bittgebete

Hilft beten? Die Zugänge und möglichen Antworten zu dieser Frage sind so unterschiedlich wie die Gläubigen: Gott hat das Universum erschaffen und greift in seine Schöpfung nicht mehr ein; Mit seinem freien Willen kann der Menschen zwischen Gut & Böse wählen; Zwischen Krieg und Frieden in der Ukraine entscheiden; Es könnte sein, dass Gott mit Europa eigene Pläne hat, andere als wir es uns vorstellen können.

Aus dem Alltag gegriffen. Ich stolpere über eine Gehsteigkante, komme zu Sturz und dieser verursacht eine schmerzhafte Schulterverletzung. Zwei Optionen, warum verhindert Gott nicht mein Stolpern oder ist es eine Aufforderung zu mehr Achtsamkeit im Leben? Alles was wir über Gott wissen sind Vermutungen. Er greift in Naturgesetze nicht ein, noch ist sein Eingreifen für uns empirisch messbar. Damit könnte erklärt werden, warum Gott auf Verlangen der Menschen, Leiden und Ungerechtigkeiten, nicht einfach aus der Welt beseitigt. Gott kann nur eingreifen, indem er mit dem Menschen in eine Beziehung eintritt, Voraussetzung der Mensch will es.

Kann man von Gott durch Gebete etwas erzwingen? Um etwas bitten? Zitat von Thomas von Aquin: „Denn wir beten nicht darum die göttliche Haltung zu ändern, sondern damit Gott durch das Beten jenes bereitstellt, was durch die heiligen Gebete vorgesehen wurde.“ Wer täglich regelmäßig betet, bei dem verschwinden für kurze Zeit die kreisenden Gedanken, das innere Wesen verändert sich zum Guten. Beten nicht in dem Sinne, dass der rauchende Wohnungsnachbar an Bronchitis erkrankt. Während der fünfzehnminütigen Massage hat der Masseur aus Überzeugung zugestimmt, dass Beten aus einer Person einen besseren Menschen machen kann. Seine Massagekabine hat er sich bewusst neben der „Oase des Gebets“ im Gesundheitshotel gewählt. Eigenartig an seiner Massage war, dass er am Rücken an bestimmten Punkten inngehalten hat und seinen Finger kreisen ließ. Dabei hat er Beschwörungsformeln, für mich unverständliche Worte gesprochen.  

ewiges leben II

Wird das Ewige Leben, wie es von den landläufigen Christen erhofft wird und was ihnen der christliche Glauben verspricht im Jenseits oder im Internet stattfinden? Jesus hat für die echten Gläubigen die Auferstehung nach dem Tod prophezeit und von ihm heißt es im Glaubensbekenntnis, auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel und er sitzt zur rechten Hand Gottes. Bei jedem christlichen Begräbnis gibt es für die Hinterbliebenen den Trost, dass der Verstorbene nur vorausgegangen ist, dass wir uns alle im Jenseits wiedersehen werden. Könnte es sein, dass darüber zwischen den christlichen Gläubigen und den KI-Gläubigen ein Streit entbrennen wird?

Bei den KI-Gläubigen steht die Schaffung eines Avatars, ein Doppelgänger im Web an vorderster Stelle. Mit der KI ist es möglich die menschlichen Eigenschaften zu implantieren und bestenfalls mit dem eigenen Gehirn zu koppeln. Als nächsten Schritt eine Kopie des personalisierten Hirns anzulegen. Ein geistiges Parallel Leben zwischen der Person auf der Erde und dem Avatar im Internet. Kommt der menschliche Körper an das Ende seiner Ressourcen, dann könnte das menschliche Hirn seinen letzten Willen an den Avatar übermitteln. Aus der Medizin wissen wir, wird das Gehirn für kurze Zeit nicht mit Blut und Sauerstoff versorgt, dann sterben die Zellen millionenfach ab und können nicht wieder belebt werden. Viele der Fähigkeiten und des Wissens, welches sich die einzelne Person erworben hat, geht verloren. Sollte der Körper wieder stabil werden, so könnte es ein Backup von der künstlichen Intelligenz geben. Ein Leben als menschliche künstliche Intelligenz, MKI, zu erschaffen, um so den Traum vom ewigen Leben zu erfüllen. Die Wohlhabenden haben einen Startvorteil, wer über mehr Geld verfügt, hat die größere Chance für eine längere Präsenz im Web.

ewiges leben I

Wie könnte ewiges Leben aussehen, nachdem sich alle sehnen? Von den Göttern kennen wir seit der Antike die Unsterblichkeit. Nach dieser wird heute fordernder verlangt als früher. Viele sehen dafür in Mitteleuropa einen Rechtsanspruch, weil wir immense Beiträge in die Krankenkasse einzahlen. Im Gegenzug erwarten wir von unserem Gesundheitssystem, dass wir im ersten Etappenziel weit über 100 Jahre alt werden. Für die nächsten Jahrhunderte eine Verdreifachung bis zum Verfünffachung, bis wir die Unsterblichkeit erreichen. Für die Lebensfähigkeit des menschlichen Körpers aus Fleisch und Blut gibt es Einschränkungen auf der Erde. Einerlei ob das Skelett, die inneren Organe wie Herz, Lunge, Nieren und Magen, es treten Abnützungserscheinungen, Missbildungen und Schmerzen auf. Dadurch ist es mit dem Glauben an die Möglichkeit einer Unsterblichkeit aus Fleisch und Blut vorbei. Mit dem Gehirn gibt es weniger Probleme, die Gehirnmasse unterliegt keinen mechanischen Abnützungen, wie das Knochengerüst und die inneren Organe. Im Gehirn geht es um elektrische, um chemische und biologische Prozesse, diese sind von mechanischen Abnützungen ausgeschlossen. Früher wurden zu Forschungszwecken von überdurchschnittlich begabten und intelligenten Menschen nach deren Tod das Gehirn entnommen und in einer Lösung konserviert. In der Naivität hoffte man, dass man dem überragenden Wissen auf die Spur käme.

Seit hundert Jahren träumen wir davon, dass wir das menschliche Gehirn an einen Elektronen Rechner anschließen, wenn der menschliche Körper hinfällig, krank wird. So könnte es weiter seinen Dienst versehen. Diese Vorstellung hat nicht nur Alpträume, auch die Phantasie der Karikaturisten beflügelt. Die Gehirnmasse wird recht anschaulich in einer Salzlösung gezeigt und es führen mehrere Drähte zu einem Rechner. Das Gehirn kann mittels Lochkarten befragt werden, auf einer Anzeigetafel erscheinen die Antworten. Bis zu einer Antwort kommt es zu einer Denkpause, wie wir es aus den Fix und Foxi Heften von Daniel Düsentrieb kennen.

weihnachtsfrieden

Über die bewaffneten Konflikte die derzeit zwischen verschiedenen Nationen herrschen bin ich entsetzt und auf der Suche nach dem Frieden, der uns vor zweitausend Jahren mit der Geburt Christi geschenkt wurde. Regelmäßig wird in den Kirchen für den Frieden in der Welt gebetet und den Gottesdienstbesucher wird wie zu Christi Geburt verkündet: „Der Friede sei mit euch. Gebet einander ein Zeichen des Friedens“. Außerhalb der Kirchenmauern ist die Welt eine andere. Die Waffenlieferungen an die Kriegsparteien werden verstärkt. Eine massive militärische Aufrüstung erscheint vielen Staaten ein geeignetes Mittel mögliche Gegner einzuschüchtern. Kann damit die Verständigung zwischen den Staaten gefördert werden? Statt die Kriegsursachen friedlich zu beseitigen, droht der Rüstungswahnsinn diese zu verschlimmern. Bei den derzeitigen kriegerischen Auseinandersetzungen beginnt der Gedanke an einen Weihnachtsfrieden zu verblassen und Erinnerungen an die Jugendzeit treten stärker hervor. 

Einige Tage vor dem Heiligen Abend schneite es damals kräftig und meine Lieblingskatze Murli war danach abgängig. Die Suche in der Scheune und im Viehstall war ergebnislos, er blieb verschollen. Der schwarze Kater war etwa fünfzehn Jahre alt und hatte es immer geschafft von seinen Streifzügen trotz Bisswunden, verletzten Pfoten oder angeschossenem Hinterteil nach Hause zu kommen. Am Tag des Heiligen Abend herrschte auf dem Bergbauernhof eine gelöste Stimmung. In Haus und Hof wurde gekehrt, geputzt und gekocht. Verschiedene Arbeiten hatten genau auf diesen Tag gewartet. Der Holzboden in der Küche wurde geschruppt, das Stiegenhaus und die Labn von oben bis unten gekehrt, die Spinnweben aus den Mauernischen entfernt. Am späten Nachmittag überquerten wir den verschneiten Hof, öffnen die Stalltüre und begannen mit der Fütterung der Haustiere. Jedes Haustier bekam zu der üblichen Futtermenge am Heiligen Abend einen besonderen Leckerbissen.  War es eine Sinnestäuschung von mir, wenn ich glaubte, dass die Tiere das Besondere des Abends spürten? Die Kühe begannen am Heu behaglich zu kauen. Diese Zufriedenheit und Ruhe, welche die Kühe ausstrahlten, übertrug sich auch auf uns. Kein Ereignis vermochte das Leben auf diesem Fleckchen Erde zu beeinflussen. Nach der Schneeschmelze haben wir Murli an der Hausmauer tot aufgefunden.

FROHE WEIHNACHTEN

„ Gibt es einen Fortschritt in der christlichen Religion” ?

Den geschichtlichen Zeitraum für diese Frage werde ich ab der Neuzeit belassen. Der Duden erklärt die Bedeutung von Fortschritt[1] so: „Unter Fortschritt versteht man eine positive Weiterentwicklung, im idealen Fall eine höhere Stufe der Entwicklung.“

Zu den positiven Weiterentwicklungen bei den christlichen Religionen zähle ich die Bereitschaft, dass sie sich mehr den Menschen zuwenden, den Nöten der Menschen mehr Raum geben. Geht man von den Berichten in den Evangelien aus, dann ist das Eintreten von Jesus für die Hilfsbedürftigen, seien es Aussätzige, Ehebrecher, Hilfslose und Kranke, ein Eckpfeiler seines Wirkens. Die Ordensgründungen im Frühmittelalter gehen mit der Krankenpflege einher. In Österreich gibt es einige namhafte Ordenskrankenhäuser, wie jene der Barmherzigen Brüder, der Elisabethinen, der Kreuzschwestern u. a. Den Fortschritt bei den Ordensspitäler sehe ich darin, dass sie die Modernisierung in der Medizintechnik mitgemacht haben und trotzdem die christliche Zuwendung zum Menschen nicht vernachlässigen.

Auf der Patientenmappe des „Kardinal Schwarzenberg Klinikum“ steht: „Geht nie mit den Kranken nachlässig um, sondern versorgt sie mit warmherziger Liebe“ [2]. Bei meinem Aufenthalt in der Kardinal Schwarzenberg Klinik in Schwarzach im Pongau erlebte ich den sorgsamen Umgang des Krankenhauspersonal mit den Patienten. Bereits in der Ambulanz sitzt niemand in einer „Endlosschleife“, es wird versucht zu vermitteln, wann jeder drankommt. Beim Warten auf die Operation gab es viele tröstende Worte. Im Klinikalltag stellte sich jeder Mitarbeiter mit seinem Namen vor und erklärte was und warum er dies macht. Im Krankenzimmer: „Guten Morgen Herr Supersberger, ich bin Elvira, Krankenschwester im 2. Ausbildungsjahr. Darf ich ihnen den Blutdruckmessen oder soll ich später noch einmal vorbeikommen“?[3] Die ärztlichen Visiten endeten mit der Frage: „Gibt es bei jemanden noch eine Unklarheit, gerne beantworten wir ihre Frage[4]“?


[1] Duden, positive Weiterentwicklung [2] Hl. Luise von Marillac [3] Tageheft Nr. 275, Franz Supersberger, Hüftoperation Kardinal Schwarzenberg Klinikum [4] Ebenda