bade:saison II

In den Strand- und Hallenbädern Kärntens war man bisher mit Verboten und Geboten sehr zurückhaltend. Es war fast alles erlaubt, solange es andere nicht störte oder gegen die Hygiene verstößt. Lei lossn, der heimliche Grundsatz in Kärnten. In diesem Sommer hat sich bei den Baderegeln und bei der Sichtbarkeit der Baderegeln einiges geändert. Im Land befinden sich eine erhebliche Anzahl von Flüchtlingen, die aus einem anderen Kulturkreis, mit anderen Badesitten kommen und kaum die deutsche Sprache beherrschen. Zusätzlich gibt es gesellschaftliche Auffassungsunterschiede was die Wahrnehmung  von leichter Badebekleidung betrifft. Dies betrifft die einheimischen Mädchen und Frauen, welche sich ganz selbstverständlich im Bikini oder im raffinierten Badeanzug zeigen, ohne das sie damit sexuelle Signale anstreben. Anders wird dies von den arabischen Migranten gesehen, die in der freizügigen Badebekleidung eine erotische Aufforderung sehen. Missverständnissen will man mit entsprechenden Piktogrammen entgegenwirken.

Wie dies klappen wird und ob die Regeln auch akzeptiert und eingehalten werden, wird man erst am Ende der diesjährigen Badesaison bewerten können. Eine andere Seite betrifft, wie die heimische Bevölkerung auf die Badeanzüge der Musliminnen, die Burkini, reagieren wird? Für Gesprächsstoff, hoffentlich nicht für Konfliktstoff, ist in dieser Badesaison gesorgt. Man wird an den Badeseen nicht nur über die Wasser- und Lufttemperatur reden.

Bikini & Burkini

bade:saison I

Als Kärntner hört man es gerne, nirgends in Österreich sei der Himmel so blau wie in Kärnten. Dieser Meinung schließt man sich freudig an und überprüft sie nicht lange. Wobei blau im Land noch eine weitere Bedeutung erhält. So verhalten wir uns auch in anderen Bereichen des Alltags. Wer ein Lob empfängt fragt nicht lange, ob dieses auch zu Recht zutrifft. Etwas skeptisch wird man, wenn das Lob von einer nicht besonders geschätzten Person kommt. Von jemanden, welche einen ansonsten nicht sehr schätzt. Da fragen wir nach, welche Absicht könnte dahinter stehen, dass sich plötzlich Abneigung in Lob äußert. Von zufriedenen Urlaubern kommt das meiste Lob für Kärnten. Nach einem schönen Urlaub, dies bedeutet zumeist mit der Unterkunft und der Verpflegung, aber auch mit dem Wetter war der Urlauber gut bedient. Beim Wetter spießt es sich manches Mal. Im Durchschnitt gibt es viele Sonnentage in Kärnten, mit dem stabilen Sommerwetter wie in Griechenland oder in Spanien ist das Wetter hierzulande nicht vergleichbar.

Die Fremdenverkehrsbetriebe haben im letzten Jahrzehnt massive Anstrengungen unternommen, um abseits von Schönwetter andere Unterhaltungsmöglichkeiten anzubieten. Hierzulande gibt es die vielen sprichwörtlichen Badeseen, wo Entspannung, Erholung und Unterhaltung garantiert sind. Der Kärntner Schmäh schafft es, auch zurückhaltende Gäste aus der Reserve zu locken. Die landschaftliche Mischung aus schroffen Bergen, sanften Almen, weitem Grünland und dazwischen die kristallklaren Seen schaffen optimale Urlaubsvoraussetzungen. In einem traditionellen Kärntnerlied heißt es: Der Hergott hot glocht, wia doas Kärntnlandl hot gmocht. Etwas von dieser göttlichen Heiterkeit findet sich auch im Gemüt eines jeden Kärntners.

Schatzale

hagel:sturm II

Am  Samstag, auf dem Weg zum Wochenmarkt, war ein Stück des Geh- und Fahrradweges Marxrain unpassierbar. Der Fallwind hatte entlang des Weges markante Bäume entwurzelt, zum Teil sind sie auf den Gehweg gestürzt, einige auf die darunterliegende Straße. Zusammen mit einem Stück Asphalt wurden sie entwurzelt. Vor diesen Naturgewalten weiche ich erschrocken zurück und vermerke mit Demut, dass das eigene Wohngebiet vom Hagel und den meisten Auswirkungen des Sturmes verschont geblieben ist. Überall parken die Firmenautos der Spengler und Dachdecker, der Glasermeister und Holzschlägerunternehmer. Auf einem Firmenauto steht: Nicht verzagen wir kommen schon, ein Glasbruch ist kein Beinbruch. Die Schäden sind diesmal um einiges größer als nur eine kaputte Fensterscheibe. Die Sturm- und Hagelschäden betreffen im Besonderen die Bauern und Gärtnereien, wo innerhalb von fünfzehn Minuten die Ernte eines ganzes Jahres zu Bruch gegangen ist.

Mancher Jugendlicher, der sich von seinem ersten selbstverdienten Geld ein Auto gekauft hat, steht jetzt vor einem zerbeulten Fahrzeug. Wer weiß, wie stark Jugendliche an ihrem Auto hängen, kann den gefühlsmäßigen Schaden erahnen, unabhängig vom finanziellen Schaden. Eine Kaskoversicherung haben die wenigsten und die Katastrophe hat Nothelfer angezogen. Auf den Parkplätzen der Einkaufszentren sieht man jetzt mobile Kfz-Werkstätten, die eine Dellensanierung anbieten. Die Autokennzeichen verweisen auf Flexibilität und dem geschäftlichen Riecher. Nach dem Motto: Was dem einen ein Schaden, ist mein Nutzen. Einige dieser mobilen Werkstattwägen kommen aus Wien und Tschechien um hier Geschäfte zu machen. Ein Mechaniker empfiehlt sich in Geduld zu fassen und sich nach ein paar Wochen an einen heimischen Betrieb zuwenden. Die mobilen KFZler würden aus der Not der anderen für sich eine Tugend machen und die Reparaturen zu überhöhten Preisen anbieten.

Bei einem Autoservice im November hat sich ein KFZ-Meister bei mir darüber beklagt, dass das Geschäft in der Werkstätte flau sei. Die Ursache sah er darin, dass es damals noch nicht geschneit hatte und es daher keine Unfälle gab, wie sie oft mit den ersten Schneefällen auftreten. Wobei es zumeist Blechschäden gibt. Die  Schneefälle waren bis dato ausgeblieben, sein Geschäft leidet darunter. Jetzt,  wo das Geschäft auf der Straße liegt, existiert sein Betrieb nicht mehr, er selbst ist seit einigen Jahren in Pension.

hagel:sturm I

Eine Woche nach dem Unwetter über weite Teile von Villach, Sturmwind mit Sturzregen und Hagelschauern, ist man überall dabei die Schäden zu beseitigen. Wie ein Grexit, haben der Aufruhr der Elemente den östlichen Stadtteil, die Ortschaften Magdalen und Wernberg, heimgesucht. An vielen Gebäuden sind das Dach und die Fensterscheiben kaputt, das Wasser ist in tieferliegende Häuser eingedrungen,die Sturzbäche konnten nicht mehr abfließen. Teilweise waren Unterführungen überschwemmt, Fuß- und Radwege, sowie Autostraßen durch entwurzelte Bäume unpassierbar. Dabei wurden bei zahllosen Autos die Heckscheiben und die Karosserie zerstört. Die tennisballgroßen Hagelschlosse fügten vielen Personen Platzwunden am Kopf oder Prellungen an den Schultern zu. So plötzlich wie der Hagel einsetzte, konnten sich die Menschen oftmals nicht in einen Hauseingang oder in ein Lokal retten.

Am Morgen danach sah ich in der Bahnhofstraße die Eishaufen der zusammengeschobenen Hagelschloten. An allen Ecken kontrollierten Dachdecker die Hausdächer und erneuerten zerbrochene Ziegel. Mitarbeiter vom Wirtschaftshof waren dabei die Gehsteige vom Laub und den Ästen freizumachen. An der Wetterseite sah man an den Hausfassaden Einschläge, als wäre auf die Fassade geschossen worden. Teilweise ganz gesprenkelt. Wobei die mit Mörtel verputzten Fassaden widerstandsfähiger waren, als die Wärme-gedämmten mit den porösen Styroporplatten. Die Jalousien mancher Ordination- und Büroraumfenstern waren zerknittert  wie ein Hemd. Bei der Fahrt durch die Italienerstraße sah ich im Innenhof einen umgestürzten Baum, welcher auf das benachbarte Stiegenhaus gestürzt war, dort die Scheiben zertrümmerte und die Fassade arg beschädigt hat.

Beim Trinken eines Aperolspritzer auf der Terrasse  vom Park Café wähne ich mich inmitten eines Holzschlages. Ständig brummt von irgendwo eine Motorsäge und ein Greiflader hievt Baumstämme und Äste auf einen Transporter. Im ganzen Gelände werden die, vom Sturm abgebrochenen Stämme und Äste, beseitigt. Auf der Terrasse ist es viel heller, weil in der Ecke die Bäume durch den Sturm beschädigt wurden und radikal gekürzt werden mussten. Es war furchterregend sagt die Serviererin, die Sitzmöbel im Freien mussten sie nach dem Sturm vom Hauptplatz holen. Zu Hause war das Dach kaputt und Wasser im Keller.

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