bitt:gebet II

Es könnte sein, dass Gott sich in seinem Schöpfungsakt selbst beschränkt hat und nur einen bestimmten Spielraum für Eingriffe offengelassen hat. Er weder in die Naturgesetze eingreift, noch sein Eingreifen für uns empirisch messbar ist. Damit wird erklärt warum Gott auf die Bitten, die Gebete der Menschen hin, Leiden und Ungerechtigkeiten nicht einfach beseitigt. Dies lässt auch verstehen warum Gott in unserer jetzigen Situation, trotz der vielen Gebete um einen Frieden in der Ukraine, diesen nicht einfach herstellt. Gott kann nur eingreifen, indem er mit dem Menschen in eine Beziehung eintritt, Voraussetzung der Mensch will es.

Beim direkten Gespräch glaubt der Philosoph Lukas hält sich Gott zurück, weil er unsere Freiheit respektiert. Würde er mit uns offen kommunizieren, dann können wir nicht anders, als an ihn zu glauben. Gott hat ein Interesse im Verborgenen zu bleiben, auch in seinem Handeln. Durch die Gnade werden wir zum richtigen Handeln motiviert. Das richtige Beten erhöht die Chance der Gnade Gottes teilhaft zu werden. Jesus ermahnte seine Jünger richtig zu beten und nicht zu plappern wie die Heiden. Er lehrte ihnen das Vaterunser. Jesus hatte keine Präferenz für das Bittgebet er lehnte dieses eher ab. In seinen Bitten an den Vater verwendete er zumeist den Zusatz: Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. 

Mir scheint, sagt der Theologe zum Philosophen, unsere Auffassungen zum Gebet liegen nicht weit auseinander. Du meinst Gott hat die Schöpfung so eingerichtet, dass Gebete die Betenden verändern. Ich meine Gott verändert die Betenden als Antwort auf ihre Gebete. Gemeinsam haben wir auch, dass aus christlicher Sicht das primäre Ziel das Erreichen der Erlösung der Seele ist, innerweltliche Ziele sind sekundär. Gebete um persönliche Wünsche, wie zum Beispiel um mehr Einfluss am Arbeitsplatz, könnten für das eigene Seelenheil kontraproduktiv sein. Ich sehe Das Vaterunser als Aufforderung am Reich Gottes auf Erden mitzuwirken und den eigenen Willen zurückzustellen. Die Bitte um unser tägliches Brot als eine Aufforderung an einer gerechteren Verteilung der Güter mitzuwirken.

bitt:gebet

Die Sichtweise über eine Sachlage kann sich ändern, auch im fortgeschrittenen Alter, erfährt man etwas Neues. Es gibt keine Altersgrenze um nicht seine Meinung und seine Ansichten zu ändern. Es wird daraufhin hinauslaufen, dass man sich im Alter beschränkt für sein Lieblingsgebiet neue Informationen einzuholen. Eventuell dort andockt, wo man in der Jugend verschiedene Erfolge hatte. Oft kommt etwas während der Berufsausbildung und dem Berufsleben zu kurz. Im Beruf wird man geradezu gezwungen sich mit berufsspezifischen Themen auseinanderzusetzen. So bleibt für die Lieblingsfächer keine Zeit. Dies deckt sich mit meiner Erfahrung.

Im Tageheft Nr. 256 finde ich eine Notiz, wo ich von meinem Radausflug zum Faakersee berichte. Dazu habe ich notiert, dass ich in der St. Georgskirche ein Bittgebet für R. und ein Dankgebet für mich, zum Verlauf der Coronaerkrankung vor Gott gebracht habe. Diese Gebete interpretiere ich heute unter einer neuen Sichtweise. In einer Lehrveranstaltung über das Gebet, Bitten und Danken, auf der Philosophischen Fakultät in Salzburg habe ich dazu hintergründiges erfahren.

Fiktiv unterhalten sich in einem Gespräch Markus und Lukas über die Wirkung von Gebeten. Beide stimmen darüber überein, dass Gott zumeist unsere Gebete nicht so erhört wie wir uns dies im Moment erhoffen. Daraus sei aber nicht zu schließen, dass Gott nur Gebete erhört die Teile des Schöpfungsplanes sind. Wir sollten uns fragen warum Gott in vielen Situationen Gebete nicht erhört, nicht erhören will. Für den Theologen Markus gibt es gute Gründe warum Gott selten in den Schöpfungsverlauf eingreift und verweist auf das Johannesevangelium: Gott hat zu uns Geschöpfen eine liebende Beziehung. Diese Beziehung bedeutet Freiheit für die Geschöpfe und Respekt vor unseren Entscheidungen. Damit überträgt Gott aber auch uns die Verantwortung für unser Handeln.

kirche:klima

Auch in diesem Sommer gibt es in Mitteleuropa wieder Tropenhitzetage. Besonders leiden darunter ältere Menschen, deren Kreislaufsystem und Herzfunktion geschwächt oder beschädigt sind. In Österreich sind die wenigsten Wohnblöcke auf die Tropenhitze durch eine Klimaanlage vorbereitet. Im besten Fall gibt es Jalousien, die man tagsüber schließen kann. Für die Hitzewelle mangelt es nicht an guten Ratschlägen, besonders für altersschwache Menschen. In den Zeitungen, im Radio und in Fernsehsendungen werden sie aufgefordert die frühen Morgenstunden für ihre Besorgungen zu nützen. Immer eine Kopfbedeckung zu verwenden und viel zu trinken. Zwei spezielle Tipps für ältere Menschen sind: Befindet sich in der Nähe der Wohnung eine Kirche älterer Bauweise, diese zu besuchen. Zumeist verhindern die dicken Außenmauern, dass sich der Kirchenraum übermäßig erwärmt. Vorgeschlagen wird auch, ein Einkaufszentrum in der Stadt aufzusuchen, dieses ist in der Regel klimatisiert. Dort können sich Menschen, welche Abkühlung suchen, für ein paar Stunden aufhalten ohne etwas zu konsumieren oder zu kaufen. Mit dem Lift oder der Rolltreppe erreicht man mühelos die einzelnen Stockwerke um das Warenangebot zu bestaunen. Danach geht man mobilisiert nach Hause und sehnt den Abend herbei.

An Tropentagen bleiben bei uns in der Wohnung die Schiebetüren nachtsüber geöffnet, morgens schließen wir sie und ziehen die Vorhänge zu. Abkühlung geht vor Sicherheit. Ein nachahmenswertes Beispiel um mit der Hitze fertig zu werden, erlebte ich beim Radfahren entlang der Gail, in Federaun. Inmitten einer Weide ist ein Wassertümpel, der auch Sommers nicht austrocknet. Die Hochlandrinder standen inmitten dieses Tümpels bis zum Bauch im Wasser. Pfarrer Kneip hat einige praktische Beispiele, wie man sich im Sommer Kühlung verschaffen kann. Vom Wassertreten bis zum kalten Armbad.

kirche:handy

In  allen europäischen Ländern wird derzeit von einem Mitgliederschwund und von Kirchenaustritten berichtet. Die Gläubigen bleiben an den Sonntagen der Kirche fern, weil der Ritus der Messfeier nicht mehr zeitgemäß ist und sich im Laufe der Jahrhunderte leergelaufen hat. In einzelnen Fällen werden die leerstehenden Gotteshäuser vermietet, zu Schwimmbäder und Sporthallen umgebaut, oder abgetragen. Weit verbreitet ist die Meinung die katholische Kirche ist zu wenig fortschrittlich. Dabei sollten wir unterscheiden, geht es um den Fortschritt in der Lehre, in der Modernisierung der Messfeier oder um den technischen Fortschritt? Bei den Dogmen und der Lehre ist ein Großteil der Christen dafür, diese an die Erfordernisse der Zeit anzupassen. Bei einem Gottesdienstbesuch in Wien erlebte ich im technischen Bereich eine Innovation. In der Peterskirche haben die Messebesucher die Möglichkeit am Handy die aktuellen Liedtexte herunterzuladen und mitzusingen. In dieser Kirche muss man sich von der Vorgabe, dass während der Messfeier die Smartphone tabu sind, verabschieden.

Ob die Handynutzung die Aufmerksamkeit der Kirchenbesucher an der Messfeier senkt oder am spirituellen Inhalt steigert, sei dahingestellt. Was ist das Wesentliche an der Eucharistiefeier? Die einen Priester meinen, das Essentielle sei nicht die Kontemplation, sondern das Gemeinschaftserlebnis. Vor, während und nach der Messe. Dazu gehört das gemeinsame Abendmahl und danach das Pfarrcafé. Die Predigt, sofern sie persönlich und nicht vorgedruckten Predigbüchern oder diözesanen Webseiten entnommen ist.

auf:erstehung

In einer Ausstellung zeigte die Albertina primär nicht das Orgien Mysterien Theater, sondern Hermann Nitsch als Maler. Es waren Leinwände von etwa zwei mal drei Metern, auf denen die Farbe aus Dosen in verschiedenen Farbtönen geschüttet wurde. Danach wohl mit einem Bartwisch, mit den Händen oder mit einem Besen, verteilt. Eine Verbindung zu meinem Kosmos kann ich mit dem Triptychon Auferstehung herstellen. Jede Leinwand hängt auf einer Vorhangstange, wobei in der Mitte ein Ausschnitt für den Hals freigelassen wurde, dort hängt das Malhemd. Bei mir kommt es zur Illusion, als hängt eine Person auf dem Querbalken. Die Leinwände ähneln den Messgewändern eines Priesters, der bei der Wandlung dem Kirchenvolk den Rücken zuwendet, wie es vor der Liturgiereform der Fall war. Beim mystischen Prozess, wenn die profanen Hostien und der Wein, in Fleisch und Blut Jesu Christus transferiert werden. Dieses Bild ist meiner Zeit als Ministrant in den 60er Jahren geschuldet.

Wie schaffte es Nitsch, dass sein sogenanntes Malhemd immer die Farbkleckse zur Schau trägt, die aktuell auf der Leinwand zu sehen sind?  Kleckst er mit den Farben wie Kleinkinder, wenn sie mit Fingermalfarben großflächig auf dem Packpapier arbeiten? Mit dem Goldgelb erzielt er die stärksten Effekte. Vor Jahren war ich völlig aufgelöst, als am Ende der Aufführung vom Leiden und Sterben Christ, bei den Passionsspielen in Kirschschlag, auf der Bühne die Grotte, das leere Grab, in einem goldgelben Licht erstrahlte.

Das Grab ist leer.