ge:kreuzigt

Dieses Jahr wiederholte sich der dreißigste Todestag von Thomas Bernhard, einen Autor den ich bewundere. Aufmerksam habe ich sein Frühwerk gelesen und seinen Kampf gegen die katholischen Zustände in der Republik Österreich verfolgt. Für mich ist sein dreißigster Todestag in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Einerseits weiß ich wie betrübt ich von seinem Ableben war, anderseits sind inzwischen dreißig Jahre meines Lebens verstrichen. Als ersten Schritt gegen das Altern sollte die Zeitrechnung in einer großen feierlichen Zeremonie beerdigt werden. Damit hätten wir uns von einer bedrückenden Erfindung der Menschheit befreit. Unser Leben würde nicht als ein in Zahlen gefasstes Vergehen erscheinen, eher wie der Wechsel der Jahreszeiten. Wir würden vom duftenden Frühjahr zu harter Arbeit in den Sommer und zu einem reich gedeckten Tisch in den Herbst wechseln. Der Winter verlangt von uns mit unseren Ressourcen hauszuhalten. Der wichtigste Wunsch ist einen wohligen Platz zu finden, von wo wir den stürmischen Gezeiten zusehen können. Langsam werden die Tage kürzer, bis wir am frühen Nachmittag einschlafen, zu müde um auf den Abend zu warten.

Der Gekreuzigte erinnert uns an unsere Hinfälligkeit und Sterblichkeit. Instinktiv rennen wir vor dem Kreuz davon, außer wir hängen selbst am Kreuz. Der gekreuzigte Jesus zeigt uns, dass wir mit unserem Leid nicht alleine dastehen, dass er mit uns mitleidet. Nur wenige suchen bei ihm Trost in schwerer Stunde. Sein Tod und seine Auferstehung ist ein Versprechen, dass unser leiblicher Tod dereinst nicht das Ende sein wird. Wir werden in einem neuen Bewusstsein auferstehen und weiterleben. Ob die Institution Kirche zu diesem Glauben etwas beitragen kann ist zweifelhaft, weil sich ihr Personal von den Aussagen der Bibel weit entfernt hat. Durch die Jahrhunderte hat die oberste Glaubensinstanz an den Texten der Bibel gefeilt, gefräst und manipuliert. Ob es für uns ein Weiterleben nach dem Tod geben wird werden wir vorher, mit oder ohne die Aussagen in der Bibel, nie genau wissen.

Hoffnung

kar:freitag

Bei der Karfreitagsdiskussion wurde in ökumenischer Eintracht, von den Spitzen der evangelischen und der katholischen Kirche vorgeschlagen, den Pfingstmontag für einen freien Karfreitag einzutauschen. Ob uns Katholiken die Institution Kirche, bei den Turbulenzen in Kärnten und den sexuellen Missbrauchsfällen durch ihr Kaderpersonal noch glaubwürdig nach außen hin vertreten kann, ist fraglich? Keiner der katholischen Würdenträger wurde von uns Kirchenmitgliedern in freier Wahl gewählt. Zumeist werden die Spitzenpositionen in den einzelnen Bistümern von Rom fremdbestimmt. Ein demokratischer Umkehrschluss wäre, dass die Bischöfe dereinst von den Gläubigen in einer freien Wahl gewählt werden. In Angleichung an das Prozedere in der Demokratie, könnten die Bischöfe dann in einer geheimen Wahl den Papst wählen.

Eine Variante wäre, den Österreichern die Möglichkeit zu geben, selbst darüber abzustimmen, wie sie es in Zukunft mit dem Karfreitag halten wollen? Ob sie zu einem Feiertagstausch bereit sind? Zum Wesen einer Demokratie gehört, dass die Regierungsvertreter von den Bürgern gewählt werden. Die Menschen haben die Möglichkeit eine Partei zu wählen, welche ihrer Lebensauffassung am besten entspricht. Zudem gibt es spezifische Interessenvertretungen wie Arbeiter- oder Wirtschaftskammer. Auch bei diesen Gremien werden die Funktionäre von den Mitgliedern in einer freien Wahl gewählt.

Bischofswahl

spenden:vorhang

Geht es um die Stabilisierung einzelner Zonen in Afrika, um den Aufbau lokaler Infrastruktur oder Kleingewerbebetrieben, so liest man darüber selten etwas erfreuliches. Wenige Meldungen, dass dies und jenes in den letzten Jahrzehnten erledigt wurden. Muss ich annehmen, dass jenes, was durch die Entwicklungshilfe erreicht wurde, durch bürgerkriegsähnliche Konflikte wieder zerstört wurde?

Wie kreativ manche Spendenaufrufe sind, zeigte sich während einer Messfeier in der Vorweihnachtszeit in Völkendorf. Zwei Ministranten hatten eine Kutte über, ein Ministrant hatte sich in Rock und Bluse gezwängt. In einer Live Aktion bemühte sich ein Mitglied des Pfarrgemeinderates die Messebesucher auf diese missliche Lage hinzuweisen. Dazu stellte sie die drei Ministranten vor und erzählte, die Pfarre verfüge nur über zwei Kutten. Der dritte Ministrant fühle sich in seinem alten Outfit unwohl. Das Unwohlsein konnte man dem Ministranten am Gesicht ablesen. Dies betraf nicht nur sein Gewand, wohl auch die öffentliche Zurschaustellung. Wie auf einem Marktplatz des siebzehnten Jahrhunderts, bei einer menschlichen Abnormität.

Das Mitglied des Pfarrgemeinderates bat um Spenden für den Kauf einer dritten Kutte. Dabei geht es für die Pfarre um einen Betrag von maximal hundert Euro, der im Haushaltsplan kein Problem sein dürfte? Wenn unerschwinglich, genügt dann nicht ein Spendenaufruf, ohne den Jugendlichen vor den Vorhang zu holen?

Bischöfliches Mensalgut

spenden:ok

Die Weihnachtszeit liegt drei Monate zurück, man blickt mit Abstand auf diese Zeit. Wundert sich darüber, bei welchen Aktionen man dabei war. In den letzten Stunden vor dem Heiligen Abend wurde im Fernsehen um Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Kärnten geworben. Für die Spendenfreudigkeit dürfte es einen Unterschied machen, ob das Geld in unmittelbarer Nachbarschaft eingesetzt wird oder ob ein Projekt in einem fernen Kontinent unterstützt wird. Die Identifizierung mit Landsleuten ist größer, als mit jenen, wenn ein Meer dazwischenliegt. Es kann noch so viel gepredigt werden: Wir sind eine Welt, wir sind alle Brüder und in unseren Adern fließt dasselbe Blut. Wahrscheinlich verpufft der Appell, weil man ihn schon oft gehört hat. Anderseits aus den Nachrichten erfährt, dass in Afrika Kriege zwischen Volksgruppen herrschen und dabei westliche Staaten mitmischen. Die Bescheidene Infrastruktur durch Kampfhandlungen vernichtet wird. Wie viel zerstört Munition um hundert Euro, was kann mit hundert Euro aufgebaut werden?

Seit den letzten zwei bis drei Jahren setzen sich europäische Politiker dafür ein, die Lebensbedingungen in Zentralafrika zu verbessern. Angefeuert durch die Prognose von den zu erwartenden Wirtschaftsflüchtlingen. Bei mir keimt die Frage auf, was ist in den letzten fünfzig Jahren mit den Geldern der Entwicklungshilfe passiert? Warum herrscht in diesen Ländern ein solches wirtschaftliches und soziales Desaster? Hat man bei der missbräuchlichen Verwendung der Transferzahlungen ein Auge zugedrückt? Der eine und andere Potentat vereinnahmte einen Teil der Entwicklungshilfe und garantierte anderseits die Rohstofflieferungen nach Europa. Wo ist die öffentliche Aufsichtspflicht  beim Einsatz der Entwicklungshilfe geblieben? Die Gelder wurden aus den Steuerleistungen zur Verfügung gestellt. Kontrollorgane konnten drei bis fünf Tage in einem luxuriösen Hotel übernachten und haben ein oder zwei Objekte nach Vorschlag des Gastgebers kontrolliert. So hat man den schönen Schein bewahrt.

Misswirtschaft