“Es ist eine große Last ein Tagebuch zu führen, aber auch eine große Freude es geführt zu haben.” John Ruskins
Gibt es Fortschritt…
…in der Religion?
Den geschichtlichen Zeitraum für die Frage: „Gibt es einen Fortschritt in der Religion oder einen wissenschaftlichen Fortschritt welches religiöse Denken für obsolet erscheinen lässt“ werde ich für diese Übung ab der Neuzeit belassen. Der Duden erklärt die Bedeutung von Fortschritt9 so: „Unter Fortschritt versteht man eine positive Weiterentwicklung, im idealen Fall eine höhere Stufe der Entwicklung.“
Zu den positiven Weiterentwicklungen bei den christlichen Religionen zähle ich die Bereitschaft, dass sie sich mehr den Menschen zuwenden, den Nöten der Menschen mehr Raum geben. Geht man von den Berichten in den Evangelien aus, dann ist das Eintreten von Jesus für die Hilfsbedürftigen, seien es Aussätzige, Ehebrecher, Hilfslose und Kranke ein Eckpfeiler seines Wirkens. Die Ordensgründungen im Mittelalter gehen mit der Krankenpflege einher. In Österreich gibt es einige namhafte Ordenskrankenhäuser, wie jene der Barmherzigen Brüder, der Elisabethinen, der Kreuzschwestern u. a. Den Fortschritt bei dem Ordensspittal sehe ich darin, dass sie die Modernisierung in der Medizintechnik mitgemacht haben und trotzdem die christliche Zuwendung zum Menschen nicht vernachlässigen. Auf der Patientenmappe des „Kardinal Schwarzenberg Klinikum“ steht: „Geht nie mit den Kranken nachlässig um, sondern versorgt sie mit warmherziger Liebe“ 10. Bei meinem Aufenthalt in der Kardinal Schwarzenberg Klinik in Schwarzach im Pongau erlebte ich den sorgsamen Umgang des Krankenhauspersonal mit den Patienten. Bereits in der Ambulanz sitzt niemand in einer „Endlosschleife“, es wird versucht zu vermitteln, wann jeder drankommt. Beim Warten auf die Operation gab es viele tröstende Worte. Im Klinikalltag stellte sich jeder Mitarbeiter mit seinem Namen vor und erklärte was und warum er dies macht. Im Krankenzimmer: „Guten Morgen Herr Supersberger, ich bin Elvira, Krankenschwester im 2. Ausbildungsjahr. Darf ich ihnen den Blutdruckmessen oder soll ich später noch einmal vorbeikommen“?11 Die ärztlichen Visiten endeten mit der Frage: „Gibt es bei jemanden noch eine Unklarheit, gerne beantworten wir ihre Frage12“?
WeiterlesenGibt es religiöse…
…Erfahrungen ?
Andre Frossard war ein französischer Journalist, Essayist, Kommunist und bekennender Atheist. Er konvertierte im Jahre 1935 aufgrund eines Bekehrungserlebnisses zum Katholizismus. In seinem Buch, „Gott existiert“, schildert er diese Bekehrung. Diese Passage, seine religiöse Erweckung in einer Kapelle, wiederholt er nochmals im Folgeband, „Es gibt eine andere Welt“: „Ich sage nicht, der Himmel öffnet sich, er öffnet sich nicht, er stürzt auf mich zu, schießt plötzlich wie ein stummes Wetterleuchten aus der Kapelle empor […] Es ist die Wirklichkeit, es ist die Wahrheit, ich sehe sie vom dunklen Ufer aus wo ich noch festgehalten bin.“6 Durch diese Erscheinung wurde er vom Marxisten zum Christen verwandelt. André Frossard reagiert auch auf die Unsicherheit wie religiöse Erfahrungen zu beurteilen sind und gibt darauf im Buch eine Antwort: „Die Echtheit einer Erscheinung erkennt man daran, dass sie an allem anderem zweifeln lässt. Sie überlagert nicht die sichtbare Welt, sie fügt sich ihr nicht ein. Ihr Glanz durchbricht sie, verweist sie in den Hintergrund, löst sie auf.“7 Wenn ich es richtig verstehe, dann ist ein Merkmal religiöser Erfahrung, dass sich der Lebenswandel der betreffenden Person radikal ändert. Es ist anzunehmen, dass religiöse Erfahrungen nicht immer mit ekstatischen Momenten einhergehen müssen, vorstellbar ist auch in einem ruhigen Moment, einer meditativen Tätigkeit.
WeiterlesenRadfahrer…
…und E-Bike Fahrer.
Die Zugverbindung von Villach nach Salzburg und in die umgekehrte Richtung wird vielfach von den Radtouristen, welche den Alpen Adria Weg befahren, genützt. Zumeist für die etwas beschwerlichen Teilstücke und für die Durchfahrt durch den Tauerntunnel. Steilstücke stellen für den überwiegenden Teil der Radfahrer kein Hindernis mehr da, benützen doch fast alle ein E-Bike. Es ist eine Überlegung wert, in Zukunft zwischen Radfahrer, solche welche sich nur mit Muskelkraft vorwärtsbewegen und E-Bike Fahrer zu unterscheiden. Noch einmal überraschte die Zugbegleiterin mit der Bitte, sich rechtzeitig zum Ausstieg zu begeben, um keine Verzögerungen bei der Weiterfahrt zu verursachen. Die Fahrtzeit ist knapp kalkuliert, nur so können in Salzburg die Anschlüsse zu den internationalen Verbindungen nach Wien, Innsbruck oder München erreicht werden.
Spannend ist für mich das Verhalten der Mitreisenden im Zugabteil zu beobachten oder auch die Bekleidung ist oft einen Hingucker wert. Als Jugendlicher war eine Fahrt mit dem Zug, wenn wir zum Einkaufen in die Draustadt fuhren, etwas Besonderes. Mir wurde das Sonntagsgewand angezogen und bis wir die Bahnstation in Ferndorf erreichten, waren wir eine schwache Stunde zu Fuß unterwegs. Ich kann mich nicht erinnern, dass damals jemand mit einer schmutzigen und löchrigen, blauen Jogginghose mit gelben Streifen in den Zug zugestiegen wäre.
WeiterlesenMandl…
…geformt und trocknen.
Der Vater trug immer stabile Arbeitsschuhe und um die Füße wickelte er Sommer wie Winter seine Fußfetzen, die höheren Temperaturen im Sommer spielten keine Rolle. Die Fußfetzen waren größere Stücke von einem verschließenden Hemd. Er trug, mit Ausnahme am Sonntag, keine Socken. Auch ich trug Werktags Schuhe und dazu von der Schwester handgestrickte Wollsocken. Im Sommer gehörte eine kurze Lederhose dazu, sie war unempfindlich und komfortabel beim Tragen. Mit ihr konnten wir uns überall hinsetzen, egal ob auf den Grasboden, einen Stein oder auf einen Ast. Auch unsere schmutzigen Hände konnten ihr nichts anhaben. Nach einer Speckjause massierten wir die Speckscharte in die Lederhose ein, dies hielt das Leder geschmeidig. Auf den Feldern verstreut gab es mehrere Wasserquellen mit kühlem Trinkwasser. Zumeist ein kleiner Tümpel, welcher aus der Erde mit Wasser gespeist wurde. Mit den Händen oder mit einem Blechhäferl schöpften wir daraus kühles Wasser um unseren Durst zu stillen. Bei der Feldarbeit gehörte es zu unseren Aufgaben als Kinder, die Erwachsenen mit Wasser zu versorgen. Eine Dreiliter Blechkanne füllten wir bei einer Wasserstelle ab und machten die Runde bei den Erwachsenen.
Weiterlesen