bus:reise II

Ein Gesprächsstoff zwischen Landsleuten auf der Uferpromenade ist die Frage, in welchem Hotel sind sie untergebracht ? Wie ist die Zimmerausstattung und die Speisenauswahl beim abendlichen Buffet. Darüber lässt sich gut raunzen und zumeist empfindet man, dass das nächste Hotel das Bessere gewesen wäre. Wie beim Buffet, trotz des Überflusses  glaubt man, dass der Tischnachbar die bessere Auswahl getroffen hat.

In Österreich hat es keine Seniorengeneration gegeben, der es so gut geht wie jetzt. Trotzdem hadern viele im fortgeschrittenen Alter, dass sie noch immer so vernünftig und pflichtbewusst sind. Zuerst wird an die Arbeit, wie die Instandhaltung des Kellers und an die Pflege des Gartens gedacht, erst dann an die  Entspannung. An das süße Leben, wie ein Buch zu lesen, an einen Kinobesuch, einen Cappucino zu trinken oder an eine Wanderung rund um den Falkertsee. Bei manchen Rentnerehepaaren übernehmen die Männer in der Pension die Arbeit im Gemüse- und Obstgarten. Verreisen ist dann möglich, wenn es die Arbeit im Garten zulässt. Wer übernimmt für die Zeit der Abwesenheit das Gießen vom Gemüse und der Blumen ? Die Schwiegersöhne und -töchter wollen von der Gartenarbeit nichts wissen, sie lassen sich gerne mit frischem Gemüse versorgen.

Beim Spaziergang durch die schmalen Altstadtgassen von Rovinj stolpere ich förmlich von einer Wechselstube zur anderen, zumeist werden dort noch zusätzlich Souvenir angeboten. An den stark frequentierten Plätzen dominieren die Kreditinstitute mit Marmorfassaden. Um alle Geldsorgen aus dem Weg zu räumen findet man bei jedem fünften Haus in der Innenstadt einen Bankomat. Oftmals ist der Bankomat in das Schaufenster eines Geschäftes oder in eine Hauseingangstüre integriert. Diese Besonderheiten sind für mich eine Einladung, um mit dem Smartphone einige Schnappschüsse zu machen. Kroatien ist seit sechs Jahren EU-Mitglied, hat aber noch seine eigene Währung, den Kuna.

bus:reise

Busreisen sind Kontaktbörsen von der feinen Art . Bei einem bunt zusammengewürfelten Haufen ergeben sich in den Pausen und bei den gemeinsamen Mahlzeiten im Hotel vielerlei Vernetzungen. Man hat es mit unterschiedlichen Reisenden zu tun, manche sind auf ihre Zweierbeziehung fixiert, andere Paare suchen das Gespräch mit den anderen Teilnehmern. Zwar nicht generell, aber ich beobachte, dass Seniorenehepaare nicht mehr so egozentriert sind und gerne den Austausch mit anderen suchen. Dazu gesellen sich ältere Damen, diese versuchen bei Mitreisenden anzudocken, weil sie die Unterhaltung suchen. Oftmals sind  sie verwitwet und verreisen, um sich in der Gruppe auszutauschen. Bei den jetzigen Senioren war der Mann bei der Eheschließung zumeist älter war als die Frau. Da die Männer generell eine kürze Lebenserwartung haben als die Frauen, gibt es eine beachtliche Zahl Alleinreisender Pensionistinnen. Zu den Anknüpfungspunkten beim Abendbuffett gehört die Frage, woher man kommt und was war die letzte Reise.

Bei einem Aufenthalt in Rovinj lernten wir im Hotel eine rüstige, ältere Dame kennen, die von erstaunlichen Reiseerlebnissen erzählte. Die Dame konnte sich an ihre Fahrten in das ehemalige Jugoslawien erinnern. Dies war in den 60er und 70er Jahren eine beliebte Reisedestination der Kärntner und Steirer. Wem Oberitalien zu teuer und zu überlaufen war, wich nach Jugoslawien aus. Der Komfort und das Service in den Unterkünften ließen zu jener Zeit zu wünschen übrig. Das Hotelpersonal war nicht besonders zuvorkommend. Nach Ostblockdevise was bringts  wenn ich engagiert bin, es gibt immer denselben Lohn. Den Kaffee hat die Dame zu Titoszeiten von daheim mitgenommen, weil der Jugo-Kaffee schmeckte ihr nicht. Bei einer Rundreise durch Rumänien, Ceausescu war noch an der Macht, gab es in den Restaurants bei einem Fischgericht nur ein hauchdünnes Rädchen Zitrone.

Erinnerung

foto:stopp

Hastig verläuft der Fotostopp bei den Bustouristen aus Fernost, ihnen stehen maximal zehn Minuten zur Verfügung. Vor zwei Monaten habe ich dies bei einer Stadtrundfahrt in Budapest, vor dem Parlamentsgebäude, beobachtet. Die noch kürzere Variante ist, dass der Busfahrer im Schritttempo an einer Sehenswürdigkeit vorbeifährt. Wer will kann sein Foto vom Bus aus machen. Für ein paar Minuten verlagert sich das gesamte Gewicht im Inneren des Busses auf eine Fensterseite. Befindet sich die Sehenswürdigkeit in der Nähe eines Kreisverkehrs, so besteht die Möglichkeit den Kreisverkehr zwei oder dreimal zu umrunden, bevor man ihn verlässt.Unlängst in Budapest erlebt, um einen zweiten und dritten Blick auf die Kettenbrücke zu werfen.

Bereits seit Jahrzehnten haben die Kartografen der Marko Polo Straßenkarten besondere Aussichtspunkte eigens markiert, damit die Touristen hier anhalten. Die schöne Landschaft genießen und die Seele baumeln lassen. Heute entwickeln sich diese Aussichtspunkte zu sogenannten Fotostopp. Zumeist handelt es sich um exponierte Stellen und die Parkmöglichkeit für Reisebusse ist beschränkt. So bleibt für jede Reisegruppe nur ein Minimum an Zeit, weil die nächsten Busse nähern sich schon dem Aussichtspunkt.

Beim Egger Marterl ist es mit der Stille vorbei, es treffen immer wieder neue Gäste ein. Die eine und andere Familie muss mit den Fotos warten, bis die fremden Kinder aus dem  besten Motiv verschwunden sind. Eine sportliche Frau in einem gelben T-Shirt kommt auf ihrem Fahrrad, rechts und links eine gelbe Fahrradtasche, beim Marterl an. Einen Moment glaube ich, dass es unsere Postbotin ist, um mir einen Expressbrief zuzustellen. „Nein, sie hat keine Post für mich“, antwortet sie auf meine Frage. „Sie sei keine Postlerin, wenn dies auch der erste Eindruck vermuten lässt“.

Verwechslung

egger:marterl II

Bald bin ich, den Blick auf den Faakersee und den Mittagskogel gerichtet, in diese kindliche Stimmung verfallen. Ich habe Mühe meine Augen zu öffnen, als am nahen Parkplatz ein Auto ankommt und die Autotüren zugeschlagen werden. Gleich werden von den Gästen Spekulationen laut, aus welcher Position man am besten das Egger Marterl, den Faakersee, den Mittagskogel und die Kinder auf ein Bild bannen kann? Für das Beste aller Fotos werden die Kinder zum Marterl gestellt, dann in ein Blumenbeet gesetzt, einmal mit der Mutti, dann wieder ohne Mutti und einmal vom Vater auf die Arme genommen. Dabei gilt es auf den Verkehr zu achten, auf der schmalen Straße nähert sich das nächste Fahrzeug für einen Fotostopp.

Das Fotografieren mit dem Handy ermöglicht es, den Aufenthalt bei landschaftlich schönen Aussichtspunkten oder Sehenswürdigkeiten zu verkürzen. Fotostopps ist das Zauberwort, mit dem heute bei Stadtrundfahrten angekündigt wird, dass für alle die Möglichkeit besteht den Reisebus für fünfzehn Minuten zu verlassen, um ein Foto zu schießen. Danach geht die Besichtigungstour mit dem Bus weiter. Viel Geschick ist notwendig um das Objekt auf das Handy zu bannen und dabei nicht unter die Räder des vorbeifließenden Verkehrs zu kommen. Nach Möglichkeit soll es nicht nur ein Foto vom Palast, der Burg oder des Domes sein, es soll ein Selfie sein. Der Beweis, dass man an Ort und Stelle war. Die weite Verbreitung des Smartphons erleichtert es, den Nächsten zu bitten, ob dieser ein Foto mit dem Dom im Hintergrund machen kann? Kaum jemand lehnt diese Bitte ab, fast jeder ist mit der Bedienung des Smartphone vertraut. Dies dürfte ein Beitrag des Smartphons zur Völkerverständigung sein. Das Geschehen am Egger Marterl ist ähnlich.

Wassertemperatur