stahl:beton II

Auf den Großbaustellen werden kaum Lehrlinge ausgebildet und eingesetzt, weil hier die herkömmliche Maurerarbeit nicht mehr stattfindet. Ein Hotelneubau unterscheidet sich wesentlich von der Errichtung eines Eigenheimes. In der Firma gibt es Maurerlehrlinge in geringer Zahl, weiblichen Maurerlehrling kennt er keinen, die Feinausbildung erfolgt in einer eigenen Lehrwerkstätte. Dort werden den künftigen Maurern die alten Techniken, die händische Errichtung einer Ziegelmauer, das Einputzen von Fensterrahmen und das Verputzen der Innenwände, vermittelt. Frauen sind in ihrer Firma im technischen und kaufmännischen Bereich beschäftigt. Eine fundierte Ausbildung zu einem Maurergesellen erhält man bei den mittelständischen Baufirmen, welche im Bereich Eigenheimbau, der Renovierung- und Sanierung von Altbauten tätig sind.

Hier zeichnet sich ein Bild ab, welches nicht nur für das Baugewerbe, sondern auch in anderen Branchen gilt. Die großen Firmen stellen zumeist nur ausgebildete Mitarbeiter ein, die Ausbildung des Nachwuchses fällt den Klein- und Mittelbetrieben zu.  Großunternehmen stellen Lehrlinge ein, zumeist erfolgt die Ausbildung aber in speziellen Lehrwerkstätten und Lehrlingsakademien. Ob dies dasselbe Berufsverständnis bringt, wie eine kleinräumige Lehre in einem Klein- und Mittelbetrieb? Dort wächst man auf praktische Weise in den Beruf hinein. Dabei wird das kaufmännische und theoretische Wissen durch die Berufsschule vermittelt, für schulische Spätzünder gibt es die Möglichkeit einer Lehre mit Matura.

Lehrlingsentschädigung

stahl:beton

Erledige ich in der Draustadt am Vormittag einen Einkauf oder besuche das Thermalbad, dann bin ich zum Mittagessen zur vereinbarten Zeit zu Hause. Die Frau lobt mich für meine Pünktlichkeit mit der Aussage: „Ich sei pünktlich wie ein Maurer“. Bei einer Geburtstagsfeier bin ich mit einem Maurerpolier, einer europaweit tätigen Baufirma in das Gespräch gekommen. Mit meinem Hinweis, die Feier beginnt pünktlich wie die Maurer, konnte er nichts anfangen. Er spekulierte darüber und vermutete, dass damit der zeitgerechte Arbeitsbeginn gemeint sein könnte. Während meiner Berufstätigkeit wurde der Spruch dann verwendet, wenn jemand auf die Minute genau, zumeist eine Minute zu früh, seinen Laden geschlossen oder mit der Arbeit aufgehört hat. Es gab die Mähr, dass die Maurer, seinerzeit konnte man um zwölf Uhr fast überall die Kirchenglocken hören, den Ziegel und die Kelle fallen gelassen haben, um mit der Mittagspause zu beginnen. Gleiches galt auch für Arbeitsschluss. Die Redewendung, der ist pünktlich wie ein Maurer, konnte sowohl positiv wie auch negativ besetzt sein.

Beim Maurerhandwerk hat sich viel verändert, es gibt kaum noch das traditionelle Handwerk, wie es in den 70er Jahren bestand. Der Tischnachbar war zuletzt bei einem Hotelneubau in Klagenfurt dabei, die Fertigstellung war auf die Stunde genau kalkuliert. Den vorgegebenen Termin gilt es unter allen Umständen einzuhalten. Von ihrer Baufirma wurden die Fundamente, die Außen- und Innenwände in Stahlbetonbauweise hochgezogen. Dabei geht es darum die Schalungen vorzubereiten, das Stahlskelett richtig zu positionieren und danach wird die Schalung mit Fertigbeton ausgegossen. Die Arbeit der Eisenbieger, das Verlegen der Eisenstangen, sei Knochenarbeit und wird kaum von Einheimischen bewerkstelligt. Zumeist ist dies ein kleiner Arbeitstrupp und dieser kommt aus der Türkei oder Serbien. Die Feinarbeiten, wie Innen- und Außenputz auftragen, werden an Subfirmen vergeben. Bei den Großbauten kommt es zu immer mehr Spezialisierungen.

Mischmaschine

alz:heimer

Vieldiskutiert werden in der westlichen Welt Erkrankungen, welche mit der höheren Lebenserwartung zusammenhängen. Auch die, in vielen Witzen veräppelte, Alzheimer Krankheit. Ein zuerst schleichender und langsam fortschreitender Gedächtnisverlust. Ein Gegengift sei, behauptet man, sich geistig fit zu halten. Im Rentenalter wieder neuen Lerninhalten zuzuwenden, am besten in einer Gruppe, dann kommt auch der soziale Aspekt dazu. Kurse werden dafür von Erwachsenenbildungseinrichtungen angeboten. Wie ein sogenanntes Eulentraining, mit Denk- und Rätselaufgaben. Zur Lösung schwieriger Aufgaben wird jetzt von der Generation sechzig plus das Internet eingesetzt. Teils aus Bequemlichkeit, anderseits, wenn Aufgaben zu kniffelig sind. Dann suchen auch jene, welche sich über das Web, das Internet und das Smartphone kritisch äußern, bei Google danach wie ein Schüttelreim zu lösen ist. Diese Generation ist mit Kopfrechnen statt Taschenrechner, mit der Füllfeder statt mit Tastatur erwachsen geworden. Was der Lehrer diktiert hat wurde händisch mit geschrieben.

Wird sich die Alzheimerkrankheit bei den nachkommenden Generationen stärker verbreiten, da das Gehirn weniger gefordert wird? Taschenrechner, Smartphone und Laptop gibt es heute ab der ersten Volksschulklasse. Schafft es die Z-Generation in einem Kreativitätsschub, rechtzeitig bevor sie in das kritische Alter kommt, Medikamente und Behandlungen gegen die neuen Altersgebrechen zu finden? Sterben Bekannte, welche man heranwachsen gesehen hat, wird einem das eigene Alter bewusst. Solche, die jünger waren und aus einer Traueranzeige in der Zeitung in das Gesicht springen. Die Fratze mit dem Glauben an das ewige irdische Leben vom Gesicht reißen. Hinter der sonst lächelnden Gesichtsfassade erscheint ein verängstigtes und blasses Gesicht. Schnell zaubert man ein neues Lächeln auf die Wangen.

Schutzbedürfnis

leit:bild

Das Wirtschaftsleitbild einer Region entscheidet zumeist über das Schulangebot für die Jugend. Die Ausbildungsvielfalt wird eingeschränkt, die Schüler werden in den Wirtschaftsstandort hineingepresst. Es könnte dazu kommen, wie es neuerdings bei den Juristen der Fall ist, dass es einmal zu viele Computerwissenschaftler geben wird. In naher Zukunft werden Computer mit künstlicher Intelligenz das Programmieren neuer Anwendungen selbst übernehmen. Sie werden sich selbst neu erfinden. Unisono wird von den Arbeitnehmern verlangt, nachdem es keine längerfristigen Arbeitsverhältnisse die zwanzig oder dreißig Jahre dauern mehr gibt, dass sich die Arbeitnehmer ständig neu erfinden. Dieser Ratschlag erreicht auch die Kleinunternehmer. Die Forderung sich neu erfinden betrifft auch das Notensystem in der Schule, dabei experimentiert man in alle Richtungen. Viele Ratschläge trudeln ein, für alles ist man offen, nur keine Noten mehr. Die Vorschläge reichen von Beurteilung der sozialen Kompetenz, der Auffassungsgabe bis zu den Essgewohnheiten, alles nur mehr verbal. Welchen Lehrstoff die Schüler verstanden und behalten haben, wird gegenwärtig kaum nachgefragt.

Unterschiedliche Wahrnehmungen gibt es im Schulkosmos zwischen den Schülern in den einzelnen Bundesländern. Schüler aus Vorarlberg sehen gute Noten als Belohnung, wenn sie fleißig gelernt, die Hausaufgaben erledigt haben und pünktlich in der Schule waren. Diese Einstellung stellt die Weichen zum wirtschaftlichen, rechnerischen Denken, abseits von Spielerei. Kein schöpferisches Lernen, sondern Leistung in Form von Mit- und Auswendiglernen. Diese rationale Lebenseinstellung verlässt einen nie mehr. Da kommt kein Spazieren gehen um des Genusses willens in Frage, wenn, bedarf es der sportlichen Betätigung für die Erhaltung der Gesundheit.  Jeder Schritt vor das Haus verlangt nach einer praktischen Rechtfertigung. Ein Spaziergang ist angesagt, wenn am Ende der Wegstrecke ein Supermarkt steht und dort ein Laib Brot gekauft wird. Wenn Musikhörern, dann kann man das Dasitzen dafür nützen, um in einer Zeitung oder einer Illustrierten zu lesen. Jede Tat braucht eine Belohnung, jede Belohnung braucht eine Tat.

Vielfalt statt Einfalt