herz:weh

In der Diskussion um die Flüchtlingsströme werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir alle dieselben Menschen sind. Auch weil es sich zum Teil um Menschen mit einer anderen Hautfarbe handelt. Durch ihre Adern fließt dasselbe rote Blut. In unserer aufgeklärten Welt ist dieses Wissen heute eine Selbstverständlichkeit. Die Vorstellungen von den Schwarzen oder Negern waren in meiner Kindheit, welche ich im Drautal verbracht habe, noch eine andere. Als Kind flößte mir jede dunkle Person Angst ein. Dazu wurden in den Bilderbüchern gruselige Geschichten von den Wilden im Urwald verbreitet. Am Bauernhof gab es den  Bauernkalender und den Reimmichlkalender, wo über die wilden Völker im tiefsten Afrika berichtet wurde. Diese würden Menschen skalpieren und verspeisen, salopp ausgedrückt, Menschenfresser. In der Lehrzeit habe ich den einen oder anderen Neger in Spittal an der Drau gesehen. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass das Blut der Neger rot sei, wo die Hautfarbe schwarz war.

Im Dezember 1967 kam die Nachricht aus Kapstadt, dass der Arzt Christian Barnard das Herz einer 25- jährigen Frau einem 54-jährigen Mann eingepflanzt hat. Ich weiß nicht, was bei mir die größere Verunsicherung ausgelöst hat, ein Herz zu verpflanzen oder, dass das Herz einer jungen Frau in der Brust eines alten Mannes schlägt? Im Herzen sah man dazumal den Sitz der menschlichen Gefühle, sein Wesen. In meiner Fantasie stellte ich mir vor, der Mann mit dem neuen Herzen fühlt und denkt jetzt ganz anders, so wie die verstorbene junge Frau. Stimmungen und Gefühlslage hat man zu dieser Zeit im Herzen angesiedelt. Wessen Gefühle trägt er nach der Transplantation, ist er noch er selbst?

Noch heute zweifle ich ob unsere Gefühle nur ein Produkt unseres Gehirns sind, gekoppelt an unser Wissen. Warum leiden viele Menschen unter Herzschmerzen, wenn sie eine Enttäuschung erleben oder einen geliebten Menschen durch den Tod verlieren. Es gibt Volksweisheiten die auf die besondere Stellung des Herzens hinweisen: Er hat sein Herz verschenkt oder er spricht mit dem Herzen. Er ist ein herzlicher Mensch oder er ist an gebrochenen Herzen gestorben.

Herzzentrum.

seh:test

Einen direkten Weg bestreiten Firmen mit dem Vertrieb ihrer Produkte, wenn sie Verkaufsveranstaltungen im Speisesaal von Seniorenheimen und Altersheimen abhalten. Hier braucht es keinen gratis Tagesteller. Nach einem kurzen pseudo medizinischen Vortrag geht es gleich zum Wesentlichen, dem Verkauf. Für die Bewohner wurde die Firma von der Heimleitung eingeladen, dann wird es seine Richtigkeit haben. Dazu gehören mobile Einsatzfahrzeuge für einen Seh- und Hörtest, welche vor den Seniorenresidenzen parken. Begonnen wird nach dem Mittagessen mit einem Vortrag über das verminderte Sehen und Hören im Alter. Danach besteht die Möglichkeit sein Seh- und Hörvermögen prüfen zu lassen. In Abständen von maximal fünf Minuten. Ein Schelm, wer zwischen dem Vortrag und der unverbindlichen Überprüfung von Aug und Ohr und dem Verkauf von einer Brille oder eines Hörgerätes einen Zusammenhang sieht.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist bei vielen das Hör- oder Sehvermögen etwas eingeschränkt, die wenigsten leben freiwillig in einem Seniorenheim. Durch diesen Test vor Ort könnte man sich den  lästigen Weg zu einem Ohr- oder einem Augenarzt ersparen. Das Heim zu verlassen ist zumeist mit einigem organisatorischem Aufwand und körperlicher Anstrengung  verbunden. Freiwillig zum Arzt geht man schon lange nicht mehr. Als Zuckerl gibt es zu jeder Bestellung eine Werbezeitschrift, da bestellt man lieber gleich, die meinen es ja nur gut mit uns.

Nix vastehn.

rheuma:decke

Können ältere Menschen von Verkäufern, welche Gesundheitspräparate und Gesundheitswäsche verkaufen, leichter beeinflusst werden als Jüngere? Bis zu welchem Alter soll ein Mensch für sich entscheiden, ob er dies wirklich braucht? Sollte man bei einer größeren Anschaffung jemanden beiziehen oder sich zumindest drei Tage lang Bedenkzeit ausbitten? Zumeist gibt es im Kaufvertrag eine gesetzliche Rücktrittsfrist. Von den Senioren, die wenig mit kaufmännischen und schriftlichen Dingen zu tun hatten, beschreitet kaum jemand diesen Weg. In den meisten Fällen lässt man sich vom Firmenschreiben, dass soundso hohe Stornogebühren anfallen werden, einschüchtern. Oder die Firma lehnt es von vornherein ab, die Bestellung zu stornieren. In den örtlichen Gasthäusern  finden mehrmals im Jahr Werbeveranstaltungen statt. Am Flugblatt wird in großer Schrift versprochen, dass jede teilnehmende Person gratis ein Wienerschnitzel mit Pommes und Salat bekommt. Unabhängig von jeder Bestellung. Nach dem Essen werden gesundheitsfördernde  und wärmende Unterwäsche für die kühlen Märztage präsentiert. Gleichzeitig bietet diese Unterwäsche einen Schutz vor Erkältung in der nassen Jahreszeit. Ergänzend dazu gibt es Rheuma lindernde Bettwäsche und -decken.

Vorher denken die Meisten, dass sie gegen die Tricks von Verkaufsprofis resistent sind. Sie wollen einfach ein wenig Zerstreuung und sich ein Mittagessen schenken lassen. Als ältere Person überschätzt man zumeist seine Widerstandskraft bei den Verkaufsshow. Mit ihrer Suggestionskraft bearbeiten die geschulten und aufdringlichen Verkäufer, zumeist zu zweit, ihre potenziellen Abnehmer. Geht Einem die Luft oder die Argumente aus, kann der Zweite weitermachen, ohne dass die Zuhörer Zeit haben über das Gesagte nachzudenken. Letztendlich sieht man die Schuld bei sich, wenn man sich in der nasskalten Jahreszeit erkältet. Hier bietet sich die Möglichkeit vorzubeugen und die wärmende Unterwäsche zu kaufen. Wer in den nächsten Wochen mit einer Erkältung im Bett liegt, ist selbst schuld.  Nochdazu stellt man fest, dass man keine Rheuma lindernde Bettwäsche hat. Um kein Risiko einzugehen greift man lieber etwas tiefer in die Geldtasche. Lieber gesund, als zu viel Geld in der Brieftasche. Im örtlichen Fachhandel wäre die Unterwäsche um einiges günstiger gewesen.

Hasenfell

kur:kuh II

Nach den Aussagen der Manager seien die Kuraufenthalte zu wenig effizient und nostalgisch. Diese Aufgaben könnten ebenso ambulante Gesundheitszentren übernehmen. Kuraufenthalte wären ein von der Allgemeinheit bezahlter Urlaub, aufgelockert durch Therapien. Alle,die schon einmal auf Kur waren wehren sich gegen diesen Vorwurf. Sie bestätigen, dass die Kur bei ihnen auf jeden Fall notwendig war. Anders am Nebentisch oder zwei Zimmer weiter, dort hätte es Patienten gegeben, welche jede freie Minute zwischen den Therapien genützt hätten um mit dem Mountainbike Berge wie den, Schmittenstein zu erklimmen. Zwischen Mittagsessen und Nachmittagstherapie  mit dem Fahrrad von Bad Vigaun nach Berchtesgarden geradelt wären. Während des Aufenthalt in der Kuranstalt ein Zweigbüro eingerichtet haben. Heute, zu Zeiten der mobilen Kommunikation, ein leichtes Unterfangen. Dies sind jene, welche beim Warten auf die nächste Therapie am Smartphone die neusten Email checken. Unter den Patienten findet sich auch eine Gruppe von Genussmenschen, welche abends ein Kasino oder Gourmetrestaurant besuchen. Darüber diskutieren, welche nahe gelegenen Sehenswürdigkeiten in der therapiefreien Zeit einen Besuch wert wären. In der Tiefgarage steht eine breite Palette der teuersten Autos, alles was die deutsche Autoindustrie an Prestigeautos anbietet. Treffen mehrerer Faktoren, wie ein starkes Genussleben und ein offensichtlicher Luxus bei der Mobilität zusammen,stellt sich die Frage, ist es sozial verträglich, dass diese Personengruppe auf Kassenkosten auf Kur geschickt wird? Wäre es nicht gerecht, dass diese Klientel die Kosten selbst trägt.

Eine breite Schicht von Kurgästen stöhnt über die Höhe ihres Selbstbehalt, je nach Einkommen. Zumeist sind in den Kurhäusern die Einzelzimmer mit einem Zuschlag behaftet. Es bedarf eines umgänglichen Menschentypus, verbringt man mit einem völlig fremden Menschen in einem Zweibettzimmer einen dreiwöchigen Kuraufenthalt. Keiner weiß etwas über die Vorlieben oder Gewohnheiten des Anderen, diese können den eigenen Lebensgewohnheiten ganz diametral entgegenstehen. Dabei kann Frust aufkommen, was dem Kurerfolg nicht dienlich ist. Allemal eine Überraschung ist, mit wem man zu den Mahlzeiten am Tisch sitzt. Es ist wie beim Lotto, es kann ein großer Treffer mit Zusatzzahl sein oder man kann leer ausgehen.

An schean Tog.