HANDY:läuten

Das Handyläuten kann in einer Menschenansammlung wie die Explosion eines Böllers wirken, einen Schock auslösen. Klingelt das Handy, blicken die Menschen einander betroffen in die Gesichter, fragen sich bei wem, und tasten ihre Kleider ab. Menschen, die im Ruheraum eines Bades vor sich hindösen, fahren wie eine Rakete hoch und beginnen das Handy in der Badetasche zu suchen. Während einer Busreise klingelt immer irgendwo ein Handy. Kritisch werden die Personen beäugt, bei denen kein Handy klingelt. Man hält diese für soziale Außenseiter, für Einzelgänger. 

Bei einer Wanderung mit mehreren Personen auf die Klagenfurter Hütte stellte eine Teilnehmerin nach einiger Zeit fest, dass sie ihr Handy im Auto vergessen hatte. Es stellte sich heraus, dass niemand in der Gruppe ein Handy bei sich hatte. Mit Mühe konnte sie davon abgehalten werden umzukehren, um ihr Handy aus dem Auto zu holen. Sie wollte nicht einsehen, dass ein schneller Abstieg und Aufstieg das größere Risiko darstellte, als wenn wir gemeinsam, ohne Handy, unterwegs sind. 

Risikobereitschaft.

RAD:tour

Bei einer Radtour habe ich mir am späten Vormittag in einem kleinen Nahversorgerladen eine Semmel mit Gailtaler Rohwurst gekauft. Dazu eine Packung Steinofenbrotschnitten und eine Flasche Holunderblütensirup, den man 1:6 mit Wasser verdünnen kann. Auf die Frage der Kassiererin: „Ob ich eine Tragtasche brauche“, habe ich kurz und bündig gesagt: „Danke, ich bin mit dem Auto da“, und mich sofort verbessert, „mit dem Fahrrad“. Die Kauffrau hat mir dann einen Tipp gegeben: „Beim Seespitz ist eine Wiese mit Sitzgelegenheiten, der ideale Platz um meine Jause zu verzehren.“ Einem Touristen hilft man gerne weiter. Ich bevorzuge die Bank unter der Linde, vor der St. Georgskirche in Faak. Diesmal wurde die Rast durch die Klänge einer Orgelprobe ergänzt. Im Sommer finden in der Kirche Orgelkonzerte statt.

Bei der Weiterfahrt sehe ich, wie durch neue Eigentumswohnanlagen die letzten freien Blicke auf den See verbaut werden. Die Preise für eine Wohnung kann sich kein Ortsansässiger leisten. Ich radle auf das Wellnesshotel mit Restaurant zu, dort ist eine Verwandte Geschäftsführerin. Es wäre der ideale Zeitpunkt für eine Mahlzeit gewesen. Ich wollte die Verwandte in meinem Outfit nicht erschrecken, ein bunt zusammengewürfeltes „Radlergwandl“. Der Kellner hätte mich wahrscheinlich von der Seeterrasse verwiesen, obwohl ich meine Bestellung hätte bezahlen können.

Der Radweg führt rund um den See, beim Event Campingplatz spielen die „Ursprungbuam“ aus dem Zillertal zum Tanz. Das Zelt ist gut gefüllt, viele Pärchen sind auf der Tanzfläche. Ob Jung oder Alt, alle singen und klatschen mit und gehen mit einem fröhlichen Gesicht auf das WC. Die Bedienung hat alle Hände voll zu tun um die Bestellungen von Bier, Sommerspritzer und Almdudler zu erfüllen. Manche essen dazu eine Bratwurst oder einen Laugenbrezel. Die Musik spielt den Schlager: „Am Himmel stehen tausend Sterne über meinem schönen Land Tirol…“ und die Besucher klatschen eifrig mit. Bei diesem Anblick frage ich mich, ob ich mit meinen Texten und Gedichten etwas falsch gemacht habe. Vielleicht sollte ich lustigere Texte schreiben, wie: „Trinkt Bier, denn im Himmel gibt es nur Milch“, oder „Mutterherz wie groß ist deine Liebe“ usw.  Dann hätte man mich wieder für eine Lesung zum bunten Mütternachmittag eingeladen. Meine Gedichte waren letztes Jahr zu ernst, die Gedichte würden gerade mal zwanzig Prozent verstehen, der Rest will sie nicht hören.

Absage.

STEIN:hart

Der Radweg R2 rund um den Ossiachersee ist ohne größere Anstrengungen zu befahren. Er verläuft in der Nähe des Seeufers. Die Badestrände sind belegt. Die schönsten Blumen wachsen entlang der Bahnstrecke in den Farben gelb, blau, violett und rosarot. Diese Blumen übertreffen den künstlichen Blumenschmuck auf den öffentlichen Plätzen und den Balkonen der Hotels. In Steindorf fährt man am „Steinhaus” vorbei, welches der Architekt Günther Domenig als sein Lebenskunstwerk errichtet hat. Das Haus liegt am Ufer, als hätte ein Riese vom Gipfel der Gerlitzen Steinblöcke und Steinquader zum See geschleudert, die sich hier aufgetürmt haben. Es ist ein Gebilde aus Beton, Glas, Stahl und steht für Workshop und Konzerte offen. Der Platz vor dem Eingang ist aufgebrochen, unter den hochgehobenen Steinblöcken quellen Seeschlangen in Chrom hervor. Ein Steg führt von den Wohnbunkern zum Strand. Vor dem Steinhaus hat eine Riesenspinne aus der Urzeit Rost angesetzt. Am Radweg steht eine Tafel, Erlebnispark vom Berg zum See: „Weltarchitektur-Das Steinhaus“. Am nächsten Parkplatz gibt es eine Übersichtstafel von den touristischen Einrichtungen der Region, mit Nummern versehen. Ein Auszug: Nr.6-Heidialm; Nr.8–Golfplatz; Nr.36–Reiterhof; Nr.37–Flugplatz ; Nr.44–Das Steinhaus; Nr.57– Forellenstation usw.

Während der ersten Bauphasen wurde das Steinhaus aus den Ansichtskarten wegretuschiert.

Kärntner Brettljause.

MITTAGS:kogel

Der Mittagskogel ist ein drei geteilter Berg, weil im Gesichtsfeld ein Hochspannungsmast steht. Der Felsen glüht, wenn die Abendsonne scheint. Die Sonnenstrahlen werden schwächer, zuerst rötlichgrau, dann nur mehr grau. Die hellgrauen Wolken türmen sich auf, dazwischen hellschwarze. Die Blitze zerteilen sich und hüpfen von einer Wolke zur nächsten, wie Schlangen. Am Berghang beginnt  ein heller Fleck zu leuchten und dann schießen Flammen in die Höhe, immer höher. Das Wetterleuchten entlang der Berggipfel nimmt kein Ende. Rot leuchtet die Reklameschrift vom Elektromarkt und vom Einkaufscenter. Die Flammen brechen in sich zusammen. An vielen Ecken schießen die Blitze zur Erde, der Wind tobt.

Blitzgewitter.