fron:leichnam II

Vier Feldaltäre sind entlang des Weges errichtet worden. Ein Tisch, darüber eine weiße Decke mit gehäkelten Spitzen, brennende Kerzen, üppiger Blumenschmuck und ein Heiligenbild. Führt der Weg an einem landwirtschaftlichen Anwesen vorbei, dann wird der Altar von den Hausleuten hergerichtet. Es ist eine Ehre, wenn einer der vier Feldaltäre beim Haus steht. Dementsprechend sorgfältig und mit viel Liebe wird der Altar geschmückt. Große Birkenäste stecken rechts und links im Boden vom Feldaltar. Von diesen brechen die Kirchgänger nach dem Ende der Prozession ein paar Zweige ab und nehmen sie mit nach Hause. Dort werden sie hinter das Kreuz im Herrgottswinkel gesteckt.

Bei jedem Feldaltar wird Station gemacht und Gott angefleht, alle Früchte, Tiere und Menschen vor Unheil, Hagel und Blitz zu bewahren. Die Kirchenglocken beginnen zu läuten, die Ministranten schwenken das Weihrauchfass, der Pfarrer hebt die Monstranz mit dem Allerheiligsten und erteilt Gottessegen in alle vier Himmelsrichtungen.Singend und betend schreiten die Menschen von einem Altar zum Nächsten, loben den Schöpfer für seine Gaben. Wer hier mitgeht, kann sich der Inbrunst, mit der gesungen und gebetet wird, nicht entziehen. Bei den Gebeten und den Fürbitten kommen keinerlei Fragen und Zweifel auf. Sie kommen aus dem Herzen und richten sich an Christi Herzen, dazu braucht es kein Mobiltelefon. Danach kehrt die Prozession in die Pfarrkirche zu einem Abschlusssegen zurück.

Loblied

fron:leichnam I

Um Gottessegen für das Gedeihen von Obst, Getreide und anderen Feldfrüchten, aber auch um die Gesundheit der Haustiere, wird bei der Bittprozession am Fronleichnamstag gebetet. Eingeschlossen in die Bitten wird auch die Erhaltung der Gesundheit für die Bevölkerung. In den Landgemeinden strömen in den Morgenstunden des Fronleichnamstags die Menschen in Festtagstracht, Opa und Oma bis zu den Enkelkindern, zur Kirche. Begleitet vom Klang der Kirchenglocken ziehen die Kirchenbesucher aus der Kirche aus und formieren sich für die Prozession. An der Spitze die Männer mit dem Kruzifix und Fahnen mit religiösen Motiven, dahinter die Kinder und die Frauen. Dann die Musikkapelle, Abordnungen der Landjugend und der Feuerwehr, alle in Galauniform.

Jetzt kommt das Herzstück des Umzuges, der Himmel, ein Baldachin mit vier Stangen und getragen von den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates. Unter dem Himmel der Pfarrer in prächtigem Ornat und in den Händen trägt er das Allerheiligste, die Monstranz mit dem Leib Christi. Begleitet von den Ministranten. Hinter dem Himmel folgt der Kirchenchor und danach, gestaffelt nach Rangordnung, die Männer. Vorneweg der Bürgermeister mit den Gemeinderäten, die Lehrerschaft und der Gemeindearzt, Unternehmer, Kaufleute und Bauern. In dieser Formation zieht man in einem Umkreis von zwei bis drei Kilometer, zumeist auf Feldwegen, durch landwirtschaftliche Anbauflächen.

Glockenblume

grün:finger II

Neben der frohen Stimmung, welche der Frühling innerlich hervorruft, gibt es eine breite Schicht in der Bevölkerung die unter dem Blütenstaub, der im Frühling besonders intensiv ist, leidet. Angeblich betrifft es immer mehr Leute. Die Beschwerden reichen vom Rinnen der Nase und Tränen der Augen, bis zu geschwollenen Augen morgens, welche sich nicht öffnen lassen und Atembeschwerden. Dabei ist ein kräftiges Niesen eine harmlose Begleiterscheinung, wird aber zumeist mit Schrecken und mit Unwillen zur Kenntnis genommen. Die Blüten Allergiker haben einen Horror vor dem Frühlingserwachen. Was diese an Frühlingsgefühlen zulassen oder diese Gefühle zwecks der Begleiterscheinungen blockieren, weiß ich nicht konkret. Ob es stimmt, dass eine ständige Konfrontation mit Blüten und Gräsern das Immunsystem stärkt? Eine österreichische Tageszeitung hat es auf der Titelseite so ausgedrückt: Die Allergiker sehen für den Frühling Rot.

Zeitweise bin ich auch von den Beschwerden betroffen, lasse mir aber die Freude am Frühling nicht nehmen. Zudem wohne ich am Stadtrand in einer Wohnungsanlage mit Gartenwohnungen, wo je nach Einsatz und wohl auch Freizeit der Bewohner der Garten betreut wird. Darunter gibt es Gartenliebhaber, welche in liebevoller Kleinarbeit ihr Grundstück pflegen und jedes Jahr mit neuen Dekoartikel die Gartensaison eröffnen. Die schönste Zeit im Frühling ist morgens, wenn die Nacht zum Tag übergeht, die Morgendämmerung, wenn auf den Sträuchern und Bäumen die Vögel zum Weckruf ansetzen. Das selbe Konzert erlebe ich abends, wenn ich im Schreibzimmer am PC sitze. Auf der Föhre tummeln sich die Vögel und der eine und andere wagt sich auf den Balkon. Dieses Jahr auffallend und dürfte damit zusammenhängen, dass keine Hauskatze mehr im Blumentrog lauert und jede Bewegung auf dem Baum verfolgt. Bedauerlicherweise mussten wir unsere Wohnungskatze Undine im Herbst einschläfern. Ein wenig Trost ist, dass die Singvögel vermehrt auf dem Baum am Hauseck tummeln und einen Abstecher auf den Balkon wagen.

Der Kukuk ruft.

grün:finger I

Von den meisten Menschen wird der Frühling herbeigesehnt, damit verbindet man Glücksgefühle.Täglich erlebt man wie die Tage länger werden, so beim Erwachen. Vor zwei Monaten war es beim Aufstehen noch dunkel und düster, plötzlich ist es im Schlafzimmer hell. Wohnt man an einer ruhigen Straße in der Innenstadt, genügen zumeist ein paar Bäume in der Nähe und man kann in der Morgendämmerung die Vögel zwitschern hören. Irritierend, wenn die Vögel Handyklingeltöne nachahmen. Gab es monatweise keine Sonne in der Küche, so scheint zum Frühstück die Sonne beim Fenster herein, weil der Sonnenaufgang weiter nach Osten gewandert ist. Oftmals genügen ein paar Schalen mit Blumen auf dem Balkon, um etwas vom Frühling zu spüren. Geht oder fährt man auf dem Weg zur Arbeit bei einer Parkanlage vorbei, weitet sich das Herz, wenn man die Beete mit den Tulpen, den Narzissen und Stiefmütterchen sieht. Die Äste der Bäume und Sträucher überziehen sich mit einem feinen grünen Streifen, plötzlich strecken sich grüne Finger gegen den Himmel.

Noch unmittelbarer erleben den Frühlingsstart Menschen, ich sehe einmal von den Menschen in der Landwirtschaft ab, welche in einer Kleinstadt oder am Stadtrand wohnen. Solche, welche einen Garten haben wo das Gras zu sprießen beginnt und die winterharten Frühlingsblumen ihre Köpfchen aus dem Boden strecken. Hier kann man auch sagen, man kann den Frühling riechen. Kommt es zwischendurch zu einer Schlechtwetterfront und es zeigen sich die umliegenden Berge frisch verschneit, kann man wieder den Schnee riechen. Beneidenswert, wer diese Zeit intensiv erlebt.

In einer privilegierten Situation ist jemand, wenn man ohne sein Zutun vom Wohnzimmer aus auf einen oder mehrere gepflegte Gärten blickt. Dabei beobachtet, mit wie viel Eifer und Ausdauer sich die Besitzer um ihre Gartenanlage kümmern. Dabei kann man sie beneiden oder darüber zufrieden sein, dass man das Wachstum und das Blühen mitverfolgen kann, aber keine Arbeit hat. Genuss ohne Anstrengung und ist gut beraten, wenn man diese Situation ohne schlechtes Gewissen genießt, ein wenig trifft dies auf mich zu.

Obstgarten