drei:drei:drei

Der jährliche Hausball im Gasthof Wedam war in der Waldsiedlung ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Masken waren erwünscht.Unter Maskierung verstand man in den 70er und 80er Jahren nicht ein paar dekorative Accessoire, sondern Gummimasken mit dem dazu passenden Kostüm. Die meiste Wirkung wurde erzielt, wenn man sich zu einer Gruppe von Cowboys, Sträflingen oder Löwen zusammenschloss. Beliebt waren auch Figuren aus Grimms Märchen, Hexen, Zauberer und Prinzessinnen. Damit hatte man eine Chance für die originellste Maskerade einen Preis zu erlangen. Bis zur Maskenprämierung um Mitternacht versuchte man unerkannt zu bleiben und sich nicht durch Sprechen oder Gesten zu verraten. Das Tanzen mit der Maskerade war eine schweißtreibende Angelegenheit. Für einige Überraschungseffekte sorgte nach der Prämierung der originellsten Masken, die Demaskierung. Erst jetzt erkannte man, mit wem man sich über die Tanzfläche bewegt oder einen Drink an der Bar genossen hatte. Beim Hausball konnte man erstmals den selbstgemachten Heringssalat von der Wirtin, Frau Wedam, genießen. Dieser trug das Prädikat nach Omas Rezept zu Recht.

Wer sein Faschingskostüm nicht selbst nähen wollte, für den gab es einen privaten Kostümverleih in Draschitz. Eine Witwe nähte über Jahre Kostüme und besorgte sich die dazu passenden Masken und Perücken. Mit dem Erlös aus dem Verleih konnte sie ein bisschen die Rente aufbessern.

Böse Wolf

drei:drei

Verschiedene Berufsgruppen, Rechtsanwälte, Ärzte, Hoteliers, Kaufleute, Haushälterinnen und Pfarrerinnen laden in Kärnten zu einem Faschingsball ein. Findet dieses Event im Kongresszentrum, im Musikvereinssaal oder im Casino Velden statt, dann können sie damit rechnen, dass in der ORF Sendung Kärnten Heute kurze Ausschnitte vom Ball gezeigt werden. Immer seltener werden die Hausbälle, zu denen früher die Wirtshäuser in den Dörfern eingeladen haben. Das Gasthaus und die Wirtsleute waren eine Identifikation für einen Ortsteil. In der Waldsiedlung bei Arnoldstein, war dies das Gasthaus Wedam. Hier trafen sich die Schichtarbeiter der BBU zu einem Schwatz, vor und nach der Schicht. Am Wochenende gesellten sich auch die Frauen aus der Siedlung dazu.

Die gute Seele des Gasthauses war die Wirtin, Frau Wedam, eine etwas korpulente Frau. Ausgleichend in ihrer Art, die allen zugehört hat. War an Wochentagen, nachmittags oder abends nicht viel Betrieb, so hat man sie in der Gaststube beim Stricken angetroffen. Das Gasthaus war auch Treffpunkt für die Mitglieder und Zuschauer vom FC Waldsiedlung und dem Eisschützenverein Waldsiedlung. Ganz in der Nähe befand sich der Fußballplatz, von den Einheimischen wurde es Zeckenstadion genannt. Die Attraktion im Winter war die Eisstockbahn am Parkplatz vor dem Gasthaus. Nach den Fußballspielen oder dem Eisstockschießen hat sich alles in der Wirtsstube getroffen. Zu der Zeit durfte man in den Gasträumen noch Rauchen, es gab keine Raucherabteile oder Rauchverbot. Die BBUler waren bekennende Raucher, zumeist Zigaretten ohne Filter. Austria C oder Dreier, wer es sich leisten konnte rauchte Smart oder Marlboro. Die Nichtraucher waren dazumal in den Wirtshäusern die Minderheit. Bei größerem Platzbedarf konnte die Wirtsstube um einen Raum erweitert werden.

Strickweste

drei:

Die Frühjahrsmonate sind reich an verschiedenen Festen, Bräuchen und Vorsätzen. Es ist ein auf und ab von Feiern und Fasten. In Kärnten regiert zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Wochen der Fasching, zumeist der verordnete Fasching. In vielen Orten gibt es Faschingsgilden mit einem Prinzenpaar und zur Belustigung der Bewohner Faschingssitzungen. Dabei werden der Bürgermeister, ein Vereinsobmann, Kaufleute oder sonstige auffällige Personen auf die Schaufel genommen. Einigen Faschingsgilden im ländlichen Bereich eilt der Ruf voraus, ihre Faschingssitzungen seien besonders bissig. Meistens wirkt das unprofessionelle viel komischer, als die professionellen Gags der Villacher Faschingsgilde.

In Arnoldstein sorgt die Traditionsmusik der BBU für gute Laune, unter dem Motto Drei-Drei. In einer Faschingsperiode war ich, in einem Frage- und Antwortspiel, Inhalt einer Parodie. Bei der Aufnahme wurde mir vorgetäuscht, das Gespräch sei für eine Projektarbeit der HTL. Nach dem Interview wurden die Fragen ausgetauscht und so ein komischer Effekt erzielt. Nach der ersten Fasching Sitzung habe ich von dieser Parodie erfahren. Flugs habe ich mir Karten für die zweite Sitzung besorgt und bin mit Bekannten erwartungsvoll im Kulturhaus Gailitz gesessen. Nach einem humorvollen ersten Teil und einer Pause, habe ich gespannt auf die Parodie gewartet. Einige Frage- und Antwortspiele von anderen Personen wurden gesendet, bis zuletzt habe ich auf meinen Auftritt gehofft, vergebens. Ich war ein wenig enttäuscht. Eine Besucherin der dritten Sitzung hat mir erzählt, dass die Parodie wieder gesendet wurde. Aus informierten Kreisen habe ich erfahren, dass wegen meiner Anwesenheit bei der zweiten Sitzung der Beitrag nicht gesendet wurde, schade. Der Obmann der Faschingsgilde hat mir erklärt, es war ein technischer Defekt?

Sendeausfall

schlitten:fahren

Auf dem Bauernhof bekamen wir Buben an einem Weihnachtsabend gemeinsam einen Schlitten. Diesen hatte der benachbarte Lech`n Tischler angefertigt. Die Eisenbänder für die Schlittenkufen besorgte sich der Vater in der Schlosserei des Heraklithwerkes in Ferndorf. In Politzen gab es in den 60er Jahren keine asphaltierte Straße, nur einen geschotterten Güterweg. Es war reichlich Schnee und der Güterweg wurde weder gesalzen noch gestreut. Der Weg führte bergab, er war die ideale Rodelbahn. Nur zwei bis dreimal am Tag fuhr ein Auto, wenn, ein VW Käfer. Außer dem Güterweg gab es noch einen Hohlweg, welcher nicht mehr benützt wurde. Der Hohlweg, der steil bergab ging und  vereist war, war für das Rodeln eine Herausforderung.

Einen besonderen Spaß hatten wir, wenn mehrere Rodel einen Zug bildeten. Man lag bäuchlings auf dem Schlitten und hackte mit den Füßen am nachfolgenden Schlitten ein. So bildete man einen Zug, mit einer Lokomotive und mehreren Waggons. Die schwierigste Aufgabe hatte der Lokführer, dieser lenkte. Schaffte er eine Kurve nicht, riss er alle Waggons mit in den Abgrund. Es war jedes Mal ein Höllenritt. Wir hatten keinerlei Schutzbekleidung, trugen auch keinen Helm. Kein Elternteil würde heute ihrem Kind erlauben diesen Hohlweg zu benützen. Der beste Schutz für uns war der viele Schnee. Prellungen, Hautabschürfungen oder ein verstauchter Finger waren kein Grund am nächsten Tag dem Hohlweg fernzubleiben.

Kurvenreich