hu:hu

Die Vorderseite des Glückwunschbillet ziert eine freundliche Eule, rundherum ein Kranz aus Herzen. Darunter der Text HuHu, wohl weil Eulen nachtaktiv sind. HuHu hat etwas Schreckhaftes in sich. Möchte man jemanden erschrecken, dann lauert man bei einer Hausecke auf und schreit beim Kommen huhu. Es gibt unheimlichere Orte als die nächste Haus- oder Straßenecke. Mein Heimweg führte während der Lehrzeit, vom Bahnhof zum Bauernhof am Berg, durch einen Hohlweg.Dieses Stück war besonders unheimlich. Der Hohlweg zweigte von den letzten Häusern im Tal auf die Anhöhe ab. Tief eingeschnitten in den Waldboden, rechts und links mit Sträuchern und Büschen bewachsen. Man bewegte sich wie in einem Tunnel vorwärts. Es gab keine Möglichkeit rechts oder links auf die höher gelegenen Wiesen auszuweichen. Im Herbst wurde es schon früh dunkel und im Hohlweg war es stockdunkel.

Es gehörte Mut dazu, den Hohlweg abends zu benützen. Jedes Mal war ich erleichtert, wenn ich auf der überschaubaren Wiese anlangte, obwohl auch hier weit und breit kein Haus stand. Schon die Möglichkeit, im Falle eines Falles, davonlaufen zu können, beruhigte mich. Eines Abends, ich war im oberen Drittel vom Hohlweg, hörte ich hinter mir undefinierbare Laute in verschiedenen Tonlagen. Es waren keine menschlichen Laute, nichts eindeutig Tierisches, ich konnte sie nicht einordnen. So schnell wie möglich brachte ich den Hohlweg hinter mir und versteckte mich auf der Wiese hinter einem freistehenden Busch. Kurz danach kam ein kleingewachsener Mann aus dem Hohlweg auf die Wiese und stieß dabei gurgelnde Laute aus. Beim Näherkommen erkannte ich den Hausl vom Nachbarhof. Um meinen Schrecken loszuwerden sprang ich, als der Hausl an mir vorüberging, hinter dem Busch hervor und schrie laut Huhu. Diesem ist das Grausen in die Glieder gefahren und so rasch er konnte, ist er den steilen Feldweg davongelaufen.

Haha

tropentage:turbohitze III

Manche Verhaltensweisen sind den Tieren angeboren und ändern sich auch in fünfzig Jahren nicht. Mehrere Jahrzehnte erscheinen uns, gemessen an unserer voraussichtlichen Lebenszeit, als lang. Im Sog der Evolution sind sie nicht vorhanden. Fünfzig Jahre später folgen die Kühe bei Federaun heute noch dem Beispiel der Kühe im Drautal. In Federaun gibt es seit einem Jahrzehnt eine Herde von Hochlandrindern. Sie fühlen sich hier sichtlich wohl, jedes Jahr im Frühjahr gibt es Nachwuchs. Gleich neben dem Radweg befindet sich das Weidegebiet, auf zwei Seiten umgeben von Laubbäumen und inmitten der Wiese ein Wassertümpel. Meinem Dafürhalten wird er vom Grundwasser gespeist, ansonsten wäre er sommersüber bei länger anhaltender Trockenheit und bei solchen Turbohitzetropentage ausgetrocknet. Der Wasserstand ist konstant und die Tiefe für die Tiere ungefährlich. Bei meiner Radtour von Villach nach Nötsch konnte ich am Vormittag sehen, wie zahlreiche Kühe mit allen vier Füßen regungslos im Wasser gestanden sind. So haben sie sich bei Tropentemperaturen mit ihrem natürlichen Instinkt Kühlung verschafft. Egal ob Mutterkuh oder Kalb, jede hatte ihre Füße bis zum Bauch im Wasser.

Wer die Kühe nachahmt und die Füße bis zu den Knien in eine mit Wasser gefüllte Badewanne stellt, findet in den eigenen vier Wänden Abkühlung.

Gut beraten.

tropentage:turbohitze II

Vielleicht hat die mentale Einstellung gegenüber der Hitze etwas damit zu tun, wie man die Bruthitze körperlich empfindet. Begleitet einen vom Gefühl her eine Abneigung gegen höhere Temperaturen, dann wird man diese umso stärker körperlich spüren. Dafür prägend ist sicherlich das erste Dutzend an Lebensjahren. Als Drautalerkind, auf der Sonnseite aufgewachsen, habe ich ein natürliches Empfinden gegenüber sommerlichen Temperaturen. Tatsache ist, dass eine Heuernte bei Regenwetter  unmöglich ist, jedenfalls in den 60er und 70er Jahren.Bei der Feldarbeit hat man sich dazumal nicht der Oberkleider entledigt. Die Frauen trugen Röcke und Blusen, die Männer lange Hosen und Hemden. Zumeist ein Kopftuch oder einen Hut. Das Schuhwerk war fester Natur, Bergschuhen ähnlich, denn in den Hanglagen war bei der Arbeit ein guter Stand notwendig.

Bei der Feldarbeit gab es frisches klares Quellwasser zum Trinken, welches an verschieden Stellen auf dem Feld zu Tage trat. Der Vater benützte seinen Hut als Trinkgefäß, er drückte dem Hut von oben eine Kerbe ein und trank daraus. Der beste Durstlöscher zwischendurch war eine große saure Essiggurke. Von daher stammt meine Vorliebe für saure Gurken, von den süß-sauren Gurken wende ich mich mit Eckel ab. Bei den Bergbauern war Eis nicht verfügbar, diese bevorzugten Sauergemüse. Zum Mittagessen gehörte reichlich Salat, aus dem eigenen Garten.

Das sommerliche Baden spielte eine untergeordnete Rolle. Zum Wochenende ging man zu einem Seitenarm der Drau, um sich ein wenig zu erfrischen. Die Drau Auen teilte man mit dem Weidevieh, welche über die Mittagszeit mit allen vier Füßen, bis zum Bauch, im stehenden Wasser standen.

Hitzeferien

tropentage:turbohitze

Für die Tage, mit Temperaturen über dreißig Grad, ringt man in der Presse um das richtige Wort, sind dies Hitzetage oder Tropentage? Eine Kombination von mir, Turbohitzetropentage. Die Zeitungen und TV-Sendungen sind mit guten Ratschlägen voll, was man bei Hitze machen soll oder eher vermeiden: Tragen von luftiger Kleidung und Sonnenhut, Besorgungen in aller Früh erledigen, keine kalten Getränke, lauwarme Getränke als Durstlöscher. Diese Tipps werden von einem Medium zum Anderem weitergereicht. Mir ist aufgefallen, dass bei Standardereignissen, welche sich jedes Jahr wiederholen, in diesem Fall die Hitzeperiode, jährlich dieselben praktischen Tipps abgedruckt werden. Ein wenig wird das Layout verändert, dies erspart viel Arbeit.

In der Wohnung wappnen wir uns gegen die Hitze nach einem südländischen Rezept, wie wir es von den Einwohnern an der Oberen Adria kennen. Tagsüber bleiben die Fensterläden, die Fenster und die Vorhänge geschlossen, um sie vor dem Schlafengehen ganz weit zu öffnen und sie nachts über offen zu lassen. Einen besonderen Schutz gegen die sommerliche Hitze bieten Bäume, so gibt es in den Badeorten zwischen den Häusern eine Vielzahl kleinerer und größerer Parks. Die beste Kühlung bei gleißender Hitze bringt der Schatten der Bäume. Die endlosen Badestrände, wo in einem Abstand von alle zwei Metern ein Liegestuhl steht, füllen hauptsächlich die Urlauber aus dem Norden. Auf der Liege ist gerade so viel Platz, dass man nicht mit den Füßen am Kopf des Nachbarn anstößt. Das Service am Strand wird immer ausgefeilter, seit ein paar Jahren gibt es neben den fliegenden Verkäufern von Badetüchern, Sonnenbrillen, Schwimmhilfen und Eis, fliegende thailändische Masseurinnen. Eine Rückenmassage von guter Qualität zu fünf Euro, mit Option für einen Termin am nächsten Tag. Angenehm habe ich es  in einem Hotel in Bibione erlebt, wo im Halbstock rundum eine Veranda angebracht war. Hier konnte man sich zu jeder Tageszeit aufhalten, ohne die Hitze überzubewerten. Die ganze Veranda lag im Schatten der Bäume.

Nachtschattengewächs