leber:kas

Die Leere in der Pension erfasste auch den Fleischhauer. Im Fleischerladen war eine Imbissbude integriert. Dort lief immer der Schmäh, kein zimperlicher. Ein großer Teil der Kunden waren Arbeiter vom Baugewerbe, Straßen- und Forstarbeiter und Lkw-Fahrer. Berufstätige, welche bei einer dicken Scheibe Leberkäse oder ein paar heißen Braunschweiger gerne zugegriffen haben. Wo bleibt der Schmäh, wenn die Fleischbank und die Imbissstube zugesperrt hat? Wehmütig schaut der pensionierte Fleischhauer  aus dem Küchenfenster auf den fließenden Verkehr und erkennt das eine und andere Auto. Da fährt der Michael, der Herbert und der Fritz vorbei, einstmals sind sie bei der Heimfahrt von der Arbeit auf an haßn Leberkas stehengeblieben. War es auf der Baustelle auch gnätig, der Kurt kam zu Mittag auf an Sprung, fir a haße Braune vorbei.

Um Punkt zwa Uhr nochmittogs ist der Metzger täglich in den Ort gegangen, um bei der Raiffeisenkasse die eine und andere Rolle Münzen zu holen. Die Anrainer konnten die Uhr danach richten, auf jeden Fall so ganggenau wie die Kirchturmuhr. In der Pension bricht er um zwei Uhr zu seinem täglichen Spaziergang, kreuz und quer durch das Dorf, auf. Einige Dorfbewohner bestellen eine Dose Sasaka, andere ein Dutzend Braune für das Gschnasfest.

Wer könnte schnell und günstig ein Licht in der Garage herstellen? Ein paar Häuser weiter hat der pensionierte Elektrofritze noch immer etwas an Installationsmaterial im Keller. In einer Garage kommt es nicht auf die Schönheit der Lampen an. Außen gehört ein Bewegungsmelder montiert, so geht allen ein Licht auf.

Licht aus

hinter:türl

Familienfreundlich ist das Führen eines Handelsgeschäftes oder eines Handwerksbetriebes nicht. Der deftige persönliche Einsatz ist für die Nachkommen oft keine Einladung den Betrieb zu übernehmen. Diese stellen sich ihre Zukunft anders vor. In der aktiven Zeit waren kein Sonntag und kein Abend zu schade, um nicht eine Hobelbank auszuliefern. Mancher pensionierter Selbstständige versucht das Arbeitsleben ein wenig in die Pension zu verlängern. Es ist ein Geschenk des Himmels, wenn noch einige Stück Hobelmesser lagernd sind, welche von einer Kundschaft nachgefragt werden. Die Zahlung bessert das Taschengeld auf.

Ab Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts besteht vielerorts die Meinung, alle pflanzlichen Arzneimittel durch Chemische abzulösen. In manchen Kärntner Tälern haben die Bewohner entgegen dem Trend beim örtlichen Drogisten bei Rheuma, Magenbeschwerden, Erkältungen oder kalten Füßen zur Linderung der Beschwerden  verschiedene Tees besorgt. Oft werden diese Rezepte von einer Drogistengeneration zur Nächsten weitergegeben, bis die letzte Generation eingeläutet wurde. So hat auch die Drogerie, wie viele weitere Fachgeschäfte am Gemeindeplatz die Rollläden heruntergelassen. Mit einem Hintertürl, der Garagentür. Dort hat der Drogist nach seiner Pensionierung weiter seine treuen und gläubigen Kunden empfangen. Für sie in die Kräuterdosen gegriffen und seine beliebten Teemischungen zubereitet. Die eine und andere heilende und desinfizierende Tinktur bei Verbrennungen oder Verätzungen vorbereitet. So gelingt es die Ruhe im Ruhestand zu unterbrechen, wenn man vor dem Aus steht, was das Leben ausgemacht hat.

Neuanfang

irak:krieg

Die Fernsehnachrichten am Abend des 17. Januar 1991 kann ich vor meinen Augen abrufen. Ich hatte den Eindruck als würde am Bildschirm ein Computerspiel ablaufen. Es waren Nachtaufnahmen und in rascher Folge flogen am Himmel Geschosse auf Bagdad. Der Himmel war in ein grünliches Licht getaucht und helle Kugeln, wie bei einem Silvesterfeuerwerk. Man sah keine Menschen, auch keine Gebäude, es war ein Gefecht wie am Bildschirm eines Gameboys. Die Ansagen der Reporter verkündeten, nicht ohne Stolz, es würden nur militärische Einrichtungen, Kasernen und Waffen zerstört. So, als stünden diese im unbewohnten Gelände und man war begeistert von der Präzision der Raketen, welche sich neuerdings selbst das Ziel suchten. Ein Krieg der Waffensysteme zwischen dem Irak und der westlichen Allianz. Die Raketenangriffe dauerten Tage und nie ist ein Wort darüber gefallen, dass durch das permanente Bombardement auch Soldaten und Zivilisten betroffen sind. Der Krieg der Zukunft, wo es nur um die Zerstörung von gegnerischen Waffen und Infrastruktur geht, ein humaner Krieg. Es gab keine Berichte auf denen tote Soldaten oder Zivilisten gezeigt wurden.

Während des halbjährlichen Aufmarsches der westlichen Bündnispartner steigerte sich in mir die Ungewissheit. Zeitungen und Fernsehen, Journalisten und Kommentatoren spekulierten darüber, wie sich der Golfkrieg auf unsere Wirtschaft, auf die Versorgung mit Erdöl auswirken könnte. Zuoberst kam die Furcht, kann der Krieg auf Europa übergreifen? Liefern sich hier, in Mitteleuropa, die beiden großen Kontrahenten, USA und UDSSR einen Stellvertreterkrieg. So viele unsichere Faktoren und Optionen setzten mir zu, die Fernsehbilder vom Erstschlag lösten die Spannungen. Ein großes Risiko stellte das Verhalten von Israel dar. Da es Zielscheibe von Raketen aus dem Irak wurde stellte sich die Frage, wird sich Israel aus dem Kriegsgeschehen heraushalten?  Oder greift es zur mächtigsten Keule der Menschheit, zu seinen Atomwaffenarsenal. Im Inneren glaubte ich den Berichten der Journalisten nicht. Nach Wochen stellte sich heraus, dass so und so viele zivile Einrichtungen, Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser zerstört wurden und in etwa dreißigtausend Menschen ihr Leben ließen.

Klinik

eu:brexit

Seit ein paar Jahren gibt es viel Wirbel um den Austritt Englands aus der Europäischen Union. Eines ist gewiss, auch in der Zukunft wird bei den meisten Konferenzen, sei es auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene, als Konferenzsprache Englisch verwendet. Unterhalten sich Personen aus verschiedenen Kontinenten, dann greift man zumeist auf die englische Sprache zurück. Ebenso bei der Kommunikation im Internet oder bei technischen Begriffen. Wie praktisch Englischkenntnisse sind, erfährt man beim Reisen oder wenn man von Touristen nach einer Auskunft gefragt wird. Zumeist wird man in Englisch angesprochen, ganz egal ob man sich im Montafon oder in der Provence aufhält. Die Vormachtstellung der englischen Sprache rührt meinerseits daher, dass die Seefahrernation England seit der frühen Neuzeit weltweit Handelsniederlassungen gegründet hat.

Dessen ungeachtet gibt es in manchen Provinzen von England einen Dialekt, den selbst in England nicht alle verstehen. Eine Englisch Dozentin der Volkshochschule führte als Vergleich den Dialekt vom Hochmontafon in Vorarlberg an. Wir sprechen alle Deutsch, aber der Dialekt vom Hochmontafon klingt für die übrigen Österreich wie eine Fremdsprache. Dazu ergab sich ein Disput mit der Dozentin, da ich mit einer Frau aus dem Hochmontafon zusammenlebe.  Die Frage von ihr war: „Wie es mir ergangen ist, als ich meine Partnerin kennen lernte, wie wir uns verständigt haben?“ Der Dozentin habe ich versichert, dass beim Kennenlernen die sprachliche Kommunikation nicht vorrangig ist, vieles erfolgt durch Augenkontakt und körperliche Gesten. Bewegungen mit den Gesichtsmuskeln bringen einander näher, als das Verstehen einzelner Sätze. Eine zärtliche Berührung auf der Schulter drückt mehr Zuneigung aus, als fünf Sätze im Montafonerdialekt.

DU – Wort