katzen:cafe II

Die Besitzerin unterhielt sich mit einer Freundin über die Caféschließung durch die Corona Krise und den weiteren Folgen. In der heißen Phase der Corona Krise war davon die Rede, dass es keinen Betrieb in Österreich geben wird, auch keinen Klein- oder Einmannbetrieb, der nicht von der Bundesregierung unterstützt wird. Sie hat trotz Ansuchen bis dato keinen Cent erhalten, hofft aber noch auf die Auszahlung einer Unterstützung. Anderseits ärgert sie sich über Bemerkungen aus dem Bekanntenkreis, dass sie durch die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung reich geworden ist oder reich werden wird. Seit den Monaten nach Wiederöffnung kommen die Menschen nur zögerlich in das Café. Bei manchen gibt es das Vorurteil, im Lokal würde es durch die Katzenhaltung schmutzig und unhygienisch sein. Würde der Großteil der Passanten, welche einen Blick durch das Schaufenster in das Lokal werfen hereinkommen, würde der Umsatz boomen. Allein von der Neugierde der Menschen kann sie als Jungunternehmerin nicht überleben. Als Newcomerin setzt sie bei der Werbung auf Facebook und Twitter, mit altbekanntem Folder hat sie nichts auf dem Katzenbuckel. Seit ihrer Firmengründung im Jahre 2015 hat sie keine solche Krise, wie sie durch das Coronavirus ausgelöst wurde, erlebt.

Das Konzept Katzencafé stammt ursprünglich aus Asien und verbreitet sich auf die ganze Welt. Das weltweit erste Katzencafé wurde im Jahr 1998 in Taipeh, Taiwan eröffnet.

Katzenneugierde

katzen:cafe

Ein Alleinstellungsmerkmal, ein besonderes Angebot und Ambiente ist für kleine Unternehmen überlebenswichtig, einerlei ob im Handel oder in der Gastronomie. In der Beisel- und Caféscene gibt es tolle Ideen. Bei einem Bummel durch die Klagenfurter Innenstadt erweckt ein Katzenlogo auf dem Schaufenster meine Aufmerksamkeit. Bei einem kurzen, neugierigen Blick durch das Schaufenster sehe ich Katzen auf dem Sofa, dem Aquarium und einem Stuhl lümmeln. Neugierig geworden betrete ich das Café und gehe erst einmal auf die Suche, wo sich überall Katzen verstecken. Schon bald entdeckte ich sie auf den unterschiedlichen Plätzen, auf einer Bank, dem Barhocker, auf dem Kratzbaum oder in einer sogenannten Katzenhöhle. Dorthin können sie sich zurückziehen, wenn ihnen das Treiben im Café zu bunt wird. Überrascht war ich, wie zutraulich die Katzen gegenüber allen Gästen waren und vor niemandem Reißaus nahmen. Wer das Bedürfnis hat, kann sich eine Katze aussuchen oder wird ausgesucht und kann die Katze streicheln, sogar auf seinen Schoß nehmen. Kaffeegenuss begleitet vom Katzenschnurren, für viele ein doppelter Genuss. Erreicht wird diese Zutraulichkeit indem die Katzen langsam an ihre Aufgabe herangeführt werden, es gibt eine behutsame Eingewöhnungsphase. Von der Besitzerin wird darauf Wert gelegt, dass der Schankbereich und alle Tischplatten für die Katzen tabu sind. Dies könnte Signalwirkung  für viele Hauskatzen haben.

Auch Menschen sind heute auf der Suche nach einem Alleinerkennungsmerkmal, ganz beliebt bei den Jüngeren sind die ausgefallenen Tattoos auf allen Körperteilen. Danach richtet sich auch die Bekleidung, was zählt das verrückteste Tattoos, wenn es niemand sieht. Von der Liebe zu den Tattoos ist es nur ein kleiner Schritt, dass ab Herbst in der HTL-Ferlach im Fach Gravieren auch das Tätowieren unterrichtet wird.

Blumenmuster

for:forest I

Bis heute erregen sich in Kärnten die Gemüter über das Kunstprojekt, For Forest, im überdimensionierten Klagenfurter Fußballstadion. Ein Fußballstadion, gebaut für zwei Spiele anlässlich der Fußball Europameisterschaft 2008 für dreißigtausend Zuschauer. Es gibt nur wenige Spiele und Veranstaltungen im Jahr, bei denen das Stadion ausgelastet ist. Bei der Kunstinstallation wurden etwa zweihundert Bäume in das Stadion verpflanzt, als Mahnmal gegen die Abholzung riesiger Waldflächen in Südamerika und China. Ein Zeichen für die globale Bedeutung des Waldes.

Bei diesem Projekt hat mich nicht die Installation beeindruckt, sondern die Vision,des Künstler Max Peintner, vor fünfzig Jahren. Der Künstler Peintner hat in einer Bleistiftzeichnung, im Hintergrund das Szenario einer Großstadt mit ihrem Wolkenkratzer, Fabriken und Baustellen und als Gegenpol in einem großen Stadion einen Wald, zu Papier gebracht. Auf seiner Zeichnung ist das Stadion mit Menschen gefüllt, wie bei einem Weltmeisterschaftsspiel. Bei hohen Eintrittspreisen gönnen sie sich den Luxus, neunzig Minuten lang einen Blick auf einen Wald zu werfen. In Klagenfurt befindet sich das Stadion am Stadtrand, hier geht das Urbane in Wiesen- und Ackerland und einen Mischwald über. Beim Aufgang zum Stadion blicke ich zur rechten Seite auf Wiesen, dann geht der Blick auf die Berge der Karawanken. Beim Blick in Richtung Wörthersee erkenne ich in der Ferne bewaldete Berge. Es war für mich ein skurriler Moment rundum auf Wald zu blicken und mein Ziel ist ein künstlicher Wald im Stadion. Kunst und künstlich musste ich in meinen Gedanken markieren.

Kunstberg

schul:noten II

Bei Schulschluss wurde entschieden, ob das Zeugnis den Einstieg in eine höhere Schule zulässt oder ob man sich um eine Lehrstelle umsehen musste. Die Lehrherrn waren in den 70er und 80er Jahren keineswegs anspruchslos. Diese interessierten sich vor allem dafür, wie sich die Lehrlinge in den drei Probemonaten anstellten. Ob die Lehrlinge Interesse an der Arbeit zeigten, freundlich, verlässlich und pünktlich waren. Eigenschaften die heute auf keiner Stellenausschreibung stehen. Diese Attribute klingen heute anders, teamfähig, zielorientiert, selbst- und leistungsbewusst. Beim Studieren der offenen Lehrlingsstellen in den Zeitungen habe ich den Eindruck, es wird ein fertiger Zampano gesucht. Auf eines konnten sich damals die Lehrherrn verlassen, hatte der Lehrling ein positives Zeugnis, dann beherrschte er die Grundrechenarten, konnte Rechtschreiben und Sinn erfasst Lesen. Eines der Übel ist den Lehrlingen fehlen heute die Grundkenntnisse im Rechnen, Schreiben und Lesen, liest man in der Kärntner Wirtschaftszeitung

Mir stellt sich die Frage, ob künftige Generationen an einem fächerübergreifenden Wissen interessiert sein werden?  Diese werden nach dem Motto, frag Alexa, aufwachsen. Schon derzeit begnügen sich viele damit, am Smartphone alles bei Google nachzublättern. Wozu mühsam das eigene Gehirn trainieren, wenn das Welthirn, das ganze Weltwissen zur Verfügung stellt. Universitätsprofessoren beklagen das eingeschränkte Wissen der Studienanfänger. Der Universitätslektor Professor Stefan Weber beklagt in einem Artikel der Zeitung Addendum: „Ich soll aus Studenten Akademiker machen, die keinen korrekten Satz schreiben können“.

Fragestunde

spittal:drau II

Unsere Firma lieferte der Konditorei für den Verkauf die Tortenschachteln. Als Lehrling war es meine Aufgabe, unter Einbeziehung der Druckerei und Buchbinderei, welche von den Brüdern des Chefs betrieben wurden, diese Schachteln zu fertigen. Aus Karton wurden die Schachtel ausgestanzt, gerillt, gefalzt und der Deckel mit dem Firmenlogo der Konditorei bedruckt. Die vorgefalteten Kartons wurden von mir im Schuppen der Papierhandlung, an einer ausrangierten Heftmaschine, zusammengeheftet. Wöchentlich habe ich einen halben Tag lang Tortenschachteln geheftet. Der Schuppen diente auch als Sammellager für das Altpapier und ist vergleichbar mit einem Kellerabteil. An drei Seiten hatte er ein offenes Lattengerüst. An warmen Tagen war es eine willkommene Abwechslung und die Heftmaschine funktionierte klaglos. Für die kalte Jahreszeit gab es einen elektrischen Strahler, der ein wenig die Füße wärmte, keinesfalls den Schuppen. So bin ich mit Weste, Mütze und mit Mantel an der Heftmaschine gesessen und habe mit klammen Fingern die Kartons zusammengeheftet. Der Beginn war mühsam, er erforderte viel Geduld. Bei tiefen Temperaturen funktionierte die Heftmaschine nur im Zeitlupentempo. In den beweglichen Teilen musste das Öl erst warm werden.

Bei Bedarf wurden die Tortenschachteln vom Chef und mir, mit dem Opel Caravan in die Backstube der Konditorei am Spittaler Hauptplatz geliefert. War der Chef nicht vor Ort und die Konditorei hatte einen dringenden Bedarf musste ich, rechts und links fünf Kartons in der Hand, zu Fuß vom Bahnhof in die Stadt marschieren. Bei meinem letzten Besuch verabschiedete ich mich bei der Thekenfrau mit der Bemerkung, dass ich vor fünfzig Jahren für die Konditorei Tortenschachteln geheftet habe.

Kirschentorte