Tieren angeboren und ändern sich auch in fünfzig Jahren nicht. Mehrere Jahrzehnte erscheinen uns, gemessen an unserer voraussichtlichen Lebenszeit, als lang. Im Sog der Evolution sind sie nicht vorhanden. Fünfzig Jahre später folgen die Kühe bei Federaun heute noch dem Beispiel der Kühe im Drautal. In Federaun gibt es seit einem Jahrzehnt eine Herde von Hochlandrindern. Sie fühlen sich hier sichtlich wohl, jedes Jahr im Frühjahr gibt es Nachwuchs. Gleich neben dem Radweg befindet sich das Weidegebiet, auf zwei Seiten umgeben von Laubbäumen und inmitten der Wiese ein Wassertümpel. Meinem Dafürhalten wird er vom Grundwasser gespeist, ansonsten wäre er sommersüber bei länger anhaltender Trockenheit und bei solchen Turbohitzetropentage ausgetrocknet. Der Wasserstand ist konstant und die Tiefe für die Tiere ungefährlich. Bei meiner Radtour von Villach nach Nötsch konnte ich am Vormittag sehen, wie zahlreiche Kühe mit allen vier Füßen regungslos im Wasser gestanden sind. So haben sie sich bei Tropentemperaturen mit ihrem natürlichen Instinkt Kühlung verschafft. Egal ob Mutterkuh oder Kalb, jede hatte ihre Füße bis zum Bauch im Wasser.

Wer die Kühe nachahmt und die Füße bis zu den Knien in eine mit Wasser gefüllte Badewanne stellt, findet in den eigenen vier Wänden Abkühlung.

Gut beraten.

tropentage:turbohitze II

Vielleicht hat die mentale Einstellung gegenüber der Hitze etwas damit zu tun, wie man die Bruthitze körperlich empfindet. Begleitet einen vom Gefühl her eine Abneigung gegen höhere Temperaturen, dann wird man diese umso stärker körperlich spüren. Dafür prägend ist sicherlich das erste Dutzend an Lebensjahren. Als Drautalerkind, auf der Sonnseite aufgewachsen, habe ich ein natürliches Empfinden gegenüber sommerlichen Temperaturen. Tatsache ist, dass eine Heuernte bei Regenwetter  unmöglich ist, jedenfalls in den 60er und 70er Jahren.Bei der Feldarbeit hat man sich dazumal nicht der Oberkleider entledigt. Die Frauen trugen Röcke und Blusen, die Männer lange Hosen und Hemden. Zumeist ein Kopftuch oder einen Hut. Das Schuhwerk war fester Natur, Bergschuhen ähnlich, denn in den Hanglagen war bei der Arbeit ein guter Stand notwendig.

Bei der Feldarbeit gab es frisches klares Quellwasser zum Trinken, welches an verschieden Stellen auf dem Feld zu Tage trat. Der Vater benützte seinen Hut als Trinkgefäß, er drückte dem Hut von oben eine Kerbe ein und trank daraus. Der beste Durstlöscher zwischendurch war eine große saure Essiggurke. Von daher stammt meine Vorliebe für saure Gurken, von den süß-sauren Gurken wende ich mich mit Eckel ab. Bei den Bergbauern war Eis nicht verfügbar, diese bevorzugten Sauergemüse. Zum Mittagessen gehörte reichlich Salat, aus dem eigenen Garten.

Das sommerliche Baden spielte eine untergeordnete Rolle. Zum Wochenende ging man zu einem Seitenarm der Drau, um sich ein wenig zu erfrischen. Die Drau Auen teilte man mit dem Weidevieh, welche über die Mittagszeit mit allen vier Füßen, bis zum Bauch, im stehenden Wasser standen.

Hitzeferien

tropentage:turbohitze

Für die Tage, mit Temperaturen über dreißig Grad, ringt man in der Presse um das richtige Wort, sind dies Hitzetage oder Tropentage? Eine Kombination von mir, Turbohitzetropentage. Die Zeitungen und TV-Sendungen sind mit guten Ratschlägen voll, was man bei Hitze machen soll oder eher vermeiden: Tragen von luftiger Kleidung und Sonnenhut, Besorgungen in aller Früh erledigen, keine kalten Getränke, lauwarme Getränke als Durstlöscher. Diese Tipps werden von einem Medium zum Anderem weitergereicht. Mir ist aufgefallen, dass bei Standardereignissen, welche sich jedes Jahr wiederholen, in diesem Fall die Hitzeperiode, jährlich dieselben praktischen Tipps abgedruckt werden. Ein wenig wird das Layout verändert, dies erspart viel Arbeit.

In der Wohnung wappnen wir uns gegen die Hitze nach einem südländischen Rezept, wie wir es von den Einwohnern an der Oberen Adria kennen. Tagsüber bleiben die Fensterläden, die Fenster und die Vorhänge geschlossen, um sie vor dem Schlafengehen ganz weit zu öffnen und sie nachts über offen zu lassen. Einen besonderen Schutz gegen die sommerliche Hitze bieten Bäume, so gibt es in den Badeorten zwischen den Häusern eine Vielzahl kleinerer und größerer Parks. Die beste Kühlung bei gleißender Hitze bringt der Schatten der Bäume. Die endlosen Badestrände, wo in einem Abstand von alle zwei Metern ein Liegestuhl steht, füllen hauptsächlich die Urlauber aus dem Norden. Auf der Liege ist gerade so viel Platz, dass man nicht mit den Füßen am Kopf des Nachbarn anstößt. Das Service am Strand wird immer ausgefeilter, seit ein paar Jahren gibt es neben den fliegenden Verkäufern von Badetüchern, Sonnenbrillen, Schwimmhilfen und Eis, fliegende thailändische Masseurinnen. Eine Rückenmassage von guter Qualität zu fünf Euro, mit Option für einen Termin am nächsten Tag. Angenehm habe ich es  in einem Hotel in Bibione erlebt, wo im Halbstock rundum eine Veranda angebracht war. Hier konnte man sich zu jeder Tageszeit aufhalten, ohne die Hitze überzubewerten. Die ganze Veranda lag im Schatten der Bäume.

Nachtschattengewächs

w.a.mozart:f.m.felder

Wer nach Salzburg kommt und die Altstadt, Getreidegasse, Mozartplatz, Goldgasse oder Linzergasse durchstreift, der sieht in fast jedem Schaufenster Artikel  unterschiedlicher Art mit dem Konterfei von Wolfgang Amadeus Mozart. Darunter befinden sich Regenschirme, T-Shirt, Kugelschreiber, Notizblöcke, Kaffeetassen und Silberlöffel. Weiters Wandteller, Biergläser, Armbanduhren und Blechdosen, Schlüsselanhänger, Parfum und Seifen. Fast jedes Geschäft ergänzt sein Warensortiment mit Mozartsouvenirs. Zusätzlich gibt es Shops die ausschließlich Artikel mit dem Mozartkonterfei verkaufen. Ein Hit ist Mozart als quietschende Ente, zum Spielen in der Badewanne. Die Assoziation zu Mozart empfinde ich so grotesk, dass seit einem Salzburgbesuch davon ein Exemplar auf dem Dudenwörterbuch am Schreibtisch thront.

Der Megaseller bei den Mozart Souvenir sind die Mozartkugel und der Mozarttaler. Mehrere Firmen behaupten sie erzeugen die Original Mozartkugeln. Einmal gibt es sie eingewickelt in rot-schwarzes, das andere Mal in blau-weißes Stanniolpapier. Wie W. A. Mozart diese Kugeln, innen Marzipan und außen Schokolade, wohl geschmeckt hätten? Manche glauben an den Mythos, dass die Mozartkugeln schon zu Lebzeiten von Mozart, von einem Zuckerbäcker aus der eigenen Verwandtschaft, hergestellt wurden. Musikliebhaber unter den Touristen versuchen, haben sie die notwendige Zeit bei ihrer Europa Grand Tour, eines der Konzerte mit Musik von Mozart, welche in Schlossräumen und -kapellen aufgeführt werden, zu besuchen.

Im Vergleich zu W. A. Mozart in bescheidendem Ausmaß vermarktet wird der Bauer, Sozialreformer und Schriftsteller, Franz Michael Felder. Die Bergkäserei Schoppernau im Bregenzerwald in Vorarlberg verkauft einen über zehn Monate gereiften F. M. Felder Bergkäse. Die Verpackung ziert ein Porträt von F. M. Felder, der im Jahre 1839 in Schoppernau geboren wurde.

Süß und würzig