sinn:voll II

Differenzierter betrachtet man Operationen im lebenserhaltenden Bereich, wie bei Herzrhythmusstörungen, bei über achtzigjährigen Menschen. Bei Einsetzen von einem Herzschrittmacher oder bei neuen Herzklappen, gibt es auch die Frage, zahlt sich eine solche aufwendige Operation noch aus? Dabei kann man darüber, selbst unter denselben Altersgenossen, unterschiedliche Auffassungen antreffen. Die eine Meinung, eine solche Operation rentiert sich wirtschaftlich nicht mehr, da derjenige keine wirtschaftliche Leistung mehr erbringt. So kann er die Kosten der Operation nicht wieder wettmachen. Bei einem berufstätigen Menschen kann man davon ausgehen, dass die Kosten von ihm, durch sein Steueraufkommen, selbst bezahlt werden. Bei einem über Achtzigjährigen könnte es sein, dass er mit den neuen Herzklappen gerade noch einmal zwei oder drei Jahre lebt. War diese Operation dann sinnvoll und hat er sein Leben nicht schon gelebt? Sollte man von vornherein einen Gesundheitskanon festlegen, welche medizinischen Eingriffe ab einem bestimmten Lebensalter abzulehnen sind.

In den nächsten Jahrzehnten sollte nicht ein willkürlicher Lebensschnitt gemacht werden, weil wir es mit einer älter werdenden Gesellschaft zu tun haben werden.

Herzleid

sinn:voll I

War mein Leben sinnvoll, was macht es sinnvoll? Ist es noch nicht zu spät etwas Sinnvolles zu tun? Menschen in den fortgeschrittenen Jahren werden mit solchen und ähnlichen Fragen konfrontiert. Dabei gibt es keine Vorschriften, man kann kein Urteil darüber abgeben, ob das Leben eines Freundes, einer Freundin, einer Bekannten, eines Bekannten sinnvoll war.

Bestenfalls kann man über sein eigenes Leben urteilen, im weitesten Fall über verschiedene  mögliche Vorkommnisse oder Einschnitte spekulieren. Die meisten Ähnlichkeit wird es bei gesundheitlichen Belangen geben, hier betrifft es zumeist dieselben Beschwerden. Betrachten wir die Abnützungen bei den Knie- oder Hüftgelenken, ein weit verbreitetes Leiden der Generation sechzig plus. Die Kniegelenke sind bei Landfrauen durch verschiedene Arbeiten im Garten und in der Landwirtschaft stark abgenützt. Es gibt auch die typischen Handwerksberufe wie Fliesenleger oder Tischler, welche in den späteren Jahren unter den Abnützungen des Kniegelenkes leiden. Oft kommt von der körperlichen Statur her eine weitere Belastung dazu, zumeist ist man etwas Übergewichtig. Man kann eine Beobachtung machen, dass Ärzte oder Ärztinnen, welche selbst ein wenig füllig sind, in keinem Fall das Übergewicht als eine weitere Belastung für das Kniegelenk sehen. So stellt sich oft die Frage, ist es sinnvoll ein Kniegelenk durch ein Kunstgelenk zu ersetzen, mit welchen Möglichkeiten der Rehabilitation? Steht man in den letzten Arbeitsjahren vor der Pension, welche jetzt kontinuierlich angehoben werden, so gibt es darüber keine Diskussion. Manche sehen in der Verzögerung des Pensionsantritts eine Ähnlichkeit wie bei der Verlängerung der Spielzeit bei einem Fußballspiel. Die eine Mannschaft sieht in der Verlängerung nochmals eine Chance etwas an Toren aufzuholen, die andere Mannschaft kann die Verlängerung als eine Bedrohung sehen. Dabei könnten die errungenen Punkte wieder verloren gehen.

Torjäger

männer:fasten

Aufrufe zur Mäßigung und Verzicht sind schon lange nicht mehr eine Domäne der Religionen. Die Hotelerie hat den Mehrwert, sprich die zusätzlichen Umsatzmöglichkeiten in der Fastenzeit erkannt. In Vitalzeitschriften und in den Gesundheitsbeilagen der Tageszeitungen wird für Basenfasten, Heilfasten und andere Schlankheitskuren eifrig Werbung gemacht. Diese werden garniert mit Angeboten aus dem Wellnessbereich.  Versehen mit dem Hinweis, dass trotz Kalorienreduktion die Gaumenfreuden nicht zu kurz kommen. Zu sehr will man den wohlstandsverwöhnten Menschen nicht herausfordern, höchstens was die Kosten eines solchen Fastenurlaubs  anlangen. Mit ihren Angeboten stehen sie in Konkurrenz zu den Kurheimen und den Klöster, welche schon seit Jahrzehnten Fastenwochen anbieten und dabei auch den spirituellen Aspekt mit einbinden. Dabei wird der Versuch unternommen nicht nur den Körper von Schlacken zu reinigen, sondern auch die Gedanken vom geistigen Müll und Unrat zu entsorgen. Wir kämpfen heute nicht nur für eine reine Umwelt, sondern auch gegen eine geistige Umweltverschmutzung. Einige Kurhäuser haben sich auf Behandlungen nach Pfarrer Kneipp spezialisiert, welche die Wiederherstellung des seelischen Gleichgewichts miteinschließen. Neben den Anwendungen nach alten Weisheiten der Europäischen Medizin, fließen Behandlungen von östlicher Medizin, wie Ayurweda und Traditionelle Chinesische Medizin mit ein. Im Allgemeinen hat man die Erfahrung gemacht, dass Fasten und Verzichten in der Gruppe oder im Rahmen eines Kuraufenthalts leichter fällt, als wenn man es als Einzelperson durchführt.

Neben der Kurhotelerie lässt auch die Gastronomie und die Lebensmittelindustrie das Segment Fasten und Diät nicht aus ihrem Blickwinkel. Aktive Gastronomen bieten nicht nur rund um den Aschermittwoch Fastenspeisen an, in manchen Lokalen gibt es täglich ein Fastenmenü.  Passend dazu das alkoholfreie Fastenbier. Im Genussmittelhandel sind die fett- und kalorienreduzierten Lebensmittel schon lange kein Nischenprodukt mehr. Sie füllen im Supermarkt eigene Abteilungen. Auch das beliebte Coca Cola gibt es ohne Zucker, laut Werbung mit demselben Geschmack.

Wem dies alles noch zu wenig ist, der findet in den Fitnessstudios spezielle Coach, die ihren Teil zum Abnehmen und Schlankwerden beitragen. Vornehmlich zielt die Werbung dabei auf die weibliche Kundschaft. Im selben Atemzug gibt es die passenden, schlankmachenden Pillen aus der Apotheke. Bis zur Badesaison sind es nur mehr drei Monate. Von der Fastenzeit geht man nahtlos zu den Frühlingskuren, zum schnellen Abnehmen, über. Ich bin gespannt, welche neue Diät in diesem Frühjahr auftauchen wird. Mit einer einzigartigen Fastenidee überraschte uns eine Bekannte, sie werde in den nächsten Monaten Männerfasten. Nach einer unglücklichen Beziehung werde sie im nächsten Zeitraum die Männer keines Blickes würdigen.

Ausschweifungen

montag:fasten

Während der vierzig tägigen Fastenzeit wird von den Kirchenkanzeln viel über die Buße und das Fasten gepredigt. Wobei diese Botschaften nur einen sehr geringen Teil der Bevölkerung erreichen. Denke ich an den durchschnittlichen Kirchenbesuch, sonntags in Völkendorf, dann sind es etwa siebzig Menschen. Bei einer Bevölkerungszahl von etwa siebentausend, in den Stadtteilen Völkendorf, Judendorf und Warmbad, dann sind dies gerade ein Prozent der Einwohner. Mehr Gläubige finden sich zu den hohen kirchlichen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern in der Pfarrkirche ein. Gut besucht sind auch die Vorstellungsrunden der Erstkommunion- und der Firmungskinder. Zum überwiegenden Teil wohl deshalb, weil es für die Kinder und die Eltern Pflicht ist, daran teilzunehmen.

Den verlässlichen Kern der Kirchenbesucher bilden die Älteren, ich würde sagen die Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Heute denkt man beim Fasten nicht nur an den Verzicht bzw. die Reduktion von Speisen, man schließt auch den Verzicht auf Fernsehen, Internet und das Auto ein. Dafür gibt es neuerdings eigene Schlagworte wie, Autofasten oder Offline zu sein. Andere versuchen vierzig Tage lang keinen Alkohol zu trinken, den Kaffeegenuss zu reduzieren oder auf das Coca Cola zu verzichten. Naschkatzen probieren es mit weniger Süßigkeiten und Mehlspeisen. Auf der Gegenseite sollte man in dieser Zeit besonders spenden freudig und hilfsbereit gegenüber ärmeren Mitmenschen sein. Dies alles und noch mehr wird in den Sonntagspredigten zur Sprache gebracht. Wie weit man sich einschränken will und zu welcher Zeit, sollte jedem selbst überlassen-sein.

In den letzten Jahren haben sich diese Ermahnungen und Aufrufe gebetsmühlenartig  wiederholt. Etwas wurde bei den Sonntagsapellen, bewusst oder unbewusst, ver-schwiegen. Vom kirchlichen Gebot des Fastens sind Kinder, Kranke und Menschen über sechzig Jahre befreit. Diese Personengruppe macht den größten Teil der Messebesucher aus, nur der Prediger hat dies all die Jahre nicht erwähnt. Für die Unterstützer eines Missionsprojektes in Indien gab es in Villach einen Dankgottesdienst von einem indischen Priester. Er strahlte eine herzliche Fröhlichkeit aus und für mich überraschend verwies er in seiner Predigt darauf, dass vom Fastengebot oben genannte Personen ausgenommen sind. Dass man in der Fastenzeit auf Sex verzichten soll, habe ich von der Kanzel noch nie gehört. Vielleicht traut man den Senioren, den häufigsten Kirchenbesuchern, diesen nicht mehr zu und hält Sex im Alter für ein geschlossenes Buch.

Schaltjahr