eu:brexit

Seit ein paar Jahren gibt es viel Wirbel um den Austritt Englands aus der Europäischen Union. Eines ist gewiss, auch in der Zukunft wird bei den meisten Konferenzen, sei es auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene, als Konferenzsprache Englisch verwendet. Unterhalten sich Personen aus verschiedenen Kontinenten, dann greift man zumeist auf die englische Sprache zurück. Ebenso bei der Kommunikation im Internet oder bei technischen Begriffen. Wie praktisch Englischkenntnisse sind, erfährt man beim Reisen oder wenn man von Touristen nach einer Auskunft gefragt wird. Zumeist wird man in Englisch angesprochen, ganz egal ob man sich im Montafon oder in der Provence aufhält. Die Vormachtstellung der englischen Sprache rührt meinerseits daher, dass die Seefahrernation England seit der frühen Neuzeit weltweit Handelsniederlassungen gegründet hat.

Dessen ungeachtet gibt es in manchen Provinzen von England einen Dialekt, den selbst in England nicht alle verstehen. Eine Englisch Dozentin der Volkshochschule führte als Vergleich den Dialekt vom Hochmontafon in Vorarlberg an. Wir sprechen alle Deutsch, aber der Dialekt vom Hochmontafon klingt für die übrigen Österreich wie eine Fremdsprache. Dazu ergab sich ein Disput mit der Dozentin, da ich mit einer Frau aus dem Hochmontafon zusammenlebe.  Die Frage von ihr war: „Wie es mir ergangen ist, als ich meine Partnerin kennen lernte, wie wir uns verständigt haben?“ Der Dozentin habe ich versichert, dass beim Kennenlernen die sprachliche Kommunikation nicht vorrangig ist, vieles erfolgt durch Augenkontakt und körperliche Gesten. Bewegungen mit den Gesichtsmuskeln bringen einander näher, als das Verstehen einzelner Sätze. Eine zärtliche Berührung auf der Schulter drückt mehr Zuneigung aus, als fünf Sätze im Montafonerdialekt.

DU – Wort

erd:beben

Das Erdbeben vom 6. Mai 1976, dessen Epizentrum in Friaul lag, war auch in Arnoldstein zu spüren. Ich erlebte das Erdbeben nicht als Rütteln, wie man es gemein hin annimmt, sondern wie einen starken Seegang. In der Wohnküche saß ich auf einem Stuhl beim Esstisch und plötzlich wurde der Stuhl von einer Welle erfasst und in die Höhe gehoben. Für einen Moment glaubte ich, ich würde mit dem Kopf am Plafond anstoßen, dann senkte sich der Stuhl wieder. Es war ein gespenstischer Moment. Erst dann, es war neun Uhr abends, vernahm ich ein Bersten und Knirschen und einzelne Dachziegel fielen vom Nachbarhaus auf die Straße. In Friaul starben bei dem Erdbeben fast tausende Menschen.

Wähle ich bei der Fahrt nach Gemona die Bundesstraße durch das Kanaltal, werde ich in Resiutta an meinen Autounfall vor zirka vierzig Jahren erinnert. Dem glücklichen Umstand, ein Dank an meine Schutzengel, dass ich am Lkw, der quer über die Fahrbahn zu stehen kam am Vorderreifen aufprallte, verdanke ich mein Leben. Wäre ich mit meinem Auto unter die Ladefläche geraten, hätte dies wahrscheinlich tödlich geendet. Nach dem Polizeiprozedere verließ ich unter Schock den Unfallort, überquerte die Bundesstraße und steuerte auf den Bahnhof vis a vis zu. Dort stieg ich in den nächsten Zug nach Kärnten ein. Nach dem Neubau der Bahnstrecke Tarvis/Udine wurde die aufgelassene Bahntrasse asphaltiert und dient den Radfahrern als Radweg. Im Herbst bin ich in voller Frische mit dem Fahrrad an meiner Unfallstelle vorbeigefahren.

Radlobby

mond:landung

Bei der Erinnerung an den Tag, wo erstmals ein Mensch die Mondoberfläche betreten hat, werden ältere Semester danach gefragt, wo und wie sie diese Mondlandung erlebt haben. Ob sie noch wissen, was sie in jenen Tagen der Mondmission gemacht haben und ob sie diese Mondlandung live im Fernsehen miterleben konnten. Ein Fernsehgerät im Haushalt war damals keine Selbstverständlichkeit, wenn, war es ein schwarzweis Gerät. Bei uns am Bergbauernhof gab es bis in die 80er Jahre keinen Fernseher. In diesem Jahr beendete ich meine Papier- und Buchhandelslehre beim Petz in Spittal an der Drau. Gut kann ich mich daran erinnern, dass in den Tagen der Apollo 11 Mission die Bild Zeitung am 21. Juli 1969 mit Farbbildern erschienen ist. Die Bild Zeitung nannte sich aus diesem Anlass „Mond-Zeitung“. Bis dahin gab es nur in den Illustrierten, wie Bunte oder Stern, Farbfotos. Die live Übertragung im Österreichischen Fernsehen wurde damals unter anderem von Dr. Hugo Portisch und Dr. Herbert Pichler kommentiert. Kurze Zeit später erschienen die ersten Bücher über die Mondlandung, eines von Dr. Herbert Pichler mit einem Vorwort von Wernher von Braun: Die Mondlandung, Der Menschheit größtes Abenteuer, Molden Verlag. Dieses Buch verkauften wir des öfteren in unserer Buchhandlung.

Aus sentimentalen Gründen habe ich im Internet recherchiert, ob dieses Buch noch antiquarisch erhältlich ist? Es wurde mehrmals angeboten und mein bestelltes Exemplar ist wie neu, erschienen 1969, 6. Erweiterte Auflage.

Astronaut

rudi:dutschke

Die Jahrzehnte seit den 60er Jahren waren reich an technischen Errungenschaften und politischen Ereignissen. Zumeist haben sich einzelne Ereignisse schicksalhaft ins eigene Leben eingeprägt, von denen man es sich nicht entgehen lassen will darüber nachzudenken. Nachzuspionieren, wo man zu diesem Zeitpunkt gewesen ist, was man an diesem sogenannten historischen Tag gemacht hat. Im persönlichen Leben gibt es Ereignisse, welche sich in das Gedächtnis eingeprägt haben, manches Mal Schicksal entscheidend, welche aber kein Gegenüber in der Weltgeschichte haben.

Vom Schuss Attentat auf Rudi Dutschke am 22.04.1968 war ich tief betroffen. Fernab von den Zentren der Studentenrevolution in Frankreich und in Deutschland verfolgte ich in der Kleinstadt Spittal an der Drau dank der Zeitschriften Twen, Konkret, Stern und Spiegel die Jugendproteste. Diese Zeitschriften wurden in der Buchhandlung Petz verkauft, teilweise auch deshalb, weil sie von mir beim Grossisten Morawa angefordert wurden. Ich trug lange Haare, soweit es damals mit der Arbeit als Verkäufer vereinbar und vom Chef geduldet wurde. Der Chef, ein begeisterter Reserveoffizier, der sich als Double vom General Mosche Dajan sah.

Dass ich so leibhaft an den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Geschehnissen teilhaben konnte, verdankte ich dem Tod der Trafikantin in der Bahnhofstraße und dem Umstand, dass es keine Nachfolgerin gab. Deshalb hat unsere Buchhandlung, welche  ein paar Häuser weiter gelegen war, den Verkauf der Zeitungen und Zeitschriften übernommen. Den Verkauf der Tabakwaren übernahm der Würstelbudenbetreiber vorm Bahnhof, ein Kriegsversehrter. Im 2. Weltkrieg wurde ihm nach einer Verletzung ein Bein amputiert. Für die Mittagspause, welche ich bei Schönwetter im Park vom Schloss Porcia verbrachte, konnte ich mir Zeitschriften ausborgen. So war ich über die sozialen und politischen Umwälzungen außerhalb von Kärnten informiert. Zu Hause gab es die Wochenzeitung Kärntner Bauer und den Raiffeisenboten. In diese Zeit fällt auch der Startschuss des Jugendsenders Ö3, bei deren Musik die Mutter Bedenken hatte, dieser „Lärm“ könnte das Eumig Radio kaputt machen.

68er

arbeits:welt

Um über die Zukunft der Arbeit nachzudenken gibt es vielerlei Anlässe. Es muss nicht der 1. Mai sein, wo man traditionell der Arbeiterschaft gedenkt. Es gehört zum guten Ton, dass in den Tageszeitungen, den Wochenzeitschriften und in Fernsehbeiträgen darüber spekuliert wird, wie die Zukunft der Arbeitswelt aussehen wird. Wir dürfen davon ausgehen, dass darüber kaum sichere Prognosen möglich sind.  Das einzig Konstruktive ist, man kann auf die letzten Jahrhunderte, aus eigener Erfahrung auf die letzten fünfzig oder vierzig Jahre zurückschauen. Dabei feststellen, wie sich der ehemalige Beruf oder Arbeitsplatz geändert hat. Nicht nur das Werkzeug für die Arbeitsvorgänge hat sich geändert, in den meisten Berufen gibt es ein mehr an technischer Unterstützung. Manche Aufgaben werden jetzt von Maschinen erledigt, viele Berufe und Arbeitsplätze hat es vor dreißig Jahren nicht gegeben. So in digitalen und elektronischen Bereichen. Ich stelle fest, dass der Fokus zu sehr auf den Maschinen und den Arbeitsplätzen liegt. Vergessen wird ob die Menschen, welche vor fünf Jahren oder in fünf Jahren in das Berufsleben einsteigen werden, sich dasselbe Berufsleben wünschen, wie wir es hatten. Ich sage einmal die Generation der fünfziger und sechziger Jahre. Für uns war es selbstverständlich, dass die Arbeit an erster Stelle stand, Pflichterfüllung. Wie haben uns bemüht, sich im Betrieb durch Fleiß und freiwillige Fortbildung hochzuarbeiten. Wechselte man nicht von sich aus der Firma, hatte man zumeist einen Arbeitsplatz und Job auf Lebenszeit.

Die Wünsche und Vorstellungen der heutigen Berufseinsteiger gehen in eine andere Richtung. Sie wollen sich bei der Arbeit entfalten und ein mehr an Freizeit haben. Sie arbeiten so viel, wie sie brauchen, um ihre Hobbys und die Freizeit zu finanzieren. Sie wollen sich amüsieren, auf einem Altstadtfest, am Strand oder beim Reisen in exotische Länder. Vieles Sehen und Erleben in kurzer Zeit.

Zeitenwandel