corona:zeit

Zu Jahresbeginn ist es verständlich über das vergangene Jahr nachzudenken. Diesmal umso mehr, das Coronavirus vereint uns alle. Beim Auftreten im Frühjahr 2020 haben wir gehofft, es wird eine kurzfriste Sache und im Hochsommer werden die Viren von der Sonne verbrannt. Anderseits die Versprechen der Politiker, im Herbst 2020 gibt es ein Licht am Ende des Tunnels und es wird keinen zweiten Lockdown geben. Bei diesen Umständen bekommt die Zeit eine besondere Brisanz. Der Jahresregent 2021 ist neuerlich das Coronavirus und  sein Erzfeind deCovid Impfstoff.

In jedem Lebensabschnitt hat man einen anderen Blickwinkel auf die Zeit. Wie man die Zeit nützen will, ob nur für sich oder mit anderen teilen. Mit gutem Gewissen kann man die Zeit verstärkt für sich nützen, wer über Jahre  Zeit auch für andere zur Verfügung gestellt hat. Bei mir breitet sich ein unangenehmes Gefühl aus, wenn ich das Empfinden habe einige Tage nicht sinnvoll genützt zu haben. Mich in kleine Details verstricke, die so viel Aufmerksamkeit nicht wert waren. Wann sonst als in der Rente sagt man, hat man Zeit sich in unbedeutende Details zu verstricken, wie Fotos am PC zu ordnen. Dabei merke ich, dass es kein Segen ist, wenn ich mit dem Smartphone viele Fotos mache, es kann zum Fluch werden. Vor Jahrzehnten habe ich mir genau überlegt, was ich bei einer Reise fotografiere. Der Kodak Farbfilm hatte Platz für sechsunddreißig Fotos. Damals war ich nicht so schnell am Drücker. Jetzt plage ich mich damit, von drei  ähnlichen Fotos eines auszuwählen.

Überfülle

corona:nebel

In Kärnten gibt es einige Möglichkeiten, soweit gestattet, aus den vernebelten Beckenlagen rund um die Seen auf einen Berg zu fahren, um die Sonne zu genießen. Nicht weit von der Draustadt entfernt ist der Erholungsort Bad Kleinkirchheim. Im Villacher Becken herrschte breiter Nebel, auf der Höhe angekommen, war blauer Himmel. Die Temperaturen stiegen im Laufe des Tages, eine Einladung zum Spaziergang auf der Sonnseite. Am Hang befinden sich hinter jedem Bankln eine Steinmauer. Die Steine speichern die Sonnenstrahlen und geben die Wärme an die Spaziergänger, welche sich auf einem Bankl niederlassen, wieder ab. In der Bäckerei nannte die Verkäuferin die Villacher, welche hier die Sonne suchen, Nebelflüchtige. Ein Geheimtipp sind die Holzbänke im evangelischen Friedhof. Ab dem Vormittag scheint im Friedhof die Sonne und die Kirche bietet einen Windschutz. Die Sonne wärmt das Gesicht und das Holz der Fassade wärmt den Rücken. In der Stille des Friedhofs kann man einfach vor sich dahindösen.

In den Zeiten des Corona Lockdown, wo der Handel und die Gastronomie zugesperrt sind, gibt es einen wesentlichen Aspekt der Corona Pandemie, den ich nirgends am Tapet sehe. Wer in der Stadt oder in größeren Ortschaften unterwegs ist, nicht in Feld und Wald, wo findet Frau oder Mann bei einem menschlichen Bedürfnis ein WC. In größeren Städten gibt es öffentliche WC-Anlagen, aber wo? Den Ort muss man erst einmal finden. Wer in einer Stadt fremd ist, die Gastronomie geschlossen, steht vor Tatsache, wo kann sich Frau oder Mann erleichtern? Ein Problem, dass bei den Corona Verordnungen unter den Tisch gefallen ist. Die Auflage sich nicht weit vom Wohnort entfernen, ist eine Vorkehrung bei Harndrang rechtzeitig in die Wohnung zurückzukehren.

corona:erdbeben

Wer im Umfeld einer Erdbebenlinie lebt, hört zeitweise das Rumoren, ist mit schwachen Erdstößen konfrontiert, will aber nicht an ein großes Erdbeben glauben. Zudem sind wir der Überzeugung, wir haben alle Unbilden der Natur im Griff. Wir können vieles vorhersagen und noch stärker ist in uns verankert, wir können uns gegen alles versichern. Eine Branche die gut rechnen kann und nicht zur Kasse gebeten werden will, sind die Versicherungen. Beim Risiko Naturgewalten steigen sie aus. Wie unvorbereitet ein Erdbeben hereinbricht, habe ich in den Maitagen des Jahres 1976 erlebt. Abends um 9 Uhr wurde ich sitzend auf einem Stuhl, wie von einer Welle hochgehoben. Ein Beben mit Zentrum in Gemona erschütterte den Alpen Adria Raum. Seitdem hat es in den letzten Jahrzehnten mildere Nachbeben gegeben. Im Mittelalter entstand ein Arnoldsteiner Mythos, der Absturz der Südflanke des Dobratsch bei einem Erdbeben im Jänner 1348. Die Berichte der Mönche vom Benediktinerkloster, welches sich inmitten des Marktfleckens erhebt, haben sich während der Jahrhunderte zu grandiosen Erzählungen ausgeweitet.

Das Coronavirus erschüttert voll das Leben der Österreicher. Einen großen Erdrutsch für jeden persönlich hat uns das Coronavirus im März vor einem Jahr beschert. Über den Sommer hat es leichte Nachbeben gegeben, um sich im Herbst mit einem starken Infektion Geschehen zurückzumelden. Ähnliches passierte beim Erdbeben im Jahr 1976, im Mai gab es die ersten heftigen Erdstöße, über den Sommer leichte Nachbeben, um im Herbst die ganze Region mit einem heftigen Nachbeben zu überraschen.

Zu dieser Zeit hat mich ein Bruder während des Schulanfanges beim Verkauf unterstützt. Beim ersten Erdstoß hat er sich mit einem Satz über die Verkaufsbudel geschwungen und ist auf die Straße gerannt. In den Medien  wurden Verhaltensregel ausgegeben, wie man sich im Falle eins Erdbebens verhalten soll. Es wurde geraten Zuflucht unter einem Türstock oder ähnlichem zu suchen. Stürmt man blindlings aus dem Haus besteht die Gefahr von einem Dachziegel oder Mauerwerk getroffen zu werden. Verhaltensregeln kennen wir auch in der Corona Pandemie, der Mundnasenschutz ist der Türstock der Corona Zeit.

Mauerziegel

corona:stimmen

Nach zwölf Monaten Pandemie fehlen mir fremde Stimmen, es kommt mir vor als werde ich zur Stummheit gezwungen. Es gibt die Stimmen der familiären Personen und auch das Stimmenwirrwarr auf öffentlichen Plätzen. Ich schätze jetzt besonders die Sendungen von Ö1, wie Im Gespräch oder Punkt eins, wo Menschen miteinander plaudern. Was ich zurzeit nicht hören will ist die Stimme von Radiomoderatoren die berufsmäßig gute Laune verbreiten.

Im fortgeschrittenen Alter muss ich nicht bei jedem Stadtevent dabei sein, trotzdem bedeuten die Absagen von fast allen Veranstaltungen einen Verzicht. Gerne bin ich Zuschauer bei einem Fest, wie sie es in Kärnten gerade zu Jahresbeginn und im Fasching gibt. Die Umzüge der Sternsinger und Dreikönigsmarkt. Fasching Sitzungen und Faschingsumzüge in allen größeren Orten. Fassdauben Rennen und Sauschädelstehlen. Ich kann das Herunterleiern der Vorteile der digitalen Kommunikation, von Videogesprächen über Zoom und die Übermittlung von Fotos per WhatsApp, nicht mehr hören. Zu sehr setzen wir dabei auf das Auge, auf die Aufnahme visueller Eindrücke. Mit den Augen können wir ein Gesichtsfeld von höchstens 180 Grad beobachten, mit dem Gehörsinn 360 Grad überwachen. Geschieht etwas außerhalb unseres Gesichtsfeldes, werden wir davon überrascht, im günstigen Fall bekommen wir eine Warnung durch den Gehörsinn. Ich weiß wie schwer die Ränder des Gesichtsfeldes wahrzunehmen sind, beim Augenarzt gehört ein Gesichtsfeldtest dazu. Wir werden durch den Gehörsinn alarmiert, auch nachts beim Schlafen. Ein Laut kann uns aufwecken, im schlimmen Fall aufschrecken, nie werden wir durch das Auge aus dem Schlaf gerissen.

Augen zu

corona:maske

Die Pandemiezeit beschwört besondere Lebenssituationen herauf. Dies beginnt im Mehrparteienhaus bei der Liftbenützung. Man vermeidet mit mehreren Personen gleichzeitig mit dem Lift zu fahren, begegnet sich in der Eingangshalle mit Abstand und verzichtet auf einen Handschlag. Die Gespräche beschränken sich auf das Notwendigste, beginnen und enden mit der Frage: „Wie steht es um die Gesundheit“?  Hört man im Stiegenhaus jemanden in seiner Wohnung husten fragt man sich, ist dies eine Erkältung oder handelt es sich um erste Corona Symptome.

Es schmerzt, wenn beim Gottesdienstbesuch nicht zusammenrücken, sondern auseinanderrücken gefragt ist. Die Gebete und der Gesang passieren hinter vorgehaltener Hand. Viele ältere Menschen kommen nicht mehr in die Kirche, aus Angst vor einer Ansteckung. Die Virologen betonen die Gefahr einer Ansteckung gerade beim Sprechen und Singen. Dabei werden viele Aerosole ausgestoßen. Sollte jemand infektiös sein, würde er dabei andere anstecken. Erschwerend kommt hinzu, dass man über eine längere Zeit in einem Raum ausharrt. Wobei ich feststelle, dass die modernen Hallenkirchen  überdimensioniert sind und es viel Platz gibt. Die unsichtbare Gefahr besteht darin, sitzt man in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Infizierten Person. Verabschiedet hat man sich von der Geste der Nachbarin, dem Nachbarn, die Hand zum Friedensgruß zu reichen. Dies wird ersetzt durch ein Kopfnicken mit Maske. Dabei gefriert das Lächeln unter der Mundnasenschutzmaske. Vorübergehend sind in Kärnten alle Messfeiern abgesagt.

Bei den Familienfeiern ist fast nichts mehr erlaubt, wobei ich mir überlege, wie weit müssen wir alle Einschränkungen mitmachen? Es sind in den nächsten Monaten keine runden Geburtstagsfeiern mit mehreren Personen möglich. Bedeuten die Geschwister, die Nichten und Cousinen eine potenzielle Gefahr? Bei der Verkündigung von neuen Verboten wird mit dem Versprechen hausieren gegangen, in ein paar Monaten, im Sommer, können wir wieder alles tun und lassen wie wir es gewohnt waren.

Alpenkönig und Menschenfreund