FASCHING:ade

Das österreichischen Fernsehen sendet Aufzeichnungen von Faschingssitzungen aus ganz Österreich, als Letzte heute die vom Villacher Fasching.  Kaum vertreten sind  die westlichen Bundesländer,Vorarlberg,Tirol und Salzburg. Die meisten Faschingsgilden gibt es in  Kärnten, Steiermark und dem Wiener Raum. Jeder  größere Ort in Kärnten hat seine eigene Gilde mit einem Prinzenpaar und einigen Faschingssitzungen. Zur Faschingsprinzessin oder zum Prinz gewählt zu werden ist eine hohe Auszeichnung. Personen, die in der  Öffentlichkeit bekannt sind hoffen, dass sie in einer Parodie der örtlichen Faschingssitzung vorkommen. Es kommt vor, dass manches Geheimnis plötzlich allen bekannt ist. 

Der Villacher Gildenkanzler bezeichnete Kärnten als die Narrenhochburg Österreichs. Viele Beiträge beschäftigen sich mit den politischen Vorkommnissen in Kärnten und diese sind bühnenreif. Manche Gags sind einfältig, die  Unfähigkeit im Alltag darüber zu sprechen, dann finden sich solche Situationen auf der Bühne wieder. Man  macht darüber einen Scherz und erntet dafür den meisten Applaus. Dabei geht es oft um alte Menschen, Frauen oder sogenannte Verrückte. Wer mit  einer heiklen Situation nicht zurechtkommt rettet sich in einen Witz und lacht lauthals.

Lei, lei.

HAUS:schlachtung

Nähert sich der Fasching dem Höhepunkt,  dann wird bei den Bauern im Gailtal für den Eigenbedarf ein Schwein geschlachtet. Es gibt am Faschingsdienstag einen Sauschädelschmaus. Schon Tage vorher ist unter den Hofleuten  eine Unruhe zu spüren, Geschäftigkeit macht sich bemerkbar. Der Haartrog wird auf seine Dichtheit überprüft, die Schlachtbank und der Dreifuß, wo das Schwein nach dem Schlachten zerteilt und aufgehängt wird, muss gesäubert werden. Das Pökelsalz, zum Konservieren des Specks, wird mit verschiedenen Gewürzen gemischt, die Wurstmaschine aus der Vorratskammer geholt. Am Schlachttag soll alles schnell von der Hand gehen.  Die Bäuerin sieht dem Tag mit gemischten Gefühlen entgegen, bedeutet es doch, dass eines der Schweine, dass sie seit dem Sommer gefüttert hat, abgestochen wird. Als  kleine Gutmachung wird das Schwein am Tag vorher mit einer extra Portion Mastfutter verwöhnt. Der Bauer betrachtet es nüchtern und freut sich auf seine Portion gerösteter Leber und die angebratenen Nierndln,  die er nach der Arbeit verspeisen wird. 

Am Schlachttag  wird zeitig am Morgen das Wasser im Futterkessel für die Enthaarung erhitzt. Im Schweinestall gilt es jeden Lärm zu vermeiden. Mit einem Schups wird das Schwein aus der Stallung gestoßen und mit dem Schussapparat getötet, zum Ausbluten mit dem Messer gestochen. Das Blut fängt meistens der Jüngste in einem Reindling auf und es wird später zu einer Blutsuppe und Blutwurst verkocht. Nach dem Enthaaren wird die Sau am Dreifuß aufgehängt und ausgeweidet. In der Nähe lauern die Hofkatzen und warten darauf,  dass  für sie etwas abfällt. Auch die  Hühner sind auf Futtersuche und  picken alles auf, was zu Boden fällt. Für das Zerteilen und Weiterverarbeiten braucht es viele Helfer,  es dauert bis in die Abendstunden und manches wird erst in den nächsten Tagen gemacht. Das Fleisch wird in Portionen aufgeteilt,  für Schnitzel,  Schweinsbraten und Gulasch und in der Tiefkühltruhe eingefroren. Besondere  Achtsamkeit wird auf die Stücke gelegt, die zum Speckselchen vorbereitet werden. Diese werden mit der Pökelsalzmischung  eingerieben. Das Einbeizen wird in der nächsten Zeit mehrmals wiederholt. Im ganzen Haus riecht es nach frischen, rohen Fleisch. Die Innereien kommen in den folgenden Tagen auf den Mittagstisch. Der Schweinskopf wird ausgekocht und aus dem Sud eine Sulze angesetzt und für die Jause mit Essig,  Öl und Zwiebel abgesäuert. Die Gedärme werden gesäubert und sind als Wursthaut verwendbar. Bevor man sie über die Wurstmaschine stülpt, werden sie vom Bauern „aufgeblasen“. 

Auf einer Kunstausstellung konnte ich in einem Video sehen, wie der amerikanischen Aktionskünstler Bruce Neumann einen Darm aufbläst,  als wollte er beim Wursten helfen.

Der Sauschädel.

HANDY:läuten

Das Handyläuten kann in einer Menschenansammlung wie die Explosion eines Böllers wirken, einen Schock auslösen. Klingelt das Handy, blicken die Menschen einander betroffen in die Gesichter, fragen sich bei wem, und tasten ihre Kleider ab. Menschen, die im Ruheraum eines Bades vor sich hindösen, fahren wie eine Rakete hoch und beginnen das Handy in der Badetasche zu suchen. Während einer Busreise klingelt immer irgendwo ein Handy. Kritisch werden die Personen beäugt, bei denen kein Handy klingelt. Man hält diese für soziale Außenseiter, für Einzelgänger. 

Bei einer Wanderung mit mehreren Personen auf die Klagenfurter Hütte stellte eine Teilnehmerin nach einiger Zeit fest, dass sie ihr Handy im Auto vergessen hatte. Es stellte sich heraus, dass niemand in der Gruppe ein Handy bei sich hatte. Mit Mühe konnte sie davon abgehalten werden umzukehren, um ihr Handy aus dem Auto zu holen. Sie wollte nicht einsehen, dass ein schneller Abstieg und Aufstieg das größere Risiko darstellte, als wenn wir gemeinsam, ohne Handy, unterwegs sind. 

Risikobereitschaft.

RAD:tour

Bei einer Radtour habe ich mir am späten Vormittag in einem kleinen Nahversorgerladen eine Semmel mit Gailtaler Rohwurst gekauft. Dazu eine Packung Steinofenbrotschnitten und eine Flasche Holunderblütensirup, den man 1:6 mit Wasser verdünnen kann. Auf die Frage der Kassiererin: „Ob ich eine Tragtasche brauche“, habe ich kurz und bündig gesagt: „Danke, ich bin mit dem Auto da“, und mich sofort verbessert, „mit dem Fahrrad“. Die Kauffrau hat mir dann einen Tipp gegeben: „Beim Seespitz ist eine Wiese mit Sitzgelegenheiten, der ideale Platz um meine Jause zu verzehren.“ Einem Touristen hilft man gerne weiter. Ich bevorzuge die Bank unter der Linde, vor der St. Georgskirche in Faak. Diesmal wurde die Rast durch die Klänge einer Orgelprobe ergänzt. Im Sommer finden in der Kirche Orgelkonzerte statt.

Bei der Weiterfahrt sehe ich, wie durch neue Eigentumswohnanlagen die letzten freien Blicke auf den See verbaut werden. Die Preise für eine Wohnung kann sich kein Ortsansässiger leisten. Ich radle auf das Wellnesshotel mit Restaurant zu, dort ist eine Verwandte Geschäftsführerin. Es wäre der ideale Zeitpunkt für eine Mahlzeit gewesen. Ich wollte die Verwandte in meinem Outfit nicht erschrecken, ein bunt zusammengewürfeltes „Radlergwandl“. Der Kellner hätte mich wahrscheinlich von der Seeterrasse verwiesen, obwohl ich meine Bestellung hätte bezahlen können.

Der Radweg führt rund um den See, beim Event Campingplatz spielen die „Ursprungbuam“ aus dem Zillertal zum Tanz. Das Zelt ist gut gefüllt, viele Pärchen sind auf der Tanzfläche. Ob Jung oder Alt, alle singen und klatschen mit und gehen mit einem fröhlichen Gesicht auf das WC. Die Bedienung hat alle Hände voll zu tun um die Bestellungen von Bier, Sommerspritzer und Almdudler zu erfüllen. Manche essen dazu eine Bratwurst oder einen Laugenbrezel. Die Musik spielt den Schlager: „Am Himmel stehen tausend Sterne über meinem schönen Land Tirol…“ und die Besucher klatschen eifrig mit. Bei diesem Anblick frage ich mich, ob ich mit meinen Texten und Gedichten etwas falsch gemacht habe. Vielleicht sollte ich lustigere Texte schreiben, wie: „Trinkt Bier, denn im Himmel gibt es nur Milch“, oder „Mutterherz wie groß ist deine Liebe“ usw.  Dann hätte man mich wieder für eine Lesung zum bunten Mütternachmittag eingeladen. Meine Gedichte waren letztes Jahr zu ernst, die Gedichte würden gerade mal zwanzig Prozent verstehen, der Rest will sie nicht hören.

Absage.