ukraine:getreide

Dramatisch sind die Prognosen was die Getreideexporte aus der Ukraine betrifft für Westeuropa, man prophezeit Engpässe und Preiserhöhungen. Viel schlimmer betrifft ein möglicher Ernteausfall oder eine geringere Ernte wegen des Krieges afrikanische Länder. Diese sind auf den Getreideimport aus der Ukraine angewiesen. Manche Staaten Afrikas haben Ernteausfälle infolge des Klimawandels, so könnten Importausfälle die Situation verschärfen. Dies wird die Auswanderung junger Afrikaner beschleunigen. Verwundert bin ich über die Hinweise, dass die österreichische Lebensmittelversorgung teilweise mit der Aussaat in der Ukraine zusammenhängt. Dabei klingen in mir die Sonntagsreden von Politikern, besonders von Vertretern der Bauernschaft im Ohr, wo diese die Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln garantieren. Damit wird immer wieder die finanzielle Unterstützung für die Bauern begründet. Jetzt soll dies, wo es ernst wird, nicht mehr der Fall sein, ein Widderspruch. In den Werbeeinschaltungen werden glückliche Schweine und Hühner gezeigt, man sieht friedlich grasende Kühe auf grünen Almwiesen. Im Widerspruch dazu gibt es Reportagen und Bilder wo Schweine und Hühner auf engstem Raum gehalten werden. Dies führt zu gegenseitigem aggressivem Verhalten und Verletzungen, das Gegenteil von glücklichen Tieren. Zeitweise denke ich, das Beste ist, ich lasse die Wirklichkeit nicht mehr an mich heran. Massiv eingreifen und verändern kann man die Situationen ab einem gewissen Alter nicht mehr. Der kleine Beitrag ist, die wenigen Nahrungsmittel bewusst einzukaufen.

Keine Theorie, sondern konkrete Praxis ist die Aufforderung der Schwester an meinen Schwager, dass er den Konsum bei der selbstgemachten Marmelade reduzieren muss. Im vorigen Sommer hat es weniger Obst gegeben und in Folge weniger selbstgemachte Marmelade. Er war bis zu seiner Pensionierung im Heraklithwerk Ferndorf als Hobler beschäftigt. In der Hochblüte des Heraklithwerk wurde in drei Schichten gearbeitet. Die Tätigkeit des Hoblers war kurze Schleifholzstücke in die Hobelmaschine einzuspannen.  Dabei wurden Holzspäne erzeugt, die gemischt mit dem Magnesit Brei zu Heraklith Platten und Ziegel gepresst wurden. Besonders fordernd waren die Nachtschichten, weil das Einspannen der Holzstücke in die laufende Hobelmaschine die volle Aufmerksamkeit beanspruchte. Es kam bei den Hoblern immer wieder zu Handverletzungen.

ukraine:gas

Die Diskussion um die Sanktionen und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine drehen sich in erster Linie darum, wird es im kommenden Winter genug Flüssiggas für Österreichs Wirtschaft und Haushalte geben? In verschiedenen Industriezweigen ist Gas als Brennstoff zur Produktherstellung unersetzlich. So hat sich ein Sprecher des Industriebetriebes Radex besorgt gezeigt, würde es zu Engpässen bei der Gasversorgung kommen. Beim Weltmarktführer für feuerfeste Ziegel müsste die Produktion gedrosselt werden. Eng verbunden war der Standort Radenthein einstmals mit der Heraklithwerk in Ferndorf, wo Dämmplatten und Mauerziegel hergestellt wurden. Beide Standorte unter dem Firmennamen „österreichische amerikanische Magnesit AG“. Verbunden im wörtlichen Sinne, weil das Magnesit, welches bei Radenthein auf der Millstätter Alpe abgebaut wurde, wurde mit einer Materialseilbahn nach Ferndorf transportiert. Dort aus einem Gemisch von Magnesit und Holzwolle der Baustoff hergestellt. Eine der Ursachen für die Errichtung des Heraklithwerk in Ferndorf war, dass das Drautal durch die Tauernstrecke an das Eisenbahnnetz angebunden war.

Die Materialseilbahn ist in meinem Gedächtnis geblieben, sie gehört zu meiner Kindheit dazu. Zweimal am Tag ging ich während der Volksschuljahre unter der Seilbahn durch. Das klingeln, wenn die Wagerlen eine Stütze passierten, klingt noch sechzig Jahre später in meinen Ohren nach. Unerwartet tauchten die Wagerlen in Rudersdorf von Ferndorf kommend auf, fuhren über mich hinweg und sind dann durch eine Waldschneise den Berg hochgefahren und am Insberg aus den Augen verschwunden. An manchen Stellen der Seilbahn fuhren die Wagerlen knappüber die Köpfe größeren Schüler hinweg. Verboten war das Verweilen unter der Seilbahn, streng verboten war auf eine Stütze zu steigen oder sich bei einem Waggrle einzuhängen. Inzwischen gibt es zwei Ferndorfer Wahrzeichen nicht mehr, die Materialseilbahn und den Werkskran. Die Seilbahn wurde abgetragen, nur eine Stütze steht wie vergessen in einer Wiese in der Ortschaft Glanz am Millstättersee. Der Holzkran, welcher über die ganzen Hallen des Werksgelände fuhr, wurde ebenso abgebaut.

omikron:blackout II

Die Elektrifizierung in größerem Ausmaß begann um etwa 1880. Wie würde der Familienalltag in der Wohnung, der Berufsalltag in der Firma ohne Strom funktionieren? Und wie würde man eine Woche ohne Strom über die Runden kommen?

Als Gedankenexperiment zeichne ich meinen ersten Lebensabschnitt, die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, ohne Strom nach. Kindheit und Jugend verbrachte ich auf einen Bauernhof. Der Alltag ohne Strom hätte damals gut funktioniert, es hätte nur keine maschinelle Unterstützung der Arbeiten gegeben. In den Wintermonaten geht es hauptsächlich um die Fütterung der Tiere, dazu Arbeiten rund um das Holz, sei es Schlägerungen im Wald oder Holzmachen für den Küchenherd und Kachelofen. Der Jahreszeit angepasst begann das Tagwerk mit der Morgendämmerung, die Kühe konnten händisch gemolken werden, die Wasserversorgung kommt aus der eigenen Wasserquelle und kommt ohne mechanische Pumpen aus. Bei der Fütterung der Schweine und der Schafe spielt der mit Holz beheizte Dämpfer für die Herstellung der Erdäpfel Maische eine wichtige Rolle. Die Gerätschaften zur Verarbeitung der Milch ließen sich händisch betreiben, wie der Rührkübel zur Herstellung der Butter. Es gibt einen Vorrat an selbstgeernteten Feldfrüchten, wie Kartoffel, Kraut, Wintersalat, Obst, Rohnen und Sauerkraut. Verschiedene Mehlsorten sind nicht in kleinen Packerln zuhause, sondern in großen Schubladen. Auch das Brot selbst zu Backen ist möglich. Ergänzt werden die Feldfrüchte durch geselchte Fleischwaren, wie Speck und Würste, dazu der eigene Apfelmost in Fässern zu 300 und 500 Liter. Die große Stube, das Schlafzimmer der Eltern und zugleich das Wohnzimmer, lässt sich mit einem Kachelofen beheizen. In der Küche steht ein Holzherd, der Sommer wie Winters die Küche und das Wasser für die Katzenwäsche erwärmte. Fortbewegung und Transport spielten eine untergeordnete Rolle, es gab die Pferde, die Menschen sind kaum über das Tal hinausgekommen.  

omikron:blackout

Corona Pandemie war gestern, jetzt will man das Leben wieder genießen. Plötzlich zeigen sich am Kärntner Himmel die sprichwörtlichen dunklen Gewitterwolken und als Vorbote fegt ein Sturm durch die Straßen, der Reklame- und Einkaufszettel aufwirbelt. Diese Gewitterwolken entpuppen sich als neues Bedrohungsszenario. Mitten in die Partystimmung platzieren findige Medienmacher, ob dahinter auch geschäftliche Interessen stehen ist ungeklärt, ein neues Bedrohungsszenario, das Blackout der Stromversorgung.

Institutionen wie das Bundesheer, die Polizei oder die Feuerwehr gingen in die Öffentlichkeit um ein düsteres Bild an die Wand zu malen, das Blackout der Stromversorgung. Vom Zivilschutz wird schon lange dafür plädiert für einen Katastrophenfall einen Vorrat an Konserven, Kerzen, Streichhölzer, Nudeln, Trinkwasser und Medikamente anzulegen. Seit der Corona Pandemie neu hinzugekommen ist ein Vorrat an Kloopapier. Nützlich ist ein Gaskocher, eine Petroleumlampe und wer es besonders toll haben will Akku Boxen mit viel Strom für das geliebte Smartphone. Wie lange die Funknetze aktiv sind, hängt von ihren Notstromreserven ab. Für Ö1 Hörer gibt es Transistorradios, bei denen man mittels Kurbeln Strom erzeugen kann.

Strom als Energieträger ist in unseren Alltag so selbstverständlich integriert, dass wir ihn kaum bewusst wahrnehmen. Für unsere Bedürfnisse brauchen wir ihn fast so notwendig wie den Sauerstoff zum Atmen. Beim Atmen agieren wir so selbstverständlich, sodass wir es nicht bewusst wahrnehmen, erst wenn wir damit Probleme haben. Wenn uns vor Anstrengung oder Aufregung die Luft wegbleibt oder wir gegen eine Infektion der Atemwege kämpfen. Die meisten Beschwerden und Erkrankungen der Atemwege gibt es im Winter und stellen sie sich ein Blackout bei der Stromversorgung im Winter vor. In dieser Jahreszeit sei es laut Experten aber am wahrscheinlichsten. Einerseits weil der Strombedarf in der kalten Jahreszeit durchschnittlich höher ist als im Sommer, zum anderem, weil von den Flusskraftwerken im Winter bei Niedrigwasser weniger Strom erzeugt wird. Dann trifft uns ein Blackout des Stromnetzes, was angelblich immer wahrscheinlicher wird. Wobei ein Hackerangriff auf die Steuerung des europäischen Stromnetzes und Ausfälle auf Grund des Kriegs Geschehen in der Ukraine nicht von der Hand zu weisen ist. 

buch:lebensmittel II

Der Verkäuferin im Laden erzähle ich, dass ich hier vor fünfundfünfzig Jahren zum Papier- und Buchhändler ausgebildet wurde. Diese Zeitspanne kommt der etwa dreißigjährigen Verkäuferin unwirklich , jenseits ihrer Zeit Vorstellung vor. Sie sieht in mir den letzten Papierhändler seiner Art, welcher an seinen Ursprungsort zurückgekehrt ist. Vom Lebensmittelmarkt mache ich von außen und von innen mehrere Fotos. Die Verkäuferin bitte ich von mir ein Foto vor einem Lebensmittelregal zu machen. Um das unvorhersehbare Erlebnis, die Verwandlung der Papier- und Buchhandlung in einen Lebensmittelmarkt zu verdauen, kehre ich in der Nachbarschaft beim Café Riedl ein. Schon zu meiner Lehrzeit gab es das Café, dazu gehörte ein Reisebüro und eine Fahrschule.

Auf der Café Terrasse suche ich mir einen bequemen Platz aus, wo die Verwandlung der Papier- und Buchhandlung in einen nationalen und internationalen Lebensmittelmarkt nachklingen kann. Bei einem Cappuccino komme ich mit einem Gast in das Gespräch, welcher mir erklärt, das Café sei sein Wohnzimmer. Er komme fast jeden Vormittag hierher auf ein Bier. Vielleicht könnte ich mit ihm meine Erinnerungen an die Papierhandlung Petz teilen? Ich frage ihn, ob er Spittaler sei: „Ja, er wohnt in der Koschatstraße, gleich um die Ecke.“ Ob er sich an die Papier- und Buchhandlung am Eck vom Bahnhofsplatz erinnern könne? „Nein, er wohnt seit fünf Jahren in Spittal/Drau und kommt aus Bad Gastein. Das Wohnen in Kärnten ist viel billiger als in Salzburg“. Zwischen seiner Behausung in Kärnten und meiner Lehrzeit trennen uns fünfzig Jahre. Viele Jugendliche würden sagen ein biblischer Zeitraum.