journal:ismus II

Die Schriftsetzer fügten die Überschriften noch händisch in den Bleisatz ein und die Metteure gestalteten aus den einzelnen Beiträgen und Fotos eine Zeitungsseite.  Journalisten wissen heute oft nicht, ob die druckfrische Morgenausgabe von den aktuellen Ereignissen überholt sein wird? Die Onlinseiten der Zeitungen erfahren mehr Engagement und Aufmerksamkeit als die Printausgaben. Bei dramatischen Ereignissen verfolge ich die Livetickers am Handy. Heute ist es für jeden Reporter selbstverständlich, dass er seine Beiträge elektronisch in die Druckerei überträgt. Ganze Buchinhalte werden von den Autoren digital an den Verlag übermittelt oder gleich als E-Books veröffentlicht. Diese Abläufe waren in den sechziger und siebziger Jahren nicht vorstellbar.

Ein Wunsch des pensionierten Journalisten ist, genauso wie es möglich ist ein Buch digital zu übertragen oder virtuell ein Museum zu besuchen, dass er sich an jeden beliebigen Ort beamen könnte. Für die Beförderung von Personen wäre keine Infrastruktur mehr nötig, keine Flugzeuge und Flughäfen, keine Autos und Autobahnen. Die Landschaften blieben intakt. Das Leben in den Ballungszentren wäre um vieles ruhiger und beschaulicher. Dies alles hofft er noch zu erleben. Bei den Errungenschaften die der Fortschritt mit sich bringt, gibt es zumeist keine Einwände, man sieht nur die Vorteile. Die Nachteile, wie bei der Auto- und Handygesellschaft, zeigen sich oft erst nach Jahrzehnten. Durch das Beamen könnte es manches Mal sehr unangenehm werden, wenn plötzlich die lieben Verwandten im Wohnzimmer stehen und nach Kaffee und Kuchen verlangen.

Gerhard Zeilinger

journal:ismus

Zum täglichen Ritual eines Lokalreporters gehörte es, das erste Mal mittags, bei den einzelnen Bezirkspolizeikommandos anzurufen, und sich nach Vorkommnissen des Tages zu erkundigen. Dies betrafen Verkehrsunfälle, Brände, Raubüberfälle, Messerstechereien, Einbrüche, alles was unter dem Begriff Delikte aus dem Strafgesetzbuch passte. Die Anrufe erfolgten am Festnetz, auf einem Apparat mit einer Wählscheibe. Jede Tageszeitung versuchte einen Vertrauensmann in der Landespolizeizentrale zu installieren, um bei spektakulären Vorkommnissen als Erster mit Nachrichten versorgt zu werden. War man auf Draht raste man mit dem Auto, zusammen mit dem Fotoreporter los, um an Ort und Stelle zu recherchieren und Fotos zu machen. War es ein einmaliger Tipp, dann gab es einen Exklusivbericht und die Fotos ließen sich am nächsten Tag auch an eine andere Zeitung verkaufen.

Heute gibt es kein lokales Ereignis, welches von den Anwesenden nicht fotografiert und in ein soziales Netzwerk gestellt wird. Damit erübrigt sich ein analoger Telefonanruf bei den Bezirkspolizeikommandos. Auch die Rettungsorganisationen posten noch während ihres Einsatzes Bilder vom Katastrophenort, verlässlich danach. Von ihren Lesern werden die Redaktionen mit Livebildern bombardiert. Das wichtigste journalistische Handwerkzeug in der Lokalberichterstattung ist jetzt, die sozialen Netzwerke zu beobachten. Zumeist wird in der Lokalpolitik etwas nur angedacht, die Renovierung einer Schule, die Verbauung eines Wildbaches, der Ausbau des Heimatmuseums, die Unterstützung der Feuerwehr und schon werden diese Vorhaben den Journalisten publik gemacht. In der Tageszeitung liest man über das Vorhaben als sei es schon in Bau oder kurz vor der Fertigstellung.

internetmüll:verbrennungsanlage

Ein Hinweis für die Energieversorgungsunternehmen, welche permanent auf der Suche nach neuen Energiequellen sind, man könnte eine Internetmüllverbrennungsanlage installieren. Darin werden alle Face News, Hass- und Neid Posting verbrannt. Daraus könnte man den Strom für den Betrieb von Laptops und des Internet gewinnen. Auch die gelöschten, personenbezogenen Daten könnten in der Internetmüllverbrennungsanlage verfeuert werden. Das Facebook, mit seinen Meldungen, ob gute oder schlechte, wohlmeinende oder böse, wäre eine Energiereserve für Spitzenstromzeiten. Wahrscheinlich gäbe es einen Energieüberschuß. Die Erstellung von Beiträgen benötigt geistige Energie, welche man in elektrische Energie transformieren könnte. Eine Anregung für ein neues Startup, wie wandelt man geistige Energie in elektrische Energie um?

Unbekannt sind die Energiereserven der Schattenwirtschaft im Internet. Diese sind so geheimnisvoll wie die schwarzen Löcher, von denen man annimmt, dass sie fünfundneunzig  Prozent der gesamten Masse des Kosmos bündeln. Ähnliches könnte sich im Web verbergen und unseren Energiehunger für immer stillen.

Internetmüllverbrennungsanlage.

word:press II

Danach empfahl uns die Trainerin weitere Plugins, welche WordPress aufpeppen und  den Themes mehr Leben einhauchen würden. Das Plugin „W3totalcach“ sollte dafür sorgen, dass die Webseiten schneller laden. In guter Stimmung und befeuert durch meine neuen Kenntnisse habe ich in der letzten Viertelstunde des Seminars das Plugin W3totalcach heruntergeladen. Nach dem Herunterladen kommt der spannende Moment, der immer eintritt, wenn man ein Plugin installiert und aktualisiert. Wie wird sich das Erscheinungsbild der Webseite ändern oder kommt es zu Ausfällen, zu Zerstörungen an der Webseite? Als ich den Button aktualisieren drücke gibt es nur mehr einen schwarzen PC-Bildschirm. Das Blog war verschwunden, ein Super Gau. Mir wurde übel, auch der Trainerin sah man den Schock über das blitzartige Verschwinden der Webseite an. Mein Blog war im Internet nicht mehr auffindbar. Dies passierte fünf Minuten vor Kursschluss.

Fassungslosigkeit auf beiden Seiten und die Suche nach den Ursachen. Die Entfernung des Plugins „W3totalcach“ aus den Dateien am Server brachte keinen Erfolg. Die Folge war bei mir eine unruhige Nacht. Eine solche Situation habe ich in meiner 15-jährigen Blog Zeit noch nicht erlebt. Ein früher PC-Start am Morgen, mein Blog war nicht erreichbar, Error. Ich wandte mich an den Support vom Server und war froh, dass es sich um einen Hoster mit deutschen Support handelt. Die Medienfirma befindet sich in Deutschland und nicht irgendwo im Web. Die Gebühren wären vielleicht etwas günstiger, aber wahrscheinlich wäre ich mit meinem Problem alleine dagestanden. Am PC hatte ich zwar ein Backup von Schlagloch, alle Texte und Kommentare. Das Backup umfasste aber nicht die installierte Software. Vom Support wurde mir angeboten ein komplettes Backup, mit allen Programmen, Plugins, Texten und Kommentaren einzuspielen. Auf meine Anfrage reagierte der Support innerhalb einer Stunde und nach meinem ok wurde von ihnen das Backup eingespielt. Nach fünfzehn Minuten war meine Webseite wieder online. In Zukunft lasse ich die Hände von unbekannten Plugins und begnüge mich mit der Aktualisierung der installierten Plugins. Finger weg von falschen Propheten, von Heilsversprecher im Internet.

Gut gelaufen.