morgen:stund

Es gibt Ereignisse, von denen denkt man, diese dauern ewig, wie möglicherweise ein Besuch. Dies bedeutet nicht, dass der Besuch unerwünscht oder unangenehm ist. Es gibt einfach das Gefühl, obwohl erst einen Tag bei uns, er ist schon eine Woche hier. Könnte sein, dass es egal ist, ob er hier ist?  Am Besten Distanz bewahren, sich auf die Eigenheiten des Besuches nicht einlassen. Verändert sich mit dem Älterwerden die Zeitwahrnehmung? Plötzlich stellt man fest, wie wenig man täglich, außer an Ausnahmetagen, unternimmt. Oftmals bewundert man Bekannte, welche in der Pension bei vielen Vereinen mitwirken. Dazu haben sie privat eine große Familie, wo die Kinder samt Familie  unerwartet eintreffen. Die Enkel erwarten von ihnen für eine Woche freie Unterkunft mit Vollpension. Die superaktiven Pensionisten stehen um fünf Uhr früh auf und sind spätestens um sieben Uhr voll im Saft. Das Geheimnis für einen erfüllten Tag liegt in den Morgenstunden. Ein Sprichwort sagt: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

In meiner Berufszeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Vormittagsstunden die Produktivsten waren. Ich öffnete mein Schreibwarengeschäft in Arnoldstein um sieben Uhr, eine Einkaufsmöglichkeit für die Schüler vor dem Unterricht. Dort verkauften wir morgens nicht nur Schulartikel. Jahrzehntelang waren Süßwaren, offene Stollwerk und Eiszuckerln, sowie Dreieckschnitten von der Süßwarenmanufaktur Kindler in Villach, sehr begehrt. Die Zuckerln wurden in Säcken zu 5 kg eingekauft. Treffe ich heute Schüler aus den 70er und 80er Jahren, dann werde ich auf die offenen Stollwerk und Eiszuckerln angesprochen. Für einen Schilling bekam man zehn Stück. Schon im Geschäft wurde unter den Kindern gefeilscht, ob der eine dem anderen in der Schule zwei oder drei Stollwerk geben wird? Ein Renner waren auch die Karamellstangen.

Carambar

alles:freude II

In den Kärntner Dörfern ist es Brauch, dass die Nachbarn das Geburtstagskind in aller Hergottsfrüh aus dem Bett ausaschießn. Ein guter Kontakt zu den Nachbarn, ob in einer Wohnanlage oder in einer Siedlung, kann wichtiger sein als zur Verwandtschaft. In manchen Familien ist das Verhältnis zu den Anrainern besser als zu den eigenen Kindern. Eine funktionierende Nachbarschaft ist eine Überlebensstütze. Bei einem Notfall ist zumeist eine Nachbarin oder ein Nachbar schneller erreichbar, als die Verwandten. Die  Kinder leben oftmals von ihrem Elternhaus weit entfernt.

Die Aufmerksamkeit spielt verrückt, wenn man vor dem Geburtstag eine gesundheitliche Durststrecke mitgemacht hat. Es Sorgen gab, ob man die Krankheit wieder los wird, wie man die körperlichen Beschwerden überwinden kann? Wie geht man damit um, falls man nicht mehr völlig gesund wird oder die Krankheit einen besiegt? Nach einer solchen gesundheitlichen Prüfung stellt man mit Erstaunen fest, wie groß von anderen das Interesse am Geburtstag ist. Steckt dahinter echte Zuwendung oder ist es die Neugier? Vermehrt kommen Telefonanrufe, welche zum Freudentag gratulieren. Wollen sich die Anrufer auf guten Fuß stellen, dass sie im Falle eines Falles bei der Erbfolge nicht übergangen werden? Es hängt von der eigenen Befindlichkeit ab, wie man die vielen Glückwünsche und Zuwendungen einordnet. Das restliche Jahr wird man von den meisten Gratulanten nichts mehr hören.

Erbfolge

alles:freude

Die Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie sie ihren Geburtstag feiern wollen. Der meiste Aufwand wird für Kindergeburtstagsfeiern betrieben, dabei soll es vor allem lustig zugehen. Der Nachwuchs hat den meisten Spaß, sie können sich unbeschwert amüsieren. Dazu werden viele aus der Clique eingeladen. Dabei wird auch überlegt, welche Geschenke wird man bekommen? Die Auswahl der Freundinnen und Freunde erfolgt ein wenig danach, von wem kann man die größeren und interessanteren Geschenke erwarten? Während meiner Zeit als Papiertandler haben manche Eltern im Geschäft Bescheid gegeben, was sich ihr Kind zum Geburtstag wünscht. Mit unserem Warenangebot konnten wir jene gut beraten, welche sich geäußert haben, dass sie ein Geburtstagsgeschenk für dieses oder jenes Kind suchen.

Die runden Geburtstage, wie der Fünfzigste oder Sechzigste, sind bei den Erwachsenen die großen Highlights. Diese Geburtstagskinder können bei passabler Gesundheit noch vieles erreichen und erleben. Zuerst blickt man zurück und gibt sich, passt alles, selbstzufrieden. Ähnlich wie bei den Sternzeichen gibt es verschiedene Charaktere, die einen sind Geburtstagslöwen, die anderen Geburtstagsmuffel. Ein Auslöser für einen Geburtstagsmuffel kann sein, wenn der Altersunterschied in einer Partnerschaft größer als üblich ist. Dem älteren Partner liegt zumeist wenig daran, seine Geburtstage zu feiern. In späteren Jahren versucht man um die runden und halbrunden Geburtstage einen Bogen zu machen.

Feuerwerk

restl:essen II

Keine Restln ließ eine Klagenfurter Dame vom Mittagsteller beim Sandwirt, Backhendl mit Kartoffelsalat, zurück. Vom Backhendl hatte sie zuletzt ein kleines Stück am Teller, vom Kartoffelsalat etwa zwei Esslöffel. Jedes ließ sie für sich in eine Plastikbox einpacken. Dies habe ich auch schon gemacht, bei zwei Scheiben Wienerschnitzel oder wenn mehrere Hendlteile übrig geblieben sind. Daraus kann ich mir  mit einem Stück Semmel zur Vesper ein Schnitzelburger zubereiten. Nach dem Motto unseres Nationalmythos, wir haben nichts zu verschenken, hat die Dame ein Glas Leitungswasser mit einem Löffel bestellt. Die restlichen Preiselbeeren, eine Zuspeise zum Wienerschnitzel, in das Glas geschüttet und sich daraus einen Preiselbeersaft zubereitet.

Passiert das Restlverwerten nur bei den Lebensmitteln in den Restaurants? Ich weiß von meinen Kontakten, dies gibt es auch in der Literatur. Manche Notizen fließen nicht in den aktuellen Text ein oder werden entfernt. Der penible Autor hebt diese Bruchstücke auf und verwendet sie bei passender Gelegenheit in einem anderen Text. Auf meinem PC habe ich einen Restlordner, wo ich Teile von zu lang geratenen Blogbeiträgen oder Passagen welche mir nicht gefallen haben, ablege. Manchmal springt ein Funke aus diesen Restln über und es entsteht ein neuer Blogbeitrag.

Den Anschnitt und das letzte Stück vom Brot bezeichnet man in der Umgangssprache Scherzl. Bei uns Schülern waren in der Internatszeit diese Scherzln sehr beliebt. Für die Schuljause konnten wir nach dem Frühstück, beim Ausgang vom Speisesaal, in den Brotkorb greifen und uns selbst bedienen. Kein Scherzl ist übrig geblieben, diese versprachen den doppelten Genuss.

Kein Scherz