drei:drei

Verschiedene Berufsgruppen, Rechtsanwälte, Ärzte, Hoteliers, Kaufleute, Haushälterinnen und Pfarrerinnen laden in Kärnten zu einem Faschingsball ein. Findet dieses Event im Kongresszentrum, im Musikvereinssaal oder im Casino Velden statt, dann können sie damit rechnen, dass in der ORF Sendung Kärnten Heute kurze Ausschnitte vom Ball gezeigt werden. Immer seltener werden die Hausbälle, zu denen früher die Wirtshäuser in den Dörfern eingeladen haben. Das Gasthaus und die Wirtsleute waren eine Identifikation für einen Ortsteil. In der Waldsiedlung bei Arnoldstein, war dies das Gasthaus Wedam. Hier trafen sich die Schichtarbeiter der BBU zu einem Schwatz, vor und nach der Schicht. Am Wochenende gesellten sich auch die Frauen aus der Siedlung dazu.

Die gute Seele des Gasthauses war die Wirtin, Frau Wedam, eine etwas korpulente Frau. Ausgleichend in ihrer Art, die allen zugehört hat. War an Wochentagen, nachmittags oder abends nicht viel Betrieb, so hat man sie in der Gaststube beim Stricken angetroffen. Das Gasthaus war auch Treffpunkt für die Mitglieder und Zuschauer vom FC Waldsiedlung und dem Eisschützenverein Waldsiedlung. Ganz in der Nähe befand sich der Fußballplatz, von den Einheimischen wurde es Zeckenstadion genannt. Die Attraktion im Winter war die Eisstockbahn am Parkplatz vor dem Gasthaus. Nach den Fußballspielen oder dem Eisstockschießen hat sich alles in der Wirtsstube getroffen. Zu der Zeit durfte man in den Gasträumen noch Rauchen, es gab keine Raucherabteile oder Rauchverbot. Die BBUler waren bekennende Raucher, zumeist Zigaretten ohne Filter. Austria C oder Dreier, wer es sich leisten konnte rauchte Smart oder Marlboro. Die Nichtraucher waren dazumal in den Wirtshäusern die Minderheit. Bei größerem Platzbedarf konnte die Wirtsstube um einen Raum erweitert werden.

Strickweste

drei:

Die Frühjahrsmonate sind reich an verschiedenen Festen, Bräuchen und Vorsätzen. Es ist ein auf und ab von Feiern und Fasten. In Kärnten regiert zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Wochen der Fasching, zumeist der verordnete Fasching. In vielen Orten gibt es Faschingsgilden mit einem Prinzenpaar und zur Belustigung der Bewohner Faschingssitzungen. Dabei werden der Bürgermeister, ein Vereinsobmann, Kaufleute oder sonstige auffällige Personen auf die Schaufel genommen. Einigen Faschingsgilden im ländlichen Bereich eilt der Ruf voraus, ihre Faschingssitzungen seien besonders bissig. Meistens wirkt das unprofessionelle viel komischer, als die professionellen Gags der Villacher Faschingsgilde.

In Arnoldstein sorgt die Traditionsmusik der BBU für gute Laune, unter dem Motto Drei-Drei. In einer Faschingsperiode war ich, in einem Frage- und Antwortspiel, Inhalt einer Parodie. Bei der Aufnahme wurde mir vorgetäuscht, das Gespräch sei für eine Projektarbeit der HTL. Nach dem Interview wurden die Fragen ausgetauscht und so ein komischer Effekt erzielt. Nach der ersten Fasching Sitzung habe ich von dieser Parodie erfahren. Flugs habe ich mir Karten für die zweite Sitzung besorgt und bin mit Bekannten erwartungsvoll im Kulturhaus Gailitz gesessen. Nach einem humorvollen ersten Teil und einer Pause, habe ich gespannt auf die Parodie gewartet. Einige Frage- und Antwortspiele von anderen Personen wurden gesendet, bis zuletzt habe ich auf meinen Auftritt gehofft, vergebens. Ich war ein wenig enttäuscht. Eine Besucherin der dritten Sitzung hat mir erzählt, dass die Parodie wieder gesendet wurde. Aus informierten Kreisen habe ich erfahren, dass wegen meiner Anwesenheit bei der zweiten Sitzung der Beitrag nicht gesendet wurde, schade. Der Obmann der Faschingsgilde hat mir erklärt, es war ein technischer Defekt?

Sendeausfall

verkehr:notiz II

Ein russischer Lkw-Fahrer, der schon zigtausende Kilometer mit seinem Lkwzug unterwegs war wurde, tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat, als Fußgänger von einem Pkw erfasst und getötet. Während des berufsbedingten Fahrverbots wollten sie sich etwas zum Essen besorgen und waren auf einer wenig befahrenen Straße zu Fuß unterwegs. Ich rätsle darüber, welcher Theorie oder welchem Prinzip könnte man diesen Unfall zuordnen. Ein Augenblick, ein Zufall, entscheidet wortwörtlich über Leben und Tod. In seinem Beruf als Kraftfahrer wäre es ein normales Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden. Nach welchem Muster oder wie man heute sagt, nach welchen Algorithmen könnte man diesen Unfall einordnen? Gibt es in der Mathematik oder in der Physik eine Formel, wie sich ein solches Ereignis errechnen oder vorhersehen kann. Gerne wird von der Wahrscheinlichkeit an dieser oder jener Krankheit zu erkranken, gesprochen.

Zumeist wiegen sich die Lottospieler in der Hoffnung, dass ein größerer Gewinn soundso wahrscheinlich ist. Dies dient als Antrieb weiter am Ball zu bleiben und wöchentlich seinen Tipp abzugeben. Dabei verausgaben sich nur wenige Lottospieler, um höhere Einsätze geht es bei den Menschen, welche das Glück im Casino suchen. Dabei kommt es zu zerstörten Existenzen. Jene haben das Glück im Spiel, denen eine paar hunderttausende Euro Verlust nichts anhaben.

Gleichung

verkehr:notiz I

Es gab eine kleine Notiz, Russischer Lkw-Fahrer getötet, auf der Regionalseite der Kleinen Zeitung. Zumeist schweifen meine Augen, ist es keine größere Überschrift sofort zum nächsten Artikel. Gibt es nicht etwas Spektakuläreres, blättere ich um. Angezogen hat mich der Ortsname Gailitz und Seltschacher Straße, beides kenne ich aus meiner Berufszeit. Der Unfallhergang ist schnell erzählt, man möchte meinen, wie so oft auch anderswo. Ist keine Person aus der Verwandt- oder Bekanntschaft involviert, dann gehört dies sozusagen zu unserer täglichen Dosis an Verkehrsnachrichten, wie wir eine tägliche Dosis an Gemüse zu uns nehmen. Auf der schneeglatten Fahrbahn kommt ein Autofahrer in das Rutschen und drückt eine Personengruppe aus Weißrussland gegen eine Leitschiene. Dabei wird ein dreißigjähriger Mann getötet und eine Frau und ein Mann schwer verletzt. Es sind LKW-Fahrer, die über das Wochenende Fahrverbot haben und auf dem Weg zum Billa  in Gailitz sind, um sich ein paar Lebensmittel zu besorgen. Jetzt ist einer von ihnen tot und die zwei Kollegen schwer verletzt.

Ein alltäglicher Unfallhergang und doch lässt mich dieser Unfall in Gedanken nicht los. Einerseits kenne ich die Ortschaft und die Unfallstelle, zum Anderem wäre dies ein Unfall zwischen zwei Fahrzeugen gewesen und einer der Lkw-Fahrer wäre tot, so hätte dies zum Berufsrisiko gehört.  Für alle Autofahrer gilt dieses Unfallrisiko, es ist uns zumeist nicht bewusst, wir können es gut verdrängen. Wer einige Jahrzehnte auf der Straße unterwegs ist, vertraut auf seine Erfahrung und Routine. Manche legen sich im Laufe der Jahrzehnte eine defensive Fahrweise zurecht, eine vorbeugende Maßnahme.

Bremsweg