corona:klo

Werden wir uns in Zukunft von einem Händedruck, von einem uns unbekannten Menschen ekeln? Derzeit wird in den Medien wieder viel über die Art der Verbreitung der Corona Viren und seiner neuen Varianten geschrieben. Schon immer hatten manche Damen ein gewisses Unbehagen, wenn bei einer Tischgesellschaft ein Herr den Raum verlassen hat, um die Toilette aufzusuchen und an den Tisch zurückgekehrt ist. Von Frauen wurde darüber gewitzelt, beim Urinieren hatte er seine Bimmel in der Hand und hat er danach die Hände gewaschen oder nicht? Bei den Männern gibt es prinzipielle Verweigerer, die sich nach dem Pinkeln weigern die Hände zu waschen. Beim großen Klogang können wir in unseren Breiten, als Mitglieder einer Kulturnation, als selbstverständlich annehmen, dass jeder sich danach sorgfältig die Hände wäscht. Vor ein paar Tagen habe ich in einem Fernsehbericht über die Insel Elba erfahren, dass auf der Insel Elba, bis Napoleon Bonaparte dorthin zwangsabgeschoben wurde, ein Klo unbekannt war. In seiner Residenz hat er ein Plumpsklo einbauen lassen.

Denselben Fortschritt gab es in meiner Kindheit am Bauernhof. Als Zubau zum Schweinestall gab es ein Plumpsklo. Als Klopapier dienten die Zeitungen „Kärntner Bauer, Raiffeisenbote und Illustrierte Wochenschau“. Bei der Feldarbeit war es üblich, dass der Popo nach dem Stuhlgang mit einem Büschel Gras oder Heu gereinigt wurde. War ein Strauch in der Nähe, griff man zu dessen Blätter, das war es dann schon.

corona:vulkan

Gereizt reagieren immer mehr Menschen, wenn es auch unbeabsichtigt, beim Einsteigen in den Bus oder in der Fußgängerzone zu einer leichten Berührung kommt. Im Normalfall geschützt durch ein Kleidungsstück. Es gibt die verschiedene Corona Typen, einige rücken vor Ungeduld und trotz Bodenmarkierung beim Warten vor der Supermarktkassa auf die Pelle, sodass man den Atem im Nacken spürt. In diesen Monaten hat der Atem einen besonderen Beigeschmack, es könnte der Atem des Todes sein, bei aller Dramatik. Wie aufgeheizt die Stimmung ist zeigte sich vor ein paar Tagen bei der Kassa in einem Billa Laden. Eine Frau legte ihre Lebensmittel auf das Förderband und platzierte eine Trennung vor der nächsten Kundschaft. Danach stellte sie eine Flasche Wein auf das Förderband. Die nächste Kundin versuchte die Dame auf den Irrtum aufmerksam zu machen, was auf Grund der Maskenpflicht und den Problemen bei der Verständigung misslang. Als nächstes erdreiste sich die nachfolgende Kundin die Dame mit einem Finger am Arm anzutippen.

Damit hat sie in ein Wespennest gestochen. Wie eine Tarantel drehte sich die Angetippte herum, und brüllte die Frau hinter ihr an: „Fassen sie mich nicht an, ich will von niemanden berührt werden. Wie können sie es sich erlauben mich am Ärmel zu berühren.“ Die Zurechtgewiesene versuchte einzulenken und erklärte, dass sie es schon verbal versucht hat und es jetzt auf sanfte Art probierte. „Sie sei eine unverschämte Person und dies in Pandemiezeiten ein ungeheuerlicher Vorgang“, bekam sie zur Antwort. Die Angst vor einer Ansteckung mit Corona sitzt zu tiefst in unseren Knochen und noch tiefer in unserem Unterbewusstsein. Die Corona Ängste sind ein schlummernder Vulkan, der jederzeit wieder aktiv werden kann.

corona:siebzig II

Diskutiert wird, bislang ist es noch nicht entschieden, sollen Genesene danach eine oder zwei Corona Impfungen erhalten? Diese sollen die Immunabwehr verstärken, eine Super Immunität schaffen. Anderseits für Long Covid Patienten eine Chance, durch Stimulation des Immunsystem einen Neustart des Immunsystem herbeizuführen. Beim PC würde man sagen, einen Neustart durchzuführen um Software Probleme zu beheben.

Meine Corona Impfung habe ich zwei Monate nach der Genesung erhalten. Jetzt gelte ich für neun Monate immunisiert. Für meine mentale Genesung war förderlich, dass ich nach einigen Radtouren, sei es Villach – Nötsch oder Villach- Arnoldstein und retour an meine Vorjahres Kondition andocken konnte. Eine starke Radfahrsaison war für mich das Pandemiejahr 2020.  Mit dem Rad bin ich etwa 1500 Kilometer gefahren, an anderen Jahren waren es etwa fünfhundert. Etwas hat sich unter den Radfahrern verändert, mindestens zwei Drittel der Radfahrer sind mit einem E-Bike unterwegs. Diese Gruppe umfasst alle Altersstufen. E-Bike sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr für Pensionisten. Den Rentnern geht es darum Kraft zu sparen und den Bewegungsradius auszuweiten, nicht nur die Wohnungsstraße entlang zu fahren. Den Jungen wahrscheinlich darum die Bergwelt und die Almen zu erobern. Dabei dürften die nächsten Konflikte bevorstehen, weil wie sinnvoll und vertretbar ist es, dass jeder Alm Weg für jeden mit dem E-Bike befahrbar sein soll. Der Wald und die Almen sind ein Ökosystem, welche nicht unserer Selbstbestätigung geopfert werden sollen.

Was bringen die Corona Vorschriften und die angekündigten Lockerungen für jene, welche in diesen Sommer einen Geburtstag, eine Hochzeit oder eine Taufe feiern wollen? Je näher mein siebzigster Geburtstag rückt, umso weniger fühle ich mich wie siebzig. Mit sechzig war meine Befindlichkeit schlechter, bis zum Befreiungsschlag aus dem Berufsleben als Selbstständiger. Die späteren Jahre danach, nachdem ich Ballastabgeworfen habe und die Geschäftsübergabe geklappt hat, fühlte ich mich in meine Fünfziger Jahre zurückversetzt. Jetzt gibt es ein befreiendes Gefühl, weil ich eine Corona Infektion mit minimalen Langzeitfolgen hinter mir habe. Es ist gerade so, als ob ich einen Berg durchstoßen habe, welcher sich vor mir aufgebaut hat. Eine siebzig Zentimeter dicke Ziegelmauer durchlöchert habe und jetzt stehe ich vor einem neuen Jahrzehnt. Ich werfe einen Blick durch die Mauer, wo noch einiges möglich sein kann. Aus dem Tagebuch…

corona:siebzig

Sehr viel wird weiterhin über die Risiken und Intensität einer Corona Erkrankung geschrieben. Es gibt Berichte von Infizierten mit dramatischen Situationen. Zeiten, wo sie nicht mehr bei Bewusstsein waren und nur mit fremder Unterstützung atmen konnten. Einige sind tageweise mit hohem Fieber darniedergelegen und wurden durch Hals- und Gliederschmerzen, im wörtlichen Sinn, an das Bett gefesselt. Bei mir hat die Corona Infektion einen milden Verlauf genommen, ähnlich einem Schnupfen. Monate danach spüre ich ein wenig von der oft beschriebenen Müdigkeit oder mute ich mir für mein Alter zu viel zu? Das Alter glaubte ich bis jetzt keinesfalls zu spüren. Wird für mich, was für viele während der aktiven Zeit Sache ist, dass es im Tagesablauf verschiedene aktive Zeiten gibt, Wirklichkeit. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass der Tag für einen Menschen unterschiedliche Leistungsebenen bereithält. Man ist überzeugt von produktiven Vormittagsstunden und rechnet am späten Nachmittag mit einem Leistungsknick. Über Jahrzehnte konnte ich mich dieses Schema erwehren, war tagsüber gleichmäßig belastbar. Nach der Corona Infektion frage ich mich, ob die Müdigkeit am frühen Nachmittag der Infektion oder dem fortschreitenden Alter geschuldet ist? Meistens trifft die Müdigkeit ein, wenn ich vormittags körperlich oder sportlich sehr aktiv gewesen bin, ein natürlicher Prozess? Dazu manchmal spontan Hals- und Kopfweh. In den nächsten Monaten wartet eine Herkules Aufgabe auf mich. Die zumeist kaufmännischen und gesellschaftlichen Schriftstücke, welche ich dem Kärntner Landesarchiv übergeben habe durch Mitteilungen aus privater Sicht, aus den Tageheften, zu ergänzen. Bei diesem Gedanken wird mir schwankend, könnte auch daran liegen, dass dies ein Mamut Projekt für mein Alter werden könnte. Eine Aufgabe, wo ich keine konkrete Aussage darüber machen kann, wieviel Zeit ich dafür beanspruchen werde. Die Übergabe der Tagehefte an das Kärntner Landesarchiv habe ich bereits angefragt.

corona:tag II

Ein wenig spielen dabei die Erinnerungen an die Jugend am Bergbauernhof eine Rolle. Dort war es auch an Sonntagen die erste Pflicht die Schweine, Hühner und Pferde zu füttern. Die Kühe am Morgen zu tränken und zu melken. Um nicht im Werktag haften zu bleiben war der Kirchgang der Anlass um sich schön herzurichten, das Sonntagsgewand und die Sonntagsschuhe anzuziehen. Uns Jugendlichen ging es auch darum, mit anderen aus dem Ort zusammen zu treffen. Nach der Heiligen Messe und vor dem Mittagessen war noch Zeit für einen Besuch im kirchennahen Landgasthof.

Als am Bergbauernhof ein blaues Puchmoped, Puch DS 50 – Zweisitzer mit Schutzblech angeschafft wurde, haben dieses alle benützt.  Der Vater, für die Fahrt nach auswärts in den Holzschlag, wir Jugendliche brachten damit die Milch zur Sammelstelle, zur Walderkathl, egal ob Sommer oder Winter. Zum Eierliefern zur Bachermitze, danach besorgten wir auf dem Rückweg die notwendigen Lebensmittel beim Kerschbaumertone. Im Sommer für die Fahrt in die Kirche, so schnell was das Moped hergab, dabei immer ohne Mopedhelm unterwegs.

In den Lockdown Zeiten entfielen diese alltäglichen Termine, Volkshochschule, Rückenstudio, Therme und der Kirchgang, alles geschlossen. So war es schwer der Woche eine Struktur zu geben, manchmal wussten wir nicht welcher Wochentag ist heute, in welcher Woche befinden wir uns. Es fehlten auch die Außenreize, dadurch Gesprächsthemen die nicht unausweichlich das Corona Thema zum Inhalt hatten. Obwohl seit einem Jahrzehnt außer Gefecht, damit will ich sagen nicht mehr aktiv im Wirtschaftsleben, berührt es mich, wenn es um wirtschaftliche Einbußen im Zusammenhang mit der Pandemie geht. Die Gastronomie, Thermalbäder und Rückenstudios, weil sie ungezählte Wochen geschlossen hatten. Wie die kleinen Handelsgeschäfte wirtschaftlich überleben können, weil viele Fachhändler Saisonware verkaufen, wo der Saisonartikel nach einem Monat Lockdown unverkäuflich wird.