de:generation

Die ältere Generation, wird oft pauschal in einem Zusammenhang gesagt und niemand kann genau definieren, ab welchem Alter gehört man zur  älteren Generation. Jedes Lebensalter sieht den Beginn der älteren Generation anders. Für die Dreißigjährigen beginnt die ältere Generation bei den Vierzigjährigen und für diese sind die Dreißigjährigen die Jungen. Heute spricht man anstatt von der älteren Generation doch lieber von der Generation fünfzig plus oder sechzig plus oder siebzig plus, es klingt einfach schöner.

Anders ist das Verhältnis unter Geschwistern, zwischen Brüdern und Schwestern, wenn es eine größere Anzahl gibt.  Zumeist beträgt der Altersunterschied zwischen den Geschwistern nur ein bis drei Jahre. Zwischen dem Jüngsten und dem Ältesten vielleicht zehn bis fünfzehn Jahre. Plötzlich befinden sich alle über fünfzig und gehören der Generation fünfzig plus an, wer ist jetzt der Ältere. Was bedeutet älter sein zwischen Geschwistern, wenn einem vom älteren Bruder nur drei Jahre trennen. Wo kann man hier einen Unterschied festmachen? Beim äußeren Erscheinungsbild, beim Gesundheitszustand, beim Erfolg im Beruf oder in der Ehe. Wird ein vielfaches an Frauen als Erfolg angesehen, zählen mehrere Ehen zu einem Plus im Leben. Welchen Stellenwert hat der Nachwuchs, die Zahl der Kinder und Enkelkinder? Wird die Rangordnung des Alters umgeschrieben, wenn der jüngere Bruder mehr Besitz, mehr Häuser und mehr Geld hat? Nach welchen Kriterien wird der Sprecher unter den Geschwistern, in der Verwandtschaft, gewählt? Zumeist wird nur nach Äußerlichkeiten beurteilt. Werte wie Verlässlichkeit oder Mitgefühl, Hilfsbereitschaft oder Aufmerksamkeit werden kaum zum Ranking herangezogen.

Unter Schwestern und Brüder gibt es solche die mehr der Hauswirtschaft oder der Öffentlichkeit, der Wirtschaft und dem Erwerbsleben oder auch der Kunst zugeneigt sind. Schon innerhalb einer Familie kann es zu einem bunten Kosmos kommen. Wir schwärmen von der Artenvielfalt in der Natur. Bei Familienangehörigen stellt man mit Bedauern fest, dass manche Geschwister nichts Gemeinsames haben, sie ganz unterschiedlich sind. So wird je nach Interessenlage, die eine oder die andere Neigung auf das Podest gehoben. Vielleicht ist es einfach notwendig, jedem das Seine zu lassen. In der Natur ist die  Artenvielfalt ein Vorteil, dann muss Artenvielfalt erst recht im Mikrokosmos gelten, in der Familie.

Kain und Abel

selbst:bestimmt lll

Einen persönlichen Aspekt gewinnt die These von der Selbstbestimmtheit des Menschen, wenn in der Verwandtschaft ein Neunzigjähriger ankündigt, das Essen in Zukunft zu verweigern. Er ist mit verschiedenen Gebrechen behaftet und er sieht für ihn keinen Sinn darin, weiterzuleben. Sollen jetzt andere darüber entscheiden ob dieses  Vorhaben seinem persönlichem freiem Wille entspricht, sein geistiger Zustand ausreichend ist oder handelt es sich um eine depressive Verstimmung? Ist die geeignete Reaktion auf diese Ankündigung die Verabreichung von  Antidepressiva und eine künstliche Ernährung?  Nehmen wir die Selbstbestimmung des Menschen, seine Willensfreiheit wirklich ernst, dann müsste man dem Verwandten die Entscheidung über die Nahrungsaufnahme, ja oder nein, selbst überlassen. Außer, wir stellen die älteren Menschen auf die gleiche Stufe wie die Kinder im Straßenverkehr, dass sie nicht zurechnungsfähig sind. Für Kinder gilt der Vertrauengrundsatz  in der Straßenverkehrsordnung nicht.

In einem offenen Gespräch hat ein erfolgreicher österreichischer Bauunternehmer zu seinem runden Geburtstag davon gesprochen, dass er für sich die aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. Wenn er sterbenskrank ist oder ein Pflegefall wird,wenn nicht in Österreich, dann in der der Schweiz. Wie legt man den Zustand Sterbenskrank aus, schließt dies den baldigen Tod ein? Haben wir nicht mehr die Geduld auf den Tod zu warten? Wir haben heute keine Geduld um zu warten bis bei uns das Obst reif ist, sondern transportieren es aus allen Himmelrichtungen in unsere Supermärkte.

Es gibt mehr Fragezeichen als Antworten, weil jede Person, jeder Fall verschieden ist. Es wird dies eine der schwersten Entscheidungen sein, die wir im Diesseits treffen müssen. Wird uns diese Entscheidung erspart, könnte man dies als ein Geschenk Gottes betrachten, als das Erscheinen Gottes in unserem Leben.

Alles offen.

selbst:bestimmt ll

Zu den Vorsorgeuntersuchungen zähle ich die Brustmammografie, eine Magen- und Darmspiegelung oder eine Prostatauntersuchung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Der Impfkalender bietet auch für Ältere einiges, so wird ab einem gewissen Alter eine Impfung gegen Grippe und gegen Lungenentzündung empfohlen. Meist steht hinter diesen Maßnahmen ein Anreiz, dass Krankenkassen oder Versicherungsbeiträge reduziert werden. Wer aus guten Gründen dagegen ist kann dies ablehnen oder anderwärtig vorsorgen.

Eine weitere Schwierigkeit beim  Älterwerden ist, ob man sämtliche medizinischen Behandlungen zulässt, die manches Mal nur das Leiden und die Schmerzen verlängern und nicht heilen. Oder im Vorhinein bei einem  Organversagen lebenserhaltende und lebensverlängernde Maßnahmen ablehnt? Dies rechtzeitig durch eine Patientenverfügung festlegt. Darin befindet sich der Passus, dass man diese Anordnung bei guter geistiger Gesundheit freiwillig verfügt. Eine leichte, weil häufig auftretende Altersdepression wäre schon ein Ausschließungsgrund. Anhand von einigen Beispielen aus der Vorlesungsliteratur lässt sich darüber leicht diskutieren. Der größte Anteil der Studierenden ist Mitte zwanzig sind und für sie sind solche Lebenssituationen etwas abstraktes, in die sie nie kommen werden. Betroffener sehen dies die Seniorstudenten und dies merkt man auch an den Zwischenfragen. Noch konkreter wird dies, wenn über die Zulassung der Sterbehilfe in Österreich spekuliert wird.  Der freiwillige Wunsch bei Unheilbarkeit sterben zu dürfen. Darf der Betroffene selbst bestimmen, wann er davon Gebrauch machen will und anderseits, vielleicht wird ihm dies auch freundlichst nahegelegt.  Von den Erben des Sparbuches, der Wohnung, von der Solidargemeinschaft oder von Staatswegen wegen der hohen Pflegekosten.  

Zukunftshoffnung.

selbst:bestimmt

In einer Lehrveranstaltung der AAU  beschäftigten wir uns damit, inwieweit sind wir als Menschen noch natürlich,  was ist in der heutigen Zivilisation noch natürlich. Wieweit hat der Mensch die Natur verändert und ist der Mensch Teil der Natur, dann ist letztendlich alles was der Mensch herstellt natürlich. Egal ob es sich dabei um Autos, Megacitystädte oder chemische Waffen handelt. Es gibt dabei den Aspekt, ob wir alles was uns möglich ist auch tun sollen oder uns beschränken sollten. Im Sinne von Giorgio Agamben der meint, dass die größte Freiheit des Menschen darin besteht, etwas nicht zu tun. Vertritt man die Position des Nichtstuns, dann sei dies nicht eine Form der Schwäche, sondern die größte Potenz die dem Menschen zur Verfügung steht. Beim  Aspekt des Nichtstuns kommt man schnell zum persönlichen Bereich, zum eigenen Körper. Muss ich mich dem medizinischen Zwang, den Empfehlungen für die Impfprogramme anschließen? Bei den Volksschulkindern stehen eine Reihe von Impfungen auf den Stundenplan, wozu die Zustimmung der Eltern einholt wird. Wer kann sich dem Kollektiv entziehen und eine Masern- oder Kinderlähmungsimpfung ablehnen. Dabei ist zu bedenken, dass man für ein drittes Wesen entscheidet, dass bei einer Erkrankung die Frage stellen könnte: Warum man der Impfung  nicht zugestimmt hat.

Anders ist die Situation als Erwachsener, dem verschiedene gesundheitliche Vorsorgemaßnahmen empfohlen werden. Ich meine Behandlungen, welche nicht durch einen akuten Krankheitsausbruch notwendig sind.

Eigennutzen.