heiterer:himmel

Gibt es in der Philosophie oder Theologie eine These, eine Vermutung, wie ein Tod aus heiterem Himmel möglich ist? Aus der Bibel sind mir einige Stellen bekannt, im übertragenen Sinn. Die ganz düstere, sei immer bereit abberufen zu werden, nur der Vater im Himmel kennt den Zeitpunkt und den Ort. Niemand weiß, wann seine Stunde gekommen ist. Andersherum assoziieren wir sterben und Tod mit fortschreitendem Alter. Bei einer Messerattacke in Graz stirbt eine 33jährige Frau. Ein Exempel, dass ich und jeder Leser machen kann: Wäre dies mir passiert, wie lange wäre ich dann schon tot oder wie lange hätte ich noch zu leben? Ich wäre fast vierzig Jahre tot, mein Leben wäre um vieles kürzer gewesen. Eine Fülle von Ereignissen, Begegnungen, Erfahrungen, Zuwendungen und Freuden hätte ich nicht erlebt. Anderseits wäre mir auch ein Teil an Schmerzen, Verzweiflung und Trauer erspart geblieben.

Was ist also die bessere Alternative? Eine Alternative, über die wir nicht selbst bestimmen können. Bei einem frühen Tod nimmt man an, dass einem einiges an Schmerzen und Leiden erspart geblieben wäre? Man hätte aber vieles nicht umgesetzt, nicht jeder hat das Zeug zu einem genialen Menschen, wo der Ruhm mit zwanzig beginnt. Ich bin dankbar für meine Lebenszeit und hoffe, die eine und andere Lebenseite dazufügen zu dürfen. Nach diesen Zeilen stellt sich bei mir Staunen über das Rad der Zeit und Betroffenheit über einen solchen Messerangriff ein. Tragik, Schicksal, Bestimmung, wie immer man es bezeichnet, mehr kann man darüber nicht sagen.

Unwissenheit

wörthersee:stadion

Dieselbe Installation in einem Fußballstadion einer Millionenmetropole, wo die Hochhäuser über den First des Stadions ragen, hätte eine vielfach größere Signalwirkung. Richtete ich an diesem Tag meinen Blick aus dem Stadion nach oben, dann blickten mich nicht rauchende Fabrikschlote oder Wolkenkratzer an, sondern ein blauer Kärntner Himmel. Auch bei längerer Verweildauer kam das Meditative zu kurz, da es ein ständiges gehen und kommen gab. Ein Fotografieren und Posieren, ein drängeln um den besten Platz. In einem Kiosk wurden Schalen, Schals, Blocks, Bleistifte, Becher, Postkarten und T-Shirt alles mit dem Peintner Bild verkauft. An einem Würstelstand konnte man sich an Frankfurter, Bier und Coca-Cola laben. So geht es bums und rums, Sessel klappen hoch und Tore werden geschlossen, die Schuhe klappern auf den Stahlskeletten.

Einige Zeit später sitze ich in einem Café in Klagenfurt in Bahnhofsnähe. Ich werde  gefragt, wie ich die For Forest Installation erlebt habe? Zuallererst betone ich, ich habe das Stadion nach seiner Errichtung vor einem Jahrzehnt das erste Mal betreten. Jetzt verstehe ich auch die vielen Diskussionen, welche sich um deren Sinnhaftigkeit drehen. Ich kann jetzt aus eigener Anschauung beim Diskurs um das Stadion mitreden. Die Bleistiftzeichnung von Peintner finde ich visionär und aktueller denn je, wenn man die Vermarktung des Waldes betrachtet. Eine Frage beschäftigt mich, ob das Wörtherseestadion der richtige Ort für diese mahnende Installation war. Mein Gegenüber im Cafe sieht es ähnlich, auch für sie war es zuallererst eine Gelegenheit das Stadion kennen zulernen.

Das erste Mal.

drei:drei:drei

Der jährliche Hausball im Gasthof Wedam war in der Waldsiedlung ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Masken waren erwünscht.Unter Maskierung verstand man in den 70er und 80er Jahren nicht ein paar dekorative Accessoire, sondern Gummimasken mit dem dazu passenden Kostüm. Die meiste Wirkung wurde erzielt, wenn man sich zu einer Gruppe von Cowboys, Sträflingen oder Löwen zusammenschloss. Beliebt waren auch Figuren aus Grimms Märchen, Hexen, Zauberer und Prinzessinnen. Damit hatte man eine Chance für die originellste Maskerade einen Preis zu erlangen. Bis zur Maskenprämierung um Mitternacht versuchte man unerkannt zu bleiben und sich nicht durch Sprechen oder Gesten zu verraten. Das Tanzen mit der Maskerade war eine schweißtreibende Angelegenheit. Für einige Überraschungseffekte sorgte nach der Prämierung der originellsten Masken, die Demaskierung. Erst jetzt erkannte man, mit wem man sich über die Tanzfläche bewegt oder einen Drink an der Bar genossen hatte. Beim Hausball konnte man erstmals den selbstgemachten Heringssalat von der Wirtin, Frau Wedam, genießen. Dieser trug das Prädikat nach Omas Rezept zu Recht.

Wer sein Faschingskostüm nicht selbst nähen wollte, für den gab es einen privaten Kostümverleih in Draschitz. Eine Witwe nähte über Jahre Kostüme und besorgte sich die dazu passenden Masken und Perücken. Mit dem Erlös aus dem Verleih konnte sie ein bisschen die Rente aufbessern.

Böse Wolf

drei:drei

Verschiedene Berufsgruppen, Rechtsanwälte, Ärzte, Hoteliers, Kaufleute, Haushälterinnen und Pfarrerinnen laden in Kärnten zu einem Faschingsball ein. Findet dieses Event im Kongresszentrum, im Musikvereinssaal oder im Casino Velden statt, dann können sie damit rechnen, dass in der ORF Sendung Kärnten Heute kurze Ausschnitte vom Ball gezeigt werden. Immer seltener werden die Hausbälle, zu denen früher die Wirtshäuser in den Dörfern eingeladen haben. Das Gasthaus und die Wirtsleute waren eine Identifikation für einen Ortsteil. In der Waldsiedlung bei Arnoldstein, war dies das Gasthaus Wedam. Hier trafen sich die Schichtarbeiter der BBU zu einem Schwatz, vor und nach der Schicht. Am Wochenende gesellten sich auch die Frauen aus der Siedlung dazu.

Die gute Seele des Gasthauses war die Wirtin, Frau Wedam, eine etwas korpulente Frau. Ausgleichend in ihrer Art, die allen zugehört hat. War an Wochentagen, nachmittags oder abends nicht viel Betrieb, so hat man sie in der Gaststube beim Stricken angetroffen. Das Gasthaus war auch Treffpunkt für die Mitglieder und Zuschauer vom FC Waldsiedlung und dem Eisschützenverein Waldsiedlung. Ganz in der Nähe befand sich der Fußballplatz, von den Einheimischen wurde es Zeckenstadion genannt. Die Attraktion im Winter war die Eisstockbahn am Parkplatz vor dem Gasthaus. Nach den Fußballspielen oder dem Eisstockschießen hat sich alles in der Wirtsstube getroffen. Zu der Zeit durfte man in den Gasträumen noch Rauchen, es gab keine Raucherabteile oder Rauchverbot. Die BBUler waren bekennende Raucher, zumeist Zigaretten ohne Filter. Austria C oder Dreier, wer es sich leisten konnte rauchte Smart oder Marlboro. Die Nichtraucher waren dazumal in den Wirtshäusern die Minderheit. Bei größerem Platzbedarf konnte die Wirtsstube um einen Raum erweitert werden.

Strickweste