auffang:becken III

Die christlichen Kirchen plädieren für Auffangbecken unterschiedlicher Art, nach dem biblischen Auftrag zur Nächstenliebe. Die Schwächsten in der Gesellschaft, Straffällige nach ihrer Haftentlassung oder Zuwanderer werden unterstützt. Es braucht großes Vertrauen, wenn man einem Gewalttäter oder wegen Eigentumsdelikte Verurteilten eine neue Chance gibt und in der Firma einen Arbeitsplatz anbietet. Zumeist ist die Rückfallquote, kommt es zu einem Konflikt oder gibt es eine Gelegenheit dazu, hoch. Bei Jugendlichen sieht man über leichte Straftaten, es könnte sich um eine gewisse Unreife gehandelt haben, hinweg. Von den Geradlinigen, den Folgsamen und Aufrichtigen wird verlangt, dass sie dafür Verständnis aufbringen. Dabei findet oft keine ausgeglichene Bilanz statt.

Wir erwarten oft sehnsüchtig ein Gewitter, damit der Schmutz von den Straßen und den Häusern von einem Starkregen fortgespült wird. Ein reinigendes Gewitter lässt einen körperlich aufatmen, bis in die Seele hinein. Dies kann ein Vorbild für eine klärende Aussprache sein, lässt die Seele frei atmen und kann neue Horizonte eröffnen. Welches Auffangbecken erwartet unsere Seele, wenn der Körper seinen Dienst versagt. Werden wir hineingespült in das Auffangbecken des Himmels oder davor durch die Kläranlage, das Fegefeuer, gereinigt?  Als denkende Wesen haben wir vieles entwickelt, für alle Unbilden des Lebens haben wir  Auffangbecken installiert, zu guter Letzt ein Auffangbecken für die Seele, den Himmel.

Zur schönen Aussicht

auffang:becken II

Ausgleichszulagen gibt es für Pensionisten, welche in ihrem Arbeitsleben zu wenig verdient haben oder zu wenige Beitragsjahre haben. Für diese werden in Österreich die Pensionen zu einer Mindestpensionshöhe aufgestockt. Dabei gibt es großen Diskussionsbedarf da die Mindestsicherung, die jeder Erwachsene in Österreich bekommt, der Mindestpensionshöhe gleichkommt. Die Mindestsicherung bekommen auch jene, welche keine Beiträge in unser Sozialsystem eingezahlt haben oder sich gekonnt einer dauerhaften Arbeit entzogen haben. Über jene lächeln, welche sich in einer Vierzigstundenwoche abmühen, während sie Schlupflöcher gefunden haben, um keine Arbeit annehmen zu müssen.

Auffangbecken finden sich bei der Kanalisation, wo es darum geht, die Abwässer in einem Klärbecken zu reinigen. Diese könnten sonst am Grundwasser oder Fließgewässer Schaden anrichten. Nicht immer erfolgte die Reinigung der Abwässer freiwillig, beschleunigt haben den Prozess Bürgerbewegungen. Jahrzehntelang war die Situation bei der Gail und ihren Nebenflüssen prekär. Beim Abbau von Zink und Blei wurde das Spülwasser direkt in den Bach geleitet, dieser schlängelte sich als eine erdbraune Flut durch den Ort. Mit der Hoffnung, der Schlamm wird sich im größeren Fluss auflösen. Ähnliches erhoffte man sich von den Industrieabwässern bei der Bleiverhüttung. Im Bewusstsein war es einfach, der Schmutz wurde fortgespült, über die weiteren Folgen gab man sich sorglos. Dabei hat sich in den vergangenen dreißig Jahren bei den österreichischen Industriebetrieben vieles zum Guten gewendet, die Schadstoffe werden getrennt und herausgefiltert.

Mülldeponie.

auffang:becken

In Österreich wird über die Reform der Sozialversicherungsträger diskutiert. Das Bestreben ist, die einzelnen Körperschaften zu einer Körperschaft zu vereinen. Ist es notwendig, dass die Gebietskrankenkasse in jedem der neun Bundesländern eine eigene Direktion hat, obwohl es sich um dieselbe Institution handelt? Auch bei den Leistungen, die von den Krankenkassen bezahlt werden, gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern. Es gibt unterschiedliche finanzielle Zuschüsse, ob man sich in Vorarlberg oder in der Steiermark eine Gleitsichtbrille anschafft. Die Höhe der Krankenkassenbeiträge ist in Österreich überall derselbe. Die Krankenversicherung wurde eingeführt, um im Falle einer Erkrankung, unabhängig vom Einkommen, eine gute medizinische Versorgung zu bekommen. Sie ist ein Auffangbecken für Schutzsuchende beim Eintreten eines gesundheitlichen Problems, beruhigend in einem medizinischen Notfall. Unser Leben begleiten verschiedene Auffangbecken.

Manche sehen in diversen Auffangbecken einen Hemmschuh oder eine soziale Hängematte, wie dies ein Reformpolitiker die Arbeitslosenunterstützung bezeichnet hat. Dazu gibt es Meinungsverschiedenheiten, wie hoch darf die Unterstützung für Arbeitssuchende sein und wie lange darf diese dauern? Dazwischen sickert die Erkenntnis durch, dass in Europa die Jahre, wo es für alle immer und jederzeit Arbeit gibt, vorbei sind. Eine Möglichkeit, um diesen Abwärtstrend zu begegnen sieht man darin, dass bei vielen selbstständigen Tätigkeiten auf einen Ausbildungsnachweis verzichtet wird. Mit einem Gewerbeschein kann man in Österreich ab sofort zweihundert Gewerbe ausüben. Die Kunden werden die Draufzahler sein, wenn sie durch Laien eine Dienstleistung erhalten, die nicht den Anforderungen entspricht. Bis dato hat man bei der Arbeit den Ausspruch, „kein Problem“ in den Balkanstaaten gehört. Diese Aussage wird in Zukunft in Österreich, beim ersten Kundenkontakt, zum Begrüßungsritual des Handwerkers werden.

geld:rückgabe II

Einen besonderen Kick übten auf uns Jungwehrdiener, ein Teil kam aus ländlichen Gebieten, jene verbotenen Lokale aus, die auf einer Liste in der Belgierkaserne angeführt waren. Auf dieser Liste standen Nachtclubs und Bars mit Animierdamen, die meisten befanden sich im Stadtteil Gries. Dieses Grazer Viertel war für sein Nachtleben bekannt. Einige der Etablissements hatten schon am späten Nachmittag geöffnet. Ein Getränk kostete den Sold von einem Monat. Zeitweise wurden im Gries-Viertel von der zivilen Militärpolizei Kontrollen durchgeführt. Das billigste Freizeitvergnügen war der Besuch des Kasernen eigenen Kinos, der Eintritt kostete fünf Schilling.  Zumeist wurden Westernfilme gezeigt, dies machte mich zu einem Westernfan.

Für jene, welche es sich leisten konnten, habe ich für fünfzig Schilling den Wachdienst am Wochenende übernommen. Bei Dienstantritt habe ich mich unter falschen Namen gemeldet. Dies war möglich, da wir als Schreiberlinge des Gruppenkommando II, in der Belgierkaserne über gesonderte Unterkünfte verfügten. Unsere Stuben waren im Dachgeschoss eines Kasernengebäudes, ausgestattet mit Bodenbelag, untergebracht. In unserer Unterkunft waren keine Unteroffiziere anwesend, der Wachtposten wurde einmal vom wachhabenden Standortoffizier kontrolliert.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln war es in den siebziger Jahren unmöglich für ein Wochenende von Graz nach Ferndorf zu fahren.