Die letzten Jahre…

…wann?

Befreit man sich von der Leier, dass sich heute die Vorkommnisse überschlagen und dass man darunter begraben wird, ist der Gedanke, was könnte ich im letzten Lebensdrittel machen erlaubt?  Radikaler ist die Frage, was würde mir vor meinem Ableben leidtun, dass ich es versäumt habe. Von welchen Aktivitäten würde ich sagen schade, dass ich dies und jenes nicht gemacht habe. Eine herausfordernde Frage, der man sich stellen sollte. Vielleicht gibt es noch die Möglichkeit, wenn es die körperlichen und geistigen Fähigkeiten erlauben, dass das Eine und das Andere noch umgesetzt werden kann. Interessant wäre in Anlehnung an Reiseführer, diese zehn Sehenswürdigkeiten muss man in Weimar oder in Nürnberg gesehen haben, eine solche Liste für jene Dinge aufzustellen, welche man in seinem Leben noch machen möchte. Manche Reiseschriftsteller gehen einen großen Schritt weiter und empfehlen diese 101 Dinge sollten sie in München gesehen haben. Eine solche Togo Liste getraue ich mir nicht zu erstellen. Diese Anzahl an unerledigten Bedürfnissen würde mir Angst machen. Dabei käme mir der Gedanke, wie willst du dies noch schaffen? Im Inneren bewahre ich ein paar offene Vorhaben, welche ich in den nächsten Jahren, ob dies meine letzten Jahre sein werden, umsetzen möchte. Wann die letzten Jahre anbrechen oder schon angebrochen sind, überlasse ich einem Mächtigeren. Darüber zu rätseln, steht einem zweifelnden Gläubigen nicht an, die Entscheidung fällt ein viel Größerer.

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Vom Gardemädchen…

…einen Kuss ergattern.

Von meiner Zeit als Lehrling in der Papier- und Buchhandlung Petz in Spittal /Drau weiß ich, wie gerne Scherzartikel in den sechziger und siebziger Jahren zur Unterhaltung verwendet wurden. In der Faschingszeit wurden auf jedem Hausball und Gschnasfest von einigen Besuchern damit andere zum Narren gehalten.  Ein bekannter Großhändler für den Vertrieb von Saisonartikel, wie Faschingskostüme, Masken, Perücken, Requisiten und Scherzartikel, Krampus Masken, Lampions und Girlanden sowie Feuerwerk war die Firma ED. Witte in Wien.  Der Vertreter dieser Firma hat mit einer Postkarte seinen Besuch in der Papierhandlung ein paar Tage vorher angekündigt. Dem Vertreter stellte die erste Verkäuferin in einer Ecke im Verkaufsraum ein Stockerl zur Verfügung wo er sich, während er die neue Faschingskollektion präsentierte, zwischendurch niedersetzen konnte. Aus einem großen Koffer holte er Tablett für Tablett um das umfangreiche Kleinzeug zu zeigen. Angefangen mit Bärten zum Aufkleben, Gumminasen und Ohren, Faschingsbrillen, dazu der passende Brillantschmuck, die goldenen Ringe mit Edelsteinen besetzt und die Zigeunerohrringe. Keine Faschingsveranstaltung ohne Scherzartikel, echte Hingucker waren Hundehäufchen und Erbrochenes.  Für Gekreische unter den Damen sorgte der blutende Daumen oder das abgetrennte Ohrwaschel. Als Hauptspeise wurden täuschend echt wirkende Eierspeise oder ein paar heiße Frankfurter aus Kunststoff serviert. Dazu wurde ein Glas Bier heller Freude serviert, mit dem Vorteil, dass es nie leer wurde. Wer das Bier auf das Gesicht des Tischnachbarn zielte, wurde dafür nicht bestraft. Ein sexy Girl verbarg sich in einem Etui und wer danach neugierig war und daran zog, für den schnappte die Mausefalle zu.  

 

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Die Zauberwürmer…

…haben die Lust am Bier verdorben.

Den Einkauf im Lebensmittelmarkt beendete ein Cappuccino im angrenzenden Café. Auf dem Tisch steht ein Taferl: Hausgemachter Heringssalat reich garniert, mit frischgebackenem Gebäck. Urplötzlich werde ich mit einer Schleuder aus der Weihnachtszeit hinauskatapultiert und lande in der närrischen Zeit, im Fasching. Auf hartem Boden aufgeschlagen.  In einer Schublade in der Wohnung gibt es noch ein paar Weihnacht Kekse, diese sind Überlebenskünstler und haben bis jetzt nicht den Weg in den Magen gefunden, sie haben etwas an Verführung eingebüßt. Nicht nur aus der unmittelbaren Weihnachtszeit vertrieben, auch um einige Jahrzehnte zurückversetzt.  Weder zu Weihnachten, noch zu Silvester hat es üppige Weihnachtsmenü gegeben. In Kärnten gab es die hausgemachten Selchwürstel mit Sauerkraut oder eine Dose Ölsardinen. Dazu einem heißen Pfefferminztee mit etwas Schnaps, schmackhaft, weil nicht alltäglich. Die Möglichkeit Weihnachten und Silvester in einem Hotel zu verbringen gab es Jahrzehnte später. Zu speziellen Anlässen, zu den Brauchtumshöhepunkten, wie Ostern oder Kirchtag, wurde ich von der Resi zum Essen eingeladen.

Zu Silvester gab es bei ihr auf der Drauland den selbstgemachten Heringssalat. Mein Beitrag zur Silvesterrunde war einige Scherzartikel, welche die Tischrunde in Staunen oder in Aufruhr versetzte. Es waren die Jahre vor der medialen Bespassung, wo Knallzünder und Knalleinlagen für Zigaretten Heiterkeitsstürme auslösten. Zu den harmlosen, aber ekelerregenden Scherzartikel gehörten die Zauberwürmer, die manchen leidenschaftlichen Biertrinker die Lust am Bier verdorben haben. Für erstaunte Augen sorgte die Blitzwatte im Aschenbecher und die Knallerbsen am Boden, welche bei jedem Schritt explodierten oder ein Käsebrot mit einer Scheibe Emmentaler aus Plastik. Im Fasching gehörte der Besuch des Hausballes im Waldcafé in der Waldsiedlung bei Frau Wedam dazu.         

Herzgesundheit…

…Herzverpflanzung

Jeder ältere Mensch hat seine körperlichen Schwachstellen, dies können die Wirbelsäule, die Lunge, die Galle oder der Herzmuskel sein. Es ist undenkbar, dass wenn jemand fünfzig Jahre einen Beruf ausübt, dass es davon keine Abnützungen gibt. Wer als Papier- und Buchhändler gearbeitet hat, wo ein Blatt Papier so leicht wie eine Feder ist, kann dabei keine körperliche Anstrengung erlebt haben? Wer ein Paket Druckerpapier in die Hand nimmt, fünfhundert Blatt in A4, spürt etwas vom Gewicht. Dazu im Überkarton mit fünf Paketen, dann können diese je nach körperlicher Verfassung ganz schön schwer sein. Dabei war in dem Jahrzehnt, als das Kopierpapier die Hart Post abgelöst hat, im Überkarton zehn Pakete verpackt und wurden aus arbeitsrechtlichen Gründen geteilt. Alles für die Herzgesundheit! Es gibt kein zweites menschliches Organ, um welches sich mehr Mythen ranken, als um das Herz. Begleitet von Sprichwörtern, ich habe mein Herz verloren, mein allerliebstes Herzbinkerl, vor Schreck ist mir das Herz in die Hose gerutscht oder und gleich, fast stehengeblieben. Groß war die Aufregung und sensationell die Berichterstattung, als Prof. Christian Barnard im Jahre 1967  in Kapstadt die erste Herzverpflanzung durchführte.  Ist dies noch derselbe Mensch, wird mit dem Herz auch das Gemüt, die Seele des anderen Menschen eingepflanzt? Viele Spekulationen wurden aufgestellt.

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Christbaum…

…Hoffnungsbaum

Dem Gefühl nach habe ich vor ein paar Tagen die letzten Weihnachtsdekorartikel in Kartons verpackt und im Kellerabteil verstaut. Die gläsernen Engel, welche für eineinhalb Monaten die Wohnung geschmückt haben in Zeitungspapier eingewickelt, um sie vor einen Bruch zu schützen. Die dekorativen Kerzen mit Wellpappe umhüllt, um sie vor Macken zu bewahren. Für die Christbaumkugeln, welche den lebenden Christbaum auf der Loggia schmücken, haben wir zur Aufbewahrung leere Eierkartons. Die etwa eineinhalbmetergroße Fichte ist vor über einem Jahrzehnt von einer Woche zur anderen aus einem Blumentrog auf der Loggia gewachsen. Als zartes Bäumchen, besser Pflänzchen, hat sie den ersten Winter überstanden und ist von Jahr zu Jahr größer geworden. Sommer für Sommer trägt der Wind verschiedene Samen von Bäumen und Sträucher aus dem naheliegenden Wald auf die Loggia. Im Frühjahr sprießen alle möglichen Pflänzchen aus der Erde vom Blumentrog, manche verdorren mit Ende des Sommers, andere werden von mir entfernt. Als Experiment habe ich einer kleinen Pflanze eine Chance gegeben zu wachsen. Aus dem Bäumchen wurde eine Fichte mit einem schönen Wuchs, dieser Baum dient uns seit ein paar Jahren als Christbaum.

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