PISTEN:raupe

Nach den ersten Schneefällen wird in den Skigebieten eifrig an der Präparierung der Skipisten gearbeitet, die Schneekanonen werden zum Einsatz gebracht, um die Abfahrten zusätzlich künstlich zu beschneien, obwohl vieles durch den Föneinbruch fraglich geworden ist. Blicke ich abends aus dem Fester sehe ich in der Ferne die Lichter der Pistenraupe den Berg hinauf- und herunterfahren. Es gilt den Schnee neu zu verteilen, den Naturschnee mit dem Kunstschnee zu vermengen. Am Wochenende werden die Skihungrigen die Pisten stürmen. Diese wollen unter ihren Skiern einen weichen, griffigen Schnee spüren, keinen harten, eisigen Kunstschnee. Vieles hängt vom Geschick des Pistenraupenfahrers ab, wie die Schneeverhältnisse sein werden. Eine  gute Präparierung der Skipiste entscheidet oft über  den Verbleib der Wintergäste.

Was in unseren Breiten die gepflegte Skiabfahrt im Winter ist, dass ist im Sommer an der oberen Adria der feine Sandstrand. Bei Einbruch der Dunkelheit gleiten die Scheinwerfer der Sandraupe über den Strand. Mit einem, der Schneeraupe ähnlichen Gefährt wird der Sand durchpflügt und gelockert, um am nächsten Tag den Badegästen optimale Liegeplätze zu bieten. Verstummen die Geräusche der Strandraupe, kann man das Rauschen des Meeres hören. Es begleitet einen in den Schlaf.

Muscheln.

WELT:meister

Lokale Berühmtheit hat der Ort im Montafon dieses Jahr dadurch erhalten, dass hier die Spanische Fußballnationalmannschaft vor der Fußballweltmeisterschaft trainiert hat. Besonders stolz ist man darauf, seit die Spanier Weltmeister geworden sind. So erwartet man für diesen Herbst noch einmal den Besuch der Nationalmannschaft. Ein historischer Renner, der sich seit Jahrzehnten vermarkten lässt, war der Besuch des Schriftsteller Ernest Hemingway in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhundert. Werbemäßig werden sich dagegen die Trainingswochen der spanischen Nationalmannschaft als kurzlebig erweisen. Viele wissen nicht mehr, wer der vorletzte oder vorvorletzte Fußballweltmeister war.

Bei der Haltestelle in der Battloggstraße sitzen auf einer Bank drei Burschen und ein Mädchen. Ein Bursche und ein Mädchen rauchen, die zwei anderen Burschen spucken in kurzen Abständen auf den Boden. Das Mädchen, als Höllenmagier gekleidet, gepierct und tätowiert liest den anderen ein Schreiben vom AMS vor und wirft es dann in den Papierkorb. Der Zug fährt ab.

Krauthobel.

SCHNEE:palmen

Es gibt kein verrückteres, zeitloseres, ergiebigeres Thema als über das Wetter zu sprechen und zu schreiben. Es vergeht kein Jahr, wo man nicht sagt, das Wetter spielt verrückt. So ärgern sich jetzt viele Leute darüber, dass das Italientief nicht abzieht. Die einen sprechen davon, dass jüngere Forschungen eine neue Eiszeit prophezeien, einen Ganzjahreswinter. Zurzeit ist durch die Banken- und die Wirtschaftskrise, die Arbeitsplatzverluste, das Thema der Klimaerwärmung, des Klimawandels, völlig aus den Nachrichten und aus den Tageszeitungen verschwunden. Bei einer Wetterperiode, wo es im Gasteinertal täglich leicht schneit, glaubt niemand  an die Klimaerwärmung. Daran, dass in einigen Jahrzehnten, stimmen die Forschungen, es Schneesicherheit nur in einer Meereshöhe ab zweitausend Meter geben wird. Man sagt voraus, dass Ende dieses Jahrhunderts, in den Alpentälern Palmen wachsen werden. Den Hobbygärtnern kommt dies gerade recht, so erübrigt sich die mühselige Arbeit, die Palmen über den Winter in das Haus zu stellen. 

Einen Vorgeschmack auf diese Zeit bieten die Skiorte im Gasteinertal an. Sie laden zum Ende der Skisaison zu einer Party unter dem Motto: „Palmen auf den Almen“, ein. Man versucht mit dem Aufstellen von Kübelpalmen im Freien, die Stimmung von Schnee und Sand, zu vereinen. Tropen und Alpen auf einen Fleck. Es könnte sein, dass der Schnee einmal fehlen wird und die Palmen von selbst wachsen werden, dann braucht es um die Palmen Kunstschnee. 

Der Zeit voraus. 

 

SCHNEE:ade

Viele Menschen fürchten sich vor den Folgen des Winters. Die ergiebigen Schneefälle sind eine Belastung für die Dächer und in den alpinen Tälern hat die Lawinengefahr zugenommen. Manche Orte oder Talschaften sind durch die Schneefälle der letzten Tage unerreichbar. In der Stromversorgung kommt es zu Ausfällen durch unterbrochene Stromleitungen, verursacht von umgestürzten Bäumen. Für die Autofahrer sind manche Wintereinbrüche Chaostage, und nicht immer bleibt die Fahrt unfallfrei. Betrachtet man in unseren Breiten den Winter, den Schneefall, die Minustemperaturen als ein Muss, so kann man dies bei einer Fahrt nach Venedig auch anders erleben. Schon vor Undine gibt es im Tal keinen Schnee mehr und Ende Februar sind hier die Äcker und Wiesen grün. Bis hier her reicht der starke Arm des Winters nicht, seine Kraft wurde schon vorher gebrochen. In Venedig sind die Tische vor den Pizzerias gedeckt, und viele sitzen bei Sonnenschein im Freien. Hier genießen die Menschen das Leben auch ohne Schnee.

 

Ein Gleichnis auf das menschliche Leben. Oft glaubt man, dass man sich dem Einfluss, der Macht, eines anderen Menschen nicht entziehen kann. Man nimmt seine Ausbrüche, die Unbilden als gegeben hin. Vielfach braucht es nur einen Ortswechsel oder einen Blickwechsel und man erkennt, dass es auch ohne die Unbilden geht. Man muss nicht alles als gegeben hinnehmen.

 

Lebensgenuss.