Der Reiseverkehr…

..nimmt Fahrt auf.

Mein nächster Impuls, raus aus dem Fahrzeug, doch die Fahrertür und die Beifahrertür lassen sich nicht öffnen, sie sind verklemmt. Mit akrobatischen Bewegungen krieche ich auf die hintere Sitzbank und verlasse durch die Hintertür das Auto. Ich sehe noch mehr Haushaltsutensilien, Konservendosen, eine Babyflasche, Bücher und überall Teile von Spannplatten. Ich setzte mich auf einem Randstein am Straßenrand und betrachte das Szenario wie in einem Film. Plötzlich Sirenengeheul, Polizei und Rettung. Die Polizisten stellen mir auf Italienisch Fragen, die ich nicht verstehe und wippen immer mit der linken Fußschaufel und deuten auf die Fahrbahn. Nach einer Weile bekam ich eine Durchschrift vom Protokoll. Der Sattelschlepper mit italienischem Kennzeichen manövrierte sich auf die rechte Fahrbahn und setzte seine Fahrt Richtung Tarvisio fort. Hinter meinem Auto stand ein beschädigter Pkw, an der Anhängerkupplung das Fahrgestell vom zerstörten Wohnwagen. Alle übrigen Teile vom Wohnwagen und der gesamte  Inhalt lagen verstreut auf der Bundesstraße. Die Fahrerseite von mir war eingedrückt und die Motorhaube gestaucht. Das Ausmaß, wie schwer das Auto beschädigt war, habe ich nicht wahrgenommen. Ich entnahm dem Kofferraum meine Reisetasche bevor das Auto vom Abschleppdienst verladen wurde.  Danach bekam ich eine Visitenkarte von der Autowerkstatt in die Hand gedrückt.

Weiterlesen

Der Vorderfuß ragte…   

…aus dem Schnee.   

Zu unserer körperlichen Ertüchtigung absolvierten wir während der Grundausbildung Orientierungsläufe. Morgens wurden wir in einem Waldgebiet in der Umgebung von Graz, versorgt mit einer Jause, Kompass und Wanderkarte, ausgesetzt. Mit Unterstützung der Karte mussten wir verschiedene Kontrollpunkte ansteuern. Dort wurde der Ausweis abgestempelt und zu einer bestimmten Uhrzeit mussten wir uns beim vereinbarten Sammelpunkt einfinden. In Kleingruppen von vier bis fünf Personen waren wir unterwegs. In welchem Tempo wir diese Aufgabe bewältigten war unserer Kondition und unserem Geschick im Kartenlesen geschuldet. Jener Gruppe welche als Erste den Sammelpunkt erreicht, winkte ein Urlaubsschein für das Wochenende. Beim ersten Orientierungslauf gaben alle Gas, jede Gruppe fühlte sich berufen Erste zu werden und den begehrten Urlaubsschein zu ergattern. Ich erinnere mich, dass wir darauf verzichtet haben unsere Jause zur Mittagszeit gemütlich zu verzehren. Während dem Gehen, es war mehr ein Hasten, haben wir die Fleischschmalzkonserve geöffnet, die Brote bestrichen und verzehrt. Erster wurde unsere Gruppe trotz dieses Eifers nicht. Das Beste, was aus der Bundesheerzeit nachwirkt ist die Fähigkeit, mich mit Hilfe einer Wanderkarte und eines Kompasses im Gelände zu orientieren. Diese Fähigkeit wird fünfzig Jahre später durch die Google Funktion Maps am Handy obsolet.

Weiterlesen

Der tägliche Bettenbau…

…war eine akribische Angelegenheit.

In den nächsten Tagen habe ich die Absicht die neueröffnete Koralmbahn dazu benützen, um den Grazer Christkindlmarkt zu besuchen. Bei einem Aufenthalt in Graz habe ich einen Heimvorteil, der fünfundfünfzig Jahre zurückliegt. Damals war ich Grundwehrdiener in der 3. Ausbildungskompanie der 4. Panzer Brigade. Stationiert waren wir in der Belgierkaserne in Wetzelsdorf. Dort absolvierte ich die Grundausbildung als Panzerschütze. Unter den vielen Steirern war ich einer der wenigen Kärntner. Während der Wehrdienstzeit musste ich mit mehreren Kameraden in einer Stube schlafen und leben. Dafür brachte ich Erfahrung aus meiner Zeit als Internatsschüler im Marianum Tanzenberg mit. Die Aussicht, dass ich maximal ein oder zweimal während der neunmonatigen Ausbildung nach Kärnten fahren werde, war für mich kein Nachteil. In den ersten drei Wochen bestand für die Grundwehrdiener ein generelles Ausgehverbot . Wir durften die Kaserne nicht verlassen, also auch nicht in die Stadt gehen. Als Abwechslung gab es in der Belgierkaserne eine Kantine und ein Kino. In Villach beobachte ich heute, dass die Parkplätze vor der Kaserne nach Dienstschluss leergefegt sind und über das Wochenende verwaist.

Weiterlesen

Meine Leidenschaft…

… für das Zugfahren.

Der letzte Halt vor Salzburg ist die Bahnstation Golling-Abtenau, danach liegt die kleine Ortschaft Bad Vigaun. Dort habe ich zwei Kuraufenthalte absolviert, zur Stärkung der Rücken- und Hüftmuskulatur. Schlussendlich bedurfte es nach Jahren das Implantat einer Hüftprothese. Eine Besonderheit der Kur war die Ausgangsregelung für das Wochenende. Um den Kurgästen mehr Freiraum in der therapiefreien Zeit zu ermöglichen, hatten wir die Möglichkeit samstags und sonntags dem Mittag- und dem Abendessen fernzubleiben. Voraussetzung dafür war, am Samstagmorgen beim Frühstück ein Vitalpaket für das Wochenende mitzunehmen. Das Vitalpaket umfasste Äpfel, Birnen, Bananen, Müsli Riegel und eine kleine Flasche stilles Mineralwasser. Mir verschaffte dies die Möglichkeit mit dem Fahrrad die Stadt Salzburg zu besuchen, dort zu flanieren und gustieren. Bei der zweiten Kur benützte ich den Zug um die Sonntagskonzerte in der Großen Aula der Theologischen Universität zu besuchen. Die Jahre um die Jahrtausendwende verbrachte ich gemeinsam mit der Lebensgefährtin die Weihnachtsfeiertage in Salzburg.

Weiterlesen

Nach dem Platznehmen…

…im Waggon wird nach dem Smartphon gegriffen.

Die erste Handlung, nachdem der passende Platz gefunden, der Koffer verstaut und die vorgesehene Reiselektüre am Tisch liegt ist, mein Jausensackerl zu öffnen.  Darin befindet sich ein Kornspitz mit Salami und dazu eine Dose Coca-Cola. Beim Zugfahren schmeckt mir eine Jause am besten. Mit diesem Ritual bin ich nicht allein, die Hälfte der neu Zugestiegenen zaubern aus ihrem Handgepäck einen kleinen Imbiss.  Die einen essen aus einer Plastikbox mit einer Gabel verschiedene Salate, andere vertiefen sich in Schurgebäck und bestellen dazu beim Zugbegleiter einen Milchkaffee. Die Genügsamen schälen sich einen Apfel oder eine Banane. In den ersten dreißig Minuten der Bahnfahrt wird vielerorts gekaut und dazu ein Schluck getrunken. Es hat etwas mediatives, wenn sich im Abteil ein Großteil dem leiblichen Genuss hingibt. Erst danach mustere ich mit verstohlenem Blick die Mitfahrenden und versuche ein Gespräch anzufangen, wenn ich beim Gegenüber dazu eine Bereitschaft erkenne.

Weiterlesen