Bertrand Russel…

Es ist ersichtlich, dass Bernd Russel ganz bewusst und pointiert bestimmte Bibelstellen ausgewählt hat und sich nicht darum gekümmert hat wie die damalige Exegese mit diesen Bibelstellen umgegangen ist. Weiter geht es im Vortrag mit dem Bibelzitat: „Der Menschensohn wird seine Engel aussenden. Diese werden aus seinem Reich alle Verführer und Übeltäter sammeln und werden sie in den Feuerofen werfen.22“ Für Bernd Russel ist die ganze Lehre vom Höllenfeuer, als Strafe für die Sünde, eine grausame Lehre.“23  Erst seit einigen Jahrzehnten wird die Lehre vom gütigen und verzeihenden Gott für die breite Bevölkerung verkündet. Wie begegnet man heute dem Vorwurf von Russel?24 …, „dass in den so genannten Epochen des Glaubens als die Menschen an die christliche Religion in ihrer vollen Ganzheit wirklich glaubten, gab es die Inquisition mit ihren Foltern, wurden Millionen unglückseliger Frauen als Hexen verbrannt und im Namen der Religion an unzähligen Menschen alle erdenklichen Grausamkeiten verübt“. Welches Argument könnte dafür sorgen, dass man sich nicht vom christlichen Glauben und der katholischen Kirche abwendet und zum Antichristen wird?  Meine Zuflucht ist, dass nicht alle Priester der katholischen Kurie an diesen Grausamkeiten beteiligt waren und gutgeheißen haben. Ich denke auch an die Willensfreiheit, welche uns Gott eingeräumt hat, uns für Gut oder Böse zu entscheiden.   

Zum Ende des Vortrages zitiert Bernd Russel aus seiner Sicht zwei Gründe, warum die Menschen an Gott glauben: „Menschen glauben an Gott, weil man sie dies von frühester Kindheit an gelehrt hat. Der Wunsch nach Sicherheit, nach einer Art Gefühl, dass es einen großen Bruder gibt, der sich um einen kümmert“.  Bei den zwei Gründen die Bernd Russell nennt, warum die Menschen an Gott glauben, steckt auf jeden Fall ein wahrer Kern. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts war eine christliche Erziehung von Kindesbeinen an normal, heute gibt es dabei eine große Erosion. „Der große Bruder“ spielt aus meiner Beobachtung auch heute eine Rolle. In zahlreichen Kirchen, wie in der Nikolaikirche in Villach, liegen bei den Seitenaltären Gästebücher auf, wo sich die Hilfesuchenden mit einer Bitte an Gott wenden können. Davon wird reger Gebrauch gemacht. 

  

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Bertrand Russell…

Bertrand Russell, * 18. Mai 1872 Wales; † 2. Februar 1970 Wales, war ein britischer Philosoph, Mathematiker und Religionskritiker. 1950 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er gilt als einer der Väter der analytischen Philosophie. Er verfasste eine Vielzahl von Werken zu philosophischen, mathematischen und gesellschaftlichen Themen. Zusammen mit Alfred North Whitehead veröffentlichte er die „Principia Mathematica“, über die Grundlagen der Mathematik. Russell war Atheist und Rationalist. Seine Ansichten über Religion hat er in dem Essay, „Warum ich kein Christ bin“, zusammengefasst. Russell hielt diesen Vortrag am 6. März 1927 für die National Secular Society. 

Am Beginn seines Vortrages definiert Russel was für ihn zum Christsein gehört: Die betreffende Person muss an Gott, die Unsterblichkeit der Seele und an Jesus Christus glauben17. Er will bei seinem Vortrag die Zuhörer über zweierlei informieren: „Erstens, warum er nicht an Gott und die Unsterblichkeit glaube und warum er nicht der Ansicht ist, dass Christus der Beste und weißeste der Menschen war“.18 In der Annahme, dass Gott die erste Ursache für die Entstehung des Universums ist, wie es die Theologie lehrt, zitiert Russel das Gegenargument von John Stuarts Mills: „Wer hat Gott erschaffen? Wenn alles eine Ursache hat, dann hat auch Gott eine Ursache.“ In der modernen Physik wird der Urknall als Beginn des Universums genannt. Ist Gott mit dem Urknall gleichzusetzen? Damit entsteht das Risiko, dass Gott durch eine neuere wissenschaftliche Erkenntnis ausgetauscht würde. Nach Thomas von Aquin: „Nichts bewegt sich, ohne dass es zuvor einen Beweger gibt. Das führt zu einer Regression und Gott ist der einzige Ausweg. Irgendetwas muss die erste Bewegung veranlasst haben, und dieses Etwas nennen wir Gott.“ Verstehe ich Thomas Aquin richtig, dann ist die erste Ursache Gott. Nach meinem Dafürhalten scheitern wir daran, wenn wir nicht akzeptieren, dass es einen unbewegten Beweger geben kann. Kann es sein, dass sich Gott selbst erschaffen hat, aus sich selbst. Folgt man den Argumenten von Bertrand Russell, dann hat die Welt ohne Auslöser und Ursache begonnen, hat das Universum immer schon existiert und hat überhaupt keinen Anfang.19  

 

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Gibt es Fortschritt…

Den geschichtlichen Zeitraum für die Frage: „Gibt es einen Fortschritt in der Religion oder  einen wissenschaftlichen Fortschritt welches religiöse Denken für obsolet erscheinen lässt“ werde ich für diese Übung ab der Neuzeit belassen. Der Duden erklärt die Bedeutung von Fortschritt9 so: „Unter Fortschritt versteht man eine positive Weiterentwicklung, im idealen Fall eine höhere Stufe der Entwicklung.“  

Zu den positiven Weiterentwicklungen bei den christlichen Religionen zähle ich die Bereitschaft, dass sie sich mehr den Menschen zuwenden, den Nöten der Menschen mehr Raum geben. Geht man von den Berichten in den Evangelien aus, dann ist das Eintreten von Jesus für die Hilfsbedürftigen, seien es Aussätzige, Ehebrecher, Hilfslose und Kranke ein Eckpfeiler seines Wirkens. Die Ordensgründungen im Mittelalter gehen mit der Krankenpflege einher. In Österreich gibt es einige namhafte Ordenskrankenhäuser, wie jene der Barmherzigen Brüder, der Elisabethinen, der Kreuzschwestern u. a. Den Fortschritt bei dem Ordensspittal sehe ich darin, dass sie die Modernisierung in der Medizintechnik mitgemacht haben und trotzdem die christliche Zuwendung zum Menschen nicht vernachlässigen. Auf der Patientenmappe des „Kardinal Schwarzenberg Klinikum“ steht: „Geht nie mit den Kranken nachlässig um, sondern versorgt sie mit warmherziger Liebe“ 10. Bei meinem Aufenthalt in der Kardinal Schwarzenberg Klinik in Schwarzach im Pongau erlebte ich den sorgsamen Umgang des Krankenhauspersonal mit den Patienten. Bereits in der Ambulanz sitzt niemand in einer „Endlosschleife“, es wird versucht zu vermitteln, wann jeder drankommt. Beim Warten auf die Operation gab es viele tröstende Worte. Im Klinikalltag stellte sich jeder Mitarbeiter mit seinem Namen vor und erklärte was und warum er dies macht. Im Krankenzimmer: „Guten Morgen Herr Supersberger, ich bin Elvira, Krankenschwester im 2. Ausbildungsjahr. Darf ich ihnen den Blutdruckmessen oder soll ich später noch einmal vorbeikommen“?11 Die ärztlichen Visiten endeten mit der Frage: „Gibt es bei jemanden noch eine Unklarheit, gerne beantworten wir ihre Frage12“?  

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Gibt es religiöse…

Andre Frossard war ein französischer Journalist, Essayist, Kommunist und bekennender Atheist.  Er konvertierte im Jahre 1935 aufgrund eines Bekehrungserlebnisses zum Katholizismus. In seinem Buch, „Gott existiert“, schildert er diese Bekehrung. Diese Passage, seine religiöse Erweckung in einer Kapelle, wiederholt er nochmals im Folgeband, „Es gibt eine andere Welt“: „Ich sage nicht, der Himmel öffnet sich, er öffnet sich nicht, er stürzt auf mich zu, schießt plötzlich wie ein stummes Wetterleuchten aus der Kapelle empor […] Es ist die Wirklichkeit, es ist die Wahrheit, ich sehe sie vom dunklen Ufer aus wo ich noch festgehalten bin.“6 Durch diese Erscheinung wurde er vom Marxisten zum Christen verwandelt. André Frossard reagiert auch auf die Unsicherheit wie religiöse Erfahrungen zu beurteilen sind und gibt darauf im Buch eine Antwort: „Die Echtheit einer Erscheinung erkennt man daran, dass sie an allem anderem zweifeln lässt. Sie überlagert nicht die sichtbare Welt, sie fügt sich ihr nicht ein. Ihr Glanz durchbricht sie, verweist sie in den Hintergrund, löst sie auf.“7 Wenn ich es richtig verstehe, dann ist ein Merkmal religiöser Erfahrung, dass sich der Lebenswandel der betreffenden Person radikal ändert. Es ist anzunehmen, dass religiöse Erfahrungen nicht immer mit ekstatischen Momenten einhergehen müssen, vorstellbar ist auch in einem ruhigen Moment, einer meditativen Tätigkeit. 

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Beweise…

…Mariä Himmelfahrt

Mit Kunstinstallationen in den Gotteshäusern versucht die katholische Kirche das österliche Geschehen um Tod und Auferstehung den Menschen näherzubringen.  In der Stadtpfarrkirche Villach setzt Markus Orsini- Rosenberg mit seiner Installation einen spirituellen Denkanstoß. Beim Betreten des Kirchenschiffes habe ich als Erstes die Flusssteine am Boden wahrgenommen. Vorsicht Steine, über diese könnte ich stolpern mit schlimmen Folgen. Andererseits, hier hat mir jemand Steine in den Weg gelegt um mich aus dem gewohnten Alltag herauszureißen. Normalerweise ist an einem Sonntag in der Kirche alles „beim Alten“. Mein nächster Blick sucht den Altar, dieser ist verhüllt mit einem weißen Leinen, der vergoldete Engel davor ist tröstlich. Unter den aus Sperrholz ausgeschnittenen Formen habe ich ein Kleeblatt entdeckt, ein Glücksklee! An Gott glauben zu können ist ein Geschenk, so wie es der Fund eines vierblättrigen Kleeblattes auf der Wiese ist.

Teil der Installation sind großformatige Tafelbilder, sie weisen auf den Wandel in der Natur hin, vom Erblühen und vom Vergehen der Vegetation. Dies ist nahe bei der Osterbotschaft vom Tod, von der Auferstehung und das Weiterleben im Jenseits. Um dieses Thema ging es in einer vorösterlichen Gesprächsrunde während einer Langlaufwoche im Bildungshaus Osttirol. Damals gab es im Lienzerbecken eine durchgehende Schneedecke, man konnte von Silian bis Oberdrauburg langlaufen. Heute glaubt mir dies niemand mehr, außer ich zeige ihm zum Beweis ein Foto. Die Berichte von der Auferstehung und von einem Weiterleben im Jenseits werfen immer auch die Frage auf, gibt es dafür Beweise?

Ein Theologe der Cusanus Akademie leitete die Gesprächsrunde. Für sich glaubte er an die Auferstehung nach dem Tod, an ein Weiterleben im Jenseits und dass er dort Gott begegnen wird. Er würde sich aber nicht wundern, wenn Gott nicht da wäre.

Heute feiert die katholische Kirche die Himmelfahrt Mariens.