ge:leise

Martin Heidegger hat sich damit beschäftigt: „Was heißt denken“? Zumeist schaffen wir es bei einem aktuellen Thema nicht, uns von bekannten Gedanken zu lösen. Im Kreisverkehr eine neue Richtung einzuschlagen, die Spur zu wechseln. Darin liegt  auch die Schwierigkeit  sich von negativen Gedanken und Vorstellungen zu trennen. Die Sorgen drehen sich im Kreis, man findet im Kreisverkehr die mögliche Ausfahrt nicht. Das Schablonendenken lässt sich kaum durchbrechen, wie Züge fahren wir auf vorgegebenen Geleisen dem Ziel entgegen. Eingefahrene Geleise geben Sicherheit, anderseits blockieren sie die Wege für Neues. Ein anschauliches Beispiel für Geleise sind ein Stück Römerstraße zwischen Federaun und Warmbad Villach. Auf einzelnen Abschnitten kann man die Fahrrinnen im Felsgestein sehen. Die Räder der römischen Postkutschen haben sie in das Felsgestein eingefräst.

Wer auf verschneiten Bergstraßen unterwegs ist erlebt, wie sich auf der Straße Geleise gebildet haben. Dies sind vereiste Fahrrinnen. Einerlei, ob beim Hinauf- oder Herunterfahren vom Berg, man ist froh, gibt es keinen Gegenverkehr. Problematisch ist es die Fahrrinnen zu verlassen, das Betätigen der Bremse bleibt wirkungslos. So schlittert man mit dem Pkw den Berghang hinunter, ein gewolltes Lenken des Fahrzeuges  zumeist unmöglich. Bis jetzt bin ich aus solchen Situationen noch immer glimpflich davongekommen. Berüchtigt ist ein Straßenstück am Wurzenpass, dort hat die Straße ein Gefälle von achtzehn Prozent. Am Ende des Steilstückes hat man ein Gegenstück geschaffen, einen sogenannten Ausrollweg. Hier würde das nicht mehr steuerbare, ungebremste Auto durch die Schwerkraft zum Stillstand kommen. Bis heute gibt es dafür keine bessere Lösung.

Bremsweg

fahr:plan

Im Railjet 532 von Villach nach Wien beobachte ich über einen längeren Zeitraum einen Sitznachbar wie er sich abmühte, Zugsverbindungen aus mehreren Fahrplanheftln zu fixieren. Vor sich hatte er die von der ÖBB zur Verfügung gestellten, gesplitterten Fahrplanheftln. Diese zeigen die Verbindungen für jeweils einen Streckenabschnitt an, zum Beispiel Klagenfurt-Salzburg. Wer für die Planung seiner Zugreise diese Heftln benützt, um von Oberdrauburg nach Puchberg am Semmering zu reisen, braucht dazu mehrere. Es gibt keine Gesamtübersicht. Der Pensionist notierte die Umsteigeorte, Ankunfts- und Abfahrtszeiten, fein säuberlich auf einem kariertem Blatt Papier. Heute werden von vielen Zugreisenden, von der jüngeren Generation soundso, aus dem Internet die Fahrpläne ausgedruckt. Dort genügt es, den Abfahrtsbahnhof und den Zielbahnhof, so wie den Reisetag einzugeben. Umgehend erhält man mehrere Vorschläge zu den Zugsverbindungen. Es besteht die Möglichkeit die Fahrkarte auf das  herunterzuladen. Für die Smartphonegeneration ist dies der Alltag. Den Senioren werden Internetkurse angeboten, wo diese das Buchen von Fahrplänen oder das Buchen eines Urlaubszimmer lernen können. Erste Schritte im Web, welche den Alltag vereinfachen sollen.

Ich spreche den Sitznachbar auf seine mühevolle Arbeit an und verweise auf die Möglichkeit der Fahrplanauskunft im Internet. Er stellt sich als pensionierter Bahnhofsvorstand vor. In seiner Berufszeit musste er,  bei der Nachfrage nach Zugsverbindungen, diese aus den Kursbüchern zusammenzustellen. Beim Erwähnen der gedruckten Kursbüchern der ÖBB und der DB kommt er in das Schwärmen. In seiner Berufszeit gab es kein Web und keine online Fahrpläne. Die Zugsverbindungen mussten mit Umsicht aus dem Kursbuch herausgefiltert werden. Heute ist es ein Hobby von ihm, aus analogen Fahrplänen die Verbindungen zu eruieren. Dieses Hobby lässt er sich nicht durch das Internet verdrießen.

Internetabstinenz

ge:kreuzigt

Dieses Jahr wiederholte sich der dreißigste Todestag von Thomas Bernhard, einen Autor den ich bewundere. Aufmerksam habe ich sein Frühwerk gelesen und seinen Kampf gegen die katholischen Zustände in der Republik Österreich verfolgt. Für mich ist sein dreißigster Todestag in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Einerseits weiß ich wie betrübt ich von seinem Ableben war, anderseits sind inzwischen dreißig Jahre meines Lebens verstrichen. Als ersten Schritt gegen das Altern sollte die Zeitrechnung in einer großen feierlichen Zeremonie beerdigt werden. Damit hätten wir uns von einer bedrückenden Erfindung der Menschheit befreit. Unser Leben würde nicht als ein in Zahlen gefasstes Vergehen erscheinen, eher wie der Wechsel der Jahreszeiten. Wir würden vom duftenden Frühjahr zu harter Arbeit in den Sommer und zu einem reich gedeckten Tisch in den Herbst wechseln. Der Winter verlangt von uns mit unseren Ressourcen hauszuhalten. Der wichtigste Wunsch ist einen wohligen Platz zu finden, von wo wir den stürmischen Gezeiten zusehen können. Langsam werden die Tage kürzer, bis wir am frühen Nachmittag einschlafen, zu müde um auf den Abend zu warten.

Der Gekreuzigte erinnert uns an unsere Hinfälligkeit und Sterblichkeit. Instinktiv rennen wir vor dem Kreuz davon, außer wir hängen selbst am Kreuz. Der gekreuzigte Jesus zeigt uns, dass wir mit unserem Leid nicht alleine dastehen, dass er mit uns mitleidet. Nur wenige suchen bei ihm Trost in schwerer Stunde. Sein Tod und seine Auferstehung ist ein Versprechen, dass unser leiblicher Tod dereinst nicht das Ende sein wird. Wir werden in einem neuen Bewusstsein auferstehen und weiterleben. Ob die Institution Kirche zu diesem Glauben etwas beitragen kann ist zweifelhaft, weil sich ihr Personal von den Aussagen der Bibel weit entfernt hat. Durch die Jahrhunderte hat die oberste Glaubensinstanz an den Texten der Bibel gefeilt, gefräst und manipuliert. Ob es für uns ein Weiterleben nach dem Tod geben wird werden wir vorher, mit oder ohne die Aussagen in der Bibel, nie genau wissen.

Hoffnung