spittal:drau

Es ist Nostalgie, komme ich nach Spittal an der Drau und besuche das Renaissanceschloss Porcia, mit seinem prachtvollen Innenhof. Im Schlosspark gibt es einen groß dimensionierten Springbrunnen, der vom Frühjahr bis in den Herbst von einer Blumenpracht umgeben ist. Der Bereich um den Springbrunnen war für mich in der warmen Jahreszeit, während der Lehrjahre, der bevorzugte Aufenthaltsort in der Mittagspause. Meine Speckbrote, zwischendurch einmal ein Brot mit Tirolerwurst, eingewickelt in Zeitungspapier verspeiste ich zu Mittag auf einer Bank beim Springbrunnen. Am Rande vom Schlosspark befand sich ein kleiner Kiosk mit verschiedenen Süßigkeiten und anderen Verzehrartikeln. Dort kaufte ich mir ab und zu einen Gabelbissen mit Semmel, für mich ein Festmahl. Für einen Schilling bekam ich dort einen claus Schokoladeriegel, erhältlich in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

In der Nähe befindet sich eine traditionsreiche Konditorei mit einem gepflegten Gastgarten und einer verlockenden Tortenauswahl. Nach Jahrzehnten habe ich dieses Cafe wieder einmal betreten. Im Lokal dürfte sich nur weniges geändert haben. Meine schmale Lehrlingsentschädigung erlaubte es dazumal nicht, während der Mittagszeit öfter ein Café aufzusuchen. Die Konditorei besuchte ich nur ab und zu, zumeist am  Berufschultag.

An feuchten und regnerischen Tagen im Herbst und an kalten Wintertagen fand ich Unterschlupf im Speisesaal vom Kolpinghaus. Für drei Schilling bekam ich dort eine Suppe und einen Sprudel. War noch genügend Essen vorhanden, schenkte mir der Präsens eine Hauptspeise. Um Porto zu sparen gab mir der Chef die Rechnungen mit, welche ich während der Mittagsstunde bei verschiedenen Firmen in der Stadt abgegeben habe.

Mittagsteller

non:plus:ultra II

Heute ist es verpönt das Wort Altersheim zu verwenden, weil das Altern ausgeblendet wird. Wo fängt das menschliche Alter an, bei über Neunzig? Sagen wir Seniorenheime, dort werden die Insassen in Zukunft mit einem Pflegeroboter kommunizieren. Für die Z- Generationen, geboren nach der Jahrtausendwende, könnte es die übergangslose Fortsetzung ihrer Arbeitswelt sein. Morgens wird der Roboter das Zimmer aufräumen, mittags das Essen servieren und abends schöne Träume wünschen. Im Altersheim von einer schnorrenden Stimme aufgefordert werden, am Handy ein Mittagsmenü zu wählen. Das Guten Appetit wird nach dem Servieren der Suppe, wie wir es heute sagen,  wohl blechern klingen. Die Jahrzehnte, als man zu den Computern und den vollautomatisch gesteuerten Maschinen Blechtrottel gesagt hat, sind vorbei. Geahnt hat man es, die Blechtrottel werden uns die Arbeit wegnehmen, dies ist inzwischen vielfach eingetroffen.

Sciencefiction

non:plus:ultra

Die Generationen der fünfziger und sechziger Jahre hatten das Glück, dass die Zeugnisnoten nicht das Nonplusultra waren. Heute glauben viele Eltern die Schulnoten entscheiden über den weiteren Lebensweg ihrer Kinder. Niemand duldet es, dass der Sprössling einmal einen niederen Beruf ausüben soll. Diese Vorurteile werden durch Zeitungsberichte genährt und mit den Ausländern in Zusammenhang gebracht. Von denen arbeiten die Weiblichen in Reinigung- und Pflegeberufen oder im Hotelgewerbe. Die Männlichen sind im Baugewerbe oder in Handwerksberufen wie Maurer, Fassadendämmer oder Bodenleger tätig. Wer hat das Recht, diese als minderwertige Berufe einzustufen? In unserer digitalisierten Welt geht es ohne Service- und Handwerksberufe nicht. Der PC allein vermag es nicht für das Wohlbefinden in unseren Wohnungen zu sorgen.

Die Botschaften von den intelligenten Reinigung- und Pflegerobotern klingen traumhaft. Dafür bedarf es ein neues soziales Verständnis, wird man im Stiegenhaus statt dem Personal vom Haus- und Gartenservice auf eine Schar von Reinigungsrobotern treffen. Im Hotel werden automatisierte Zimmercleanroboter für ein millimetergenau gefaltetes Handtuch und Überdecke sorgen. Das Gefühl, hier hat ein menschliches Wesen aufgeräumt, wird sich bei den Gästen nicht mehr einstellen.

KI

tür:öffner

An automatische Türen bei Geschäften und öffentlichen Gebäuden haben wir uns gewöhnt. Die Vorreiter bei den automatischen Türen waren die Kaufhäuser in der Innenstadt. Die Kunden mussten sich nicht erst bemühen eine Tür zu öffnen. Jenen, welche den Geldbeutel locker hatten, wurde keine Barriere in den Weg gelegt. Beim Forum Kaufhaus und beim Quelle Kaufhaus in der Innenstadt von Spittal an der Drau sah ich in den 60er Jahren die ersten automatischen Eingangstüren. Zumeist hatten die Geschäfte in der Stadt  eine selbstschließende Tür und dies war der technische Fortschritt. Bei manchen Läden glich die Geschäftseingangstür einer Hauseingangstür.
Von barrierefrei war damals bei den öffentlichen Ämtern und bei den Einzelhandelsgeschäften noch keine Rede.

In der Öffentlichkeit waren kaum Menschen mit Behinderung zu sehen. Eventuell war ein Rollstuhlfahrer mit einer Begleitperson im Park unterwegs. So selbst bewusst wie wir heute Menschen mit körperlichen Behinderungen erleben, waren sie damals keinesfalls. Kriegsversehrte, aus beiden Weltkriegen, hatten oft eine Lizenz für eine Tabak – Trafik und standen dort hinter der Budel. Diese Lizenzen wurden bevorzugt für Kriegsinvalide vergeben. Ihre Interessen wurden vom Kriegsopferverband vertreten. Am Rand vom Spittaler Bahnhofsvorplatz stand eine Baracke, wo sich ein Friseurladen und eine Würstelbude befanden. In der Würstelbude bediente der Inhaber, ein beinamputierter Kriegsinvalide. Er bewegte sich hinter der Schank sehr flink. Dabei hatte er seine eigene Technik, Frankfurter oder Krainer, mehr Auswahl gab es nicht, auf einem Pappteller mit Senf oder Kren zu servieren.

Automatik