leit:bild

Das Wirtschaftsleitbild einer Region entscheidet zumeist über das Schulangebot für die Jugend. Die Ausbildungsvielfalt wird eingeschränkt, die Schüler werden in den Wirtschaftsstandort hineingepresst. Es könnte dazu kommen, wie es neuerdings bei den Juristen der Fall ist, dass es einmal zu viele Computerwissenschaftler geben wird. In naher Zukunft werden Computer mit künstlicher Intelligenz das Programmieren neuer Anwendungen selbst übernehmen. Sie werden sich selbst neu erfinden. Unisono wird von den Arbeitnehmern verlangt, nachdem es keine längerfristigen Arbeitsverhältnisse die zwanzig oder dreißig Jahre dauern mehr gibt, dass sich die Arbeitnehmer ständig neu erfinden. Dieser Ratschlag erreicht auch die Kleinunternehmer. Die Forderung sich neu erfinden betrifft auch das Notensystem in der Schule, dabei experimentiert man in alle Richtungen. Viele Ratschläge trudeln ein, für alles ist man offen, nur keine Noten mehr. Die Vorschläge reichen von Beurteilung der sozialen Kompetenz, der Auffassungsgabe bis zu den Essgewohnheiten, alles nur mehr verbal. Welchen Lehrstoff die Schüler verstanden und behalten haben, wird gegenwärtig kaum nachgefragt.

Unterschiedliche Wahrnehmungen gibt es im Schulkosmos zwischen den Schülern in den einzelnen Bundesländern. Schüler aus Vorarlberg sehen gute Noten als Belohnung, wenn sie fleißig gelernt, die Hausaufgaben erledigt haben und pünktlich in der Schule waren. Diese Einstellung stellt die Weichen zum wirtschaftlichen, rechnerischen Denken, abseits von Spielerei. Kein schöpferisches Lernen, sondern Leistung in Form von Mit- und Auswendiglernen. Diese rationale Lebenseinstellung verlässt einen nie mehr. Da kommt kein Spazieren gehen um des Genusses willens in Frage, wenn, bedarf es der sportlichen Betätigung für die Erhaltung der Gesundheit.  Jeder Schritt vor das Haus verlangt nach einer praktischen Rechtfertigung. Ein Spaziergang ist angesagt, wenn am Ende der Wegstrecke ein Supermarkt steht und dort ein Laib Brot gekauft wird. Wenn Musikhörern, dann kann man das Dasitzen dafür nützen, um in einer Zeitung oder einer Illustrierten zu lesen. Jede Tat braucht eine Belohnung, jede Belohnung braucht eine Tat.

Vielfalt statt Einfalt

kur:hotel II

Ist man im Therapiealltag angekommen stellt sich bald die Situation, wie verhält man sich im täglichen Umgang gegenüber den Anderen? Wer grüßt wen und wird überhaupt gegrüßt? Es erleichtert den Tagesbeginn, wenn man morgens von den ersten zehn Menschen denen man begegnet, mit einem freundlichen Guten Morgen begrüßt wird. Ein freundliches Lächeln, auch wenn man ansonsten im Speisesaal keinen Kontakt hat. Ich habe den Eindruck, dass manches Mal beim Grüßen auf gebrechliche und alte Leute vergessen wird. Gerade diese wissen einen liebevollen Gruß zu schätzen. Die Mühen, welche ihnen die wenigen Therapien bei denen sie mitmachen können bereiten, erkennt man an ihren angespannten Gesichtszügen. In vielen Fällen brauchen sie Krücken oder einen Rollator als Gehhilfe.

Mehrere Tischgespräche fokussieren sich auf die Fortschritte in der Medizin. Jeder hofft auf das eine und andere Wundermittel, welches seine Beschwerden heilen wird. Kaum jemand bilanziert positiv, dass er mit dem Zustand zufrieden ist, wo er gerade körperlich steht. Man spekuliert darüber, es könnte im nächsten Jahrzehnt für eine breite Masse der Bevölkerung möglich sein, die Hunderter Marke zu knacken. Es gilt die nächsten Hungerjahre gesundheitlich durchzustehen und man wird bei den jungen Hunderter dabei sein. Ob dieses medizinische Versprechen eingelöst wird, möglich könnte es sein? Von Seiten der Mediziner gab es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert immer wieder Heilversprechen, diese und jene Beschwerden werden in zehn oder zwanzig Jahren geheilt werden. Erkrankungen wie Grippe, Lungenentzündung und verschiedene Krebserkrankungen werden durch Impfungen ausgerottet. Trotzdem sterben in Europa bis heute viele Menschen an eben diesen Beschwerden. Dabei sind die Heilungschancen in anderen Erdteilen im Erkrankungsfall um vieles geringer. Bei uns kommt es durch die längere Lebenserwartung zu neuen Krankheitsbildern, wie Demenz, Parkinson oder das vermehrte Auftreten von Schlaganfällen und Herzinfarkt.

Sollten wir im nächsten Jahrzehnt die Hunderter Marke knacken müsste sich im Arbeitsleben, im Freizeitbereich wie auch bei den sozialen und gemeinschaftlichen Abläufen vieles ändern. Wo finden Menschen ab siebzig ihren Platz, in eigenen Stadtteilen? Wer darf bei den Aktiven bleiben und wer bekommt eine Schonhaltung in einem Sonderlebenszentrum. Der Umgang mit älteren Mitmenschen müsste ein Pflichtfach in der Schule werden.

Kältekammer

kur:hotel

Es gleicht einem Lotteriespiel kommt man sonntags im Kurhotel an und wird abends vom Saal Chef einem Tisch zugeteilt. Diesen Tisch benützt man beim Frühstück, Mittag- und Abendessen, es gibt keine freie Platzwahl. Bei einem Kuraufenthalt sind zwischen den Tischnachbarn die körperlichen Beschwerden ein beliebtes Gesprächsthema. Wie man sich mit den Tischgenossen verträgt, spielt auch für den Kurerfolg eine Rolle. Dabei findet beim ersten gemeinsamen Abendessen ein Machtkampf mit Wörtern statt, wer am Tisch den Ton angibt? Umgangssprachlich, wer am Tisch das Sagen hat, ist es der Besserwisser, die Temperamentvolle, die Gebildete oder dominiert der Unverschämte. In den Kurhotels hat man den Eindruck, dass die Sitzplätze, wie die Zimmer, nach dem Zeitpunkt des Eintreffen vergeben werden. Es wird kein Gedanke dafür verwendet, wie die Geschlechts und Altersmäßige Zusammensetzung am runden Tisch ist. Ehepaare, diese sind bei den Kassenkuren zumeist in der Minderzahl, erhalten vorweg einen Einzeltisch. Genauso wie die Lage und Ausstattung der Zimmer trägt die gute Tischnachbarschaft etwas zum Wohlbefinden bei. Von vornherein muss man annehmen, dass die Patienten der Gebietskrankenkasse nicht mit den besten Zimmern verwöhnt werden. Wirtschaftlich ist dies verständlich, da zwischen Versicherungsträgern und den Kurheimen Preisabsprachen herrschen. Wer vorbeugen will, kann sich drei bis vier Wochen vor Kurantritt mit Sonderwünschen an das Kurhotel wenden und wird auch gesondert zur Kasse gebeten.

Viel Platz nimmt bei der Garderobe der Bademantel und die Badetücher ein. Man freut sich darüber, wenn das Kurhotel für die Dauer des Aufenthaltes Bademantel, Badetuch und Badetasche kostenlos zur Verfügung stellt. Es ergibt ein schönes Bild im Therapiebereich, wenn die Patienten in einheitlichen Bademänteln und -taschen erscheinen. Es gibt ungenierte Leute, welche mit Plastiksackerln von verschiedenen Supermarktketten durch die Therapielandschaft ziehen.

Unterwassergymnastik

reise:stress II

Für die männliche Seite gibt es in manchen Partnerschaften insofern eine Erleichterung, dass die bessere Hälfte das Einpacken der Garderobe übernimmt. Zumindest eine Vorauswahl trifft. Mitunter zermartere ich mir bei Nebensächlichkeiten, welche Urlaubslektüre und wieviel Notizhefte soll ich einpacken, den Kopf. Aus Erfahrung weiß ich, kommt man wegen Belanglosigkeiten im Alltag  nicht zum Lesen, so setzt sich dies beim Reisen fort. Zum einem will ich mich den Unterhaltungsmöglichkeiten im Urlaubsort nicht verschließen und das Spa- und Fitnessprogramm soll auch nicht zu kurz kommen. Danach bleibt vom sogenannten Urlaubstag nicht viel übrig. Bei einem prallen Tages Programm verlangt der Körper, mehr noch der Geist, abends ein sanftes Ruhekissen.

Beim Einpacken der Reisegarderobe stelle ich fest, es mir schwer fällt die passende Kleidung zu finden. Dies hat einen einfachen Grund, zuhause bin ich mit der vorhandenen Garderobe zufrieden, aber bei einem genauen in Augenscheinnehmen stelle ich fest, ich habe nichts zum Anziehen. Vieles finde ich für den täglichen Gebrauch in der heimatlichen Umgebung passend, aber für den Urlaub zu wenig praktisch und schön. Am Reiseziel werde ich von den anderen Gästen mit unbekannten Augen betrachtet. Die Absicht ist nicht nur den Körper zu relaxen, sondern ein neues Bild abzugeben, mich von einer besseren Seite zu präsentieren. Wie weit kann ich die Neugierde von fremden Menschen wecken? Die beste Zeit und Gelegenheit dafür ist der kommende Urlaub. Im Urlaub geht es auch darum sein Selbstbewusstsein zu regenerieren. Ein Faktor ist eine elegante oder topmodische Kleidung. Auf der Panoramaterasse ein Buch zu lesen zieht ein gewisses Augenmerk auf sich, wo die halbe Menschheit sich als Wischer am Smartphone oder Tabletts outet. Anarchie zeichnet den Buchleser aus, erreicht aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie eine ausgefallene Kleidung.

Buchstapel