B. Brecht war…

… ein ausgeprägter Macho.

Hilfreich war die KI bei der Vorbereitung zur Reise nach Augsburg. Mit einem Mausklick präsentierte sie mir Informationen über die zwölf wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Als Buchhändler in Muse habe ich dann, als der Besuch unmittelbar bevorstand, einen handlichen Reiseführer vom Verlag cityreisen besorgt.  Wahrscheinlich ist es Nostalgie, dass ich lieber mit einem Stadtplan in der Hand, als mit dem Smartphon durch die Innenstadt flaniere. In den ersten Tagen braucht es die Hilfe von einem Einheimischen, um sich trotz Stadtplan zu orientieren. Die Himmelrichtung richtig einzuordnen, wo ist Osten. Der Hilferuf führt meistens zum Griff nach dem Smartphone bei der angesprochenen Person und dann wird die nachgefragte Sehenswürdigkeit eingegeben. Mitleidig wird auf meinen Stadtplan gesehen, welchen ich in Händen halte. In meiner Handtasche steckt auch ein Smartphon. Das Engagement der Stadtführer entscheidet darüber, wie unterhaltsam eine Stadtführung verläuft. Zwecks einer schnelleren Orientierung nehme ich eine solche gerne in Anspruch. Die Handelsfamilie Fugger und das Augsburger Wassermanagement war ein Bestandteil der Stadtführung. Zu den Highlights zählen drei Monumentalbrunnen in der Innenstadt, das Rathaus mit dem Goldenen Saal, der Mariendom und die Fuggerau, um ein paar zu nennen. Mein Besuch des „Welterbe Infozentrum“ am Rathausplatz führte zu einem tieferen Gespräch über das Wasser System Augsburg, zusätzlich zur Stadtführung. Die Dame war selbst ersatzweise als Stadtführerin tätig, daher habe ich ihr berichtet, dass zu meiner Überraschung beim Vorbeigehen am „Berthold Brechthaus“ nichts über Brecht gesagt wurde. Auf dem Weg in die Fuggerei sind wir am Geburtshaus von Brecht vorbeigeschlendert, aber meine Tour guide hat zur Person kein Wort erwähnt.

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Der Reiseverkehr…

..nimmt Fahrt auf.

Mein nächster Impuls, raus aus dem Fahrzeug, doch die Fahrertür und die Beifahrertür lassen sich nicht öffnen, sie sind verklemmt. Mit akrobatischen Bewegungen krieche ich auf die hintere Sitzbank und verlasse durch die Hintertür das Auto. Ich sehe noch mehr Haushaltsutensilien, Konservendosen, eine Babyflasche, Bücher und überall Teile von Spannplatten. Ich setzte mich auf einem Randstein am Straßenrand und betrachte das Szenario wie in einem Film. Plötzlich Sirenengeheul, Polizei und Rettung. Die Polizisten stellen mir auf Italienisch Fragen, die ich nicht verstehe und wippen immer mit der linken Fußschaufel und deuten auf die Fahrbahn. Nach einer Weile bekam ich eine Durchschrift vom Protokoll. Der Sattelschlepper mit italienischem Kennzeichen manövrierte sich auf die rechte Fahrbahn und setzte seine Fahrt Richtung Tarvisio fort. Hinter meinem Auto stand ein beschädigter Pkw, an der Anhängerkupplung das Fahrgestell vom zerstörten Wohnwagen. Alle übrigen Teile vom Wohnwagen und der gesamte  Inhalt lagen verstreut auf der Bundesstraße. Die Fahrerseite von mir war eingedrückt und die Motorhaube gestaucht. Das Ausmaß, wie schwer das Auto beschädigt war, habe ich nicht wahrgenommen. Ich entnahm dem Kofferraum meine Reisetasche bevor das Auto vom Abschleppdienst verladen wurde.  Danach bekam ich eine Visitenkarte von der Autowerkstatt in die Hand gedrückt.

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Zurückgeschleudert…

…wie ein Gummiball.

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6.Mai 1976 abends…

… acht Uhr und neunundfünfzig Minuten.

Das Erdbeben vom 6. Mai 1976, dessen Epizentrum in Friaul lag, war auch in Arnoldstein zu spüren. Ich erlebte die Erdstöße nicht als Rütteln, wie man gemein hin annimmt, sondern wie einen starken Seegang. In der Wohnküche saß ich beim Esstisch auf einem Stuhl und plötzlich wurde der Stuhl von einer Welle erfasst und in die Höhe gehoben. Für einen Moment glaubte ich, ich würde mit dem Kopf am Plafond anstoßen, dann senkte sich der Stuhl wieder. Erst danach, es war abends, acht Uhr und neunundfünfzig Minuten, vernahm ich ein Bersten und Knirschen und einzelne Dachziegel fielen vom Nachbarhaus auf die Straße. In Friaul starben bei dem Erdbeben fast tausende Menschen.

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Die Selbstsicherheit…

...hat einen Knick.

Das Notrufsystem vom „Roten Kreuz“ erfreut sich bei den österreichischen Senioren großer Beliebtheit. Sie scheuen die monatliche Abogebühr nicht, um im Notfall, sei es Übelkeit, Sturz oder ein Schwächeanfall den Notruf zu betätigen und damit einen Rettungseinsatz auszulösen. Die Reichweite des Notfallsystem ist auf den Wohnungsbereich beschränkt, es braucht eine Basisstation in der Wohnung. Wichtig ist, dass das Armband mit dem roten Knopf Tag und Nacht am Arm getragen wird. Die Senioren tragen das Armband wie einen Schmuck, wie einen zweiten Ehering. Sie haben sich mit der Notrufzentrale des roten Kreuzes vermählt. Im späten Alter noch eine innige Verbindung eingehen, welche aber weniger mit Liebesgefühlen als mehr mit Angstgefühlen verbunden ist.  Es hat etwas mit dem Verschwinden der Gangsicherheit zu tun, dass es bei einem Sturz sofort Hilfe kommt. Eine letzte innige Bindung vor dem Lebensende verbunden mit dem Wunsch dadurch länger zu leben. Ein Sturz im hohen Alter gehört zu den tragischen Unfällen. Neben den möglichen körperlichen Verletzungen fühlt sich die Psyche überfordert. Die Selbstsicherheit hat einen Knick bekommen, das Vertrauen in die eigenen Füße ist erschüttert. Wer bereits in einem Verkehrsunfall verwickelt war weiß um die Selbstüberwindung wieder in ein Auto einzusteigen.

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