land:gang II

Ich hatte gewisse Zweifel an der Geschichte, auf jeden Fall sah ich darin eine grenzenlose Sorglosigkeit. Wir wollten ihnen keine Moralpredigt halten, aber an Bord wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass man beim Landgang nur die Bordkarte und ein Minimum an Bargeld mitnehmen soll. Für die sichere Aufbewahrung von Bargeld, Kreditkarten und Wertsachen gibt es in jeder Kabine einen Tresor. Mit Vorwürfen auf ihr unkluges Verhalten und Mitschuld hielten wir uns zurück. Das Abendessen verlief gedrückt. Am Ende vom Abendessen wandte sich der Bestohlene an ein anderes Ehepaar am Tisch, dieses war aus demselben Land.  Beide unterhielten sich im Flüsterton. Ich ahnte, dass sie diese bitten würden, ihnen Geld zu borgen. Nach dem Abgang wurde uns dies bestätigt. Der Mann schob die Entscheidung über eine Unterstützung auf seine Frau, die Schatzmeisterin wie er betonte, ab. Wir machten den Vorschlag, wenn sie Geld borgen, dann beteiligen wir uns daran. Die Angesprochenen hielten sich mit einer Zusage bedeckt. Wie erwartet fehlte das Ehepaar am nächsten Tag beim Abendessen. Sie werden sich auf Deck Neun beim Buffet schadlos gehalten haben.

Nachdem das bestohlene Ehepaar beim Tisch Platz genommen hatte, erklärten wir von uns aus, dass wir sie für einen Landgang mit einem Geldbetrag unterstützen. Zugleich verzichteten wir auf eine Rückerstattung des Geldes. Zu den vielen Nebenspesen, welche bei einer Kreuzfahrt entstehen, war dies ein entbehrlicher Betrag. War dieser ansonsten aufbrausende und dominante Mann ein guter Schauspieler oder rührte ihn unsere Geste von Herzen? Nach unserem Vorschlag brach er in Tränen aus, sodass ihm seine Frau ein paar Taschentücher reichen musste.

Tempo Taschentücher

land:gang

Auf einem Kreuzfahrtschiff kann man abends im Restaurant aus einer umfangreichen Speisekarte wählen. Das Servieren der Speisen erfolgt außerordentlich rasch und aufmerksam. Das Tischgespräch plätschert an den ersten Abenden so dahin, von der  Unterbringung in den Kabinen bis zum Unterhaltungsprogramm im schiffseigenen Theater. Dazu gehören auch die Eindrücke von einem Tagesausflug, einer Stadtbesichtigung und den baulichen Sehenswürdigkeiten. Von einer Kurzvisite in das Landesinnere oder die Erfahrung wie man mit dem Fahrrad die Küste erkundet hat. Man schwärmt vom großen Fachwissen des Reiseführers. Ohne Führung durch die Innenstadt zu Bummeln, sich unter die Einwohner zu mischen, ist nur in Ausnahmen möglich. Dann, wenn der Anlegeplatz des Schiffes nur ein bis zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist. Werden Tischgenossen in ihren Erzählungen emotional, dann war man mit dem Reiseleiter unzufrieden, jemand hat sich verletzt oder einem Teilnehmer wurde etwas gestohlen.

Eines Tages ist ein Ehepaar entrüstet zum Abendessen gekommen, der Mann hat mit seiner Wut nicht lange hinter den berggehalten. Den Nachmittag haben sie in Klaipeda  am Hafen in einem Cafe verbracht. Dabei wurde dem Mann die Brieftasche, eigentlich der Inhalt geklaut, das Geld, die Kreditkarte und andere Dokumente. Während dem Kaffeetrinken hatte er die Brieftasche und das Handy am Tisch liegen und nach dem Bezahlen aus Versehen nur das Handy eingesteckt. Seinen Irrtum hat er auf der Straße bemerkt und ist zurück in das Cafe geeilt. Zu seiner Freude ist die Brieftasche noch am Kaffeetisch gelegen. Beim Öffnen der Brieftasche fehlten das Geld und die Kreditkarte. Die Bedienung beteuert nichts Verdächtiges beobachtet zu haben. Das Übliche, wie er sich ausdrückte. Wutentbrannt saß das Ehepaar beim Abendessen.

Auf unsere Nachfrage, eigentlich Anteilnahme, erklärte der Mann, dass ihr ganzes Geld und auch die Bankomat Karte gestohlen  wurden. Auch das Geld und die Kreditkarte der Frau hätten sich in der Brieftasche befunden. Es gab die erwarteten Beschuldigungen und Beschimpfungen auf die Einheimischen, über ihren Umgang mit Touristen. Bedauerlicherweise hätten sie jetzt keine Möglichkeit, besser gesagt kein Geld, um noch einen Landgang in Talin zu buchen. Alle Interventionen auf das Schiff einen Geldbetrag zu überweisen seinen gescheitert.

Seenot

reise:stress II

Für die männliche Seite gibt es in manchen Partnerschaften insofern eine Erleichterung, dass die bessere Hälfte das Einpacken der Garderobe übernimmt. Zumindest eine Vorauswahl trifft. Mitunter zermartere ich mir bei Nebensächlichkeiten, welche Urlaubslektüre und wieviel Notizhefte soll ich einpacken, den Kopf. Aus Erfahrung weiß ich, kommt man wegen Belanglosigkeiten im Alltag  nicht zum Lesen, so setzt sich dies beim Reisen fort. Zum einem will ich mich den Unterhaltungsmöglichkeiten im Urlaubsort nicht verschließen und das Spa- und Fitnessprogramm soll auch nicht zu kurz kommen. Danach bleibt vom sogenannten Urlaubstag nicht viel übrig. Bei einem prallen Tages Programm verlangt der Körper, mehr noch der Geist, abends ein sanftes Ruhekissen.

Beim Einpacken der Reisegarderobe stelle ich fest, es mir schwer fällt die passende Kleidung zu finden. Dies hat einen einfachen Grund, zuhause bin ich mit der vorhandenen Garderobe zufrieden, aber bei einem genauen in Augenscheinnehmen stelle ich fest, ich habe nichts zum Anziehen. Vieles finde ich für den täglichen Gebrauch in der heimatlichen Umgebung passend, aber für den Urlaub zu wenig praktisch und schön. Am Reiseziel werde ich von den anderen Gästen mit unbekannten Augen betrachtet. Die Absicht ist nicht nur den Körper zu relaxen, sondern ein neues Bild abzugeben, mich von einer besseren Seite zu präsentieren. Wie weit kann ich die Neugierde von fremden Menschen wecken? Die beste Zeit und Gelegenheit dafür ist der kommende Urlaub. Im Urlaub geht es auch darum sein Selbstbewusstsein zu regenerieren. Ein Faktor ist eine elegante oder topmodische Kleidung. Auf der Panoramaterasse ein Buch zu lesen zieht ein gewisses Augenmerk auf sich, wo die halbe Menschheit sich als Wischer am Smartphone oder Tabletts outet. Anarchie zeichnet den Buchleser aus, erreicht aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie eine ausgefallene Kleidung.

Buchstapel

reise:stress

Wichtige Argumente um Urlaub zu machen sind: Man hat zu viel gearbeitet, die Beschäftigung macht keine Freude mehr, vom Vorarbeiter wird man für mangelnden Fleiß gerügt  oder man stöhnt unter der Verantwortung,die einem im Erwerbsleben aufgebürdet wird. Solche Zustände gibt es in allen Berufen, im Handel, in der Erzeugung, bei der Verwaltung, im Schuldienst oder beim Paketdienst. Es ist an der Zeit auszuspannen, wenn der Körper mit einem unruhigen Schlaf, Appetitlosigkeit, mit Beschwerden wie Sodbrennen und Kopfschmerzen, reagiert. Meistens sinkt die Laune gegenüber den Kollegen, gegen die Familienangehörigen, auf einen Tiefpunkt. Überlastung im Beruf beschädigt auch das Familienleben. In den schlimmsten Fällen führt dies zu einem Nervenzusammenbruch, heute sagt man Burnout und trägt diese Diagnose mit Stolz. Gerade so, wie man bei einer Familienfeier das neue Hemd oder die neue Bluse zur Schau stellt.

In solchen Lebenslagen gibt es den gut gemeinten Rat, Urlaub zu machen. Bei manchen Personen wird diese Regel auf den Kopf gestellt. Bei ihnen beginnt der Stress mit den Urlaubsvorbereitungen, am Tag X vor dem Urlaub. Wenn es heißt, die Utensilien für den Urlaub einzupacken, vornehmlich die Garderobe. Eine Rolle spielt dabei auch die Jahreszeit, für den Sommerurlaub die Garderobe zusammenzustellen ist einfacher, als für die Übergangszeit wie Frühling und Herbst. Man weiß nicht, wie beständig das Wetter sein wird, werden die Temperaturen schon oder noch angenehm sein? Schwieriger wird es beim Verreisen im Winter, bei einem Aufenthalt in Zentraleuropa. Es braucht wärmere Kleidung, die viel Volumen hat. Dabei spielt es eine Rolle, mit welchem Verkehrsmittel verreist man. Muss für einen vierzehntägigen Aufenthalt alles in zwei Reisekoffern Platz haben oder steht ein Pkw zur Verfügung? Dort kann man hineinstopfen, bis der Kofferraum und die Hintersitze voll mit Reise Utensilien sind.

Ladefläche