corona:virus

Eine der ersten Maßnahmen im Kurhotel, nach dem Einsetzen der Coronavirus- Medienschlacht war, die Selbstbedienung beim Frühstücks- und Salatbuffet einzustellen. Jedem Gast wurde ab sofort das Frühstück und zu Mittag die Suppe und der Salat serviert. Mein Gedanke war, dass die Einschränkungen beim Buffett deshalb gesetzt wurden, weil am Vorabend beim Bauernbuffett die Kurgäste kräftig zugelangt haben. Jetzt werden wir generell auf Reduktion gesetzt. Nichts kippt die Stimmung in einem Kurhotel so schnell, wie wenn die täglichen Speisen von minderer Qualität sind. Vieles entschuldigt man während eines Kuraufenthaltes, die anstrengenden Therapien, die kleinen Mängel in den Zimmern. Aber, wenn das Niveau der Verpflegung sinkt, dann sind sofort Kurgäste bei der Rezeption und lassen ihren Frust freien Lauf. Auch die Benützung des Schwimmbades wurde für fremde Personen gesperrt.

Die Information über die Schließung des Buffett lag morgens auf dem Tisch im Goiserer Stüberl. Ich schwankte zwischen Gelassenheit und Alarmismus. Ich überlegte, ob ich diese Einschränkungen meiner Lebensgefährtin zu Hause mitteilen oder verheimlichen sollte? Ich fragte ein paar weibliche Kurgäste, wie sie auf eine solche Nachricht reagieren würden? Die Meinungen gingen auseinander, es kommt auf den Frauentyp an, ob ein ängstlicher oder ein gelassener Typ. Eine stellte in den Raum, ob die Frau schon mit den Gedanken gespielt hat, wie sie mich loswerden könnte? Die Praktischen meinten, wie lange dauert es, bis die Frau mich mit dem Auto vom Kurhotel abholen könnte? Aus dem Tagebuch….

covid-19/12

corona:traum

Die Verbreitung des Coronavirus und die damit einhergehenden Einschränkungen und neuen Umgangsformen im Alltag schaffen eine ungewohnte Lebenssituation. Dazu kommt die intensive mediale Berichterstattung und es wundert mich nicht, dass es das eine und andermal dazu kommt, dass ich von einem Coronavirus bis in den Traum verfolgt werde.

Vor ein paar Tagen träumte ich, ich bin in einem Bierzelt bei einem Kirchtag mit vielen Besuchern. Mit Anfang Mai beginnen in Kärnten landauf und landab die Kirchweihfeste. Zusammen mit Bekannten und Dorfbewohnern sitze ich bei Musik und Tanz, bei Speis und Trank an einem Biertisch. Auf den Tischen liegen einfache Speise- und Getränkekarten, von Kellnerinnen und Kellner werden die Bestellungen aufgenommen und serviert. Zwischen den Tischen sind auch Personen in Schutzkleidung mit Mundschutzmasken unterwegs. Sie eilen von Tisch zu Tisch, von Person zu Person und bei jedem wird die Körpertemperatur gemessen und eine Speichelprobe genommen. Das medizinische Personal ist mit  Apparaten unterwegs, die einem mobilen Röntgenapparat ähnlich schauen. Wie beim Kieferröntgen muss ich das Kinn auf eine Stütze legen und mit der Stirn ganz nach vorne rücken. Das Gerät liest von der Stirn die Körpertemperatur ab und nimmt im Mund eine Speichelprobe.  Allerdings werde ich mehrmals, von jeweils einer anderen Person in Schutzkleidung, aufgefordert mich vermessen zu lassen. Der Hinweis, dass ich bereits getestet wurde, wird nicht akzeptiert. Der Hintergrund dafür ist, dass das Sanitätspersonal nach der Anzahl der durchgeführten Fiebermessungen  bezahlt wird.

covid-19/11

corona:impfstoff

Bei speziellen Artikeln des nichtalltäglichen Bedarfes, wie bei medizinischen Produkten und Medikamente zeigen sich Engpässe in der Versorgung. In verschiedenen Fabriken muss die Fertigung eingestellt werden, weil die Lieferkette aus dem fernen Osten unterbrochen ist. Jetzt melden sich lautstark die Schlaumeier, die immer schon gewusst haben, dass man es verabsäumt hat wichtige Güter, vor allem die Lebensmittelversorgung und Produkte des täglichen Bedarfes, sowie Artikel zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung, lokal in Europa zu produzieren.  Es sei ein Gebot der Stunde, die Produktion aus anderen Kontinenten nach Europa zu verlagern. Könnte ich die verschiedenen Aussagen dieser Schlaumeier ein paar Jahre zurückverfolgen, so gehören viele darunter zu jenen, welche massiv verlangt haben, dass es für den Handel keine Beschränkungen geben soll. Das Heil sei in der Globalisierung zu finden. Niemand von uns kann sich von den Vorteilen der Globalisierung ausschließen. Man müsste sich nur in der eigenen Wohnung umsehen. Die gebräuchlichsten Artikel, wie das Smartphone, der Fernseher, auch Bekleidung kommen aus dem Fernen Osten. Vor kurzer Zeit haben wir es noch geschätzt, wie günstig diese Produkte sind. Die eine und andere Träne verloren, weil bei uns durch die Auslagerung der Produktion zigtausende Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Dabei gab es den Trost, wir schaffen den Ausgleich an Arbeitsplätzen damit, dass wir neue Produkte entwickeln.

Ich bin gespannt, aus welcher Himmelsrichtung die ersten wirksamen Medikamente zur Behandlung des Coronavirus kommen und welche Nation zuerst den vorbeugenden Impfstoff entwickeln wird. Werden wir dann wieder alle guten Vorsätze über Bord werfen und die Herstellung der Corona Medikamente und des Impfstoffes dorthin auslagern, wo am billigsten produziert wird? Der Mensch lernt wenig aus Krisen und vergisst sie schnell.

covid-19/10

intervall:fasten II

Wer das Fasten mit dem Angenehmen verbinden will, fastet nicht zu Hause im stillen Kämmerlein, sondern verbringt bis zu drei Wochen in einem Kurheim. In der Fastenzeit werben auch verschiedene Klöster vermehrt um Kurgäste und bieten neben den körperlichen Effekten einen spirituellen Mehrwert an. So toll die meisten Gesundheithotel sind, den Geist Gottes können sie nicht auf den Therapieplan setzen. Diesen Vorsprung haben die Klöster. Die Auswahl an Gesundheithotels ist in Österreich groß. In allen Einrichtungen haben die Kurgäste denselben Wunsch, gesund zu bleiben und den Versuch das Leben zu verlängern. Wem trauen wir die wirkliche Macht über das Leben zu, dem Kurarzt oder den Marienschwestern und dem lieben Gott?

Die Verpflichtung zur Selbstoptimierung gibt es auch im Gesundheitsbereich. Dort wird vor allem an die Senioren gebetsmühlenartig appelliert, sich fit zu halten und zu trainieren. Wer von den Gerontologen hat schon am eigenen Leib gespürt, dass man an manchen Tagen einfach nicht mag. Beim Antrittsbesuch bei meinem neuen Hausarzt, der bisherige ist in den Ruhestand getreten, habe ich ihm erklärt: „Mein Wunsch ist ein erträgliches Leben, ich strebe nicht die Gesundheitswerte eines Vierzigjährigen an.“ Diese Aussage hat ihn kurz irritiert. Die Senioren kann man nicht alle über den Kamm scheren. Einige haben ein körperlich schweres Berufsleben hinter sich, andere fühlen sich für neue Herausforderungen gewappnet.

Die Landbevölkerung lebt nach dem Spruch, willst du ein langes und glückliches Leben führen, so stehe mit den Hühnern auf und gehe mit ihnen schlafen.

Hahnenschrei

intervall:fasten I

Die wichtigsten Vorsätze zu Jahresbeginn sind zumeist sich mehr zu bewegen, den Körper zu entschlacken und abzunehmen. Vor einigen Jahrzehnten war es der Vorsatz mit dem Rauchen aufzuhören, diesen Vorsatz hört man nur mehr selten. Jetzt wird das ganze Jahr über gegen die Raucher gewettert, es bedarf keiner persönlichen Vorsätze mehr. Als Raucher steht man unter argwöhnischer Beobachtung der Mitmenschen. Seitdem das Rauchen in allen öffentlichen Lokalen verboten ist, wird am Gehsteig vor den Lokalen geraucht, am Pranger. Manche Wirte haben zum Schutz der Privatsphäre für die Raucher kleine Container oder Zelte vor ihren Gaststätten aufgestellt. So sind die Raucher bei ihrem Geschäft vor den Blicken der vorbeihuschenden Menschen geschützt. In vielen Gesundheitszentren, wie in Bad Vigaun, gibt es am Rande vom Freigelände ein Raucherhüttl. Dort treffen sich die Raucher unter den Kurpatienten. Zumeist läuft zwischen ihnen der bessere Schmäh als in der Eingangshalle. Macht rauchen lustig?

Mit der Umsetzung des Vorsatzes Abzunehmen haben manche bis zum Ende der Faschingszeit gewartet. Am Aschermittwoch hat man beim Verzehr von einem Heringssalat noch einmal richtig gesündigt, um jetzt mit dem selbst gewählten Fastenprogramm zu starten. Die Auswahl an Diäten ist groß: Heil-, Basen-, Suppenfasten oder F.-X.-Mayr-Kur. Jedes Jahr kommen neue Fastenvorschläge dazu. Stark im Gespräch ist das Intervallfasten. Dabei, versprechen die Fastenbegleiter, verliert man nicht nur Gewicht, sondern es setzt auch eine Zellreinigung und -verjüngung ein. Wichtig ist, dass man über einen Zeitraum von sechzehn Stunden nichts isst. Dadurch wird der Reinigungsprozess, Autophagie, in Gang gesetzt. Das ganz große Versprechen ist, dass die vorzeitige Alterung der Zellen verzögert und dadurch das Leben verlängert wird.

Ausmisten