hering:salat

Am Faschingssamstag sieht man Verkaufsstände vor einer Bäckerei oder Konditorei,  wo ein Verkäufer versucht Faschingskrapfen an die Narren zu bringen. Dabei herrscht italienische Marktstimmung. Fest verankert ist in meiner Erinnerung  der Anblick meiner Nichte am Villacher Bahnhofsplatz. Dort steht sie in den letzten Tagen des Faschings vor dem Forum Kaufhaus hinter einer Budel und mit ihrer zarten Stimme spricht sie die vorbeieilenden Pendler an, ob sie ein paar Krapfen kaufen wollen. Die zaghafte Stimme passt zu ihrer zarten Figur, von einen weißen, dünnen Geschäftsmantel umhüllt. Ein notdürftiger Schutz gegen die winterliche Kälte. In Kärnten wartet der Winter darauf, die Narren in den letzten Faschingsstagen kräftig mit Schnee und Kälte zu peinigen.

Die Hausfrauen kreieren zum Faschingssausklang nach Großmutters Rezept einen Heringssalat. Das erste Mal trifft man sich zum Vorkosten am Faschingssamstag und hofft eine Einladung zum Heringschmaus am Aschermittwoch zu bekommen. Während meiner Kaufmannschaft in Arnoldstein bin ich in den ersten Jahrzehnten der Einladung von der Drauland Resi  zum Heringssalat gerne gefolgt. Später der von der Annelies in der Thujen Straße. Beide können hervorragend kochen, dies zeigt sich besonders zu den Festzeiten. Zu Ostern beim Kärntner Reindling, zum Kirchtag bei der Gailtaler Kirchtagssuppe. Zu diesen heiligen Zeiten fädelt man es ein, bei ihnen aus einem banalen Grund vorbeizuschauen. Zumeist klappt es und man sitzt am Küchentisch.

Rollmops

fasching:krapfen

Das neue Jahr beginnt in Kärnten mit der fünften Jahreszeit, dem Fasching. Dazu gehören als Schmankerln die Faschingskrapfen, die Fleischnudeln und der Heringssalat. Je nach Betrachtungsweise freuen sich die einen auf die regionalen Köstlichkeiten, die anderen fürchten die zusätzlichen Kalorien. Es genügt nicht, von einer Bäckerei die Krapfen zu gustieren, der Feinschmecker will sich durch die verschiedenen Bäckereien der Draustadt durchkosten. Bei der Füllung der Krapfen wird schon experimentiert, es gibt sie mit Schokolade- Vanille- und Preiselbeerfüllungen. Die Krapfen mit Marillenmarmelade Füllung schmecken mir am Besten. Besucht man in der Faschingszeit in Kärnten Freunde oder wird besucht, dann hat man die nötige Anzahl von Krapfen dabei. Zu Beginn der närrischen Zeit türmen sich die Krapfen in den Supermärkten. Auf den Wochenmärkten werden die zumeist fettreichen Bauernkrapfen angeboten. Bei denen mutiert der Teig nicht zu einer Gupfform, sondern bleibt flach mit einem schwulstigen Rand. Die Form könnte man mit der einer kleinen Pizza vergleichen. Beim Verkaufen wird eventuell ein Löffel Marmelade aufgebracht.

Bei den Faschingskrapfen verhält es sich wie mit der Weihnachtsbäckerei, der größte Gusto herrscht zu Faschingsbeginn. Kaum jemand freut sich darüber, wenn man ihm zum Faschingsausklang einen Krapfen serviert. In vielen kleinen Handels- und Handwerksbetrieben ist es üblich, dass am Faschingsdienstag den Kunden ein Faschingskrapfen angeboten wird. Oftmals erhält man eine Absage, mit dem Hinweis auf die füllige Figur, auf die Kalorien. Ähnlich reagieren die Kunden, lädt man sie zu einem Stamperl Schnaps oder Likör ein. Dabei gibt es die Argumente, dass sie mit dem Auto unterwegs sind oder wegen der Einnahme von Tabletten nichts alkoholisches trinken dürfen. Langsam versandet der Brauch, den Kunden zum Fasching etwas anzubieten.

Brauchtum

schlitten:fahren

Auf dem Bauernhof bekamen wir Buben an einem Weihnachtsabend gemeinsam einen Schlitten. Diesen hatte der benachbarte Lech`n Tischler angefertigt. Die Eisenbänder für die Schlittenkufen besorgte sich der Vater in der Schlosserei des Heraklithwerkes in Ferndorf. In Politzen gab es in den 60er Jahren keine asphaltierte Straße, nur einen geschotterten Güterweg. Es war reichlich Schnee und der Güterweg wurde weder gesalzen noch gestreut. Der Weg führte bergab, er war die ideale Rodelbahn. Nur zwei bis dreimal am Tag fuhr ein Auto, wenn, ein VW Käfer. Außer dem Güterweg gab es noch einen Hohlweg, welcher nicht mehr benützt wurde. Der Hohlweg, der steil bergab ging und  vereist war, war für das Rodeln eine Herausforderung.

Einen besonderen Spaß hatten wir, wenn mehrere Rodel einen Zug bildeten. Man lag bäuchlings auf dem Schlitten und hackte mit den Füßen am nachfolgenden Schlitten ein. So bildete man einen Zug, mit einer Lokomotive und mehreren Waggons. Die schwierigste Aufgabe hatte der Lokführer, dieser lenkte. Schaffte er eine Kurve nicht, riss er alle Waggons mit in den Abgrund. Es war jedes Mal ein Höllenritt. Wir hatten keinerlei Schutzbekleidung, trugen auch keinen Helm. Kein Elternteil würde heute ihrem Kind erlauben diesen Hohlweg zu benützen. Der beste Schutz für uns war der viele Schnee. Prellungen, Hautabschürfungen oder ein verstauchter Finger waren kein Grund am nächsten Tag dem Hohlweg fernzubleiben.

Kurvenreich

schi:fahren

Noch nach Jahrzehnten kann ich mich an den Skikurs auf der Flattnitz gut erinnern.Vom Skifahren hatte ich keine Ahnung, ich war noch nie auf Skiern gestanden. Um für mehrere Kinder Schi und Schibekleidung zu kaufen reichte das Geld am Bauernhof nicht. Von der Schulleitung wurden mir ein Paar neuwertige Atomicski mit Sicherheitsbindung und Skischuhe für die Sportwoche zur Verfügung gestellt. Als blutiger Anfänger hatte ich schönere Ski als mancher Mitschüler, von einigen wurde ich darum beneidet. Die Skihose in Keilform und den Anorak besorgten die Eltern, beides konnte ich danach im Winter gut gebrauchen. Auf der Flattnitz wohnten wir im bischöflichen Jugendheim, die Zimmer hatten Stockbetten. Der Umgang während der Ski Woche  zwischen den Professoren und uns Schülern war schon in den strengen 60er Jahren etwas lockerer als im Unterricht. Meine ersten Gehversuche auf den Skiern waren mühsam, ich war der einzige Anfänger. Auf dem Idiotenhügel übte ich mit Eifer und Ausdauer den Stemmschwung, Hinfaller inbegriffen. Die anderen übten den Parallelschwung und benützen den Schlepplift neben dem Jugendheim. Nach Tagen des fleißigen Übens durfte ich den Schlepplift benützen und mühte mich mühsam, einen Stemmschwung nach dem Anderen, über die Piste.

Am letzten Tag fand das Abschlussrennen, ein Riesentorlauf, statt. Jeder stellte sein Können unter Beweis. Ohne ein Tor auszulassen bewältigte ich den Lauf, ich war  ganz stolz. Abends fand die Siegerehrung statt, für die ersten drei Plätze gab es eine große Tafel Suchard Schokolade. Von der Laufzeit her war ich der Letzte von allen. Da ich als blutiger Anfänger den Riesentorlauf ohne Fehler gemeistert hatte, bekam auch ich eine Tafel Schokolade. Darüber kann ich mich noch heute freuen.

Vollmilchschokolade