..Koralmbahn.
Das Wetter meinte es an diesem Tag, Anfang Februar, mit den Reisenden nicht gut, wir fuhren durch eine Nebelsuppe, wenn auch mit hoher Geschwindigkeit. Zeitweise rasten wir durch einen Tunnel, wo die Sicht auch wegbleibt. Wie erlebt wohl der Nachbar den Geschwindigkeitswechsel, der wieder gerade zum Buch, Das Geheimnis der Pyramiden Energie, greift? Wie passen die Einblicke in die Pyramidenrätsel, die spirituelle Welt der Ägypter mit der Hochgeschwindigkeit zusammen? Jetzt gebe ich mir einen innerlichen Ruck und spreche den Zugsnachbar an: „Wie er die ägyptische Kultur mit dem Hochgeschwindigkeitszug kombiniert, wo ich feststelle, dass es ihm nicht egal ist, mit welcher Geschwindigkeit der Zug gerade fährt.“
Es ist für ihn die Jungfernfahrt auf der Koralmstrecke. Er habe sich zu Hause gefragt, wie er die in allen Köpfen grassierende Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erleben wird. Dies ist ihm bei seiner Fahrt zu Bekannten nach Graz das Wichtigste. Auch von ihrer Seite gab es vorab die Aufgabe, ihnen zu berichten wie sich die Höchstgeschwindigkeit anfühlt. Ihm fehlt ein Vergleichsmuster. Er konnte sich nicht ganz so gut ausdrücken, wie ich es mit dem Beispiel beim Autofahren versucht habe. Die Empfindung von Schnell zu Stillstand konnte er mir nachvollziehen. Graz kennt er aus seiner Studentenzeit, beide haben wir darüber gerätselt, seit wann der Jakominiplatz für den privaten Autoverkehr gesperrt ist und nur mehr von den öffentlichen Verkehrsmitteln befahren wird.
Während meiner Bundesheerzeit, in den 1970er Jahren, konnten den Jakominiplatz von allen Fahrzeugen überquert wurde. Dies ist mir aus dieser Zeit schmerzhaft in Erinnerung, da ich bei den Fahrstunden den Platz mit dem Lkw überquert habe. Aus seiner Seite war dies kaum vorstellbar, durch die engen, verparkten Innenstadtgassen als Fahrschüler mit einem Lkw zu fahren. Ich erinnere mich, dass ich versucht habe eine Balance herzustellen, links die schlecht geparkten Autos und rechts der Gehsteig mit den Fußgängern. Wer ist schutzbedürftiger? Eine Voraussetzung um dieses Kunststück zu meistern war die Verwendung des rechten und linken Außenspiegels. Nur unter Zuhilfenahme der Außenspiegel war es möglich ganz knapp bei den parkenden Autos vorbei zu schleichen. Vorbeischleichen ist das richtige Wort, ich fuhr im Schritttempo.