schlaf:störung

Vieles in der Umgebung des Menschen lässt kaum noch einen tiefen Schlaf zu. Der digitale Mensch geht mit Schlaftötern in das Bett. Da werden im Schlafzimmer noch einmal die Emails gecheckt, auf Facebook gepostet und das Smartphone liegt griffbereit auf dem Nachtkästchen. Für den Beruf könnte eine Interaktion notwendig werden. Selbst wenn es nicht klingelt, könnte es klingeln, wie soll man dabei entspannt einschlafen. In den Familien gibt es kaum fernsehfreie Schlafzimmer. Ich brauche eine Übergangsphase, von einem Fernsehbericht oder einer Veranstaltung, um gut zu schlafen.

Jeder, welcher mit Schlafstörungen kämpft hat sein Rezept, Tabletten ausgenommen, wie er diese Zeit überbrückt. Die einen beginnen in einem Buch zu lesen, beten eine Litanei oder zählen die berühmten Schafe. Manche fangen an zu stricken oder lösen ein Kreuzworträtsel. Zumeist ist es möglich den Fernseher vom Bett aus einzuschalten und sich in das Nachtprogramm einzuklicken. Andere stehen auf, aktivieren den Computer und spielen Roulette oder Rommy. Dabei lesen sie auf den Nachrichtenportalen die neuesten Meldungen, die zumeist schlechter Natur sind und erst recht keinen Schlaf zulassen werden. Vieles ist möglich, manche Rentner benützen um Mitternacht den PC um die Tageszeitung vom nächsten Tag durchzublättern und darin zuerst die Rubrik mit den Todesanzeigen zu lesen. Nach der Prämisse, kann ich die Todesanzeigen lesen, dann gehöre ich noch zu den Lebenden. Unter den Verstorbenen befinden sich Personen,  welche man  aus dem Arbeitsleben, aus der Nachbarschaft, aus der gemeinsamen Schulzeit gekannt hat. Ob die Gewohnheit nachts die Todesanzeigen des nächsten Tages zu lesen schlaffördernd ist, kommt auf die einzelne Person an? Möglicherweise lässt es sich besser weiterschlafen, wenn man für die Verstorbene auf der Webseite eine digitale Kerze angezündet hat. Ein Spruch lautet, der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes.

Schlaf, Kindlein schlafe.

schlaf:mittel

Am Beginn des Lebens kommt es zu einer Sozialisierung des Schlafverhaltens und zum Ende hin zur Auflösung. Unter Rentnerehepaaren gibt es vielerorts anstatt eines Morgengrußes die Frage: „Wie hast du heute Nacht geschlafen“? Wie der Lebenswille und der ganze Körper mit dem Alter zerbrechlicher wird, so geschieht es auch mit der Nachtruhe. Schon ein bedeutungsloses Missverständnis mit dem Nachbarn, unter Freundinnen oder mit dem Enkel können den Schlaf während der Nacht empfindlich stören. Steht am nächsten Tag ein Arztbesuch, der Antritt einer Reise oder die Vorsprache bei einer Behörde bevor, dann findet man keinen erholsamen Schlaf. Die Notbremse ist der Griff zu einem Schlafmittel oder Beruhigungsmittel. Die Schlafmittel gehören laut Statistik zu den am meisten verschriebenen Arzneimitteln. Stimmen die Berichte in den Zeitungen kommt es vor, dass in Alters- und Pflegeheimen den Bewohnern zur Prophylaxe abends ein Schlafmittel verabreicht wird. Das Pflegepersonal will nachts seine Ruhe haben. Wie diese Praxis entschärft werden kann, vermag ich nicht zu sagen. Bestimmt ist es von Heimbewohner zu Heimbewohner individuell, welche Mittel man zur Schlafhygiene einsetzen soll. Wie wäre es abends vor dem Einschlafen mit gemeinsamen Singen? Kräuterpfarrer Weidinger hat in einem Vortrag gesagt, wenn er nicht einschlafen kann oder nachts wach wird, dann betet er den Rosenkranz und der Liebe Gott schickt ihm den Schlaf. Eine Auszeit die wir alle brauchen.

Nicht harmonisch verläuft der Schlaf kommt es zu Alpträumen. Dahinter verbergen sich oft Probleme der momentanen Lebenssituation oder unverdaute Lebensereignisse, die schwer im Magen oder auf der Seele liegen. Bei mir kam in den ersten Ruhestandsjahren ein Traum in verschiedenen Ausformungen immer wieder vor: Ich habe den Zeitpunkt für den Antritt der Pension versäumt und trotz Ruhestand weiter im Geschäft gearbeitet. Alles musste ich doppelt versteuern. Ein anderer Traum: Rund um das Wohnhaus wurden Bauarbeiten an der Straße durchgeführt und dabei der Zugang blockiert. Abwasserkanäle funktionieren nicht und Neue wurden überdimensioniert verlegt. Ein großer Bach rauscht durch den Keller und ist stellenweise im Boden vom Erdgeschoss sichtbar.

Abwasserkanal

apollo:11 II

Die Mondlandung ist ein Beispiel für die Aufbruchstimmung der sechziger und siebziger Jahre. Ich war jung und glaubte aus vollem Herzen an die technischen Möglichkeiten, welche sich durch die Raumfahrt auftaten. Als achtzehnjähriger genoss ich die Zeitlosigkeit und dachte keinen Deut darüber nach, was morgen sein könnte. Heute spekulieren achtzehnjährige darüber, wie es nach der Matura weitergehen wird, ob sie einen Studienplatz ergattern werden und ob es danach für sie einen Job geben wird?

Die Suche nach einer Antwort, ob das Leben vor 2,5 oder 3,5 Milliarden Jahre auf der Erde entstanden ist, scheint auf den ersten Blick unerheblich. Niemand kann sich unter der Zeit von einer Milliarde Jahre etwas vorstellen. Die Frage nach dem Ursprung des Lebens streift an der Spekulation darüber, gibt es einen Schöpfer, Gott im biblischen Sinne, an? Einen Urschöpfer der alles erschaffen hat? Mit den Ermittlungen nach dem Ursprung des Lebens beschäftigen sich seit jeher die Philosophie, Astronomie und Biologie. Gibt es die Möglichkeit, dass Leben von einem anderen Planeten auf die Erde gekommen ist und existiert dieser Planet noch?

Unterhält man sich über ein Ereignis zwischen unterschiedlichen Generationen ist es gut, wenn man hinzufügt von welchem Jahrzehnt man spricht. So kann man das Erzählte leichter einordnen, sonst verliert man sich in der Zeit. Zu schnell glaubt man, das jüngere Gegenüber muss wissen, von welchem Jahrzehnt man spricht. Bei dem Tempo, wie sich heute die Menschen fortbewegen, miteinander sprechen, verschiedene Dinge gleichzeitig tun und dabei Meldungen aus allen Teilen der Welt in Echtzeit konsumieren, existiert für viele Jugendliche keine Zeit vor der Jahrtausendwende. Es klingt nicht nur verschimmelt, sondern vermittelt ein rückständiges Zeitbild, wenn man sagt, im vorigen Jahrhundert. Diese Aussage drückt allen über Fünfzigjährigen den Stempel des ewig gestrigen auf.

Zeitplaner

apollo:11

Vor drei Monaten feierte man mit viel Getöse und vielen TV- Sendungen die erste Mondlandung vor fünfzig Jahren, geglückt ist sie der Besatzung von Apollo 11. Aus Nostalgie habe ich mir das Buch vom Molden Verlag, Die Mondlandung, antiquarisch besorgt. Die Auflage stammt aus dem Jahre 1969. Von der Seitenanzahl übertrifft es alle  Neuerscheinungen zu diesem Ereignis. Bei den Sachbüchern hat sich das Layout wesentlich geändert, der Aufbau der Seiten ist heutzutage viel übersichtlicher. Zu jenem Zeitpunkt habe ich in einer Buchhandlung gearbeitet und ich kann mich an den Verkauf obiges Buch erinnern. Zudem gab es eine Fülle von Sonderausgaben verschiedener Zeitschriften, die sich der Mondlandung widmeten. Erstmals erschien die Bild-Zeitung aus Anlass der Mondlandung mit farbigen Bildern. Bis dahin waren Farbfotos in den Tageszeitungen unbekannt und es dauerte noch ein Jahrzehnt bis der Vierfarbdruck bei den Tageszeitungen Einzug hielt.

Die Übertragung der Mission von Apollo 11 war das erste weltweite Fernsehereignis. Wie die heutigen Großereignisse, Fußballweltmeisterschaft, Olympische Sommer- und Winterspiele war diese Mission ein Motor für die Elektrohändler. Mit Blick auf das Event wurde kräftig für den Kauf eines Fernsehers Werbung gemacht. Die Fernsehapparate waren Monster vom Gewicht und vom Umfang her. Die Bildschirme waren gegenüber den heutigen Flachbildschirme winzig. Einen eigenen Fernseher besaß ich erst ein paar Jahre später, dies war ein TV-portable, dessen Bildschirm so groß war wie die Bildfläche eines 17 Zoll Leptos. Die Werbung vor dem Hauptabendprogramm war ein Muss. Intensiv in meinem Gedächtnis geblieben ist die TV Reklame  für das Waschmittel der Weiße Riese. Kann man dieses heute noch kaufen? Die Werbung für Humanic Schuhe endete mit Franz.  Diese Werbeeinschaltungen wurden von den  Literaten der Wiener Gruppe gestaltet, mit den Mitteln der konkreten Poesie.

Franz