ampel:rot

Besucht man eine Behörde so bedeutet eine grüne Ampel, dass wir in das Büro des Sachbearbeiters eintreten können. Einerlei, ob es sich um eine Passverlängerung, einen Antrag um Heimhilfe oder um die Begleichung einer Parkstrafe handelt. Das farbliche Signal erleichtert den Akt des Eintretens. Die ältere Generation besucht zumeist mit Demutshaltung ein Amt. Die Tatsache, dass die wichtigen Ämter in der Bezirkshauptstadt angesiedelt sind, macht eine Anreise mit dem Auto oder mit dem Zug notwendig. Dies kann die Bezirkshauptmannschaft, das Finanzamt oder das Bezirksgericht sein. Über Jahrzehnte gab es beim Eingang eine Portierloge, wo man dem Portier vorsichtig sein Begehren vorgebracht hat. Danach irrte man durch die verwinkelten Gänge des Altstadtgebäude. Vorsichtig klopfte man an die Tür und horchte angestrengt auf ein Echo. Die Signallampen neben der Tür vereinfachten die Regelung des Parteienverkehrs. Inzwischen werden die Signallampen in einigen Behörden durch das Ziehen einer Nummer ersetzt. Erscheint die eigene Nummer am digitalen Bildschirm, steuert man den zuständigen Schalter an. Gut funktioniert dies bei den ÖBB Servicecenter in den großen Bahnhöfen Österreichs. Notwendig, da die ÖBB den Reisenden ab einer Stunde Zugsverspätung einen kleinen Teil vom Fahrpreis zurückbezahlt.

Veränderungen bringt auch der Einsatz der Künstlichen Intelligenz, wenn durch sie  Entscheidungengetroffen werden. Ein Grundsatzprogramm, weil die nächste Phase auf self learnig beruht. Dabei dürften in Zukunft die Handlungen zugunsten der Jüngeren ausschlagen. Die computeraffinen Köpfe befinden sich bei den Unterdreißigjährigen. Meine Generation behauptete einmal, traue niemanden über dreißig.

Mit 66 Jahren

bub:mädchen

Ein Diskurs im Sprachcafé  entspannte sich über das Geschlecht des Wortes classmate, der Mitschüler oder die Mitschülerin? Die englische Sprache kennt keinen Artikel, wie wir ihn in der deutschen Sprache benützen. Will man wissen, ob es ein Bub oder ein Mädchen ist, muss man nachfragen: it es a boy oder it es a girl. Die englische Sprache hat in ihrer Entwicklung Weitblick bewiesen. In den Ländern Nordeuropas ist es bereits verpönt, die Eltern von Kleinkindern nach dem Geschlecht ihres Kindes zu fragen. Die neue Generation soll geschlechtsneutral aufwachsen. Das bedeutet im Alltag, dass die Kinder abwechselnd einmal als Mädchen, dann wieder als Bub erzogen und gekleidet werden. Bislang wurden für Buben Bagger, Autos und Bausteine und für Mädchen, Puppen, Puppenkleider sowie Kochgeschirr gekauft. Jetzt ist es Praxis, alles bunt zu mixen. Das Kind ab dem dritten Lebensjahr soll selbst entscheiden, ob es lieber mit Puppen oder mit Autos spielt. Beim Eintritt in die Schule darf jedes Kind frei wählen, will es lieber Friedrich oder Frieda heißen. Wie dies bei der Ausstellung der Geburtsurkunde gehandhabt wird, dass das Geschlecht erst nach dem sechsten Lebensjahr eingetragen wird, lässt sich kinderleicht mit einem Gesetz bestimmen.

Ähnliches war sogar Anfang der vierziger Jahre, bei meiner Schwester möglich. Sie ist im November geboren. Vater und Mutter waren zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht verheiratet, sie hatten die Absicht Ende Dezember zu heiraten. Somit war die Schwester ein uneheliches Kind. In ihrer Geburtsurkunde steht aber schon der Familienname des Vaters. Der Vater hat den Amtsleiter der Gemeinde darauf angesprochen, dass die Hochzeit kurz bevorsteht, somit wurde die Schwester im Register und auf dem Geburtsschein als eheliche Tochter eingetragen.

Bub oder Mädchen

heiterer:himmel

Gibt es in der Philosophie oder Theologie eine These, eine Vermutung, wie ein Tod aus heiterem Himmel möglich ist? Aus der Bibel sind mir einige Stellen bekannt, im übertragenen Sinn. Die ganz düstere, sei immer bereit abberufen zu werden, nur der Vater im Himmel kennt den Zeitpunkt und den Ort. Niemand weiß, wann seine Stunde gekommen ist. Andersherum assoziieren wir sterben und Tod mit fortschreitendem Alter. Bei einer Messerattacke in Graz stirbt eine 33jährige Frau. Ein Exempel, dass ich und jeder Leser machen kann: Wäre dies mir passiert, wie lange wäre ich dann schon tot oder wie lange hätte ich noch zu leben? Ich wäre fast vierzig Jahre tot, mein Leben wäre um vieles kürzer gewesen. Eine Fülle von Ereignissen, Begegnungen, Erfahrungen, Zuwendungen und Freuden hätte ich nicht erlebt. Anderseits wäre mir auch ein Teil an Schmerzen, Verzweiflung und Trauer erspart geblieben.

Was ist also die bessere Alternative? Eine Alternative, über die wir nicht selbst bestimmen können. Bei einem frühen Tod nimmt man an, dass einem einiges an Schmerzen und Leiden erspart geblieben wäre? Man hätte aber vieles nicht umgesetzt, nicht jeder hat das Zeug zu einem genialen Menschen, wo der Ruhm mit zwanzig beginnt. Ich bin dankbar für meine Lebenszeit und hoffe, die eine und andere Lebenseite dazufügen zu dürfen. Nach diesen Zeilen stellt sich bei mir Staunen über das Rad der Zeit und Betroffenheit über einen solchen Messerangriff ein. Tragik, Schicksal, Bestimmung, wie immer man es bezeichnet, mehr kann man darüber nicht sagen.

Unwissenheit

verkehr:notiz II

Ein russischer Lkw-Fahrer, der schon zigtausende Kilometer mit seinem Lkwzug unterwegs war wurde, tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat, als Fußgänger von einem Pkw erfasst und getötet. Während des berufsbedingten Fahrverbots wollten sie sich etwas zum Essen besorgen und waren auf einer wenig befahrenen Straße zu Fuß unterwegs. Ich rätsle darüber, welcher Theorie oder welchem Prinzip könnte man diesen Unfall zuordnen. Ein Augenblick, ein Zufall, entscheidet wortwörtlich über Leben und Tod. In seinem Beruf als Kraftfahrer wäre es ein normales Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden. Nach welchem Muster oder wie man heute sagt, nach welchen Algorithmen könnte man diesen Unfall einordnen? Gibt es in der Mathematik oder in der Physik eine Formel, wie sich ein solches Ereignis errechnen oder vorhersehen kann. Gerne wird von der Wahrscheinlichkeit an dieser oder jener Krankheit zu erkranken, gesprochen.

Zumeist wiegen sich die Lottospieler in der Hoffnung, dass ein größerer Gewinn soundso wahrscheinlich ist. Dies dient als Antrieb weiter am Ball zu bleiben und wöchentlich seinen Tipp abzugeben. Dabei verausgaben sich nur wenige Lottospieler, um höhere Einsätze geht es bei den Menschen, welche das Glück im Casino suchen. Dabei kommt es zu zerstörten Existenzen. Jene haben das Glück im Spiel, denen eine paar hunderttausende Euro Verlust nichts anhaben.

Gleichung

verkehr:notiz I

Es gab eine kleine Notiz, Russischer Lkw-Fahrer getötet, auf der Regionalseite der Kleinen Zeitung. Zumeist schweifen meine Augen, ist es keine größere Überschrift sofort zum nächsten Artikel. Gibt es nicht etwas Spektakuläreres, blättere ich um. Angezogen hat mich der Ortsname Gailitz und Seltschacher Straße, beides kenne ich aus meiner Berufszeit. Der Unfallhergang ist schnell erzählt, man möchte meinen, wie so oft auch anderswo. Ist keine Person aus der Verwandt- oder Bekanntschaft involviert, dann gehört dies sozusagen zu unserer täglichen Dosis an Verkehrsnachrichten, wie wir eine tägliche Dosis an Gemüse zu uns nehmen. Auf der schneeglatten Fahrbahn kommt ein Autofahrer in das Rutschen und drückt eine Personengruppe aus Weißrussland gegen eine Leitschiene. Dabei wird ein dreißigjähriger Mann getötet und eine Frau und ein Mann schwer verletzt. Es sind LKW-Fahrer, die über das Wochenende Fahrverbot haben und auf dem Weg zum Billa  in Gailitz sind, um sich ein paar Lebensmittel zu besorgen. Jetzt ist einer von ihnen tot und die zwei Kollegen schwer verletzt.

Ein alltäglicher Unfallhergang und doch lässt mich dieser Unfall in Gedanken nicht los. Einerseits kenne ich die Ortschaft und die Unfallstelle, zum Anderem wäre dies ein Unfall zwischen zwei Fahrzeugen gewesen und einer der Lkw-Fahrer wäre tot, so hätte dies zum Berufsrisiko gehört.  Für alle Autofahrer gilt dieses Unfallrisiko, es ist uns zumeist nicht bewusst, wir können es gut verdrängen. Wer einige Jahrzehnte auf der Straße unterwegs ist, vertraut auf seine Erfahrung und Routine. Manche legen sich im Laufe der Jahrzehnte eine defensive Fahrweise zurecht, eine vorbeugende Maßnahme.

Bremsweg