tropentage:turbohitze III

Manche Verhaltensweisen sind den Tieren angeboren und ändern sich auch in fünfzig Jahren nicht. Mehrere Jahrzehnte erscheinen uns, gemessen an unserer voraussichtlichen Lebenszeit, als lang. Im Sog der Evolution sind sie nicht vorhanden. Fünfzig Jahre später folgen die Kühe bei Federaun heute noch dem Beispiel der Kühe im Drautal. In Federaun gibt es seit einem Jahrzehnt eine Herde von Hochlandrindern. Sie fühlen sich hier sichtlich wohl, jedes Jahr im Frühjahr gibt es Nachwuchs. Gleich neben dem Radweg befindet sich das Weidegebiet, auf zwei Seiten umgeben von Laubbäumen und inmitten der Wiese ein Wassertümpel. Meinem Dafürhalten wird er vom Grundwasser gespeist, ansonsten wäre er sommersüber bei länger anhaltender Trockenheit und bei solchen Turbohitzetropentage ausgetrocknet. Der Wasserstand ist konstant und die Tiefe für die Tiere ungefährlich. Bei meiner Radtour von Villach nach Nötsch konnte ich am Vormittag sehen, wie zahlreiche Kühe mit allen vier Füßen regungslos im Wasser gestanden sind. So haben sie sich bei Tropentemperaturen mit ihrem natürlichen Instinkt Kühlung verschafft. Egal ob Mutterkuh oder Kalb, jede hatte ihre Füße bis zum Bauch im Wasser.

Wer die Kühe nachahmt und die Füße bis zu den Knien in eine mit Wasser gefüllte Badewanne stellt, findet in den eigenen vier Wänden Abkühlung.

Gut beraten.

tropentage:turbohitze II

Vielleicht hat die mentale Einstellung gegenüber der Hitze etwas damit zu tun, wie man die Bruthitze körperlich empfindet. Begleitet einen vom Gefühl her eine Abneigung gegen höhere Temperaturen, dann wird man diese umso stärker körperlich spüren. Dafür prägend ist sicherlich das erste Dutzend an Lebensjahren. Als Drautalerkind, auf der Sonnseite aufgewachsen, habe ich ein natürliches Empfinden gegenüber sommerlichen Temperaturen. Tatsache ist, dass eine Heuernte bei Regenwetter  unmöglich ist, jedenfalls in den 60er und 70er Jahren.Bei der Feldarbeit hat man sich dazumal nicht der Oberkleider entledigt. Die Frauen trugen Röcke und Blusen, die Männer lange Hosen und Hemden. Zumeist ein Kopftuch oder einen Hut. Das Schuhwerk war fester Natur, Bergschuhen ähnlich, denn in den Hanglagen war bei der Arbeit ein guter Stand notwendig.

Bei der Feldarbeit gab es frisches klares Quellwasser zum Trinken, welches an verschieden Stellen auf dem Feld zu Tage trat. Der Vater benützte seinen Hut als Trinkgefäß, er drückte dem Hut von oben eine Kerbe ein und trank daraus. Der beste Durstlöscher zwischendurch war eine große saure Essiggurke. Von daher stammt meine Vorliebe für saure Gurken, von den süß-sauren Gurken wende ich mich mit Eckel ab. Bei den Bergbauern war Eis nicht verfügbar, diese bevorzugten Sauergemüse. Zum Mittagessen gehörte reichlich Salat, aus dem eigenen Garten.

Das sommerliche Baden spielte eine untergeordnete Rolle. Zum Wochenende ging man zu einem Seitenarm der Drau, um sich ein wenig zu erfrischen. Die Drau Auen teilte man mit dem Weidevieh, welche über die Mittagszeit mit allen vier Füßen, bis zum Bauch, im stehenden Wasser standen.

Hitzeferien

tropentage:turbohitze

Für die Tage, mit Temperaturen über dreißig Grad, ringt man in der Presse um das richtige Wort, sind dies Hitzetage oder Tropentage? Eine Kombination von mir, Turbohitzetropentage. Die Zeitungen und TV-Sendungen sind mit guten Ratschlägen voll, was man bei Hitze machen soll oder eher vermeiden: Tragen von luftiger Kleidung und Sonnenhut, Besorgungen in aller Früh erledigen, keine kalten Getränke, lauwarme Getränke als Durstlöscher. Diese Tipps werden von einem Medium zum Anderem weitergereicht. Mir ist aufgefallen, dass bei Standardereignissen, welche sich jedes Jahr wiederholen, in diesem Fall die Hitzeperiode, jährlich dieselben praktischen Tipps abgedruckt werden. Ein wenig wird das Layout verändert, dies erspart viel Arbeit.

In der Wohnung wappnen wir uns gegen die Hitze nach einem südländischen Rezept, wie wir es von den Einwohnern an der Oberen Adria kennen. Tagsüber bleiben die Fensterläden, die Fenster und die Vorhänge geschlossen, um sie vor dem Schlafengehen ganz weit zu öffnen und sie nachts über offen zu lassen. Einen besonderen Schutz gegen die sommerliche Hitze bieten Bäume, so gibt es in den Badeorten zwischen den Häusern eine Vielzahl kleinerer und größerer Parks. Die beste Kühlung bei gleißender Hitze bringt der Schatten der Bäume. Die endlosen Badestrände, wo in einem Abstand von alle zwei Metern ein Liegestuhl steht, füllen hauptsächlich die Urlauber aus dem Norden. Auf der Liege ist gerade so viel Platz, dass man nicht mit den Füßen am Kopf des Nachbarn anstößt. Das Service am Strand wird immer ausgefeilter, seit ein paar Jahren gibt es neben den fliegenden Verkäufern von Badetüchern, Sonnenbrillen, Schwimmhilfen und Eis, fliegende thailändische Masseurinnen. Eine Rückenmassage von guter Qualität zu fünf Euro, mit Option für einen Termin am nächsten Tag. Angenehm habe ich es  in einem Hotel in Bibione erlebt, wo im Halbstock rundum eine Veranda angebracht war. Hier konnte man sich zu jeder Tageszeit aufhalten, ohne die Hitze überzubewerten. Die ganze Veranda lag im Schatten der Bäume.

Nachtschattengewächs

fußgänger:allergie

Kinderärzte empfehlen den Eltern von asthmatischen Kindern bewusst ein allergenes Umfeld, wie einen Viehstall am Bauernhof aufzusuchen. So werde das Immunsystem trainiert. Daran gab es bei mir keinen Mangel, da ich bis zum Erwachsen werden auf einem Bergbauernhof verbracht habe. Neben meiner Schul- und Berufsausbildung tatkräftig bei allen Arbeiten mitgeholfen habe. So als Zweitberuf den eines Landwirtes erlernt habe. Ergänzend muss ich anmerken, dass die allergischen Reaktionen auf die Blütenpollen der Sträucher und Gräser seit der zweiten Lebenshälfte akut sind. Die Symptome sind lästig, kann ich aber unter vergesslich ablegen. Eine Immunisierung gegen diverse Pollen hat meine Hautärztin nur bei drohendem Asthma und akuten Atembeschwerden empfohlen. Diese Immunisierung würde über Jahre dauern und stellt eine Belastung für den Organismus dar.

Inzwischen weiß man, dass der Aufenthalt im Gebirge und am Meer Erleichterung für Pollenallergiker bringt. Im alpinen Bereich gibt es weniger blühende Pflanzen und die salzhaltige Meeresluft stärkt und beruhigt die Atemwege. Neuerdings werden in Kurzentren, aber auch ambulant, Behandlungen in Salzinseln und Salzgrotten angeboten. Dort kann man in entspannter Haltung eine Einheit Himalajasalz inhalieren. In einem Folder wird darauf hingewiesen, dass der Salzgehalt in den Salzgrotten um ein Vielfaches höher ist als am Meer. Stark frequentiert wird diese Therapieeinrichtung von männlichen Rauchern und Personen mit Atemwegserkrankungen. Nachweislich führt dies zu einer Erleichterung, ohne Nebenwirkungen. Diese Therapie ist auch für Kinder ideal und man ist überrascht, eigentlich schockiert, wie viele Frauen mit ihren Kindern in die Salzgrotte kommen. Immer häufiger leiden Kinder bereits im Schulalter an Allergien, Neurodermitis und Atembeschwerden. Liegt die Ursache an unserer kranken Umwelt oder an falscher Ernährung im Kindesalter?

Beim Abholen von einem Nachbarn in der Salzinsel bin ich mit der Inhaberin in das Gespräch gekommen. Dabei habe ich mir die Hilfe bei verschiedenen Indikationen angesehen. Plötzlich ist mir eingefallen, dass ich als Radfahrer unter einer spezifischen Allergie leide, nämlich gegenüber Fußgänger, die den Fahrradweg benützen. Meine Frage an die Besitzerin der Salzinsel war, ob die Inhalationen auch gegen eine Fußgängerallergie wirken? Die junge Frau hat bedächtig den Kopf hin- und her gewiegt und gemeint, ihr wäre eine diesbezügliche Wirkung nicht bekannt. Eine der wartenden Frauen hat gemeint, in diesem Fall würde nur eine Therapie bei einem Psychotherapeuten nützen.

Radfahrerallergie