glück:selig

„Glückselig leben will jedermann, lieber Bruder Gallio, aber was zu einem glückseligen Leben gehöre, das ist den meisten unklar oder verborgen.“ So leitet Seneca seine Betrachtungen,Vom glückseligen Leben, ein. Wahrscheinlich haben die Gelehrten über kaum etwas anderes sich so den Kopf zerbrochen, als wie kann der Mensch glücklich sein. Zahllose Varianten kommen dabei in das Spiel, Reichtum, Ansehen, Erfolg, Gesundheit, eine große Liebe, brave Kinder, eine lustvolle Arbeit und jeder wird für sich einige Attribute hinzufügen können. Bekannt sind die drei Wünsche, welche einem eine gute Fee erfüllen könnte. Wenige werden an Eigenschaften wie innere Ruhe, Ausgeglichenheit, Frieden oder Bedürfnislosigkeit denken. Vielleicht ist man bei diesen Zuständen dem glückseligen Leben näher, als bei anderen Wünschen.

Der Wunsch nach Gesundheit steht bei den meisten Personen ganz vorne. Als gewöhnlich Sterblicher kann man sich ein glückliches Leben ohne Gesundheit nicht vorstellen. Wo verläuft die Grenze zwischen gesund und krank und sind kranke Menschen vorneweg zum Unglücklichsein verdammt? Zum Anderem reden Durchschnittsgesunde leicht über den Zustand von Wohlbefinden und geben den Kranken gut gemeinte Ratschläge. Was sie alles für die Gesundheit machen können, überhaupt seien ihre Beschwerde nicht so schlimm. Dabei vergessen wir leicht, wie ärgerlich es ist, wenn für eine kurze Zeitspanne der verletzte Daumen nicht voll funktionsfähig ist. Diesen Zustand betrachten wir bei uns als ein großes Unglück. Zumeist verlangen wir von anderen, dass sie mehr an Unbilden ertragen, als wir selbst.

Atemübung

ruhe:kissen

Mit dem Schuleintritt beginnt der geregelte Schlaf, schlafen erfolgt im Auftrag der Schule. Für einen guten Lernerfolg braucht es genügend Nachtruhe und so kommt es zu fixen Schlafenszeiten. Um acht Uhr abends in das Bett zu gehen war für mich  kein Problem. Vor dem Abendessen half ich bei der Fütterung der Kühe. Die vielen Unterhaltungsmöglichkeiten wie heute, Fernsehen, Video, Handy und andere digitale Medien, gab es in meiner Kinderstube nicht. Der neue Tag begann sehr früh, mich erwartete ein einstündiger Marsch in die Schule.

In der Internatszeit wurde die Nachtruhe durch die Hausordnung geregelt. Vor dem Schlafengehen gab es eine Abendandacht, nach dem Aufstehen die Morgenandacht. Dabei gab es die  Möglichkeit, vor einer schriftlichen oder mündlichen Prüfung in Latein oder Mathematik, in das Morgengebet die Bitte um eine gute Note einzufügen. Zwischen Abendgebet und Morgengebet herrschte Silentium. Der Präfekt hat mir mit Augenzwinkern angeraten die Brille auch nachts zu tragen, sonst könnte ich nicht sehen was ich träume. In der vierten Unterstufe warteten wir ungeduldig auf das Verlöschen des Lichtes im Schlafsaal. Jene, die wach blieben, lauschten den Gutenachtgeschichten unseres Vielleser Emmerich.  Er war ein begeisterter Karl May Anhänger und erzählte uns im Flüsterton die Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand.

Steht man mitten im Berufsleben ist ausreichender Schlaf wichtig, um den Anforderungen zu genügen. Sind die Jahre des glücklichen Schlafes vorbei, das Goldene Schlafzeitalter? Während der steilen Wirtschaftsphase hatte man zumeist keine Sorgen um den Arbeitsplatz. Man konnte annehmen, dass der Arbeitsplatz die nächsten Jahre gesichert ist. Dieses Ruhekissen zerbröselte mit der Jahrtausendwende. Abgesehen vom Arbeitsplatz gab es immer schon Probleme mit dem Partner, um die Kinder oder den Hausbau, welche einem den Schlaf rauben konnten. Es gibt eine Unzahl von Möglichkeiten die den Schlaf stören können, Krankheit, Schicksalsschläge, Verkehrs- und Freizeitunfälle. Wahrscheinlich sind die Schlafstörungen, über deren Ursachen man nichts Genaues weiß, von denen man überfallen wird, die Schlimmsten. Es ist aussichtslos sie zu vertreiben, zuweilen der falsche Ansatz, sie gehören zum Leben dazu. Man sollte sie, obwohl sie einem die Nachtruhe rauben, wie liebe Begleiter begrüßen. Diejenigen haben den erholsamsten Schlaf, welche kaum oder nicht darüber sprechen.

Morgenröte

schlaf:zyklus

Ein zweischneidiges Thema sind die Schlafgewohnheiten. Das Gerede über das Schlafverhalten beginnt schon im Babyalter. Die frischgebackene Mutter wird von den Bekannten nach den Schlafgewohnheiten des Neugeborenen gefragt. Bald schon ist man bemüht dem Baby einen Schlafzyklus zu verordnen. Zu unstabil ist der Zyklus in den ersten Monaten, irgendetwas lässt das Babys zumeist nicht schlafen. Einmal ist es in der Umgebung zu laut, zu warm oder zu hell. Kleine Beschwerden machen sich im Körper bemerkbar, vom Bauch bis zu den Ohren. Wer nächstens, wenn das Neugeborene zum Greinen anfängt nachsieht, ist von Familie zu Familie verschieden. Zumeist ist es die Mama, die vom Muttergefühl die stärkste Bindung zum Kind hat. Bald versucht man das Kleinkind soweit zu sozialisieren, dass es nachts durchschläft. Die Schlafphasen tagsüber werden zurückgeschraubt. Hat man seinen Schlafrhythmus gefunden, kommt der Moment, wo man bewusst wahrnimmt, dass es Nacht wird. Die Finsternis als Bedrohung erkennt. Dies kann ein Grund dafür sein, dass man sich gegen das Einschlafen wehrt, sich beim Einschlafen mit einem Lichtschein sicherer fühlt.

Fürchtet man sich vor dem Einschlafen, kann dem ein Ereignis vorausgegangen sein, ein Trauma würde man heute sagen. Während der Volksschulzeit vermisste ich den Hofhund nach einigen Tagen, auf meine Frage sagte man mir: „Er war sehr krank, jetzt ist er tot und lebt mit der vermissten Hauskatze und dem gestorbenen Hasen auf einem Bauernhof im Himmel“. In den nächsten Wochen sah ich abends beim Einschlafen den Hofhund die Zimmerwand entlanglaufen. Die Mutter ließ in dieser Zeit die Zimmertür ein wenig offen, damit vom Flur etwas Licht in das Zimmer fiel.

Türspalt

inte:gration II

Von den Hilfsorganisationen wird die moralische Hilfe eingemahnt, wenn ein Teil der Menschheit um das nackte Überleben kämpft. Die regelmäßigen Bettelbriefe von den NGOs werden zur emotionalen Belastung. Vielen von den Senioren fehlt die notwendige Distanz. Die Kleinspender  gestehen sich ein, dass sie bei der Linderung des Elends nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Ihnen ist nicht bewusst, dass viele Tropfen den heißen Stein kühlen können. Genießen sie ihren bescheidenen Wohlstand, müssen sie dafür kein schlechtes Gewissen haben.

Den Umtrieb mit dem schlechten Gewissen verstehen besonders die christlichen Gemeinschaften. Die Texte, Gebete und Gesänge während einer Messfeier sind eine Aneinanderreihung von Schuldeingeständnisse: „Ich bekenne vor Gott und den Mitbrüdern, dass ich böses getan und gutes unterlassen habe….“  Eine Zugabe gibt es zumeist in der Predigt. Darin wird vor Trug und Lug gewarnt und doch ist manches bei den handelnden Personen äußerer Schein. Nach der Lehre der katholischen Kirche sind wir allesamt als sündige Menschen geboren und ständig auf die Vergebung unserer Sünden angewiesen. Wir machen Fehler, bewusste und unbewusste, absichtliche und unabsichtliche, große und kleine. Aber sich dafür zu grämen sehe ich zu weit gegriffen. Grobe Verfehlungen gegen die Mitmenschen werden von Gesetzes wegen verfolgt.

Es mag paradox klingen, nicht nur die Hilfsbedürftigen, sondern auch gewisse Schichten bei den Hilfsbereiten haben Unterstützung nötig. Es ist nicht jedermanns Sache, nicht von sensiblen Menschen, mit dem Ungleichgewicht in der Welt zu Rande zu kommen.

Mea culpa