tage:gesund I

Bei den Villacher Gesundheitstagen 2017 gab es eine Fülle von Vorträgen wie: Volksleiden Gelenkschmerzen; Wasser ist Gesundheit; Zahnschmerz muss nicht sein; um nur einige zu nennen. Dazu zahlreiche Austeller aus der Gesundheitswelt. Diese waren so raffiniert platziert, dass, wollte man einen der kostenlosen Vorträge besuchen, man sich an allen Ausstellern vorbei wurschteln musste. Im Ausstellerschlauch konnte man den Augen der Verkäufer nicht entgehen. Bei den meisten Infoständen, sei es das Rotes Kreuz, bei dem Stand für Hör- und Sehtest, beim Stand von der Hauskrankenhilfe und den Seniorenheimen, dem Kneippverein und den Gesundheitsliegen, überall fanden sich gut platzierte Lockartikel zum Zugreifen: Traubenzucker, Bonbons, Kugelschreiber und Torten.

Auffallend war, dass die Torten am Rotkreuzstand kaum Abnehmer gefunden haben. Meines Erachtens hatte der aktuelle ORF Schwerpunkt „Süße Verführung“ einiges bewirkt. Mit diesem Infoschwerpunkt wollte der ORF auf die Gefahren von zu viel Zucker bei der Nahrungsaufnahme hinweisen. Vor allem darüber informieren, wo in den Lebensmitteln überall Zucker enthalten ist. Bei Zucker denken die meisten an den Zucker pur, eventuell an den Zucker in Limonaden, Eis oder Süßspeisen. Wer weiß schon, dass in vielen Wurstwaren, Gewürzen und Teigwaren Zusätze von Zucker enthalten sind? Kaum jemand traute sich öffentlich eine Mehlspeise zu nehmen. Selbst eingefleischte Tortenfans lehnten in dieser Woche das Angebot einer Mehlspeise entrüstet ab. Sie sahen dies als eine Konfrontation mit dem Bösen, ähnlich einem Gleichnis in der Bibel.  Dabei versuchte der Teufel Jesus nach vierzig Fastentagen mit Leibspeisen, Gold und Ländereien zu verführen. Jesus lehnte alles kategorisch ab und verjagt den Teufel mit dem Ausruf: Weiche von mir Satan.

Nach Auskunft eines Konditors ist der Tortenabsatz in der Zeit des ORF Schwerpunktes, Süße Verführung, seiner Beobachtung nach um dreißig Prozent zurückgegangen. Vor allem Pensionisten lehnten nach Bestellung eines Cappuccinos die Frage nach einer Mehlspeise strikt ab. Bei den Senioren stehen Fernsehdokumentationen zur Gesundheit und zur gesunden Ernährung hoch im Kurs. Darüber wird dann bei einem Kaffeekränzchen oder beim Gedächtnistraining viel diskutiert. Selbst im Kreis der Gesundheitsapostelinnen fragt man sich, was darf und was soll man essen, ohne gesundheitliche Schäden zu riskieren? So wird unser reichliches Nahrungsangebot, um das uns zwei Drittel der Menschheit beneiden, zum Problem.

Sachertorte

warte:zimmer II

Ich will die Wartezeit nicht vergeuden, sondern sinnvoll gestalten, etwas Nützliches für andere oder für mich tun. Mich nicht dem Gerede über die Krankheiten anschließen, in diesem Fall über die Todesarten. Wie bei einem die Krankheit verläuft, wenn sie auch denselben Sammelbegriff hat, wie Husten, Gallensteine oder Gastritis, ist unterschiedlich. Es gibt viele Grautöne und bei jedem können sich die Beschwerden anders auswirken. Wir sprechen alle von dem einem Sterben, so wird das Sterben, denke ich, ganz verschieden sein. Jede Krankheit ist etwas individuelles, so ist auch der Tod etwas Individuelles. Martin Luther wird der Satz zugeordnet: Wenn er morgen sterben müsste, würde er noch heute einen Apfelbaum pflanzen. Heuer, im Lutherjahr wurde definitiv erklärt, dieser Ausspruch stamme keinesfalls von Luther.

In diesem Zusammenhang darf man sich nicht wundern, dass Menschen die sich im Wartezimmer des Sensenmannes befinden, manches Mal die Geduld verlieren. Sei es bei einem Projekt welches sie beginnen möchten oder wenn sie wegen ihrer Erfahrung zu einem Projekt eingeladen werden. Aus ihrer Erfahrung und ihrem Wissen heraus, nicht aus ihrer Kraft heraus, sehen sie, dass für manche Details keine Zeit vorhanden ist. Die nebensächlichen Details möchten sie gerne überspringen. Einerlei ob man Zeit seines Lebens oft oder eher selten in einem Wartezimmer eines Allgemeinmediziners gesessen ist, dem letzten Wartezimmer entgeht niemand. Es gibt keinen Umweg. Die Dankbarkeit gehört dafür, dass man in das Sprechzimmer des Todes nicht gestoßen wird, sondern langsam darauf zugeht.

Tag der offenen Tür

warte:zimmer I

Alles kann schön geredet werden, solange man nicht unmittelbar mit dem Ende des irdischen Lebens konfrontiert wird. Obwohl man sich nach den Statistiken der Lebensversicherer oder der Pensionsarithmetiker der magischen Zahl, in ihrem Vokabular heißt es, der durchschnittlichen Lebenserwartung, nähert. Die menschliche Vernunft sagt, dass es kein ewiges Leben gibt, wenn wir über das Leben reden. Poetisch umschrieben sitzt man ab einem bestimmten Alter im Wartezimmer des Todes, kann dieses auch noch so luxuriös ausgestattet sein. Eine Vielzahl an Annehmlichkeiten bietet, vergleichbar einem Wellnesshotel, wo man rund um die Uhr bewirtet und sich die feinsten Ganzkörperbehandlungen angedeihen lassen kann. Wer sich fit fühlt, kann im Thermalbad selbst seine Schwimmrunden hinlegen. Durch irgendeine Spalte dringt der Geruch des Todes in den Wellnesstempel und vermengt sich mit dem Duft des Körperöls Jasmin. Da wir wissen, welche Fülle an Grabbeigaben chinesische Herrscher und ägyptische Pharaonen erhalten haben, gehen wir heute vergleichsweise nackt in das Jenseits.

Menschlich betrachtet oder braucht es menschlichen Mut, sitze ich seit der Pensionierung im Wartezimmer eines honorigen Herrn. Andere würden sagen im Vorraum des Knochenmannes. Angemeldet bin ich, ich weiß nur nicht wann ich aufgerufen werde. Jedes Mal wenn die Tür aufgeht, könnte ich gerufen werden. Im Wartezimmer möchte ich mich nicht mit den verschiedenen Krankheiten beschäftigen, welche zum Tod führen. Aus dem Alltag weiß man um das Gerede in den Vorzimmern, die sich nach Facharzt verschieden um eine spezielle Körperstelle oder Organ drehen. Beim Kardiologen um das Herz, beim Orthopäden um das Hüftgelenk, beim Internisten um die Leber. Zumeist wird von den Beschwerden gesprochen, selten fällt das Wort, das Organ ist genesen.

Bad Vigaun

buch:freude I

Noch heute weiß ich genau, welches Buch mir die Eltern als erstes geschenkt haben. Es war das Buch: „Götter, Gräber und Gelehrte“, von C.W.Ceram, Roman der Archäologie, erschienen im Rowohlt Verlag. Der Preis steht jetzt noch auf der Innenseite vom rückwärtigen Buchdeckel, es hat Schilling 158,40 gekostet. Erstmals im Jahre 1949 erschienen, wurde es bis 1962  über 1,3 Millionen Mal verkauft. Ein Longseller der fünfziger und sechziger Jahre. Das Buch ist immer noch lieferbar, in einer Neubearbeitung und hat bis jetzt eine Auflage von über fünf Millionen Stück erreicht. Dieses Buch war eine Empfehlung meines Lateinprofessors, welcher uns spannende Begebenheiten aus der römischen und griechischen Geschichte erzählt hat. Diese Erzählungen während der Lateinstunde waren viel spannender als der übliche Geschichtsunterricht. Der Professor war einige Jahre als Archäologe im Vorderen Orient tätig.

„Die Verbesserung von Mitteleuropa“, ein Roman von Oswald Wiener,1969 im Rowohlt Verlag erschienen, war das erste Buch, welches ich mir von meinem selbstverdienten Gehalt kaufte. Es erscien in einer Auflage von dreitausend Stück. Es führte zwar das Wort „Roman“ im Titel, ist aber alles andere als ein Roman. Es ist eine Textcollage, eine Mischung aus Computerwissenschaft, Sprachexperimenten und Existenzphilosophie. Oswald Wiener entwirft darin, lange vor allen technischen Entwicklungen, ein Bild des Cyberspace und der Virtualität. Die Ausrichtung des Individuums erfolgt durch die Anwendung der Kybernetik. Der Preis, Schilling 53,60, steht auf der Innenseite vom rückwärtigen Einband. In den fünfziger und sechziger Jahren war es bei den Buchhändlern üblich, dass der Preis und das Einkaufsjahr mit Bleistift auf die Innenseite des rückwärtigen Buchdeckels geschrieben wurde.

Chaostheorie.