digi:tal

Im Ars Electronica Zentrum in Linz habe ich die Möglichkeit mit einer, von Künstlicher Intelligenz gesteuerten, Seerobbe zu kommunizieren. Abhängig davon, wo ich der Seerobbe das Fell gestreichelt habe, am Hals, am Rücken, über die Flossen, hat sie verschiedenartig reagiert. Sie hat ihre Stimmlage verändert, verschiedene Bewegungen vollführt, vor allem mit dem Kopf und ihren Augen. In dem Augenblick, wo ich meine  Streicheleinheiten beendet habe, hat sie mich mit ihren Augen fragend angeblickt. Dadurch hat sie mich an unsere Hauskatze Undine erinnert.

Am Beginn einer abendlichen Podiumsdiskussion hat der Moderator den Teilnehmern eine Frage gestellt: „Haben die Referate ihre Einstellung zum digitalen Zeitalter positiv beeinflusst oder haben sie die Ausführungen geängstigt.“ Zwei Drittel der Zuhörer wurden durch die Vorträge verängstigt und nur ein Drittel hat sich ermuntert gefühlt. Die meisten Seminarteilnehmer waren Fünfzig plus. Der Großteil der freiwilligen Mitarbeiter in den Pfarren sind Menschen über Fünfzig. Das Abstimmungsergebnis hat mich schockiert. Es dürfte den Referenten mit theologischer Kompetenz nicht immer gelungen sein, positive Wege aufzuzeigen. Zu wenig wurde vermittelt, welche Wege notwendig sind, um die digitale Revolution, für die Seelsorge und eine bessere Welt zu nützen. Meine Erwartungen setzen auf die Generationen nach der Jahrtausendwende, diese war bei den Teilnehmern spärlich vertreten.

Betroffen bin ich davon, dass immer wieder auf die kurzlebige Dauer der gespeicherten Daten hingewiesen wurde. Durch die Fülle der digitalen Daten, welche täglich erzeugt werden, könnte es zu einem digitalen Super Gau kommen. In der Bibel gibt es viele apokalyptische Szenarien, die Referenten haben teilweise diese christliche Tradition fortgeführt. Die langfristige Verfügbarkeit der gespeicherten Daten für illusorisch befunden, diese würde von dem Medium Buch übertroffen. Wenn langfristig, müsste man seine Gedanken in Stein meißeln. Den CEO der großen Internetplayer, welche uns einen digitalen Kosmos und einen digitalen Himmel versprechen, eine Absage erteilt. Zur christlichen Ewigkeit gibt es kein Ebenbild. Für einen Zustand ohne Anfang und Ende gibt es nichts gleichwertiges, absolut nichts.

Endlos

mensch:lich

Das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung wird von Internetplattformen wie Facebook geschickt ausgenützt. Der Wunsch nach vielen Likes führt zu einem digitalen Suchtverhalten, nur wenige können sich dem entziehen. Unisono werden alle Posts von den Erfindern der Datenkracke dazu benützt, um unsere Daten für Werbezwecke weiterzugeben. Damit werden die Social Media zu einem profitablen Geschäft. Der Mensch sehnt sich nach sozialer Resonanz, nur im Netz hat dafür niemand Zeit. Die meisten Benützer sind der Meinung, je mehr Freunde sie haben und je mehr Likes sie verteilen, umso größer ist ihr soziales Netzwerk. Ein Irrtum des Facebook Zeitalters. In Wirklichkeit teilt man seine Zeit mit einer immer größeren Anzahl, zum Großteil unbekannten Freunden. Die Zeit für eine reale Beziehung fehlt, manche ziehen sich aus dem irdischen Beziehungsgeflecht total zurück. Passt mir die Nase eines Facebook Freundes nicht, so kann ich mit einem Mausklick die Freundschaft löschen und eine neue Freundschaftsanfrage versenden. Wir verkommen zu sozialen Beziehungsshopper.

Auf diese gesellschaftliche Veränderung könnte die christliche Seelsorge mit  persönlichen Gesprächen mit den Menschen antworten. Nicht mit der Ausweitung der Präsenz im Internet. Angesichts des Pfarrermangels ist dies ein frommer Wunsch. In der Krankenpflege und in Altersheimen werden versuchsweise Pflegeroboter mit künstlicher Intelligenz eingesetzt.

Im Vortrag wurde ein Vergleich zur Einführung der Elektrizität hergestellt. Diese technische Neuerung hat den Tagesablauf und die Arbeitsverhältnisse von breiten Bevölkerungsschichten verändert. Plötzlich waren Dinge bei Dunkelheit und in der Nacht möglich, die vorher unmöglich waren.

himm:lisch

So können sich Besucher den Himmel vorstellen, nachdem sie im weitläufigen Stift Kremsmünster die prunkvolle Bibliothek, die Museumsräume und den Kaisersaal besichtigt haben. Im Kaisersaal, mit seinen reichen Stuckaturen und dem Deckenfresko, werden Konzerte und Vorträge abgehalten. Die Prognosen bei der Sommerakademie in Kremsmünster mit dem Thema Gott und das Smartphone waren differenziert. Der Titel ist nicht ganz korrekt, er ist von mir frei gewählt. Offiziell hieß das Tagungsmotto: „Gott und die digitale Revolution“. Für mich ist das Smartphone das sichtbarste Produkt der digitalen Revolution. Es ist von allen digitalen Geräten am meisten verbreitet und bietet für seine Größe ein breites Spektrum an Anwendungen. Zudem begleitet es den Menschen vierundzwanzig Stunden lang: Auf die Toilette, beim Mittagessen, bei der Reparatur eines Schiebefenster, beim Autofahren und beim Einschlafen.

Am Freitagvormittag wurde von einer Referentin ein weiteres Mal auf die wesentlichen Gefahren des Internets hingewiesen. Obwohl der Siegeszug des PC in den neunziger Jahren begann und sich das Internet ab dem Jahr Zweitausend immer schneller und inzwischen flächendeckend auf der Welt ausgebreitet hat, fragt man erst jetzt, was machen die neuen Medien mit uns? Wie verändert sich unser Sozialleben und welche Absichten haben die großen Internetkonzerne? Lange glaubte man, dass die Möglichkeit Meinungen online im Internet zu veröffentlichen, das Leben gerechter machen wird. Jeder ist sein eigener Autor, man ist in der digitalen Welt Sender, wie auch Empfänger. Die Menschen werden dadurch mehr Freiheiten erlangen, wie es euphorisch bei Beginn des  Arabischen Frühling gepostet wurde. Heute muss man eingestehen, dass autoritäre Staaten die neuen Medien für ihre Interessen besser nützen, als die breite Masse. Beispiele dafür sind China, Sowjetunion oder Thailand.

Zum Kloster gehört eine Sternwarte, ein siebenstöckiger, mathematischer Bau aus dem 17. Jahrhundert. Wollten die Mönche durch astronomische Beobachtungen dem Himmel näherkommen? Die Erkenntnisse als Argument für Gottes schöpferischen Plan nützen?

Saturn

grund:einkommen II

Menschen, die sich ein komfortables Leben leisten wollen, werden sich trotz BGE eine Arbeitsstelle suchen müssen. Mir kommt vor, dass BGE ist eine Beruhigungspille der Politik, um die Wähler bei Laune zu halten. Wohl um davon abzulenken, dass viele Reformen die im Gespräch sind, nicht den gewünschten Erfolg bringen werden. Wir sollten zuallererst einen Ausgleich zwischen arm und reich und zwischen Entwicklungsstaaten und Wohlfahrtsstaaten schaffen. Wer derzeit reich oder in einer wohlhabenden Familie lebt, wird diesen Startvorteil auch in das Zeitalter des BGE mitnehmen.

Die Ursache, dass sich Chefs von internationalen Konzernen für ein Grundeinkommen einsetzen dürfte darin liegen, dass sie das Ende des Konsumrausches heraufdämmern sehen. Es muss einen neuen Anreiz geben, damit Menschen wieder mehr konsumieren. Eine breite Schicht von Menschen ist ob ihres geringen Einkommens als Konsumenten nicht relevant und andere Schichten verlieren ihr Interesse an den Gütern des Alltags. Gegen diesen Verfall gilt es etwas Neues zu erfinden, was einen größeren Effekt hat als große Werbeversprechen. Wie bei einem neuen Konsumschub Umweltbedürfnisse eingebunden oder berücksichtigt werden können bleibt im Dunkeln. Ich bin misstrauisch, steht in einer Broschüre der Satz: „Das BGE und die damit verbundene Änderung der Gesellschaftsordnung ist die Lösung für alle Gegenwarts- und Zukunftsfragen und der Beitrag zur Verhinderung der Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich“. Für mich ist eine solche Aussage einfach hochmütig.

Vielleicht kommt es zu einer Entflechtung von Verdienst und Erwerbsarbeit, wenn uns in naher Zukunft Künstliche Intelligenz viele Arbeiten, auch Denkleistungen abnehmen wird. Wird uns die KI mit Vorschlägen für unsere weitere Zukunft überraschen?

Über Jahrhunderte wurde im Buch der Bücher die Stelle bei Matthäus zu wenig beachtet: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie“? Mit den Thesen zum BGE hinken wir der Vision der Bibel um Jahrhunderte hinterher.