eigen:heim

Mit den verlebten Jahren gehen die Bewohner eine innige Gemeinschaft mit ihren Häusern ein. Dies trifft bei einem Einfamilienhaus stärker zu, als bei einem Mietshaus. Durch die Schicksalsstunden welche man dort erlebt hat, verstärkt. Mit dem Älterwerden sieht man im Hausbesitz keinen Ruhepol mehr, sondern einen Unruhepool im Leben. Der Besitz hält einen ständig auf Trapp, ein Mühlrad welches immer in Bewegung ist. Man wünscht sich sehnlichst den Tag herbei nicht länger das Mühlrad zu sein. Die Funktion des Mühlrades abzugeben und das Haus zu vermieten. Danach gibt man sich mit weniger Wohnraum zufrieden, um die Ruhe  zu genießen. Monate später steht man bei einem Besuch vor einem neuen Gartentor und einem fremden Namen daran. Der Eingang hat sich total verändert. Die Skulpturen im Innenhof und die Dekorierung der Veranda zeugen von einem andersartigen Geschmack. Dem bodenständigen Empfinden entspricht die Ausstaffierung nicht, sie wird als nicht vertraut angesehen. Der Wind weht aus dem Südosten. Ab und zu verreist man mit Goethe in den Süden, besser noch mit Montaigne, dort wo die Zitronenbäume blühen.

Bei allem spielt die Sorge mit, das Haus könnte einen fremden Geruch annehmen. Obwohl man darin Jahrzehnte gewohnt hat, kommt es einem fremd vor. Es ist vernünftiger in einem kleineren Umfeld zu leben, als von der Erhaltung eines Hauses erdrückt zu werden.

Heimat ist nur geliehen 

wohn:verlust III

Völlig offen ist bei der Wohnungssuche die neue Nachbarschaft, die anderen Mitbewohner. Haben sie ein ähnliches Niveau wie einem selbst, befinden sie sich in derselben Lebensphase? Klaffen diese Eigenschaften zu weit auseinander kann es zu Schwierigkeiten kommen. Dies kann das Lebensgefühl, das Ordnungsgefühl und die gegenseitige Rücksichtnahme betreffen. Zwischen Mitbewohnern um die Mitte zwanzig und Bewohnern Mitte sechzig kann es große Verschiedenheiten bei den Alltagsgewohnheiten und den Lebensanschauungen geben. Da kann es leicht zu Blockbildungen in der Wohnungsanlage kommen, hier die Jungen und da die Alten. Bei der Mülltrennung und der Müllentsorgung scheiden sich schon die Ansichten, obwohl beide dasselbe wollen.

Im Laufe des Lebens entwickelt jeder bestimmte Vorlieben und Ablehnungen beim Wohnen. Für den einen ist es ein Problem, dass der Verkehr in den Ortschaften am Land zunimmt. Er kann sich damit nicht abfinden, auch wenn es nachts über sehr ruhig ist. So soll es dann doch wieder am Stadtrand eine Wohnung sein, wo man bei Sonnenaufgang die Vögel singen hört. Von einer Familie, die aus familiären Gründen aus der Großstadt in die Provinz gezogen ist weiß ich, für sie war das Schlimmste, dass in der Früh bei offenem Fenster der Vogelgesang zu hören war. Sie haben sich über den Gesang der Vögel zu Tode erschrocken. Dies war für sie nicht auszuhalten und die ersten Monate haben sie die Fenster geschlossen gehalten. Zu schaffen gemacht hat ihnen die Stille in der Nacht, da kaum Autos zu hören waren. Sie haben in einer starkbefahren Straße in der Wiener Innenstadt gewohnt und neben dem unentwegten Verkehr, war auch nachts das Sirenengeheul von Polizei, Rettung und Feuerwehr zu hören. Hier in der Provinz war es nachts ruhig, dies hat bei ihnen zu Schlafstörungen geführt.

Entzugserscheinungen.

wohn:verlust II

Anders ist die Situation, wenn Senioren eine neue Wohnung suchen oder einen neuen Hausstand gründen. Es kann sein, dass die Kinder erwachsen sind, und man sich entschließt in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Zum einem, dass die Arbeit rund um das Haus Zuviel wird, vor allem wenn ein Garten dabei ist und im anderem Fall beim Haus notwendige Reparaturen anfallen. Wer einen Garten hat weiß, so schön der Aufenthalt darin ist, so viel Arbeit gibt es vorher. Es fällt einem oft nicht leicht nach der Gartenarbeit den Garten als solchen zu genießen. Im besten Fall ereignet sich der Umstand, dass die Kinder im Haus bleiben und die Gartenarbeit mitübernehmen. Dies ist nicht die Regel, weil oft siedeln die Kinder aus beruflichen Gründen weit weg vom Heimatort. So ergibt sich eine Fülle von Überlegungen und man ist in einer glücklichen Lage, wenn man nicht eine plötzliche Entscheidung treffen muss und sich darauf einstellt, dass das neue Domizil ein Kompromiss sein wird.

Hier regiert der Wunsch nach einer Wohnung mit wenig Eigenleistung, besonders was die Außenanlagen betrifft. Im Laufe der Jahrzehnte hat man sich an den Wohnort gewöhnt, zu den Nachbarn hat man gute Kontakte, die man nicht abbrechen lassen möchte und strebt nur wiederwillig einen Wohnungswechsel an. Es ist nicht selbstverständlich, dass man in einem weiter entfernten Ort oder in der Stadt schnell neue Kontakte knüpfen wird. Vieles gelingt einem als Junger besser, dazu gehört auch, in einer neuen Umgebung frische Kontakte herzustellen. Da braucht es etwas Glück, dass man im angestammten Ort eine passende Wohnung findet.

Schmerzlich.

wohn:verlust

Für die Suche nach einer passenden Mietwohnung oder einer Eigentumswohnung braucht es bei der Fülle von Angeboten Zeit. Zu Beginn macht man sich Gedanken darüber, wie viel Personen sollen in der Wohnung Platz haben, wie viel Wohnraum braucht man. Besteht die Absicht dort länger zu bleiben oder soll es nur etwas vorübergehendes sein. Unter dem Begriff Startwohnung suchen sich junge Leute eine erste gemeinsame Wohnung. Mit einem Partner, von dem man nicht weiß, ob diese Verbindung etwas endgültiges sein wird. Oft kommt es in Partnerschaften zu Schwierigkeiten, wenn man eine größere Zeit gemeinsam verbringt. Bei getrennten Wohnsitzen war man nur Stundenpartner, zumeist in der Freizeit. Jetzt wird es notwendig das Zusammenleben, den gemeinsamen Haushalt zu regeln. Dies gilt für die Aufteilung der Hausarbeit, genauso wie für das gemeinsame Haushaltsbudget. Man muss gegenseitige Verantwortung übernehmen. Soll man jetzt schon den Aufbau einer eigenen Familie einplanen? Wo die Wohnung gesucht wird, hängt auch davon ab, wie weit der eigene Arbeitsplatz davon entfernt ist. Das Ideal ist, wenn eine ausreichende Infrastruktur in der Nähe besteht, ein Lebensmittel Markt, Arzt und verschiedene Unterhaltungseinrichtungen. Sind diese zu Fuß, mit Fahrrad erreichbar oder bedarf es immer eines Autos. Vorteilhaft ist es, wenn ein öffentliches Verkehrsmittel in regelmäßigen Abständen fährt. In die Zukunft gedacht, wie sieht es mit schulischen Einrichtungen, wie Kindergarten oder der Grundschule in der Nähe aus.

Eines der entscheidenden Kriterien ist, wie viel Geld steht für die monatlicher Miete oder den Kaufpreis zur Verfügung. Jede Lebenssituation und Lebensalter hat seine speziellen Bedürfnisse, die bei der Suche nach einer neuen Wohnung erfüllt werden sollen. Bei den Wünschen muss man zumeist Abstriche machen, alle Wünsche zu erfüllen ist zumeist finanziell unerschwinglich oder es existiert diese Wunschwohnung gar nicht.

Wunschtraum.

 

 

 

uni:tag II

Als Selbstständiger war es für mich ungewöhnlich mich an Andere anzupassen. In den vergangenen Jahrzehnten habe ich Anderen vorgegeben wie eine Aufgabe gelöst wird. Dieser Umstand war bei Beginn meiner Unibesuche mein größtes Handikap, die Anpassung an das System. Beim Studium musste ich bestimmte Regeln einhalten und Aufgaben nach einem vorgegebenen Schema erledigen. Meiner Kreativität konnte ich nicht immer freien Lauf lassen. Im Hinblick auf die Note war ich mir unsicher, ob meine Phantasie von den Studenten, wie auch vom Professor verstanden wird.

Weiß man über das Thema einer Lehrveranstaltung ein wenig Bescheid, dann bemerkt man, wie wenig die Studenten wissen. Das geringe Allgemeinwissen der Studierenden hat mich erstaunt, sie hatten ja die Reifeprüfung abgelegt. Vieles interessiert sie nicht. In manchen Fällen hatte ich den Eindruck, dies ist eine Generation, welche sich nicht für gesellschaftliche und soziologische Vorkommnisse interessiert. Ihr Interesse beschränkt sich auf das Notwendigste, man will den Professor nicht herausfordern. Es gibt kaum Nachfragen und Einwände von ihrer Seite. Während der Vorlesung beschäftigt man sich oft mit den neuesten Postings auf Facebook. Als ich meine Erfahrung mit dem literarischen Schreiben, die manches Mal konträr zur Meinung des Professors gestanden ist in die Lehrveranstaltung eingebracht habe, bin ich wahrgenommen worden.

Im Moodle konnte ich verfolgen, dass viele ihre Aufgaben im letzten Moment eingereicht haben. Dem Inhalt dieser Arbeiten war anzumerken, dass sie nur um der Abgabebestätigung willen eingereicht wurden. Bei der Lehrveranstaltung „Schreiben & Publizieren“ war jeder Autor zugleich auch Kritiker anderer Texte. Manche Texte waren sehr fantasievoll. In den zwei  Semestern „Schreiben & Publizieren“ habe ich eine Vielzahl von Texten und Beiträge geschrieben. Davon werde ich einige auf dieser Webseite unter der Kategorie „Uni Texte“ veröffentlichen.

Sprachlos.