hörgenau

In den Tageszeitungen, den Fernsehillustrierten und am Smartphon werden ältere Personen massiv beworben sich als Testpersonen für Hörgeräte zu melden. Den Werbefritzen wollte ich nicht auf den Leim gehen und buchte einen Termin beim Hals- und Ohrenarzt um mein Gehör zu testen. Das Ergebnis war zufriedenstellend, ich höre altersgerecht gut und brauche keine Hörhilfe. Die hohen Töne sagte der Arzt nehme ich etwas schlechter wahr. Dies sei ein kleineres Übel. Haben Frauen einen Wunsch, dann sprechen sie in einer hohen Tonlage. Es könnte sein, dass ich manche Wünsche nicht gleich verstehe. Beim anschließenden Besuch im Parkcafé ist am Nebentisch ein Pensionist mit einem Tascherl von einem Hörakustiker gesessen. Er hat seinem Spezi erzählt, er war sein Hörgerät nachjustieren.  In letzter Zeit fühlte er sich im Alltag von den anderen ausgeschlossen, er hat viele Wörter nicht mehr verstanden. Die Laute sind an ihm vorbeigezogen. Lange habe er sich gegen die Anschaffung eines Hörgeräts gewehrt.

Beim gemeinsamen Fernsehabend in einem Haushalt, mit älteren und jüngeren Familienmitgliedern, kann es um die Lautstärke zu unterschiedlichen Wünschen kommen.  Für die einen ist die Lautstärke völlig ausreichend, einige klagen, dass sie nicht mehr alles verstehen. Es gibt ein unterschiedliches Hörempfinden, welches im Alltag zu Tage tritt, ohne dass man ein Hörstudio oder einen Nasen- und Ohrenarzt aufsuchen muss. Die Sprecher im Nachrichtenstudio verstehen alle, die haben eine geschulte Stimme und sprechen die Nachrichten langsam und deutlich. Schwierigkeiten beim Hören treten bei den Spielfilmen auf, wo einmal von den Schauspielern etwas geflüstert oder andermal aus weiter Entfernung etwas gerufen wird. Diejenigen, welche ein vermindertes Hörerlebnis haben verstehen manche Sätze im Film nicht und verlieren so den Handlungsfaden. Wird die Lautstärke erhöht, beklagen sich andere aus der Familie es ist ihnen zu laut. So offenbaren sich Hördefizite und enden im guten Fall damit, dass ein Hörapparat angeschafft wird.

ewiges leben II

Wird das Ewige Leben, wie es von den landläufigen Christen erhofft wird und was ihnen der christliche Glauben verspricht im Jenseits oder im Internet stattfinden? Jesus hat für die echten Gläubigen die Auferstehung nach dem Tod prophezeit und von ihm heißt es im Glaubensbekenntnis, auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel und er sitzt zur rechten Hand Gottes. Bei jedem christlichen Begräbnis gibt es für die Hinterbliebenen den Trost, dass der Verstorbene nur vorausgegangen ist, dass wir uns alle im Jenseits wiedersehen werden. Könnte es sein, dass darüber zwischen den christlichen Gläubigen und den KI-Gläubigen ein Streit entbrennen wird?

Bei den KI-Gläubigen steht die Schaffung eines Avatars, ein Doppelgänger im Web an vorderster Stelle. Mit der KI ist es möglich die menschlichen Eigenschaften zu implantieren und bestenfalls mit dem eigenen Gehirn zu koppeln. Als nächsten Schritt eine Kopie des personalisierten Hirns anzulegen. Ein geistiges Parallel Leben zwischen der Person auf der Erde und dem Avatar im Internet. Kommt der menschliche Körper an das Ende seiner Ressourcen, dann könnte das menschliche Hirn seinen letzten Willen an den Avatar übermitteln. Aus der Medizin wissen wir, wird das Gehirn für kurze Zeit nicht mit Blut und Sauerstoff versorgt, dann sterben die Zellen millionenfach ab und können nicht wieder belebt werden. Viele der Fähigkeiten und des Wissens, welches sich die einzelne Person erworben hat, geht verloren. Sollte der Körper wieder stabil werden, so könnte es ein Backup von der künstlichen Intelligenz geben. Ein Leben als menschliche künstliche Intelligenz, MKI, zu erschaffen, um so den Traum vom ewigen Leben zu erfüllen. Die Wohlhabenden haben einen Startvorteil, wer über mehr Geld verfügt, hat die größere Chance für eine längere Präsenz im Web.

ewiges leben I

Wie könnte ewiges Leben aussehen, nachdem sich alle sehnen? Von den Göttern kennen wir seit der Antike die Unsterblichkeit. Nach dieser wird heute fordernder verlangt als früher. Viele sehen dafür in Mitteleuropa einen Rechtsanspruch, weil wir immense Beiträge in die Krankenkasse einzahlen. Im Gegenzug erwarten wir von unserem Gesundheitssystem, dass wir im ersten Etappenziel weit über 100 Jahre alt werden. Für die nächsten Jahrhunderte eine Verdreifachung bis zum Verfünffachung, bis wir die Unsterblichkeit erreichen. Für die Lebensfähigkeit des menschlichen Körpers aus Fleisch und Blut gibt es Einschränkungen auf der Erde. Einerlei ob das Skelett, die inneren Organe wie Herz, Lunge, Nieren und Magen, es treten Abnützungserscheinungen, Missbildungen und Schmerzen auf. Dadurch ist es mit dem Glauben an die Möglichkeit einer Unsterblichkeit aus Fleisch und Blut vorbei. Mit dem Gehirn gibt es weniger Probleme, die Gehirnmasse unterliegt keinen mechanischen Abnützungen, wie das Knochengerüst und die inneren Organe. Im Gehirn geht es um elektrische, um chemische und biologische Prozesse, diese sind von mechanischen Abnützungen ausgeschlossen. Früher wurden zu Forschungszwecken von überdurchschnittlich begabten und intelligenten Menschen nach deren Tod das Gehirn entnommen und in einer Lösung konserviert. In der Naivität hoffte man, dass man dem überragenden Wissen auf die Spur käme.

Seit hundert Jahren träumen wir davon, dass wir das menschliche Gehirn an einen Elektronen Rechner anschließen, wenn der menschliche Körper hinfällig, krank wird. So könnte es weiter seinen Dienst versehen. Diese Vorstellung hat nicht nur Alpträume, auch die Phantasie der Karikaturisten beflügelt. Die Gehirnmasse wird recht anschaulich in einer Salzlösung gezeigt und es führen mehrere Drähte zu einem Rechner. Das Gehirn kann mittels Lochkarten befragt werden, auf einer Anzeigetafel erscheinen die Antworten. Bis zu einer Antwort kommt es zu einer Denkpause, wie wir es aus den Fix und Foxi Heften von Daniel Düsentrieb kennen.

digitales leben

Das Internet hat die Hoffnung genährt und den Slogan geprägt, Wissen für alle zu gleichen Bedingungen und zu gleichen Kosten zur Verfügung zu stellen. Heute wissen wir, dass der Zugang zu den Ressourcen im Internet mit Geld verknüpft ist. Das viel gepriesene, kostenlose Angebot im Internet entpuppt sich als Testversion, wo nur minimale Funktionen zur Verfügung stehen. Das gesamte Programm wird erst nach Bezahlen einer Gebühr freigeschaltet. Es gibt zwei Standpunkte, der eine plädiert für eine Gratisbereitstellung von Information und Wissen, der andere argumentiert damit, dass die zur Verfügungstellung von Wissen und Informationen ihren Preis, weil Wert hat. Die Ermittlung von Wissen und Informationen ist mit Arbeitsstunden und Aufwendungen verbunden.

Wer genügend Geldreserven in sein ewiges, digitales Leben investieren kann, für den könnte der Ablasshandel im Mittelalter ein Vorbild sein. Je mehr Münzen man in den Klingelbeutel der Ablassverkäufer opferte, umso sicherer war ein Platz im Himmel. Für die Mittellosen unter den Gläubigen blieb die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit.

Zurzeit ist ein Großteil im Glauben, dass wir mit der Präsenz auf verschiedenen Webseiten im Internet ein Ewiges Leben erschaffen können. In abgeschwächter Form ist auch meine Webseite eine Form von Ewigen Leben.  Kein ewiges Leben für meine Person, vielmehr das verschiedene Gedanken, Schlussfolgerungen und Erlebnissen ein längeres Leben zuteilwird. Ich will auch kein Leben in einem Paralleluniversum, sondern für spätere Jahrzehnte, Jahrhunderte wage ich nicht in den Mund zu nehmen, etwas festhalten. Von den Gefühlen und wie in dieser Zeit damit umgegangen wurde, weiterzugeben. Im Internet abrufbar zu machen. Berufsbedingt liegt mein Vertrauen vorwiegend im analogen Bereich, auf dem geschriebenen Papier. Verschiedene Aufzeichnungen sind zur Aufbewahrung in Archiven.  Dazu gehören die Buchexemplare, Auszüge aus der Webseite Schlagloch, in Bibliotheken. In jüngster Zeit werden aus Platzgründen von den Nationalbibliotheken zumeist nur mehr die digitale Buchausgabe gespeichert. Ich verschließe mich nicht meiner Ahnung, dass wie lange Zeit das neueste iPad für Generationen ein Traumziel war, es in einigen Jahrhunderten Erfahrungsberichte in Papierform etwas Exklusives sein werden. Mehr beachtet werden als alles Digitale.

blühendes leben

Herausgerissen aus dem blühenden Leben.

Am Stadtrand war es üblich ein schmales Sträßchen für die Zufahrt zu Einfamilienhäusern zu errichten. Wiederholt werden sie benützt um mit dem Auto einen Weg abzukürzen. Im Zuge der Verkehrsberuhigung hat die Draustadt diese Sträßchen zu Sackgassen umfunktioniert. Pflöcke eingeschlagen und so für nicht Anrainer die Durchfahrt gesperrt. Die Durchfahrt für Radfahrer ist zumeist erlaubt. Über die Pannen mit dem Navigationssystem, kurz Navi genannt, ist schon viel berichtet worden. Einige werden selbst Opfer einer solchen Panne gewesen sein. Heutzutage braucht es keine unmittelbare Montage im Auto, jedes Smartphon ist in der Lage die gewünschte Wegstrecke, sei es mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Auto oder zu Fuß, anzuzeigen. Vom Sträßchen in Wohnungsnähe findet sich am Navi kein Hinweis, dass Wegsperren eingepflanzt wurden. Es kommt immer wieder vor, dass Pkw den Rückwärtsgang einlegen müssen. Für eine effiziente Schneeräumung werden die Pflöcke entfernt und in der sprichwörtlichen nächsten Minute benützen Nichtanrainer dieses Nadelöhr. Autofahrer, die in der Nähe zu tun haben riechen den Braten, wie man dies von Hunden sagt, und düsen durch das Sträßchen. Wie schnell das beste Navi den Dienst verweigerte zeigte sich, wenn bei der Eingabe des Straßennahmen etwas fehlt oder falsch ist. Dem Zusteller war beim Straßennamen der Vornahme der Person nicht bekannt, symbolisch Julius Kugistraße. Es fehlt der Name Julius, dann gibt es eine Fehlermeldung und einen Telefonanruf vom Zusteller. Die Straße und wohl auch wir als Paketempfänger existieren nicht.

Abschreckend wirken die versenkbaren Poller in den Großstädten, welche die Innenstädte und Fußgeher Zonen absichern. An diesen kommt ohne Chip niemand vorbei, erwischt man eine offene Phase und nützt dies aus, dann sitzt man in der Falle. Wie ein Poller mitten in der Straße, der den Verkehrsfluss zum Erliegen bringt, ist die Nachricht vom Tod eines Bekannten. Der plötzliche Stopp eines Lebens. Herausgerissen aus dem blühenden Leben, wie dies so schön umschrieben wird. Diese Formulierung wird gewählt, wenn es sich um keinen betagten Menschen handelt. Die Lebensjahre, wer ein betagter Mensch ist, werden immer weiter angehoben. Die Gewagten siedeln das betagt Sein jenseits von neunzig Jahren an. Die Todesnachricht wird heute per E-Mail in das Haus gebracht, an den PC verschickt.