sprech:zimmer II

Zum Großteil sind die Wartezimmer der Ärzte heute weitläufiger und einladender geworden. Es ist möglich sich darin wohl zufühlen und mit dem nächsten Patienten keine Tuchfühlung, gemeint ist Körperkontakt, zu haben. In manchen städtischen Gemeinschaftspraxen habe ich den Eindruck, es handelt sich dabei um die Rezeption eines Innenstadthotels. Das verhaltene Benehmen der anwesenden Personen zerstreut diesen Gedanken sofort. Damit verbunden ist oftmals der Geruch von Ungewissheit und Angst, statt frischer Raumluft. Dem gegenzusteuern stehen in  vielen Arztpraxen Blumen und Palmen. Auf den Couchtischen liegen aktuelle und saubere Zeitungen und Illustrierte auf. Für quirlige Kinder gibt es eine Spielecke und die Erwachsenen finden bei der Anmeldung eine Schale mit Zuckerln vor. Für die Begleitpersonen sind diese eine willkommene Erfrischung, weil die Patienten sind zumeist auf ihre Beschwerden fixiert und mit ihren Gedanken im Sprechzimmer beim Arzt. Der Griff danach, da nicht Patient, kann mit einer Pointe verbunden sein. Die Frage an die Sprechstundenhilfe richten: „Muss man  für den Genuss von einem Hustenbonbon auch die Ecard  (elektronischer Krankenschein) bereitstellen. Zählt der Genuss eines Hustenbonbons als Arztbesuch und wie wird diese Leistung von der Krankenkasse vergütet?

Rätselhaft ist mir, dass der Begriff Sprechzimmer und Sprechstunde immer noch gebräuchlich ist. Aufgrund der limitierten Kassenvergütungen und der ungeduldig  wartenden Patienten kann das Sprechzimmer nicht als solches bezeichnet werden. Was gesprochen wird ist ein kurzes Statement vom Arzt zur Diagnose oder der Hinweis auf eine Überweisung zu einer weiteren Untersuchung, zumeist der technischen Art. Ähnlich verhält es sich mit der Formulierung Sprechstunde. Von Seiten der Sprechstundenhilfe wird zumeist darauf bestanden, dass der Patient ihr die Beschwerden schildert, wohl um den Aufenthalt beim Arzt abzukürzen. Von den Begriffen Sprechzimmer, Sprechstunde und Sprechstundenhilfe kommt der Begriff Sprechstundenhilfe  dem Inhalt  und der Alltagspraxis am Nächsten.

Grippezeit.

sprech:zimmer I

Nicht immer strahlten die Wartezimmer der Ärzte eine Atmosphäre aus, wo man sich wohl fühlen konnte. Dabei machte es keinen Unterschied, ob es sich um eine Landarztpraxis oder eine Facharztpraxis in der Stadt handelte. Einstmals legte man auf die Ausgestaltung der Wartezimmer keinen besonderen Wert. Die Wände waren beklebt mit verschiedenen Informationen zu Krankheiten und der Aufforderung zu einer Vorsorge Impfung. Zumeist sah man den ausgehängten Plakaten ihr langes Dasein an. Die Sessel zeigten deutliche Spuren, welche die vielen Patienten hinterlassen hatten. In der Innenstadt handelte es sich oft um Räume mit einem Fenster in den verlassenen Innenhof und die Stühle standen am Gang. Beliebt waren dazumal bei den Fachärzten die sogenannten Wartenummern. Schon früh morgens, ab sechs Uhr, suchte man das Wartezimmer des Facharztes auf und zog eine Nummer. Irgendwo stand ein Hinweis, bei welcher Nummer der Arzt am vorherigen Tag mit der Ordination aufgehört hatte. So konnte man sich ein Bild verschaffen, wie lang die Warteschlange vor einem ist.

Mit dem Frühzug fuhr die Mutter mit mir von Politzen nach Villach, um schnurstracks beim Augenarzt auf den Hauptplatz eine Nummer zu ziehen. Danach erledigte die Mutter verschiedene Einkäufe. Vis a vis gab es das Kaufhaus Warmuth, mit seinem breitgefächerten Sortiment, von der Bekleidung bis zu den Haushaltsgeräten. In der Nähe befanden sich der Eisenhof sowie die Samenhandlung Streit. Im Schaufenster der Buchhandlung Pfanzelt am Unteren Kirchenplatz sah ich Bücher, die ich mir wünschte. Vom zu vielem Lesen hat mir die Schulärztin abgeraten, da ich schon als Kind eine Brille brauchte. Die Ursache dafür sah sie im zu vielen Lesen. Am späten Vormittag eilten wir in die Augenarztpraxis, um auf den Aufruf unserer Nummer zu warten.

Der Nächste.

kur:himmel II

Einen anderen Aspekt hat der Reha Aufenthalt. Dabei versucht man mit den Patienten nach einem Schlaganfall, einer Herzoperation, einer Hüfte-, Knie- oder Wirbelsäulenoperation oder einem Arbeitsunfall ihre körperliche Mobilität wiederherzustellen. Im besten Fall gelingt es, dass der Patient wieder voll arbeitsfähig wird. Für diese intensiveren Gesundheitsmaßnahmen bedient man sich gerne der Einzeltherapien. Diese sind etwas kostenintensiver, erzielen aber auch bessere Erfolge.

Es ist nicht einfach nach einem Kuraufenthalt den Erfolg in Worte zu kleiden. Nicht für den Kurgast und nicht für die Kurärztin bei der Abschlussuntersuchung. Gerne bedient man sich dabei der Befindlichkeitsskala von 0 bis 10. Zehn bedeutet weiterhin einen schmerzhaften Zustand. Vielfach begnügen sich Kurärzte damit, dass sie bei der Enduntersuchung nach dem Befindlichkeitsstatus fragen und ihn mit der Eingangsuntersuchung vergleichen. Werde ich persönlich nach meinem Kurerfolg gefragt, nach meinem persönlichen Empfinden, dann kann ich mit einem reellen Vergleich aufwarten. Mein persönlicher Kurerfolg zeigt sich darin, dass ich mich beim wöchentlichen Wohnungsputz, beim Staubsaugen und beim Bodenaufwischen um vieles lockerer und beweglicher fühle. Die Lebenspartnerin hat schon signalisiert, sollte ich die Möglichkeit bekommen in einigen Jahren meinen  Kuraufenthalt zu wiederholen, dann bekomme ich von ihr den Segen dazu.

Himmlische Aussichten.

kur:himmel I

Im österreichischen Gesundheitssystem gibt es eine spezielle Begünstigung, die Zuerkennung eines Kuraufenthaltes. Die Voraussetzung ist, dass man über einen längeren Zeitraum Schmerzen oder Beschwerden hat. Die Beschwerden müssen kein ernstes gesundheitliches Problem darstellen. Offen gesagt, sie könnten für jene zu einem gesundheitlichen Risiko werden, welche keine persönlich Gesundheitsvorsorge betreiben. Dazu zählen Verdauungs- und Atembeschwerden, Probleme mit dem Blutdruck oder den Venen, Maßnahmen zur Kräftigung des Herzmuskeln, neuerdings die Vermeidung bzw. Behandlung von Stresssituationen, wie es heute heißt, Burnout. Ein großer Teil der Kuranträge wird wegen Beschwerden am Bewegungsapparat gestellt. Wer leidet im fortgeschrittenen Alter nicht unter Nackenbeschwerden oder Spannungskopfschmerz, der von einer verspannten Nackenmuskulatur herrühren könnte. Wie sagt der Volksmund so treffend: Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz. Jeder muss sein Kreuz tragen. Dies verweist darauf, dass wir viele Sorgen und Nöte im Rückenbereich abladen. Es gibt kaum einen Beruf, egal ob er stehend oder sitzend ausgeführt wird, der nicht seine Spuren im Rücken hinterlässt. In den Kurhäusern wird versucht mit natürlichen Mitteln wie Gymnastik, Unterwasser- oder Trockengymnastik, Moorpackungen, Physiotherapie, Massagen und Elektrotherapien, den Beschwerden zu Leibe zu rücken. Auf den Einsatz von aggressiven Medikamenten wird verzichtet. Mit Unterstützung von Homöopathie, Hypnose und Bachblütentherapie wird versucht den ganzen Menschen zu behandeln.

Sehr oft setzt man auf die heilende Wirkung von Wasser, sei es das ganz ordinäre Quellwasser, wie bei der Kneipptherapie. In Österreich gibt es zudem viele Heilquellen, wie Radon- Schwefel- und Thermalquellen. Eine mir unbekannte Therapie verbarg sich hinter dem Namen Oberwassermassage. Die manuelle Rückenmassage, ebenso die Unterwassermassage waren mir bekannt. Bei der Unterwassermassage werden von einem Therapeuten, ähnlich den Massagedüsen in den Hallenbädern, mit einem Wasserschlauch verschiedene Körperstellen massiert. Bei der Oberwassermassage liegt man  auf einem Wasserbett  und durch die Gummiauflage hindurch  wird man von einem Wasserstrahl massiert. Selbst bleibt man im Trockenen.

Tintenstrahldrucker.