corona:kino

Das Eingangsfoyer des Stadtkino ist fast menschenleeren, einer der drei Kinosäle wird vor der nächsten Vorstellung gerade gelüftet. Darin wird der Film über das Leben von Madam Marie Curie gezeigt. Ich mache einen Blick in den Kinosaal der etwa neunzig Besucher fasst und obwohl der Film in wenigen Minuten beginnt, ist noch keine Person im Saal. Gerade werden die Fluchttüren vom Personal geschlossen. Drei Personen, welche im Foyer an einem Tisch sitzen, verlassen das Kino. Als einziger Besucher stehe ich vor dem Kassenschalter und verlange eine Eintrittskarte. Es gibt Einheitspreise, alle Sitzplätze ob Vorne, in der Mitte oder die fußfreien Plätze haben denselben Preis. Die Verkäuferin besteht darauf, dass ich konkret angebe in welcher Reihe und auf welchen Sitzplatz ich Platz nehmen werde. Sie muss dies wegen des Corona-Sitzplatzmanagement wissen, ich darf nur auf dem zugewiesenen Sitz Platz nehmen. Auf meinen Einwand, dass ich augenscheinlich der einzige Besucher für diese Vorstellung bin, stellt sie fest: „Es sei für das Corona-Sitzplatzmanagement unerheblich wie viele Leute dann tatsächlich den Film besuchen. Es gäbe klare Vorschriften und meinerseits sei der Abstand zu anderen Besuchern verpflichtet einzuhalten“. Meine Bemerkung, zu welchen Besuchern, ignoriert sie. Ich bin der einzige Zuschauer. Zu anderen Personen Abstand zu halten ist mir während des ganzen Filmes nicht schwergefallen.

Es war ein spannender Film über eine bemerkenswerte Frau und ein tolles Gefühl eine Privatvorführung für € 7.7o zu genießen. Der Film hat mich dazu angeregt eine Biographie über Madam Marie Curie zu lesen. Es gibt Situationen, welche in Vorcoronazeiten undenkbar gewesen wären.  Aus dem Tagebuch…

 

Corona:venedig

Im letzten Jahrzehnt wurde in der Stadtverwaltung Venedigs immer wieder darüber diskutiert, dass die Stadt von Tagestouristen geflutet wird. Beklagt, die Rucksacktouristen würden ihr Sandwich und Mineralwasser selbst mitbringen und nichts zur Wertschöpfung der Wirtschaft beitragen. Krass ausgedrückt, lassen sie nur ihre Abfälle, ihren Kot und Urin in der Stadt zurück. Diese Klagen tauchen regelmäßig vor der Sommersaison auf. Von einer Bürgerinitiative wird die Administration aufgefordert, für das Zentrum von Venedig eine Besucherbeschränkung einzuführen und Eintritt zu verlangen. Ist der Markusplatz von Touristen übervoll, sollen die Zugänge gesperrt werden. Ein weiterer Dorn im Auge der Bürger sind die Kreuzfahrtschiffe, welche in Venedig vor Anker gehen. Hierbei wird argumentiert, dass durch die massive Wasserverdrängung die Fundamente der Palazzi auf Dauer beschädigt werden.

Durch die Ausbreitung der Coronapandemie bleiben die Besucher in der Lagunenstadt aus. Der Ruf nach einer Besucherbeschränkung wurde fallengelassen, man beklagte sich jetzt darüber, dass die Touristen ausbleiben. In der vergangenen Saison gab es in den Hotels viele Zimmerstornierungen. Die Hoteliers und Restaurantbesitzer erhoffen sich von der Zentralregierung Unterstützung aus dem Corona Krisenfond.   

ffp2:masken II

Vor der Pandemie konnte man sich im ersten Augenblick verlieben, den anderen sympathisch sein oder von seiner Nase fasziniert sein. Meiner Einschätzung nach werden uns die Mundnasenschutzmasken im Alltag noch länger begleiten. Die nächsten Jahre uns vor weiteren Mutationen des SARS Virus schützen. Die Masken ziehen bei einer Begegnung unsere Aufmerksamkeit auf sich. Es gibt keinen Händedruck und die Augen des anderen muss man erst im Gesicht suchen. Ob Brillenträger oder nicht, oft wird die FPP2 Maske so hoch getragen, dass die Augen halb verdeckt sind. Es müssen schon ausdrucksstarke Augen sein, dass sofort ein Augenkontakt hergestellt wird. In öffentlichen Räumen, wo eine gedrückte Stimmung mitschwingt, begegnet man sich mit halboffenen Gesicht. Wie lange dieser Zustand im öffentlichen Bereich noch anhalten wird, weiß niemand. Was bedeutet geimpft, es dient zur eigenen Absicherung vor einer Ansteckung, in gewissen Rahmen.

Wie verschiedene Menschen durch die Größe der Hotelanlage einschränkt werden, sieht man bei der Benützung des Verbindungsganges. Der Übergang von der Therapieabteilung zu den Zimmern. Die geschickten Senioren bewältigen den Weg mit einem Schupf Roller, welcher bei der Rezeption ausgeborgt werden kann. Andere sind nicht mehr so mobil und benützen einen Rollator, im Körbchen den Therapieplan, das Badetuch und Kosmetikartikel. Alles hat seine Zeit, die Zeit der leichten Bewegung, die Zeit des schnellen Schrittes und die Zeit des Schlurfens über den Gangteppich.

Wehe dem, der die Zeit der aktiven Beweglichkeit nicht nützt, er wird später neidisch auf jene schauen, die an ihm vorbei drängen. Kann er von sich sagen, so flott war ich auch einmal unterwegs?. Das Laufen in den Hotelgängen wird nicht gern gesehen, wie einst in Tanzenberg, wo das Laufen durch die Arkadengänge oder über die breiten Stiegen verboten war.

ffp2:maske I

In Pandemiezeiten ist es schwierig live Beobachtungen zu machen. Halten sich alle an die strengen Einschränkungen begegnet man nur dem Eigenen Inneren, in sich gekehrten Menschen. Besonders ausgeprägt bei älteren Personen. Diese spazieren mit dem Dolch hinter den Rücken durch den Schlosspark in Bad Vöslau. Der Entgegenkommende könnte ein Gefährder ihrer Gesundheit sein. Der offizielle Kurpark befindet sich oberhalb des Ortes und ist über eine steile Stiege erreichbar. Keine gute Entscheidung, da ein überwiegender Teil der Kurbesucher ältere Leute sind. Für den Kurpark spricht die Waldesluft, da er in einen Föhrenwald übergeht. Ein weites Feld für Beobachtungen bietet der Betrieb in einem Kurhotel. Nimmt man eines der verschiedenen Kurpakete in Anspruch, kann man sich bei einem Lockdown unter COVID Schutzmaßnahmen frei bewegen. Das Gespräch untereinander ist durch Abstand halten und FFP2 Masken rückläufig. Ansonsten wurden beim Warten vor den Therapiestationen gerne die Beschwerden ausgetauscht. Dem anderem von den eigenen Wehwehchen erzählen, von den deformierten Fingern, dem abgenützten Kniegelenk. Von dem schmerzvollen Verzicht auf die süße Nachspeise bei den Mahlzeiten, da man an Alterszucker leidet. In Corona Zeiten herrscht tiefes Schweigen. Es könnte dem Schweigen, wie wir es aus den Klöstern kennen, ähnlich sein. Einzig der Therapeutin öffnet man für einen kurzen Moment das Ohr und seinen Mund.

Die FPP2 Maske verhindert das Lesen im Gesichtsausdruck seines Gegenübers, die Arten wie er sein Gesicht verzieht, ob Lächeln, Schmunzeln oder ein zorniger Ausdruck. Menschen die ein schlechtes Gehör haben, anderen die Wörter vom Mund ablesen, haben wegen der Maskenpflicht ein Problem. Es wundert mich nicht, dass es zu vielen Rückfragen oder falschen Handlungen bei den Kuranwendungen kommt. Mit der Maske im Gesicht ist das gesprochene Wort oft nicht so deutlich zu vernehmen und zudem fehlt die Übernahme der Laute vom Mund.

corona:sample

Wir gehen davon aus, dass die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Gerade führt uns die Corona Pandemie vor, dass im höheren Lebensalter die Gefahr steigt einer Pandemie zum Opfer zu fallen. Wer es schafft zwischen 60 und 65 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zu kommen, geht zumeist mit einigen Plänen und Wünschen in die Rente. Bei mir waren es die Wünsche nach Fortbildung in geisteswissenschaftlichen Fächern und die Zuwendung zu meinem literarischen Endlosprojekt, dem Verfassen von Blogtexten. Geglückt ist mir die Herausgabe von einigen Sammelbänden aus den Blogjahren. Von mir in das Auge gefasst, nach dem Pandemieende, ein Corona Sample.

Wer im Alter noch etwas zu seinen Leistungen, zu seinen Spuren, zu seiner winzigen Rille im Sand etwas zulegen will, soll sich nicht darauf verlassen, dass die nächsten Jahre unendlich dauern werden. Plötzlich steht man wie bei einem Kuraufenthalt, ausgelöst durch ein inneres Gefühl vor den letzten Jahren oder Monaten. So schmerzlich diese Erkenntnis sein kann, alle Vorhaben zu verwirklichen wird nicht mehr möglich sein. Es bleibt sich auf etwas konkretes, dass die letzten Jahre bereichert hat, zu konzentrieren. Beruhigend, wenn es die Arbeit an etwas ist, was nicht mit einem Ende behaftet ist. Wo der Schlussstrich nicht verstörend wirkt, so blickt man nicht bei jedem Hinweis panisch auf das Ende. Lieber in die Ferne und freut sich über jede Erhöhung die überwunden wird und sieht vor sich etwas Neues liegen.